Mein ganzes verdammtes Leben - Julia Ledger - E-Book

Mein ganzes verdammtes Leben E-Book

Julia Ledger

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Beschreibung

Seit Jahren ist Magnolia in Ryan verliebt. Noch nie hat er sie wahrgenommen. Sie ihn dafür umso mehr. Er ist der Star an ihrer Uni, der typische Footballspieler, der alles hat, sich die Frauen aussuchen kann und das manchmal auch macht. Wie bringt sie es also fertig, dass er auf sie aufmerksam wird? Ryan hat alles, aber an die große Liebe ist noch lange nicht zu denken. Er studiert Jura und spielt für sein Leben gern Football, bis ihm von jetzt auf gleich alles genommen wird. Was machst du, wenn alle gegen dich sind? Wenn keiner zu dir hält? Du verschanzt dich und wartest ab. Alle meiden ihn, aber eine bleibt hartnäckig. Mag! Sie will ihm beistehen. Als Freundin! Für Ryan ist das pure Ironie. Ausgerechnet eine Frau will ihm beistehen…

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Mein ganzes verdammtes Leben

1. Auflage, erschienen 2-2019

Umschlaggestaltung: Romeon Verlag

Text: Julia Ledger

Layout: Romeon Verlag

ISBN E-Book: 978-3-96229-929-3

www.romeon-verlag.de

Copyright © Romeon Verlag, Kaarst

Das Werk ist einschließlich aller seiner Teile urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung und Vervielfältigung des Werkes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Alle Rechte, auch die des auszugsweisen Nachdrucks und der Übersetzung, sind vorbehalten. Ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung des Verlages darf das Werk, auch nicht Teile daraus, weder reproduziert, übertragen noch kopiert werden. Zuwiderhandlung verpflichtet zu Schadenersatz.

Alle im Buch enthaltenen Angaben, Ergebnisse usw. wurden vom Autor nach bestem Gewissen erstellt. Sie erfolgen ohne jegliche Verpflichtung oder Garantie des Verlages. Er übernimmt deshalb keinerlei Verantwortung und Haftung für etwa vorhandene Unrichtigkeiten.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

Mein ganzesverdammtes Leben

Ein Roman von

Julia Ledger

Wenn zwei Liebende einig sind, bedeuten Schwierigkeiten kein Hindernis.

Alfred de Musset

Liebe besteht nicht darin, dass man einander anschaut, sondern dass man gemeinsam in dieselbe Richtung blickt.

Antoine de Saint-Exupéry

Mehr Worte braucht es nicht um dir zu sagen wie sehr ich dich liebe und unseren kleinen Schatz!

Danke für deinen Glauben an mich und deine großartige Unterstützung!

Mag

Wie kann es sein, dass eine einzige Person das Leben eines einzigen Menschen ruinieren kann? Ich bin total fassungslos. Alle Menschen wenden sich von ihm ab und ich habe das Bedürfnis ihm meine Hilfe anzubieten. Bin ich deswegen gestört? Ja, wahrscheinlich schon. Stört mich das? Nein. Sam würde mich für verrückt erklären, wenn sie hier wäre. Aber mir wäre es egal. Wie heißt es? Man ist so lange unschuldig bis das Gegenteil bewiesen wurde. Man hat ihm alles genommen. Selbst das, was sein Leben ausmacht. Den Sport! Er wurde suspendiert vom Football. Er darf nicht mehr trainieren. War seit Tagen nicht mehr an der Uni und ich mache mir Sorgen. Es ist kindisch, sich um einen erwachsenen Mann Sorgen zu machen, aber ich bin nun mal so. Ich habe selbst damals jemanden gebraucht um mit allem fertig zu werden und hatte niemanden. Sam kennt meine ganze Geschichte und hat mich bis heute noch nicht verurteilt. Dafür bin ich ihr auch sehr dankbar. Ich kenne es verurteilt zu werden. Für alles die Schuld zu bekommen auch wenn man unschuldig ist. Aber ich habe gelernt damit zu leben. Deswegen liegt es mir auch so am Herzen, ihm zu helfen. Ich werde mich dann mal nach seiner Adresse erkundigen und nach meinen Kursen heute hinfahren.

Der Tag zieht sich wie Kaugummi und ich habe heute absolut nichts mitgeschnitten. Der Tag war für n Arsch. Die ganze Zeit konnte ich nur an ihn denken. Wie er reagieren wird, wenn ich heute vorbeikomme. Die Adresse habe ich ohne Probleme von der Sekretärin bekommen. Habe den Vorwand benutzt, ich müsse ihm die Unterlagen für den Kurs vorbeibringen. Wahrscheinlich hat sie aber auch gemerkt was ich wirklich will. Keine Ahnung. Auf alle Fälle sprang sie gleich auf und war gewillt mir zu helfen und gab mir seine Adresse. Nun stehe ich vor seinem Haus, beiße mir auf der Unterlippe herum und traue mich nicht auszusteigen. Ok, bei drei. Rede ich mir gedanklich Mut zu. Dann noch mal tief durchatmen, aussteigen hingehen und klingeln. Ist doch gar nicht so schwer, Magnolia. Machst du richtig. Sporne ich mich an. Spreche mir noch mal laut Mut zu. Du schaffst das. „Ja, ich schaffe das!“ Höre ich mich auf einmal sagen. Los geht’s. Zögerlich öffne ich meine Tür und versuche einen Fuß vor den anderen zu setzen. Ich kralle mich an meiner Tasche fest. Meine Fingerknöchel treten schon weiß hervor. Mir tut die Hand schon weh, aber ich brauche das jetzt. Er muss wissen, dass er nicht alleine ist! Meine zitternde Hand bewegt sich an den Klingelknopf und drückt ganz zögerlich.

Oh mein Gott. Was habe ich nur gemacht? Nervös trete ich von einem Fuß auf den anderen, aber nichts tut sich. Ich drehe mich um, um zu sehen ob sein Auto dasteht und da sehe ich es. Ok, Mag, versuch es einfach noch mal. Gebe ich mir gedanklich noch mal neuen Mut. Strecke meine zitternde Hand nochmal aus und drücke erneut den Knopf und das Geräusch der Klingel geht mir durch und durch. Höre von drinnen Schritte und falle fast in Ohnmacht. Jetzt ist es also gleich soweit. Die Tür wird aufgerissen und da steht er.

Das Haar länger als sonst. Was ihm unglaublich gut steht. Augenringe unter seinen sonst so strahlend braunen Augen. Der Ansatz eines Bartes ist mittlerweile auch da und am liebsten würde ich ihn berühren. Ok, er riecht leicht. Wahrscheinlich war er seit Tagen nicht mehr Duschen, aber sexy wie eh und je. Er sieht mich an wie ein Reh im Scheinwerferlicht, das sehr verletzt wirkt, als er wahrnimmt, dass ich vor ihm stehe. In dem Moment als ich «Hallo» sagen will, unterbricht er mich barsch. „Was willst du hier?“ fährt er mich an. Damit reißt er mich restlos aus meiner Trance und ich merke, er ist auch nicht wirklich nüchtern. „Ich… Äh.“ Super Mag, großes Kino. Jetzt weiß er auch mehr. „Willst du dich an mir ergötzen? Bist du gekommen um mir meinen Ruf noch weiter zu zerstören?“ So langsam werde ich wütend! „Ihr Weiber seid doch alle gleich. Herzlose Miststücke, die immer noch zutreten, wenn man am Boden liegt.“ Als ich ansetze doch noch etwas zu erwidern, schmeißt er mir die Tür vor der Nase zu. Ok, das ist jetzt mal so richtig schlecht gelaufen. Ich atme nochmal durch und drücke wieder auf den verdammten Knopf. Die Tür wird aufgerissen. Zum zweiten Mal. Kaum merklich zucke ich zusammen. Er steht da und faucht wieder los. „Du bist doch immer noch hier. Hast du den Wink nicht verstanden? Du sollst dich verpissen!“ faucht er mich immer weiter an. Wow, das saß. „Ok, du arroganter Arsch. Um mal eines klar zu stellen, ich bin nicht die Bitch, die dich fertigmacht. Ich will dir helfen!“ fahre ich ihn jetzt an. „Ich bin gekommen, um dir die Unterlagen vom Kurs heute zu bringen.“

„Lass stecken“ knurrt er. Er ist wütend, ich merke es, aber er gibt sich auf einmal Mühe, mich nicht mehr anzufahren. Wenigstens etwas. „Ich brauche kein Mitleid. Jetzt verschwinde und komm am besten nicht mehr wieder.“ Schon knallt die Tür wieder zu. Ich bin gefasst. Das hätte ich nicht von mir gedacht. Aber so leicht gebe ich mich nicht geschlagen. Also brülle ich so laut ich kann. Mir sind alle seine Nachbarn egal. „Ich komme wieder. Hast du gehört? Ich werde jeden gottverdammten Tag wiederkommen. Du brauchst jetzt einen Freund und ich bin bereit dafür. Auch wenn du mich immer ignoriert hast!“ Mit Tränen in den Augen drehe ich mich um und gehe zu meinem Auto zurück. Versuche nicht geknickt zu sein, straffe also meine Schultern und gehe so elegant wie möglich zu meinem Auto. Nur für den Fall, dass er mich beobachtet. Es soll meine Aussage untermauern. Ich bin bereit jedem in den Arsch zu treten. Schließe mein Auto auf und steige ein. Warte aber noch kurz bevor ich fahre, um mich etwas abzuregen. Ich hätte es fast nicht bemerkt so kurz war es, aber ich habe es gesehen. Er hat mich wirklich beobachtet. Die Gardine hat so kurz gewackelt, dass man es kaum mitbekommen hat. Meine Aufmerksamkeit war aber sofort geweckt. Dann hat mein Auftritt ja doch etwas gebracht.

Ryan

Diese verrückten Weiber. Ich habe so die Schnauze voll von denen. Dieser Vorwand sie hätte Unterlagen für mich. Von wegen. Mir ist die noch nie aufgefallen. Die hätte ich doch mitbekommen. Vor allem, wenn die in meinem Kurs wäre. Na ja…, muss ich mich wohl wieder an meinen neuen Kumpel wenden. Ich wanke in die Küche und hole mir die nächste Flasche Whiskey hervor. Ich muss sie vergessen. Alles um mich herum vergessen am besten! Diesen ganzen Albtraum. Der Film kann einfach nicht real sein. Alle haben sich von mir abgewendet. Meine Eltern sind enttäuscht von mir. Obwohl es nicht mal einen Grund dafür gibt. Football ist Geschichte. Mit diesem Ruf kann ich nie wieder spielen. Ich bin suspendiert.

Kopfschüttelnd genehmige ich mir den ersten Schluck aus der neuen Flasche. Gläser werden eh überbewertet. Selbst mein bester Freund meidet mich. Sein Ruf ist ihm wichtiger als ich. Er meinte, er könne sich nicht mehr mit mir sehen lassen. Das würde ihm schaden. Seine Eltern wollen auch, dass er sich von mir fernhält. Und warum? Wegen einer einzigen Schlampe die mir mein Leben ruiniert. Ich habe selbst vorm Dekan meine Unschuld beteuert, aber er meint bloß, er müsse nach ihr gehen. Er muss den Vorwürfen nachgehen und entscheidet dann ob ich das College verlassen muss. Meine Karriere als Anwalt ist so gesehen auch im Arsch. „Bitch“ schreie ich heraus. Am liebsten würde ich sie schütteln. Ihr ins Gesicht schreien sie solle den ganzen Mist aufklären. Aber nein, sie heuchelt allen etwas vor. Mein ganzes Team steht nicht hinter mir, meine Eltern auch nicht und die einzige die mir angeblich helfen will ist eine verdammte FRAU! Was für eine Ironie. Aber ich muss sagen ihr Hintern war schon ein Hingucker. Ich hoffe nur sie weiß nicht, dass ich sie beobachtet habe. Wieso mache ich mir überhaupt Gedanken über einen Frauenarsch? Die Flasche in meiner Hand ist schon halb geleert. Mann das Zeug verdunstet wie nichts.

Mag

Mein Plan? Ich werde ihn jeden Tag besuchen fahren. Ich werde klingeln und hoffen er öffnet mir die Tür. Freiwillig! Wenn nicht, leg ich ihm die Notizen einfach auf die Veranda. Vielleicht sollte ich einen Kaffee mitnehmen. Vielleicht sollte ich ihm eine Notiz machen mit meiner Nummer. Hmm… und paar aufmunternde Zeilen schreiben. Ja, das ist eine gute Idee. Wenn er sich nicht meldet auch gut, aber er könnte dann, wenn er wollte. Ich mache mich gerade dran ihm zu schreiben als es klingelt. Unterbreche mein Tun und öffne. Ich bin so in Gedanken, dass ich gar nicht registriere wer kommt. Dementsprechend erschrecke ich regelrecht. „Hallo Schwesterchen.“ „Ah…, du bist so ein Arsch, Aston.“ „Wo bist du mit deinen Gedanken? Vor allem solltest du so in Gedanken nicht einfach die Tür öffnen. Was wenn jetzt hier ein Serienmörder wäre?“ rügt mich mein Bruder. „Ist er aber nicht“ fahre ich ihn an.

„Du bist es doch bloß. Oder hast du deine Berufung geändert?“ Er zieht die Augenbrauen hoch und mustert mich. „Ok, Sis. Was ist hier los? Spuck es aus.“ „Es geht um ihn.“ „Um wen?“ „Um Ryan.“ „Wer bitteschön ist Ryan.“ Mit hochgezogenen Augenbrauen mustert mich Aston. „So ein Typ an meiner Uni.“ „Ah ja…, jetzt weiß ich genau so viel wie vorher“ brummt er leicht vor sich hin. „Aston ich kann da jetzt nicht drüber reden. Was willst du hier?“ frage ich ihn also genervt. „Ich wollte dich an den Strand entführen. Wie mir scheint ist das auch besser so. So kenne ich dich gar nicht Sis.“ „Ich kann nicht. Ich habe noch viel zu tun.“ „Sis, wenigstens für zwei Stunden“ bettelt er nun schon. „Aston, nein. Ich muss lernen.“ „Ist das nur eine Ausrede um mich los zu werden?“ Ja. „Nein, natürlich nicht. Ich ruf dich später an, dann können wir etwas ausmachen, ok“ dränge ich ihn endlich zum Gehen. „Aber wirklich.“ „Ja, wirklich.“ Er gibt mir einen Kuss auf die Stirn. Verabschiedet sich und zieht hinter sich die Tür zu. Ich schreibe schnell meinen kleinen Brief für Ryan zu Ende. Ob ich gleich noch mal vorbeifahren soll? Da könnte ich auf dem Rückweg bei Sam und Nick vorbei gucken. Kurz grüble ich über meine Idee, die sich immer mehr in meinem Kopf verfestigt. Ziehe mich um und ehe ich mich versehe bin ich auf dem Weg zu Ryan.

Wie krank muss man sein, sich das gleich zweimal an einem Tag zu geben? Ich wappne mich für alles. Parke vor seinem Haus, atme durch und gehe zu seiner Tür. Zum Glück zittere ich dieses Mal nicht. Ich drücke den Knopf und zucke zusammen als die Klingel losgeht. Ich weiß nicht warum ich immer nervös werde, wenn ich hier stehe. Wieder höre ich nichts. Klingle nochmal und es passiert wieder nichts. Ob ich…, nein das ginge zu weit. Meinen Gedanken nicht ganz zu Ende gedacht, gehe ich auch schon ums Haus rum. Klopfe an die Hintertür und wieder passiert nichts.

Sein Auto ist da. Vielleicht ist er laufen? Nein. Ich bin mutig und probiere, ob der Knauf zu drehen geht und schwupp, schon schwingt die Tür auf. „WOW“ kommt es über meine Lippen. Was mache ich hier eigentlich? Das ist Einbruch. Und trotzdem gehorchen meine Beine mir nicht, sondern setzen einen Fuß vor den anderen. Ich stehe in seiner Küche und lege meine Notizen hin. Inklusive meiner Notiz mit meiner Nummer darauf. Ich könnte einfach gehen, aber nein. Meine Beine tragen mich in Richtung Wohnzimmer. Und da liegt er.

Er schläft tief und fest. Gehe weiter auf ihn zu und mein Magen zieht sich bei seinem Anblick zusammen. Seine Hand hängt schlaff von der Couch runter. Unter ihm liegt eine fast leere Flasche Whiskey. Die wird er doch nicht? Kopfschüttelnd verdränge ich diesen Gedanken. Nein. Das wäre zu viel des Guten. Es stinkt hier wie in einer Brauerei. Ekelig, aber er braucht mich jetzt. Zumindest rede ich mir das ein. Vorsichtig hebe ich seinen Arm und platziere ihn auf seinem Bauch. Suche flüchtig nach einer Decke um ihn zuzudecken. Ok, das fällt auf, aber das ist mir egal. Spätestens, wenn er meine Notizen findet, weiß er, dass ich nochmal hier war.

Ich schnappe mir die Decke vom Sessel und lege sie vorsichtig auf ihn. Streiche ihm eine Strähne von seiner Stirn und bin gebannt von seinem Gesicht. Wie friedlich er doch aussieht. Aber was, wenn die ganzen Gerüchte? Nein…, ermahne ich mich. Kopfschüttelnd vertreibe ich meine Gedanken daran. Die stimmen nicht! Ich habe das im Gefühl. Streichle sanft über seine Wange und erhebe mich. „Ich komme morgen wieder“ flüstere ich. Er gibt irgendwelche Geräusche von sich. Es klingt als ob er was murmelt, aber ich verstehe es nicht. Also lasse ich ihm seine Privatsphäre und gehe.

Ryan

Ich wache auf und triefe. Es ist so verdammt warm hier. Mein Körper ist voller Schweiß und ich frage mich wieso eine Decke auf mir liegt. Trete sie weg. Das war zu schnell. Es dreht sich alles. Mein Kopf zerfliegt in tausend Teile. Mir kommt die Galle hoch und ich schaffe es gerade noch in die Küche. Ich erbreche meinen flüssigen Mageninhalt in der Spüle und widere mich selbst an. Mache den Dreck weg. Spüle meinen Mund mit Wasser aus und sehe auf dem Tisch etwas liegen. „

Was zum Teufel?“ Ich gehe auf den Tisch zu und sehe in schöner geschwungener Schrift: Ryan, auf dem Zettel obendrauf stehen. Ich nehme mir den Umschlag und darunter sehe ich Unterlagen aus dem Jura Kurs. Verdammt. Sollte sie mir wirklich nie aufgefallen sein? Ich schüttle meinen Kopf, was mir erneut einen Schmerz einbringt. Öffne den Brief und lese.

Hey Ryan,

ich habe schon verstanden, dass du meine Hilfe nicht willst und trotzdem bleibe ich hartnäckig. „Weiber…“ murmle ich und lese weiter. Ich biete dir meine Hilfe auf diesem Weg noch einmal an. Jeden gottverdammten Tag werde ich jetzt vorbeikommen. Ob du das willst oder nicht. Bringe dir deine Unterlagen damit du am Ball bleiben kannst. Ich weiß wie du dich fühlst. Ja, das klingt hohl, aber es ist so. Es liegt an dir, ob du mir öffnest oder nicht. Ansonsten lege ich es dir auf die Veranda und du nimmst es dir später weg. Für Notfälle gebe ich dir hier auf diesem Weg meine Nummer. Ich will dich nicht verarschen!!!

Liebe Grüße Mag

Ist die total durchgeknallt? Die gibt mir einfach so ihre Nummer? Ich brauch kein Mitleid. Will die das nicht verstehen oder was? Ja, es ist nett mir die Unterlagen zu bringen, aber werde ich sie je wieder brauchen?

Ryan: Das nennt man Einbruch!!!

Ehe ich mich versehe habe ich ihre Nummer in meinem Handy gespeichert und schicke ihr eine Nachricht. Ich bin aufgebracht. Was erhofft sie sich davon? Ich…!!! „Argghhhh.“ Ich nehme eine Kopfschmerztablette, gehe duschen und haue mich ins Bett. Mein Handy gibt mir mit einem Ton zu verstehen, dass eine Nachricht eingegangen ist. Welcher verfluchte Arsch geht mir jetzt schon wieder auf den Sack? Als ich mir mein Handy schnappe zieht sich mein Herz zusammen. Ich muss träumen.

Mag: Hast du mal auf die Uhr geguckt? Es ist mitten in der Nacht. Wie geht es dir?

Ryan: Du hättest nicht antworten brauchen. Du bist bei mir eingebrochen! Warum ignorierst du das? Wen interessiert es schon wie es mir geht?!

Mag: Mich interessiert es, du Idiot! Ok, sorry für den Idioten. Ich bin nicht eingebrochen deine Tür war offen ;-) aber du kannst mich ja auch anzeigen…! Bitte nicht. Ich freue mich, dass du dich gemeldet hast :-)

Ryan: Danke für den Idioten! Wahrscheinlich hast du Recht, ich bin einer. Ich schließe demnächst alle Türen ab. Aber mal im Ernst Mag…, was erwartest du dir davon. Was erhoffst du dir? Ich verstehe deine Beweggründe nicht!

Mag: Publicity

Mag: Nein, quatsch. Klapp den Mund ruhig wieder zu. Ich erwarte und erhoffe nichts. Aber alleine richtet dich das zu Grunde. Ich kenne das. Aber das tut momentan hier nichts zur Sache! Ich will deine Freundin sein

Mag: Ok, warte…, vergiss dass mit der Freundin. Also schon eine Freundin, aber nicht in dem Sinne

Mag: Ich schreibe mich um Kopf und Kragen. Ich möchte deine Freundin sein! Aber freundschaftlich halt.

Ryan: Ok, mein Mund ist wieder zu. Danke für die Aufzeichnungen. Nacht Mag

Mag: Das war’s? Kein Kommentar zu allem anderen? Ich bin entsetzt! Bin jetzt eh putzmunter. Und beleidigt.

Diese Frau macht mich verrückt. Ich überlege ernsthaft nochmal zu antworten. Diesen Drang hatte ich noch nie bei einer Frau. Noch nicht mal vor dieser ganzen Sache hier. Wieso reizt sie mich so? Soll ich ihr das wirklich abkaufen? Eine Freundin sein. Wer´s glaubt. Alle Weiber sind gleich. Sie kann keine Ausnahme sein. Was mache ich nur…

Mag

So ein Idiot. Er antwortet wirklich nicht mehr. Das deprimiert mich regelrecht! Glaubt er mir nicht? Ich werde trotzdem an meinem Plan festhalten und ihn jeden Tag besuchen. Er soll sehen, dass ich es ernst meine! Keine von seinen Schnallen bin, die er sonst hatte. Ich muss mich eh erst mal mit einer Freundschaft zufriedengeben. Er hat mich nie wahrgenommen. Also von daher…

Mag: Gute Nacht Ryan. Bis morgen

Mit dieser letzten Nachricht an ihn, mache ich mein Handy aus und drehe mich um. Auch wenn ich jetzt nicht mehr wirklich schlafen kann.

Die Nacht war der absolute Graus. Erst konnte ich nicht einschlafen und dann hat der scheiss Wecker geklingelt. Träge lasse ich mich aus dem Bett plumpsen und schlürfe ins Bad um zu duschen. Mich quält das alles. Die Gedanken an Ryan machen mich fertig. Was, wenn er mich wegstößt? Mehr als eine Freundschaft kann ich ihm momentan nicht anbieten. Ich muss ihm zeigen, dass er doch in mir jemanden sieht, dem er vertrauen kann. Ihm weiterhin meine Notizen bringen und gucken was die Tage so bringen. Das Duschen hat mich etwas aufgeweckt, aber jetzt brauch ich erstmal noch einen Kaffee um in die Puschen zu kommen. Hoffe der Tag vergeht heute schneller. Als ich meinen Kaffee angesetzt habe, gehe ich in mein Zimmer, hole mein Handy und schalte es wieder ein. Und tatsächlich, es zeigt mir eine neue eingegangene Nachricht an. Ich öffne voller Hoffnung die Nachricht und sehe, sie ist von ihm. Sofort macht mein Herz einen Sprung.

Ryan: Tut mir leid, Mag. Sei nicht beleidigt. Ich kann momentan einfach niemandem trauen. Hat nichts mit dir zu tun. Du denkst ich brauch eine Freundin ;-) wahrscheinlich ja, keine Ahnung. Freu mich auf deinen Besuch heute, aber erwarte nicht zu viel. Bis Später. Träum was Schönes

Oh mein Gott. Er hat mir doch noch mal geschrieben. Mann, muss ich doof aussehen. Ich grinse wie ein Honigkuchenpferd. Mein Kaffee ist mittlerweile auch kalt. Kotz. Aber gut. Hol ich mir dann einen bei Starbucks. Hmm. Lecker das Zeug dort. Macht mich total süchtig. Beim Blick in den Spiegel platzt ein lauter Schrei aus mir heraus. Scheisse! Meine Haare stehen in alle Richtungen und am meisten kotzt mich dieser Pickel an. Wieso hasst mich das Universum nur so? Ja, ich habe gesagt ich will nur eine Freundschaft, aber ich mag ihn auch. „Fuck Universum.“ Ich schaffe es nie rechtzeitig in die Uni, gestehe ich mir genervt ein.

Ich habe eine halbe Stunde später alles versucht und trotzdem reicht es nicht. Aber heute steht eine wichtige Klausur an, die ich nicht verpassen darf. Ich habe gefühlt eine Tonne Make-Up drauf und fühle mich auch so. Wie überrollt. Platt. Verdammt, und den Kampf mit den Haaren... naja, den habe ich auch nur halb gewonnen. Aber meine blonden Haare brauchen irgendwie immer eine Sonderbehandlung. Dennoch schlüpfe ich in sexy Unterwäsche, um mich etwas besser zu fühlen. Die gibt mir an solchen Tagen wie heute etwas Besonderes. Schnell noch paar kurze Shorts an und ein Tank Top und auf geht´s.

Zur Uni bin ich förmlich mit meinem Auto geflogen und habe es gerade so noch rechtzeitig geschafft. Jetzt den scheiss Test meistern und dann habe ich es für heute schon geschafft. Dann kommt mein kleiner Kampf mit Mister Sexy. Meine Lippen ziert ein leichtes Lächeln und es fühlt sich gut an. Auf dem Weg zum Kurs bin ich total in Gedanken und remple aus Versehen jemanden an. Ich hebe den Kopf und da steht sie. Die größte Bitch an der Schule. „Oh, Hallo Rose. Tut mir leid“ sage ich voller Verbitterung. Drehe mich um und gehe einfach weiter. Die muss mir nicht doof kommen. Mir haben sich die Nackenhaare aufgestellt vor Wut. Ich hasse sie regelrecht. Ich muss runterkommen. So aufgebracht, schaffe ich den Test nicht. Verflucht.

Wildes Treiben herrscht im Saal, als ich mich an meinen Platz setze. Getuschel dort, Getuschel hier. Aber das interessiert mich nicht. Ich konzentriere mich auf mich selber. Mein Blick huscht zum Platz von Ryan und klar, der ist leer. Ich fixiere so sehr den Platz, dass ich unseren Prof gar nicht mitbekomme. „Sind sie bereit für den Test, Miss Danes?“ Damit reißt er mich aus der Trance, reicht mir meinen Test und geht weiter.

Ryan

Ob sie heute wirklich kommen wird? Ich bin mir total unsicher. Soll ich sie rein bitten? Mich einfach oben verstecken? Das klingt wie ein Weichei, aber das ist mir momentan total egal. Ich habe zu keinem mehr Vertrauen. Stehe alleine da und das ist kein schönes Gefühl! Ja, so sieht es aus. Ich bin ab jetzt ein Einzelgänger. Und dann ist da Mag! Meine Gedanken kreisen um sie. Immer wieder stelle ich mir die gleichen Fragen. Was erhofft sie sich von dem Ganzen hier. Wirklich nur eine Freundschaft? Meint sie es ernst oder will sie mich sogar für diese Bitch aushorchen? „Verdammt.“ Brülle ich in meinem Haus laut raus. Meine Finger fahren durch meine Haare. Ich bin sowas von am Arsch und total fertig. Glaube, ich sollte mal ein wenig auf dem Laufband laufen gehen. Meine Aggressionen abbauen. Ich muss mich einfach abreagieren.

Ziehe mir schnell was zum Laufen an und schon bin ich auch auf dem Band. Nach einer knappen Stunde klingelt es oben an meiner Tür. Verdammt. Wer ist das denn jetzt? Ich schalte das Band aus, greife nach meinem Handtuch und gehe nach oben. Da klingelt es schon wieder. Ich atme tief durch und mache langsam die Tür auf.

Und da steht sie! Kurze Hosen und ein Top an. Ihre Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden und einzelne Strähnen hängen verwirrt in ihrem Gesicht rum. Ohne zu zögern habe ich aufgemacht. Bin ich eigentlich von allen guten Geistern verlassen? Ihr Blick klebt an meinem nassen Oberkörper. Ihr Blick inspiziert mich regelrecht. Nachdem ich mich geräuspert habe, sehe ich wie sie rot wird und mich ansieht. „Oh…Äh…, Hey. Ich wollte nur sagen dass…!“ „Selber hey“ unterbreche ich sie und antworte ihr. „Willst du vielleicht reinkommen?“ Ihre Augen werden groß. Verwirrt sieht sie sich um. „Du musst auch nicht.“ „Doch…, sehr gern…, eigentlich“ stottert sie auf einmal. Ich muss verrückt sein. Was mache ich bitte hier. Was wenn sie wie sie ist? Ok, ich sollte vielleicht keine voreiligen Schlüsse ziehen, aber diese verdammte Angst. Ich trete vorsichtig beiseite und sie tritt zögerlich ein. „Setz dich doch, bitte.“ „Danke.“ Sie hält ihren Blick gesenkt. Wahrscheinlich hat sie Angst mich wieder anzustarren. Was mir ein leichtes Grinsen entlockt. „Also“ fange ich an.

„Was gibt es Neues?“ Sie hebt ihren Blick und guckt mir direkt in die Augen. „Ja, also, eigentlich nichts. Wir hatten heute bloß diesen Test. Ich habe heute keine Unterlagen für dich.“ Ihre Wangen röten sich leicht. „Aber ich habe dir gesagt, dass ich jetzt jeden Tag kommen werde.“ „Das ist schon dreist, das weißt du?“ necke ich sie. Sie senkt ihren Blick wieder und nickt bloß. „Ähm…, ich weiß es ist unpassend, aber kann ich fix Duschen gehen? Ich war gerade auf dem Laufband und stinke wie ein Tier.“ Ihr Kopf schnellt zu mir rum. „Ich kann auch gehen. Es tut mir leid. Ich wollte dich nicht stören.“ „Wenn du zehn Minuten hast, dann würde ich mich beeilen.“ „Ok, dann warte ich, wenn dir das auch wirklich recht ist?“ „Bis gleich.“

Ich drehe mich um, renne die Stufen rauf und geh schnell duschen. Das heiße Wasser prasselt auf meinen Körper und die Gedanken fangen wieder an zu trudeln. Ich muss verrückt sein, sie alleine im Wohnzimmer sitzen zu lassen. Wenn sie in meinen Sachen wühlt. Irgendwas sucht, um mich zu hintergehen? Verdammt. Meine Faust boxt gegen die nassen Fliesen vor mir. Ich dusche schnell zu Ende. Auf dem Weg nach unten ziehe ich mir mein Shirt an. Ich renne förmlich und fliege fast vor ihre Füße. Ihr Blick hebt sich und sie starrt mich an. Sie sitzt noch an derselben Stelle wie vorhin, als ich duschen gegangen bin. Verdammt hat sie überhaupt geatmet? Ihre Hände im Schoß verschränkt, blickt sie mich an wie eine Heilige. Ist sie eine verdammte Heilige? „Äh…, Sorry“ gebe ich verwirrt von mir „Ist schon gut.“ Sie schießt von meiner Couch hoch. „Ich wollte gerade gehen.“ Bei diesen Worten brennt bei mir eine Sicherung durch. „Moment“ fahre ich sie barsch an. „Was hast du hier gemacht?“ Ihre Antwort überrascht mich. „Auf dich gewartet. Habe mich nicht wegbewegt, von der Couch meine ich. Ich verspreche es dir.“ Es ist kaum noch ein Flüstern, das sie von sich gibt. Meine Hand greift nach ihrem Kinn. Drücke ihren Kopf nach oben und sehe ihr in die Augen. Es ist als ob sie mir darüber vermittelt das sie mir nichts Böses will. Ich sehe da so viel drinstehen. Aber auch ihre Ehrlichkeit bewundere ich. Aber sie blickt auch mir tief in die Augen. Ich glaube sie sieht, dass ich unschuldig bin. Oder sie hofft es einfach nur. Sie bleibt ganz ruhig auf meine Berührung hin. Zuckt nicht mal weg. Verdammtes Weib! Ich lasse meine Hand langsam sinken und sie senkt ihren Blick trotzdem nicht. Sie räuspert sich. Und damit ist der Bann gebrochen. Wir treten augenblicklich voneinander weg. Ich räuspere mich auch. „Willst du was trinken, Mag?“ „Sehr gerne. Wasser, wenn du hast“ Ich schlendere in die Küche und hole ihr das gewünschtes Getränk. Dann setze ich mich zu ihr auf die Couch.

Mag

Ich bin fix und fertig. Der Anblick von seinem schweißnassen Körper hat mir jeden Verstand geraubt. Die kleinen Tropfen, bahnten sich ihren Weg über seinen Körper bis in seinen Bund der Shorts. Mich durchzuckt es regelrecht. Er hat mir die Tür geöffnet und mich rein gebeten. Das war mehr als ich mir gestern erhofft habe. Vor allem, weil ich heute gar keine Unterlagen für ihn habe. Aber ich habe es ihm versprochen. Und ich halte meine Versprechen! Ich habe mich auf seine Couch gesetzt und er vertraut mir. Wahnsinn. Ich könnte hier alles machen, während er duschen ist. Aber er hat Vertrauen. Ich könnte sogar verstehen, wenn es anders wäre, aber ich bin leicht sprachlos. Ok zugegeben, ich traue mich auch nicht, mich zu bewegen. Kopfschüttelnd verdränge ich das. Ich höre wie er oben duscht. Verdränge die Gedanken an ihn, wie er duscht. Das ist unprofessionell Mag, rüge ich mich in Gedanken.

Ich höre ein leichtes Fluchen von oben. Die Dusche wird ausgedreht und ich höre eilige Schritte. Er rennt förmlich die Stufen runter und fällt fast vor meine Füße.

Wie süß er aussieht. Sein Haar tropft noch, so nass ist es und sein Shirt hat auch hier und da noch paar nasse Stellen. Ok, das mit dem Vertrauen ist so eine Sache. Aber ich verstehe es. Ich stehe auf und will mich verabschieden. „Moment.“ fährt er mich an. Das klingt alles andere als gelassen. Seine Frage schockiert mich regelrecht. „Was hast du hier gemacht?“ Was soll ich sagen? Mir dich beim Duschen vorgestellt? Also antworte ich, was ich wirklich hier gemacht habe. „Ich habe auf dich gewartet.“ Versichere ihm, dass ich nichts gemacht habe. Merke wie seine Hand mich zitternd am Kinn berührt. Es ist ein unglaubliches Gefühl. Es ist total elektrisierend. Aber schön. Er hebt meinen Kopf an und blickt mir in die Augen. Ich versuche alles rein zu legen was er wissen muss. Und wahrscheinlich noch mehr und gebe mehr Preis als mir lieb ist. Aber ich sehe auch in seine braunen Augen, die mich fixieren. Er sucht etwas in meinen. Ich spüre es. Er zögert. Aber ich sehe, dass er es versuchen will. Er löst seine Hand von meinem Kinn, aber ich halte trotzdem stand. Ich sehe es in seinen Augen, dass es ihn wundert, dass ich meinen Blick nicht senke.

Ich fühle seine Berührung immer noch an meinem Kinn. Es ist ein winzig kleiner Flächenbrand auf meiner Haut. Es kribbelt. Aber ich bin nicht hier um ihm Avancen zu machen. Nein, ich bin hier als seine Freundin. Ein Kloß bildet sich in meinem Hals und ich räuspere mich. Verdammt! Der Bann ist gebrochen. Er wirkt verletzt. Dennoch wundert mich seine nächste Frage. „Willst du was trinken, Mag?“ Als ich meiner Stimme wieder traue, stimme ich dem zu. Er kommt mit dem Glas Wasser zu mir zurück und setzt sich mit angemessenem Abstand zu mir auf die Couch. „Hier dein Wasser.“ „Danke.“ Ich nippe verlegen daran und stelle es wieder ab.

„Also…“ beginne ich und dann sprudelt es aus ihm heraus. „Ich bin am Ende, Mag. Meine Karriere ist vorbei. Ich kann kein Football mehr spielen und mein Jura Studium kann ich auch knicken. Ich bin suspendiert, solange dieser Scheiss nicht geklärt ist!“ „Was?“ bricht es total entsetzt aus mir heraus. „Das kann doch nicht sein. Die müssen dir doch irgendeine Chance geben.“ „Ich bin am Arsch. Sie wollen mich bald anhören und dann sehen sie weiter. Dann darf ich ihnen meine Variante erzählen und…, na ja. Ich glaub nicht, dass sie mich dann wieder studieren lassen. Frauen glaubt man eben mehr.“ Am liebsten würde ich seine Hand nehmen und aufmunternd drücken. Aber ich traue mich nicht wirklich. Nicht, dass er was Falsches denkt.

„Ähh…, sag mal…, ach vergiss es“ unterbreche ich meine Neugier. „Was wolltest du fragen?“ „Es ist blöd.“ „Schon gut. Frag schon, Mag.“ „Was ist eigentlich passiert?“ Ich werde ganz rot, aber ich halte meinen Blick auf sein gesenktes Gesicht. „Mag, ich will da gerade echt nicht drüber reden. Sorry.“ „Ist schon gut. Du wolltest es ja wissen“ schmunzle ich ihn an. Wir reden noch kurz über andere Sachen. Will ihn einfach gerne auf andere Gedanken bringen und dann habe ich mich auch schon verabschiedet. Ich glaube, so langsam freut er sich, dass ich komme. Ja, es ist erst der zweite Tag heute, aber mein Gefühl sagt es mir. Ich glaube, das kann was werden mit unserer Freundschaft.

Ryan

Wow. Das war mal ein schöner Nachmittag. Auch wenn es am Anfang krampfig war. Es war schön, sie hier zu haben. Sie hat mich doch etwas abgelenkt. Ich muss eben lernen, dass nicht alle Frauen gleich sind. Zumindest hoffe ich es. Aber Mag…, sie ist atemberaubend. Ihre langen blonden Haare. Diese blauen Augen. Ein Hingucker für jeden Mann. Der kleine Knackarsch in den kurzen Hosen. Mir fehlt echt die Sprache. Das Top, wie es sich um ihre Brüste geschmiegt hat. Da kann man echt ins Schwitzen kommen. Ich weiß nicht ob sie sich ihrer Reize überhaupt bewusst ist. Oder sie will mich doch nur verführen? Hör auf damit, Ryan! Ermahne ich mich gedanklich. Mag ist keine von ihnen. Kopfschüttelnd greife ich nach meinem Handy.

Ryan: Ja, es ist schon wieder spät, aber danke für den Nachmittag

Keine Minute später kommt ihre Antwort.

Mag: War noch wach. Kein Problem also. Sitze auf meinem Balkon und denke nach. Kann also nicht wirklich schlafen. Komme ja morgen wieder freue mich

Ein Schmunzeln ist auf meinen Lippen. Wieso bringt mich diese Frau auf ihre Art und Weise dazu, wieder in den Spiegel zu sehen? Verrücktes Weib!

Ryan: Worüber denkst du denn nach, kleine Mag? Vielleicht kann ich dir als Freund ja einen Rat geben J Komischerweise freue ich mich auch wieder auf dich. Ist das nicht eine Ironie, kleine Mag?

Mag: Wieso kleine Mag? Ich bin weiß Gott kein Zwerg.

Du nimmst also die Herausforderung an, mein Freund zu sein? Cool. Zum Glück siehst du gerade mein Gesicht nicht. Ironie hin oder her. Freu dich einfach, das tut dir gut.

Nein, die süße Mag ist kein Zwerg. Aber wir sind Freunde und da kann ich sie schlecht als Süße bezeichnen. Oder ihr sonst was für einen Kosenamen geben. Aber sie bringt mich immer wieder zum Lächeln. Wahnsinn. Wieso nur ist sie mir noch nie aufgefallen?

Ryan: Wieso nur bist du mir noch nie aufgefallen, kleine Mag? Mit dir fühlt sich die Welt gleich wieder ein bisschen gerader gerückt an.

Ryan: Du findest selber, dass es eine Herausforderung ist, dein Freund zu sein? Wow. Das muss was heißen :-)

Mag: Du bist ein Spinner. Es ist keine Herausforderung. Du bist aber mein erster männlicher Freund. Das macht mich glatt verlegen :-)

Du bist mir dafür schon immer aufgefallen. Du hast mir auch schon mal in meine Augen geguckt, aber du warst am Quatschen mit deinen Kumpels. Ist schon etwas her. Egal. Vergiss das wieder.

Ryan: Ja, die ganzen Kumpels sind weg. Was sagt mir das? Sie waren keine. Denen ist ihre Karriere wichtiger. Warum glaubt mir nur keiner? „Kopfschütteln“ Ich habe dich sogar schon mal gesehen. „Peinlich“ Sorry!

Mag: Es ist zwar schon spät. Weiß auch nicht was du dazu sagst, aber willst du bei mir vorbeikommen. Glaub so quatschen ist schöner als zu schreiben. Hab sogar Bier da :-)

Ryan: Ich glaub das ist keine gute Idee, kleine Mag. Ich war seit Tagen nicht mehr draußen…

Mag: Kneif die Backen zusammen, schwing dich in dein Auto und dann sehe ich dich in ein paar Minuten hier bei mir.

Ryan: Verrücktes Weib!!! :-)

Sie schreibt mir ihre Adresse und ich bin tatsächlich auf dem Weg zu ihr. Freiwillig fahre ich zu einem Mädel. Ich muss mehr als verrückt sein. Ok zugegeben, ich habe mich wie ein Weichei umgesehen ob mich jemand beobachtet. Habe einfach um ihren Ruf Angst. Ich sitze vor ihrer Wohnung in meinem Auto und weiß nicht weiter.

Mag

Warum meldet er sich nicht? Vielleicht hätte ich lieber zu ihm fahren sollen? Ich bin so eine doofe Kuh. Habe ihn wahrscheinlich total in Verlegenheit gebracht mit meiner Schnapsidee. Gerade könnte ich mich echt selbst ohrfeigen. Greife nach meinem Handy. Ich schreibe ihm einfach und bitte ihn um Verzeihung. Wähle gerade seine letzte Nachricht aus, in dem Moment klingelt es. Ein leichter Aufschrei entweicht mir und mein Handy fällt zu Boden. Mein Herz rast. Ich kann mich nicht bewegen. Was, wenn er es ist? Oh mein Gott.

Es bleibt alles still. Schüttle meinen Kopf, um meine Verwirrung zu vertreiben und da klingelt es wieder. Ich sprinte zur Tür, drücke den verdammten Knopf und die Tür unten öffnet sich. Im Hausflur ertönen schwere Schritte. Sie klingen als ob sie sich nur langsam nach oben bewegen. Angst. Ich habe Angst. Was, wenn es nicht Ryan ist? Ich hätte fragen sollen. Aston wird mich umbringen, wenn er das erfährt. Es ist mitten in der Nacht.

„Verdammt…“ brumme ich vor mich hin. Dann sehe ich seinen blonden Schopf. Mein Herz macht einen Sprung. Erleichtert atme ich aus. Er ist hier. Ich versuche so cool wie möglich zu klingen. „Hey“ sage ich ihm viel zu schnell entgegen. „Hi.“ Er ist so schüchtern. Verlegen schabt er sich über sein Kinn. Das hätte ich nie gedacht. Ryan und schüchtern. Aber es passt zu ihm. „Komm rein.“ Er zögert kurz. Ich schnappe mir seinen Arm und ziehe ihn rein. Dabei streift er meine Brust mit seinem Arm und mich durchströmt ein Stromschlag. Ich erzittere und versuche zu lächeln. „Tut mir leid“ entschuldigt er sich sofort. „Was meinst du?“ gebe ich mich unschuldig. „Ich wollte dir nicht zu nahetreten.“ Verdammt. Er hat es doch gemerkt. Meine Wangen werden leicht rot. „ Macht nichts. War mein Fehler“ sag ich schnell. „Ich habe dich ja förmlich reingezogen.“ Ich zwinkere ihn an und bitte ihn, durchzutreten. Er geht vor mir her ins Wohnzimmer. Ich bewundere das Spiel seiner Muskeln, seinen Po, der sich in die Jeans schmiegt wie eine zweite Haut. Bin einfach sprachlos und räuspere mich. „Ähh… möchtest du gerne etwas trinken?“ Er kratzt sich verlegen am Kopf. „Ich glaube, ich würde das Bier nehmen“ gibt er immer noch verschüchtert zurück. „Ok, dann bringe ich es dir.“

Ich gehe in die Küche, hol ihm sein Bier und mir auch eins. Atme kurz tief durch um gleich in den nächsten Kampf zu starten. Eigentlich trinke ich nicht viel Bier, aber in guter Gesellschaft schmeckt es mir auch mal. Ich ziehe mir einen guten Wein vor. Aber jetzt passt genau das. Reiche Ryan sein Bier und er trinkt etwas davon. „Wollen wir auf meinen Balkon gehen oder wollen wir es uns lieber auf meiner Couch bequem machen?“ „Lass uns hier drinnen bleiben. Bitte.“ Es liegt ein leichtes, stummes Flehen in seiner Stimme. Ich glaube er fühlt sich nicht wohl an der Luft.

„Kein Problem. Setz dich einfach und mach es dir bequem. Fühl dich wie Zuhause.“ Er atmet tief ein und wieder aus. „Alles gut bei dir?“ „Mag…! Was soll ich sagen? Ich serviere mich dir hier auf einem Silbertablett.“ Seine Stimme zittert mit jedem Wort immer mehr. „Also ich sehe dich nur auf meiner Couch sitzen“ versuche ich daher zu witzeln. „Ich sehe kein Tablett.“

Ein leichtes Grinsen ziert seinen schönen Mund. „Du bist echt unglaublich.“ Meine Wangen färben sich. „Danke.“ „Nein, ich meine es ernst. Ich saß lange Zeit unten in meinem Auto musst du wissen. Habe mich gefragt, warum ich eigentlich hier bin. Ich bin ein totales Weichei. Ich habe vor allem Angst im Moment.“ „Ich kann das verstehen, Ryan.“ Ich rutsche etwas näher und greife nach seiner Hand. Das passiert ganz automatisch. Streichle leicht abwesend darüber. Als es mir bewusst wird stocke ich leicht. Ich blicke in sein Gesicht und sehe wie er auf unsere Hände blickt. Aber er zieht sie nicht weg. Ich mache weiter und lasse mich nicht beirren. Wir sitzen da und schweigen. Aber es ist kein unangenehmes Schweigen. „Möchtest du etwas Fernsehen?“ platzt es auf einmal aus mir heraus? „Nein. Deswegen bin ich nicht hier.“ „Weswegen dann?“ „Ich fühle mich wohl in deiner Nähe, Mag. Viel zu wohl!“ Leichte Röte ziert seine Wangen. „Versteh das jetzt bitte nicht falsch.“ „Du, mach dir keinen Kopf. Ich habe dir eine Freundschaft angeboten ohne Hintergedanken. Du kannst mit mir gerne über alles reden. Ich bin offen für alles. Also, Mist.“

„Schon gut, kleine Mag. Ich verstehe dich.“ „Es ist schön, dass du da bist“ unterbreche ich wieder die eingekehrte Stille. Er räuspert sich. „Sag mal darf ich mal in dein Bad?“ „Klar. Den Flur entlang und dann die letzte Tür links.“ „Danke.“ Er erhebt sich und geht schnellen Schrittes von mir weg. Verdammt. Ich habe es vermasselt.

Ryan

Ich bin so ein Idiot. Mit einer Frau befreundet zu sein kann nie gut gehen. Vor allem nicht mit einer so umwerfenden und heißen Frau. Ich stütze meine Hände am Waschbecken ab und lasse meinen Kopf hängen. Meine Gedanken drehen sich. Ich muss hier raus. Schnellstmöglich!

Drehe das kalte Wasser auf und lasse es mir über meine Hände laufen. Das tut gut. Ein leises Klopfen an der Tür lässt mich zusammenzucken. „Alles ok bei dir, Ryan?“ Ihre Stimme, die wie von einem Engel klingt, durchfährt mich. Ich antworte nicht. Wasche mein Gesicht mit dem kalten Wasser und es wird nicht besser. Höre im nächsten Moment wie sich der Griff dreht und die Tür geht auf. „Ryan?“ Ich habe Panik. „Hau ab Mag“ fahre ich sie daher an. Ich drehe durch. Sie darf mich so nicht sehen. Höre wie ihre Schritte immer näherkommen. Fühle ihre warme Hand an meiner Schulter. „Ryan…, was ist los? Ich mache mir Sorgen.“ Ich schalte das Wasser aus und schüttle den Kopf. Im Augenwinkel sehe ich einen orangen Punkt. Mein Kopf dreht sich leicht und sie hält mir ein Handtuch hin. „Ryan.“ Ihre Stimme, nicht mehr als ein Flüstern, durchdringt mich. „Ich muss gehen Mag.“ Presse ich zwischen meinen Zähnen hervor.

„Nein“ platzt es aus ihr heraus. „Du musst mir nichts erklären, aber so lasse ich dich nicht fahren.“ Ich nehme das Handtuch und mache mich trocken. Ihre Hand gleitet zu einer von meinen. Ihr Blick geht mir bis ins Mark. „Was hast du auf einmal nur? Habe ich etwas falsch gemacht? Du bist total blass. Ich musste nach dir sehen. Du warst ziemlich lange weg. Ich wollte nicht in deine Privatsphäre eindringen“ gesteht sie mir. Ihr schuldiger Blick zerreißt mich fast. „Ryan du zitterst.“ Um mich herum passiert alles wie von selbst. Ich gehe vor ihr auf die Knie. Kann mein Gewicht nicht mehr halten. Sie versucht alles, aber bricht mit mir zusammen. Sie krabbelt auf meinen Schoß und zieht mich in ihre Arme. „Alles wird wieder gut, Ryan.“ Sie streichelt mir sanft über den Rücken, bis ich aufhöre zu zittern. Merke wie ihre Finger nach vorn gleiten zu meinem Gesicht. Ihre Hände gleiten links und rechts zu meiner Wange. Sie hebt meinen Kopf an und sieht mir in die Augen. Ich rechne mit allem nur nicht damit.

„Komm und lass uns ins Bett gehen.“ Mein Blick muss Bände sprechen. Sofort lässt sie mich los und springt auf. „Es tut mir leid.“ Stammelt sie vor sich hin und geht. Ich sitze hier in ihrem Bad, auf ihrem Boden und fühle mich alleine. Entschließe mich kurze Zeit später aufzustehen und sie zu suchen.

Sie sitzt zusammengekauert auf ihrer Couch. „Es tut mir leid, Mag. Ich sollte jetzt gehen.“ „Nein.“ Es ist ein Flüstern, aber ich habe es verstanden. „Ich habe auch ein Gästezimmer. Du musst dir keine Sorgen machen. Ich werde dir schon nicht zu nahekommen.“ Gibt sie immer noch leise von sich. Als ob ich Angst hätte dass sie mir zu nahekommen könnte. „Mag, darum geht es nicht.“ Sie erhebt sich und kommt auf mich zu. „Du bleibst.“ Sagt sie mit straffem Ton, der keine Widerrede duldet. „Komm.“ Sie geht an mir vorbei und ich folge ihr. Ich bin so ein Trottel. „Hier ist das Gästezimmer und dort ist meins. Du darfst auch gerne bei mir liegen. Ich habe zwei Decken. Falls du lieber Gesellschaft hättest.“ Bietet sie mir an.

„Danke dir, kleine Mag.“ Sie drückt mir einen Kuss auf die Wange und geht in ihr Zimmer. Lässt ihre Tür aber offen. Es liegt jetzt an mir. Natürlich entscheide ich mich nicht für ihr Bett. Nach einer Stunde wach liegen, stehe ich auf, gehe in die Küche und trinke einen Schluck Wasser. Auf dem Rückweg ins Zimmer bemerke ich, dass ihre Tür immer noch offensteht. Ich linse hinein und da liegt sie.

Ihre blonden Haare liegen wie ein Fächer auf ihrem Kissen ausgebreitet. Sie hat wahrscheinlich extra ihre Nachttischlampe angelassen. Ich gehe rein und schalte sie aus. Auf dem Weg nach draußen, bleibe ich abrupt stehen. „Bleib.“ Flüstert sie. Ich hätte schwören können, dass sie schläft. Schließe ihre Tür und gehe zurück zu ihrem Bett. Lege mich hin und fühle mich auf einmal wieder wie angekommen. „Du hast lange auf dich warten lassen“ flüstert sie in die dunkle Stille ihres Zimmers. „Ich war mir einfach nur unsicher“ gestehe ich ihr. „Schlaf“ ist alles was sie noch von sich gibt. Ein leichtes Rascheln dann ist alles still. Mein letzter Gedanke, ich kann eh nicht schlafen.

Es ist hell. Die Sonne strahlt und ich fühle mich wohl. Aber es ist viel zu heiß. Ich öffne meine Augen und sehe sie. Jetzt weiß ich, warum mir so verdammt warm ist. Ihr Kopf liegt auf meiner Schulter. Ein Arm ist um meine Taille geschlungen und ein Bein liegt quer über meinen Beinen. Sie liegt mit unter meiner Decke. Mein einziger Gedanke. Weck sie nur nicht auf. Es fühlt sich so gut an. Ihr weicher und seidiger Körper wie er sich an meinen schmiegt. Am liebsten würde ich sie enger an mich ziehen. Verdammt. Wie kann ich sowas nur denken in meiner Situation. Frauen sind Tabu! Aber ein anderer Kerl an ihrer Seite? Mir wird schlecht. Mich durchzuckt es regelrecht. Verdammt.

„Hmm“ gibt sie von sich. Es klingt total niedlich. Verdammt, verdammt. VERDAMMT. Ihr Körper bewegt sich und sie erstarrt. „Guten Morgen“ sage ich. Sie rückt blitzschnell von mir weg als ob ich die Pest habe. „Ryan. Ich… Äh… Es tut mir leid.“ „Kleine Mag… alles ist gut.“ Sie springt blitzschnell aus ihrem Bett. „Ich bin im Bad. Duschen!“

Ihre straffen Brüste drücken sich durch ihr Schlaftop und lassen meine Morgenlatte nur noch mehr schmerzen. Sowas hatte ich schon ewig nicht mehr. Hey Kumpel, wir sind nur Freunde. Als ob er mit mir spricht, sagt er, dann mach es zu Freunden mit gewissen Vorzügen. Ich höre wie sie duscht. Das ist reine Folter. Ich springe aus dem Bett, ziehe mich an und verschwinde aus ihrer Wohnung.

Mag

Ich habe die Dusche angeschaltet. Sitze aber davor. Mir laufen Tränen. Ich will nicht, dass er mich hört. Mein größter Schwarm lag neben mir im Bett. Ich will nur Freundschaft. Aber mein Körper will mehr. Ich muss lernen, besser damit umzugehen. Als meine Tränen versiegt sind, rapple ich mich auf. Steige unter die Dusche und mache mich fertig. Nur in Handtuch gewickelt verlasse ich das Bad.

„Ryan?“ Ich rufe nach ihm um ihm klar zu machen, dass ich jetzt in mein Zimmer komme. Aber er antwortet nicht. Überquere den Flur und mein Zimmer ist leer. „Ryan?“ Rufe ich wieder. So langsam bekomme ich Panik. „Ryan!“ Ich renne ins Wohnzimmer, gucke in die Küche. Er ist weg.

Die Erkenntnis trifft mich wie einen Schlag. Blitzartig kommen mir die Tränen. Ich breche in meiner Küche zusammen. Auf dem Boden gekauert, lasse ich meinen Gefühlen freien Lauf. Wieso nur hat er mir das angetan?

Ich weiß nicht wieviel Zeit vergangen ist, aber ich nehme in meinem leicht benebelten Hirn ein Leuten wahr. Bis ich realisiere, dass es meine Klingel ist. Es ist fast ein Sturmklingeln. Langsam löse ich mich vom Boden. Alles schmerzt. Gehe zur Tür und drücke auf den Knopf. Ich öffne meine Tür und gehe in mein Zimmer mich anziehen. Wahrscheinlich Sam, die mal wieder nach dem Rechten sehen will. Höre wie sich meine Tür schließt, deswegen rede ich einfach drauf los.

„Hey Sam. Ich bin in meinem Zimmer.“ Rufe ich ihr entgegen. Aber es kommt keine Antwort zurück. Ziehe mir gerade ein leichtes Kleid über da sehe ich ihn im Spiegel. Mir dreht sich auf einmal alles und ich merke wie es mir die Füße unterm Boden wegzieht. Merke wie ich zusammensacke und warte auf den Aufprall.

Aber es passiert nicht. Ich falle in ein paar starke Arme, die mich auffangen. Dann bin ich weg. Als ich aufwache liege ich wieder in meinem Bett. Der Fernseher ist an und die Rollos zugezogen. Ich richte mich so schnell auf das mein Herz wummert wie ein Schlagzeug. Leichte Kopfschmerzen drücken und ich zucke zusammen.

„Hey, kleine Mag.“ Verwundert sehe ich zu ihm. „Was…, äh, also was machst du hier?“ „Ich gucke etwas Fernsehen“ sagt er mir ganz verlegen. „Ich war Frühstück holen und dann war das da eben passiert. Dachte, ich leiste dir hier Gesellschaft.“ „Hättest du nicht etwas sagen können?“ fahre ich ihn etwas an, was mir gleich wieder leidtut. „Ich wollte dich beim Duschen nicht stören. Es tut mir leid, Mag.“ „Ich habe mir Sorgen gemacht.“ Aber eher, dass er geflüchtet war wegen mir.

Schuldbewusst sieht er mich an. „Es tut mir wirklich leid, Mag. Das nächste Mal mache ich es. Versprochen.“ Es gibt also ein nächstes Mal. Ok. Meine Gedanken sind ganz wirr. „Ich weiß ja nicht ob du noch etwas Frühstücken möchtest, aber ich habe diverse Leckereien geholt. Ich habe auch verschiedene Kaffees geholt.“ Ganz verlegen senkt er seinen Blick. Irgendwas erzählt er mir nicht. Aber gut. Vielleicht erzählt er es mir später. „Lass uns ins Wohnzimmer gehen und etwas Frühstücken. Mir knurrt der Magen.“ Er schaltet meinen Fernseher aus und folgt mir. „Was hast du denn für Kaffee geholt?“ „Also ich habe: Cappuccino, Latte Macchiato, Milchkaffee und irgendwas ganz Abgefahrenes. Aber ich habe vergessen was es ist. Sorry“ sagt er mit einem Lächeln auf den Lippen. „Kein Ding, dann nehme ich auf alle Fälle das Mysteriöse.“ „

Ich habe Schokocroissant, normale Croissants und Brötchen.“ Zählt er weiter auf. „Das alles nur für mich?“ Wahnsinn. Er hat sich extra für mich in die Öffentlichkeit gewagt. „Danke.“ Gebe ich vor Rührung noch von mir. „Also, es ist eher für uns beide. Nicht nur für dich.“ „Ja, das war mir schon klar.“

So langsam kommt Leichtigkeit in unser Gespräch. Wärme mir mein mysteriöses Getränk schnell auf und schon sitzen wir auf der Couch und frühstücken. Wir reden über belangloses Zeug. Wie es war, Football zu spielen. Er schwelgt in Erinnerungen. Es ist schön seiner Stimme zu lauschen. „Ok, Mag, also ich muss dir was gestehen.“ „Oh, jetzt bin ich aber gespannt.“ Ich setze mich aufrecht hin und gucke ihn ganz aufgeregt an. Er verzieht seine Mundwinkel und sieht auf einmal ganz traurig aus. „Hey, nichts kann so schlimm sein dass du jetzt so ein Gesicht …!“ Ich konnte meinen Satz gar nicht richtig beenden da fiel er mir schon ins Wort. „Ich bin ein Arsch, Mag.“

Ich schüttle den Kopf. Greife reflexartig nach seiner Hand, aber er zieht sie weg und steht auf. Was habe ich denn nur falsch gemacht? „Was ist los mit dir? Wieso denkst du so von dir?“ „Du hattest Recht.“ „Womit?“ „Ich bin heute früh förmlich aus deiner Wohnung geflohen. Ich habe es hier nicht mehr ausgehalten.“ Seine Worte schockieren mich leicht. „Ich verstehe nicht ganz.“ „Ich bin eine Runde um den Block gelaufen. Musste mich ablenken. Brauchte einfach Abstand. Und dann komme ich wieder…, finde dich total verzweifelt vor. Du bist in meinen Armen zusammengebrochen, Mag.“ „Ach das, dass war nur der Kreislauf.“

„Mag.“ Mahnt er mich. „Ich bin damit nicht klargekommen. Es erinnert mich viel an meine Situation. Ich freue mich dich als Freundin zu haben, aber ich muss mir gut zureden das du nicht bist wie die anderen. Es tut mir leid. Ich will dich auch nicht verletzen, aber momentan habe ich einfach ein Vertrauensproblem“ gesteht er mir.

Meine Hand macht sich wieder selbständig. Greife an seine Wange und streichle leicht darüber. Sein leichter Bartschatten krabbelt an meiner sensiblen Handfläche. Aber es ist ein schönes Gefühl. „Mach dir keinen Kopf. Ich kann dich verstehen. Besser als du dir vorstellen kannst“ brummle ich den Rest so vor mich hin. „Ich glaube eher, dass ich mich entschuldigen muss. Aber das war im Schlaf passiert. Es sollte keine Anmache sein.“ Lächle ich ihm verlegen entgegen. „Also dann. Schwamm drüber?“ Wir reichen uns die Hände und machen entspannt mit dem Frühstück weiter. Seine Worte gehen mir durch den Kopf, aber darüber kann ich später weitergrübeln. „Danke, dass du so ehrlich zu mir bist“ gestehe ich ihm. „Ich glaube das war ein gewaltiger Schritt für dich.“

Ryan

Ich musste einfach zu ihr zurückkommen. Kann einfach nicht meinen einzigen momentanen Freund ausschlagen. Sie ist wirklich etwas Besonderes. Auch wenn ich erst mit einer Ausrede zurückgekommen bin. Ich musste ihr am Ende die Wahrheit sagen. Mein Gewissen hat mich innerlich aufgefressen. Das war ich ihr einfach schuldig. Ich bin heute sowas von über meinen Schatten gesprungen. Für eine Frau war ich im Starbucks. Die Ironie verfolgt mich regelrecht. Aber ich kann mich auch nicht weiter zuhause einschließen. Nehme es wie es kommt. Vielleicht frag ich sie einfach mal, ob wir nicht mal ins Kino zusammen wollen, oder Inliner fahren. Das hab ich schon so lange nicht mehr gemacht. Ich mag dieses Weib.

Ryan: Lust morgen ins Kino zu gehen? Oder eine Runde Inliner fahren?

Mit einem Lächeln schicke ich die Nachricht ab. Ich hoffe innerlich schon, dass sie ja sagt. Aber vielleicht hat sie ja auch etwas vor.

Mag: Ich würde sehr gern etwas mit dir unternehmen. Ich will dich aber nicht drängen, mit mir rauszugehen :-)

Ryan: Kleine Mag, ich freue mich, aber bitte pack mich nicht in Watte. Ich habe es vorgeschlagen. Muss mal wieder raus aus meiner Bude. Also, wenn du dich überhaupt mit mir sehen lassen willst.

Mag: Spinnst du? Mir ist egal was die denken und sagen. Wir können gerne eine Runde Inliner fahren und danach ins Kino gehen ;-) habe morgen Zeit. Sam ist eh mit Nick beschäftigt.

Ryan: Ist Sam deine Freundin? Vielleicht lerne ich sie ja mal kennen. Freu mich auf morgen. Der Tag heute mit dir war schön. Auch wenn er bisschen schräg war.

Mag: Ja, Sam ist sogar meine beste Freundin. Haben schon viel miteinander durchgemacht. Sie war immer meine Quelle, wenn ich quatschen musste. Jetzt nehme ich dich einfach J geteiltes Leid ist halbes Leid.

Ryan: Hast du schön gesagt kleine Mag J ich entlasse dich für heute in deine Freiheit. Schönen Abend dir noch. Melde mich morgen früh.

Mag: Das wünsche ich dir auch. Bis später

Das ist wirklich ein verrücktes Weib. Sie nimmt ihren eigenen Ruf nicht so wichtig. Jeder denkt an sich. Warum sie nicht? Wieder liege ich wach und zerbreche mir mein beschissenes Hirn. Sie ist wie mein rettender Engel, der mich vor dem Untergang bewahrt. Mit ihr ist meine Welt wieder ein bisschen in die richtige Richtung gerückt worden. Sie gibt mir Halt. Ebenso wie es sich für Freunde gehört. Ich könnte glatt denken, ich bin ein Glückspilz.

Ryan: Liege wach in meinem Bett. Kann einfach nicht schlafen. Denk an dich, wie du nur so sein kannst. So selbstlos ohne mich wirklich zu kennen. Deine Freundschaft bedeutet mir wirklich viel. Versuche mein Problem mit dem Misstrauen in den Griff zu bekommen. Das bin ich dir schuldig. Schlaf schön kleine Mag. Fühl dich gedrückt.

Mag: Ich sitz auch wieder auf meinem Balkon. Mir geht es wie dir. Stress dich wegen mir nur nicht. Alles ist gut. Freu mich riesig, dich später wieder zu sehen. Schlaf du auch gut, großer Ryan :-)

PS: muss mir gerade den Bauch halten vor Lachen

Ryan: Jetzt hast du wegen mir auch noch Bauchweh. „Lach“ hast du nicht Bock vorbei zu kommen?

Ryan: Sorry, das war doof von mir. Vergiss das wieder. Ich komm morgen früh vorbei.

Minuten vergehen. Wieso kommt jetzt wieder nichts mehr von ihr? Habe ich doch etwas falsch gemacht? „Verdammt!“ brülle ich in die Stille meines Hauses.

Mag

Ich sitze in meinem Auto vor seinem Haus und weiß wieder nicht weiter. Er hat Recht. Ich bin verrückt. Habe ihm nicht geantwortet auf seine letzte Nachricht und jetzt traue ich mich nicht rein. Durchatmen Mag. Hol tief Luft, steig aus und geh zu ihm. Nach dem dritten Mal tief Luft holen, öffne ich meine Tür und geh auf seine zu. Stehe wie angewurzelt da. Stoße zittrig die Luft aus und höre wie er von drinnen brüllt. Was mich zusammenzucken lässt. Greife wie von selbst nach seiner Tür und mache sie auf. Da sitzt er auf seiner Couch. Er sieht fertig aus mit der Welt. Ok, ich breche schon wieder ein. Irgendwie. Er fährt sich mit seinen Fingern durch die Haare und stößt frustriert die Luft aus. Ich gehe auf ihn zu und fasse ihm an die Schulter.

„Ryan?“ Er springt auf und gibt einen Schrei von sich. Seine Arme schlingen sich um meinen Körper und ich mache es ihm gleich. Er zittert. „Alles ok, mit dir?“ Ich halte ihn. Streiche beruhigend über seinen Rücken. Bis er mich von sich stößt. Ich taumle, aber ich kann mich noch rechtzeitig fangen. „Ryan? Was ist los?“ Innerlich geht gerade etwas in mir kaputt. Ich weiß nicht was ich machen soll. Dieses Hin und Her macht mich wahnsinnig. Dass er so verschlossen ist bringt mich um. „Es tut mir leid, Mag.“ „Nein.“ Ich schüttle den Kopf. „Mir tut es leid. Ich bin schon wieder in deine Privatsphäre eingedrungen. Ehrlich, ich wollte gerade klingeln, da habe ich dich schreien hören. Ich musste nur noch rein um nach dir zu sehen. Als ich dich da hab sitzen sehen… Ich wusste nicht was ich machen sollte.“ Er kommt auf mich zu. Stellt sich vor mich und zieht mich wieder in eine Umarmung. „Mir geht es jetzt wieder gut, Mag.“

Mein Gehirn braucht kurz um zu realisieren was er gerade gesagt hat. Jetzt geht es ihm wieder gut? „Ist was passiert?“ frage ich so vorsichtig wie möglich. Merke wie er seinen Kopf schüttelt. „Ich bin ja jetzt da“ versichere ich ihm. Was soll ich sonst sagen? Meine Gefühle spielen in mir verrückt. Ich will ihn mehr als nur als Freund. Aber ihm kann ich dennoch nur eine Freundschaft anbieten. Muss eben das Beste daraus machen. Er wird schon mit mir reden, wenn er dazu bereit ist. „Komm lass uns setzen.“ Er hält mich noch einen kurzen Moment, dann löst er sich von mir. „Möchtest…“ Er räuspert sich. „Sorry. Möchtest du etwas trinken?“ „Wasser wäre ganz toll.“ Er kommt mit unseren Getränken wieder und setzt sich zu mir. „Mag… ich…, es tut mir leid. Ich wollte dir keinen Schrecken einjagen.“ Er lässt den Kopf sinken, ringt mit irgendetwas. Das sehe ich. Aber ich hake nicht nach. Gebe ihm die Zeit, die er braucht. „Es ist schön, dass du da bist“ stößt er mit leicht zitternder Stimme aus.

„Du hast mich doch gefragt ob ich nicht Bock habe zu kommen.“ Ich versuche eine Leichtigkeit hier rein zu bekommen. Er soll sich besser fühlen. „Und da habe ich mich in mein Auto geschwungen und bin gekommen. Ich fand das gestern toll. Deswegen dachte ich, ok, dann machen wir es heute einfach mal andersrum.“ Ich lächle ihn an und seine Gesichtszüge werden so langsam wieder weicher. Ein Anfang ist getan. „Ich muss dir was beichten.“ Herrlich wie er mich anguckt. Dieser skeptische Blick. „Schieß los.“ „Also, ja…, wegen morgen“ beginne ich und senke meinen Blick. Ich kann ihm einfach nicht dabei in die Augen sehen. „Ich habe schon verstanden, Mag“ höre ich bloß. „Nein.“ Ich schüttle den Kopf. „Du verstehst mich gerade falsch.“ Dennoch hebe ich noch immer nicht meinen Kopf. „Es ist nur…“ Ich hole tief Luft. „Ich kann keine Inliner fahren. Ich habe quasi auch keine.“

Meine Wangen färben sich leicht rot. Er antwortet nicht. Ich merke nur wie neben mir die Couch wackelt. Hebe meinen Blick und sehe wie er sich vor Lachen seinen Bauch hält. Er versucht es zwar zu unterbinden aber er schafft es nicht. Bricht in so herzliches Lachen aus, dass ich selber loslachen muss. Er steckt mich damit total an.

Ryan