Verlag: Karl Knortz Kategorie: Lebensstil Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2015

Märchen aus Irland - irische Erzählungen, Geschichten und Elfenmärchen - Ausgesuchte Volkssagen (Illustrierte Ausgabe) E-Book

Karl Knortz  

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E-Book-Beschreibung Märchen aus Irland - irische Erzählungen, Geschichten und Elfenmärchen - Ausgesuchte Volkssagen (Illustrierte Ausgabe) - Karl Knortz

Irische Märchen erzählen von Elfen, Kobolden und Nixen, greifen aber auch auf klassische Märchenfiguren wie Prinzessinnen und böse Stiefmütter zurück. Aus der Fülle des Materials sind hier die 48 schönsten irischen Geschichten aus fernen Zeiten zusammengestellt - voller Poesie, Fantasie und Weisheit. • Mit interaktivem Inhaltsverzeichnis zum Anklicken • Alle Märchen im historischen Originaltext

Meinungen über das E-Book Märchen aus Irland - irische Erzählungen, Geschichten und Elfenmärchen - Ausgesuchte Volkssagen (Illustrierte Ausgabe) - Karl Knortz

E-Book-Leseprobe Märchen aus Irland - irische Erzählungen, Geschichten und Elfenmärchen - Ausgesuchte Volkssagen (Illustrierte Ausgabe) - Karl Knortz

Karl Knortz Märchen aus Irland - irische Erzählungen,  Geschichten und Elfenmärchen

Ausgesuchte Volkssagen (Illustrierte Ausgabe)    Copyright © 2015 eins zum anderen Media Verlag GmbH eins zum anderen Media Verlag GmbH, Kuppenheim www.eins-zum-anderen.de Fotonachweis: siehe Buch-Ende

Die schönsten Märchen aus Irland

Die hier vorliegende leicht überarbeitete Ausgabe folgt den historischen Originaltexten aus dem Jahr 1886, denn diese alten Texte sind ganz besonders stimmungsvoll, entführen auf magische Weise nach Irland und bewahren den Charme der überlieferten Erzählungen wie einen alten Schatz. Wundern Sie sich also nicht über die an einigen Stellen auf den ersten Blick vielleicht altertümlich anmutende Sprache und Rechtschreibung, machen Sie mit uns stattdessen eine Zeitreise in längst vergangene Zeiten. Und eine kleine Bitte noch: Wenn Sie unsere Märchen mögen, schreiben Sie doch bitte eine kurze, positive Rezension im Store, denn lobende Bewertungen sind unser Lohn und motivieren uns, das Buch immer wieder um neue, zusätzliche Geschichten zu erweitern. Sollten Sie hingegen Kritik oder Anregungen haben, geben Sie uns bitte die Chance, zu reagieren, und schreiben Sie uns an info@eins-zum-anderen.de. Vielen Dank! 

Der verwunschene See

In dem Westen Irlands befindet sich ein See, in dem viele junge Leute das Leben verloren haben und deren Leichname nie mehr gefunden wurden. Nicht weit davon wohnte ein junger Bauer, Namens Boderick Keating, der sich in Bälde mit der schönen Peggy Honan verheiraten wollte. Als dieser einstmals mit einigen Kameraden in Limmerick gewesen war und den Brautring gekauft hatte, neckten ihn jene und sagten, er habe sich da umsonst Unkosten gemacht, da ihn sein Nebenbuhler Delaney doch noch ausstechen werde. Aber Roderick hörte nicht darauf und hielt als Antwort triumphirend den Ring in die Höhe. Doch wie er ihn wieder in die Tasche stecken wollte, entglitt er seinen Fingern und rollte hinab in den See unter allgemeinem Gelächter der Umstehenden. »Nun muß ich wieder nach Limmerick zurück!« rief er weinend aus, »und einen andern Ring kaufen. Oder hat vielleicht Jemand von euch für eine zehnfache Belohnung Lust, in's Wasser zu tauchen und ihn zu holen?« Doch diese Frage war vergebens; Keiner meldete sich dazu, da Jeder über das Gefährliche dieses Unternehmens schon seit seiner Kindheit allerlei grauenerregende Geschichten gehört hatte. Wie nun Roderick stumm da stand und nicht wußte, was er beginnen sollte, trat ein armer Mann zu ihm und fragte, ob sich sein Anerbieten auch auf ihn erstrecke. »Gewiß, Paddeen!« erwiderte Roderick. Darauf zog jener seinen Rock aus und sprang beherzt in den See. Er tauchte immer tiefer und tiefer und es schien ihm, als sei gar kein Boden da. Endlich erblickte er unten ein Licht und als er dasselbe erreicht hatte, befand er sich auf einmal in einer wunderschönen Gegend, in der die früher Ertrunkenen munter einhergingen und sich allerlei Beschäftigungen machten. Paddeen sprach jedoch zu Keinem, trotzdem er die Meisten davon kannte, sondern ging einem großen Schlosse zu, in dem er sich wegen des Ringes erkundigen wollte. Als er in die Thüre trat, kam eine Frau, die so dick war, daß sie einem zweibeinigen Bierfasse glich, auf ihn zu und wünschte ihm »guten Morgen«. »Guten Morgen!« erwiderte Paddeen. »Was willst du hier?« »Roderick Keating's goldenen Ring!« »Hier hast du ihn.« »Ich danke dir. Kannst du mir nicht sagen, ob ich denselben Weg wieder zurück muß, den ich gekommen bin?« »Bist du denn nicht gekommen, mich zu heiraten?« »Warte noch ein wenig, lieber Schatz, ich will erst den Ring zurückbringen, damit ich meine Bezahlung erhalte.« »Wenn du mich heiratest, brauchst du dich um solche Kleinigkeiten nicht zu bekümmern; hier ist alles in Hülle und Fülle, was du brauchst.« Doch Paddeen that, als höre er es nicht, und marschirte rüstig weiter; denn er hatte nicht die geringste Lust, ein so unverschämt fettes Frauenzimmer zu heiraten. Als er oben wieder glücklich angekommen, erhielt er fünf Guineen zur Belohnung und das war mehr, als er in seinem Leben jemals besessen hatte. Zurück aber ging er nicht mehr: denn, dachte er, wenn das fette Weib mit aller Gewalt einen Mann haben will, und so reich ist, wie sie vorgab, so kann sie sich ja unten leicht einen auswählen.

Der Wechselbalg

Die Frau eines Matrosen gebar einst während der Abwesenheit ihres Mannes einen Knaben und wollte ihn nicht eher taufen lassen, als bis ihr Gemahl zurückgekehrt sei. Die Frauen der Nachbarschaft baten sie zwar tagtäglich, sie solle doch die Taufe nicht aufschieben, denn wer wisse, was dem Kinde sonst passiren könne; aber sie ließ sich einmal nicht bereden und sprach: »Mein Mann muß jeden Tag kommen.« Doch der Mann kam nicht und als der Knabe beinahe zwei Jahre alt war, hörte die Mutter eines Abends, da sie von der Feldarbeit nach Hause gekommen war, ein merkwürdiges Jammern in seinem Schlafzimmer. Eiligst lief sie an sein Bett und fragte, was ihm fehle. »O, Mamma, Mamma!« rief er, »ich bin krank und friere, nimm ja die Bettdecke nicht von mir!« Gleich gab ihm die Mutter Milch zu trinken und fragte ihren ältesten Sohn, der sieben Jahre alt war, seit wie lange sein Brüderchen krank sei. »Mutter,« antwortete dieser, »er war so glücklich wie ein König, als du fort warst, und sprang munter und guter Dinge im Zimmer umher. Als ich nun auf einige Augenblicke in unsere andere Stube gegangen war, kam es mir vor, als flögen hunderte von großen Vögeln durch den Schornstein, und darnach hörte ich meinen Bruder schreien, und als ich wieder zurückkam, erkannte ich ihn kaum mehr, so verändert hatte er sich in der kurzen Zeit. Seine Kleider waren zerrissen und sein Gesicht so schmutzig, als habe er sich den ganzen Tag im Schlamm herumgewälzt.« Wie sie ihn nun recht betrachtete, wußte sie nicht, was sie vor Schreck thun sollte. Sein Gesicht war so runzlig wie das eines achtzigjährigen Greises; seine Arme und Beine waren so abgemagert wie ein Besenstiel und über und über mit Haaren bedeckt. Trotz alledem schien er aber doch noch ihrem jüngsten Sohne zu gleichen und Niemand konnte sie überzeugen, daß es ein Wechselbalg sei. Nun hatten sich die Nachbarsfrauen wieder viel zu erzählen und eine meinte, das komme davon, wenn man sein Kind nicht zur rechten Zeit taufen ließe. Um diesem Gerede Einhalt zu thun, sagte sie dann eines Tages zu dem Kleinen: »Komm, Alanna, ich will dich schön anziehen und in die Kirche tragen, damit du die heilige Taufe empfängst!« Aber da schrie der Kleine plötzlich so schrecklich, daß die Dänen fortgelaufen wären, wenn sie es gehört hätten; die Mutter ließ ihn daher ruhig zu Hause, da sonst die ganze Dorfjugend hinter ihr her gezogen wäre. Als sie am nächsten Abend wieder aus dem Felde kam und nach dem Knaben sah, bemerkte sie, daß er rein angezogen und schön gewaschen und gekämmt war. »Hast du dies gethan?« fragte sie ihren ältesten Sohn. »Nein«, erwiderte er, »die Nachbarn haben Recht und du hast Unrecht, was ich dir gleich beweisen will. Als ich ein wenig vor die Thüre gegangen war, hörte ich auf einmal allerlei Kinderlieder im Zimmer singen und wie ich mich vor das Schlüsselloch geschlichen hatte, sah ich eine Menge kleiner, weißer Frauen, die ihn wuschen und kämmten; sobald ich jedoch die Thüre aufmachte, verschwanden sie plötzlich.« »Du sprichst gerade wie die Nachbarn!« sagte die Mutter unwillig. Am nächsten Tage hatte Pat eine neue Geschichte zu erzählen. »Mutter,« sagte er, »als du heute früh fortgingst, richtete sich der Kleine im Bette auf und befahl mir, ihm deine Thonpfeife zu reichen, damit er ein wenig rauchen könne.« »Hallunke!« entgegnete ich ihm, »das werde ich der Mutter sagen!« »Sag es ihr nur immerhin,« antwortete er, »sie glaubt dir doch kein Wort!« »Und das thue ich auch nicht!« erwiderte die Mutter. Endlich kam ein Brief von ihrem Gemahle, in dem er ihr mittheilte, daß er bald zurück sei. »Nun!« rief sie freudig aus, »wird auch bald die Taufe gefeiert werden!« Darnach zog sie sich an und ging in die Stadt, um Zucker, Thee und Fleisch einzukaufen. Als dies die Nachbarn sahen, liefen sie augenblicklich in ihr Haus und eine starke Frau wickelte den Wechselbalg in ein Tuch und trug ihn fort nach dem nahen Teiche. Er zappelte und fluchte, daß die Bauern die Hände über dem Kopfe zusammenschlugen; aber die Frau fürchtete sich nicht und warf ihn beherzt in's Wasser. Trotzdem er so schwer wie Blei zu sein schien, sank er doch nicht unter, sondern schwamm, die Zähne fletschend und gräßlich lachend, im Teiche herum. »Sagt der Frau,« schrie er, »sie könne von Glück sagen, daß ich sie nicht erwürgt habe!« Als sie wieder zurückkehrten, begegnete ihnen unterwegs die Frau mit ihrem rechten Kinde auf dem Arme. »Heute noch muß mein Sohn getauft werden,« sagte sie, »und ihr alle seid hiermit zum Feste eingeladen!«

Eine probate Kur

Richard hatte den Beinamen »der Taugenichts« nicht ohne Grund erhalten; denn wenn sich sein Vater und sein Bruder auf dem Felde abquälten, hielt er sich in den Wirthshäusern auf und vertrank und verspielte Alles bis auf den letzten Rock. Seine größte Freude bestand jedoch im Tanzen, worin er solche bewunderungswerthe Geschicklichkeit erlangt hatte, daß ihm seine Verwandten Vieles hingehen ließen, wenn er ihnen Abends eine Vorstellung gab, wozu er übrigens auch stets bereit war. Als er nun eines Abends die große Stallthüre ausgehoben und in den unebenen Hof gelegt und eben angefangen hatte, darauf einige kunstreiche Sprünge zu machen, brach er plötzlich mit einem lauten Schrei zusammen und war von diesem Augenblicke an so kraftlos, daß er in's Bett getragen werden mußte. Alle Quacksalber des ganzen Dorfes kamen herbei und probirten ihre Künste an ihm, ohne ihm jedoch Linderung zu verschaffen und zuletzt sagte einer: »Das ist kein gewöhnlicher Mensch; das ist ein Wechselbalg!« Und so schien es auch; denn aus dem lebenslustigen, jungen Manne war im Laufe weniger Stunden ein unausstehlicher, griesgrämiger und verhutzelter Kerl geworden, der alles Eßbare, das vor ihn kam, mit einem wahren Heißhunger verschlang. Seine Verwandten waren rath- und trostlos; doch da kam eines Tages ein Schwarzkünstler zu ihnen, hing einen Dudelsack an das Bett des Unglücklichen und sagte ihnen heimlich, daß, wenn sie ihn auf demselben spielen hörten, es sicher wäre, daß sie einen Wechselbalg vor sich hätten und nicht den Richard, der ja nicht spielen könne. Doch der Kranke war eben so schlau und ließ das Instrument ruhig hängen. Aber endlich verrechnete er sich doch. Da es nämlich wunderschönes Wetter war und er glaubte, Alle seien auf dem Felde, holte er den Dudelsack herbei und musizirte nach Herzenslust. Seine Verwandten aber standen nebst einem Teufelsaustreiber und dessen Frau in der Küche und hörten dies Alles mit an. »Was sollen wir mit diesem Hallunken anfangen?« fragte die Frau. »Wir nehmen ihn am Kragen und halten ihn mit dem Kopfe so lange in's Wasser, bis er das Athmen vergißt!« erwiderte der Zauberer. »Das wäre eine zu leichte Strafe. Ich will eine große eiserne Schaufel heiß machen und ihn darauf setzen!« »Ich will lieber die Zange in's Feuer legen und ihm, wenn sie heiß ist, die Nase damit zwicken!« »Halt! Ich weiß etwas Besseres! Ich gebe ihm einen Schluck aus meiner Medizinflasche und er wird bald den Winter und die Hölle abwechselnd in seinem Magen spüren!« »Gut; laß uns hineingehen!« Doch als sie in die Stube traten, war der Wechselbalg verschwunden und nirgends mehr zu sehen. Dafür aber sah der Teufel zum Fenster herein und als der Zauberer mit der glühenden Zange nach ihm schlug, verschwand auch er unter gräßlichem Lachen. Am nächsten Morgen fand man Richard gesund und munter in seinem Bette. Aber ein Taugenichts war er nicht mehr; denn Keiner arbeitete jetzt fleißiger und las eifriger im Gebetbuche als er.

Die Elfen-Amme

In der Nähe von Coolgarrow wohnte ein armes Ehepaar, das drei Kinder hatte. Die Frau war zwar eine sehr tüchtige Hausfrau und scheute vor keiner Arbeit zurück, aber vom Kirchengehen war sie keine besondere Freundin und die langen Predigten ihres Priesters hielt sie für unverzeihliche Zeitverschwendung. Während nun eines Tages ihr Mann nebst den beiden ältesten Söhnen der Messe beiwohnte, ließ sie ihr jüngstes Kind zu Hause und ging zu einem alten Wahrsager und Wunderdoktor, um ihn wegen einer kranken Kuh um Rath zu fragen. Als nun ihr Mann wieder nach Hause zurückgekehrt war und sie wegen der Vernachlässigung ihrer religiösen Pflichten ernstlich zur Rede stellte, versprach sie ihm, noch an demselben Abend in die Kirche zu gehen. Und sie hielt auch Wort. In der Nacht wurde der Mann plötzlich durch den Ruf »Mutter! Mutter!« geweckt und als er sich nach seiner Frau um sah, war sie Verschwunden. Er fragte seinen ältesten Sohn, wo seine Mutter hin sei. »Vor einer Stunde,« antwortete er, »sah ich das Zimmer voller grün-, gelb- und weiß-gekleideter Zwerge, die um die Mutter einen Tanz aufführten und sie dann mit fortnahmen.« Augenblicklich stand er auf und suchte überall im ganzen Hause und Hofe nach ihr, aber nirgends war eine Spur von ihr zu finden. Er weinte bitterlich, aber seine Thränen waren vergeblich. Da kam nun eine Woche darnach eine Hebamme zu ihm und erzählte ihm Folgendes: »Als ich mich gestern Abend in's Bett legen wollte, hörte ich auf einmal Pferdegetrampel im Hofe und gleich darauf klopfte es an der Thüre. Ich ging augenblicklich hinaus und sah einen schönen schwarzen Mann auf einem Rappen vor mir, der mir sagte, ich solle augenblicklich mit ihm zu seiner Frau gehen.« Ehe ich ihm Antwort geben konnte, hatte er mich auf sein Pferd gehoben und fort ging's in sausendem Galoppe. »Wo reiten wir hin?« fragte ich. »Das wirst du bald sehen,« erwiderte er und fuhr mit seiner Hand über meine Augen, wonach ich völlig erblindete. In welcher Richtung wir ritten, kann ich also nicht sagen; doch war unsere Reise keine lange, denn bald machte er Halt und fuhr mit seiner Hand in der entgegengesetzen Richtung über meine Augen, worauf ich ein großes Schloß vor mir stehen sah. Wir gingen hinein und er führte mich durch ein mit den reichsten Vorhängen und Teppichen verziertes Zimmer in das Schlafgemach seiner Gattin, woselbst er mich allein mit ihr ließ. Bald darnach erblickte ein feiner Knabe das Licht der Welt. Die Frau klatschte in die Hände und gleich kam Fir Dhorocha (schwarzer Mann) herein und gab mir eine Flasche mit einer grünen Flüssigkeit, um das Kind damit einzureiben. Ich rieb es auch ein, doch unversehens kam mir etwas von der Flüssigkeit in's Auge, was mir große Schmerzen verursachte. Als ich wieder recht sehen konnte, war alle Pracht und Herrlichkeit um mich verschwunden und der Mann und die Frau vor mir sahen so mager aus wie Skelette und die Kleider, die sie anhatten, würde ich nicht vom Boden aufheben! Ich that, als merke ich den plötzlichen Unterschied nicht. »Geh' vor das Schloßthor,« sagte der Schwarze, »ich werde ebenfalls bald dort sein und dich nach Hause bringen.« Ich ging fort und wem begegnete ich? Deine Frau, die arme Molly, stand traurig im Hofe und als sie mich bemerkte, flüsterte sie mir zu: »Ich bin hieher geholt worden, um das Kind des Feenkönigs zu säugen und es gibt nur einen Weg, mich zu retten. Am nächsten Freitag Abend wird die hiesige Elfenschaar nach dem Hofe der Feen von Old Roß ziehen und wenn mich dann mein Mann am Kleide fassen kann, so bin ich gerettet.« Gleich darauf kam Fir Dhorocha, hob mich auf sein Pferd und fort ging's im Sturmessaus nach meiner Wohnung. Er bedankte sich, gab mir fünf Guineen und ritt wieder fort. Als ich jedoch heute morgen mein Geld betrachtete, sah ich zu meinem größten Schreck, daß er mir fünf dürre Eichblätter gegeben hatte. »Ich hoffe, ich werde sein Gesicht nie wieder sehen!« Der arme Mann freute sich, daß er Hoffnung hatte, seine Frau wieder zu bekommen, und stellte sich am nächsten Freitagabend an die Stelle, die ihm die Hebamme noch näher angegeben hatte. Sie war ebenfalls mitgegangen, da sich der Mann allein fürchtete. Bald kam der Zug der Elfen vorbei, aber da er ihn nur hörte, so gab ihm die Frau einen Stoß und er griff blindlings zu und hatte sein geliebtes Weib in den Armen. Sobald er sie berührte, war sie auch für ihn sichtbar und ebenso eine Menge merkwürdiger Geschöpfe, die sie ihm mit aller Gewalt wieder entreißen wollten. Aber ihre Anstrengungen waren vergebens. Die Drei gingen nun ruhig nach Hause und die Frau erkannte seit dieser Zeit den Werth des Kirchengehens und schimpfte nie mehr über lange Predigten.

Jim Doyle im Elfenpalast

Als Jim Doyle einst spät in der Nacht nach Hause ging, sah er auf einmal ein hellerleuchtetes Schloß dicht vor sich, in dem es sehr lustig herging. Muthig trat er durch die offene Thür ein und sah sich in einem großen Saale, wo sich die Elfen mit ihrem Könige und der Königin versammelt hatten und ein Glas nach dem andern leerten. Die Kleider, die sie anhatten, waren längst aus der Mode, aber sie waren aus den kostbarsten Stoffen gemacht und mit unzähligen Edelsteinen verziert. Als ihn die Königin bemerkte, sprach sie: »Macht Platz für unsern Freund Doyle und schenkt ihm ein Glas des besten Punsches ein!« Darauf mußte er sich zu den Elfen setzen; doch als er das Glas an den Mund setzen wollte, bemerkte er einen alten Bekannten neben sich, der schon seit zwanzig Jahren todt war. »Trinke um des Himmels Willen keinen Tropfen,« flüsterte er ihm zu und Doyle, der sich inzwischen auch die Andern etwas näher angesehen und sich über ihr geisterhaftes Wesen erschreckt hatte, ließ den Punsch statt in den Mund in die Weste fließen. Dann bat die Königin einen ihrer Unterthanen, ein kräftiges irländisches Lied zu singen, wonach dieser auch sogleich zur allgemeinen Freude einen ganz gemeinen Gassenhauer anstimmte. Diesen mußte er nun so lange wiederholen, bis Doyle entschlief und Alles um sich vergaß. Am nächsten Morgen fanden ihn einige seiner Nachbarn auf einer Wiese liegen und weckten ihn auf. Auf die Frage, wie er dorthin gekommen sei, gab er unverständliche und verwirrte Antworten und nach seinem Athem zu urtheilen, schien er doch mehr als einen Schluck starken Getränkes genossen zu haben.

Nora

Die Tochter der Hebamme Nora war ein unglückliches Mädchen. Länger als ein Jahr hatte sie das Bett wegen eines geschwollenen Beines gehütet und kein Doktor des ganzen Landes hatte ihr Linderung verschaffen können. Nun kam eines Abends der König der Elfen zu ihrer Mutter und bat sie, ihm nach seinem Palaste zu folgen, wo seine Frau ihrer bedürfe. Ehe sie sich jedoch zu ihm auf's Pferd setzte, fand ihr Mann noch Zeit, sie zu warnen, ja Nichts von der Königin anzunehmen, einen Rath ausgenommen in Bezug auf ihre kranke Tochter. Als Nora eine Zeitlang im Elfenschlosse gewesen war, wurde die Familie der Königin durch ein schönes Mädchen vergrößert. »Du bist eine geschickte Frau,« sagte die Königin zu ihr, »und sollst deshalb das Schloß nicht leer verlassen. Geh' zuerst in das nächste Zimmer und hole dir so viele Gold- und Silbersachen, wie du nur tragen kannst.« »Ich danke,« erwiderte sie; »wenn ich reich wäre, so würde ich nicht mehr arbeiten und nichts thun als essen und trinken, was mich nach einem Jahre auf den Kirchhof brächte.« »Du bist eine kuriose Frau! doch setz' dich dort an den Tisch und iß und trink' nach Herzenslust!« »Ich danke; denn wenn ich so gute Sachen äße, würde mir nachher meine einfache Kost nicht mehr schmecken!« »Aber dann nimm dir doch wenigstens dies schöne Umschlagtuch mit!« »Wenn ich dies Tuch trüge, so würden mir alle Buben des ganzen Dorfes nachlaufen!« »Das thut mir leid, doch womit kann ich dir eigentlich meine Dankbarkeit erzeigen?« »Ich habe eine kranke Tochter zu Hause und weiß, daß du ihr helfen kannst, wenn du nur willst.« »Verlange alles Andere, aber nicht Dieses; du weißt nicht, wie sehr mich deine Tochter beleidigt hat.« »Beleidigt? Das ist unmöglich!« »Höre. Du weißt, daß sich die Elfen ihres Lebens nur in der Nacht freuen und sich gerne in den Küchen aufhalten, die rein und blank gescheuert sind. Es ist nun schon über ein Jahr her, da kam ich mit meinem Völkchen an deiner Hütte vorbei und da mir das Aeußere derselben gefiel, so gingen wir Alle hinein und setzten uns in die Küche, die so reinlich war, daß wir gleich beschlossen, uns dort auf längere Zeit niederzulassen und Thee zu trinken. Doch kaum hatten wir unsern Thee fertig, da kam deine Tochter herein und zertrat Mehrere von uns und warf meine Tasse um. Dies ärgerte mich so, daß ich ihr mit der Theekanne auf's Bein schlug und es verwundete. Die Kanne zerbrach und ein Stück davon blieb ihr wahrscheinlich im Beine stecken.« »Da mußt du ihr verzeihen, denn sie wußte so wenig, daß ihr da waret, als sie von der Stunde weiß, in der sie geboren ward.« »Das glaube ich auch, und da du mir diese Nacht so große Dienste geleistet hast, so soll ihr vergeben sein. Nimm diese Salbe und reibe die wunde Stelle damit, sobald du nach Hause kommst.« Darauf kam der Elfenkönig, um Nora abzuholen. Sie setzte sich auf sein steinhartes Pferd und war im Nu vor ihrer Hausthüre. Das Erste, was sie that, war, daß sie ihrer Tochter das kranke Bein einrieb und als diese am nächsten Morgen erwachte, fühlte sie nicht mehr die geringsten Schmerzen und war so gesund wie ein Fisch im Wasser. Aber in die Küche ging sie Nachts nicht mehr seit dieser Zeit.

Ein Kobold in Eselsgestalt

Der gute alte Patrik Henry pflegte einen großen Theil des Jahres Geschäfte halber in Dublin zuzubringen und da er seine Familie gewöhnlich mitnahm, so blieben nur seine Knechte und Mägde zurück, um das Haus zu bewachen. In diesem Hause schien es aber nicht recht geheuer zu sein, denn jede Nacht klopfte es an die Küchenthüre und dann wurden die Teller und Schüsseln so durcheinander geworfen, daß man meinte, es bliebe Nichts mehr ganz. Nun hatten sich die Dienstboten eines Abends vor dem Schlafengehen in der Küche allerlei Geistergeschichten erzählt, wobei ein Knecht in einer Ecke so tief eingeschlafen war, daß er die Andern nicht weggehen hörte. Plötzlich wurde er nun durch einen lauten Schlag an die Thüre geweckt und als er sich aufrichtete, sah er einen großen Esel vor sich, der ganz munter seine Stimme erschallen ließ. Der Knecht war so erschrocken, daß er kein Wort sprechen konnte und er glaubte, der Esel würde ihn jeden Augenblick verschlingen. Doch der langohrige Fremde bekümmerte sich nicht weiter um ihn, denn er hatte dem Anscheine nach viel wichtigere Geschäfte zu besorgen. Zuerst blies er das Feuer wieder an und dann stellte er mit seinen Vorderfüßen einen Kessel voll Wasser darauf und währenddem dasselbe warm ward, stellte er alle Teller und Schüsseln auf den Küchentisch zusammen. Auch sah er sich etwas aufmerksamer in der Küche um und beschnüffelte den ängstlichen Knecht von allen Seiten, ohne ihm jedoch das geringste Leid zuzufügen. Als das Wasser anfing zu kochen, y-ate er vor Freude so laut, daß die Fensterscheiben am ganzen Hause klirrten, und dann wusch er alle Tisch- und Küchengeräthe so sauber, wie es die beste Magd im vornehmsten Gasthofe zu Dublin nicht schöner fertig gebracht hätte. Dann stellte er Alles wieder an die geeigneten Plätze, machte das Feuer aus und ging seiner Wege. Jetzt athmete der Knecht wieder frei auf und schlich sich in sein altes Schlafgemach. Am nächsten Morgen erzählte er sein Erlebniß und die Dienstboten hatten nun für den ganzen Tag Stoff zur Unterhaltung. »Köstlich,« sagte eine Magd, »wenn der Esel das Geschirr aufwäscht, so brauchen wir es ja nicht mehr zu thun und können also eine halbe Stunde eher schlafen gehen!« »Das ist das gescheidteste Wort, das du in deinem Leben gesprochen hast,« erwiderte eine Andere, und daß sie seit dieser Zeit dem Esel alle Küchenarbeiten überließen, verstand sich von selber. Am Morgen war die Küche jedesmal so rein gescheuert und alle Schüsseln und Teller waren so blank, daß ein König daraus hätte essen können. Den faulen Mägden gefiel dies natürlich über alle Maßen und sie hätten gerne noch mehrere solcher Esel im Hause gesehen, welche die anderen Arbeiten verrichtet hätten. Nun war unter den Knechten einer, der hatte Courage und blieb eines Abends in der Küche sitzen und wartete auf den Esel. Als derselbe gekommen war und eben seine gewohnte Arbeit beginnen wollte, fragte ihn der Knecht: »Dürfte ich vielleicht wissen, wer du eigentlich bist und weshalb du deine Nachtruhe den Mägden opferst?«