mein Asien - Kay Clasen - E-Book

mein Asien E-Book

Kay Clasen

4,7

Beschreibung

Ich habe einige Jahre in Thailand gelebt und von dort aus die umliegenden Länder Malaysia, Laos, Vietnam, Kambodscha, Myanmar, Indonesien, bereist. Berichte über Reiseerlebnisse in Thailand, Malaysia, Vietnam, Kambodscha, Myanmar, Laos, Indonesien. Begegnungen mit fremden Kulturen und Leuten.

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Seitenzahl: 385

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Inhaltsverzeichnis

Thailand

Finishing Rice

Touring Thailand

Vietnam-Cambodia

Malaysia

Java – Bali

Myanmar

Laos

Geschichten aus Thailand

Thailand

Wie es begann

Meine Noch-Ehefrau brachte mich zum Flughafen. Ich war rechtzeitig da, das Einchecken hatte ich schon Online erledigt, somit nur Koffer abgeben und Sicherheitskontrolle. Wenig Betrieb heute, also warten am Gate, wie üblich. Als ich beim Zeitungslesen zufällig auf die Anzeigentafel sehe, hatte sich die Abflugzeit von 11:15 Uhr plötzlich auf 13:00 Uhr geändert. Ich hätte in Frankfurt zwar reichlich Zeit zum Umsteigen gehabt aber zwei Stunden Delay? Auf Nachfrage erfuhr ich, dass wegen starker Winde in Frankfurt nur zwei statt der üblichen drei Startbahnen zur Verfügung ständen. Daher hätten alle Maschinen Verspätung, vermutlich auch mein Thai Airways Anschluss nach Bangkok. Vermutlich! Überprüfen konnte es angeblich niemand.

„Unser Computersystem. Sie verstehen?“

Nein, tat ich nicht, war aber auch egal. Über das Orchid Reisebüro, bei dem ich meine Buchung getätigt hatte ließ ich mir die Telefonnummer des Gates der Thai Airways in Frankfurt geben.

Auskunft dort:

„Wir gehen davon aus, dass wir pünktlich starten, warten können wir natürlich nicht.“

Aus den zwei Stunden wurden mehr, da die Lufthansa im Gegensatz zu anderen Fluglinien anscheinend immer länger für einen Checkumlauf braucht. Praktischer und rationeller Weise ließ sie auch gleich einen weiteren Flieger ausfallen.

Sofort nach der Landung in Frankfurt rief ich, noch aus der rollenden Maschine, das Gate an. Die Tür zum Flieger sei gerade geschlossen worden, bekam ich zur Antwort. Beim Aussteigen sah ich in der Ferne meine Bangkokmaschine abheben.

Umbuchen? Nur am Lufthansa-Ticketschalter dahinten irgendwo. Vor den Schaltern standen so viele Menschen, dass sie kaum zu erkennen waren. Nach eineinhalb Stunden kam ein Lufthansa Bediensteter auf die glorreiche Idee, den „Kunden“ etwas zum Trinken anzubieten. Rollende Wc´s wären angesagt gewesen, denn die waren eine Etage tiefer und wenn ich dafür Bedarf gehabt hätte, hätte ich mich anschließend wieder am Ende der Schlange anstellen dürfen. Nach zwei Stunden anstehen war ich dann tatsächlich an der Reihe. Umbuchen auf die nächste Thaimaschine nach Bangkok, sieben Stunden später. Jetzt also noch fünf Stunden warten. Einen Platz in der früher startenden LH-Maschine könne man mir nicht geben, Thai-Airways hätte das nicht so gerne.

„Boardingkarte?“

„Nur am Thai Airways Schalter, eine Etage tiefer.“

Die machten erst in einer halben Stunde auf, also auf dem Boardcase sitzen und warten. Langsam kamen mehr Passagiere, man konnte wenigstens etwas plaudern, so zwischendurch.

Ich bekam sogar einen ausgezeichneten Platz, besser als den, den ich vorher gebucht hatte. Nun die Zeit nutzen, noch ein Hofbräu Hell trinken, Bratkartoffeln und Leberkäs essen. Würde ich ja die nächsten sechzehn Tage nicht haben und auch ich haben wollen.

Alles Ok. Boarding mit etwas Verspätung, aus der dann bis zum Abflug eine Stunde wurde. Es würde in Bangkok eng werden mit meinem Anschluss nach Phuket. So war es denn auch. Zwar versicherten mir die Stewardessen, die Maschine würde warten da viele hier den Anschluss haben wollten, war aber nicht.

Wer den Bangkok Suvarnabhumi-Airport kennt, weiß, dass er gut zu Fuß sein muss. Rund einen Kilometer an der Glaswand entlang zur Immigration, Anstehen, freundlich Lächeln beim obligatorischen Foto, Stempel, Visum für dreißig Tage. Dann den gleichen Weg zurück, immer an der Glaswand entlang, diesmal auf der anderen Seite. Und das alles in nordeuropäischer Bekleidung und in Eile.

Am Gate war niemand. Als ich mich suchend umschaute kam ein netter junger Mann und erklärte mir, dass das Gate bereits geschlossen wäre. Ich müsste jetzt zurückgehen bis zum Schalter XY um umzubuchen. Da muss ich wohl so entsetzt ausgesehen haben, dass er mich durch viele, mit Sicherheitsstufen versehene Türen mitnahm und am Gate des nächsten Fluges nach Phuket für mich die Buchung selbst vornahm.

Abflug zwei Stunden später.

Mittlerweile sah ich alles mit Gelassenheit. Aufregen hätte eh keinen Zweck gehabt und schließlich hatte ich Urlaub und ich hatte Zeit.

Der Flug verlief problemlos. In Phuket standen wir, sehr viele Deutsche darunter, am Band des Baggageclaims und warteten auf unsere Koffer. Sie kamen aber nicht, zumindest nicht die internationalen.

„Nein, da müssen Sie zum Band in der anderen Halle gehen“.

Ok, alle fanden ihren Koffer, nur ich nicht, meiner war nicht dabei. Nach Ausfüllen von Formularen und Telefonaten die beruhigende Auskunft:

„Ihr Koffer ist in Bangkok, kommt mit der nächsten Maschine. Wir bringen ihn dann per Taxi zu ihrem Bungalow nach Ya Nui.“

Immerhin vierzig Kilometer.

Nun war ich also auf Phuket. Statt nach zwanzig Stunden eben nach achtundzwanzig, dafür aber ohne Koffer.

Ein Taxifahrer brachte mich nach Rawai, Ban Ya Nui Bungalow. Er sagte jedenfalls, dass er wüsste wo er lag, musste dann aber permanent fragen. Meinen Vorschlag, die Nummer auf der Visitenkarte anzurufen, die ich ihm vor die Augen hielt, ignorierte er. Erst als niemand mehr da war, den er fragen konnte, hielt er an, kramte eine Lupe aus dem Handschuhfach und versuchte die Telefonnummer zu entziffern. Ich hab zu seinen Gunsten angenommen, er wäre nur kurzsichtig. Schließlich hatte ich bis hierher keinen schlechten Eindruck von seinen Fahrkünsten gehabt. Außerdem waren es jetzt nur noch hundert Meter bis zum Ziel. Meine Vermieterin Num, ich hatte von Deutschland aus mit ihr telefoniert aber nicht gebucht, stand schon mit der Taschenlampe an der Straße und winkte.

Der Bungalow war einfach aber ok und sauber. Also blieb ich. Jetzt war mir aber nach einem Drink und außerdem hatte ich Hunger.

„Fünfzig Meter weiter, da in der Kurve, ist eine Bar, die hat auch was zu Essen.“

So ging ich durch die warme Nacht, die Grillen zirpten, die Sterne funkelten, die Tropen meldeten sich.

Die Bar „Last Paradise“ hatte Spezial Offer today:

Im Übrigen stand mein Koffer am nächsten Morgen vor meiner Tür. Er war noch in der Nacht per Taxi vom Airport gekommen. Danke an Thai Airways.

Das Wort Thailand erzeugt bei uns in Deutschland sofort eine ganz bestimmte Assoziation, insbesondere wenn Männer alleine nach Thailand reisen, und dann noch Männer in meinem Alter. Sie werden dann sehr schnell als lüsternde Greise abgestempelt. Das Wort Bums-Bomber für die Flüge nach Bangkok kennt auch jeder.

Alles was über diesen Sextourismus gesagt und geschrieben wird, stimmt. Irgendwie und irgendwo trifft es genau zu. Wer in die Bangla Road nach Patong fährt wird es erleben. Eine Bar reiht sich an die andere und überall die hübschesten Mädels, die nur bemüht sind, die männlichen Kunden von der Straße zu fischen. Wer da keinen Appetit bekommt und keinen Sex will, der lebt schon nicht mehr.

Natürlich hatte auch ich dieses Bild vor Augen und war begierig, es aus zu kosten. Wo finde ich zu hause ein attraktives junges Wesen, dass sich noch mit mir abgibt. Keine Chance. Da muss das Bankkonto schon sehr, sehr groß sein. Den käufliche Sex kann man ebenfalls vergessen. Zwar mag die gekaufte Stunde einen ausgezeichneten Sex bieten, aber das was ich möchte und suche, dass gibt es hier nicht. Für mich gehört ein ausgiebiges, lustvolles Vorgeplänkel dazu, intensives und gefühlvolles Küssen, Streicheln, Schmusen. Der eigentliche Verkehr sollte dann zwar das gewünschte Ziel sein, ist oftmals aber schon gar nicht mehr so wichtig.

„Das Alles ist auf Phuket kein Problem“, So hatte mir Mario jedenfalls gesagt. Und in Rawai, ganz im Süden der Insel, in das ich nun gereist war, gäbe es ausgezeichnete Möglichkeiten, wäre aber noch recht beschaulich geblieben. Patong könne man sowieso vergessen, da hätte die Reeperbahn in Hamburg mehr zu bieten.

Sexyman

Hey, hey, hey, sexyman

Come inside, sit down by me.

Where you come from

Whats your name

Scheißegal for me.

Oh my darling, oh my Thila

I love you so much.

Give me money

give me motorbike

and ein Auto dazu

Give me Thaigold

buy a house for me

Give me alls what I want

Oh, oh, my brother

has an accident

Give me money from you

And my mother

Stays in hospital

She needs money also too

Every body from my familie

Needs alls from you

And later

When you Pleite

Oh darling go back home

Then no money , no honey

Hey, hey, hey thila bye bye

Oh Thila I love you

Send me money from your home

Send me money

Send me miney

From your home

Dieser Song wurde vor etwa zehn Jahren von einem Gast, vermutlich Österreicher, geschrieben und von den Girls in Pattaya gerne geträllert. Jede Bar spielte ihn. Bis, ja bis ihnen mal jemand den Text und den Sinn des Liedes erklärte. Da kam der Song dort ganz schnell auf den Index. In Rawai spielt ihn auch heute noch jede Bar und die Mädels singen den Text mit.

Ein deutscher Gast sagte mal zu mir, das wäre der

„Bargirls Training Song“.

Spielregeln

Nun muss ich erst einmal einflechten wie die Kontaktaufnahme und die Entstehung von längeren Beziehungen und Freundschaften in Thailand abläuft. Mario hatte mich darüber schon vor meiner Abreise ausführlich aufgeklärt. Sexcentren wie Bangkok, Pattaya, Patong, sind davon selbstverständlich ausgenommen. Da herrschen andere Sitten. Grundsätzlich ist es kaum möglich, ohne weiter Beziehungen zu Thailändern, andere Frauen als die Bargirls kennen zu lernen. Dafür gibt es davon allerdings unzählige. Oftmals für junge Frauen die einzige Möglichkeit, Geld zu verdienen. Aus fernen Teilen des Landes kommen sie in die Touristencentren um das große Geld zu machen und natürlich, im Glücksfalle, sich einen Falang, einen Ausländer zu angeln, der sie heiratet. Nur wenigen glückt es. Verdienen tun sie in der Regel nur an den Getränken, die der Gast für sie spendiert. Der Barbesitzer stellt Schlafplatz, Dusche und Essen zur Verfügung, erwartet dafür dass die Mädels bis zwei Uhr Nachts, also bis zum Schließen der Bar, ihren Job machen und die Gäste bedienen, unterhalten oder mit ihnen Pool-Billard spielen. Wenn sie mehr verdienen möchten, dann können sie sich von den Kunden, die sie ansprechen, halt mitnehmen lassen. Sie müssen nicht, das ist absolut freiwillig, wenn man von dem finanziellen Zwang absieht. Das übliche Entgelt damals in Rawai, 1000 Baht, etwa 24 €. Allerdings verlangt der Barbesitzer noch eine sogenannte Barfine, also einen Ausgleich dafür, dass das Girl jetzt ja keinen Umsatz mehr macht, liegt so zwischen 200 und 300 Baht.

Callgirls, wird mancher jetzt sagen.

Stimmt, genau genommen sind es Callgirls. Allerdings ist die Einstellung der Thais zum Sex eine etwas andere. Es wird lockerer und leichter gesehen als bei uns. Undramatisch und problemlos, es soll eben Spaß bringen.

Außerdem, was ist der Unterschied zwischen einem Onenightstand mit einer Barbekanntschaft in Deutschland und einer Nacht mit einem thailändischen Bargirl? Nur der, dass diese etwas Geld dafür bekommt.

Wie lange man nach diesem Abend, nach dieser Nacht zusammen bleibt, liegt an einem selbst.

„Zum Frühstück?“ kein Problem.

„Nachher an die Beach?“ kein Problem.

„Abends Essen gehen?“ auch das kein Problem.

Es ist eine Freundin auf Zeit, lieb, nett, anschmiegsam, ob mit oder ohne Sex. Nur einmal am Abend muss man wieder in der Bar erscheinen um die Barfine für die nächste Nacht zu bezahlen. Manche Mädels sagen gleich ja, wenn man sie fragt ob sie mitkommen möchten, andere lächeln freundlich und sind plötzlich verschwunden, wieder andere brauchen halt erst ein paar Drinks, bevor man sie überreden kann.

Wie mir die Lady abhanden kam

Am nächsten Morgen machte ich mich erst einmal zu Fuß auf den Weg nach Rawai um die Gegend zu erkunden. Es war, so kurz vor Mittag, bereits 35 Grad warm. Nach einer halben Stunde war ich im Mittelpunkt der Beach Road mit ihren vielen Bars, Restaurants, Garküchen. Nicht sehr weit aber das jeden Tag? Und dann vielleicht sogar mehrmals? Nein, ein Motorbike musste her. Ich fragte Num um Rat. So ganz zufällig hatte sie eins zu vermieten, eine knallrote Honda Clique. Zwar habe ich einen Motorradführerschein, an den ich mehr durch Zufall geraten bin, gefahren bin ich seit dem aber nicht wieder.

„No problem,“ sagte Num,

„ist alles Automatic, nur Gasgeben und Bremsen aber nie den rechten Bremshebel nehmen, dann geht man sehr schnell kopfüber. Klappt man das Abstellbein heraus, geht auch der Motor aus. Starten geht elektrisch, Bein einklappen, Bremse anziehen, starten. Ganz einfach.“

Klang wirklich einfach. Auf dem Hof machte ich erste Fahrübungen. War wirklich kein Problem. Also wagte ich mich auf die Straße um die weitere Umgebung zu inspizieren. Sehr schnell machte es Spaß, im Hemd, bei dem warmen Fahrtwind und natürlich ohne Helm.

„In Thailand herrscht Helmpflicht,“ gab mir Num, samt einem Helm mit auf den Weg.

„aber,“ setzte sie hinzu:

„in Rawai gibt es keine Polizei die das überwacht. Keiner fährt hier mit Helm.“

So war es auch. Nur wenn man in Richtung Chalong kam, gar über den berüchtigten Verkehrskreisel musste, dann war es preiswerter, den Helm kurz vorher aufzusetzen. Am Kreisel lag die Polizeistation der Region. Die kassierte gerne 500 Baht pro Kopf. Mit dem Ticket durfte man dann aber den ganzen Tag weiterfahren. Auch eine Logik. Oder aber man drückte dem Polizisten augenzwinkernd 300 Bath in die Hand, die er dann schnell in seiner Tasche verschwinden ließ.

Der Verkehr? Nun ich kann nur über den Verkehr im südlichen Teil Phukets berichten. Beschaulich bis hektisch, rasant aber trotzdem rücksichtsvoll.

Das Verhältnis Motorbike zu Auto etwa 10 : 1, wenn nicht noch höher. Mir haben die Autos immer leid getan, wenn sie von der Horde Bikes umzingelt waren, wie der Kuhfladen von den Fliegen.

Böse Zungen behaupten, in Thailand gäbe es keine Verkehrsregel. Das stimmt so nicht. Natürlich gibt es welche, es gibt sogar zwei verschiedene. Einmal die offiziellen, die keine Sau kennt, folglich auch nicht beachtet. Und dann die inoffiziellen, deren Kenntnis allerdings überlebensnotwendig ist. Aber die hat man schnell begriffen, weil solche Regeln meist logisch und nachvollziehbar sind. Wenn sie es nicht wären, hätte man sie nicht erfunden.

Ein Beispiel?

Wenn einem auf einer vierspurigen, vielbefahrenen Straße jemand mit dem Motorbike auf der eigenen Spur entgegenkommt, ist es beim ersten Mal schon etwas befremdlich. Es passiert aber nicht einmal sondern ständig. Nach kurzer Zeit hat man raus warum und macht es genau so. Die breiten Straßen haben einen Seitenstreifen, nennen wir ihn mal den Vielzweckstreifen und einen markierten, eineinhalb Meter breiten Mittelstreifen. Alles in einer Ebene, also ohne Bordsteine. Wenn ich aus einer Seitenstraße komme und nach rechts einbiegen will, in Thailand herrscht bekanntlich Linksverkehr, muss ich also vier Spuren überqueren um auf die richtige Seite der Straße zu kommen. Kaum möglich bei dem Betrieb.. Also fahre ich auf dem Vielzweckstreifen dem Verkehr zunächst entgegen, weiche Fußgängern und parkenden Fahrzeugen möglichst aus. Zeigt sich eine Lücke, wechsle ich schnell auf den Mittelstreifen, hab ja auch schon eine gewisse Geschwindigkeit drauf. Auf dem Mittelstreifen schaue ich in den Rückspiegel und wenn von hinten keiner kommt, bieg ich auf die äußerste linke Seite ein, dahin wo ich wollte. Geht ganz prima.

Auch dass rote Ampeln nicht unbedingt für Motorbikes gelten lernt man sehr schnell. Klar, wenn ich geradeaus über die Kreuzung will, bleibt mir nichts anderes übrig als zu warten. Wenn ich aber nach links oder rechts will, dann zeigen sich zahlreiche Lücken, durch die ich mit meinem Bike schlüpfen kann.

Nun, ich schweife ab, wollte zwar vom Verkehr berichten, aber nicht von dem auf der Straße.

Voller Tatendrang begab ich mich am Abend auf die Piste. Trank hier und da mein Singha, schaute mich um, sprach mit Männern an den Bars, sprach mit den Girls, versuchte nachzuvollziehen wie es denn so lief. Fuhr Abends wieder solo in meinen Bungalow. Nicht dass ich nichts passendes gesehen hatte, nein, ich hatte mich schlicht nicht getraut. Am nächsten Abend das gleiche Ergebnis. Besorgt fragte mich Jonas vom „Last Paradise“, halt die letzte Bar vor meinem Bungalow, ob er denn vielleicht was für mich tun könne. Seine Freundin sei aus Chalong und da gäbe es natürlich jede Menge Girls. Also wenn nicht bis morgen, dann sollten wir gemeinsam dorthin fahren.

Am nächsten Abend wollte ich es wissen. In der Monkey Bar fand ich etwas ganz schnuckeliges. Fragte ob, und bekam ein Ok. Also Barfin bezahlen und los. Als wir in meinem Bungalow waren, ich zur Tat schreiten wollte, zeigte meine Lady bedeutungsvoll auf ihren Bauch und sagte:

„No Bumbum tonight.“

Ich war platt, hätte sie ja auch vorher sagen können, dass sie unpässlich war. Nun gut aber knutschen und streicheln und so, kann ja auch ganz nett sein. Dachte ich, aber bei Modell Gummipuppe? War nicht, keine Reaktion. Also:

„Lets go,“

Sie bekam nichts aber meine Barfine war weg.

Neuer Versuch, Moonshine Bar. Auch ganz nett die Kleine. Ergebnis, wieder Gummipuppe. Diesmal hatte ich noch nicht einmal Barfin bezahlt. Also:

„Lets go.“

Taten wir auch. Ich schmiss die Honda an, sie hinten drauf. Nun ist die Auffahrt vom Hof auf die Straße etwas holperig, hatte ich aber schon mehrfach problemlos gemeistert. Also Gasgeben und Richtung Rawai. Unterwegs fragte ich, wohin sie den wolle. Keine Antwort. Ich griff nach hinten, griff ins Leere. Hielt an, drehte mich um, niemand zu sehen. Ich stand in dunkler Nacht alleine auf der Straße. Wo war meine Lady geblieben? Ich drehte und fuhr langsam zurück. Keine Spur von ihr, bis zum Bungalow, keine Spur. Wo war sie geblieben. Lag sie irgendwo im Straßengraben? War sie unterwegs abgesprungen? Oder bereits bei der Auffahrt zur Straße? Am wahrscheinlichsten. Ich habe sie nie wieder gesehen, habe allerdings vorsichtshalber die Moonshine Bar bis heute gemieden.

War ich der Einzige hier, der Nachts alleine schlief? Fast hatte ich den Eindruck. Einen Versuch gab ich mir noch, bevor ich die Hilfe von Jonas in Anspruch nehmen wollte. Goodtime Bar: „Tolle Adresse, tolle Girls,“ hatte mir Kevin geraten.

Kaum hatte ich mein Bier in der Hand, kam jemand, setzte sich neben mich und sagte:

„I am Care, what is your name?“

Langsam kamen wir uns näher, ich fand sie ganz nett, sie mich wohl auch, keine Ahnung. Schließlich waren wir uns bald einig. Barfine, Motorbike, Bungalow. Sie war und blieb auch sehr nett und lieb, wir duschten ausgiebig, putzten auf ihr Geheiß unsere Zähne und dann? Dann ging tatsächlich die Post ab, ich konnte mich nicht beklagen, geriet völlig außer Atem, erholte mich, geriet nochmals außer Atem. Sie war ein absoluter Knüller. Ich wollte sie gerne länger da behalten, aber so gegen zwei Uhr in der Nacht wurde sie unruhig, wagte kaum zu sagen, dass sie nun nach Hause wollte, weil sie morgen mit dem Schiff verreisen sollte. Letztlich brachte ich sie wieder nach Rawai, wir verabredeten uns für zwei Uhr an der Pier. Sie kam aber nicht. Später erfuhr ich, dass sie in ihre Heimat abgereist war. Schade, dachte ich, die hätte ich gerne noch einmal genossen. Dann allerdings, aber das wurde mir erst viel später klar, dann hätte ich Un nie kennen gelernt.

Volltreffer

„Hello, how are you, come in for a drink“, rissen mich zwei helle Stimmen aus meinen Gedanken. Zwei nette, kleine Bargirls hatten mich gesehen wie ich etwas verloren die Beach Road von Rawai entlang stolperte. Die Rainbow Bar, vor der ich stand war noch nicht in meinem Programm. Sie lag etwas abgerückt von der Straße und fiel eigentlich nur dadurch auf, dass dort selten jemand am Tresen saß.

„Thank you,“ sagte ich,

„not now, I look for my bike, I lost my bike.“

So war es in der Tat. Irgendwo hatte ich den Motorroller abgestellt bevor ich mich auf die Piste begab aber wo?

Die Mädels waren bemüht mir zu helfen. Fragten wo ich denn gewesen wäre und ob ich vielleicht hier.... oder da.....

„No, no,“ winkte ich ab,

„ich geh jetzt weiter und irgendwann wird es mir wieder einfallen.“

So war es denn auch. Bei der Candy Bar entsann ich mich, dass ich, unter Berücksichtigung meines vermutlichen Promillegehaltes, auf der gegenüberliegenden Straßenseite, also schon in meiner Fahrtrichtung nach Hause, geparkt hatte. Nun war es kein Problem meines aus der unzähligen Menge der Bikes heraus zu finden.

Eigentlich könntest du noch in die Rainbow Bar fahren, dachte ich, die Mädels waren ganz nett, es ist noch nicht sehr spät und zwei Bier hattest du auch erst. Gesagt getan. Die Beiden freuten sich natürlich als ich mich an die Bar setzte und brachten mir das gewünschte Singha. Wie immer, die Flasche im Cooler. Was sehr praktisch ist bei den Temperaturen hier. Im Glas würde es viel zu schnell warm werden. Ich nahm mein Bier in die Hand, schaute mich in der Bar um, in die ich durch Zufall geraten war. Nun, sagen wir mal höflich, sie sah etwas abgenutzt aus, hatte vermutlich schon mal bessere Tage gesehen.

Als ich mich wieder umdrehte, blickte ich in ein strahlendes Lächeln. Ein Lächeln, dass sich im Bruchteil einer Sekunde in mein Hirn, in mein Herz ein brannte. Ein Lächeln, dass ich bis ans Ende meines Lebens nicht vergessen werde. Ich brauchte diesmal nicht die berühmten sieben Sekunden, in denen man angeblich feststellt, ob einem jemand sympathisch ist oder nicht. Hier war es eindeutig weniger als eine Sekunde. Es war als wenn der Blitz in mich einschlug.

„Hello, how are you, „ sagte das Lächeln. Was ich geantwortet habe weiß ich nicht mehr, dazu war ich zu benommen. Ich weiß nur dass ich spontan einen Gedanken hatte. Nein, genau genommen waren es zwei. Ich muss diesen Mund unbedingt küssen und ich möchte dieses Gesicht fotografieren.

Das Lächeln gehörte zu Un, wie ich erfuhr. Mit ihren braunen Mandelaugen, und den üppigen Lippen, den perfekten Perlzähnen, den langen schwarzen Haaren, eine wahre Schönheit. Ich war beeindruckt, lud sie natürlich sofort zu einem Drink ein. Einen Fly bestellte sie sich, so eine aufgepeppte Fanta. So preiswert habe ich noch nie jemand an der Bar zu einem Drink einladen können.

Sie kam dann, nach den üblichen Gepflogenheiten auf die Seite der Bar, an der ich saß. Wir führten das Standard Bargeplänkel, über woher und wie lange schon in Thailand und wie lange noch. Ihr Englisch erwies sich als sehr spärlich. Durch Gesten und Lächeln glichen wir es jedoch aus und irgendwann hatte ich das Gefühl, dass ich ihr nicht unsympathisch war.

Natürlich kam wieder die Frage:

„How old are you?“

Ich ließ sie raten.

„Vierundfünfzig,“ sagte sie vorsichtig.

„Oh thank you,“ War meine Antwort. Wir einigten uns auf so um die Sechzig.

„And how old are you?“ meine Gegenfrage.

Auch sie ließ mich raten.

Ich tippte auf dreiundzwanzig, sagte aber

„Twentytwo.“

Un lacht und sagte:

„No. I am thirtyone.“

Ich wunderte mich etwas, sagte aber nichts. Später, als sie sich mein Motorbike zum ersten Mal auslieh, ließ ich mir ihnen Führerschein zeigen, beziehungsweise das was ich für einen Führerschein hielt. Da stand, dass sie in zwei Monaten vierundzwanzig Jahre alt werden würde. Meine Schätzung war also gar nicht so schlecht gewesen. Warum sie sich älter machte als sie war, habe ich erst sehr viel später verstanden.

Nach einer Weile und nach einigen Drinks, fragte ich sie ob sie nicht Lust hätte mit mir zu kommen. Ich erntete nur einen schrägen Seitenblick und ein weiteres Lächeln. Sie blieb aber neben mir sitzen.

Aha, war mein spontaner Eindruck, sie möchte, dass ich mich um sie bemühe, möchte erobert werden. Nun, dass kann sie haben.

Man sah mich im Laufe dieses Abends in der Bar und vor der Bar tanzen, mich, der zu Hause als notorischer und unbegabter Nichttänzer gilt. Hier war ich der einzige Mann, der überhaupt mit den Mädels tanzte, sonst waren die immer nur unter sich. Die Männer ließen tanzen. Die thailändische Popmusik, den thailändischen Beat fand ich Klasse. Er, die Stimmung, die laue Luft, die Nacht und natürlich Un, rissen mich mit.

Ich war da schon nicht mehr der, der vor kurzer Zeit aus Hamburg abgereist war.

Irgendwann, es muss kurz vor Mitternacht gewesen sein, sagte Un plötzlich:

„Give me five minutes „,

stand auf und verschwand.

Ich bezahlte in der Zwischenzeit die Rechnung. Zusätzlich zu den Getränken waren zweihundert Baht dazu gerechnet worden. Barfine eben.

Dann kam Un, wir stiegen auf meine Honda und fuhren durch die warme Tropennacht zu meinem Bungalow nach Ya Nui. Es war eine schöne Nacht und es wurde eine noch viel schönere.

Un blieb zum Frühstück wie selbstverständlich. Leider, muss ich jetzt sagen, hatte ich mich für diesen Tag zu einem Kochkursus angemeldet. Um neun Uhr stand Num mit ihrem Taxi bereit. So mussten wir zeitig aufstehen. Passte mir gar nicht. Ich hätte lieber weiter gekuschelt. Aber der Kochkurs war nun mal bezahlt und ich hatte mich darauf gefreut. Darum verabredeten wir uns für den Abend in der Rainbow Bar.

Als ich dort erschien, wurde ich, nicht nur von Un, sondern von der gesamten Truppe, als Stammgast begrüßt. Ich gehörte zu Un, war von Anfang an unter den Mädels abgeklärt worden. Selbst wenn ich es gewollt hätte, ich hätte keine Chance gehabt bei jemand anders zu landen. Ich weiß nicht mehr genau was wir an diesem Abend gemacht haben, geflirtet mit Sicherheit, getanzt, getrunken, Spaß gehabt. Dann gegen Mitternacht die obligatorische Frage:

„ Do you like to come with me?“

Diesmal kein Nicken sondern ein strahlendes :

„Yes“.

So stiegen wir wieder auf meine Honda und fuhren zu meinem Bungalow. Die Nacht wurde genau so schön wie die vergangene.

Gegen Mittag konnte ich unsere Vermieterin dazu überreden uns doch noch ein Frühstück zu machen. Das Aufstehen hatten wir laufend verschoben. Es war einfach zu schön, sich zu streicheln, zu küssen, zu genießen. Selbst unter der Dusche setzten wir unsere Liebkosungen fort.

„What can we do today?“ Diese Frage kam von nun an täglich. Ich hatte die Idee gehabt, meine thailändische Freundin, die ja damals noch nicht existent war, würde mir die Sehenswürdigkeiten in der Umgebung zeigen und erklären. Die Idee war gut, nur Un war vor drei Monaten aus Mittelthailand angereist und bisher nie aus Rawai heraus gekommen. Sie hatte keine Ahnung, was es hier überhaupt zu sehen gab. Somit war es an mir, einer Thailänderin ihre Heimat zu zeigen. Ich fragte nach und erkudigte mich, machte mich schlau.

Jetzt erst mal die Frage:

„Did you see the Big Buddha?“

Der Big Buddha, ich war am Tage nach meiner Ankunft schon dort gewesen, war eine 45 Meter hohe, weithin sichtbare Buddhafigur, an der seit zehn Jahren gearbeitet wurde. Man würde sicher noch einmal zehn Jahre brauchen um sie fertig zu stellen. Und dann, da kam schon wieder mein deutscher Ingenieurgeist zum Vorschein, dann könnte man wieder von vorne anfangen, Bei der Qualität der Ausführung, würde es eine ewige Baustelle bleiben. Ja und? Schafft Arbeitsplätze, ernährt Familien. Also nur von mir kurzsichtig gedacht.

Un war noch nie da gewesen und ich wollte gerne wissen, wie sich eine Buddhistin dort verhält, immerhin war es ja ein Tempel, wenn auch im Baustellenzustand.

Somit stiegen wir auf das Motorbike und fuhren nach Norden. Ich ließ Un fahren. Sie fuhr gerne, fuhr tausendmal besser als ich und auf dem Sozius sitzen, sich an seiner Maus festhalten, die flatternden Haare im Gesicht spüren, es gab für mich keinen Grund, selbst zu fahren.

In der Anlage nahm Un mich an die Hand, zeigte mir wie ich mich wo zu verhalten hätte, wo ich spenden dürfte und wie. Wenn dort 36 Spendenschalen standen, dann mussten eben auch alle bedient werden. Kleine Beutelchen mit Wechselgeld lagen bereit. Der eine oder andere Heilige, der Un besonders wichtig war, bekam von ihr noch ein Scheinchen zugesteckt. Zwanzig Baht waren bei dem Einkommen, für so ein Mädel eine Menge Geld. Auch das Krokodil mit dem offenen Maul, in das man seine Münzen legen musste, vergaß sie nicht, wenn auch etwas zögerlich und dann schnell die Hand wegziehen.

Und natürlich überall Fotos machen, am Gong, an der Glocke, mit Buddha, ohne Buddha und natürlich auch mit mir. Letztlich gab ich ihr den Fotoapparat, zeigte wie es geht und Un fotografierte drauf los, hatte einen Riesenspaß. Es war schön. Es war genau dass was ich gesucht hatte, eine Freundin mit der ich Thailand erleben konnte, die mir Thailand aus ihrer Sicht zeigte. Es kam mir vor als wenn wir uns schon lange kannten, und dabei waren es doch erst einige Stunden

Abends wieder in der Bar. Un brachte mir irgendwann bei, wie man Pool-Billard spielt. Hatte ich bisher nie gemacht, war daher auch entsprechend schlecht. Ronny O´Sullivan hätte sich grausend abgewandt. Aber da Un auch nicht sonderlich gut spielte, gewann ich sogar einmal. Später am Abend fasste Un mich an die Hand und sagte so ganz nebenbei:

„Lets go home!“

Ein paar nötige Utensilien hatte sie vorsorglich schon dabei. So zog Un bei mir ein, wie selbstverständlich. Ich hatte keine Einwände, ganz im Gegenteil, ich war von ihr mehr und mehr begeistert.

Von da an durfte ich vor meinem Bungalow die Schuhe ausziehen.

Un

Un

Eigentlich entsprach Un so gar nicht den Vorstellungen von einer thailändischen Freundin, die ich mir vorher gemacht hatte. Diese sollte klein und handlich, so zwischen 1,50 und 1,60 sein, schlank, mit schlanken, wohl geformten Beinen, eher so ein mädchenhafter Typ. Auf viel Busen habe ich noch nie großen Wert gelegt.

Un dagegen war mit ihren 1,66 für thailändische Verhältnisse sehr groß. Wenn sie mit ihren Highheel-Pantöffelchen neben mit her stöckelte, waren wir fast gleich groß. Von der Figur her eher ein kräftiger Typ, dem man ansah dass er anpacken konnte wenn es denn nötig wäre. Ein Mädel vom Lande eben. Die Beine allerdings, traumhaft schön und endlos lang.

Wenn sie also auch nicht meinem Ideal entsprach, das Gesicht machte alles wett. Die mandelförmigen braunen Augen, die süße Stupsnase und natürlich der Mund. Schon wenn ich ihn ansah wurde ich nervös. Die Berührung mit den eigene Lippen war unbeschreiblich. Wir haben häufig, lange, intensiv, wild geküsst in dieser Zeit. Ich muss lange, sehr lange zurückdenken um mich an ähnliche Ereignisse zu erinnern, wenn es sie denn überhaupt vergleichbar gab. Sie hatte eine Reihe perfekter, fast perlmuttartig schimmernder Zähne. Mehr als einmal habe ich festgestellt, dass sie sehr scharf waren und ich meine Lippen und meine Zungenspitze im letzten Moment in Sicherheit bringen konnte. Noch ein Highlight, dass ich bisher noch nicht kannte. Vielleicht haben wir es ja auch selbst erfunden. Sich an ihren Lippen fest zu saugen und dann gemeinsam ein zu schlafen. Unbeschreiblich. Wir haben es oft und gerne gemacht.

Und dann die Haut, diese glatte braune Haut, ohne jeden Makel, sehr feinporig, absolut haarlos und streichelweich, vom Kopf bis zu den Füßen.

Als ich Un einmal erzählte, die Frauen in Deutschland würden sich regelmäßig die Beine und die Achseln rasieren, war sie ganz entsetzt und konnte es sich nicht vorstellen, Haare an den Beinen? Unmöglich. Sie hatte nur einen leichten Flaum unter den Armen, der sorgfältig aus gezupft wurde und rasieren tat sie sich nur an der ganz intimen Stelle, allerdings nicht ganz. Ein kleines Stück vom Pelz musste stehen bleiben. Wohl als Alibi um nicht ganz nackt zu sein.

Das Schamgefühl der Thailänderinnen ist auch ein etwas anderes als das der Deutschen. Nackt in der Wohnung rumlaufen, auch wenn wir uns schon lange bis in die intimsten Stellen kannten? Unmöglich. Fotos an einsamen Stränden, oben oder ganz ohne? Ich hab es nie geschafft sie zu überreden. Bei jedem Umziehen spielt ein großes Handtuch eine wichtige Rolle. Weder die Shorts noch der ohnehin super kurze Rock oder gar das Höschen konnte sie ohne diesen Schutz wechseln. Nun kann ich das beim Umziehen noch verstehen, wenn wir aber vorher im Bett unseren Spaß hatten, da tatsächlich ohne Handtuch und ohne jegliches Schamgefühl, danach gemeinsam unter die Dusche gingen und uns gegenseitig abseiften, dass sie sich auch dann nur unter dem Handtuch ihr Höschen wieder anziehen konnte, fand ich verwunderlich.

Ihr Schamgefühl hinderte sie aber nicht, dann, beim gemeinsamen Duschen, wir hatten in unserem Bungalow einen Raum in der Dusche, WC und Waschbecken vereint waren, sich zwischendurch aufs Klo zu setzen und fröhlich zu pischern. Das war kein Problem. Auch rasierte sie sich in aller Seelenruhe mit meinem Rasierapparat die intimen Stellen, ohne Handtuch.

Ich hab mir anderen Männern darüber gesprochen und die hatten die gleiche Erfahrung gemacht. Anscheinend ist der Moment des Umkleidens der schamhafte Teil. Den galt es für uns zu respektieren.

Un war ein ausgesprochener Morgenmuffel. Sie vor dem Frühstück anzusprechen war riskant. Dann glich sie eher einer Katze, die ihre Krallen ausfährt weil sie sich gestört fühlt. Andererseits, wenn sie früh morgens die Augen öffnete und mich ansah, umschlang sie mich blitzschnell mit Armen und Beinen, um danach, seelig schnurrend, wieder einzuschlafen. Ich hab diese Momente genossen und immer gedacht, manchmal kann es einem so richtig gut gehen.

Ein Handy ist in Thailand fast noch wichtiger als in Deutschland. Es wird ständig telefoniert. Auch Un hatte ihres immer dabei. Gut, es war die einzige Verbindung zu ihrer Familie in Surin, denn eine Postadresse hatte sie ja nicht. Ihr Handy war ein schon etwas älteres Modell aber mit Foto. Auch ich wurde da natürlich verewigt. Als Un einmal die Fotos durchblätterte schaute ich ihr gespannt über die Schulter. Wollte doch gerne mal wissen ob außer mir noch andere Falangs zu sehen waren. Waren aber nicht, dafür aber einige Bilder mit kleinen Kindern, eines davon sogar als Screensaver installiert. Ich fragte nach wer die denn wären. Antwort, wie immer wenn ihr die Frage unangenehm war:

„I do not understand.“

Nee Mädchen, dachte ich so bei mir, damit kommst du diesmal nicht durch. Also weiter nach bohren. Irgendwann rückte sie damit raus, die Kleine wäre ihre Tochter Lemon, zwei Jahre, der Große ihr Sohn Dewid, fünf Jahre. Die wären jetzt in der Obhut ihrer Mutter und ihres Vaters auf der Farm in Surin. Oh, eine junge Mama hatte ich mir da geangelt. Eine völlig neue Situation für mich. Oder doch nicht? Was war jetzt anders? Geriet ich dadurch in eine Verantwortung die ich nun ganz gewiss nicht wollte? Natürlich hatte Un bisher eine finanzielle Unterstützung im üblichen Rahmen von mir erhalten. Ich wusste auch, dass sie den größten Teil davon regelmäßig nach Hause überwies. Jetzt wusste ich wenigstens wofür und für wen.

Schwester Ai war die treibende Kraft gewesen, nach Phuket zu gehen um dort Geld zu verdienen, möglichst viel Geld. Sie war die ältere und fühlte sich daher für die Familie verantwortlich. Zu ihrer Unterstützung hatte sie Un überredet mit nach Rawai zu kommen und dort in einer Bar zu arbeiten. Das war vor drei Monaten gewesen. Seit vier Wochen war es für Un die Rainbow Bar. Und so weit ich es recherchieren konnte, war ich der erste Falang, der sie überreden konnte, mit ihm zu gehen.

Natürlich war ich stolz darauf.

Anfänglich hatte ich Un einmal gefragt, ob sie denn ihre Familie vermisse.

„No, no,“ war ihre Antwort. Später, als wir uns besser kannten, besonders natürlich als ich von ihren Kindern wusste, gab sie es doch häufig zu:

„I miss my familie very much.“ Ich konnte sie gut verstehen. Immer dann war es an mir, sie in den Arm zu nehmen und wieder aufzufangen.

Es war gewiss kein angenehmes Leben, schlafen im Gemeinschaftsraum, sehr wenig Geld zur Verfügung, getrennt von Familie und insbesondere ihren Kindern, keinerlei soziale Absicherung und die Aussicht auf das große Glück, von dem alle Mädels träumten, sehr gering. War ich für sie der Glücksfall? Auf jeden Fall war das Leben für sie wesentlich angenehmer geworden, seit ich hier war.

Eines Tages erwähnte Un so ganz nebenbei ihren Boyfriend. Boyfriend? Das war ja ganz neu. Un hatte einen Boyfriend der damit einverstanden war, dass sie in der Bar arbeitete, dass sie sich mit einem Falang abgab? Ich konnte es mir nicht vorstellen. Bisher hatte ich immer gehört, dass die thailändischen Männer ausgesprochen egoistisch wären und extrem eifersüchtig. Ich fragte ihre Freundin An.

„No, no,“ sagte die,

„das kann nicht sein, das wüsste ich, hätte sie längst erzählt. So lange sie in Rawai ist hatte sie keinen Boyfriend, da bin ich ganz sicher.“

Nur irgend etwas musste dran sein, sonst hätte sie es nicht gesagt. Oder steckte eine bestimmte Absicht dahinter? Wollte meine Maus mich eifersüchtig machen? Alles möglich. Wieder einmal stellte ich fest, dass ich sie überhaupt noch nicht kannte.

Ich hatte den Wunsch geäußert zum Friseur zu gehen und sie möge mich doch zu einem begleiten. Für das Motorbikefahren waren meine Haare einfach zu lang. Nach jeder Fahrt musste ich sie mühsam entwirren und kämmen, sofern mein Kamm nicht schon wieder weg oder zerbrochen war. Vier thailändische Kämme hatte ich schon verschlissen. Einmal falsch angefasst oder drauf gesetzt, schon waren sie hin. Endlich hatte ich Un so weit. Wir fuhren zu einem Friseur den sie kannte, der auch sie frisierte, ihre Fingernägel bearbeitete und auch mitunter ihr Makeup machte.

Abends brauchte ich nicht lange fragen. Wenn Un etwas von Musik hörte war sie immer dabei.

„Lets go Country,“ war ihre Antwort.

Das Ziel war neu für mich, aber:

„Very good life musik,“ sagte Un.

Na denn auf zu Country. Lag auch in Chalong, nicht sehr weit von den Green Mangos entfernt.

Die vier Musiker machten ihre Sache sehr gut. In Teilen sogar besser als die Green Mangos. Un verschwand zwischendurch um mit ihren Freundinnen zu schwarzen. Ich saß alleine am Tisch als eine etwas zu stark geschminkte Dame auf mich zu kam, mir die Hand reichte und sagte:

„I am Uns boyfriend, I am a ladyboy!“

Ich war platt, das war also das Geheimnis. Wie ich bei einer späteren Unterhaltung mit ihm erfuhr, hatte er Un etwas unter seine Fittiche genommen um sie zu beschützen, um für sie da zu sein, wenn sie sich aussprechen wollte, wenn ihr die Decke auf den Kopf fiel. Das war´s, nichts weiter. Eine reine Freundschaft. Ich war erleichtert, sagte ihm, dass ich es sehr gut fände, wenn er etwas auf sie aufpasst. Ich kannte ihn, es war mein Friseur.

Zum Thema Ladyboy ein paar Worte. Es ist in Thailand durch aus normal, wenn Männer sich wie Frauen kleiden, sich wie Frauen verhalten. Es hat nicht unbedingt etwas mit Homosexualität zu tun, wenn es auch sehr häufig so ist. Die Ladyboys in den Sexcentren von Bangkok, Pattaya, Patong allerdings haben nur dieses im Sinn und versuchen die Falangs abzuschleppen. Viele Männer erleben dann eine Überraschung, mit der sie nun wirklich nicht gerechnet haben.

Wenn man in Thailand eine Frau sieht, bei der alles perfekt ist, von den Schuhen über die Kleidung, die Frisur, das Makeup bis hin zum Gang und den Gesten, dann kann man fast sicher sein, es ist keine Frau.

Go Island

Der Strand in Rawai ist nicht sonderlich schön. Es liegen Motorboote aller Art vor Anker oder auf dem Trocknen, je nach Wasserstand, der entsprechende Dreck bleibt dann auch nicht aus. Ursprünglich schon nicht sehr breit, ist er durch den großen Tsunami noch um einiges schmaler geworden. Nein, zum Baden absolut ungeeignet. Num gab uns den Ratschlag nach La Yal Island zu fahren, dort sei das richtige Südseeflair zu finden. Buchen könne sie es gleich für uns. Also denn, gleich morgen oder heute noch? Ein kurzer Anruf, ja sie holen uns in einer Stunde hier ab. Schnell ein paar Sachen zusammen sammeln. Ich hatte Un schon gestern vorgewarnt, sie solle ihren Bikini mitbringen. Hatte sie aber nicht, sie hatte nämlich gar keinen. Hatte heute nur ihr Barhemdchen an, keine Sachen zum Wechseln. Num half aus mit Shirt und Shorts. In Chalong ging es auf´s Speedboot. Drei mal zweihundertfünfundzwanzig PS, brachten so um die fünfundfünfzig kmh. Bei dem hohen Seegang heute eine knallharte Angelegenheit, im wahrsten Sinne des Wortes. Das Boot krachte nur so in die Wellen, man musste sich gut verkeilen und festhalten. Ab und zu ein Schwall Wasser über die Scheiben ins Boot. Was macht das schon bei 36 Grad im Schatten. Nach eineinhalb Stunden kamen wir in den Windschatten der Insel, in ein ruhiges, kristallklares, türkisgrünes Wasser, schneeweißer Sand, Kokospalmen. Wirklich ein Südseebild wie man es aus Prospekten kennt. Ein Guide brachte uns Beide über den Berg zu einem einsamen Strand mit herrlicher Brandung. Da macht sogar mir das Baden Spaß. Wassertemperatur so um die dreißig Grad, Luft achtunddreißig. Uns Badekleidung? BH, Höschen und mein dünnes Namibiahemd. Sah, besonders im nassen Zustand entzückend aus. Ich machte Fotos über Fotos, bekam im Eifer des Gefechtes auch mal einen Schwall über die Kamera. Geschadet hat´s ihr nicht. Nur schnell abtrocknen. Später fanden wir im Schatten der Bäume eine verlassene Hängematte für die Siesta. Un schlief nach kurzer Zeit seelig und süß. Ich hätte ihr stundenlang dabei zuschauen können aber die Zeit drängte irgendwann, wir mussten zum Lunch, zum Buffet. Es gab gut und reichlich. Die Reste der Fischmahlzeit bekam der Hauswaran. Ein Tier von respekteinfößender Größe. Wir wollten ihm, seine Fische auch nicht streitig machen. Zurück wurde die Fahrt etwas ruhiger, Un kuschelte sich an mich und schlief. Ich genoss ihre Nähe, genoss dass ich sie in den Armen halten und sie beschützen konnte. Ein Taxi brachte uns schließlich wieder nach Ya Nui. Ein schöner Tag. Irgendwo haben wir noch was gegessen, letztlich hatte uns die Seefahrt so müde gemacht, dass wir es nach der Dusche gerade noch ins Bett schafften und tief und ruhig schliefen. Uns Ausdruck „Go Island,“ wurde für mich ein Begriff, den ich noch heute benutze.

Lotusknospen

„Nach Wat Chalong müssen Sie unbedingt, das ist die größte Klosteranlage auf der Insel und hier die wichtigste Sehenswürdigkeit.“ Das hatte ich schon häufiger gehört und deshalb stand eine Besichtigung ganz oben auf meiner Liste. Auch ohne Un zu kennen wäre ich hin gefahren, jetzt aber war es natürlich wesentlich interessanter. Es mit ihr zu tun, davon erhoffte ich mir Einblicke in die praktizierte Religion, wollte sehen, wie die Leute sich verhielten. Ich wurde nicht enttäuscht. Kaum hatten wir das Motorbike geparkt, übernahm Un die Führung, zeigte mir was ich zu tun hatte und bestand darauf, dass ich auch alles mitmachte. Es war Sonntag, die Anlage war gut besucht. Schon gleich am Eingang Andrang bei einem aus Ziegeln aufgemauertem Kegel, in dem mit lautem Getöse Feuerwerkskörper abgebrannt wurden. Sie sollten Glück bringen.

Un zog mich zielbewusst zu einem Tempel, den sie für besonders wichtig und hilfreich auserkoren hatte. Aber vorher brauchten wir noch die nötigen Utensilien. In einem Stand war alles zu haben, was wir brauchten. Zuerst für jeden eine Lotusknospe. Schöne Blumen standen dort in einem Kübel, ich hatte bisher noch nie so große gesehen.. Un suchte sich sehr sorgfältig eine weiße aus, ich eine rosafarbene. Dann ein Päckchen mit zwei Kerzen, Räucherstäbchen und drei kleinen Briefchen mit mir unbekannten Inhalt. Die nahm Un gleich heraus und steckte sie, zusammen mit meinen in meine Hemdentasche.

„Later,“ war ihre Antwort auf meine wortlose Frage. Der Preis für die Sachen? Keiner, eine Spende wurde erbeten..

Vor den Stufen zum Tempel standen zwei eiserne Schiffchen mir brennenden Kerzen. Daran entzündeten auch wir unsere und steckten sie dazu. Bienenwachskerzen bei siebenunddreißig Grad im Schatten, diese standen sogar noch in der Sonne? In weiser Voraussicht hatte man darunter schon Wasserschalen gestellt, in die die Kerzen tropften. Etwas weiter Schalen mit Sand, in die wir unsere brennenden Räucherstäbchen stecken konnten.

Dann Schuhe ausziehen und über die Stufen in den Tempel hinein. Leer war es gerade nicht hier drinnen. Un zog mich vor die Figuren der drei Heiligen, hockte sich auf den Boden um wie die anderen Gläubigen ihr Gebet zu sprechen. Sie winkte mich zwar zu sich heran, ich hielt mich jedoch im Hintergrund. Das war mir denn doch zu intim. Schließlich nahm sie einen Köcher mit hölzernen Stäben,schüttelte ihn kräftig so lang bis ein Stab heraussprang. Die Stäbe waren nummeriert. Aus einem Fach an der Wand zog sie eine Zettel mit der entsprechenden Nummer heraus. Ihr Horoskop für die nächste Zeit. Sie las langsam, mehrfach und steckte den Zettel schließlich in die Tasche.

„Ja,“ sagte sie auf meine Frage,

„ja ich bin sehr zufrieden, das Horoskop ist gut für uns beide,“ mehr konnte ich nicht herausbekommen.

Jetzt kamen die Briefchen zum Einsatz. In ihnen waren kleine Plättchen aus Blattgold, die wir auf jede der drei heiligen Figuren aufklebten.

Später sah ich an einem Baum viele Zettel in der Rinde stecken. Ich fragte Un was das zu bedeuten hätte.

„Wenn die Weissagung nicht den Vorstellungen entspricht, die man sich gemacht hat, dann kann man den Zettel hier in die Rinde des Baumes stecken und wünschen, dass sie doch noch in Erfüllung gehen.“

Aha, dachte ich so bei mir, damit hat man eine zweite Chance.

Natürlich haben wir auch alle anderen Tempel besucht, ich aus kulturhistorischem und baulichem Interesse, Un verrichtete in jedem sehr ernsthaft und andächtig ihr Gebet.

„No, no,“ gegen das Fotografieren dabei hätte sie nichts einzuwenden.

Schwierig wurde es jetzt. Ein Eis essen und eine frische Kokosnuss schlürfen, klar, das mochte auch ich sehr gerne, die Andenkenbuden jedoch, die waren schon problematischer. Aufgefallen war mir inzwischen, dass Un in vielen Dingen ein durchaus kindliches Gemüt hatte. Über manche einfachen Dinge konnte sie sich wahnsinnig freuen, war von den Souveniershops nicht weg zu bekommen. Jeder, noch so billige Krimskrams, den die Koreaner sonst nicht los wurden und der dann in den thailändischen Ramschläden landete, war aufregend und interessant. Am liebsten hätte sie alles leer gekauft beziehungsweise von mir leer kaufen lassen. Darauf musste ich in Zukunft wohl achten.

So kam ich mit einem Cowboyhut aus Plastikfolie und einer Haarspange mit Glasperlen noch sehr glimpflich davon.

Es war eine interessante, ja aufregende Besichtigung gewesen. Eben kein Museum sondern ein Teil der thailändischen, buddhistischen Kultur. Und Un, die sonst alles immer so locker und heiter sah, war hier sehr ernsthaft und andächtig.