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Examensarbeit aus dem Jahr 2004 im Fachbereich Didaktik - Politik, politische Bildung, Note: 14 Punkte, , Veranstaltung: Referendariat, Sprache: Deutsch, Abstract: In einer Nachbargemeinde von Langenselbold wurde vor einiger Zeit ein Sozialdatenbericht vom Main-Kinzig-Kreis erstellt, der sich unter anderem auch mit den Wünschen und Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen dieser Gemeinde befasst. Davon ausgehend wurde von einer Gruppe, in der sich neben der Bürgermeisterin und dem Jugendpfleger auch freiwillige Mitglieder befinden, eine Zukunftswerkstatt zu diesem Thema initiiert. Eine dieser Freiwilligen ist auch an die Käthe-Kollwitz-Schule herangetreten, um für ihr Projekt zu werben. Da in der Klasse 7h, in der ich das Fach Gesellschaftslehre unterrichte, keine Schülerinnen und Schüler in dieser Gemeinde wohnen, erschien eine Teilnahme aber nicht sinnvoll. Trotz allem gab dies den Anlass, ein ähnliches Vorhaben, nur auf die Gemeinde Langenselbold übertragen, durchzuführen. Zwar kann in der Kürze der Zeit nicht ein so groß angelegtes Projekt gestartet werden, da für Langenselbold noch kein Sozialdatenbericht in dieser Form vorliegt. Trotzdem sind auch die Jugendpflegerinnen der Gemeinde sehr an den Ergebnissen dieses Vorhabens interessiert, da auch dort derzeit per Fragebogen versucht wird, die Wünsche und Bedürfnisse der ansässigen Kinder und Jugendlichen zu ermitteln. Diese vorliegende Befragung konnte gut in das Vorhaben integriert werden, da sie sich an die Kinder und Jugendlichen der Klassen 5-10 richtet. Ein weiterer wichtiger Faktor – auch für die Motivation der Schülerinnen und Schüler – ist die Teilnahme am „ProjektWettbewerb 2003“ der Bundeszentrale für politische Bildung. Dabei steht unter anderem auch das Thema „Wir mischen uns ein“ zur Wahl, dessen Projektbeschreibung sich in etwa mit dem angestrebten Ergebnis der im Anschluss vorgestellten Unterrichtseinheit deckt. Dabei hat die Klasse die Möglichkeit durch die Einsendung einer Wandzeitung und eines Projektberichts eine Klassenfahrt oder Geld- bzw. Sachpreise zu gewinnen.
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Veröffentlichungsjahr: 2004
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In einer Nachbargemeinde von Langenselbold wurde vor einiger Zeit ein Sozialdatenbericht vom Main-Kinzig-Kreis erstellt, der sich unter anderem auch mit den Wünschen und Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen dieser Gemeinde befasst. Davon ausgehend wurde von einer Gruppe, in der sich neben der Bürgermeisterin und dem Jugendpfleger auch freiwillige Mitglieder befinden, eine Zukunftswerkstatt zu diesem Thema initiiert. Eine dieser Freiwilligen ist auch an die Käthe-Kollwitz-Schule herangetreten, um für ihr Projekt zu werben. Da in der Klasse 7h, in der ich das Fach Gesellschaftslehre unterrichte, keine Schülerinnen und Schüler in dieser Gemeinde wohnen, erschien eine Teilnahme aber nicht sinnvoll. Trotz allem gab dies den Anlass, ein ähnliches Vorhaben, nur auf die Gemeinde Langenselbold übertragen, durchzuführen. Zwar kann in der Kürze der Zeit nicht ein so groß angelegtes Projekt gestartet werden, da für Langenselbold noch kein Sozialdatenbericht in dieser Form vorliegt. Trotzdem sind auch die Jugendpflegerinnen der Gemeinde sehr an den Ergebnissen dieses Vorhabens interessiert, da auch dort derzeit per Fragebogen versucht wird, die Wünsche und Bedürfnisse der ansässigen Kinder und Jugendlichen zu ermitteln. Diese vorliegende Befragung konnte gut in das Vorhaben integriert werden, da sie sich an die Kinder und Jugendlichen der Klassen 5-10 richtet. Ein weiterer wichtiger Faktor - auch für die Motivation der Schülerinnen und Schüler - ist die Teilnahme am „ProjektWettbewerb 2003“ der Bundeszentrale für politische Bildung. Dabei steht unter anderem auch das Thema „Wir mischen uns ein“ zur Wahl, dessen Projektbeschreibung sich in etwa mit dem angestrebten Ergebnis der im Anschluss vorgestellten Unterrichtseinheit deckt. Dabei hat die Klasse die Möglichkeit durch die Einsendung einer Wandzeitung und eines Projektberichts eine Klassenfahrt oder Geld- bzw. Sachpreise zu gewinnen.
In diesem Zusammenhang stellt sich natürlich die Frage, ob durch handlungsorientierte Zugänge zu erreichen ist, dass die Schülerinnen und Schüler der Klasse 7h durch die Kenntnis eventueller Partizipationsmöglichkeiten von sich aus realistische Ideen entwickeln, mit denen sie sich in das Leben ihrer Gemeinde „einmischen“ können, d.h. ob für sie bei dieser speziellen Behandlung des Themas „Mein Leben in der Gemeinde“ eine Handlungsrelevanz entsteht. Um es mit W. Wallrabenstein zu sagen:„Wodurch kann auch die Schule zur Verwurzelung der Erfahrung verhelfen, dass die Lern- und Lebenswelt als integrierende Mitwelt zu gestalten ist?“2
2W. Wallrabenstein:Offene Schule - Offener Unterricht;S. 252
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Die Ziele der Einheit ergeben sich eigentlich aus der Problemstellung. Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 7h sind Teil der Gemeinde, auch die Schüler, die nicht dort leben, verbringen einen nicht unerheblichen Teil ihrer Zeit (Schule, Freizeitgestaltung) in Langenselbold. Derzeit arrangieren sie sich mit den lokalen Gegebenheiten, da sie über ihre Partizipationsmöglichkeiten nicht informiert sind und auch Kenntnisse über entsprechende Institutionen nur in geringem Maß vorhanden sind. Den Jugendlichen fehlt also in gewisser Hinsicht die inhaltliche und methodische Basis zum „demokratiekompetenten Bürger“. Auch wenn sich an das geplante Unterrichts-vorhaben möglicherweise kein greifbarer Erfolg im Sinne einer tatsächlichen Veränderung anschließt, besteht für die Lernenden dennoch die Chance aktiv und selbst handelnd zu erfahren, welche Einflussmöglichkeiten für sie jetzt und auch später bestehen. Denn am Beispiel der vergleichsweise überschaubaren Kommunalpolitik können die Jugendlichen darüber hinaus auch erfahren, was in einigen Bereichen das politische Geschehen auf Landes- und Bundesebene bestimmt.
Da sich in der Vergangenheit gezeigt hat, dass die Lerngruppe auf handlungs- und produktionsorientierten Unterricht (s. Punkt 3.2.) sehr positiv reagiert und durch die dabei nötige Form der Selbsttätigkeit die Motivation vielfach verstärkt wird, soll das dem direkten Nahbereich der Jugendlichen entnommene Thema so weit wie möglich diesen Anspruch erfüllen. Ergänzend muss noch gesagt werden, dass im Allgemeinen das Interesse an Politik - wie die aktuelle Shell-Studie belegt - immer mehr nachlässt. Es interessierten sich im Jahr 2002 nur noch 11% der 12-14-jährigen - also eine deutliche Minderheit - für Politik. Außerdem wird von der Studie das politische Engagement von den meisten Jugendlichen als unwichtig eingestuft.3In der Regel ist das Thema „Leben in der Gemeinde“ ein eher „unbeliebtes“ Thema, da es im schulischen Alltag - wenn überhaupt - häufig in Form von reiner Institutionenkunde vermittelt wird. An der Käthe-Kollwitz-Schule wurde das Thema bisher nur selten und wenn sehr kurz behandelt, obwohl es im schulinternen Curriculum im siebten Jahrgang verortet ist. Es ist natürlich unmöglich das herrschende Desinteresse bei einer weit verbreiteten Politikverdrossenheit in der Gesellschaft mit der einmaligen Behandlung eines solchen Themas gänzlich zu beheben: Allerdings besteht m. E. durch handlungs- bzw. schülerorientierte Zugänge die Chance, eine Annäherung an das sonst so abstrakte Thema „Kommunalpolitik“ zu erreichen und den Schülerinnen und Schülern damit Mittel und Wege aufzuzeigen, was sie selbst in Angriff nehmen können, wie scheinbare Grenzen überwunden werden können und welche Ziele realistisch bzw. unrealistisch sind.
3vgl. W. Mattes (Hrsg.)Team 2 - Ein Arbeitsbuch für den Politikunterricht;S. 71
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Abschließend muss noch festgehalten werden, dass es in der vorliegenden Arbeit hauptsächlich um Handlungsorientierung bezüglich der politischen Bildung im sozialen Aktionsfeld der Gemeinde geht. Allerdings sind einige grundlegende Begriffsklärungen zur politischen Fachsprache notwendig, die nicht außer Acht gelassen werden sollen; auch weil viele Erziehungsziele der politischen Bildung dem Prinzip bzw. der didaktischen Konzeption „Handlungsorientierung“ entsprechen (s. Punkt 2.3.ff).
Das Thema der Arbeit setzt inhaltlich die Auseinandersetzung mit dem didaktischen Prinzip „Handlungsorientierung“ und verschiedenen Bereichen der Kommunalpolitik, die im Folgenden kurz skizziert werdend sollen, voraus. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt eindeutig im Bereich der Methodik, wobei es im engeren Sinne eigentlich nicht korrekt ist, „Handlungsorientierung“ unter die Überschrift „Methodik“4zu setzen, weil es sich dabei um einen „pädagogischen Leitbegriff [handelt], der verschiedene didaktisch-methodische Prinzipien integriert“5. Da es in der durchgeführten Einheit aber hauptsächlich um die Anwendung handlungsorientierter Methoden geht, verwende ich den Begriff in einem weiteren Sinne.
Einerseits sind Gemeinden von der Wortbedeutung her Gemeinschaften, in denen Menschen miteinander leben (Familie, Nachbarschaft, Wohnort etc.). Diese Gemeinschaften unterliegen gewissen Regeln, je mehr Mitglieder sie haben, desto schwieriger ist meist das Regelwerk (Sitten, Gebräuche, Gesetze usw.). Ein Individuum kann auch verschiedenen Gemeinden angehören, wodurch es verschiedenen Regelwerken unterordnen muss. Beispielsweise gehört ein Mensch neben der familiären Gemeinde auch einer kulturellen und politischen Gemeinde (Dorf bzw. Stadt) an.
„DieGemeinden (Kommunen) bilden das unterste politische Gemeinwesen im Staat, sind die unterste Stufe in der politischen Gliederung der Bundesrepublik Deutschland (Bundesgebiet, 16 Bundesländer, gegliedert in Regierungsbezirke und diese wiederum in kreisfreie Gemeinden (Städte), Landkreise und Gemeinden.) Die Gemeinden besitzen das Recht der Selbstverwaltung [Art. 28 GG]. Im Rahmen der Gesetze regeln sie alle Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft in eigener Verantwortung.“6
4Der Methodenbegriff in der Politikdidaktik ist auf wissenschaftlicher Ebene immer noch ein Bereich, in dem Uneinigkeit herrscht. In der entsprechenden Literatur gibt es die unterschiedlichsten Begriffsbestimmungen, deren Diskussion hier zu weit führen würde (vgl. T. Krüger, S. Schiele:Methodentraining im Politikunterricht;S. 7ff)
5G. Weißeno (Hrsg.):Lexikon der politischen Bildung;S. 70f
6E. Thurich:Pocket Politik. Demokratie in Deutschland;S. 019
