Mehr Selbstvertrauen - Eva Wlodarek - E-Book

Mehr Selbstvertrauen E-Book

Eva Wlodarek

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Beschreibung

Es wird Zeit, den roten Teppich zu betreten! Vor allem Frauen haben im Geheimen oft ein negatives Bild von sich und glauben, die eigenen Erfolge nicht wirklich zu verdienen. Sie schöpfen ihre Potenziale nicht aus, verstecken ihren Wert und versäumen es, für sich selbst die Werbetrommel zu rühren. Die Psychologin und Bestsellerautorin Eva Wlodarek zeigt, wie wir unser Selbstvertrauen in allen Aspekten stärken können - für ein souveränes Auftreten, ein sicheres Selbstwertgefühl und Beziehungen auf Augenhöhe. Ein lebenspraktisches Buch mit vielen Übungen und konkreten Tipps.

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Eva Wlodarek
Mehr Selbstvertrauen
Strahle aus, wer du wirklich bist
Namen und andere Daten wurden von der Autorin ­geändert.
Neuausgabe 2018
Bisheriger Titel: Selbstvertrauen stärken und ausstrahlen
© Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2018
Alle Rechte vorbehalten
www.herder.de
© KREUZ VERLAG in der Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2014
Umschlaggestaltung: Designbüro Gestaltungssaal
Umschlagmotiv: © mixform design/shutterstock
E-Book-Konvertierung: de·te·pe, Aalen
Inhalt
Vorwort
Einführung: Schluss mit dem Scharlatan-Syndrom
1. Die Wurzeln der Unsicherheit
Frühe Einflüsse
(V)erwünschte Anpassung
Klassische Bremsen für das Selbstvertrauen
Entwicklung ist jederzeit möglich
2. Schlüsselreize – Turbo in die Vergangenheit
Wunde Punkte
Den wunden Punkt entkräften
Projektionen auflösen
3. Der innere Dialog
Die negative innere Stimme
Die Macht der inneren Kritikerin brechen
Der Gedankenfilter
Das Denken dauerhaft umpolen
4. Das Muster ändern
Der innere Auftrag
Die Folgen des Musters
Das Muster dauerhaft verändern
Der Gewinn für Ihr Selbstvertrauen
5. Schluss mit dem Perfektionismus!
Wie werden wir zu Perfektionistinnen?
Die Peitsche des Perfektionismus
Selbstvertrauen gegen den Perfektionismus
Selbstmitgefühl zeigen
Seien Sie perfekt – aber nicht perfektionistisch
6. Sich mit Selbstvertrauen durchsetzen
Allzu nette Menschen leben gefährlich
Nein sagen
Tipps für das diplomatische Neinsagen
Präzise Forderungen stellen
Manipulationen erkennen
Sich durchsetzen ohne schlechtes Gewissen
7. Sich in der Männerwelt positionieren
Männersprache – Frauensprache
Zweisprachigkeit im Job
Nonverbales Revierverhalten
Sich mit Körpersprache sichtbar machen
Die richtige Taktik im Spiel der Geschlechter
8. Mit Kränkungen souverän umgehen
Verbale Gemeinheiten selbstbewusst parieren
Top-Techniken zur Gegenwehr
Kränkungen klar begegnen
Auf schwere Verletzungen reagieren
Den Eigenanteil entdecken
Die Königsdisziplin: Verzeihen
9. Mit Selbstvertrauen Kontakte pflegen
Der Beziehungs-Check
Sich aus unbefriedigenden Beziehungen lösen
Gute Kontakte knüpfen
Die Kunst des souveränen Small Talks
Aktiv zuhören
Verbundenheit herstellen
10. Kleidung und Stil für das Selbstvertrauen
Der erste Eindruck
Wer bin ich?
Facetten für spezielle Auftritte
Der Erwartung entsprechen
Pflicht und Kür im Dresscode
11. Öffentliche Auftritte mit Selbstvertrauen meistern
Powersprache anwenden
Sich selbstbewusst zu Wort melden
Die kleine Rednerschule
Der Körper spricht mit
Wenn nur das Lampenfieber nicht wäre …
Übung macht die Meisterin
12. Selbstvertrauen trainieren
Mit einem Kompaktprogramm starten
Einen unsichtbaren Coach buchen
Erfolge feiern
Selbstvertrauen forever?
13. Mit Selbstvertrauen leben
Höchste Zeit für mehr Selbstvertrauen
Zurück in die Zukunft
Kosmische Unterstützung?
Das Geheimnis des Selbstvertrauens
Danksagung
Quellen und Literatur
[Das Buch]
[Die Autorin]
Vorwort
Liebe Leserin,
ein Buch über Selbstvertrauen für Frauen?
Warum nicht auch für Männer – haben die etwa genug davon? Nein, haben sie nicht. Auch von erfolgreichen Männern hörte ich schon den Satz, den viele Frauen aussprechen: »Wenn die wüssten, wie unsicher ich oft bin …« Aber – und jetzt kommt der große Unterschied: Männer gehen anders mit mangelndem Selbstvertrauen um. Sie kompensieren es mit forschem Auftreten. Außerdem lassen sie sich nicht von Selbstzweifeln ausbremsen, sondern halten sich prinzipiell für fähig, ob es nun zutrifft oder nicht. Unsere weibliche Sozialisation dagegen führt zu einem anderen Verhalten. Wir sind mit uns besonders kritisch, streben perfektionistisch Bestleistungen an und betrachten uns erst als geeignet, wenn wir jahrelange Erfahrung aufweisen. Meist fühlen wir uns im Rampenlicht eher unwohl, zumal wir im Gegensatz zu den Männern mehr an der Sache als an Selbstdarstellung interessiert sind.
Vergleichsweise haben wir also schlechtere Karten. Das muss jedoch keineswegs so bleiben. Wir brauchen in puncto Selbstvertrauen eine eigene Anleitung und spezielles Know-how, um etwas zu verändern. Das möchte ich Ihnen mit diesem Buch geben. Und wie es meine Art ist, reicht mir dabei keine äußere Kosmetik nach dem Motto »So wirken Sie ­garantiert selbstsicher«. Ich finde: Sie haben es verdient, nicht nur selbstsicher zu wirken, sondern es auch zu sein. Deshalb gehen wir zunächst gründlich an die Wurzeln, damit Sie überholte Muster auflösen und echtes Selbstvertrauen aufbauen. Dazu gehört auch, der inneren Kritikerin den Mund zu verbieten, verunsichernde Schlüsselreize zu löschen und Perfektionismus abzubauen. Anschließend bekommen Sie praktisches Handwerkszeug, um es auf allen Gebieten erfolgreich einzusetzen. Sie erhöhen unter anderem Ihre Fähigkeit
• sich durchzusetzen, auch in einer von Männern dominierten Umgebung,• klar zu fordern, was Sie haben wollen,• Nein zu sagen und Grenzen zu ziehen,• mit Kränkungen souverän umzugehen,• gute Kontakte zu knüpfen und zu pflegen,• wirkungsvoll öffentlich aufzutreten.
Die Chancen sind hoch, dass Sie von der Lektüre einen ­großen Gewinn haben, für IhrePersönlichkeit,für IhrenBerufund für IhrPrivatleben.
Ich freue mich auf unsere gemeinsame Arbeit und vor ­allem darauf, dass Sie endlich glauben, dass Sie großartig sind, und das auch allen zeigen!
Herzlichst
Ihre Eva Wlodarek
Einführung: Schluss mit dem Scharlatan-Syndrom
Kürzlich war ich als Referentin zu einer Tagung in Wien eingeladen. Es ging um das Thema »Glück«. Vor meinem Vortrag stand die Lesung einer bekannten Autorin, die ein Buch über Lebensfreude geschrieben hatte, auf dem Programm. Zufällig saßen wir nebeneinander. Bevor es losging, erzählte sie mir mit ungewöhnlicher Offenheit, dass sie sich im Rampenlicht furchtbar unsicher fühlte. In der Nacht vorher habe sie kaum geschlafen, sie bereue schon, sich überhaupt darauf eingelassen zu haben. Bestimmt würde sie grandios scheitern. Dann kam ihr Auftritt. Auf der Bühne sah man eine selbstsichere Frau, die locker aus ihrem Buch las und das Publikum mit Humor und Lebensklugheit begeisterte. Sie bekam langen Applaus. Während ich mitklatschte, hatte ich noch ihre zaghaften Worte im Ohr und dachte: »Willkommen im Club!«
Offenbar gehörte auch sie zu dem heimlichen Netzwerk von Frauen, die sich ihrer Großartigkeit nicht bewusst sind. Tatsächlich gilt für die meisten von uns: Wir unterschätzen uns. Mit festem Blick auf unsere Lücken, Mängel und Schwä­chen – die wir natürlich sehr genau kennen –, fühlen wir uns gegenüber unserer Umwelt manchmal wie Betrügerinnen. Die anderen halten uns zwar für kompetent, selbstsicher, souverän und durchsetzungsfähig, aber denen spielen wir doch nur etwas vor. Würden sie erfahren, wie wenig wir in Wirklichkeit wissen oder können, wie ängstlich und unsicher wir im Grunde sind, dann würden sie uns ablehnen oder gar verachten.
Die Autorin auf der Tagung in Wien war wahrhaftig nicht die Erste, bei der ich dieses Phänomen beobachten konnte. Im Laufe vieler Jahre als Coach durfte ich hinter die Kulissen von Frauen schauen, die jeder Außenstehende als erfolgreich und selbstsicher bezeichnet hätte. In meinen Seminaren zum Thema Persönlichkeit und Ausstrahlung hörte ich von Teilnehmerinnen immer wieder den gleichen Kommentar: »Am Anfang habe ich spontan gedacht: Was wollen denn diese tollen Frauen hier?« Die Richterin, die mit ihrer klaren Art beeindruckt. Die Kosmetikerin, die in ihrem Studio ständig ausgebucht ist. Die PR-Lady, deren originelle Ideen die Events der Konkurrenz fade wirken lassen. Die Managerin, die innerhalb kürzester Zeit für ihre Firma internationale Standorte eingerichtet hat. Die Keramikerin, die schon in Museen ausgestellt hat. Die Liste ließe sich noch lange weiterführen. Alle diese Frauen sahen die Ergebnisse ihrer Arbeit durchaus positiv, aber das reichte nicht aus, um von sich selbst überzeugt zu sein.
Manche »Clubmitglieder« führen ihren Erfolg nur zu einem kleinen Teil auf eigene Anstrengungen zurück. Ihre Erklärungen für ihre Verdienste klingen dann so: »Da habe ich Glück gehabt!«, »Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort«, »Mein Chef mochte mich und hat mich großzügig ­gefördert«, »Das lag mir halt.« Andere sind der Ansicht, dass sie ihre Umgebung mit Qualitäten täuschen, die sie in Wahrheit nicht in ausreichendem Maße besitzen. Wie es eine Immobilienmaklerin ausdrückte: »Ich spiele die selbstsichere Wohnungsvermittlerin und die Kunden nehmen mir das ab.« Eine Informatikerin formulierte kurz und knapp: »Ich fake.« Wohlgemerkt handelt es sich dabei immer um seriöse und engagierte Frauen, die beruflich niemals falsche Angaben machen würden. Ihr vermeintlicher Betrug bezieht sich nur auf sie selbst. Diese bei Frauen weitverbreitete Einstellung hat einen Namen: das Scharlatan-Syndrom.
Per Definition ist ein Scharlatan jemand, der vorgibt, ein bestimmtes Wissen oder bestimmte Fähigkeiten zu besitzen, und damit andere täuscht. In diesem Fall allerdings glauben die Betroffenen, dass sie ihrer Umgebung etwas vormachen, ohne dass es tatsächlich der Fall ist. Frauen, die unter dem Scharlatan-Syndrom leiden, verhalten sich nach der Devise: »Ich bin nicht gut genug, und das darf niemand wissen.« Das zeigt sich dann in individuellen Facetten, etwa diesen:
• Sie geben die Power-Frau, die alles hinkriegt und der nichts zu viel ist.• Sie zeigen keine Schwäche. Lächeln, auch wenn die Ablehnung oder Entwertung wehtut. Heulen kann man zu Hause.• Sie sind Perfektionistinnen. Selbst unbedeutende E-Mails werden formuliert, als ob man den Pulitzerpreis damit gewinnen müsste.• Sie bereiten sich akribisch vor und kontrollieren mehrfach.• Sie geben sich unnahbar, damit niemand sie kränken kann. Gerne Small Talk, aber bitte keine persönlichen Gespräche.• Sie erscheinen optisch immer tadellos, von der Maniküre bis zum Designerkostüm.
Das Gefühl, trotz aller Erfolge nicht gut genug zu sein, lässt sich nicht immer geschickt kaschieren. Oft führt es zu Verhaltensweisen, mit denen sich selbst tüchtige und begabte Frauen sabotieren: Sie bleiben lieber in der zweiten Reihe und vermeiden Situationen, in denen sie im Mittelpunkt ­stehen. Chancen schlagen sie aus, weil sie sich dafür noch nicht reif oder ausgebildet genug fühlen. Obwohl sie viel leisten, fordern sie kein entsprechendes Gehalt oder Honorar, weil sie meinen, sie müssten ihren Wert erst beweisen. Sie passen sich zu sehr an, um akzeptiert zu werden, und lassen sich von Kritik völlig verunsichern.
Bei manchen Frauen zeigt sich die innere Unsicherheit nicht durchgängig. Normalerweise fühlen sie sich durchaus als Herrin der Lage und agieren selbstsicher. Erst bei ungewohnten Herausforderungen oder wenn ein wunder Punkt berührt wird, kommt das mangelnde Selbstvertrauen zum Vorschein.
So ging es einer Kollegin von mir, einer erfahrenen Verhaltenstherapeutin mit eigener Praxis. Sie war auf einem Psychotherapie-Kongress zu einer Podiumsdiskussion eingeladen, vermutlich im Zuge der Frauenquote. Die übrigen Gäste waren ein Professor, der jahrelange Forschung vorweisen konnte, ein Autor, der ein 400-seitiges Fachbuch ver­fasst hatte, und ein bekannter Psychoanalytiker. Die Herren überboten sich mit theoretischen Erörterungen und Verweisen auf spezielle amerikanische Studien. Anstatt sich nun souverän zu sagen: »Diese verkopfte Gruppe braucht unbedingt meine praktische Sichtweise als Gegengewicht«, kam meine Kollegin sich immer ungenügender vor. Sie fühlte sich dem intellektuellen Gremium nicht gewachsen und machte kaum noch den Mund auf. Da halfen keine jahrelange Ausbildung und kein beruflicher Erfolg. Sie war heilfroh, als die Veranstaltung vorbei war.
Die unterschiedlichen Erscheinungsformen des Scharlatan-Syndroms haben den gleichen Hintergrund: Wir erkennen unsere eigene Größe nicht. Wir ignorieren unsere Einzig­artigkeit und Schönheit. Ich behaupte, dass das für die meisten von uns gilt.
Jeweils zu Beginn meines Vortrags »Mich übersieht keiner mehr. Größere Ausstrahlung gewinnen« mache ich die Stichprobe. Ich bitte darum, dass diejenigen aufstehen, die sich für großartig und einmalig halten. Egal, um welche Stadt es sich handelt, im Saal sind es immer nur wenige Frauen, die sich hinstellen. Außerdem ist ihren Gesichtern anzusehen, dass sie sich dabei nicht besonders wohlfühlen, manche schauen trotzig oder verlegen. Ich finde dieses magere Ergebnis unglaublich schade. Mein großer Wunsch ist es, dass sich eines Tages bei meiner Aufforderung das gesamte weibliche Publikum erhebt. Aber ich weiß wohl, wie schwer es fällt, sich die eigene Großartigkeit einzugestehen, geschweige denn, sie auch noch öffentlich zu vertreten. Dabei hat es nichts mit Größenwahn zu tun, sich einzigartig zu finden. Es bedeutet keineswegs, dass wir fehlerfrei sind, hochbegabt, mit besonderen Talenten gesegnet oder perfekt ausgebildet sind. Es bedeutet einfach, endlich die Wahrheit anzuerkennen: Niemand auf der Welt ist so wie wir. Grund genug, stolz auf uns zu sein, anstatt wie das Kaninchen vor der Schlange nur auf das zu schauen, was wir nicht bieten können.
Auf einer Postkarte las ich den humorvollen Spruch »Kopf hoch, Prinzessin, sonst rutscht die Krone«. Das passt. Wir müssen endlich unseren Wert erkennen und den Kopf entsprechend hoch tragen.
Horchen Sie in sich hinein. Glauben Sie im Grunde Ihres Herzens, dass Sie fähig, begabt und kompetent sind, obwohl Sie längst nicht alles wissen und können? Dass Sie liebenswert sind, auch ohne dass Sie sich dafür anstrengen müssen? Dass Sie ein wertvoller Mensch sind? Dass Sie Respekt verdienen, und zwar von jedem? Dass Sie schön sind, genau so, wie Sie aussehen? Wenn Sie nicht jede dieser Fragen freudig bejahen, dann gibt es Nachholbedarf in puncto Selbstvertrauen. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, das Bewusstsein für Ihre Großartigkeit zu wecken. Das geht nicht per Knopfdruck, sondern ist ein Prozess. Er verlangt, dass Sie bereit sind, Ihr Denken zu verändern und alte Muster innen und außen loszulassen. Das wird sich auf Ihr Verhalten, Ihr Handeln, Ihr Sprechen, ja sogar auf Ihr Äußeres auswirken.
Was Sie von dem ganzen Aufwand haben? Das Gefühl für Ihre Größe trägt Sie bei Herausforderungen, denn Sie wissen: Selbst wenn ich scheitere oder Fehler mache, bin ich immer noch ein wunderbarer Mensch. Dadurch eröffnen sich Ihnen Chancen, weil der Sinn für die eigene Bedeutung Sie mutig macht, Unbekanntes auszuprobieren. Das Bewusstsein Ihrer Großartigkeit wird Ihnen das tägliche Leben erleichtern, denn Sie wissen, was Sie wollen, und treten souverän auf. Sie sind gegen Anfeindungen gewappnet, weil Sie niemandem erlauben, Sie kleinzumachen. Kurz, Sie spüren eine nie gekannte Freiheit und Gelassenheit.
Aber das ist noch nicht alles – und jetzt wird es spirituell. Erst im Status der Großartigkeit können Sie die Mission vollständig erfüllen, für die Sie auf dieser Erde sind. Mit Ihrer individuellen Mischung von genetischer Anlage und erworbenen Fähigkeiten gibt es nämlich eine Lebensaufgabe, für die niemand besser geeignet ist. Sie ist nicht an einen bestimmten Beruf gebunden, obwohl einige Berufsfelder dafür meist besonders passend sind. Vielmehr lässt sie sich in Oberbegriffe fassen wie Heilen, Helfen, Lehren, Forschen, Erfinden, Entdecken, Erziehen, Unterstützen, Vermitteln, Führen, künstlerischer Ausdruck oder Gestalten.
Die konkrete Umsetzung dieser Aufgabe muss keineswegs spektakulär sein. Es geht nicht unbedingt darum, ein Medikament gegen Krebs zu entdecken, den Nobelpreis für Literatur zu gewinnen oder mit fantastischen Erfindungen das Internet zu revolutionieren – obwohl natürlich auch das möglich ist! Vielleicht handelt es sich eher darum, eine mitfühlende Ärztin in einem technisierten, anonymen Krankenhaus zu sein, als Lektorin mit besonderem Gespür für literarische Qualität unbekannten Autoren eine Chance zu geben oder als IT-Expertin für die Firma zeitsparende Ideen zu entwickeln. Oder eine liebevolle Mutter, eine inspirierende Trainerin, eine präzise Dolmetscherin zu sein. Sicher, die gleichen Jobs erledigen auch viele andere, aber eben nicht genau so wie Sie.
Falls Sie Ihre spezielle Aufgabe noch nicht gefunden haben, machen Sie sich keine Sorgen, es ist nie zu spät. In dem Büchlein »Grüße vom Universum« sagt der Autor Mike Dooley in einem seiner Aphorismen: »Der beste Beweis dafür, dass deine Aufgabe noch nicht erledigt ist, ist, dass du noch hier bist.« Möglicherweise finden Sie ja Ihren angemessenen Platz erst, wenn Sie Ihre Großartigkeit anerkennen, weil Sie sich dann endlich trauen, Ihren Weg zu gehen. Sagen Sie sich in jedem Fall: »Die Welt braucht mich!« Warum wären Sie sonst hier?
Eine der schönsten Ermutigungen, die eigene Großartigkeit zu entdecken und zu zeigen, hat Nelson Mandela 1994 in seiner berühmten Antrittsrede zitiert. Die Verse stammen von der amerikanischen Pastorin Marianne Williamson, aus ihrem Buch »A Return to Love«. Von daher ist darin auch von Gott die Rede. Falls Sie das stört, setzen Sie einfach den Begriff »Schöpfung« oder »Universum« dafür ein oder einen anderen, der Ihnen passend erscheint. Aber lassen Sie sich die Worte auf der Zunge zergehen und nehmen Sie sie in Ihr Herz:
Unsere größte Angst ist nicht, dass wir unzulänglich sind.
Unsere größte Angst ist, dass wir unermesslich stark sind.
Es ist unser Licht, das wir fürchten, nicht unsere Dunkelheit.
Wir fragen uns, wer bin ich denn, dass ich brillant, großartig, talentiert und begnadet sein kann?
Ja, wer bist du eigentlich, dass du es nicht sein dürftest?
Du bist ein Kind Gottes. Dich klein zu machen dient der Welt nicht.
Es bringt nichts, sich ständig zurückzunehmen, nur damit sich andere in deiner Nähe nicht unsicher fühlen.
Wir sind geboren, um der Herrlichkeit Gottes, die in uns ist, Ausdruck zu verleihen. Sie ist nicht nur in manchen von uns, sie ist in jedem Einzelnen.
Und wenn wir unser Licht leuchten lassen, ermutigen wir andere Menschen dazu, dasselbe zu tun. Wenn wir von unserer eigenen Angst befreit sind, dann befreit unsere pure Gegenwart auch andere.
1. Die Wurzeln der Unsicherheit
Natürlich könnten wir jetzt sofort mit einem wirkungsvollen Training für mehr Selbstvertrauen beginnen. Das hätte bestimmt Erfolg, würde aber an dieser Stelle noch zu kurz greifen. Es wäre so, als ob wir beim Unkrautjäten nur die Blätter über der Erde abzupfen würden, anstatt auch die Wurzeln auszureißen. Das sieht eine Weile gut aus, ist aber nicht nachhaltig. Deshalb müssen wir zunächst die Ur­sachen dafür herausfinden, warum wir uns nicht für so großartig halten, wie wir tatsächlich sind. Dann wissen wir genauer, wo unsere wunden Punkte liegen und welche Knöpfchen andere erfolgreich drücken können, um uns zu verunsichern. Nach dem Motto »Gefahr erkannt, Gefahr gebannt« werden wir aufmerksam für unsere Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen und sind in der Lage, gegenzusteuern. Wir gewinnen die Kontrolle, anstatt passiv darunter zu leiden, dass das Gefühl der Unzulänglichkeit wieder einmal unerwartet auftaucht wie das Ungeheuer von Loch Ness.
Die Gründe unserer verborgenen Unsicherheit liegen fast immer weit zurück, in unserer Kindheit und Jugend. ­Sagen Sie bitte nicht, das sei doch Schnee von gestern, mit Ihrer Vergangenheit hätten Sie längst abgeschlossen. Eines ist sicher: In Ihnen lebt noch immer das Kind, das Sie einmal waren. Sämtliche Erinnerungen und die damit verbundenen Gefühle sind in Ihnen gespeichert und werden bei passender Gelegenheit wieder aktiv.
Frühe Einflüsse
Um herauszufinden, wie wir zu dem wurden, was wir heute sind, müssen wir notgedrungen bei unseren Wurzeln anfangen. Wenn wir nämlich verstehen wollen, weshalb wir uns heute in bestimmter Weise wahrnehmen und entsprechend reagieren, müssen wir uns zunächst die Frage stellen, wie wir diese Vorstellungen überhaupt aufgenommen haben.
Viele soziale und emotionale Einflüsse prägen uns schon in den ersten Lebensjahren. Dazu werden im Gehirn Schritt für Schritt komplizierte neuronale Netzwerke gebildet. Zunächst gilt das für alles, was im Körper des Säuglings passiert. Später, wenn die Sinnesorgane ausgereift sind, leiten auch sie Erregungsmuster zum Gehirn weiter, die sich zu immer komplexer werdenden inneren Bewegungs- und Handlungsbildern verbinden. Es ist also von Anfang an mächtig viel los zwischen uns und der Außenwelt. Trotzdem sind uns diese Erlebnisse später nicht präsent. Dass die meisten Erwachsenen sich kaum an Ereignisse erinnern können, die sich vor dem dritten Lebensjahr abgespielt haben, bezeichnet man als »infantile Amnesie«. Die Gründe dafür sind noch nicht vollständig geklärt, hängen aber offenbar mit noch nicht ausreichend entwickelten Hirnarealen zusammen. In der Psychologie spricht man von »impliziten«, unbewussten Erfahrungen. Die lassen sich später nur über einen Umweg erschließen. Für Louis Cozolino, Psychologie-Professor an der Pepperdine University in Kalifornien, spiegeln sie sich vor allem in unserem Wertgefühl wider, in der Art, wie wir mit uns selbst umgehen und wie wir uns von anderen behandeln lassen. Seiner Ansicht nach kommen wir uns auf die Spur, indem wir uns fragen: Habe ich das Gefühl, wichtig zu sein? Habe ich einen starken inneren Kritiker? Wie verhalte ich mich, wenn ich versage? Leide ich unter Scham? Perfektionstrieb? Die Antworten weisen eventuell darauf hin, dass wir schon sehr früh Verlustängste oder andere gravierende Einflüsse erlebt haben. Es lohnt sich deshalb, in der Familiengeschichte gründlich nachzuforschen, wie die ersten Lebensjahre verlaufen sind. Das erklärt möglicherweise einiges von dem, was uns an unserem gegenwärtigen Verhalten rätselhaft erscheint, weil uns keine konkrete Ursache dafür bekannt ist. So erfuhr Melanie, eine 39-jährige Zahnärztin, erst auf intensive Nachfrage, dass ihre Mutter an einer postnatalen Depression gelitten hatte und ihr Kind lange Zeit emotional nicht annehmen konnte. Für Melanie war das ein Aha-Erlebnis. Bisher war sie davon ausgegangen, dass sie bei ihrer später so liebevollen und überfürsorglichen Mutter schon als Säugling beste Bedingungen gehabt hatte. Nun sah sie eine Verbindung dazu, warum sie bisher kaum glauben konnte, dass jemand sie wirklich gern hatte.
Genauso bedeutsam wie die unbewussten sind die bewussten, die sogenannten »expliziten« Erfahrungen. Sie beginnen etwa ab dem dritten Lebensjahr, wenn das Kind sich als eigenständiges Wesen begreift. Von seiner Entwicklung her hat es nun die Fähigkeit erworben, die Reaktionen seiner Umwelt einzuordnen. Und das ist auch nötig, denn eines der stärksten menschlichen Bedürfnisse ist das nach Zugehörigkeit. Um die Zuneigung und Anerkennung seiner Umgebung zu gewinnen, muss sich das Kind deren Vorstellungen, Überzeugungen und Verhaltensweisen angleichen. Das bedeutet häufig, eigene Impulse, Bedürfnisse und Gefühle zu unterdrücken oder abzuspalten. Immer wenn es dem Kind gelingt, sich so zu verhalten, dass es Strafe vermeidet oder eine Belohnung erhält, kommt es im Gehirn zur Ausschüttung von Botenstoffen, die neuronale Verknüpfungen und synaptische Verschaltungen aktivieren. Auf diese Weise lernt das Kind nachhaltig, was akzeptabel ist und was nicht. Je öfter es diese Erfahrungen macht, desto intensiver prägen sie sich ein. Im Gehirn wird dann bildlich gesehen aus einem Trampelpfad eine Schnellstraße.
Eine weitere effektive Art, Haltungen und Einstellungen wichtiger Bezugspersonen zu übernehmen, besteht darin, sie zu imitieren. Möglich machen das die erst vor wenigen Jahren von dem italienischen Forscher Giacomo Rizzolati entdeckten Spiegelneuronen, Nervenzellen, die es erlauben, sich in einen anderen Menschen einzufühlen.
Ob es gut oder schlecht ist, was wir da aufnehmen, können wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht beurteilen. Wir glauben einfach, dass die großen und mächtigen Erwachsenen recht haben mit dem, was sie uns vermitteln.
(V)erwünschte Anpassung
Das Kind weiß bald genau, was in seiner Umgebung gefragt ist und wie es sich verhalten muss, um Wohlwollen zu erreichen. Würde das »richtige« Verhalten allerdings allein davon abhängen, ob die Eltern gerade ein Auge darauf haben, hätte das fatale Folgen. Schlimmstenfalls würde es ihm wie Paulinchen im »Struwwelpeter« gehen. Sie erinnern sich? Trotz Warnung der Eltern zündelt Paulinchen in deren Abwesenheit mit Streichhölzern. Das traurige Ergebnis: »Verbrannt ist alles ganz und gar, das arme Kind mit Haut und Haar.« Damit wir als Kinder real und sozial überleben können, hat die Natur deshalb eine geniale Möglichkeit entwickelt: Indem wir die Werte und Normen unserer Umwelt verinnerlichen, sind wir in der Lage, sie jederzeit eigenständig abzurufen. Der ungarische Psychoanalytiker Sandor Ferenczi prägte dafür den Begriff »Introjektion«. Im Deutschen entspricht das dem leicht altmodisch klingenden Ausdruck »sich etwas einver­leiben«. Allgemein versteht man darunter den Prozess, die­jenigen Regeln als Eigenes aufzunehmen, die unserer Sozialisation dienen. Dank der Introjektion benötigen wir keine Anweisung von außen mehr, sondern erzählen uns in einem inneren Dialog selbst, was akzeptabel ist und was nicht.
Wie hervorragend das schon in früher Kindheit funktioniert, weiß ich aus eigener Erinnerung. Ich stamme aus einem Pastorenhaus. In meiner Kindheit war das Gottesbild noch von strenger Moral bestimmt. Tanzen und sich schminken etwa war bei frommen Christen als sündhaft verpönt. Meine Eltern waren zwar liberaler, passten sich aber wegen der Vorbildfunktion einer Pastorenfamilie weitgehend an. Als ich vier Jahre alt war, nahm mich eine Bekannte mit in ein Weihnachtsmärchen, »Peterchens Mondfahrt«. Ich war völlig fasziniert von den tanzenden Schauspielern in ihren bunten Kostümen. Ab sofort stand mein Berufswunsch fest: So etwas wollte ich werden! Doch schon auf dem Heimweg kamen mir heftige Bedenken. Zu Hause fragte ich meine Mutter: »Wenn ich Tänzerin werde, hat mich Gott dann noch lieb?« Andernfalls hätte ich selbstverständlich verzichten müssen. Schließlich hatte Gott in meinem Umfeld oberste Priorität. An die Antwort kann ich mich nicht mehr erinnern, aber die Frage zeigt, wie früh man sich als Kind die Regeln der Umgebung zu eigen macht und als innere Stimme gegen individuelle Wünsche und Impulse einsetzt.
Klassische Bremsen für das Selbstvertrauen
Doch wir verinnerlichen nicht nur Verhaltensweisen und Normen. Über die Rückmeldung unserer Umgebung nehmen wir auch auf, wer wir als Person sind. An ihrer Reaktion lesen wir ab, wie liebenswert, talentiert und hübsch wir sind oder wie dumm, abstoßend, ungeschickt.
Diejenigen Einflüsse aus unserer näheren Umgebung, die uns im Laufe unserer Kindheit und Jugend das Gefühl für unsere Großartigkeit rauben können, sind regelrechte Klassiker. Die folgenden sind wohl bei den meisten von uns mehr oder minder intensiv vorgekommen und haben sich dauerhaft eingeprägt. Deshalb ist es sinnvoll, sie sich als mögliche Ursache von mangelndem Selbstvertrauen bewusst zu machen.
Liebe als Lohn für Anpassung
Ein intensiver Einfluss auf unser Selbstvertrauen hängt mit der schon angesprochenen Anpassung zusammen. Die Botschaft lautet: »Ich liebe dich nur, wenn du bist, wie ich dich haben möchte.« Natürlich sprechen das die wenigsten Eltern so harsch aus. Aber sie verhalten sich oft entsprechend. Dabei handelt es sich keineswegs um Monster-Eltern, sondern um nette Leute, die nur das Beste für ihren Nachwuchs wollen. Ihnen ist nicht klar, dass sie dabei aus ihrer Machtposition heraus die Persönlichkeit ihres Kindes verletzen und beeinträchtigen. Hängen bleibt von diesen kleinen und großen elterlichen Ansprüchen, die jeweils mit Liebesentzug oder Druck durchgesetzt wurden: Wie ich bin, ist nicht in Ordnung. Das Kind lernt früh, sein wahres Wesen zu verbergen und sich anzupassen, weil es sich sonst ungeliebt fühlt. Diese Haltung wird dann bis ins Erwachsenenalter beibehalten, ebenso wie die verinnerlichte Botschaft: Du bist nicht okay.
Manche Frauen erinnern sich daran noch gut. Wie Silke: »Ich war ein wildes Kind. Da kam es schon vor, dass ich das helle Kleidchen und die Lackschuhe, in denen mich meine Mutter so gerne sah, beim Spielen dreckig machte. Dann durfte ich nicht mit der Familie zu Abend essen. ›Schmutzfinken wollen wir nicht am Tisch haben‹, hieß es.« Oder Paula: Wenn sie etwas getan hatte, was ihren Eltern missfiel, wurde sie in ihr Zimmer verbannt. Sie durfte erst wieder herauskommen, wenn sie sagte: »Ich bitte um Entschuldigung, ich will es auch nicht wieder tun.« Noch härter kommt es oft in der Pubertät. Als sich die 15-jährige Nina für eine Party mit Make-up aufgerüscht hatte, schleppte ihr Vater sie ins Badezimmer, hielt ihren Kopf unter die Dusche und brüllte: »Meine Tochter geht nicht wie eine Nutte aus dem Haus!«
Ängstliche Eltern haben ängstliche Kinder
Ängstliche oder verwöhnende Eltern, die ihren Sprösslingen alle Steine aus dem Weg räumen, setzen ihnen eine Bremse in den Kopf, die auch später bestens funktioniert. Noch als Erwachsene wagen sie wenig und trauen sich nichts zu.
Loslassen fällt Eltern nicht leicht, das weiß ich wohl. So erinnere ich mich noch gut an diese Szene: Ich stand unter einem Baum und betete, dass nichts passiert. Währenddessen kletterte unser vierjähriger Felix begeistert von Ast zu Ast und hatte schon fast den Wipfel erreicht. Ich hatte ihm die Kletterei erlaubt, weil er ein motorisch geschicktes Kind war, dem man zutrauen konnte, heil hinauf- und auch wieder herunterzukommen. An meiner Angst um ihn änderte das natürlich nichts. Aber ich wollte keine Mutter sein, die ihren Sprössling vor allen Gefahren dieser Welt bewahrt. Schon oft hatte ich erlebt, wie einschränkend Eltern reagieren, und das nicht nur bei kleinen Kindern. Die 13-Jährige möchte ihr Taschengeld als Babysitterin aufbessern, die 15-Jährige mit Freundinnen auf einem Campingplatz zelten, die 17-Jährige mit ihrem Freund in den Urlaub fahren oder als Backpacker durch Neuseeland reisen. Keine Chance! Die Eltern entwerfen Horrorszenarien und sagen Nein. Selbst nach der Volljährigkeit greift die Ängstlichkeit der Eltern. Jugendliche haben dann meist noch nicht die Stärke, den beengenden Vorstellungen Paroli zu bieten. Wie Greta, die liebend gerne auf die Hochschule für bildende Künste nach Berlin gegangen wäre. Bei ihrer Begabung hätte sie dort sicher Erfolg gehabt. Doch ihre Eltern, die in einem kleinen Dorf im Sauerland wohnten, waren strikt dagegen. Sie sahen ihre Tochter schon drogensüchtig im Sumpf der Großstadt. Da sie rechtlich keinen Einfluss mehr besaßen, setzten sie emotionale Mittel ein. Die Mutter bekam plötzlich Herzprobleme, der Vater machte Druck: »Willst du Mama ins Grab bringen?« Greta verzichtete und ergriff in der Kreisstadt einen Beruf, den ihre Eltern für vernünftig hielten. Damit verlor sie leider auch den Kontakt zu ihrer Großartigkeit. Die erprobt man nämlich, indem man Risiken eingeht und sich bewährt.
Wer »anders« aussieht, wird isoliert
Kinder, die äußerlich nicht der Norm entsprechen, haben es schwer. Sie erfahren schon in jungen Jahren Ablehnung durch andere. Wenn sie Glück haben, sind zumindest die Erwachsenen im Umgang mit ihnen einigermaßen liebevoll – was durchaus nicht immer der Fall ist. Von anderen Kindern dürfen sie jedoch kein Mitleid erwarten. Wie die kleine Sophie, die von Geburt an unter einer schlimmen Hautkrankheit litt. Ihre Haut schuppte sich wie bei einer Eidechse. Schon als Dreijährige auf dem Spielplatz wurde sie gemieden und bekam zu hören: »Die ist eklig!« Oder Lena, über deren linke Gesichtshälfte sich ein großes Feuermal zog. »Dich hat der Teufel getreten«, lästerten Verwandte. Als Lena älter wurde, versuchte sie krampfhaft, den Makel mit langen Haaren zu verdecken und ihren Gesprächspartnern möglichst die rechte Gesichtshälfte zuzuwenden.
Egal ob es sich um Kleinwüchsigkeit, Übergröße, Schielen, Stottern, einen Klumpfuß oder schiefe Zähne handelt – die Auswirkungen der sozialen Ausgrenzung auf das Selbstwertgefühl sind beträchtlich. Manches lässt sich später korrigieren. Wo das nicht möglich ist, kompensieren diese Kinder ihr sichtbares Anderssein mit besonderen Fähigkeiten. Sie entwickeln etwa Charme, sprachliche Intelligenz, besonders soziales Verhalten oder Kreativität. Aber selbst wenn sie als Erwachsene souverän erscheinen, haben sich die seelischen Verletzungen bereits tief eingegraben. Sie zeigen sich dann etwa als ein grundlegendes Gefühl der Einsamkeit oder als tiefes Misstrauen gegenüber anderen Menschen.
Die Peergroup bestimmt den Wert
In der Pubertät nimmt der Einfluss der Eltern ab, stattdessen gewinnen Gleichaltrige an Bedeutung. Sie sind der Spiegel, in dem sich zeigt, welchen sozialen Rang wir einnehmen. Dieser Spiegel kann so grausam sein wie der von Schneewittchens Stiefmutter – und meist hängt das, was er zurückwirft, tatsächlich von Äußerlichkeiten ab.