MeeresWeltenSaga 5: Mit der reißenden Strömung der Antarktis - Valentina Fast - E-Book
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**Finde den Meeresschatz in deinem Herzen**
Dunkelrote Flossen und lichtlose Ozeane. Adellas letzte Reise beginnt mit dem größten Verrat ihres bisherigen Daseins als Media. Mutterseelenallein wacht sie in einer dunklen Unterwasserhöhle auf und blickt in die plötzlich glanzlos gewordenen Augen ihrer einst so großen Liebe. Zur Marionette fremder Pläne gemacht, verliert Adella alles, was ihr jemals wichtig war – die Kontrolle über ihr Leben sowie die Kontrolle über sich selbst. Die Einzigen, die ihr jetzt noch helfen können, sind ihre Freunde. Doch wer wird stärker sein? Ihre Unterwassergefährten oder die Seelen, denen sie noch einen Gefallen schuldet? 

//Alle Bände der fantastischen Unterwasser-Reihe:
-- MeeresWeltenSaga 1: Unter dem ewigen Eis der Arktis
-- MeeresWeltenSaga 2: Mitten im Herzen des Pazifiks
-- MeeresWeltenSaga 3: In den endlosen Tiefen des Atlantiks
-- MeeresWeltenSaga 4: Zwischen den Wellen des Indischen Ozeans
-- MeeresWeltenSaga 5: Mit der reißenden Strömung der Antarktis
-- MeeresWeltenSaga: Alle 5 Bände der fantastischen Meerjungfrau-Reihe in einer E-Box!//

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Valentina Fast

MeeresWeltenSaga 5: Mit der reißenden Strömung der Antarktis

**Finde den Meeresschatz in deinem Herzen** Dunkelrote Flossen und lichtlose Ozeane. Adellas letzte Reise beginnt mit dem größten Verrat ihres bisherigen Daseins als Media. Mutterseelenallein wacht sie in einer dunklen Unterwasserhöhle auf und blickt in die plötzlich glanzlos gewordenen Augen ihrer einst so großen Liebe. Zur Marionette fremder Pläne gemacht, verliert Adella alles, was ihr jemals wichtig war – die Kontrolle über ihr Leben sowie die Kontrolle über sich selbst. Die Einzigen, die ihr jetzt noch helfen können, sind ihre Freunde. Doch wer wird stärker sein? Ihre Unterwassergefährten oder die Seelen, denen sie noch einen Gefallen schuldet?

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Vita

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© privat

Valentina Fast wurde 1989 geboren und lebt heute im schönen Münsterland. Beruflich dreht sich bei ihr alles um Zahlen, weshalb sie sich in ihrer Freizeit zum Ausgleich dem Schreiben widmet. Ihre Leidenschaft dafür begann mit den Gruselgeschichten in einer Teenie-Zeitschrift und verrückten Ideen, die erst Ruhe gaben, wenn sie diese aufschrieb. Ihr Debüt, die »Royal«-Reihe, wurde innerhalb weniger Wochen zum E-Book-Bestseller.

1. KAPITEL

DER SCHMERZ DER ERKENNTNIS

Ich hielt den Atem an, während eine Welle aus Übelkeit mich zu überrollen drohte. Mein Herz trommelte heftig gegen meine Rippen und ich sah fassungslos dabei zu, wie Saniya ihre Hände in Nobilis' Haare gleiten ließ und ihn noch enger an sich zog, ihre Lippen fest aufeinandergepresst. Sie bewegten sich im Einklang, als würden sie sich nicht zum ersten Mal küssen.

Es war wie in einem Albtraum. Eben noch war ich ein Mensch gewesen, hatte mich dann plötzlich wieder in eine Media verwandelt und in letzter Sekunde das rettende Wasser erreicht. Im nächsten Moment hing ich auch schon an allen Gliedmaßen gefesselt in einer dunklen Höhle, in die mich scheinbar Saniya und Nobilis verschleppt hatten.

Nobilis …

Ich verstand überhaupt nichts mehr.

Wir waren voneinander getrennt durch eine unsichtbare Barriere, die ein bisschen so aussah wie der grazile Mantel einer Seifenblase. Nicht zu vergessen ein Hai, der sich scheinbar nur für mich zu interessieren schien und ständig versuchte, mich anzugreifen, jedoch aufgrund der Barriere nicht an mich herankam.

»Hör auf damit, Saniya!«, flüsterte ich heiser und spürte, wie Wut in mir aufstieg. »Lass ihn los!«

Tatsächlich wandte sich Saniyas Gesicht mir zu, während der Rest ihres Körpers noch an Nobilis gepresst war. »Ach Adella … Adella … Adella … Du kleines Menschending denkst wohl noch immer, dass sich die Welt nur um dich dreht, was?«

Rasender Zorn durchfuhr mein Innerstes, ließ meinen Körper beben. »Du weißt überhaupt nichts von mir.«

»Doch«, lachte sie und strich mit ihrem Zeigefinger genüsslich über Nobilis' Brust, direkt über die Stelle, wo sein Herz saß. Er reagierte nicht darauf. »Ich weiß alles über dich und deine Freunde.«

»Was?« Meine Stimme klang fest, doch jähe Furcht durchzuckte mich, schluckte den Zorn, die erstickende Wut.

Saniya lachte erneut und warf ihr dunkelrotes Haar zurück. »Der liebe Nobilis war so nett und hat uns alles gesagt, was er wusste. So haben wir auch erfahren, dass du nicht ewig ein Mensch bleiben würdest und wir nur unsere Wachen an den Küsten positionieren mussten, um auf deine Rückkehr zu warten.«

»Das kann nicht …«, keuchte ich und schaute Nobilis an, der mich nun ebenfalls betrachtete.

Das Lächeln auf seinen Lippen wirkte bösartig. Fremd. Völlig falsch. »Doch genauso war es«, widersprach er mir mit einer ekelerregenden Genugtuung in seiner Stimme. »Du und die anderen aus dieser lächerlichen Gruppe, ihr seid schwach. Nun weiß ich, wohin ich gehöre, bin nun Teil von etwas Großem. Ich hatte das unerhörte Glück, in die Reihen der einzig wahren Königin aufgenommen zu werden.«

»Nobilis, das kann nicht dein Ernst sein!«, schrie ich verzweifelt und zerrte an meinen Fesseln, die sich tief in meine Haut bohrten. Das herausströmende Blut machte den Hai schier wahnsinnig. Er riss sein Maul auf und versuchte verzweifelt, an mich heranzukommen.

»Entferne ihn. Wir haben ihr wohl genug Angst gemacht«, amüsierte sich Saniya und küsste Nobilis erneut, bevor sie endlich von ihm abließ.

Dieser schwamm unbeeindruckt auf den Hai zu und sprach dabei Worte, die ich nicht richtig verstehen konnte. Augenblicklich beruhigte sich das Tier und drehte sich zu Nobilis, um ihm seelenruhig hinterher zu schwimmen.

Fassungslos blickte ich den beiden nach und mir stand der Mund offen. Das war … schwarze Magie, oder wie auch immer man das nannte … Den Willen beeinflussen, war … falsch. Selbst hier unter Wasser, in einer Welt voller Magie, war ich mir sicher, dass das nicht richtig war!

»Schau doch nicht wie eine Qualle. Das steht dir nicht. Habe eine gute Nacht, liebste Adella«, säuselte Saniya und betrachtete mich abschätzig von oben bis unten, bis sie mir den Rücken zudrehte und einfach in der Dunkelheit verschwand. Schwärze verschluckte sie, dort, wo das leichte Leuchten der Barriere vor mir nicht hinreichte. Es gab nur einen Ausgang, der aus diesem kalten Ort hinausführte, und dieser lag mir direkt gegenüber. Sichtbar, doch für mich unerreichbar.

»Warte! Was wollt ihr von mir?«, rief ich ihr hinterher.

Doch ihre Antwort war nur ein lautes Lachen, das an den Gesteinswänden meines Unterwasserkerkers abprallte und sich vervielfachte, als würden Tausende Saniyas über mich lachen.

»Saniya!«, brüllte ich und auch meine Stimme hallte durch den finsteren Gang, der von mir wegführte, vermischte sich mit ihrem Lachen und ließ mich erschaudern.

»Verdammt noch mal! Wollt ihr mich verarschen? Kommt gefälligst zurück! Nobilis! Wie kannst du mir das antun?«, schrie ich und zerrte immer fester an meinen Fesseln, bis schließlich meine Stimme vollends versagte und jegliche Kräfte mich verließen.

Ich war alleine.

Erschöpfung überkam mich und ein Schluchzen wollte meiner Kehle entfliehen, doch ich hielt es fest, damit sie nicht hören konnten, wie es um mich stand. Vielleicht waren sie noch irgendwo in der Nähe … Nein, ich war alleine und dieses Mal würde mich niemand retten.

Ein Zittern erfasste mich, während ich versuchte zu begreifen, was passiert war. Es fühlte sich an, als wären nur Minuten vergangen, seitdem ich mich direkt vor Sarahs Augen wieder in eine Media verwandelt und mich mit letzter Kraft ins Wasser geschleppt hatte.

Wie konnte … wie konnte Nobilis mir das antun? Oder stand er unter einem Bann? – Ja, das musste es sein … Niemals würde er sich freiwillig den Wächtern des Südpolarmeeres anschließen.

Nobilis … ich musste ihn dazu bringen, wieder er selbst zu sein. Warum war er überhaupt hier? Hatte Saniya ihn verschleppt? Oder hatte er sich resigniert dem Bösen angeschlossen, nachdem ich ihn einfach verlassen hatte?

Meine Kehle schnürte sich zu, während ich mich kraftlos in meinen Fesseln hängen ließ.

***

Ich wurde durch ein Geräusch geweckt und wunderte mich für einen Moment, wie ich einfach hatte einschlafen können. Blinzelnd kam ich zu mir und schaffte es kaum, meinen Kopf zu heben, fragte mich, wann ich eingenickt war. Ich blickte hinab auf meine Flosse, in deren Mitte sich nun rote Striemen abzeichneten. Die Fesseln zerfurchten das sensible Fleisch, doch ich spürte kaum den Schmerz, weil es meinen Armen noch schlimmer erging. Sie brannten wie Feuer.

Tage-, vielleicht auch wochenlang, wer wusste das hier unten schon so genau, hatten sie mich großteils alleine gelassen. Mich der Dunkelheit und meinen eigenen Gedanken ausgesetzt.

Das Geräusch ertönte erneut. Dieses Mal zwang ich mich meinen Kopf zu heben, wobei mein Nacken mehrmals knackte. Eine Gestalt kam näher, doch ich konnte sie kaum erkennen, weil meine Augen so brannten. Sie fühlten sich beinahe trocken an. Doch das war kaum möglich. Schließlich war ich hier unter Wasser.

Ich öffnete meinen Mund, doch brachte lediglich ein leises Röcheln heraus, das mich so sehr anstrengte, dass ich jegliche Kontrolle über mich verlor und mein Kopf erneut nach vorne fiel. Ich konnte sein Gewicht einfach nicht mehr halten. Mit letzter Kraft versuchte ich bei Bewusstsein zu bleiben, doch dann wurde wieder alles schwarz.

***

»Weck sie auf!« Eine harsche Stimme drang zu mir vor. Ich war müde. So unglaublich müde. Plötzlich durchzuckten mich Stromstöße, die so heftig waren, dass ich mich aufbäumte und zu schreien begann. Mein gesamter Körper zuckte und wand sich, mein Blut schien zu kochen. Gleichzeitig spürte ich, wie sich noch etwas in mir regte, etwas nunmehr Vertrautes: Hass.

Ich schlug meine Augen auf und da hörten die Stromstöße auf. Vor mir erblickte ich Nobilis, einen Zitteraal neben sich. Nur ein halber Meter trennte uns. Er hatte den Aal dazu gebracht, meine Fesseln anzugreifen – und somit auch mich. Die zuvor kaum sichtbare Barriere war verschwunden.

Reglos starrte ich Nobilis an und versuchte etwas anderes zu fühlen als den lodernden Hass, doch war kaum dazu imstande. Einer dunklen Vorahnung folgend, sah ich an mir herunter und stellte fest, dass sich das schwarze Mal auf meiner Brust pochend vergrößerte. Es fraß sich quasi über meinen Körper und hatte es, ohne dass ich es bemerkt hatte, bis weit über meinen Brustkorb geschafft. An den Stellen, wo es sich ausgebreitet hatte, sah man nichts mehr von meiner schimmernden Haut. Nur noch Schwärze.

»Sieh mich gefälligst wieder an«, forderte Nobilis.

Ruckartig hob ich meinen Kopf und schleuderte ihm einen Blick voller Hass entgegen. Er schaute mir tief in die Augen, suchte offenbar etwas darin und lächelte plötzlich, bevor er sich sichtlich zufrieden umdrehte.

»Und du bleib gefälligst hier!«, brüllte ich und spürte, wie rasende Wut sich durch jede Faser meines Körpers zu ziehen begann. Sie wollte mich an sich reißen, doch ich wehrte mich, wollte mich nicht selbst verlieren und zu dem werden, was sie aus mir machen wollten. »Sag mir endlich, was hier los ist!«

»Nicht mehr lange«, rief er mir über seinen Rücken hinweg zu und verschwand in der Dunkelheit, während der Aal ihm mit zischenden Geräuschen folgte.

»Verdammt! Bleib hier und rede mit mir!«, schrie ich hysterisch und wand mich, ignorierte den Schmerz, spürte nur noch Schwärze in mir und wehrte mich nicht mehr dagegen. »Du widerlicher Mistkerl! Ich werde dich finden und dann werde ich dich büßen lassen!«

Ich tobte so lange, wie mein Körper es zuließ, schrie, bis plötzlich jegliche Kraft aus mir herausströmte und mich zusammenfallen ließ. Mein Kinn landete auf meiner Brust, während mich nur noch die Fesseln an meinen Händen mitten in der Höhle hängen ließen.

Der Hass verschwand. Zurück blieb nur noch Leere.

***

Die Tage verschwammen ineinander, alles wurde zu einem stickigen, undurchdringlichen Nebel. Ich wusste nicht, wann Tag oder Nacht war. Und es war mir mittlerweile auch egal. Weder Schmerz noch Trauer spürte ich.

Nur die wiederkehrenden Stromschläge rissen mich für einen Moment aus meiner Lethargie. So wie jetzt auch. Ich fühlte den jähen Schmerz, bäumte mich mit letzter Kraft auf, hob meinen Kopf – und blickte in Nobilis' harte Augen.

»Sie wird schwächer. Wir müssen aufpassen, dass sie nicht stirbt, bevor es vollzogen ist«, drang Saniyas Stimme zu mir durch.

»Du hast recht. Wir sollten ihr etwas zu essen geben. Nur so viel, dass sie am Leben bleibt«, erwiderte Nobilis, dessen Augen sich fest in meine bohrten. Er war so wunderschön. Trotz allem. Ja, trotz allem liebte ich ihn.

Was passierte hier nur? Warum war er hier?

Ich beobachtete schwach, wie er mir näherkam und dabei winzige Krebse in Richtung des Zitteraals warf, der ihn nun offenbar ständig zu begleiten schien. Er stürzte sich gierig auf sein Essen und ließ mich wenigstens für diesen einen Moment in Ruhe.

»Hau ab …«, krächzte ich und versuchte mich zu bewegen, doch selbst das wollte mir nicht mehr gelingen.

Nobilis durchbrach die letzte Distanz zwischen uns und war mir nun näher als jemals zuvor, seitdem ich wieder eine Media geworden war. Ich konnte seinen unverkennbaren Geruch nach herber Vanille wahrnehmen, spürte, wie er mich einhüllte und der unter der Oberfläche brodelnde Hass sich ein wenig beruhigte.

Grob packte er mein Kinn und hob mein Gesicht, sodass ich ihn ansehen musste. Mein Gesicht spiegelte sich in seinen orangebraunen Augen, die mich anstarrten, als wüsste er nicht, was er von mir halten sollte. Seine Finger strichen über meine Wangen, ließen etwas in mir aufkeimen. Ein Gefühl. Es war warm und schön. Doch ich konnte es kaum greifen, so müde, so erschöpft war ich.

»Ihre Verwandlung ist fast vollständig. Bald schon ist sie so weit«, sagte er laut, während sein Blick noch immer mit meinem verwoben war. Er löste seine Hand nicht von mir, als er etwas hinter seinem Rücken hervorholte.

»Ich hätte nicht gedacht, dass es so lange dauert«, erwiderte Saniya, die sich irgendwo im Hintergrund befand.

Während Nobilis mich betrachtete, veränderte sich der Ausdruck seiner Augen. War er eben noch hart und undurchdringlich gewesen, wurde er nun fragend. Als würde er etwas in mir sehen, das zuvor noch nicht da gewesen war.

Stirnrunzelnd senkte er den Blick, bevor er mich wieder ansah – und mir blitzschnell etwas in den Mund schob. Der Geschmack von Fisch flutete regelrecht meinen Gaumen. Mein Magen grummelte protestierend. Ich begann zu würgen, doch Nobilis hielt mir den Mund zu, sodass ich schließlich schluckte. Er betrachtete meinen Kampf, doch blieb völlig regungslos dabei. Gerade als er seine Hand zurückzog, kam mir alles hoch und ich erbrach mich würgend.

Nobilis verzog angewidert seinen Mund und betrachtete mich, als wäre ich das Ekelerregendste, was er jemals gesehen hatte. Doch ich war zu schwach, um selbst etwas zu empfinden. Schwach und müde.

»Ich denke, eine Woche ohne Nahrung war doch zu viel. Wir müssen sie füttern«, zischte Saniya genervt und in einem Tonfall, der mich kurz etwas empfinden ließ. »Und damit meine ich dich«, fuhr sie ungerührt fort. »Es wird schneller gehen, je öfter du in ihrer Nähe bist. Der Hass wird sie brechen und endlich das aus ihr machen, was sie schon längst hätte sein müssen.«

»Eine von uns«, beantwortete Nobilis meine unausgesprochene Frage. »Ich mache es später. Gerade würde sie sowieso alles erbrechen, was wir ihr geben.«

»Gut. Dann sollten wir uns jetzt erfreulicheren Dingen widmen«, lachte Saniya und Nobilis stimmte mit ein. Dann glitten sie rasch davon.

Ich schaffte es, ihnen blinzelnd hinterherzusehen. Der Aal war noch immer da, hatte offenbar seine Mahlzeit beendet und versetzte mir nun wieder kleine Stromstöße, die glücklicherweise um einiges schwächer waren als zuvor. Doch noch immer zuckte mein Körper dabei zusammen, voller Schwäche, während mein Kopf wie gewohnt nach vorne fiel und ich in einen Halbschlaf abdriftete.

Mein Magen pochte. Mein Kopf dröhnte von dem hässlichen Lachen meiner beiden Peiniger und der ständige Schmerz ließ nicht zu, dass ich etwas anderes fühlte als ihn.

Keine Angst. Keine Liebe. Keinen Hass. Nur Schmerz.

2. KAPITEL

DIE HOFFNUNG STIRBT ZULETZT – UND MIT IHR ALLES ANDERE

Nobilis kam zurück. Alleine.

Hätte er nicht erneut mein Kinn fest umfasst und mich gezwungen, meinen Kopf zu heben, hätte ich ihn wahrscheinlich nicht einmal bemerkt. Doch nun nötigte er mich dazu, aufzublicken und mein letztes bisschen Kraft zu erschöpfen.

»Ich gebe dir jetzt Algen und du wirst sie essen«, erklärte er mit harter Stimme. Diese Tonlage hatte ich bereits einmal von ihm gehört. Damals, als wir uns kennengelernt hatten.

Ich wusste nicht, wie, doch ich brachte ein müdes Lächeln zustande, während meine Augen voller Anstrengung flatterten.

Irritiert zog er seine Brauen zusammen und drückte auf mein Kinn, sodass mein Mund sich öffnete. Langsam legte er mir ein kleines Stück Alge hinein und schob mein Kinn wieder hoch. Dieses Mal sanfter. Aber vielleicht bildete ich mir das auch nur ein.

»Kau und versuch es bei dir zu behalten.«

Langsam bewegte ich meine Zähne, die die Alge vorsichtig zermahlten und zu einer breiartigen Masse werden ließen, bevor ich angestrengt schluckte. Mein Magen gluckerte, doch die Übelkeit blieb aus.

Einen Moment lang betrachtete Nobilis mich, bevor er nickte. »Gut. Das sollte für den Moment reichen.« Dann ließ er mich los und mein Kopf kippte nach vorne auf meine Brust. Im Augenwinkel konnte ich sehen, wie er sich auf einen Stein in meiner Nähe setzte.

»Nobilis …«, keuchte ich, dann versagte mir die Stimme. Und er? Er schien nicht einmal daran zu denken, auf mich zu reagieren.

***

Nobilis wiederholte diese Prozedur von nun an in relativ kurzen Abständen. Ob ich wollte oder nicht. Irgendwann stellte sich meine innere Uhr völlig auf ihn ein.

Mittlerweile konnte ich meinen Kopf wieder von alleine heben, war zwar noch schwach, spürte jedoch, dass meine Kräfte langsam, aber sicher zurückkehrten. Stück für Stück.

Gerade beobachtete ich Nobilis, wie dieser auf »seinem« Stein etwas weiter weg von mir saß und in die Dunkelheit blickte, als würde er auf etwas warten. Seine gebräunte Haut spannte sich unter Muskeln, die zuvor noch nicht so ausgeprägt gewesen waren. Ebenso wie die Narben, die mir nun auffielen. Ein schmerzhaftes Ziehen setzte in meiner Brust ein, während ich mich fragte, woher sie wohl stammten. Ich starrte ihn regelrecht an und so langsam hatte ich genug Mut für Fragen. In meiner Brust tobte die Erinnerung an uns beide, ständig suchte ich nach einer Erklärung, wie das alles hatte passieren können. In diesen Momenten konnte ich meine Liebe zu ihm ganz deutlich spüren. Ja, ich liebte ihn noch immer und konnte mir nicht vorstellen, dass er das hier freiwillig tat. Sie mussten etwas gegen ihn in der Hand haben. Irgendetwas. Er hätte mir ansonsten niemals etwas angetan. Niemals!

»Warum sitzt du immerzu hier?«, fragte ich ihn schließlich und meine Stimme hörte sich so an, als wäre sie eingerostet.

Seine Schultern strafften sich, doch er drehte sich nicht zu mir um. »Weil jemand darauf aufpassen muss, dass du nicht einfach stirbst.«

Ich spürte, wie sich etwas in meinem Innern verkrampfte, womöglich ein Knäuel aus Zorn und Ohnmacht, doch drückte es fort von mir. »Wieso tust du das?«

»Weil es das einzig Richtige ist«, erwiderte er und sah mich nun doch an. »Du wirst mir zustimmen, sobald es vollendet ist.«

»Das kannst du doch nicht ernst meinen«, erwiderte ich aufgebracht. »Womit zwingen sie dich? Bitte, Nobilis, ich weiß, dass du nicht du selbst bist, und ich kann dir helfen!«

»Mir helfen?«, schnaubte er und ein überhebliches Lächeln erschien auf seinen Lippen. »Ich helfe dir. Und ja, ich tue das freiwillig. Sieh es endlich ein. Das, was vorher zwischen uns war, ist fort.«

»Aber ich liebe dich«, hauchte ich und blinzelte, als wieder ein Brodeln in meiner Brust einsetzte und das Gefühl für Nobilis verzweifelt fortschieben wollte. »Ich liebe dich …«

»Ich weiß, Kleines«, verhöhnte er mich. »Doch Liebe ist nur eine Illusion und auch diese wird verschwinden.«

»Das kann nicht sein …«

»Ich meine das völlig ernst. Zwischen uns ist überhaupt nichts mehr«, stellte er klar und für einen Moment war mir, als müsste er sich selbst davon überzeugen.

Vielleicht war der Nobilis, den ich so sehr liebte, noch irgendwo da drin. Vielleicht bestand noch Hoffnung …

»Dann sag mir, dass ich dir nichts bedeute!«

Sein Blick wurde lodernd und das Grinsen auf seinen Lippen fies. »Ich liebe dich nicht.«

Ich keuchte, biss mir auf meine Unterlippe und versuchte mich zu beruhigen. »Warum lasst ihr mich dann nicht einfach sterben? Warum lässt du mich nicht einfach sterben, wenn ich dir so egal bin?« Meine Stimme klang völlig ruhig, obwohl ich mich fühlte, als hätte Nobilis gerade mein Herz mit seiner bloßen Hand zerquetscht.

»Weil du zu wertvoll bist«, knurrte er, erhob sich und schwamm davon.

»Für wen bin ich wertvoll?«, rief ich ihm hinterher, erwartete jedoch keine Antwort mehr. Dieser Nobilis, der mich täglich besuchte und fütterte wie ein wildes Tier, war nicht mehr der, den ich kennengelernt hatte. Er war anders. Böse. Dennoch war ich überzeugt: Niemals hätte er das freiwillig mit sich machen lassen. Nein, er musste irgendwie verhext worden sein.

Ein leises Seufzen entfuhr mir. Nun war ich zu stark, um ständig zu schlafen, und doch zu schwach, um zu kämpfen. Meine besondere Kraft spürte ich hier nicht und war deshalb hilflos auf das Wohlwollen meiner Entführer angewiesen.

***

Als Nobilis das nächste Mal zurückkam, hielt ich meinen Kopf gesenkt, gab mich meinen düsteren Gedanken hin. Daraufhin legte er seine Hand unter mein Kinn und drückte es ein wenig zu fest.

Ohne etwas zu sagen, blickte ich in seine Augen, spürte, wie mein Herz schneller schlug, und konnte ein Erschaudern nicht unterdrücken.

Verwunderung zeichnete sich auf seinen Zügen ab, als er meine Reaktion bemerkte, abgelöst durch ein hämisches Grinsen. Dieses Mal nahezu zärtlich, fuhr er mit seinem Daumen über meine Wange und kam mir so nahe, dass ich seine Körperwärme spüren konnte.

»Du willst mich noch immer. Obwohl ich dir das alles antue«, hauchte er und legte seine Wange an meiner ab, sodass sein Atem mein Ohr streifte und mich erneut zittern ließ.

»Du tust das alles doch nicht freiwillig«, wisperte ich und sog unwillkürlich den Geruch seiner Haare ein, da er mich an schönere Zeiten denken ließ.

»Doch, das tue ich sehr wohl. Es ist das Beste und du wirst es auch schon bald verstehen.« Noch immer klang er sanft, doch seine Berührung wurde fester. »Wenn du erst einmal die Verwandlung vollzogen hast, werden wir zwei sehr viel Spaß miteinander haben.«

»Verwandlung?«, krächzte ich und fühlte erneut, wie das schwarze Mal, das nun beinahe meinen gesamten Oberkörper bedeckte, zu pochen begann, sich an meiner Angst weidete und den Hass in mir aufkeimen ließ.

Zufrieden ließ Nobilis von mir ab und meine Überzeugung, seine Absichten betreffend, geriet gehörig ins Wanken. »Du wirst ein Geschöpf der Dunkelheit. Deine Schönheit wird noch größer. Alle werden dich fürchten, noch mehr, als sie es jetzt schon tun. Wusstest du, dass die Medius davon ausgehen, dass die ganzen Angriffe auf die Königreiche allein deine Schuld sind?«

Ich schluckte und atmete nun schneller, sodass meine Brust seinen Oberkörper streifte. »Ja. Aber das ist nicht wahr …«

Er lächelte noch breiter, bösartig, falsch, während er genüsslich seinen Blick über meinen Körper schweifen ließ. »Obwohl du jetzt schon verdammt heiß bist. Aber wenn du erst einmal …« Er verstummte und schien sich am Anblick meines Körpers zu weiden.

Zum ersten Mal, seitdem wir uns kannten, ekelte ich mich vor ihm. Ich bäumte mich auf und schob ihn damit leicht von mir. »Finger weg«, sagte ich so ruhig und ernst wie möglich, um das aufgebrachte Tosen des Orkans in meinem Inneren niederzuringen. Ich stand kurz davor, von meinen widerstreitenden Gefühlen überrollt zu werden, und war mir sicher, dass ich dies nicht überleben würde.

Das Lächeln um Nobilis' Lippen wurde noch breiter und dieses Mal war es ein ehrliches Lächeln, voller Erleichterung. »Das ist es also. Du willst nicht akzeptieren, wie ich nun bin, und das bringt die Verwandlung voran.« Nun legte er seine Hand in meinen Nacken, kam mir erneut ganz nah an und führte seine andere Hand an meine Taille.

»Nobilis … bitte lass mich los«, flehte ich und drehte meinen Kopf von ihm weg. Abscheu stieg in mir auf – ebenso wie das absurde Verlangen, ihn zu küssen.

»Bitte weis mich nicht ab«, hauchte er zusammen mit zarten Küssen an meinem Hals und brachte mich damit zum Schmelzen. Ich wusste, dass es falsch war, als er sanft meinen Kopf drehte und mir tief in die Augen blickte. Ja, ich sah noch immer den Teil von ihm, sah, wie er früher gewesen war. Nicht so böse. Ohne den Drang, alles zu zerstören. Sah den Nobilis, in den ich mich verliebt hatte.

Langsam schloss ich meine Augen und spürte einen Sekundenbruchteil später, wie er seine Lippen auf meine legte. Zunächst vorsichtig, dann drängender, voller Verlangen. Ich wollte ihn umarmen, doch meine gefesselten Hände bewegten sich keinen Zentimeter. Das Pochen darin ließ mich einen Augenblick lang klar denken und zurückzucken, doch er zog mich wieder an sich, küsste mich, als würde er mich niemals wieder loslassen wollen. Seine Hände umfassten mich, beinahe beschützend, doch sein Mund war fordernd, während seine Zunge ungeduldig Einlass forderte. Stöhnend öffnete ich meine Lippen und er nahm sich alles, was ich ihm gab.

Und ich? Ich ließ los, ließ mich treiben und spürte doch, wie jäher Schmerz meine Seele flutete. Er wollte nicht mich, nur meinen Körper, nahm das, was ich ihm anbieten konnte. In diesem Kuss lag nichts von unserer einstigen Liebe.

Als mir das klar wurde, überwältigte mich der Hass. Er durchdrang jede Faser meines Körpers und ließ mich heiser aufstöhnen. Doch Nobilis gab mich nicht frei. Ganz im Gegenteil!

Die Magie kam so plötzlich, dass ich schrie. Ich spürte, wie sich etwas über meinen Körper zog, spürte, wie es mich von innen zerfraß und in mein Herz eindrang.

Nobilis' Lachen nahm ich nur am Rande wahr, während ich die Kraft durch mich durchfließen ließ, mich an ihr labte und die Fesseln samt Gestein aus der Wand riss.

Ich riss meine Augen auf und sah Nobilis vor mir, der mich voller Stolz anblickte. Und ich ekelte mich vor ihm. Ich hasste ihn. Ich hasste sie alle.

Mit einer Handbewegung ließ ich die Barriere zerspringen, riss alle Fesseln von meinem Körper und stieß Nobilis mit solch einer Wucht von mir, dass er mit einem dumpfen Aufprall an der Wand neben mir landete. Keuchend rappelte er sich wieder auf und blickte mich dabei entsetzt an.

»Dachtest du etwa, ich würde mich beherrschen lassen?«, fragte ich mit einer Stimme, die mir nicht bekannt vorkam, jedoch viel besser, mächtiger klang als das jämmerliche Piepsen, das ich zuvor noch von mir gegeben hatte.

Ich hob meinen rechten Mundwinkel und blickte voller Abscheu auf ihn hinab. »Du lässt dich manipulieren, versteckst dich, anstatt selbst zu kämpfen.«

Er war so schnell vor mir, dass ich mich beinahe erschreckte. Aber nur beinahe. Seine Hand legte sich in meinen Nacken, drückte fest zu, um mir zu zeigen, wer der Stärkere von uns beiden war. Ich ließ es zu, ließ ihn gewähren, ließ ihn diesen winzigen Moment des vermeintlichen Ruhms auskosten. Seine Augen blickten mich an und kurz meinte ich so etwas wie Angst in ihnen wahrzunehmen, bevor er mich grob an sich zog und mich erneut küsste. Auch dagegen unternahm ich nichts, spürte jedoch absolut nichts dabei.

Plötzlich packte mich etwas von hinten. Nun wehrte ich mich, doch Nobilis' Griff wurde so plötzlich so hart, dass ich aufkeuchte. Wut und Zorn loderten in mir, verbrannten mich von innen und ließen etwas in mir wachsen, das so böse war, dass es mich zu Boden rang. Ich wurde ohnmächtig.

***

Das Nächste, was ich hörte, war ein Zischen, ähnlich dem des Zitteraals. Sofort riss ich meine Augen auf. Vor mir waren Saniya und Nobilis, die mich mit prüfendem Blick betrachteten.

Ein grollendes Knurren entfuhr mir, während ich sie anstarrte und versuchte zu ihnen zu hechten. Doch ich wurde zurückgerissen. Mit einem Schrei betrachtete ich die stählernen Fesseln um meine Unterarme, die mich völlig unter Kontrolle hielten.

Tief in meinem Inneren spürte ich, dass ich kämpfen musste. Doch ich konnte an nichts anderes denken als an den Hass Saniya und Nobilis gegenüber. Ich musste sie vernichten.

»Siehst du, was ich meine? Sie hat es nicht unter Kontrolle. Sie ist zu schwach.« Die Abscheu in Nobilis' Stimme machte mich nur noch wütender.

Saniya legte nachdenklich ihren Kopf schief und plötzlich lächelte sie. »Nein, sie ist zu stark.«

Nobilis schnaubte und verschränkte seine Arme kommentarlos.

»Sieh sie dir an. Noch immer kämpft sie dagegen an, obwohl es sie fast ganz eingenommen hat. Wir müssen jetzt nur noch ihren Willen brechen.« Ein faszinierend böses Lächeln erstrahlte auf Saniyas Lippen, während sie mir näher kam und ihre Hand an meine Wange legte.

Ich konnte mich nicht bewegen, denn wenn ich gekonnt hätte, hätte ich sie zerschmettert. »Ich werde dich leiden lassen für das, was du hier tust. Ganz langsam und genüsslich werde ich zusehen, wie du direkt vor mir verreckst«, ächzte ich ihr entgegen.

»Ach Adella … aus dir wird die perfekte Kriegerin. Du wirst uns zu großem Ruhm verhelfen und sobald du die Verwandlung vollständig hinter dir hast, wirst du nicht mehr dagegen kämpfen müssen. Du wirst es willkommen heißen.«

»Du verfluchte Schlampe!«, spuckte ich ihr entgegen und drehte meinen Kopf zur Seite, damit sie mich nicht weiter berühren konnte. Ihre kalten Finger auf meiner Haut ließen mein Blut kochen und solch blanke Wut in mir aufsteigen, dass ich mich kaum noch zügeln konnte.

»Wunderschön und so eloquent«, lachte sie, ließ mich endlich los und drehte sich zu Nobilis. »Lass sie sich austoben. In einigen Tagen wird sie wieder so schwach sein, dass wir ihren Willen brechen können. Momentan ist sie mir zu unberechenbar.«

Ich brüllte vor lauter Wut, einer rasenden Wut, die ihre Worte in mir auslösten, obwohl ich keine Ahnung hatte, wovon sie sprach. Saniya und Nobilis entfernten sich lachend. Mein Schreien und ihr Lachen vermischten sich in dem Höhlensystem. Alles schwoll an zu einem Dröhnen, das mich nur noch wilder werden ließ.

»Das werdet ihr bereuen!«

***

Stunden, vielleicht waren es auch schon Tage, ließen sie mich wieder alleine in meinem dunklen Gefängnis. Wie ein grausames Déjà-vu. Ich schrie, so laut es mein Atem zuließ, während eine Raserei mich befiel, die mir so viel Kraft schenkte, dass ich nicht einmal einschlief. In mir waren nichts anderes als Wut und der Drang, sie alle büßen, bereuen und leiden zu lassen. Dies war der einzige Antrieb, der mich noch am Leben hielt.

Doch irgendwann ließ auch dies nach und zurück blieb eine innere Kälte, die der des Südpolarmeeres in nichts nachstand. Sogar als ich so erschöpft war, dass meine Augen zufielen, spürte ich diese Kälte und den Wunsch, alles und jeden zu vernichten, der an meiner Gefangenschaft schuld war. Einschließlich Nobilis.

***

Ich wurde durch einen gellenden Schrei geweckt, der mir durch Mark und Bein ging. Keuchend erwachte ich und sah mich hektisch um, während meine Brust sich ruckartig hob und senkte. Vor mir befand sich eine Sirene. Ihr wunderschönes Gesicht blickte mich finster an, während sie einen Ton abgab, der mein Trommelfell beinahe zum Platzen brachte. Sie sang nicht anmutig, nein, sie schien mich quälen zu wollen.

Ich wand mich und versuchte zu entkommen, aber ich konnte nirgendwo hin und war diesem schrecklichen Ton ausgeliefert. Mein Mund öffnete sich automatisch zu einem Schrei, der sich mit ihrem vermischen sollte, damit es erträglicher wurde. Doch ich bekam keinen Ton heraus. Meine Ohren schmerzten, mein Herz galoppierte in meiner Brust und schien explodieren zu wollen, während das Blut so schnell in meinem Kopf rauschte, dass sich rasende Kopfschmerzen darin ausbreiteten.

Ich versuchte immer wieder dagegen anzukommen, nahm nur die Sirene wahr und brach schließlich mit einem Stöhnen zusammen, das kläglich unter den schrillen Lauten der Sirene unterging.

***

Am nächsten Tag wachte ich davon auf, dass mir jemand mit einem Stück Stoff die Augen zuband und den Knoten an meinem Hinterkopf festzog. Ruckartig hob ich meinen Kopf und versuchte zu schreien, doch irgendetwas steckte in meinem Mund, riss meinen Kiefer so weit auf, dass ich ihn nicht einmal ansatzweise schließen konnte. Mein Gesicht schmerzte und ich wimmerte vor Wut. Der Hass in meiner Brust brüllte und ließ meinen Körper sich aufbäumen, doch die Fesseln an meinen Unterarmen hielten mich gefangen und waren nun so straff gezogen, dass meine Schultern sich anfühlten, als würden sie jeden Moment herausgerissen werden. Meine Flosse war ebenfalls gefesselt und ich spürte überdies eine stählerne Fessel um meinen Hals.

Bevor ich jedoch weiter darüber nachdenken konnte, fühlte ich ein schmerzhaftes Stechen in der Seite. Ich schrie und auf einmal war das Stechen überall. Als würde jemand mit Tausenden von Nadeln meine Haut bearbeiten. Immer wieder in dieselben Stellen und stets im Takt von drei Sekunden. Rein. Atmen. Raus. Atmen. Rein. Atmen. Raus. Atmen. Immer wieder.

Ich konnte das Blut riechen, das aus den Wunden strömte, und würgte lautlos, während ein Instinkt in mir entfacht wurde, der mir völlig neu war.

3. KAPITEL

DIE PFLICHT UNSERER FAMILIE

Marus

Drei Monate lang war Nobilis nun bereits verschwunden und wir waren sämtlichen Spuren nachgegangen, die uns erreicht hatten. Ohne Erfolg. Doch dann hörten wir Gerüchte über eine Höhle in der Nähe des Südpolarmeeres. Eine Höhle, aus der Schreie drangen und um die selbst die angriffslustigen Sirenen einen Bogen machten. Wir waren sofort aufgebrochen.

Nun befanden wir uns etwa hundert Meter von dem Eingang der besagten Höhle in einem Graben und warteten darauf, dass wir unsere Chance bekamen. Wir durften nicht voreilig handeln, wenn wir Nobilis und Adella retten wollten. Denn dass sie sich darin befanden, das sagten mein Herz und auch mein Verstand.

»Es ist viel zu still«, grummelte Wamil und blickte über den Rand des Grabens hin zu dem Berg, an dessen Fuß sich der Eingang des Höhlensystems befand. Zumindest hatte uns das ein Mitglied des Piratenclans erzählt, der nur wenige Stunden von hier lebte.

»Sehe ich auch so. Ich denke, wir sollten besser jetzt als später handeln, denn diese Schreie vorhin hörten sich verdächtig nach Adella an«, stimmte Sorbis ihm zu und drehte sich zu seinem Zwillingsbruder Lorbis. »Was denkst du?«

»Hört auf damit!«, fuhr Basil, der Anführer der Krieger, dazwischen. »Wir dürfen jetzt nichts Unüberlegtes tun. Wir können nicht riskieren, dass sie Adella oder Nobilis etwas antun.«

»Sie haben Nobilis bereits etwas angetan«, knurrte ich. »Wir müssen ihm das Mittel so schnell wie möglich verabreichen. Vielleicht können wir ihn dann noch retten.«

»Ich verstehe nicht, wie Königin Romila und König Tarit zulassen konnten, dass das hier passiert«, knurrte Elea und grub ihre Hände tief in den Sand unter ihr, als bräuchte sie Halt. »Sie haben gewusst, dass Adella wieder eine Media werden würde, und uns viel zu spät davon erzählt. Wir hätten Nobilis aufhalten können, wenn er davon Kenntnis gehabt hätte.«

»Vorwürfe bringen uns nicht weiter«, ging Basil erneut dazwischen und positionierte sich neben Elea im Sand. »Wir müssen hier erst einmal die Lage abschätzen und dürfen nichts überstürzen.«

»Aber wenn das wirklich Adella ist –«

»Ich will sie genauso sehr retten wie du«, unterbrach er Elea und starrte sie an. »Aber wir könnten ihr mehr schaden als helfen, wenn wir einfach so diese Höhle stürmen.«

Die Piratin presste ihre Lippen aufeinander und nickte dann langsam. »Wie lautet der Plan?«

»Am besten beobachten wir das Ganze noch eine Zeit lang und versuchen herauszufinden, wie viele Medius sich in der Höhle befinden«, schlug Wamil vor, woraufhin Laterus nickte. »Und dann passen wir einen Moment ab, in dem Saniya weg ist und möglichst wenig Wächter dort drin sind, Nobilis aber natürlich schon.«

»Was?«, knurrte Elea und presste ihre Lippen zusammen. »Das kann nicht euer Ernst sein! Wir sollten sie alle –«

Auf einmal legte Basil seine Hand auf Eleas und ich konnte in ihrem Gesicht die Überraschung sehen, ebenso wie ein verräterisches Glitzern in ihren Augen, das mir zuvor noch nie aufgefallen war. »Elea, wir werden nicht da reinstürmen und damit riskieren, dass wir selbst dabei sterben. Wir wollen sie retten und sie lebend von hier wegbringen. Ich würde sie am liebsten auch alle tot sehen, aber wie hoch stehen die Chancen, dass wir einen Kampf gewinnen und unsere Freunde auch noch von hier wegschaffen können?«

Elea schluckte sichtlich und nickte langsam, woraufhin Basil sie anlächelte und noch einen Moment zu lange ihre Hand festhielt, bevor er sich wieder nach vorne drehte. »Wir sind eine Familie und wir lassen niemanden zurück.«

Alle nickten und ich spürte einen faustdicken Kloß im Hals, der mir das Atmen erschwerte.

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