Märchen - Astrid Lindgren - E-Book

Märchen E-Book

Astrid Lindgren

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11,99 €

Beschreibung

Zauberhaft und geheimnisvoll ist Astrid Lindgrens Märchenwelt. Petra und Peter, zwei Kinder so groß wie Puppen, tauchen plötzlich in der Schule auf. Eine Elfe fliegt ins Kinderzimmer von Lena und der Junge Göran erlebt Abenteuer im Land der Dämmerung. Der Erzählband enthält 15 der schönsten Märchen der weltberühmten schwedischen Schriftstellerin, darunter die Geschichten von Nils Karlsson-Däumling, der Puppe Mirabell und dem Drachen mit den roten Augen. Mit vielen farbigen Illustrationen von Ilon Wikland.

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Seitenzahl: 186

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Über dieses Buch

Zauberhaft und geheimnisvoll ist Astrid Lindgrens Märchenwelt. Petra und Peter, zwei Kinder so groß wie Puppen, tauchen plötzlich in der Schule auf. Eine Elfe fliegt ins Kinderzimmer von Lena, und der Junge Göran erlebt Abenteuer im Land der Dämmerung. Der Erzählband enthält 15 der schönsten Märchen der weltberühmten schwedischen Schriftstellerin, darunter die Geschichten von Nils Karlsson-Däumling, der Puppe Mirabell und dem Drachen mit den roten Augen.

Rupp Rüpel, das grausigste Gespenst aus Småland

Es ist gut, eine Großmutter zu haben, besonders eine, die Spukgeschichten erzählen kann. Und so eine hatten wir, mein Bruder und ich.

Großmutter wohnte in einem kleinen Haus ganz am Ende eines Bergrückens, der nur aus Geröll bestand. Ich weiß nicht, was spannender war, dieser Geröllhang oder Großmutters Spukgeschichten. Eins steht jedenfalls fest, es machte Spaß, Großmutter zu besuchen, und wir taten es oft, mein Bruder und ich. Dabei war es ein mächtig weiter Weg dorthin. Es ging über Wiesen und durch kleine Wälder und über Anhöhen mit Kiefern, bis wir endlich das Großmutterhäuschen in einer Mulde am Berghang liegen sahen. Und dort in der kleinen Küche saß Großmutter, die so lieb war und so wunderbar erzählen konnte.

Die Prinzessin, die nicht spielen wollte

Es war einmal eine Prinzessin, die nicht spielen wollte. Sie hieß Lise-Lotta. Wie fast alle Prinzessinnen hatte sie helles, lockiges Haar und blaue Augen.

Sie hatte ein Zimmer voller Spielsachen. Da gab es die süßesten kleinen Puppenmöbel und Puppenherde mit richtigen kleinen Töpfen und Wasserkesseln, da gab es alle Arten Stofftiere, weiche Katzen und struppige Hunde. Da gab es Baukästen und Malbücher und Tuschkästen und einen richtigen Kaufmannsladen mit Rosinen und Zucker und bunten Bonbons in den Schubfächern. Und trotzdem wollte die Prinzessin nicht spielen.

Ihre Mama, die Königin, war immer sehr traurig, wenn sie Lise-Lotta missmutig in diesem schönen Spielzimmer sitzen sah.

»Lise-Lotta«, sagte die Königin, »willst du nicht spielen?«

»Nein, das macht keinen Spaß«, sagte Lise-Lotta.

»Vielleicht möchtest du eine neue Puppe haben?«, schlug die Königin vor.

»Nein, nein«, sagte Lise-Lotta, »ich kann Puppen nicht leiden!«

Da dachte die Königin, dass Lise-Lotta krank sei, und rief den Leibarzt der Prinzessin an, der sofort kam und ihr eine neue Medizin verschrieb. Nun würde sie sicher froh und munter werden und anfangen zu spielen, meinte der Leibarzt.

Aber nein, nichts half.

Lise-Lotta versuchte, es ihrer Mama recht zu machen. Sie nahm eine Puppe, die ein blaues Kleid anhatte, und zog ihr stattdessen ein rotes an. Auf winzig kleinen Kleiderhaken hingen viele hübsche Puppenkleider. Da war nur zu wählen. Aber als das erledigt war, guckte sie die Puppe an und sagte: »Du bist genauso hässlich wie vorher.«

Dann warf sie die Puppe in eine Ecke und fing an zu weinen.

Die Prinzessin wohnte in einem furchtbar schönen Schloss, zusammen mit ihrem Papa, dem König, ihrer Mama, der Königin, hundert Hofdamen und ebenso vielen Hofherren. Kinder gab es im ganzen Schloss nicht, denn Lise-Lotta hatte keine Geschwister und die Königin dachte, es gehöre sich nicht, eine kleine Prinzessin mit Kindern spielen zu lassen, die nicht Prinzessinnen oder Prinzen waren. Und da Lise-Lotta niemals andere Kinder gesehen hatte, so glaubte sie, es gäbe auf der ganzen Welt nur große Menschen und sie selbst, die klein war.

Manchmal versuchte eine der Hofdamen, mit Lise-Lotta zu spielen. Aber das fand Lise-Lotta richtig langweilig, und dann setzte sie sich auf einen Stuhl und schwieg.

Das Schloss lag mitten in einem großen Park, und rund um den Park war eine hohe Mauer. Sie war von herrlichen Rosen überwuchert, aber es blieb doch eine Mauer, und man konnte nicht sehen, was draußen war. Natürlich gab es ein großes, prächtiges Portal in der Mauer mit hohen Gittertoren, die jedes Mal geöffnet und wieder geschlossen wurden, wenn der König in seiner goldenen Kutsche mit den sechs weißen Pferden davor ausfuhr. Aber am Portal hielten immer die Soldaten des Königs Wache. Deshalb mochte Lise-Lotta nicht dorthin gehen, denn sie war ein bisschen schüchtern.

Aber ganz weit hinten im Park hatte die Prinzessin eine kleine Gittertür in der Mauer entdeckt. Dort hielten keine Soldaten Wache, denn die Tür war verschlossen und der Schlüssel hing ordentlich an einem Haken daneben. Oft, sehr oft stand die Prinzessin an der kleinen Tür und sah hinaus.

Und eines Tages geschah etwas Merkwürdiges. Als die Prinzessin wieder zu der Tür kam, sah sie, dass dort draußen ein Mensch stand, der nicht ein bisschen größer war als sie selbst. Es war ganz einfach ein kleines Mädchen, das dort stand, genauso ein kleines Mädchen wie die Prinzessin. Obwohl sie natürlich kein Seidenkleid wie Lise-Lotta anhatte, sondern nur ein kariertes Baumwollkleid.

Lise-Lotta war sehr erstaunt.

»Warum bist du so klein?«, fragte sie.

»Ich bin ja wohl nicht kleiner als du«, antwortete das Mädchen, das übrigens Maja hieß.

»Nein, das sehe ich«, sagte Lise-Lotta, »aber ich dachte, dass nur ich klein bin.«

»Ich finde, wir sind beide ziemlich groß«, sagte Maja. »Da solltest du mal meinen Bruder zu Hause sehen, der ist nur so groß.« Maja zeigte mit beiden Händen, wie klein er war. Lise-Lotta freute sich ganz furchtbar darüber, dass hier jemand war, der genauso klein war wie sie selbst. Und obendrein gab es welche, die noch viel kleiner waren.

»Mach mir die Tür auf, dann können wir spielen«, schlug Maja vor.

»Nein, nein«, sagte Lise-Lotta, »spielen ist das Entsetzlichste, was ich kenne. Spielst du denn?«

»Das kannst du glauben! Ich spiele immer, immer und immer«, sagte Maja. »Mit meiner Puppe hier.«

Sie hielt etwas hoch, was eher aussah wie ein Stück Holz mit einigen Lappen darum. Es war eine gedrechselte Holzpuppe. Vor langer Zeit hatte sie einmal ein Gesicht gehabt, aber jetzt war die Nase ab, und die Augen hatte Maja selbst wieder mit Buntstift angemalt. Lise-Lotta hatte eine solche Puppe noch nie gesehen. »Sie heißt Pia«, erklärte Maja. »Und sie ist so lieb.«

Vielleicht, dachte Lise-Lotta, kann man mit Pia besser spielen als mit anderen Puppen. Aber egal, Hauptsache, sie war mit jemandem zusammen, der nicht größer war als sie selbst. Lise-Lotta stellte sich auf die Zehenspitzen, nahm den Schlüssel vom Haken und öffnete Maja die Tür.

In diesem Teil des Parkes wuchsen große Fliederbüsche. Die Mädchen waren wie in einer Laube, wo niemand sie sehen konnte.