Verlag: Emons Verlag Kategorie: Abenteuer, Thriller, Horror Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2018

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E-Book-Beschreibung Mein ist die Macht - Leon Sachs

Ein verstörend authentischer Thriller. Ein Bombenanschlag auf die Zentralmoschee in Köln erschüttert Europa, ein Attentat auf die Tochter des US-Prasidenten kann nur knapp verhindert werden. Als Alexander Kauffmann und Natalie Villeneuve erfahren, dass Natalies Onkel Fabrice hinter dem Attentat stecken soll, reisen sie überstürzt nach Köln. Was hat der Rabbiner mit einer jüdischen Terrororganisation zu tun? Oder brauchen mächtige Kräfte im Untergrund lediglich einen Sündenbock? Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, in dem Alex und Natalie erkennen: Sie können niemandem trauen – nicht einmal sich selbst.

Meinungen über das E-Book Mein ist die Macht - Leon Sachs

E-Book-Leseprobe Mein ist die Macht - Leon Sachs

Dieses Buch ist ein Roman. Handlungen und Personen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind nicht gewollt und rein zufällig.

© 2018 Emons Verlag GmbH

Alle Rechte vorbehalten

Umschlagmotiv: iStockphoto.com/Carther

Umschlaggestaltung: Nina Schäfer

Lektorat: Lothar Strüh

eBook-Erstellung: CPI books GmbH, Leck

ISBN 978-3-96041-377-6

Thriller

Originalausgabe

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Dieser Roman wurde vermittelt durch die Literaturagentur Lesen&Hören, Anna Mechler, Berlin.

Für Frania und UtzFür PatrickFür uns

PROLOG

20. November, Köln

Am Anfang war der Verrat, dachte Boris Ulbricht.

Der dichte Nebel schien die Geräusche ihrer schnellen Schritte zu verschlucken. Die Atemwölkchen, die ihren Mündern entwichen, vermengten sich augenblicklich mit der kalten, schweren Luft, die in diesen Tagen über Köln lag. Ulbricht blickte sich um. Nur einen Moment, um sicherzugehen, dass niemand sie beobachtete. Im gelben Licht der Laternen war von der Venloer Straße kaum etwas zu erkennen. Die Scheinwerfer eines Autos durchschnitten die weiße Nebelwand. Langsam glitt der Wagen an ihnen vorbei. Sekunden später waren die roten Rücklichter nicht mehr als ein fernes Flackern im Dunkel der Nacht. Zufrieden stellte Ulbricht fest, dass sich niemand für sie zu interessieren schien. Und sollte doch jemand zu dieser unchristlichen Zeit aus einem der Fenster der umliegenden Häuser in die Nacht blicken, würde er nur zwei dunkle Schemen erkennen, die um drei Uhr früh durch Köln-Ehrenfeld liefen. Der Nebel war ihr Freund.

Ulbricht sah wieder nach vorne. Auf den Rücken des Mannes, hinter dem er herlief. Er spürte, wie die Trageriemen seines Rucksacks in seine Schultern schnitten. Das Gewicht war brutal. Dazu trug er zwei kleinere Taschen links und rechts mit seinen behandschuhten Händen.

Dieser Typ hätte ihm wenigstens diese Last abnehmen können, ärgerte sich Ulbricht.

»Ich will nichts damit zu tun haben«, hatte der Mann gesagt, als Ulbricht ihm die kleinen Taschen in die Hand hatte drücken wollen. »Ich zeige Ihnen nur den Weg.«

Ulbricht hatte nur verächtlich gelacht.

Was für ein prinzipienloses Pack, dachte er. Sie waren bereit, ihre eigenen Leute zu verraten. Aber wenn einer wie er ihre Hilfe brauchte, taten sie nur das Nötigste. Doch er musste irgendwie in dieses Gebäude gelangen. Und der Mann, der nun vor ihm lief, war sein Schlüssel.

In diesem Moment gab sein Begleiter ihm ein Zeichen. Sie blieben stehen. Ulbricht sah zu, wie sein Begleiter an einem Schutzzaun herumfummelte und Sekunden später einen Spalt in dem Metallgestell öffnete. Das Loch war gerade groß genug, damit er hindurchschlüpfen konnte. Ulbricht folgte ihm, blieb aber mit einer Schlaufe seines Rucksacks am Zaun hängen. Er unterdrückte einen Fluch, befreite sich und betrat das Gelände, das er in den Monaten zuvor bis in den letzten Winkel erkundet hatte.

Ulbrichts Blick glitt am südlichen Minarett der Kölner Zentralmoschee hinauf. Die zwei goldenen Ringe des ausgehöhlten Gebetsturmes, die das Podest des Muezzins symbolisierten, waren gerade noch zu erkennen. Die fünfundfünfzig Meter hohe Spitze dagegen verschwand im Nebel.

»Hier entlang!«, flüsterte der Gehilfe.

Ulbricht wandte sich dem Mann zu und sah ihm in die Augen. Sein Begleiter, sein Türöffner, war ein junger Mann von vielleicht dreißig Jahren. Er wollte Mohammed genannt werden. Ulbricht war sich sicher, dass dies nicht sein richtiger Name war. Der spielte auch keine Rolle. Sie würden sich nach heute Nacht nie wiedersehen. Mohammed hatte eine Wollmütze tief in die Stirn gezogen. Sein Feuermal, das eine Hälfte seines Gesichts bedeckte, konnte er damit aber nicht verbergen. Die Lippen des Mannes schienen ansatzlos in die Wangen überzugehen. Im diffusen Licht der Laternen sah er angsteinflößend aus.

Ulbricht riss sich von Mohammeds Gesicht los und sah die Betonstufen hinauf, die auf den Vorplatz der Moschee führten. Er war schon viele Male hier gewesen. Auch nachts. Aber nie hatte er die Stufen nach dem Nachtgebet erklimmen können, wenn das Gotteshaus seine Pforten bis zum nächsten Morgen schloss und den Zugang mit dem Schutzzaun verriegelte. Er hatte sich Führungen angeschlossen und über das sechzehntausend Quadratmeter große Gelände alles gelernt, was es zu wissen gab.

Die Moschee war auf einem ehemaligen Fabrikgelände errichtet worden, das schon vor ihrem Bau die Heimat der muslimischen Gemeinde gewesen war. Über dreißig Millionen Euro waren in die Konstruktion aus Beton, Glas und Holz gepumpt worden. Zumindest offiziell. Inoffiziell waren es viele Millionen mehr gewesen, davon war Ulbricht überzeugt. Er hatte den vielen Besuchern zugehört, die sich für die offene, abstrakte Architektur begeistert hatten, für die fünfunddreißig Meter hohe Kuppel, für die beiden stilisierten Minarette. Wie er diese gespielte Bewunderung verabscheut hatte. Darüber, dass den Gebetstürmen die Form von Schreibfedern gegeben worden war, um die Bildung im Islam zu symbolisieren. Darüber, dass sie auch noch eine Bibliothek errichtet hatten, als Kubus gleich neben der Moschee. Darüber, dass alles zeigen sollte, wie weltoffen der Islam war. Ulbricht wurde schlecht bei dieser schamlosen Lüge. Noch schlechter wurde ihm aber bei dem Gedanken, dass das ach so tolerante Deutschland dieses Märchen schluckte.

Was war bloß los mit diesen Deutschen? Was war bloß los mit seinem Land? Diese Bundesrepublik Deutschland war nicht sein Land. Sie war eine Schande. Sie gehörte niedergerissen und neu erbaut.

Wieder mahnte ihn Mohammed zur Eile.

Ulbricht lief quer über die Treppe zum südlichen Minarett und lehnte eine der kleinen Taschen vorsichtig an den Fuß des Turms. Dann stieg er die Stufen zum Vorplatz empor. Über Natursteinplatten hinweg ging er an den Verwaltungsgebäuden vorbei. Davor hatte man einen dieser Brunnen errichtet, die so modern waren, dass niemand ihren Sinn verstand. Danach gefragt, wusste der Künstler mit Sicherheit eine bedeutungsschwangere Geschichte zu erzählen, die bei Zuhörern zu pseudonachdenklichem Nicken führte. Ulbricht dagegen hatte für so etwas nur Kopfschütteln übrig. Er ließ den Brunnen links liegen und schritt auf das zweite Minarett zu. Es ragte neben der Bibliothek vor einem Café in die Höhe. Er ging in die Knie, platzierte die zweite Tasche in der Rundung des Betongebildes und richtete sich unter Stöhnen wieder auf.

Der Rucksack auf seinem Rücken ließ ihn schwer atmen. Viel länger konnte er das Gewicht nicht mehr tragen.

Das musste er auch nicht.

Als sich Ulbricht zum Haupteingang wandte, sah er Mohammed an den fünf Meter hohen Flügeltüren stehen, durch die es in das Allerheiligste der Moschee ging. Der Mann mit dem roten Gesicht hielt ihm einladend eine der hölzernen Pforten auf.

Ohne Mohammed wäre er nie an diesen Punkt gelangt. Das musste er sich eingestehen. Der Mann hatte sich um den Wachmann gekümmert, der nachts patrouillierte. Die Sicherheitskameras hatte er außer Kraft gesetzt. Nun hielt er Ulbricht die Tür auf, zu der er den Schlüssel besorgt hatte. Hier sollten sich ihre Wege trennen. Eigentlich. Doch Ulbricht dachte nicht daran. Keine Zeugen waren besser als einer, der doch irgendwann reden konnte. Egal wie viel Geld Mohammed bekommen hatte. Egal ob der Mann noch radikaleren Gedanken folgte als er selbst.

»Sie kommen mit rein«, sagte Ulbricht bestimmt.

Mohammed blieb unbeweglich stehen.

»Das war keine Bitte.« Ulbricht trat einen Schritt zurück und bedeutete dem Mann vor ihm, durch die Tür zu gehen.

»Das war so nicht vereinbart.«

»Sie tun, was ich Ihnen sage. Sie sind gut bezahlt worden. Also rein da!«

Er hatte keine Zeit für diese Spielchen. Er zückte ein Militärmesser, das er in einer Scheide am Hosenbund trug. Doch im selben Moment, als er Mohammed am Arm packen und in die Moschee zerren wollte, griff der Mann mit der freien Hand hinter seinen Rücken und zog eine Pistole hervor. Ruhig und ohne den Anflug eines Zitterns richtete er sie auf Ulbricht.

»Ich verachte diese Gemeinde. Deshalb habe ich Ihnen geholfen. Aber ich verachte auch Sie.« Mohammed blickte Ulbricht ungerührt in die Augen. »Ich habe mich an die Abmachung gehalten. Also halten Sie sich jetzt auch an Ihre. Erledigen Sie, was Sie zu erledigen haben, und wir sehen uns nie wieder.«

Ulbricht erkannte, dass er geschlagen war. Zumindest für den Augenblick. Die Wut in sich unterdrückend, steckte er das Messer weg und trat in den Vorraum der Moschee. Er sah zu, wie Mohammed die Tür ins Schloss fallen ließ, sich umdrehte und über die Treppe im Nebel der Nacht verschwand.

»Verfluchter Araber!«, schimpfte Ulbricht.

Kurz spürte er das Verlangen, laut zu schreien und alles in Reichweite kurz und klein zu schlagen. Dann besann er sich, atmete tief durch und setzte den Rucksack vorsichtig auf dem Boden ab. Er holte einen LED-Handstrahler hervor, raffte den Rucksack am Trageriemen und betrat den Gebetsraum.

Er machte sich nicht die Mühe, nach muslimischer Sitte die Schuhe auszuziehen. Seine schwarzen Stiefel sanken in den türkisen Teppich ein, mit dem der Raum ausgelegt war. Ulbricht musste sich nicht groß orientieren. Der Raum war nach einer offenen, einfachen Struktur errichtet worden. Hinter ihm lag die Galerie für die Frauen. Vor ihm lagen zur Rechten die Predigtkanzel des Imams und zur Linken der Kursi, der Lehrstuhl, von dem aus Vorträge und Erklärungen zum Koran gehalten wurden. Ulbricht ging mittig auf die Gebetsnische zu. Die Mihrab, das hatte er mehrfach bei den Besichtigungen gehört, war wie die Moschee nach Südost ausgerichtet, in Richtung der Kaaba, des quaderförmigen, schwarzen Hauses im Innenhof der Heiligen Moschee in Mekka. Die Muslime, die hier auf die Knie sanken, sollten im Gebet ihr wahres Gesicht offenbaren.

Gleich, dachte Ulbricht, werde ich mein wahres Gesicht offenbaren.

Mit diesem Gedanken holte er eine Miniarmbrust aus dem Rucksack hervor. Er spannte einen Pfeil ein, an dessen Ende ein ultradünnes Stahlseil befestigt war. Mit einem Blick hinauf zur Decke der Kuppel positionierte er sich.

Er beruhigte seinen Puls. Nur diesen einen Versuch, mehr hatte er nicht. Er hob die Armbrust und blickte durch ein Leuchtpunktvisier. Im Nachtsichtmodus konnte er sein Ziel klar und deutlich erkennen. Ulbricht visierte es an und schoss.

Der Pfeil schlug mit einem dumpfen Geräusch ein. Durch das Visier kontrollierte Ulbricht das Ergebnis, zog am Seil und vergewisserte sich, dass der Pfeil seine Position hielt. Er hatte perfekt getroffen. Das Geschoss war in der Mitte eines Sternes eingeschlagen, der von einer gläsernen Konstruktion getragen wurde. Das herabhängende Seil war noch immer mit der Armbrust verbunden. Ulbricht verband die Waffe mittels eines Karabinerhakens mit dem Rucksack und betätigte einen Schalter an der Armbrust. Eine automatische Seilwinde übernahm den letzten Teil der Arbeit. Langsam schwebte der Rucksack, von der Armbrust getragen, zur Decke der Moschee empor. Noch einmal prüfte Ulbricht mit dem Strahler die Stabilität des Pfeils und die Position des Rucksacks. Dann nickte er zufrieden.

Er zog sein Mobiltelefon hervor. Sobald er in Sicherheit war, würde er eine Nummer wählen. Dieser Anruf würde im Rucksack und in den beiden Taschen an den Minaretten Sprengladungen auslösen. Die Explosionen würden so gewaltig sein, dass die Moschee wie ein Kartenhaus in sich zusammenfiel. Der Stolz der Muslime in Deutschland würde aufhören zu existieren. Und er, Boris Ulbricht, würde in seinen Kreisen zu einem der Anführer aufsteigen. Wenn nicht sogar zum einzigen echten Anführer.

Er war anders als die meisten seiner Mitstreiter. Er war keiner dieser Papierterroristen, die die deutsche Regierung bekämpften, indem sie den staatlichen Apparat mit einer Flut von Klagen und Einsprüchen lahmzulegen versuchten. Er sah sich auch nicht als Terrorist. Er war ein Territorist. Er kämpfte um sein Territorium. Um sein Recht, das Land, das ihm und seinen Vorvätern gehörte, vor jenen zu verteidigen, die es besetzten oder zu besetzen versuchten. Und dieser Kampf ließ sich nur durch Gewalt gewinnen.

Er wollte sich gerade auf den Weg machen und die Moschee verlassen, als er ein Geräusch hörte, das ihm durch Mark und Bein ging.

Ein Handy klingelte.

Aber nicht seins.

Ulbricht blickte hinauf zu der Quelle des Geräuschs. Das Klingeln drang leise aus dem Rucksack zu ihm herab.

Sein letzter Gedanke, das überraschte ihn, galt den achteckigen Sternen, die überall in der Moschee zu sehen waren. Sie symbolisierten die acht Pforten zum Paradies. Auch das hatte er in einer der Führungen erfahren. Er bezweifelte, dass er in wenigen Augenblicken durch eine dieser acht Pforten gehen würde.

Auch am Ende war der Verrat, wusste er jetzt.

Dann explodierte die Moschee.

1

5. Dezember, Köln

Es war immer das Gleiche. Hotels, die ihre Stühle für Banketts auswählten, damit sie zum Ambiente, nicht aber unter die Allerwertesten ihrer feinen Gäste passten. Fabrice Mannarino rutschte unruhig hin und her. Das goldene Polster hatte so einladend gewirkt. Mit seinem dunklen Holzrahmen passte es perfekt zum feudalen Gobelin Saal des Excelsior. Aber vielleicht hätte der Raumgestalter dieses Luxushotels auch an den Komfort derjenigen denken sollen, die stundenlang stillsitzen mussten.

Seinen Namen verdankte der Raum dem blauen Teppich, von dem allerdings durch die fast zweihundert Gäste nicht viel zu sehen war. Zwei Gemälde zierten die Kopfseiten des Raumes. Mächtige Kronleuchter schwebten über den Anwesenden. Fabrice Mannarino blickte zu den hohen Decken hinauf und fragte sich, ob dieser Ort der richtige Rahmen war für das, was am nächsten Tag bevorstand. Vielleicht hätte es auch etwas weniger Prunk getan. Auf der anderen Seite nächtigten im Excelsior Hotel am Kölner Hauptbahnhof nur die zweitrangigen Würdenträger. Als Rabbiner aus Bordeaux gehörte Fabrice eindeutig dieser Kategorie an. Die wirklich wichtigen Personen residierten im Grandhotel auf dem Petersberg. Im Vergleich zu diesem historischen und verschwenderisch luxuriösen Ort im Siebengebirge nahm sich das Hotel mit Blick auf den Kölner Dom fast schon als Herberge für Normalsterbliche aus.

Fabrice kehrte mit seinen Gedanken in den Gobelin Saal zurück. Auf dem Petersberg, dachte er, mochten die Mächtigen hofiert werden, die Vorzeigepolitiker, die in nicht einmal vierundzwanzig Stunden einen historischen Vertrag unterzeichnen würden. Hier in Köln jedoch saßen diejenigen, die dieses Werk gestaltet hatten. Die Diplomaten und Unterhändler, die Gelehrten, Vermittler, Übersetzer und Sekretäre von insgesamt neunundzwanzig Religionsgemeinschaften und -strömungen in Deutschland und seinen Nachbarländern. Katholiken und Protestanten, Russisch- und Griechisch-Orthodoxe, liberale, konservative und rekonstruktionistische Juden, sunnitische, schiitische, alevitische und alawitische Muslime, Jesiden, Taoisten, Hindus, Bahai. Selbst Fabrice bekam nie alle zusammen.

Wenn der verheerende Bombenanschlag auf die Zentralmoschee Kölns vor zwei Wochen etwas bewirkt hatte, dachte Fabrice, dann dieses Treffen. Es schüttelte ihn, dass eine solch abscheuliche Tat nötig gewesen war, um die religiösen und politischen Vertreter so vieler Glaubensrichtungen wieder aufzuwecken. Morgen würden sie auf dem Petersberg einen Friedensvertrag unterschreiben, wie es ihn seit 1993 nicht mehr gegeben hatte. Damals hatte das Weltparlament der Religionen in Chicago eine »Erklärung zum Weltethos« verfasst. Diese sollte die Menschen auf aller Welt daran erinnern, jeden Mitmenschen so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden wollte. Der Anschlag auf die Kölner Moschee hatte den Deutschen aber gezeigt, dass diese Erklärung nicht mehr ausreichte. Der neue Friedensvertrag würde einen Rat der Religionen ins Leben rufen. Eine Instanz, die mehr sein sollte als nur ein Lippenbekenntnis zu mehr Toleranz und Glaubensfreiheit.

Wie viele Menschen hatten dafür in den letzten Jahrhunderten sterben müssen? Fabrice wusste es nicht. Was er hingegen wusste, war, dass acht Tote und eine zerstörte Moschee in Köln das Fass zum Überlaufen gebracht hatten. Die Nacht auf den 20. November würde in die Geschichte eingehen. So wie die Novemberpogrome 1938.

Er erwischte sich bei der Frage, ob eine zerstörte Synagoge den gleichen Aufschrei ausgelöst, die gleiche Kettenreaktion in Gang gesetzt hätte, die ihn und die knapp zweihundert weiteren Religionsvertreter hierhergeführt hatte. Oder waren Deutschland und Europa inzwischen derart islamfixiert, dass die Zerstörung eines jüdischen Gotteshauses nicht gereicht hätte? Hatte es ein Anschlag auf eine Moschee sein müssen, noch dazu ausgeführt in der Nacht vor Maulid an-Nabi, dem Geburtstag des Propheten?

Diese Diskussion hatten sie in den vielen informellen Gesprächen der letzten Tage immer wieder geführt. Besonders die jüdischen Vertreter, aber nicht nur. Fabrice fand, es sagte viel über die Ernsthaftigkeit der Verhandlungen aus, dass auch die muslimischen Vertreter diese Sorge teilten. Sie hatten sie sogar von sich aus angesprochen.

Natürlich nicht alle, dachte Fabrice bei sich. Bei aller Offenheit der letzten Tage konnten einige Gläubige eben doch nicht aus ihrer Haut. Sie waren hier, weil sie keine Wahl hatten, weil sie andernfalls als die intoleranten Aussätzigen angesehen worden wären, die sie in Wirklichkeit waren. Der Anschlag auf die Moschee hatte eine Dynamik in Gang gesetzt, der sich selbst einige der engstirnigeren Strömungen nicht hatten entziehen können.

Fabrice blickte nach vorne zu einem Rednerpult. Es erinnerte ihn an das Podest des amerikanischen Präsidenten. Es fehlten nur das Wappen mit dem Weißkopfseeadler und das sternenbesetzte Banner der USA. An die Stelle des Sprechers trat soeben Stephan Wolf. Ein hochgewachsener Mann von schätzungsweise Ende vierzig. Er schien eine endlose Auswahl an dunklen Rollkragenpullovern zu besitzen, die er unter einem seiner ebenso zahlreichen karierten Sakkos trug.

Wolf war einer dieser typischen Selfmade-Milliardäre, die zu cool waren für ein Hemd mit Krawatte und zu viel Geld hatten, um sich mit modischer Stangenware zufriedenzugeben. Ein frühzeitig ergrauter Milliardär, sportlich gebaut, der sein Geld im Silicon Valley gemacht hatte und sein Vermögen inzwischen in wohltätige Zwecke steckte. Ein wortgewandter, intelligenter Geschäftsmann mit jugendlichem Charme und einer der Großsponsoren dieser Verhandlungen. Angeblich hatte er sich auch schon mit dem islamischen Verband DITIB getroffen, um den Wiederaufbau der Moschee zu unterstützen. Fabrice waren solche Menschen nicht ganz koscher, die ein Unglück wie einen Bombenanschlag nutzten, um sich derart in den Vordergrund zu rücken. Aber Wolfs finanzielles Engagement, daran gab es keinen Zweifel, war beträchtlich.

Wolf wollte gerade die Anwesenden begrüßen, als sich vor ihm eine junge Frau erhob. Sie schien Wolf einen langen Moment anzustarren, dann drängte sie sich unsanft aus ihrer Sitzreihe, schwang ihre Handtasche über die Schulter und marschierte in Richtung Ausgang.

Fabrice kannte auch sie. Cara Allegri hatte als Lobbyistin in Berlin für die Gespräche über einen Friedensvertrag der Religionen gekämpft. Sie war an diesem Abend eine der wenigen Frauen im Raum, was viel über ihren Status aussagte. Und viel über die Rolle der Frau in den diversen Religionen, dachte Fabrice bei sich. Doch Cara Allegri war eine der Frauen, deren Wort Gewicht hatte. Sie hatte sich in den letzten Tagen als unerbittliche Verhandlungspartnerin erwiesen. Sie schmeichelte denen, die ihr von Nutzen sein konnten, und kochte alle, die sich ihr in den Weg zu stellen wagten, mit feinster Diplomatie eiskalt ab. Nur mit Stephan Wolf stand sie auf Kriegsfuß. Das wusste jeder hier im Saal.

Demonstrativ kehrte sie Wolfs Rede den Rücken und blickte stolz und starr über die Köpfe der Anwesenden hinweg, als sie in Richtung Ausgang strebte. Sie musste den Gobelinteppich hassen, dachte Fabrice. Ihr wäre wohl ein Steinboden lieber gewesen, auf dem ihre Absätze laut und deutlich geklackert hätten. So entschwand sie fast lautlos durch die gläsernen Flügeltüren aus dem Saal.

Als die Reden und Diskussionsbeiträge endeten und sich die einzelnen Gruppen zu letzten Beratungen zurückzogen, begann für Fabrice der erste echte Feierabend seit über einer Woche. Für die jüdischen Vertreter übernahm der Zentralrat die letzten Gespräche. Fabrice war raus und froh darüber.

Er bewohnte ein großzügiges Zimmer im dritten Stock des Hauses. Zwar war er durchaus müde, verspürte aber noch keinen Drang, ins Bett zu gehen. Er sah auf die Uhr. Erst kurz nach acht. Draußen war es längst dunkel. Aus dem Fenster des Gobelin Saals hatte Fabrice gesehen, dass es zu schneien begonnen hatte. Ihm stand nicht der Sinn nach einem Spaziergang oder einem Abendessen, schon gar nicht in den zwar ohne Frage exquisiten, aber für seinen Geschmack viel zu eleganten Restaurants des Hotels. Er entschloss sich zu einem letzten Glas Wein an der Bar. Auch wenn dies bedeutete, dass er in weitere Diskussionen verwickelt werden konnte.

Ein Mann im Frack saß an einem Steinway und spielte ein Medley aus Klassikern von Frank Sinatra. In einer Ecke entdeckte Fabrice den Generalvikar des Erzbistums Köln im Gespräch mit einem Ratsmitglied der Bahai. An einem Tisch unweit des Pianospielers saßen drei Muslime. Fabrice erkannte zwei sunnitische und einen schiitischen Vertreter. Was für einen Durchbruch könnte der Rat der Religionen darstellen, wenn sich allein nur diese beiden Zweige des Islam, die sich seit Jahrhunderten bekämpften, annähern würden?

Fabrice nahm auf einem der Barhocker Platz und bestellte einen Château Pichon Longueville aus Pauillac. Ein bisschen Heimat in der Ferne. Er vermisste seine Frau. Esther hatte ihn nicht nach Köln begleiten wollen. Er konnte es ihr nicht verübeln. Sie hätte hier kaum etwas von ihm gehabt. Sie war lieber in Bordeaux geblieben, um die Feiertage vorzubereiten. Chanukka stand vor der Tür, für Esther und ihn das schönste Fest des Jahres. Ihre beiden Töchter würden zu Besuch kommen und einige Tage bleiben.

Er hatte auch seine Nichte Natalie eingeladen, aber sie hatte sich bislang nicht gemeldet. Das war untypisch für sie. Er hatte ihren Verlobten Alex angerufen. Der wiederum war kurz angebunden gewesen. Ihrer Mutter gehe es nicht gut, Natalie werde sich bestimmt melden. Aber Fabrice wurde das Gefühl nicht los, dass ihm etwas verheimlicht wurde. Die Villeneuves hatten in den letzten Jahren viel durchmachen müssen und noch längst nicht alles überwunden.

Er nahm das Glas, das ihm der Barmann unauffällig hingestellt hatte, und roch an der dunkelroten Flüssigkeit. Der samtige Geruch von Vanille und Zimt stieg ihm in die Nase. Ein bisschen Weihnacht im katholischen Köln für einen Juden aus Frankreich mit Wurzeln in den USA und Israel – irgendwie passte selbst der Wein zum Geist dieser Tage. Er trank einen ersten Schluck und schloss zufrieden die Augen.

Als er sie wieder öffnete, sah er in einen Spiegel hinter der Bar. Alt bist du geworden, sprach Fabrice in Gedanken zu seinem Spiegelbild. Ja, er hatte die siebzig schon hinter sich gelassen. Aber als vor vier Jahren die ersten grauen Haare zu sprießen begonnen hatten, war er ganz und gar nicht amüsiert gewesen. Inzwischen war das dunkle Braun auf seinem Kopf und in seinem Vollbart immer weiter zurückgewichen. Esther fand zwar, dass ihn die silbernen Strähnen distinguierter wirken ließen. Zudem passten sie zu seinen blassblauen Augen. Aber für ihn war die Farbe Grau der Inbegriff des Altwerdens.

»Probieren Sie mal eine Smokey Lemonade«, ertönte in diesem Augenblick eine weibliche Stimme neben ihm.

Fabrice hatte Cara Allegri im Spiegel kommen sehen und war deswegen nicht überrascht. Sie setzte sich neben ihn und signalisierte dem Barmann, dass sie soeben ihre Bestellung aufgegeben hatte.

»Eine was?«

»Smokey Lemonade«, wiederholte Allegri. »Mezcal ist ein mexikanischer Schnaps. Dazu Limettensaft, Fleur de Sel und Grapefruitsaft. Ein echter Wachmacher!«

Fabrice wandte sich ihr zu.

Auch die Lobbyistin war ein echter Wachmacher. Sie sprühte vor Energie, wann immer man sie antraf. Passend dazu schienen einige Männer ihre eigene Müdigkeit augenblicklich zu vergessen, wenn die hochgewachsene Blondine mit dem modischen Kurzhaarschnitt in Erscheinung trat. Selbst die, die das Zölibat als Lebensweg gewählt hatten.

Jetzt trug Allegri ein dunkelrotes Kostüm, das ihre gertenschlanke Figur perfekt betonte. Fabrice kannte sich in der Welt der Haute Couture nicht aus. Er hatte aber keinen Zweifel, dass das Outfit ein Vermögen gekostet hatte. Sie stellte eine kleine Handtasche in dem unverkennbaren Louis-Vuitton-Design auf die Bar, fingerte ihr Smartphone hervor, checkte den Bildschirm und ließ es anschließend wieder in die Tasche gleiten.

»Wir müssen reden«, sagte Allegri ohne Umschweife. Sie sprach Französisch. Fließend, mit einem leichten Akzent des Italienischen. Eine Färbung, wie Fabrice aufgefallen war, die sie in ihrer zweiten Muttersprache Deutsch nicht durchklingen ließ. Sie hatten in den letzten Tagen festgestellt, dass sie mehrere Sprachen gemeinsam beherrschten. Französisch, Italienisch, Deutsch und Englisch. Fabrice sprach zudem noch Spanisch und Hebräisch. Allegri konnte mit Hocharabisch und Russisch glänzen. Das machte sie unter den Gelehrten und Politikern zu einer noch außergewöhnlicheren Person. Mit nahezu jedem Anwesenden konnte sie in dessen Muttersprache parlieren. Ein Vorteil von unschätzbarem Wert, wenn es um so sensible Themen wie Glaube und Religion ging.

Fabrice empfand Bewunderung für die Achtunddreißigjährige. Er hatte ihr Alter auf einer Website eher durch Zufall in Erfahrung gebracht. Allerdings hatte er explizit nach Informationen über sie gesucht. Über eine Frau, die derart großen Einfluss auf die Zentralräte der Juden und Muslime in Deutschland hatte und bis tief in die katholische Kirche vernetzt schien, wollte er so viel wissen wie möglich. Auf einer Website, einer Art Lobbyisten-Watch, war er fündig geworden.

Allegri stammte aus Rom. Ihre Eltern waren Theologen, die Mutter Italienerin, der Vater Deutscher. Cara wuchs in einem erzkatholischen Umfeld auf, entfloh aber früh dem Nest. Sie machte ihren Schulabschluss in England, erhielt ein Stipendium für das Amherst College in Massachusetts und ging über den großen Teich in die USA. Sie studierte Politik und Geschichte, promovierte über Afghanistan während des Kalten Krieges und lernte dafür Russisch und Arabisch. Gerüchten im Netz zufolge schlug sie nach Erhalt ihrer Doktorwürde ein Angebot der CIA aus. Stattdessen heuerte sie bei einer gemeinnützigen Organisation in New York an, die sich gegen religiöse Unterdrückung im Big Apple einsetzte. Aufsehen erregte sie, als sie in einem unabhängigen Blog eines Freundes mehrere Angebote enthüllte, die ihr verschiedene Unternehmen gemacht hatten, um die Arbeit ihrer Non-Profit-Organisation zu unterwandern. Der Skandal machte mehrere Topmanager arbeitslos und Allegri über Nacht zum internationalen Star am Himmel der unabhängigen Lobbyisten-Szene. Hätte sie kein Heimweh nach Europa verspürt, wäre ihre Karriere in den USA von diesem Moment an vorgezeichnet gewesen.

Stattdessen brach Allegri quasi über Nacht ihre Zelte in New York ab und verschiffte ihre Habe in zwei Koffern wieder auf die andere Seite des Atlantiks. Doch statt nach Rom zog sie nach Berlin. Sie wollte ihre andere familiäre Hälfte kennenlernen und ließ sich in der deutschen Hauptstadt nieder. Nicht, dass sie dort weniger zu tun bekommen hätte als im Schmelztiegel an der amerikanischen Ostküste. Auf Kollisionskurs mit dem lauter werdenden Rechtspopulismus in der Bundesrepublik nutzte sie ihre Vita geschickt, um in kürzester Zeit zu einer gefragten Expertin zu werden. Und als in den USA auch noch ein Mann ins Weiße Haus gewählt wurde, der jede Minderheit beleidigte, die ihm in die Quere kam, gehörte Allegri zu den lautesten – und intelligentesten – Stimmen, die sich aus dem politischen Berlin an Washington wandten. Schließlich teilte der neue Präsident der Vereinigten Staaten seiner virtuellen Twitter-Gemeinde mit, er halte diese italo-deutsche Blondine zwar für überaus heiß, aber auch für überaus dumm. In der Welt, in der sich Cara Allegri bewegte, galt diese Beleidigung als Auszeichnung.

Jetzt saß sie neben Fabrice und blickte ihn erwartungsvoll an.

»Worüber wollen Sie mit mir reden?«, fragte er.

Allegri ließ ihre Augen wandern, als wollte sie sich vergewissern, dass niemand sie belauschte. Dann flüsterte sie: »Morgen soll ein weiterer Anschlag verübt werden.«

2

5. Dezember, Köln

Cara Allegri hatte wahrscheinlich eine andere Reaktion erwartet. Doch Fabrice Mannarino sah sie nur aufmerksam an. Er mochte in den USA aufgewachsen sein. Aber zum Mann gereift war er in Israel bei der Armee. Wer in diesem Land von einem möglichen Terrorangriff hörte, brach nicht gleich in Panik aus. Die Gefahr durch Anschläge gehörte in Israel zum Leben dazu. Gerade für das Militär.

»Woher haben Sie das?«, fragte er ruhig.

Allegri sah sich erneut in der Bar um. »Das kann ich Ihnen nicht sagen.«

Fabrice erhob sich von seinem Hocker. Er nahm seinen Wein und deutete auf Allegris Drink. »Kommen Sie!«

Er ließ die Getränke auf sein Zimmer schreiben und nahm die Lobbyistin ins Schlepptau. Er war sich der Blicke der anderen Herren in der Bar bewusst. Ein Mann im fortgeschrittenen Alter und eine attraktive, junge Frau verließen mit ihren Drinks in der Hand eine Hotelbar. Selbst in der Welt des Generalvikars des Erzbistums Köln musste diese Szene eine gewisse Bedeutung haben.

Sie traten auf den Flur, als ihnen ein Mann entgegenkam. Seinen dunkelblauen Anzug trug er wie ein Staatsmann. Das ergraute Haar lag ordentlich in einem Seitenscheitel. Und dann war da noch der Anstecker, den Fabrice schon häufiger an ihm wahrgenommen hatte. Der Buchstabe X haftete silberglänzend am Revers des Maßanzuges. Leopold Roth war einer der Rechtsanwälte, die vom ersten Tag an die Gespräche begleitet und schließlich in einen Vertrag gegossen hatten. Roth gehörte der katholischen Entourage an. Kaum ein anderer Jurist hatte mehr Einfluss.

»Wohin des Weges?«, fragte Roth ohne Umschweife. »Man könnte meinen, Sie beide hätten noch was vor.«

»Man könnte meinen, das ginge Sie nichts an«, erwiderte Cara Allegri trocken.

»Meine Gute, uns zwei verbindet nicht viel. Aber sicherlich geht uns hier so ziemlich alles etwas an, wenn es mit diesen Verhandlungen zu tun hat.« Roths Augen ruhten auf der Lobbyistin. Ihr selbstbewusstes Auftreten schien ihn völlig kaltzulassen.

»Dann hoffen wir für Sie, dass die Verhandlungen nicht in letzter Sekunde platzen. Das wäre nicht gut für Ihre Chancen in Berlin. Habe ich recht?«

»Ich schätze Sie als eine der bestvernetzten Politikerinnen in Berlin, aber ich –«

»Sie wissen, dass ich keine Politikerin bin.«

»Und was machen Sie seit Jahren? Politik! Frau Allegri, je früher Sie sich eingestehen, dass Sie aus dem Beiboot des Lobbyismus in die wirkliche Politik wechseln sollten, desto eher werden wir uns im Bundestag heiße Debatten liefern. Ich freue mich darauf. Und jetzt entschuldigen Sie mich. Wir wollen schließlich nicht, dass die Verhandlungen wirklich noch scheitern, oder?«

Mit diesen Worten zog Leopold Roth an ihnen vorbei. Fabrice, der das Gespräch auf Deutsch unbeteiligt verfolgt hatte, würdigte er dabei keines Blickes. Ein Rabbiner aus Frankreich stand in der Nahrungskette eines politischen Schwergewichtes wie Roth sehr weit unten.

»Kennen Sie ihn?«, fragte Allegri, als Roth außer Hörweite war, und wechselte wieder ins Französische.

»Leopold Roth, knapp über fünfzig, würde ich schätzen, Jurist wie seine Mutter, reich wie seine ganze Familie, Vater von vier Kindern und ein eiskalter Schlipsträger der schlimmeren Sorte, wenn ich mir diese persönliche Bemerkung erlauben darf.«

»Dürfen Sie«, schnaubte Allegri. »Nicht nur der schlimmeren, sondern der schlimmsten Sorte. Haben Sie das X an seinem Revers gesehen?«

»Ich habe mich in der Tat schon gefragt, wofür es steht.«

»Das wissen Sie nicht? Ganz einfach. FSSPX.«

»Die Piusbruderschaft?«

»Er würde es abstreiten, aber ja. Ein erzkonservativer Scheißkerl, der mit Leuten wie uns beiden herzlich wenig anfangen kann.«

»Juden, Frauen –«, begann Fabrice.

»Homosexuelle, Liberale, Muslime, Protestanten – fangen Sie an, wo Sie wollen, und Sie hören so schnell nicht mehr auf. Dass Leopold Roth am Rat der Religionen mitarbeiten darf, macht ihn eigentlich schon jetzt zu einem der Totengräber, sollte das hier doch noch platzen.«

»Und er will in die Bundespolitik?«, erkundigte sich Fabrice.

»Er hat seinen Platz schon sicher. Man will ihn zum nächsten Innenminister küren.«

»Deutschland, was ist bloß aus dir geworden?«, murmelte Fabrice vor sich hin.

Er führte Allegri in den ersten Stock. Dort lag das Domzimmer, ein kleiner Besprechungsraum für nicht mehr als zwanzig Personen. Fabrice öffnete die Tür, trat ein und machte Licht. Wandstrahler an den mit himmelblauen Tapeten bezogenen und stuckverzierten Wänden erhellten einen vornehmen Raum mit verspiegelter Feuerstelle. Er war eingedeckt worden, offensichtlich für einen Stehempfang am nächsten Tag. Fabrice gab Allegri zu verstehen, sie möge ihm folgen, schloss die Tür und löschte das Licht.

»Warum machen Sie das Licht wieder aus?«

»Weil dann niemand den Schein unter der Tür sehen und in die Versuchung kommen könnte zu lauschen.«

»Sie sind ein vorsichtiger Mensch.«

»Ich habe lernen müssen, dass Vorsicht und Misstrauen überlebenswichtig sein können.«

Im Dunkel nahm er Allegris schlanke Figur nur noch als schwarze Silhouette wahr. Sie war fast so groß wie er und stand mit dem Rücken zu einem der deckenhohen Fenster. Hinter ihr drang der Lärm des abendlichen Verkehrs auf der Trankgasse zu ihnen herauf.

Er ging zu ihr hinüber und sah durch die Glasscheiben auf die weltberühmte gotische Doppelturmfassade der dritthöchsten Kirche der Welt. Gotteshäuser wie der Kölner Dom sollten Menschen Demut lehren, aber gleichzeitig Sicherheit und Orientierung symbolisieren. Fabrice fürchtete, dass sich diese Wirkung immer häufiger ins Gegenteil verkehrte.

»Sie sagten, es soll noch einen Anschlag geben?«

Allegri folgte seinem Blick auf den Domvorplatz. »Nicht hier. Auf dem Petersberg.«

Er beobachtete sie im Augenwinkel. »Wer sagt das?«

»Eine gut informierte Quelle.«

»Was für eine Quelle?«

Allegri stellte ihren Drink auf einen der Tische und entnahm ihrer Handtasche ein goldenes Zigarettenetui. Sie fingerte eine dieser schlanken, langen Zigaretten hervor, wie sie Filmstars in den fünfziger Jahren geraucht hatten.

»Was für eine Quelle?«, wiederholte Fabrice, während die Flamme eines Feuerzeugs aufleuchtete und Allegri zum Fenster schritt, um es zu öffnen.

»Kann ich Ihnen nicht verraten«, sagte sie und blies den Rauch ins Freie.

»Und warum kommen Sie damit zu mir?«

»Weil ich Ihre Hilfe brauche.«

»Wobei?«

»Ist das nicht offensichtlich?« Allegri drehte sich zu Fabrice um. »Um den Anschlag zu verhindern.«

Er musterte sie. »Wie kommen Sie darauf, dass ein alter Rabbiner in der Lage wäre, einen Terroranschlag zu verhindern?«

»Weil ich Ihre Vergangenheit kenne.«

Fabrice nahm einen Schluck Wein. Er wusste genau, worauf sie anspielte. »Das ist doch aberwitzig. Dafür gibt es Geheimdienste, den Staatsschutz und die Polizei. Haben Sie sich schon mit denen unterhalten?«

»Die tappen im Dunkeln. Die wissen nicht, wonach sie suchen müssen.«

Fabrice dachte einen Moment nach.

»Das heißt«, sagte er vorsichtig und beobachtete ihre Reaktion, »dass Ihre Quelle entweder im Geheimdienst oder im Staatsschutz sitzt. Die wissen was, aber nicht genug.«

Allegris Miene blieb ausdruckslos. Sie war gut, dachte Fabrice. Aber ihr Schweigen war Antwort genug.

»Von wem nehmen die ihre Informationen?«, fragte er.

»Von einem befreundeten Dienst.«

»Von wem?«, insistierte Fabrice.

»Langley.«

Er überlegte kurz. »Der Anschlag soll also morgen auf dem Petersberg stattfinden, und die CIA ist die Quelle?«

»Womit auch Ihnen klar sein dürfte, wer das Ziel sein soll, oder?«

Jetzt war es Fabrice, der schwieg.

Jeder wusste, wer morgen auf dem Petersberg erwartet wurde.

Sie gehörte zu den umstrittensten Politikerinnen der USA. Weil sie eigentlich gar keine Politikerin war, sondern ein ehemaliges Model und zufällig die Tochter des mächtigsten Mannes der Welt. Zumindest dann, wenn man glaubte, dass der Präsident der Vereinigten Staaten noch immer der mächtigste Mann der Welt war. Fabrice zweifelte nicht erst daran, seitdem dieser zweifelhafte Charakter ins Oval Office gewählt worden war.

Die First Daughter, wie sie genannt wurde, tourte seit einigen Tagen durch Europa und befand sich gerade in Berlin. Als sie gehört hatte, dass der Friedensvertrag am 6. Dezember unterschrieben werden sollte, hatte sie kurzerhand angekündigt, der feierlichen Unterzeichnung beiwohnen zu wollen. Das musste für die Sicherheitsdienste eine alptraumhafte Nachricht gewesen sein. Es genügte schon, die Delegationen der neunundzwanzig Glaubensgemeinschaften, die Politiker, das Hotel Excelsior, den Petersberg und weitere Unterkünfte und Versammlungsorte über eine Woche lang sichern zu müssen. Da brauchte es nicht auch noch die Tochter des US-Präsidenten, die mit dem Secret Service aufkreuzte.

Der Grund ihres Erscheinens war kein Mysterium und für die Organisatoren sogar wie die Zusatzzahl bei einem Sechser im Lotto. Sie würde den Rat der Religionen über den Atlantik hinweg bekannt machen. Kein schlechter Gedanke, wenn man bedachte, welche Politik ihr Vater betrieb. Was er davon hielt, dass sie kommen wollte, wusste niemand. Ausnahmsweise hatte er sich dazu noch nicht auf Twitter geäußert. Aber niemand zweifelte daran, dass er sich schon bald in einhundertvierzig oder mehr unflätigen Zeichen einmal mehr im Ton vergreifen würde.

Oder würde er sich seiner Tochter zuliebe zurückhalten? Sie war sein Joker in allem, was er tat. Gerade in der Frage der Toleranz gegenüber Minderheiten. Sie war für ihre Hochzeit mit einem erfolgreichen Geschäftsmann zum Judentum übergetreten und hatte zusätzlich den jüdischen Namen Ziva angenommen. Fabrice fand, dass sie ihrem Namen gerecht wurde. Wo sie auftrat, strahlte sie tatsächlich wie ein leuchtend heller Stern. Insofern würde sie dem Rat der Religionen entsprechenden Glanz verleihen. Vorausgesetzt, der Rat hatte Erfolg und sorgte wirklich dafür, dass die Menschen nicht nur wieder miteinander redeten und sich näherkamen, sondern auch Taten folgen ließen. Wenn aber die Tochter des US-Präsidenten auf deutschem Boden einem Terroranschlag zum Opfer fiel, musste man kein Prophet sein, um vorauszusehen, welche Taten dann folgten.

Fabrice rief sich das Grandhotel auf dem Petersberg in Erinnerung. Er war in den letzten Tagen mehrfach dort gewesen. Ein Areal am höchsten Punkt eines Hügels gelegen, der nur über eine Straße befahrbar war. Allerdings führten diverse Wanderwege am Gelände des Hotels vorbei. Die Wälder, Wege und die Zufahrt wurden von mehreren Hundertschaften der Polizei rund um die Uhr gesichert. Dazu kamen die Personenschützer des Staatsschutzes für Politiker und Würdenträger. Wenn jetzt auch noch der Secret Service seine Finger im Spiel hatte, würde der Petersberg zu einer schier uneinnehmbaren Festung mutieren. Wie sollte dort ein Attentat verübt werden?

Er teilte seine Bedenken mit Allegri. »Sind Sie sicher, dass der Anschlag auf dem Petersberg stattfinden soll? Unterwegs würde die First Daughter ein einfacheres Ziel abgeben.«

»Kennen Sie sich mit so was aus?«

»In Israel lernt man mehr, als einem lieb ist.«

»Angeblich sind die Informationen sehr konkret. Was mich wundert: Der Secret Service soll nicht sonderlich besorgt sein.«

Fabrice kam eine Idee. »Das lässt sich herausfinden.«

Der Mann, an den er dabei dachte, hieß Jaron Glasser. Er war der Sohn eines alten Freundes, mit dem Fabrice in den USA zur Schule gegangen war. Jaron war nicht nur ein Ex-Marine, er gehörte auch der gleichen jüdischen Gemeinde an wie die Tochter des Präsidenten. Noch während des Wahlkampfes ihres Vaters hatte sie ihn für ihren Personenschutz ausgewählt. Dass sie dabei die üblichen Standards des Secret Service hatte umgehen müssen, störte sie herzlich wenig. Inzwischen, so hatte Fabrice über dessen Vater gehört, reiste Jaron überallhin, wo auch die First Daughter war. Das hieß: Er war jetzt mit ihr in Berlin. Und Fabrice hatte seine Nummer.

Aber bevor er ihn anrief, musste er noch etwas wissen.

Er zweifelte nicht an dem, was Cara Allegri ihm gesagt hatte. Fabrice hatte schon zu viel erlebt, um nach dem Anschlag auf die Moschee ein Attentat auf eine der umstrittensten Figuren der Weltpolitik auszuschließen. Dazu kam, dass Allegri zu den wenigen Personen gehörte, denen Fabrice in den letzten Tagen abgenommen hatte, dass sie gegen keine inneren Konflikte ankämpfte. Sie warf alles in die Waagschale, um den Friedensvertrag zu ermöglichen. Auch jetzt, da sie ihn ins Vertrauen zog. Sie gehörte zu der selten gewordenen Spezies unabhängiger Lobbyistinnen, die aus ideellen Überzeugungen heraus handelten. Die politischen Spielchen beherrschte zwar auch sie. Allerdings wusste man bei ihr immer, woran man war. Ihr größter Trumpf schien eine entwaffnende, aber auch überaus unangenehm deutliche Ehrlichkeit zu sein.

Auf diese Ehrlichkeit setzte Fabrice auch jetzt. Denn eine Frage hatte Cara Allegri ihm noch nicht zu seiner Zufriedenheit beantwortet.

»Was haben Sie damit gemeint, Sie würden meine Vergangenheit kennen?«, hakte er nach.

Allegri schien nicht überrascht, dass er darauf zurückkam. »Dass ich meine Hausaufgaben gemacht habe und Bescheid weiß«, antwortete sie und nahm einen tiefen Zug an ihrer Zigarette. »Ich wollte wissen, mit wem ich es zu tun habe. Und es ist ja nicht so, als ob Ihr Gesicht nicht schon einmal in einer ähnlichen Sache in den Medien aufgetaucht wäre.«

Damit hatte sie allerdings recht. Es war in Frankreich ein riesiger Skandal gewesen, und seine Familie hatte mittendrin gesteckt. Eine geheime Organisation, die sich die Wächter genannt hatte, hatte landesweit Politik und Wirtschaft unterwandert. Sie hatte kontrolliert, manipuliert, fingiert, bestochen, genötigt, erpresst, gekidnappt, gemordet. Dagegen wirkten die Jungs von der Camorra wie Pfadfinder. Les gardiens – ihre Geschichte reichte zurück bis in den Zweiten Weltkrieg. Und genau wegen dieser historischen Verflechtung war Fabrice’ Familie in ihr Visier geraten. Er selbst hatte nur mit viel Glück überlebt.

Bei diesem Gedanken fasste er sich an seine rechte Schulter. Eine Kugel hatte sein Schlüsselbein durchschlagen, als der oberste Wächter ihn hatte erschießen wollen. Noch heute erinnerte ihn ein dumpfer Schmerz ständig an die Vorfälle von damals. Es war dieser Schuss gewesen, der ihn über Nacht hatte ergrauen lassen.

Mit seinen Erinnerungen war er allerdings nicht allein. Die ganze Familie war auch Monate nach dem Vorfall kaum zur Ruhe gekommen. Die Police nationale hatte im ganzen Land Mitglieder der Wächter verhaftet. Und als irgendwann ans Licht gekommen war, welche Rolle die Villeneuves und ein angeschossener Rabbiner aus Bordeaux in dem Spektakel gespielt hatten, hatten sich die französischen Medien mit geifernder Lust auf sie gestürzt. So kursierten ihre Namen, Gesichter und Geschichten noch heute in der Öffentlichkeit.

»Das hat den Ausschlag gegeben«, sagte Allegri. »Ich habe das Gefühl, ich kann Ihnen vertrauen.«

»Vertrauen ist ein großes Wort.«

»Genauso groß wie das, was wir mit dem Rat der Religionen erreichen wollen. Rabbi Mannarino«, sprach Allegri ihn das erste Mal an diesem Abend mit seinem Titel an, »ich kann das nicht allein. Sie müssen mir helfen.«

»Wobei genau?«, fragte Fabrice, überlegte aber schon längst, was sie tun konnten.

»Ich will herausfinden, wer dahinterstecken könnte.«

»Wie wollen Sie das anstellen?«

»Beim Attentat auf die Moschee soll es einen Helfer gegeben haben. Das weiß ich aus sicherer Quelle. Was, wenn es jetzt –«

»Sie glauben«, unterbrach Fabrice sie, »dass jemand aus dem Kreis des Rates es auf die Tochter des amerikanischen Präsidenten abgesehen haben könnte?«

»Mein Gefühl sagt mir, dass hier zumindest nicht jeder mit offenen Karten spielt.«

Fabrice blickte wieder auf die hell erleuchtete Fassade des Kölner Doms. Cara Allegri konnte recht haben. Sie würden sich aber verdammt clever anstellen müssen, um überhaupt etwas herauszufinden. Ihr Vorteil war: Sie gehörten zum inneren Kreis, konnten sich überall dort bewegen, wo offizielle Ermittler vor verschlossenen Türen – und Menschen – standen. Wenn die deutschen Sicherheitsbehörden jetzt noch keine Ahnung hatten, wonach sie suchen mussten, würde sich das über Nacht kaum ändern. Es sei denn, jemand hatte Spuren hinterlassen.

Er sah auf die Uhr. Es war inzwischen nach neun.

»Also gut. Wie es scheint, haben wir eine lange Nacht vor uns.«

3

6. Dezember, Petersberg

Es war ein malerischer, klarer Morgen. Der blaue Himmel machte die Eiseskälte erträglich, die über dem Rheintal lag. Die Sonne erhob sich über dem Siebengebirge. Fabrice Mannarino stand auf der Westseite des Grandhotels auf der Terrasse und blickte auf die Burg Drachenfels. Eine Ruine, die auf dem Vulkangestein stand, aus dem der Kölner Dom einst erbaut worden war.

Hier im Rheinland lag alles nah beieinander, dachte Fabrice. Die Geschichte der Region, der Menschen, der Welt. Kein Ort wusste das besser zu erzählen als der Petersberg. Hier oben im Grandhotel hatten sich 1949 die westlichen Siegermächte zur Alliierten Hohen Kommission zusammengeschlossen. Nur wenige Wochen später, am 22. November desselben Jahres, hatte Konrad Adenauer das Petersberger Abkommen unterzeichnet und damit den Grundstein für die Unabhängigkeit Deutschlands gelegt. Die Stadt, auf die Fabrice nun hinabsah, war ihre Hauptstadt geworden: Bonn.

Bis heute hatte der Petersberg seinen Mythos nicht verloren. Die Vereinten Nationen hatten hier ihre erste Afghanistan-Konferenz ausgerichtet. Die Europäische Union hatte sich in den Räumen des Grandhotels mit ihren Außenministern getroffen. Die britische Queen hatte auf dem Petersberg ebenso residiert wie Nelson Mandela und Bill Clinton. Das Siebengebirge beherbergte bis heute die Mächtigsten der Welt. Meist ging es darum, Kriege abzuwenden oder zu beenden und Frieden zu schließen.

Nicht immer gelang es.

Und heute?

Fabrice blickte zur Rotunde, dem prachtvollen Saal, in dem all diese Treffen stattgefunden hatten. Dort sollte in gut einer Stunde der Friedensvertrag unterzeichnet werden. Fabrice unterhielt sich gerade mit dem zweiten Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland. Sie diskutierten die letzten, nächtlich herbeigeführten Änderungen im Abkommen. Nichts war dabei, dem Fabrice widersprochen hätte. Es waren die typischen Spitzfindigkeiten, wenn hier und dort ein Wort durch ein Synonym ersetzt wurde, damit allen Gefühlen und Befindlichkeiten Genüge getan war. Nicht immer kam es allein auf die Bedeutung des Wortes an, sondern darum, das letzte Wort zu haben.

Für ihn war ein Punkt wichtig, der erst spät eingeflochten worden war. Er hatte für hitzige Diskussionen gesorgt, doch am Ende hatten sich alle darauf geeinigt, dass der Religionsunterricht in Deutschland radikal verändert werden sollte. Künftig würde es einen gemeinsamen Unterricht für alle Konfessionen geben, keine Trennung mehr nach katholischen und evangelischen Schülern. Und schon gar nicht sollten Muslime und Juden nachmittags noch extra in die Moschee oder Synagoge müssen, um dort unterrichtet zu werden. Natürlich konnten die Gemeinden diesen Unterricht weiter anbieten, genauso wie die Kirchen. Aber in der Schule sollten die Kinder und Jugendlichen gemeinsam lernen, was Religion war, nicht, woran sie zu glauben hatten. Es sollte um die Geschichte der großen Religionen gehen, um ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede, darum, weshalb in der Welt so viele Konflikte herrschten, die man lösen oder zumindest mindern konnte, wenn die eine Seite etwas mehr über die andere wusste. Die nächste Generation sollte mit mehr Wissen, mit mehr Verständnis aufwachsen. Der Glaube eines jeden Kindes konnte sich in der Familie und im sozialen Umfeld ausprägen. Die Eltern sollten wieder mehr in die Verantwortung genommen werden, ihren Kindern zu vermitteln, woran es sich zu glauben lohnte. Kirchen, Moscheen, Synagogen und Gemeindezentren waren die Orte, an denen Kinder mehr über ihren Glauben erfahren konnten. Deutsche Schulen dagegen sollten nicht mehr missbraucht werden, um Kinder und Jugendliche für eine spezielle Konfession zu begeistern. Alle sollten gemeinsam lernen, welche Religionen es überhaupt gab.

Fabrice war der Überzeugung, dass das die wahre Aufgabe einer Schule war: Kindern die ganze Galaxie zu zeigen, nicht nur einen Stern. Und schon gar nicht sollte sie ihnen vorgaukeln, dass sie von unterschiedlichen Sternen kämen.

Das Gespräch mit dem Zentralratsvorsitzenden kam zum Ende. Fabrice war ohnehin kaum bei der Sache gewesen und sah dem Mann nun nach, als dieser in der Rotunde verschwand. Anschließend wandte er sich wieder dem Tal zu. Dabei fiel sein Blick auf einen Balkon des Hotels. Es war der größte des mondänen Hauses mit der prachtvollen Fassade, den hohen Fenstern, den weißen Fensterläden und dem Schieferdach. Er gehörte zur Präsidentensuite, einer zweihundertfünfzig Quadratmeter großen Wohnung mit eigener Küche, zwei Schlafzimmern, Wohnzimmer, Esszimmer und Büro. Eigentlich hatte man sie wegen nötiger Reparaturen geschlossen, doch als sich ein besonderer Ehrengast angemeldet hatte, waren die Arbeiten in Windeseile erledigt worden.

Die Tochter des amerikanischen Präsidenten hätte keine anderen Räumlichkeiten akzeptiert. Zudem konnte ihre Entourage in extra nahe gelegenen Einzelzimmern für Bedienstete unterkommen. Prinzessin Ziva, wie Fabrice sie seit letzter Nacht für sich nannte, würde es gemütlich haben.

Würde ihr Kommen dem Rat der Religionen den glamourösen Anstrich verleihen, um weltweit wahrgenommen zu werden? Oder würde ihre Anwesenheit all die Bemühungen der letzten Tage noch ins Gegenteil verkehren? Würde es wirklich einen Anschlag geben? Fabrice wusste es nicht. Er war müde, hatte kaum geschlafen. Bis tief in die Nacht hatten Cara Allegri und er Gespräche geführt, sich umgehört, versucht, etwas herauszufinden. Gleich nach ihrem konspirativen Treffen im Domzimmer hatte er Jaron Glasser angerufen, seinen Kontakt beim Secret Service. Er hätte es sich sparen können. Jaron hatte ihn von der ersten Minute an wissen lassen, was er dessen Meinung nach war: ein alter Mann, ein Rabbiner, der einem erfahrenen Marine, einem Agenten des Secret Service, einem Beschützer der First Daughter, etwas über Sicherheit erklären wollte. Fabrice war sich wie ein Depp vorgekommen.

Doch etwas in Jarons Stimme hatte ihn aufmerken lassen. Fabrice spürte, wenn jemand ihm etwas vormachte. Auch am Telefon. Er war sich sicher, dass der Secret Service mehr wusste und auch besorgter war, als der Sohn seines Schulfreundes hatte eingestehen wollen. Aber vielleicht gehörte auch das zum Spiel eines Agenten dazu.

Fabrice sah auf die Uhr. Es war kurz nach zehn. Das Flugzeug der Präsidententochter musste inzwischen auf dem Flughafen Köln/Bonn gelandet sein. Von dort aus war es nur noch ein Katzensprung zum Petersberg. Bald würde sie am Grandhotel eintreffen.

Und was dann?

Fabrice hegte noch immer Zweifel. Aber weniger an den Informationen, die Allegri mit ihm geteilt hatte, als am Verlauf. Als er in der Nacht gemerkt hatte, dass er nicht mehr weiterkommen würde, hatte er sich mit dem Anschlag auf die Moschee befasst. Die Behörden hatten den Bombenleger als einen Boris Ulbricht identifiziert. Er hatte der Bewegung der Reichsbürger angehört.

Fabrice wusste nicht viel über sie, weshalb er im Internet nach Informationen suchte. Ohne Frage war ihnen jeglicher Verstand abhandengekommen, sollten sie je welchen besessen haben. Für diese Leute existierte noch immer das Deutsche Reich. Sie erkannten die Bundesrepublik nicht an, weigerten sich, Steuern zu zahlen, bastelten sich eigene Personalausweise, Führerscheine und Autokennzeichen und formierten sich zum Protest gegen die »Besatzermacht aus Berlin«, genannt Regierung. Der Großteil dessen, was Fabrice über die Reichsbürger las, klang nach Spinnertum und wilden Verschwörungen.

Doch Ulbricht war offenbar ein spezieller Fall: ein überzeugter Neonazi, der schon früher zur Gewalt tendiert hatte, um »das Reich von ausländischem Abschaum zu säubern«. So ähnlich hatte es angeblich in dessen Tagebuch gestanden, das die Polizei bei Ulbricht zu Hause gefunden hatte. Dort hatten auch detaillierte Pläne für den Anschlag gelegen. Was den Behörden allerdings weiterhin Rätsel aufgab, war der Umstand, dass Ulbricht hatte überleben wollen.

Der Anschlag war nicht als Selbstmordkommando geplant gewesen.

Ulbricht hatte die Reichsbürgerbewegung als ihr neuer Führer übernehmen wollen. Stattdessen war er unter den Trümmern der eingestürzten Moschee begraben worden. Wie die Polizei erklärt hatte, waren die Bomben ferngezündet worden. Sie schloss aus, dass es Ulbricht selbst gewesen war.

Aber wer dann?

Fabrice dachte an Allegris Worte. Ulbricht hatte Hilfe benötigt, sonst wäre er nicht in die Moschee gekommen. Standen andere Leute dahinter, die ihn von vornherein als Bauernopfer und Kollateralschaden einkalkuliert hatten? Und wenn ja, konnte es jetzt wieder jemanden geben, der für sie die Drecksarbeit erledigte, um die Tochter des US-Präsidenten zu liquidieren? Vor allem diese Frage trieb Fabrice um.

Und dann war da noch immer der Ort. Die Behörden hatten die Sicherheitsvorkehrungen auf dem Petersberg ein weiteres Mal erhöht. Hatte das Grandhotel in den letzten Tagen schon einer Festung geglichen, kam nun niemand mehr auch nur in die Nähe, ohne an Dutzenden Beamten vorbeizumüssen. Eine Vorhut des Secret Service war bereits in der Nacht eingetroffen und hatte das Gelände nach eigenen Standards noch einmal kontrolliert und gesichert. Dazu kreisten seit dem frühen Morgen mehrere Hubschrauber der Polizei über dem Siebengebirge.

Als Fabrice am Morgen vor seinem Hotel in Köln auf den Shuttlebus gewartet hatte, war ihm ein Gedanke gekommen. Die Moschee war ein weiches Ziel gewesen. Kaum bewacht, noch dazu in der Nacht, einfach zugänglich, mitten in der Stadt gelegen. Für jemanden, der über so viel Sprengstoff und eine entsprechende Ausrüstung verfügte, hatte sie ein leichtes Ziel abgegeben. Warum wählten die Täter, wenn es denn dieselben waren, jetzt ein so ungleich schwierigeres, maximal bewachtes Ziel aus? Das ergab nur dann einen Sinn, wenn es ihnen um die politische Wirkung ging. Der Tod der First Daughter würde die Welt schockieren. Alle Augen wären plötzlich auf Deutschland gerichtet.

Und der Mann im Oval Office würde durchdrehen.

Aber ging es den Tätern wirklich darum? Vielleicht verfolgten sie ganz andere Ziele. Wie oft hatte Fabrice schon in Kaufhäusern gestanden und sich gefragt: Was, wenn jetzt ein Mann mit einem geladenen Maschinengewehr hereinkommen und das Feuer eröffnen würde? Wie lange würde es wohl dauern, ehe die Polizei vor Ort war? Fünf Minuten? Zehn? Wie viele Menschen würden bis dahin im Kugelhagel sterben? Und was brauchte es dafür? Einen einzigen Mann, ein Gewehr und einen belebten Ort. So etwas war für die Sicherheitsbehörden kaum zu verhindern. Genauso wenig wie der Amoklauf eines Mannes am Steuer eines Lkws.

Aber das hier, ein Anschlag auf eine Politikerin von solchem Rang und Namen, war eine ganz andere Hausnummer. Sie war kein weiches Ziel. Sie gehörte zu den bestbewachten Menschen auf der Welt. Und heute würde sie sich an einem der bestbewachten Orte der Welt aufhalten.

Fabrice schoss eine ganz andere Frage durch den Kopf, die er sich bis dahin noch gar nicht gestellt hatte: Was sagte es über diejenigen aus, die glaubten, einen solchen Anschlag wirklich verüben zu können? Sie waren entweder größenwahnsinnig oder, was viel beunruhigender war, derart gut ausgerüstet und professionell, dass sie einer paramilitärischen Einheit gleichen mussten. Sollte es diese Einheit wirklich geben, dann war vielleicht nicht nur ein Menschenleben in Gefahr.

Wie aufs Stichwort hörte Fabrice das Funkgerät eines Polizisten knarzen. Er konnte nicht alles verstehen. Aber der Gesichtsausdruck des Beamten verriet Fabrice alles, was er wissen musste.

Prinzessin Ziva gab sich die Ehre.

4

6. Dezember, Petersberg

Cara Allegri winkte ihn zu sich. Sie stand in der Rotunde auf der geschwungenen Treppe, die über eine Galerie ins Foyer des Grandhotels führte. Die Lobbyistin trug ein dunkelblaues Kleid, geschäftsmäßig und doch mit einer besonders eleganten Note. Eine goldene Brosche, ein Löwenkopf, funkelte Fabrice von ihrem Kostüm an, als er zu ihr trat. Ihre blonde Frisur und die Mähne des Königs aller Tiere ähnelten sich einander farblich. Fabrice hätte sich nicht gewundert, wenn Allegri sich dessen bewusst war. Sie schien ihm eine Person zu sein, die auch auf solche Details achtete.

Um ihre Hälse baumelten Ausweise mit Lichtbild, Name und Organisation sowie den Arealen, zu denen sie Zutritt hatten. Das Hotel wimmelte von Politikern, Würdenträgern, Journalisten, Dolmetschern, Lobbyisten, Vermittlern und Hilfskräften aller Art, die für eine solche Veranstaltung vonnöten waren. An allen Türen, Ein- und Ausgängen kontrollierten Sicherheitskräfte jeden, der sich von einem Raum in den nächsten bewegen wollte. Auch die Angestellten des Hotels mussten sich ständig ausweisen. Überall hingen Überwachungskameras, teils fest installiert, teils nachträglich montiert. Und Fabrice wusste aus eigener Erfahrung, dass niemand das Grundstück des Hotels betreten haben konnte, ohne vollständig kontrolliert worden zu sein. Die Fahrzeuge wurden bereits am Fuße des Berges abgefangen und von Einsatzkräften mit Spiegeln und Spürhunden abgesucht. Oben am Grandhotel angekommen, mussten alle Personen durch Metallscanner. Die Gepäckstücke wurden wie am Flughafen durchleuchtet.

Für die Medien gab es abgesperrte Bereiche, in denen sie ihre Kameras, Stative, Kabelberge, Lichter und Mikrofone aufbauen konnten. Und alles konzentrierte sich auf den eleganten Rundbau, in dem die feierliche Zeremonie stattfinden würde. Unter der hell erleuchteten Kuppel der Rotunde würden schon bald die Entscheidungsträger an einem Tisch zusammensitzen, der an eine Tafelrunde erinnerte. Die Namensschilder standen bereits aufgereiht vor den jeweiligen Mikrofonen an jedem Platz. Kabinen waren eingerichtet worden, in denen später die Dolmetscher saßen und simultan übersetzten. Gläser und kleine Fläschchen Wasser, Kaffeetassen und silberne Thermoskannen, alles war angerichtet für den letzten Schritt zu einer Welt, die morgen vielleicht ein kleines bisschen besser sein würde.

Vorausgesetzt, es passierte nicht das, was Fabrice Mannarino und Cara Allegri fürchteten.

Sie stiegen die Treppe zur Eingangshalle des Hotels empor, wiesen sich allein auf den wenigen Metern dorthin zweimal aus und wunderten sich. Dafür, dass der Ehrengast in wenigen Augenblicken eintreffen sollte, waren nur wenige Menschen hier. Da bemerkten sie ihren Fehler. Das Hotel verfügte über zwei Eingänge. Ein Portikus, eine offene Säulenhalle mit Giebeldach, diente als Entree für die Lobby. Eine modernere Konstruktion mit Glasdach jedoch trug den Namen »Präsidenteneingang«. Er führte direkt in die Gemächer der luxuriösesten Suite des Hauses. Und genau davor hatte sich das Empfangskomitee versammelt.

Fabrice und Allegri blieb nichts anderes übrig, als durch die Fensterscheiben einen Blick zu erhaschen. Sie sahen den Hotelchef neben dem Bundespräsidenten, dem Erzbischof von Köln und dem Präsidenten des jüdischen Zentralrats. Andere Würdenträger reihten sich dahinter auf. Durch Absperrbänder getrennt, drängten sich die Medienvertreter in einer kleinen Zone zusammen und kämpften um die besten Plätze.

Das Blitzlichtgewitter kündigte die Autokolonne an, noch ehe Fabrice sie sehen konnte. Sekunden später kamen schwarze SUVs in Sicht, ohne Zweifel gepanzert und mit schwer bewaffnetem Personal besetzt. Sie glitten über das Kopfsteinpflaster, bremsten sanft und kamen wie in einer einstudierten Choreografie zum Halt. Der nächste Akt ließ mehrere in schwarzen Anzügen gekleidete Männer aus den Autos springen. Die meisten von ihnen trugen die Sonnenbrillen, die viele für ein Klischee hielten. Doch sie gehörten zum Standard eines jeden Secret-Service-Agenten, genauso wie die SIG Sauer P229, die sie unter ihren weit geschnittenen Sakkos trugen. Fabrice erkannte die markanten Wölbungen im dunklen Stoff sofort. Offiziell durften ausländische Sicherheitskräfte nicht bewaffnet auf deutschem Boden agieren. Doch die US-Diplomatie machte sich über solche Spitzfindigkeiten deutscher Behörden eher lustig. Natürlich waren alle Agenten bewaffnet.

Gerade heute, dachte Fabrice.

Er erkannte einen Mann von bemerkenswerter Statur. Groß, breitschultrig, massige Hände, kahl rasierter Schädel, der Mund eine ausdruckslose Linie, zwei Falten zwischen den Augenbrauen verrieten einen finsteren Blick. Jaron Glasser hielt den Griff der hinteren Tür eines SUVs eine Sekunde in der Hand, prüfte mit einem letzten Blick die Umgebung und riss die Tür dann auf.

Fabrice musste gestehen, dass Zivas Erscheinung der einer Prinzessin würdig war. Langsam, fast schon bedächtig kamen erst ihre schlanken Beine zum Vorschein, die Füße in schwarzen High Heels. Ein anthrazitfarbener Rock, der sich einen Augenblick später als Teil eines eleganten Kostüms herausstellte, saß knapp über ihren Knien. Einer Dame ihres Status angemessen, stieg sie selbstsicher aus dem Wagen, würdigte ihren Agenten keines Blickes und richtete ihre Aufmerksamkeit stattdessen auf die Menschen, die sie erwarteten. Als Fabrice schon dachte, Jaron werde die Tür wieder zuschlagen, folgte zu seiner Überraschung ein zweites Paar Beine. Sie steckten in auf Hochglanz polierten dunkelbraunen Lederschuhen und einer mittelblauen Anzughose.

Die Prinzessin hatte ihren Prinzen mitgebracht.

»Pfui Teufel«, spie Allegri neben ihm aus. »Hätte sie ihren Dackel nicht zu Hause lassen können?«

Sie schien eine ähnliche Meinung über den ach so perfekten Schwiegersohn des US-Präsidenten zu haben wie Fabrice. Ein smarter, eiskalter Geschäftsmann, der sich für keine Lüge und keinen Betrug seiner eigenen Werte zu schade war. Ein modern orthodoxer Jude, der die Geschichte seiner Familie dazu missbrauchte, Politik zu machen. Der sich nicht einmal schämte, seine eigene Religion und die seiner konvertierten Ehefrau dazu zu nutzen, um seinem Schwiegervater ein Alibi für dessen antisemitische Ausfälle zu liefern. Ein loyaler Arbeiter und gewiefter Stratege, der als Sohn eines Milliardärs mit zweifelhaftem Ruhm das Familienimperium nur noch mächtiger gemacht hatte und nun im Weißen Haus Chefstratege spielen durfte.