Beschreibung

Vom Autor des Bestsellers Der Club der roten Bänder
Wenn die Madrider Polizei Hilfe braucht, ruft sie Marcos, denn er hat eine ganz besondere Gabe. Er kann die zwölf wichtigsten Erinnerungen eines Menschen sehen – und damit auch seine Taten. Doch in dieser Nacht ist alles anders. Marcos hat keine Macht über den rätselhaften Jungen, einen attraktiven, aber schweigsamen Jugendlichen, der ihm auf dem Polizeipräsidium gegenübersitzt. Doch der Junge scheint ihn zu kennen. Er weiß, dass Marcos in dieser Nacht vom Tod seiner Mutter erfahren hat, die er sehr vermisst, und dass er eine schöne junge Frau gesehen hat, die ihm nicht mehr aus dem Kopf geht. Gemeinsam begeben sie sich auf eine abenteuerliche Reise.

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Das Buch

Marcos hat eine ganz besondere Gabe. Er kann die zwölf wichtigsten Erinnerungen eines Menschen sehen – und damit auch seine Taten. Deshalb schätzt die Madrider Polizei seine Hilfe. Doch in dieser Nacht ist alles anders. Marcos hat keine Macht über den rätselhaften schweigsamen Jugendlichen, der ihm auf dem Polizeipräsidium gegenübersitzt. Der Junge hingegen scheint ihn zu kennen. Er weiß, dass Marcos in dieser Nacht vom Tod seiner Mutter erfahren hat, die er sehr vermisst, und dass er eine schöne junge Frau gesehen hat, die ihm nicht mehr aus dem Kopf geht. Gemeinsam begeben sich Marcos und sein ungewöhnlicher Freund auf eine abenteuerliche Reise durch die Nacht, die Vergangenheit und das Leben.

Der Autor

Albert Espinosa, geboren 1973 in Barcelona, ist ein erfolgreicher spanischer Drehbuchautor und Regisseur. Bereits mit zwölf Jahren besiegte er eine Krebserkrankung, lebt seither mit nur einem Bein –und fand trotzdem seinen Weg. Alle seine Bücher sind in Spanien Bestseller.

Albert Espinosa

MarcosRoman

und der Zauber

des

Augenblicks

Aus dem Spanischenvon Angelica Ammar

List Taschenbuch

Besuchen Sie uns im Internet:www.ullstein-buchverlage.de

Deutsche Erstausgabe im List Taschenbuch1. Auflage November 2013© für die deutsche Ausgabe Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2013© Albert Espinosa, 2010/Random House Mondadori S. a., 2010

ISBN 978-3-8437-0257-7

Umschlaggestaltung: bürosüd° GmbH, MünchenTitelabbildung: bürosüd° GmbH, München

Alle Rechte vorbehalten. Unbefugte Nutzungen, wie etwa Vervielfältigung, Verbreitung, Speicherung oder Übertragung können zivil- oder strafrechtlich verfolgt werden

eBook: Pinkuin Satz und Datentechnik, Berlin

1

Hirsche mit Adlerköpfen

Ich schlafe gern, wahrscheinlich ist das sogar meine absolute Lieblingsbeschäftigung. Das liegt vielleicht daran, weil mir das Einschlafen so schwerfällt.

Ich gehöre nicht zu denen, die nur die Augen schließen müssen, und schon sind sie weg. Ich kann nicht einmal im Auto, auf einem Flughafensitz oder betrunken am Strand einschlafen.

Doch nach der Hiobsbotschaft, die mich gerade ereilte, musste ich unbedingt schlafen. Von klein auf war mir, als könnte der Schlaf uns der Welt entrücken, uns unantastbar gegen ihre Attacken machen. Die anderen können einem nur etwas anhaben, wenn man wach ist. Wer im Schlaf entschwindet, ist nicht mehr gefährdet.

Aber wie gesagt, ich brauche lange zum Einschlafen. Und es gelingt mir nur in einem Bett, in meinem Bett, um ganz genau zu sein. Deshalb habe ich immer alle bewundert, die ihren Kopf nur auf irgendeine Unterlage betten und zwei Sekunden später tief und fest schlafen. Ich bewundere und beneide sie … Schließlich kann man nichts bewundern, was man nicht insgeheim beneidet.

Ich brauche also mein Bett, und ich glaube, das sagt ziemlich viel über mich aus, oder zumindest über meinen Schlaf. Ganz abgesehen davon bin ich überzeugt, dass das eigene Bett, nein, Pardon, das eigene Kopfkissen das wichtigste Utensil im Leben ist.

Gelegentlich stellt man mir diese überflüssige Frage: Was würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen? Und immer denke ich: Mein Kopfkissen. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund antworte ich dann allerdings doch immer: Ein gutes Buch und einen ausgezeichneten Wein, immer mit diesen beiden unpassenden Adjektiven.

Tatsächlich ist es aber doch so, dass man Jahre braucht, um sich ein Kopfkissen anzueignen; Hunderte Male muss man darauf schlafen, damit es diese ganz besondere Form annimmt, die einen umschmiegt und in den Schlaf sinken lässt.

Irgendwann weiß man, wie man sein Kopfkissen für den perfekten Schlaf knicken muss, wie man es drehen muss, damit die Temperatur genau richtig ist. Man weiß sogar, wie es nach einer gut durchgeschlafenen Nacht riecht. Wüsste man doch so viel von den Menschen, die man liebt und die neben einem schlafen!

Dazu muss ich allerdings bemerken, dass ich nicht an die Liebe glaube. Ich stelle das lieber gleich klar, um Missverständnisse zu vermeiden. Ich glaube nicht daran, dass man sich lieben, vor Liebe sterben, sich nach einem anderen verzehren, wegen eines bestimmten Menschen den Appetit verlieren kann.

Dafür habe ich immer daran geglaubt, dass Kopfkissen einen Teil der Träume, Alpträume und Probleme der schlafenden Person bergen. Wir stecken sie in Bezüge, um die Spuren unseres Lebens vor anderen zu verdecken. Keiner sieht sich gern in einem Gegenstand gespiegelt. An unseren Autos, Handys und Kleidern lässt sich ja schon so genug ablesen …

Ich hatte an diesem Tag etwa vier Stunden geschlafen, als es an der Tür klingelte. Und das, obwohl ich normalerweise zum Schlafen alle »offenen Geräusche« abstelle. Es gibt viele offene Geräusche in unserem Leben, wenn wir in den Schlaf abtauchen: das Festnetztelefon, das Handy, die Türklingel, den Wecker, tropfende Wasserhähne, Computer … Alle diese Geräusche rasten nie, sie sind immer in Bereitschaft. Entweder man stellt sie ab, oder sie werden zu Störenfrieden.

Ich weiß nicht, warum ich an diesem Sonntag nicht die Türklingel abgestellt habe, oder doch, ich weiß es wohl. Ich wusste, dass genau an diesem Tag die Sendung eintreffen würde, die mein Leben verändern würde. Und Geduld war noch nie meine Stärke gewesen.

Von klein auf tat ich die ganze Nacht kein Auge zu, wenn ich wusste, dass am nächsten Tag irgendetwas Besonderes passieren würde. Ich machte gar nicht erst den Rollladen zu, das erste Morgenlicht sollte mir ins Gesicht scheinen und der neue Tag so schnell kommen, als hätte der Schlaf nicht länger als eine Werbepause gedauert. Denn irgendwie hatten Träume für mich immer etwas von Werbespots. Manche waren so lang wie eine Werbereportage, andere kurz wie Werbeclips, wieder andere blitzartige Teaser. Und alle sind ein Ausdruck unserer Sehnsüchte. Nur verstehen wir sie nicht, weil sie genauso gut von David Lynch stammen könnten.

Doch kommen wir zum Thema zurück; ich bin also ziemlich ungeduldig, das weiß ich, und es gefällt mir. Die Ungeduld ist irgendwann zu einer schrecklich schlechten Eigenschaft erklärt worden, aber im Grunde wissen wir doch alle, dass es sich bei ihr um eine Tugend handelt. Eines Tages wird die Welt den Ungeduldigen gehören. Zumindest hoffe ich das.

Die Türklingel ertönte erneut, drang in meinen Tiefschlaf ein. Ich erinnere mich, dass ich gerade von Hirschen mit Adlerköpfen träumte. Ich liebe es, im Traum alles zu vermischen, ein wenig Gott zu spielen. Neue Wesen zu schaffen, indem man vorhandene kombiniert, festzustellen, dass Freunde, die sich eigentlich nicht einmal kennen, plötzlich unzertrennlich sind, und ganz besonders aufregend finde ich es, wenn im Traum Menschen, die mir nie auch nur ansatzweise nahe waren, in enger Beziehung zu mir stehen. Manchmal denke ich, dass Träume eigentlich Vergewaltigungen sind; sie vergewaltigen die Intimsphäre anderer, rauben ihre Sprache, bemächtigen sich ihres Bildes, wie es ihnen gerade gefällt.

Wie oft habe ich im Traum schon Sex mit jemandem gehabt und am nächsten Tag die betreffende Person nicht einmal zu grüßen gewagt, weil ich Angst hatte, das »Guten Tag« würde klingen wie: »Wow, was war das für eine Wahnsinnsnacht mit dir!«

Vielleicht wäre die Welt besser, wenn wir unsere erotischen Träume denen erzählen würden, die eine entscheidende Rolle darin gespielt haben.

Doch das wäre zu dieser Zeit undenkbar gewesen. Und nicht einmal ich selbst hätte mir je ausgemalt, dass ausgerechnet dieser Tag meine Welt und sicherlich auch die der anderen von Grund auf verändern würde. Vielleicht sollten solche Tage im Kalender rot angestrichen sein. Wir sollten vorher um die Momente wissen, die alles verändern, die für alle einen ähnlichen Einschnitt bedeuten, eine kollektive Erinnerung schaffen. Dann könnte man an einem solchen roten Tag immer entscheiden, ob es sich wirklich lohnt, aufzustehen.

Mein Onkel hat den 11. September 2001 mitverfolgt, er war damals zweiundzwanzig Jahre alt. Er sagt, das Wahnsinnigste sei gewesen, das zweite Flugzeug live in den Wolkenkratzer fliegen zu sehen. Seither stelle er sich immer wieder die Frage: »Hat das zweite Flugzeug vielleicht so lange mit der Kollision gewartet, bis die Fernsehstationen über das erste Flugzeug berichtet hatten? Oder sollten beide Flugzeuge eigentlich gleichzeitig in die Türme fliegen, und das zweite hat sich verspätet?« Das ging ihm nicht aus dem Kopf. Er hätte zu gern gewusst, ob die Urheber all dessen damit gerechnet hatten, dass die Leute weltweit ihre Fernseher anstellen und den zweiten Aufprall sehen würden, oder ob es ein makabrer Zufall war. Manchmal gab er sich selbst die Antwort: »Sollte Ersteres zutreffen, kennt die menschliche Bosheit keine Grenzen.« Und ich schwöre, dass dabei in seinen Augen eine unermessliche Traurigkeit lag.

Doch ich will auf jenen Tag zurückkommen, auf den Tag, an dem die Sendung eintraf. Ich träumte also von Hirschen mit Adlerköpfen, und eines der Tiere fixierte mich gerade mit seinem Adlerblick und seinem Hirschgeweih, als wollte es sich gleich auf mich stürzen und mir mit seinen Hirsch-Adler-Klauen die Augen auskratzen … Doch eben da drang ein rotes Licht in den Traum, das in den Augen des Tieres blinkte und wie meine Türklingel klang. Ich brauchte fünfzehn Sekunden, um mir des Irrtums bewusst zu werden und aufzuwachen. Vielleicht auch weniger, ganz genau lässt sich das nicht sagen. Die Zeit im Traum ist so geheimnisvoll relativ.

Doch ich glaube, diese fehlerhaften Schnitte haben etwas Gutes an sich. Auch wenn man manchmal weiterschläft, obwohl man den Fehler in der Sequenz wahrgenommen hat, weil man nicht aufwachen will. Was beweist, dass viele Menschen lieber träumen als leben, sogar in dem Wissen, dass sie sich in einer falschen Wirklichkeit bewegen.

Zu denen gehöre ich nicht. Ich mag es nicht, zu merken, dass ich mich in einem Traum befinde. Die geringste Ahnung um den Bluff reißt mich aus dem Schlaf.

Wieder das Klingeln, es drang diesmal jedoch in nichts mehr ein, da ich schon am Aufwachen war. Ich sah auf die Uhr: Drei Uhr morgens, exakt der Zeitpunkt, den sie angekündigt hatten.

Ich stand auf, zog aber nicht meine Schlappen an. Es gibt Augenblicke im Leben, in denen man barfuß zur Tür gehen muss, um den Moment feierlicher zu machen.

Und das musste dieser Moment wirklich sein, man brachte mir die Medizin, die meinem Schlaf ein Ende machen würde, dank der ich vierundzwanzig Stunden am Tag leben würde, ohne auszuruhen … Und wie es nicht anders sein durfte, unterbrach ihr Eintreffen eben dieses Ausruhen. Riss meine Vorstellungswelt mitten entzwei.

Weil es von diesem Moment an schließlich für immer mit ihr vorbei sein sollte.

2

Meine Mutter hat mich verlassen, und ich habe beschlossen, die Welt zu verlassen

Ich ging zur Sprechanlage und sah auf dem Bildschirm einen etwa 25-jährigen leger gekleideten Thailänder und einen holländisch wirkenden älteren Herrn um die siebzig in grauem Anzug. Obwohl beide genauso gut zwanzig respektive sechzig sein konnten. Ich war nie gut im Alterschätzen, dafür kann ich ganz gut Nationalitäten und Gefühle erraten. Was das Alter betrifft, lasse ich mich ganz leicht an der Nase herumführen. Wenn jemand sagt, er sei dreißig, und es wirkt einigermaßen plausibel, glaube ich ihm, selbst wenn derjenige tatsächlich schon auf die vierzig zugeht. Meine Mutter hat immer gesagt, das wahre Alter sitze im Bauch und im Kopf. Falten seien einzig ein Resultat von Sorgen und schlechter Ernährung. Ich hielt mich an ihre Devise, weshalb ich immer darauf geachtet habe, mir wenig Sorgen zu machen und viel zu essen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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