Verlag: neobooks Kategorie: Ratgeber Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2017

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E-Book-Beschreibung Mein Drache frisst gern Pizza - Julianne Becker

Bitte empfehle dieses Buch nicht weiter! Es sucht sich seine Leser selbst. Halte erst einmal geheim, dass du es überhaupt liest und was du da machst, nur für dich und nur zum Spaß. Gib dir Zeit, diese Dinge auszuprobieren und warte auch die Ergebnisse deiner Experimente ab, das kann ein paar Monate dauern. Sobald dich jemand anspricht, weil du so gesund und kraftvoll aussiehst, und du ihnen dann auch noch erzählen kannst, wie sich in deinem Leben gerade viele Dinge zum Guten wenden und ganz neu ordnen, und sie fragen dich: Wie hast du das gemacht? - dann ist der Zeitpunkt für dein Coming Out gekommen, um ehrlich zu sagen: Ich habe meinen Drachen geweckt. Ich habe ihm Pizza angeboten. Dann wäre es schön, du würdest mich und mein Buch nicht vergessen und lobend erwähnen. Danke.

Meinungen über das E-Book Mein Drache frisst gern Pizza - Julianne Becker

E-Book-Leseprobe Mein Drache frisst gern Pizza - Julianne Becker

Julianne Becker

Mein Drache frisst gern Pizza

Ist jetzt die Zeit den Drachen zu wecken?

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Vorwort

Der erste Kontakt

Im Schatten schläft ein Drache

Ist jetzt die Zeit den Drachen zu wecken?

Mit deinem Drachen erschaffen

Dein Drache bleibt nicht gern allein

Nachwort

Über die Autorin

Impressum neobooks

Vorwort

Mein Drache frisst gern Pizza

Ist jetzt die Zeit den Drachen zu wecken?

Julianne Becker

Impressum

Texte: © Copyright by Julianne BeckerUmschlag: © Copyright by Julianne Becker

Umschlagbild "Pizza" © Copyright Fotolia

Umschlagbild "Drache" © Copyright Julianne BeckerVerlag: Julianne Becker

Beryllstraße 18 D-55743 Idar-ObersteinLichtfilz@gmail.com

Druck: epubli, ein Service der

neopubli GmbH, Berlin

Printed in Germany

Herzlichen Glückwunsch und willkommen auf der Neuen Erde! Wenn dir dieses Buch in die Hand fällt und dich auffordert es zu lesen, hast du es bereits auf die Neue Erde geschafft. Meine Drachen wollen dir nun helfen, dort auch zügig Fuß zu fassen.

Ich bin spirituelle Filzkünstlerin und filze seit mehr als einem Dutzend Jahren Drachen. Sie haben mich auf eine kreative innere und äußere Reise geschickt, die mich einerseits in unsere menschliche Psyche und andererseits in unsere prähistorische Geschichte eintauchen ließ und mich mit der Rolle vertraut machte, die Drachen darin spielten. In diesem Buch geht es um den inneren Drachen. Der Rolle in unserer historischen Geschichte widme ich mein Buch „Reich mir den Apfel, Eva!“

Eigentlich hatte ich irgendwann und nur aus Versehen meinen eigenen Drachen geweckt, doch dann nahmen die Dinge unaufhörlich ihren Lauf. Rückblickend war es mein Drachenweg, eine spirituelle Reise um mich selbst zu finden und zu der aufzuwachen, die ich wirklich bin. Und mit meinen Drachen erinnere ich mich nun rückblickend in diesem Buch, was die einzelnen Schritte und Fallstricke waren und welche Werkzeuge und Strategien mir halfen zu der zu werden, die ich jetzt bin. Ich möchte anderen diesen Weg so vereinfachen, dass aus dem ehemals gefährlichen Abenteuer eines Adepten in früherer Zeit eine geführte Safari für Pauschaltouristen mit einem entsprechenden Sicherheitsfaktor wird. Das ist das erklärte Ziel dieses Buches.

Gleichzeitig möchten meine Drachen über Drachen aufklären, denn wer sollte es besser wissen, als die Drachen selbst, warum sie gerade so Furore machen und in fast jedem Computerspiel oder Kinderbuch zu finden sind. Ich habe ihnen das allerdings lange nicht geglaubt, denn wer glaubt schon seinen Filztieren! Die Faszination für Drachen hält seit Jahren ungebrochen an und ist eigentlich unerklärlich. Dachte ich, denn in den Sachbüchern über Drachen fand ich nichts, was ich nicht selbst auch schon so gedacht hatte. Doch meine Drachen behaupteten da etwas ganz Neues, es war viel mehr dahinter! So wurde ich wurde hellhörig und schaute genauer hin. Drachen, so sagen sie, sind Meister im bewussten Erschaffen. In diesem Buch wollen sie dir erklären, was Drachen mit deinem Bewusstsein und deinem höchsten Potential zu tun haben. Und am Ende werden sie dich einladen, auch deinen eigenen Drachen zu wecken!

Bitte empfehle dieses Buch nicht weiter! Es sucht sich seine Leser selbst. Halte erst einmal geheim, dass du es überhaupt liest und was du da machst, nur für dich und nur zum Spaß. Gib dir Zeit, diese Dinge auszuprobieren und warte auch die Ergebnisse deiner Experimente ab, das kann ein paar Monate dauern. Sobald dich jemand anspricht, weil du so gesund und kraftvoll aussiehst, und du ihnen dann auch noch erzählen kannst, wie sich in deinem Leben gerade viele Dinge zum Guten wenden und ganz neu ordnen, und sie fragen dich: Wie hast du das gemacht? - dann ist der Zeitpunkt für dein Coming Out, um ehrlich zu sagen: Ich habe meinen Drachen geweckt. Ich habe ihm Pizza angeboten. Dann wäre es schön, du würdest mich und mein Buch empfehlen und lobend erwähnen. Danke.

Der erste Kontakt

„Du solltest an den Drachenseminaren teilnehmen! Das ist wichtig, wenn du selber Drachen machen willst!“ Ganz deutlich hörte ich diese lautlose Stimme in meinem Kopf, genauer gesagt hinter meinem Kopf, und es waren ganz sicher nicht meine eigenen Gedanken. Ich steckte gerade in meinen ersten Filztierversuchen und war mit den Ergebnissen nur leidlich zufrieden. Ich hatte noch so viel zu lernen! An Drachen hatte ich natürlich auch schon gedacht, klar könnte ich mich auch mal irgendwann in ferner Zukunft an einem Drachen versuchen. Drachen sind sehr viel komplizierter als andere Tiere, es gab so viele verschiedene Details. Zu diesem Zeitpunkt traute ich mir auf keinen Fall schon einen Drachen zu.

„Ich würde ja liebend gerne auch mal Drachen machen und natürlich reizt es mich, alle drei Drachenseminare bei Regina zu besuchen, aber hast du dir mal mein Konto angeschaut, das sagt doch alles!“ gab ich dem merkwürdigen Besucher hinter mir als Antwort zurück.

Ich hatte meinen Dispo nämlich bis zum Anschlag überzogen. Und die Drachenseminare waren teuer, sie zogen sich insgesamt über zehn Tage hin. Ich würde sie mir also auf gar keinen Fall leisten können, obwohl sie mich schon sehr interessiert hätten! Nicht, dass ich dachte, mein unsichtbarer Besucher habe wirklich Zugang zu meinen Kontodaten, es war einfach nur so aus mir heraus geplatzt.

„Mach mich,“ sagte die Stimme verführerisch und da erst erkannte ich, dass ein Drache mit mir sprach. „Mach mich und überlass' alles andere mir. Ich rede mit ihr.“

Also begann ich zu filzen, obwohl ich mich mit dieser komplizierten Aufgabe ziemlich überfordert fühlte. Ich wollte ihn zumindest versuchen, meinen ersten Drachen. Ständig erhielt ich von meinem Besucher innerlich dazu Kommentare wie: "Den Hals länger!", "Den Schwanz dicker!" usw. Aber es war einfach zu schwierig und ich noch zu unerfahren! Schließlich gab ich entmutigt auf und setzte mich stattdessen an eine andere Filzfigur. Das Telefon klingelte und meine Freundin Sabeth wollte plaudern.

„Gehst du zu Regina?“ fragte sie. Wir kannten uns von deren Seminaren und hielten beide große Stücke auf unsere spirituelle Lehrerin.

Ich erzählte ihr von meiner Drachenkonversation. „Ich wollte ihn ja wirklich filzen, ich hab's versucht und mir echt Mühe gegeben, aber ich komme einfach nicht weiter, so schwierig ist alles!“ Und so redete ich mir den ganzen Frust der letzten Tage von der Seele.

Sabeth hörte sich mein Lamentieren eine Weile an, dann sagte sie: "Pass auf: Ich schenke dir das Einführungswochenende unter der Bedingung, dass der Drache wirklich bis dahin fertig wird."

Das Angebot kam absolut überraschend. Gleichzeitig war ich von der Großzügigkeit meiner Freundin sehr berührt und meine Augen füllten sich mit Freudentränen. „Echt? Wirklich?“

Ich konnte es kaum glauben. Meine Motivation kam augenblicklich zurück. Wir sprachen noch über dies und das, aber ich konnte mich kaum noch auf das Gespräch konzentrieren, es zog mich mit aller Kraft an die Arbeit zurück. Dankbar über diese glückliche Wendung konzentrierte ich mich nach unserem Telefonat gleich mit neuem Schwung auf den Drachen. Mittlerweile war er im ersten Durchgang auch trocken und lag für das Trockenfilzen bereit.

Es wurde ein ganz ansehnlicher, magenta-farbener Drache und er grinste wie Mister Edd aus der Fernsehserie der 60er-Jahre. So wollte er aussehen, ich bekam innerlich sein OK, obwohl mir selbst das Gebiss zu sehr nach Pferd aussah. Mein Drachenbesucher, der mir buchstäblich bei dieser Arbeit im Nacken saß, bestand darauf, dass er genau so aussähe. Er war sowieso sehr eigen und kommandierte mich ziemlich herum. Ich beeilte mich. Trotzdem saß ich eine gefühlte Ewigkeit an den vielen kleinen Einzelheiten wie Ohren, Nüstern, Zacken und – Pardon: Pfoten. Da wollte er Klauen haben, so richtige mit langen Nägeln. Ich hörte mir sein Nörgeln an und sagte dann entschieden: „Wenn du bis zum nächsten Wochenende fertig werden willst, gibt es Pfoten oder Tatzen und die Krallen deute ich nur farblich durch Striche an. Wenn ich da noch drei bis vier einzelne Krallen ausarbeiten soll, an vier Füßen, dauert das noch einige Tage länger und ich will auch mal wieder was anderes machen. Außerdem wirst du dann nicht rechtzeitig fertig. Das Material ist zu schwierig, und als Kuscheltier brauchst du sowieso keine Krallen!“

Diesmal blieb ich fest entschlossen und da er unbedingt bis zum Seminar fertig werden und mitkommen wollte, fügte er sich, zumindest sagte er nichts mehr. Die Flügel machten mir dann auch noch große Probleme. Egal, was ich anstellte, die hingen lapprig und traurig von seinen Schultern. Aber besser ging es nicht.

Am Samstagmorgen packte ich ihn in meinen Korb – natürlich so, dass er raus schaute - und machte mich voller Vorfreude auf den Weg zum Einführungsseminar, denn ich hatte meine Bedingung zu diesem Geschenk ja erfüllt. Unten im Seminarzentrum gab es ein öffentliches Café mit großen Fenstern zur Straße. Dort sah ich Regina mit zwei anderen Teilnehmern beim Frühstück plaudern. Und da noch genügend Zeit blieb, entschied ich, mich auf einen Kaffee dazu zu setzen.

Regina hatte mich schon gesehen und stürmte mir ganz aufgeregt entgegen. „Was ist das denn?“ rief sie und war völlig aus dem Häuschen. Sie griff nach dem Drachen in meinem Korb. Es ging alles so schnell, dass ich nicht mehr sagen konnte, ob sie überhaupt fragte, ob mir das recht sei. In Erinnerung blieb nur, dass sie hin und weg war und mit großen Augen und tief berührt diesen Drachen in ihren Armen hielt, ihn immer wieder von allen Seiten betrachtete und für nichts anderes mehr Augen hatte.

Mir war ja schon klar gewesen, dass der Drache unbedingt zu ihr wollte, aber dass Regina nun umgekehrt genauso begeistert war vom Drachen und mein kleines Filzgeschöpf auch unbedingt haben wollte, wunderte mich dann doch. Und berührte mich tief. Einfach schön, wenn alles stimmte!

„Ist der für mich?“ fragte sie wieder und wieder und beantwortete sich nun gleich selbst die Frage: „Der will zu mir!“ Ihre Emotionen gingen hoch.

Ich erzählte nun auch noch, wie es mir mit dem Drachen ergangen war, und sagte: „Er will mit dir über meine Teilnahme an allen drei Seminaren verhandeln.“ Und das war nun überhaupt gar keine Frage mehr. „Natürlich kannst du teilnehmen!“ sagte Regina und herzte und küsste ihren Drachen. Der Drache hatte Wort gehalten.

Im Schatten schläft ein Drache

Drachen haben mich schon immer fasziniert. Nicht nur, weil sie angeblich mit Vorliebe Jungfrauen entführt und Schätze von Gold und Edelsteinen gehortet haben und dass ich das eigentlich nicht glauben konnte, oder weil sie groß, stark und gefährlich waren. Sie waren die Monster in vielen Überlieferungen, an fernen Orten und in religiösen Legenden. Ich habe sie vor allem mit mündlich überlieferten Geschichten und Sagen in Verbindung gebracht und gleichzeitig in entsprechenden Landschaften angesiedelt. In den Kinderbüchern meiner Zeit kamen Drachen überhaupt nicht vor und in den örtlichen Sagen gab es sie ebenfalls nicht, da gab es nur den Förster von der Wildenburg, der dem Teufel begegnete, oder das Göttenbachmännchen und andere kleine Gruselgeschichten. Unsere Gegend muss relativ sicher gewesen sein vor Monstern, das war jedenfalls mein Eindruck als Kind. Und was man sich heute schon kaum noch vorstellen kann, ich wuchs ohne Fernsehen und Filme auf. Ich glaube, ich war bereits zehn, als ein erster Verwandter ein solches Gerät anschaffte und die Großen sich für Krimis und Fußball bei ihm trafen. Und ob es damals schon Kinderfilme mit Drachen gab? Ich weiß es nicht. Ich bin jedenfalls noch ganz ohne Drachenbücher und -filme aufgewachsen. Selbst das Nibelungenlied war mir seinerzeit noch nicht begegnet.

So machte ich mir meine eigenen Gedanken. Es war doch einfach nur logisch, dass Drachen der Fantasie entsprungen sein mussten. Später habe ich mir die Drachen als Personifizierung bzw. Interpretation von wilden Naturkräften erklärt. Und das hatte auch mit einem wild zerklüfteten Felsenkamm zu tun, den es in der Nähe meiner Heimatstadt Idar-Oberstein gab und wohin wir manchmal einen Familienausflug machten. Dieser lang gezogene Bergrücken (Wildenburg) hatte es mir ganz besonders angetan. Als Kinder liebten wir es, den Höhenzug entlang zu klettern. Doch oft hatten die uns begleitenden Erwachsenen nicht die Geduld, so lange auf uns zu warten, sie wollten den Höhenweg lieber weiter spazieren. Oder wir durften nicht oder hatten nicht die richtigen Schuhe an und es war ihnen zu gefährlich, denn auf der anderen Seite fielen die Rückenzacken des Drachen wie in einer Rutsche recht steil und weit nach unten ab. Manchmal kam man auch oben nicht mehr weiter und musste sich seinen Weg erst nach unten suchen, bevor man auf der anderen Seite den nächsten Zacken besteigen konnte. Ich habe es jedenfalls nie geschafft, den Drachenrücken oben rüber und auf der ganzen Länge weiter zu klettern, so lang war dieser Rücken! Und die einzelnen Zacken, die nach und nach nur noch vereinzelt aus dem Boden herausragten, so als würde der Drache immer mehr in der Erde versinken, wurden zum Klettern dann auch noch immer ungeeigneter.

Ich habe mir als Kind dann vorgestellt, dass diese Felszacken den Rücken eines schlafenden Drachen bildeten. Und in meiner Fantasie habe ich mir ausgemalt, wie das wäre, wenn dieser riesige Drache eines Tages wieder aufwachen würde, sich strecken, gähnen und herzhaft brüllen. Und sich in seiner ganzen Größe zeigen. Wir groß und mächtig müsste er sein! Und wenn er dann so da oben säße und gähnte, was würde er als nächstes tun? Es musste ein sehr kraftvoller Drache sein, denn die Kraft dieses Ortes konnte ich schon als Kind ganz klar spüren. Und ich fühlte mich innig verbunden mit dieser Kraft. Es mag verwunderlich klingen, aber sie gab mir ein wenig das Gefühl von Zuhause.

Ich habe auch schon als Kind ganz klar das Zusammentreffen der Leylines gespürt. Diese Kraftlinien der Erde werden auch Drachenlinien oder Drachenwege genannt, weil die Drachen der Erde in der östlichen Sagenwelt angeblich durch sie unterwegs sind. Doch das ist wieder eine andere Geschichte, die ich noch weiter erforschen will.

In den letzten Jahrzehnten kam es in Kinderbüchern, Spielen und auch in Erwachsenenspielen und -filmen zu einer regelrechten Überflutung mit Drachenfiguren und Drachengeschichten und das war so ganz anders als in meiner Kindheit. Meine Generation hatte sich noch für Winnetou und andere Indianer interessiert, aber die nächsten Generationen fanden das nur noch sehr langweilig.

Offenbar machen Drachen den heutigen kleinen Helden Mut und geben ihnen Spaß am Leben. Und sie sind auch wunderbare Fantasiefiguren für große Spiele-Spektakel. Kaum ein Kinderbuch oder Kinderlied kam ohne sie aus! Auch meine Drachen aus Filz wurden viel mehr bewundert als die anderen Filztiere. Mich beschlich das Gefühl, dass es noch einen ganz anderen Grund geben musste, warum Drachen gerade jetzt in die kindliche Psyche und in die der spielenden Erwachsenen derart massiv eingespeist werden. Und den wollte ich finden.

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„Wir sollten an dieser Stelle zumindest schon einmal verraten, dass alle Drachen-Geschichten in den neuen Kindern auch deren ursprüngliche Kraft wecken sollen, so dass sie sich viel weniger in der alten Gesellschaftsordnung verfangen, sondern den Mut finden, Neues zu erschaffen in ihrem Leben. Denn das wird ihre Zukunft sein.“ sagte mein Drache.

Wir hatten vereinbart, dass er mich unterbricht, wenn ich zu langweilig werde. Ich habe eine Tendenz zu monologisieren, die ich im Auge behalten muss.

„War das denn schon langweilig?“ fragte ich.

„Nein, aber ich wollte es auch so nicht stehen lassen. Auch wenn wir erst am Ende des Buches darauf eingehen können. Ich wollte den Grund jedoch hier schon mal kurz erwähnen, das ist nur fair.“

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Als Erwachsene hatte die Wildenburg ihre Faszination für mich nicht verloren. Sie wurde mein liebster Kraftplatz zum Sein, zum Spazieren und Meditieren, immer noch wildromantisch und schön. Obwohl ich nur noch selten an meinen Geburtsort zurückkehrte, musste ich doch immer zumindest einmal auf „meiner“ Wildenburg vorbeischauen. Die Menschen müssen die Kraft an diesem Ort schon immer gespürt haben, denn früher war die Wildenburg ein keltisches Bergheiligtum und gleichzeitig eine Fliehburg, als die Römer ins Land kamen.

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„Es könnte die Leser interessieren, wie du aus diesem Kraftplatz einen portablen Kraftplatz gemacht hast, diese Idee finden wir zumindest immer noch genial!“ meinte mein Drache.

Er spielte darauf an, dass ich mir in einem Akt größter seelischer Not diesen Kraftplatz nach Berlin geholt hatte, denn ich kam ja nur noch selten nach Hause. Nicht immer lies es das Wetter zu, oder mein Besuch war zu angefüllt mit anderem, selbst wenn ich mal da war. Nun, ich habe mir dann in meiner Vorstellung einen Lichtbogen gebaut, von der Mitte dieses Rondells oben auf dem Berg zu mir an meinen Sitzplatz in Berlin. Und ich verstärkte diesen Bogen zu einem dicken Schlauch und bat auch die Wildenburg, dies umgekehrt zu tun. Und voilá, da fühlte ich mich, als wäre ich dort. Und als ich meinen Kraftplatz portabel gemacht hatte, musste ich auch nicht mehr persönlich hin: Ich hatte ihn immer dabei. Und das tat mir gut.

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Das Puppen- und Tiere-Basteln begann als Hobby schon als junge Erwachsene. Mit Dreißig interessierten mich vor allem Puppen aus allen Materialien. Sie bekamen einen eigenen Ausstellungsraum in meiner Heimatstadt: Julchens Puppenstube. Schon bei meinen großen Marionetten merkte ich, dass diese Puppen viel mehr mit mir zu tun hatten, als oberflächlich erkennbar war. Diese Phase nahm ein jähes Ende, als ich über mich selbst und meine Ideen erschrak. Nach einem Frosch, der sich gerade in einen Prinzen verwandelte und dem die Metamorphose noch deutlich anzusehen war, spukte auch die Idee in meinem Kopf, dass ich das Rumpelstilzchen machen sollte, in dem Moment, wo es sich selbst zerreißt. Woher kam das? Eine neue Lebensphase wurde bei mir immer eingeleitet durch kreative Impulse. Lauerten da Monster in meinem Unbewussten? Denn meine kleine Tochter hatte auch Angst vor den großen Hexenmarionetten. Für zehn Jahre pausierte ich mit allem, was mich an die Puppenmacherei und an diese merkwürdigen Impulse erinnerte. Dann las ich das Buch „Der Weg des Künstlers“ und nahm die kreative Unterhaltung mit meinem Unbewusstsen wieder auf. Als meine zwei Baby-Künstlerpuppen auf wenig Gegenliebe stießen und ich mir das nicht erklären konnte, denn sie waren mir phänomenal gut gelungen, entwickelte ich nach einer Denkpause große Tier-Handpuppen für die Schule.

Meinen kreativen Ausdruck verstand ich zu der Zeit schon immer mehr als ein Gespräch mit meinem eigenen Unterbewusstsein. Psychologie interessierte mich schon immer ganz besonders, in meinem Zweitstudium zum Sonderschullehrer konnte ich mich nun erneut wissenschaftlich damit beschäftigen und erklärte mir natürlich umgehend so auch, warum ich zu bestimmten Puppen oder Tieren inspiriert war und die dann auch noch genau zu meinen Lebensthemen passten: Meine Kreativität trat irgendwie mit einer Instanz in mir in Kontakt, die mir bewusst logisch nicht zugänglich war, die mich aber neugierig machte und mir Themen zuspielte zusammen mit der Richtung, in der ich suchen sollte. Ich versuchte konsequent, immer noch mehr aus meinem Unbewussten herauszulocken. Warum hatte ich gerade diesen Impuls und keinen anderen? Woher kamen meine Ideen überhaupt? Eigentlich stocherte ich so in den Möglichkeiten, bis sich ein Gefühl einstellte, dass es stimmte. Dieses nicht erklärbare Gefühl von „es stimmt so“ stellte sich selbst beim Basteln ganz deutlich bei mir ein.

Als der erste Drache entstand, war ich schon fast Fünfzig und unterrichtete als Lehrerin an einer Sonderschule in Berlin. Ich tingelte gerade mit viel Spaß als Schulmediatorin mit großen selbst gebauten Handpuppen durch die Schulklassen. Dieses selbst entwicelte Gewalt-Präventions-Programm namens "Trau-Dich-Training" fand in der fünften und sechsten Klasse großen Anklang. Zwei Stücke hatte ich bereits ausgefeilt: In dem einen spielte ich eine Mediation zwischen Schaf und Nilpferd vor, im anderen ging es um Mobbing auf dem Schulhof und die Hauptfiguren waren ein Pitbull und ein Strauß. Und obwohl mir noch keine Inszenierung für ihn einfiel, entstand da auch schon als übergroße Handpuppe mein erster Drache aus Schaumstoff, Stoff und Kleber. Kurz darauf zwang mich der zweite Burnout innerhalb von sieben Jahren, den Schuldienst ganz zu verlassen. Und das gerade, als Schule mir am meisten Spaß machte. Und auch da sah ich noch lange keinen Zusammenhang mit Drachen.

Nachdem ich aus dem aktiven Dienst ausgeschieden war und mich einigermaßen wieder berappelt hatte, begann ich zu filzen, und die erstaunlichen Zufällen häuften sich. Mein Leben wurde zu einem paranormalen Abenteuer (mit Filztieren!) über die ich ausführlich in meiner Buchreihe „Hurra, die Lichtfilzlinge kommen!“ berichte. Die Drachen spielten da erst noch eine untergeordnete Rolle, ich war ja immer noch auf der Suche nach Gott. Und ich ahnte lange nicht, wo das Ganze hinführen sollte. Wie ich erst jetzt weiß, zog ich mich buchstäblich mit dem Filzen am eigenen Schopf aus der depressiven Brühe, in die mich der Burnout geworfen hatte! Und dann machte ich auch einfach so lange weiter, bis ich wirklich ganz aufgewacht war zu der, die ich heute bin. Dass ich immer dran blieb, mein volles Potential zu suchen und nicht stecken blieb, bis ich ganz in meine schöpferische Kraft kam, was sich nun vor allem auch im Filzen großer Drachen ausdrückte, das verdanke ich meinen immer gesprächiger werdenden Drachen!

In diesem Buch will ich mich auf die wenigen Erlebnisse mit meinen Drachen beschränken, ohne auf die anderen Filztiergeschichten oder die vielen Prozesse einzugehen, die von ihnen ausgelöst und in eben diesen Büchern ausführlich beschrieben wurden: Prozesse, die mich selbst zu der damaligen Zeit tief beschäftigt und mein Bewusstsein weiter umgeformt haben. Wer sich für meinen langen, komplizierten und intensiven Aufwachprozess interessiert und wie ich mich selbst ganz aus dieser zähen Matrix herausschälte, die mich umgab und immer wieder verschlang, mag dies ja an anderer Stelle nachlesen, ich will mich hier ganz auf die Drachen konzentrieren. Und dann haben sie mir ja auch außerdem versprochen, dass sie direkt an diesem Buch mitwirken.

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„Weißt du, rückblickend war das ja schon ein ganz langer Weg, und ganz schön zäh!“ meinte mein Drache.

Ich seufzte. „Wie oft hatte ich mich für besonders schwer von Begriff gehalten oder als unspirituell oder sogar als Versager abgeurteilt, weil ich immer wieder andere mit der gleichen Ausbildung, mit ähnlichen Talenten oder Arbeitsweisen an mir vorbeiziehen sah und ein erfolgreiches Business aufstellen!“

Ich war eine der Ersten, die eine Mediatoren-Ausbildung in Deutschland machte, oder den Reikilehrer, den Yogalehrer, den Rebirther oder Remote Viewing und so viele andere Sachen. Doch das alles war es nicht, ich fand einfach nicht heraus, wo es hingehen sollte in meinem Leben. Dann ist die Gefahr schon groß, dass man aufgibt zu suchen. Aber das ließen meine Drachen nicht zu.

„Schau, das war doch auch alles nicht umsonst!" sagten sie dann. "Du hast nur soooo viel studiert: Das Leben, das spirituelle Interesse, das Aufwachen. Es hat einfach so lange gedauert, bis du uns geglaubt hast, dass du ein Stand Alone bist, und keine Ausbildung eines anderen anwenden oder weitergeben kannst.“

„Aber wie oft ich mich als Versager gefühlt habe, als eine echte Niete, bei all den Brüchen in meinem Leben! Das war nicht immer schön!“

„Das stimmt, und deshalb hast du nun auch Verständnis für alles. Auf sehr tiefen Ebenen. Und das war schon ein Teil deiner Lebensaufgabe.“

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Als der erste Filz-Drache sich bei mir meldete, hatte ich nicht einmal die Absicht, einen Drachen zu filzen. Wie es dann doch dazu kam, dass der Drachen gefilzt wurde, habe ich bereits erzählt. Es war auch noch relativ neu und überraschend, dass da ein Drache mit mir sprach, bevor ich ihn filzte, auch wenn ich das Reden in meinem Kopf schon von einem Kobold und ein paar Enten kannte. Er war einer der Ersten, die mir bereits im Entstehungsprozess genau erklärten, wie sie aussehen wollten. Vorher hatte ich nur kreative Impulse, wie ich das selbst nannte: „Der Bauch sollte dicker werden“ zum Beispiel. Doch hier konnte ich deutlich unterscheiden, dass die Stimme sogar von hinter meinem Kopf sprach, nicht aus oder in meinem Kopf. Aber ich lasse mich nicht gerne 'rum kommandieren und schon gar nicht in meinen kreativen Phasen, es war also keine einfache Beziehung zwischen mir und dem Drachen. Die Geschichte ging dann auch noch weiter. Meine Filztiere verblüfften mich und andere doch immer wieder!

Und das zumindest will ich hier auch erzählen: Regina, die damals und über mehrere Jahre meine spirituelle Lieblingslehrerin war und monatlich mit einem Seminar nach Berlin kam, hatte, wie gesagt, angekündigt, dass sie als nächstes mit einer Seminar-Trilogie nach Berlin komme, in der es um Drachen gehe. Dahinter verbargen sich allerdings weder Filztiere noch Drachengeschichten sondern Meditationen, Einweihungen und Selbsterfahrungselemente, um unser eigenes Potential zu entdecken und gemeinsam einen Beitrag für die Heilung und karmische Klärung Berlins und für die Erde selbst zu leisten. Wir Teilnehmer erhofften uns von diesen spirituellen Seminaren, uns selbst zu finden und unsere Lebensaufgabe deutlicher zu erkennen, mehr mit unserem Höheren Selbst in Verbindung zu gehen und auch mehr Magie, Kraft und Ursprünglichkeit in unser Leben zu holen. Es ging auch um eine Öffnung der eigenen - auch außersinnlichen - Wahrnehmung. Oder darum, neue Talente zu entdecken und zu üben. Regina war dafür genau die Richtig, sie hatte ein Gespür für die exotischsten Talente der Teilnehmer, es war nicht mein erstes Seminar bei ihr. Für sie und die meisten anderen war es auch selbstverständlich, Stimmen im Kopf zu hören oder von seinem Krafttier zu träumen.

Meine Filztiere machten das Ganze nur dadurch interessanter, dass man sie auch noch in den Arm nehmen konnte. Alle meine damaligen Freunde und Bekannte aus diesen Seminaren von Regina waren bald davon überzeugt, dass mein Talent und meine Lebensaufgabe mit dem Filzen von Tieren zu tun habe. Sie konnten auch schon ganz deutlich die Energie in meinen Tieren spüren und hörten sie dauernd reden. Sie waren die ersten Fans meiner Lichtfilzlinge und überhäuften mich im ersten Jahr mit Bestellungen, so dass ich fast nicht damit nachkam. Ihnen und den gemeinsamen witzigen Erlebnissen habe ich mit dem Buch "Hurra, die Lichtfilzlinge kommen!" ein Denkmal gesetzt, ich bin allen Weggefährten von damals sehr dankbar.

Den Hintergrund von Einweihungen stellte ich mir damals so vor: Regina kannte den unsichtbaren energetischen Weg zum Ort der Drachen und gleichzeitig zu unserer eigenen Drachenkraft auf einer höheren Ebene und verlinkte die Teilnehmer dann auch dahin, etwa wie ein Link im Internet. Oder noch besser, dieses Programm war dann als Download für uns verfügbar und konnte weitere Upgrades erhalten. So stellte ich mir das in etwa vor. Wir würden uns nicht nur spürbar mit den echten Drachen in irgendeiner Dimension sondern vor allem mit deren Energie verbinden lernen und sie dann später auch ohne Regina besuchen oder bei Meditationen in unseren eigenen inneren Raum rufen können. Ein wenig ging das auch in die schamanische Richtung der Krafttiere. Eine gute Idee jedenfalls, sollte ich selbst Drachen filzen wollen! Denn auch mir ging es um echte, auch energetisch spürbare Drachen, nicht um Knuddel-Sofa-Tierchen ohne Power.

Meine Filzgeschöpfe waren irgendwie viel lebendiger als alles, was man sonst als Kuscheltiere kannte und keiner wunderte sich mehr darüber als ich selbst. Denn als kritische und naturwissenschaftlich interessierte Mathelehrerin stand ich allen Dingen befremdet gegenüber, die man glauben musste. Ich war bei allen spirituellen Spaziergängen doch durch und durch Verstandesmensch geblieben. Und egal, wie verrückt sich meine Filztiere auch benahmen und wie viele Zufälle passierten, ich war von Anfang an davon überzeugt, dass es für alles eine natürliche Erklärung gibt, auch dafür. Und ich wollte sie finden. Das war sozusagen meine Mission und auch der Leitfaden für meine Bücher. Ich ging mit immer mehr Gewissheit davon aus, dass auf anderen Ebenen oder in anderen Dimensionen wirklich Wesen wie Drachen existieren könnten, für die ich über die Filztiere eine Verbindung erschuf, die man sich etwa so vorstellen konnte wie ein Handy. Das kann dich ja auch mit deiner Oma verbinden, selbst über eine große Distanz, ohne dass du sie siehst. Das war meine nächste Arbeitshypothese. Es gab also tatsächlich Drachen oder es hatte sie zumindest mal gegeben. Regina bestätigte mich darin, denn nach der ersten Nacht mit ihrem Drachen berichtete sie, dass sie den Drachen sehen könne, er würde wachsen, und jedes Mal, wenn sie hinschaue, sei er größer geworden.

„Jetzt ist er schon so groß wie eine Kuh, aber noch sehr, sehr jung. Sozusagen gerade erst geschlüpft. Und es ist kein Er, sondern eine Sie, ein Drachenmädchen, und von dem hatte ich schon vor ein paar Wochen geträumt. Ich kenne es aus meinen Träumen!“

Als sie in der Pause auf mich zusteuerte, fiel mir die Ähnlichkeit der beiden auf: Regina und ihr Drache besaßen offenbar das gleiche anspruchsvolle Naturell, denn sie sagte sehr bestimmend zu mir: „Der Drache kann so nicht bleiben. Die Flügel sind nicht in Ordnung und der ganze Kerl hängt durch, der Kopf muss nach oben und außerdem fällt er nach vorne, für das Gleichgewicht musst du auch noch was tun.“ Das gleiche gebieterische „du musst“, das ich schon vom Drachen kannte!

In der nächsten Nacht schlief ich nur zwei Stunden, und das, obwohl das Seminar tagsüber schon anstrengend genug gewesen war. Aber ich konnte auch nicht anders, ich fand einfach keinen Schlaf, es war irgendwie zwingend. Es dauerte auch nicht lange, und ich wusste, was zu tun war. Eigentlich hatte Regina mich mit der Zurückweisung des Drachen gekränkt, doch dann erkannte ich, der Drache war nicht falsch gewesen für Regina, die Sache hatte sich nur viel komplizierter entwickelt. Denn alle Mängel und Fehler stimmten letztendlich doch und hielten mich auf der richtigen Spur zu einem noch besseren Drachen. Auch Fehler passierten nicht zufällig. Dieser Drache war der Beweis, denn mit dem stolz erhobenem Haupt und den orangenen Punkten sah er am Ende ganz toll aus. Selbst die Flügel waren nun sehr ansehnlich geworden. Am nächsten Morgen brachte ich den verbesserten Drachen mit zurück ins Seminar und Regina war sichtlich zufrieden.

Im Nachhinein war ich davon überzeugt, dass erst meine Teilnahme am Seminar, die Einweihungen und die dortige begeisterte Aufnahme des Drachen mich befähigt hatten, den Drachen nachts noch so viel besser hinzukriegen. Hatte der Drache nicht auch gesagt: „Wenn du Drachen machen willst, brauchst du diese Einweihungen!“ Na klar! Ich brauchte wirklich noch die intensiven Drachen-Einweihungen von Regina, ich bin ihr auch heute noch dankbar dafür.

Wenn ich später mit Kursteilnehmern Drachen filzte, konnte ich ganz klar beobachten, dass diejenigen, die einfach nicht fertig wurden oder wo er nur schlapp 'rum hing, auch selbst noch nicht bereit waren, ihr volles Potential zu beanspruchen. Ich badete sie zwar in Einweihungsenergien, aber sie öffneten sich einfach nicht. Sie konnten sie noch nicht empfangen, sie waren noch nicht bereit dazu. Das Drachenfilzen war ein ehrlicher Ausdruck dessen, wo die Menschen selbst in ihrer Entwicklung standen.

Bei dem Drachen war ich übrigens ganz abgeschrieben. Seit er Regina das erste Mal gesehen hatte, wollte er mit mir nichts mehr zu tun haben, er redete auch nicht mehr mit mir. Ich spürte das an einer Grenze oder an einer Abneigung, von mir noch einmal gehalten zu werden. Es konnte aber auch sein, dass ich unbewusst sogar froh war, diesen mit mir sprechenden Drachen in gute Hände abgegeben zu haben, denn insgesamt fühlte ich mich von der Erfahrung auch überfordert, dass ich da scheinbar lebendige Wesen aus anderen Dimensionen hierher holte. Und ich hielt mir auch immer noch offen, dass es dafür eine andere Erklärung gab.

Zurück zum Seminar. An diesem Tag saß eine große Ente von mir der Leiterin genau gegenüber. Sie hatte schon mehr Ausdruck und Power als alle Filztiere davor, deshalb nannte ich sie einen „Lichtfilzling“. Der Name für meine Filztiere war also gerade erst geboren worden, doch alle spürten das Licht in ihm und fanden den Namen ganz passend. Licht und Energie waren für uns alle austauschbare Begriffe für das körperlich wahrnehmbare energetische Strömen, das du vielleicht zum Beispiel von Reiki kennst.

Ihr Drache saß schräg hinter Regina auf einer Wolldecke und ich gleich neben ihr. Die Ente rückte nun ständig in Reginas Blickfeld, was sie wiederholt zu witzigen Bemerkungen verleitete. Regina schäkerte regelrecht mit der Ente und gab sie ihr dann auch noch ihren Namen: Anna Karana. Weil es in diesem Seminar auch um die Antakarana ging, unsere Verbindung zum Höchsten Selbst.

Der Drache – viel eigenwilliger und überhaupt nicht offen für irgend jemand anderen aus der Runde – saß derweil unbeachtet hinter uns. Auf einmal spürte ich deutlich einen wachsenden Groll, ziemlich viel Ärger und Eifersucht! Ich vermutete sofort, dass diese Gefühle vom Drachen stammten. Ich selbst war es jedenfalls nicht. Und von Regina kam das auch nicht. War das möglich? Ich schaute mich im Kreis um, wie die anderen Teilnehmer so drauf waren. Aber alle Anwesenden saßen in einem friedlichen emotionalen Zustand, sie waren entweder ganz in Frieden, gerade am sprechen oder schauten auch gerade verwundert in die Runde. Dieser Groll musste vom Drachen ausgehen! Die Bestätigung kam umgehend von Regina selbst: Die schien sich auch plötzlich dessen bewusst zu werden, drehte sich um und holte den Drachen nach vorne und in den Arm, wo sie ihn herzte und küsste. Dabei entschuldigte sie sich immer wieder bei ihm und sprach beruhigend auf ihn ein, bis sich das Feld von Groll vollständig aufgelöst hatte. Nun durfte der Drache für den Rest des Tages vor ihr sitzen.

Whow, das war heftig, was für ein Temperament! Und offensichtlich hatten das auch die meisten anderen Teilnehmer gespürt, wie ich nun an ihren Reaktionen ablesen konnte. Da hatte eine ziemlich kraftvolle Wolke aus Zorn im Raum gestanden. Das Erlebnis mit dem grollenden Filzdrachen im Seminar verblüffte alle. War dieser Drache doch tatsächlich eifersüchtig auf die Ente gewesen! Und so begann ich wieder darüber nachzudenken, was es mit Drachen so auf sich hat. Ob es sie doch gibt in anderen Dimensionen, ob es sie früher auch auf der Erde gegeben hatte und was ich da eigentlich machte, wenn ich filzte.

Der Drache kam nie wieder mit zu Seminaren. Regina erzählte mir später, dass sie dem Drachen erst einmal die ganze Wohnung gezeigt und ihm dann ihren Partner vorgestellt habe, und der sei auch vom Drachen akzeptiert worden. Er durfte ihn sogar streicheln. Bauchkraulen mochte der Drache besonders gern. Andere Puppen des Hauses wollte er nicht kennenlernen und sehr schnell fand er seinen Platz oben im Regal, so dass er das ganze Büro der beiden übersehen konnte. Die Drachendame wurde dort noch von vielen Besuchern bewundert und war der Anlass für weitere Drachenbestellungen, noch lange Zeit später. Aber ich selbst fühlte mich im Nachhinein mit diesem Drachen nicht mehr wohl, denn obwohl er mir phänomenal gut gelungen war, hielt sich in mir das Gefühl, ich sei nur ausgenutzt worden. Die anderen Filztiere zeigten mir gegenüber viel mehr Dankbarkeit und waren gerne mit mir zusammen, aber dieser Drache hatte nichts anders im Sinn, als schnellstens weg und zu Regina zu kommen und wollte dann mit mir nichts mehr zu tun haben. So fühlte ich mich von ihm einfach nicht genügend gewürdigt, obwohl er doch Wort gehalten und die Dracheneinweihungen für mich tatsächlich eingetauscht hatte.

Das lief nur halb bewusst in mir ab und mein Stolz auf dieses Prachtstück gewann nach einer Weile die Oberhand. Und als ich mich kurz darauf an den Entwurf einer ersten Webseite setzte, war mir klar, dass dieser Drache auf die Startseite musste. Und auch die Geschichte darüber, wie mir ein Drache im Nacken saß und mit mir redete. Regina gab ihr Einverständnis. Das war 2005. Meiner Webseite brachte dies bereits einige Wochen nach ihrem Erscheinen eine kleine Erwähnung in der Rubrik 'schrägste Esoterikseiten' ein. Dort befleißigte sich jemand, vor solchen esoterischen Spinnern wie mir zu warnen.

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„Nun sollten wir aber mal auf die Drachen zu sprechen kommen, die echten natürlich,“ ermahnte mich mein Drache. „Es ist ja schön und gut, dass du erzählst, wie wir mehr und mehr in dein Leben traten. Und es mag ja den einen oder anderen Leser auch interessieren, was das mit deinen damaligen Themen zu tun hatte. Doch die Frage lautet doch eigentlich: Gibt es Drachen wirklich?“

Dass Drachen immer so direkt sein müssen! Ich selbst hatte diesem Punkt ausweichen wollen so lange es ging. Sollte ich jetzt schon Farbe bekennen? Konnte ich mir denn sicher sein? Ich zögerte. Es war auch einfach noch zu früh im Buch!

„Nein, natürlich kannst du dir nicht sicher sein, dass es uns wirklich gibt“ sagte mein Drache und stubbste mich mit der Nase an, dass ich fast aus dem Gleichgewicht geriet. „Doch was ist schon sicher! Was ist schon real!“

„O.K. dann oute ich mich mal:“ entschied ich. „Ich selbst bin ein Drache. Und natürlich habe ich mich auch schon ganz oft als Drache inkarniert. Aber eben noch viel öfter als Mensch. Das weiß ich mittlerweile einfach.“

Ich sah meinen Drachen fragend an. „Bist du jetzt zufrieden?“

„Halten wir also fest: Es gibt Drachen wirklich,“ sagte er. "Und du bist eine von uns.“

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Der erste Drache blieb auch lange der einzige Drache, der mit mir geredet hatte. Nach einer Pause von neuen Monaten erhielt ich einige Drachenbestellungen, aber die sagten kein Wort. Diese Drachen sahen auch ganz anders aus, irgendwie viel sanfter, netter und vor allem viel beliebiger und gewöhnlicher, wie ich fand. Ein ganz kleiner Drache machte da eine Ausnahme, er wurde der Liebling unter meinen ersten Drachen. Sehr frech, vorwitzig und grün. Er hatte auch schon ziemlich viel Power und ähnelte darin dem ersten Drachen. Er war eine Bestellung für eine gestandene Businessfrau, die gleichzeitig hoch spirituell, geerdet und erfolgreich war und auch darin Regina ähnelte. Möglicherweise gab es da einen Zusammenhang. Nicht ich entschied offenbar, wie stark die Drachen wurden, sondern die Kundschaft selbst. Alle anderen Drachen der ersten Jahre waren mir selbst zu lieblich und einander viel zu ähnlich. Ich merkte, ich wollte nicht einfach bloß nett filzen, das war mir so zuwider wie früher die netten Sofapüppchen. Aber ich hatte diese ersten Drachen auch nicht kräftiger und frecher hingekriegt, nicht einmal energetisch. Es gelang mir einfach nicht! Heute denke ich, es gab auch in meinem Umfeld keinen mehr, der einen Powerdrachen verkraftet hätte. Wir waren noch nicht so weit, wir alle. Ich selbst auch noch nicht. So wandte ich mich wieder anderen Filztieren zu und vergaß die Drachen.

Es dauerte weitere neun Monate, da überwarf ich mich mit Regina, weil sie darauf bestand, dass ich die Bilder ihres Drachen nicht veröffentlichen dürfe. Ich hatte die besten Fotos meiner Lieblinge auf Tassen und anderen Fotoprodukten drucken lassen und wollte sie über meine Webseite vermarkten. Ich hielt das für eine gute Idee. So schön wie die damals beliebte Didl-Maus waren meine Lieblinge doch allemal! Ich fiel aus allen Wolken, als Regina so drastisch darauf reagierte. Sie war so entsetzt, sie konnte nicht einmal mehr selbst mit mir reden. Sie benahm sich, als würde ich meine Lieblingslehrerin persönlich gefährden! Und es sollte auch noch Jahre dauern, bis ich sie darin endlich verstand. Dieser Konflikt führte zu unserer endgültigen Trennung und sie wollte nie wieder etwas mit mir zu tun haben, ja sie warnte in einem offenen Brief nun sogar alle ihre Schüler vor mir. Ich lernte dabei jede Menge, wovon ich in „Hurra, die Lichtfilzlinge kommen“ ausführlich berichte und deshalb hier nicht näher darauf eingehen will. Nur so viel: Ich musste ihren Drachen schleunigst von meiner Webseite nehmen, denn der passte nun überhaupt nicht mehr, und ich brauchte einen Ersatz, bei dem ich mit niemandem 'rum diskutieren müsste, wenn ich sein Bild verwende. Es wurde also eigentlich Zeit, mir einen eigenen Drachen zu filzen, denn bisher hatte ich immer nur bestellte Drachen für andere gefilzt. Ich kam ja meistens nicht einmal nach mit all den Lichtfilzlingen für andere.

Das Ergebnis von nur vier Wochen Arbeit war Giulio, mein erster Drache, und der blieb auch bei mir und sitzt selbst heute noch in den Coachings neben mir. Welches Thema spielte mir mein Unterbewusstsein mit ihm zu? In meinem eigenen Leben ging es ebenfalls um Unabhängigkeit. Diese Lehrerin hatte mich so weit geführt, wie sie konnte, nun musste ich alleine weiter gehen und meine Lebensaufgabe selbst entdecken und weiter entwickeln, das spürte ich ganz deutlich. Darum ging es jetzt in meinem Leben. So war es nur logisch, dass ich auch einen eigenen Drachen für meine Startseite brauchte, denn Reginas Drache saß ja noch dort und bewachte meinen Besuchereingang zur Webseite. Damit bestimmte Regina auch energetisch, wo es mit meinen Lichtfilzlingen hinging. Und ich war nun mal nicht Regina! Eigentlich hätte mir der Zusammenhang schon klar werden müssen, als ich ihn dorthin setzte: Dass nämlich Regina mit diesem Drachen auch meine Webseite und mein Leben dominierte. So war ich erleichtert, als ich den alten Drachen endlich gegen den neuen eintauschen konnte.

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„Darauf solltest du näher eingehen, wie meinst du das mit 'sie bestimmte energetisch wo es hinging'?“ unterbrach mich mein Drache.

„Regina hatte sicher eigene Wahrnehmungen und Vorstellungen darüber, welches Potential meine Filztiere besaßen, aber mir war das damals nicht bewusst. Und selbst wenn, ich hätte es nicht geglaubt. Sie hatte auch schon viel mehr Erfahrung mit Energie und Schwingung und konnte sich wunderbar schützen. Ich glaube, sie war so erschrocken, weil sie merkte, dass ich noch nicht in dem Bewusstsein handelte, das sie als Potential in mir erkannte und ich sie damit in Gefahr brachte. Aber ob das wirklich eine Rolle spielte, kann ich ja nur vermuten.“

„Und du meinst, das war eine einseitige Angelegenheit? Dass sie dir und deiner Webseite kraftvoll auf die Sprünge half?“fragte mein Drache.

„Nein, das war durchaus ausgeglichen, das tut ein guter Lehrer doch immer. Das ist Teil seines Jobs, dafür wird er bezahlt. Und sie sagte mir einmal, dass die neuesten Anekdoten über die Lichtfilzlinge die idealen Pausengespräche in ihren Seminaren seien, dann würde die Schwingung nicht so absinken und sie könne viel leichter weiter machen. Also habe ich sie zu dem Zeitpunkt auch schon umgekehrt unterstützt, würde ich mal sagen.“

„Gut, aber welchen Einfluss hatte das auf deine Webseite?“

„Na, ihre Vorstellungen und meine vermengten sich. Ich konnte sie aber noch nicht erfüllen, ich musste doch einfach erst hineinwachsen wie in eine zu große Hose. Und mein Leben würde dann vielleicht auch noch eine ganz andere Wendung nehmen, denn Potential ist das Eine, Umsetzung eine andere. Deshalb konnte meine Webseite auch noch nicht überzeugen. Ich selbst habe auch schon in vielen Menschen Potentiale wahrgenommen, nur um dann festzustellen, dass sie diese doch nicht umsetzen wollten. Die meisten Menschen sind leider mit viel, viel weniger zufrieden. Und Regina ging das mit mir sicher auch so. Sie sah ganz bestimmt das Potential. Ich nicht.“

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Mittlerweile waren schon viele Drachenkinder in die Welt hinaus gezogen, doch dieser neue Drache wurde wieder etwas ganz Besonderes, und das nicht nur, weil er bei mir blieb und mit mir redete. Er wurde rot und trug ganz viele Schuppen und Muster und an ihm saß ich auch wieder sehr, sehr lange, obwohl mir das Filzen doch nun schon viel schneller von der Hand ging. Ich schätzte am Ende, dass es mehr als fünfzig Stunden dauerte, aber die Arbeit hatte sich gelohnt. Mit ihm stellte ich meine Webseite auf eine neue Basis, unabhängig von Regina.