Mc Atee`s zauberhafte Tiere - Astrid Pfister - E-Book
Beschreibung

In McAtee`s Spielzeugladen verkauft der alte Mr. McAtee sprechende Stofftiere. Diese stellt er eigenhändig her und gibt ihnen ein Stück seines Herzens. Deshalb ist es der größte Wunsch der Tiere Kindern zu helfen. Jedes McAtee-Tier besitzt die Gabe, ein Kind von seinen Ängsten zu befreien und ihm zu zeigen, wie es in schwierigen Situationen bestehen kann.

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Seitenzahl:171

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© 2018 AAVAA Verlag

Alle Rechte vorbehalten

1. Auflage 2018

Umschlaggestaltung: AAVAA Verlag

Coverbild: A boy sitting on the floor in the night light reading a book. ©Denys / Fotolia Datei: #213183191

Printed in Germany

Taschenbuch:  ISBN 978-3-8459-2698-8

Großdruck:   ISBN 978-3-8459-2699-5

eBook epub:   ISBN 978-3-8459-2700-8

eBook PDF:   ISBN 978-3-8459-2701-5

Sonderdruck  Mini-Buch ohne ISBN

AAVAA Verlag, Hohen Neuendorf, bei Berlin

www.aavaa-verlag.com

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Licht

Kevin stand mit offenem Mund vor dem schier unglaublich großen Spielzeuggeschäft.

Staunend betrachtete er die verschnörkelten Goldbuchstaben, die über dem Eingang hingen.

McAtee`s zauberhafter Spielzeugladen stand darauf.

„Diesen Laden gab es schon, als ich so alt war wie du und auch schon, als dein Opa klein war“, sagte sein Vater jetzt zu ihm.

„Und ich darf mir wirklich aussuchen, was ich möchte?“, fragte Kevin aufgeregt.

„Ja, ganz egal was. Das ist eine Tradition bei uns in der Familie. Jeder der sieben Jahre alt ist, darf zu McAtees und sich dort etwas Tolles kaufen“, erklärte sein Vater abermals.

Neugierig drückte Kevin die Tür auf und im gleichen Augenblick ertönte über dem Eingang eine Klingel. Es war aber keine gewöhnliche Klingel, sondern ein Glockenspiel, das eine wunderschöne Melodie von sich gab.

Kevin wollte es sich anschauen, aber dann siegte doch die Aufregung und er ging weiter in das Spielzeuggeschäft hinein. Er warf einen Blick zu seinem Vater, aber dieser lachte nur und forderte ihn auf ruhig alleine in allen Gängen zu stöbern.

Kevin war fassungslos. So ein Spielzeuggeschäft hatte er noch niemals zuvor im Leben gesehen.

Es war ungeheuer groß und es gab so weit er es sehen konnte, keine Spielzeuge wie in den anderen Geschäften. Kein Harry Potter, kein Star Wars, kein Lillyfee und keine Barbiesachen.

Es sah Unmengen an liebevoll bemaltem Holzspielzeug und Stofftiere, wohin das Auge reichte. Außerdem allerlei Spielzeug, dessen Funktion er nicht verstand.

Aber vom ersten Augenblick an hatte er sich bei „McAtees“ wohlgefühlt. Das Licht war nicht so grell wie in anderen Läden sondern weich und warm und der Boden war mit einem dicken flauschigen Teppich bedeckt, in dem seine Füße förmlich versanken.

Die Regale waren in verschiedenen Farben bemalt und auch die Wände waren mit wunderschönen Motiven verziert.

An der einen Wand sah Kevin einen Zauberwald mit Einhörnern, Zwergen, Elfen und Feen, an der anderen einen Sternenhimmel mit Raumschiffen und Astronauten.

Jede Ecke des Spielzeuggeschäftes hatte ein anderes Thema. Kevin war sich sicher, er könnte Monate hier verbringen und würde trotzdem noch nicht alles gesehen haben.

Aber was ihn am meisten beeindruckte, war der Mann, der hinter der Verkaufstheke stand.

Wenn er es nicht besser wüsste, dann würde er sagen, es war der Weihnachtsmann höchstpersönlich.

Herr McAtee hatte schneeweißes Haar, einen Vollbart, der sich bis zu seiner Brust herunterkringelte und einen kugelrunden Bauch.

Dazu hatte er das gütigste und herzlichste Lächeln, das Kevin jemals in seinem Leben gesehen hatte. Er konnte es nicht beschreiben, aber in dem Moment, als Herr McAtee ihn zum ersten Mal angelächelt hatte, hatte sich sein Herz erwärmt und er fühlte sich seitdem so glücklich wie noch nie zuvor in seinem Leben.

„Na mein Junge, dein Vater hat mir erzählt, dass du heute Geburtstag hast. Stimmt das?“, fragte der alte Mann.

Kevin nickte schüchtern.

„Herzlichen Glückwunsch, das ist für dich Geburtstagskind“, sagte der Mann und überreichte Kevin eine Packung mit Keksen.

Kevin zog sogleich einen aus der Packung und biss herzhaft hinein. Wohlig seufzte er auf. Das waren mit Abstand die leckersten Plätzchen, die er jemals im Leben gegessen hatte.

„Danke schön, die schmecken fantastisch. So etwas habe ich noch nie zuvor gegessen.“

Der alte Mann wartete, bis der Vater zu einem der Spielzeugregale gegangen war und flüsterte dann: „Das glaube ich dir gerne, die wurden ja auch nicht von Menschen gebacken.“

Kevin bekam große Augen und fragte: „Von wem denn dann?“

Sein Vater war wieder nähergekommen und so deutete Herr McAtee nur unauffällig auf das Wandbild, auf dem sich die Feen und Elfen befanden.

Kevin musste grinsen. Der Spielzeugladenbesitzer war ein lieber Mann, aber an Feen und Elfen glaubte er doch nun wirklich nicht mehr, dafür war er schon viel zu groß.

Aber das Geschäft hieß ja „McAtee`s zauberhafter Spielzeugladen“ da musste der alte Mann wahrscheinlich solche Geschichten erzählen.

Es war ja auch nicht so, dass er so etwas nicht mochte. Kevin liebte alles, was mit Magie zu tun hatte.

Er hatte sich oft gewünscht, genauso wie Harry Potter zu sein.

Aber Erstens existieren keine magischen Dinge und zweitens war er in manchen Situationen ein fürchterlicher Angsthase im Vergleich zu den tapferen Zauberern, die er so sehr liebte.

Sein Vater war ein sehr ernster Mann und sein Beruf war ihm unheimlich wichtig.

Wann immer Kevin mit ihm über Magie und zauberhafte Wesen sprechen wollte, unterbrach ihn sein Vater und schimpfte ihn aus.

Er solle sinnvolle Sachen machen. Lernen, vielleicht etwas experimentieren und sich auf „den Ernst des Lebens“ vorbereiten, sagte sein Vater immer.

Irgendwie konnte er sich gar nicht vorstellen, dass sein Vater auch einmal ein Junge gewesen war.

War er auch damals schon so ernst gewesen oder hatte er auch ausgelassen Cowboy und Indianer gespielt und sich ein Raumschiff gebastelt?Und wenn ja, was war passiert, dass er jetzt nicht mehr an Magie und Fantasie glaubte?

Kevin verscheuchte seine Gedanken und ging stattdessen mit seiner Plätzchentüte weiter durch die Regalreihen.

Sein Vater hatte ihm gesagt, dass er sich aussuchen durfte, was er wollte. Es spielte keine Rolle wie groß oder wie teuer das Spielzeug war.

Aber die Auswahl war so riesig, dass es Kevin fast unmöglich erschien sich zu entscheiden.

Immer wenn er dachte, jetzt hatte er etwas gefunden, erregte ein noch schöneres und spannenderes Spielzeug seine Aufmerksamkeit.

Aber das, was er letztendlich haben wollte, war weder groß noch teuer. Es war so klein, dass Kevin es fast übersehen hätte zwischen all den riesigen Holzbahnen, Drachen und anderen Spielsachen.

Es war eine wunderschöne Taschenlampe und mit dabei waren sechs verschiedene Aufsätze, mit denen man Pferde, Schmetterlinge, Autos und andere Dinge an der Wand erstrahlen lassen konnte.

Obwohl Kevin in vielen Dingen ein sehr mutiger Junge war, hatte er doch stets Angst in der Nacht.

Er wusste, dass es nichts gab, wovor man sich in der Dunkelheit fürchten musste, aber das sagte sich leicht am helllichten Tag.

In der Nacht, wenn die Dämmerung Schatten an die Wand warf und sein Zimmer plötzlich ganz anders auszusehen schien, wurde seine Fantasie lebendig und schlich sich in seine Gedanken, um ihm Angst zu machen.

Als er klein gewesen war, hatte er ein Nachtlicht besessen, das hatte ihn beruhigt schlafen lassen, aber sein Vater hatte es ihm vor einiger Zeit weggenommen, weil er der Meinung war, dass sein Sohn zu groß dafür sei.

Diese Taschenlampe war ein wunderbares Geburtstagsgeschenk.

Er konnte stundenlang mit ihr spielen und abends vor dem Schlafengehen immer neue Figuren an der Zimmerdecke erscheinen lassen, und wenn er nachts wach wurde und Angst bekam, reichte ein kleiner Klick und das Licht der Taschenlampe würde alle unheimlichen Schatten sofort vertreiben.

Das war ein viel wertvolleres Geschenk als alle teuren Spielzeuge zusammen.

Behutsam trug er seine Taschenlampe zum Verkaufstresen und lächelte Herr McAtee glücklich an.

„Da hast du aber eine schöne Wahl getroffen junger Mann. Als ich so alt war wie du, hatte ich auch genau so eine.“

Sein Vater warf einen Blick auf die Taschenlampe und sagte: „Die werden wir nicht nehmen Kevin. Such dir etwas anderes aus.“

Kevin blickte seinen Vater entsetzt an. „Aber wieso denn nicht Papa? Du hast gesagt, ich darf mir aussuchen, was ich will. Und ich möchte diese Taschenlampe haben!“

Sein Vater runzelte die Stirn und antwortete streng: „Wir haben doch schon tausend Mal darüber gesprochen. Du bist ein richtiger Junge und richtige Jungen haben keine Angst im Dunkeln.

Kein Licht anlassen, kein Nachtlicht und auch keine Taschenlampe.

Nur so überwindest du deine Angst. Das hat mein Vater damals bei mir ganz genauso gemacht.“

So fröhlich, wie er gerade noch gewesen war, so traurig wurde Kevin jetzt.

Warum war es denn so schlimm Angst im Dunkeln zu haben und was sprach dagegen ein Licht anzuschalten, damit es einem besser ging?Warum war es mutig Angst haben zu müssen, warum war man sonst ein Feigling?

Kevin verstand seinen Vater einfach nicht.

„Dann möchte ich gar nichts haben“, sagte er schließlich traurig.

Sein Vater sah ihn streng an und wollte gerade etwas Böses erwidern, als der alte Mann hinter der Theke hervorkam und beschwichtigend die Hand hob.

„Warte, ich glaube ich habe das perfekte Spielzeug für dich. Komm einfach mit.“

Mit diesen Worten nahm er Kevin bei der Hand und führte ihn in den hinteren Teil des Ladens.

Vor einer kuscheligen Ecke, die komplett mit Stofftieren sämtlicher Arten gefüllt war, blieb der alte Mann stehen. Er vergewisserte sich, dass der Vater weiterhin an der Theke stehen blieb und flüsterte: „Ich weiß, was du brauchst. Du brauchst Licht.“

Kevin sah Herr McAtee traurig an. „Ja, ich möchte die Taschenlampe ja auch gerne haben, aber Sie haben es doch gehört, mein Vater hat es mir verboten.“

Der Mann lächelte strahlend und seine Augen funkelten. „Nein, ich meine Licht!“

Er griff zielstrebig in den Haufen mit Kuscheltieren und zog einen dunkelbraunen seidig glänzenden Bären hervor.

Dann drückte er ihn Kevin in die Arme. „Sein Name ist Licht und du wirst viel Freude an ihm haben, vertrau mir“, flüsterte der alte Mann.

Kevin wollte ihm zuerst widersprechen und ihm sagen, dass er kein Stofftier benötigte, aber irgendetwas in dem gütigen und uralten Gesicht des Mannes hielt ihn davon ab und so presste er den Teddybären fest an seine Brust und machte sich damit auf den Weg zur Kasse.

„Siehst du, da hast du ja doch etwas anderes gefunden. Einen Bären hatte ich auch als Kind. Ein starkes und mutiges Tier, das man nur bewundern kann“, sagte der Vater zufrieden.

Nachdem der Bär bezahlt war, kniete sich der alte Mann vor Kevin hin und wisperte: „Pass gut auf Licht auf. Er ist etwas ganz Besonderes und er geht nur zu ganz besonderen Kindern.“

Kevin nickte feierlich und trug seinen Bären vorsichtig aus „McAtee`s zauberhafter Spielzeugladen“ zum Auto, und als sie schließlich losfuhren, blickte er so lange auf das Geschäft, bis es aus seinem Blickfeld verschwunden war.

Zu Hause angekommen setzte er den Bären behutsam auf sein Bett und ging dann hinunter um seinen Geburtstag weiter zu feiern.

Es war ein wunderschöner Tag und die Geburtstagsparty zu der Kevin all seine Freunde eingeladen hatte war einfach toll.

Er bekam unzählige Geschenke und durfte Süßigkeiten und Torte essen, bis er das Gefühl hatte, zu platzen.

Er war rundherum glücklich; so lange, bis es Zeit zum Schlafen wurde.

Sobald er im Bett lag, starrte er zur Lampe und fürchtete den Moment, in dem sein Vater hereinkommen würde, um das Licht zu löschen.

Als es schließlich so weit war, sah er seinen Vater bittend an. „Können wir das Licht heute bitte anlassen? Ich habe doch Geburtstag.“

Aber der Vater schüttelte den Kopf. „Du wirst niemals lernen deine Angst loszuwerden, wenn du dich ihr nicht stellst.“

„Es ist doch nur diese eine Nacht Papa.“

„Aus einer werden ganz schnell zwei. Wenn ich heute nachgebe, wirst du morgen auch quengeln, dass ich das Licht anlasse. Du musst lernen, dass du am helllichten Tage nicht so viel herum träumst. Wenn du nicht mehr an diese ganzen Hexen, Zauberer und andere magische Dinge glaubst, dann hast du nachts auch keine Angst mehr vor irgendwelchen Schatten oder Monstern. Und jetzt schlaf Kevin, es ist schon spät.“

Mit diesen Worten verließ sein Vater das Zimmer, aber nicht ohne vorher das Licht zu löschen. Ein paar Minuten schien unter seiner Tür noch ein kleiner Lichtstreifen vom Flur hinein, aber dann löschte sein Vater auch dieses Licht.

Schnell schloss Kevin die Augen und kuschelte sich in seine Decke. Er würde jetzt einfach schnell schlafen, dann brauchte er sich auch nicht zu fürchten.

Aber immer, wenn man ganz besonders versucht einzuschlafen, klappt es einfach nicht. Egal, wie fest Kevin die Augen auch zu presste, er konnte einfach nicht schlafen.

Es war längst dunkel draußen und der Mond schien in sein Zimmer. Es war ein schwaches Licht, gerade stark genug, Kevin die Umrisse seiner Möbel erahnen zu lassen, aber nicht stark genug, um alles deutlich zu sehen.

Der Baum vor dem Fenster warf gruselige Schatten an die Wände, wenn der Wind die Zweige bewegte.

Er wollte ja keine Angst haben, aber er konnte nichts dagegen tun, sie kam einfach immer wieder.

Langsam ließ er seinen Blick im Zimmer umherschweifen auf der Suche nach etwas, das ihm vertraut war; vor dem er keine Angst hatte, aber jetzt im Dunkeln sah alles irgendwie bedrohlich aus.

Plötzlich stieß er einen leisen Schrei aus. Da im Sessel, da saß doch jemand!

Er zog die Decke fast über den Kopf um sich darunter zu verkriechen, als er feststellte, dass es nur ein Stofftier war, über das er heute seine Jacke geworfen hatte.

Erleichtert seufzte er auf und ließ die Decke sinken, als ihm plötzlich etwas einfiel.

Ein Stofftier! Er hatte doch heute einen Teddybären bekommen.

Suchend tastete er in seinem Bett herum, konnte ihn aber nicht finden. Er war bestimmt heruntergefallen.

Als er sich über die Bettkante beugte und vorsichtig die Hand ausstreckte, fühlte er etwas Flauschiges und Seidenweiches.

Schnell holte er den Bären in das Bett, deckte sich wieder zu und presste ihn fest an sich.

„Oh Bär, ich weiß, ich bin nicht mutig, aber was soll ich denn nur machen? So sehr ich mich auch bemühe, ich habe trotzdem Angst im Dunkeln. Wirst du mich beschützen und mir helfen?“

„Ja, das werde ich!“, erwiderte der Bär feierlich mit seiner brummigen Bärenstimme.

Kevin stieß ein leises Quietschen aus und schüttelte den Kopf. Er musste doch schon schlafen, denn es kam ihm so vor, als hätte sein Bär gerade mit ihm gesprochen.

„Du kannst sprechen?“, erwiderte Kevin fassungslos.

„Ja, natürlich kann ich sprechen. Das kann jedes Stofftier aus „McAtee`s zauberhafter Spielzeugladen“. Hast du das nicht gewusst?“, fragte der Bär.

Kevin schüttelte den Kopf und starrte den Bären aus weit aufgerissenen Augen an.

„Der Laden trägt nicht von ungefähr den Titel „zauberhafter“. Hat Herr McAtee dir nicht gesagt, dass wir etwas Besonderes sind und nur zu besonderen Kindern gehen?“

„Doch das hat er“, fiel es Kevin wieder ein. „Ganz am Schluss, bevor ich gegangen bin, hat er es mir ins Ohr geflüstert, aber ich habe nicht gewusst, was er damit gemeint hat. Jetzt weiß ich es. Ihr Stofftiere von dort könnt alle sprechen!“

Der Bär nickte. „Ja, das stimmt, aber das ist nicht alles.“

Kevin machte noch größere Augen. „Was denn noch?“

„Weißt du, es gibt einige Kinder wie dich. Kinder, die vor etwas Angst haben oder etwas nicht können. Die niemanden haben, mit dem sie darüber sprechen können, weil sie Angst haben, sonst ausgelacht zu werden.

Und wir Stofftiere wurden erschaffen, damit wir zu diesen besonderen Kindern gehen können, um ihnen zu helfen“, erklärte der Teddybär.

„Das ist lieb von dir Bär, aber wie sollst du mir gegen meine Angst helfen?“

Der Bär lächelte verschmitzt. „Weißt du noch, wie ich heiße?“

Kevin nickte hastig. „Ja, du heißt Licht.“

In dem Moment, in dem Kevin das Wort Licht aussprach, fing der gesamte kugelrunde Bauch des Bären an zu glühen.

Erst ganz leicht, kaum mehr als ein Schimmern, wurde das Licht immer stärker, bis der Bauch des Bären ein warmes und behagliches Licht spendete.

Kevin war einfach sprachlos, er konnte nicht glauben, was gerade passierte.

Er blickte sich im Zimmer um und musste grinsen.

Bei dem Licht musste es sich um ein Zauberlicht handeln, denn obwohl nur der Bauch des Teddybären glühte, war das gesamte Zimmer so erleuchtet, dass keine Schatten mehr zu sehen waren und nichts mehr unheimlich aussah.

Und an der Tür war kein einziger Lichtstrahl auszumachen, damit keine verräterische Helligkeit durch den Türspalt in den Flur scheinen konnte.

Kevin durchströmte ein Glücksgefühl und er drückte den Bären so fest er konnte an sich.

„Danke Licht. Jetzt muss ich mich nie wieder im Dunkeln fürchten.“

Zum ersten Mal seit langer Zeit schlief er glücklich und ohne Angst ein.

Als Kevin am nächsten Abend seinen Vater eine gute Nacht wünschte, wunderte dieser sich sehr darüber, dass Kevin nicht darum bat, das Licht anzulassen oder die Tür einen Spalt offen stehen zu lassen.

Er sagte aber kein Wort darüber, sondern strich seinem Sohn noch einmal über das Haar und verließ das Zimmer.

Hatte seine Härte also doch endlich etwas gebracht!

Als er sich sicher war, dass sein Vater nicht zurückkommen würde, nahm Kevin seinen Teddybär und sagte: „Guten Abend Licht.“

Wieder fing bei dem Wort Licht der Bauch des Teddybären an zu leuchten.

„Guten Abend Kevin. Es ist schön bei dir zu wohnen.

Wenn bei uns im Spielzeugladen abends das Licht gelöscht wurde, dann haben wir uns immer gegenseitig Geschichten erzählt. Hast du auch Lust, das mit mir zu machen?“

Kevin nickte begeistert. „Oh ja, dass macht bestimmt Spaß. Erzählst du mir eine? Du kennst bestimmt viel mehr Geschichten als ich.“

Der Bär nickte, setzte sich aufrecht hin und verschränkte seine Arme bequem vor der Brust, was bei einem Teddybären sehr lustig aussah.

Mit seinen braunen Knopfaugen sah er Kevin lange an, bevor er sich räusperte und mit seiner brummigen Bärenstimme anfing eine Geschichte zu erzählen:

„Es war einmal ein Bär. Er war unheimlich mutig, stark und schlau. Er hatte nur ein Problem, er hatte Angst im Dunkeln.“

„Ein Bär? Ein Bär kann doch keine Angst im Dunkeln haben, er ist doch einer der mutigsten Tiere, die es auf der Welt gibt.“

„Eben, das haben ihm die anderen Bären auch erzählt und ihn ausgelacht.

Deshalb tat er alles um seine Angst loszuwerden, aber es klappte einfach nicht. Umso mehr er sich zwang, desto schlimmer wurde es.“

Kevin hörte dem Bären aufgeregt zu. „Und was hat der Bär dann gemacht?“

„Eines Tages traf der Bär einen weisen alten Mann und der erzählte dem Bären, dass er gar keinen Grund hatte, sich zu schämen.

Denn er war gar kein Feigling. Ganz im Gegenteil, seine Angst bewies, dass er viel mutiger als alle anderen Bären auf der Welt war.“

„Wie denn das?“, fragte Kevin verblüfft.

„Der Mann erklärte dem Bären, dass Gott jedem Geschöpf die Fähigkeit verliehen hatte Angst zu empfinden und dass dies eine sehr wichtige Eigenschaft ist.

Stell dir einmal vor, jemand klettert auf einen unheimlich hohen Baum und springt vom obersten Ast. Ist er deswegen mutig und stark?“

Kevin schüttelte den Kopf. „Nein, das ist dumm. Er tut sich bestimmt weh.“

„Genau! Jemand der Angst hat, ist schlau. Es bedeutet, dass er darüber nachgedacht und überlegt hat, ob etwas gefährlich ist. Und wenn er es dann nicht tut, obwohl die anderen ihn vielleicht auslachen, dann ist er viel mutiger als der Junge, der von dem Baum springt.

Und wenn man demjenigen Zeit gibt, darüber nachzudenken, dann merkt derjenige irgendwann, ob man Angst haben muss oder nicht.

Der Bär hat oft mit dem alten Mann geredet und er hat von diesem irgendwann einer Lampe bekommen, die er nachts anlassen konnte.

Aber weißt du was?“

„Nein, was?“, fragte Kevin.

„Irgendwann wurde dem Bären bewusst, dass die Dunkelheit nichts war, wovor man sich fürchten muss. Ganz im Gegenteil, es macht Spaß die Sterne zu betrachten und in einem dunklen Raum Sachen zu erraten.

Und so lernte der Bär, dass Angst überhaupt nichts mit Mut oder Stärke zu tun hat und eines Tages verlor er seine Angst vor der Dunkelheit und sie kehrte nie mehr zurück“, beendete der Teddybär seine Geschichte.

Der Junge dachte eine ganze Weile still über die Worte des Bären nach und stellte fest, dass der alte Mann Recht hatte, mit dem, was er dem Bären erzählt hatte.

Nach ein paar Minuten fragte er Licht: „Und was ist aus dem Bären geworden?“

Licht krabbelte zu Kevin und schlang seine Arme fest um Kevins Körper.

„Er ist gerade eben dabei, dich zu umarmen.“

„Du bist der Bär aus der Geschichte?“, fragte Kevin erstaunt.

„Ja, ich bin der Bär und der alte Mann war Herr McAtee, der Besitzer des Spielzeugladens.

Deshalb hat Herr McAtee mich auch als dein Geschenk ausgewählt. Weil ich genau weiß, wie du dich fühlst und genau wie der alte Mann mir, werde ich nun dir helfen deine Angst vor der Dunkelheit zu überwinden.“

In diesem Moment ging plötzlich die Tür auf und sein Vater kam herein.