Mein Sommer am See - Emylia Hall - E-Book

Mein Sommer am See E-Book

Emylia Hall

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Beschreibung

Eines Tages bekommt Beth ein Paket. Darin ein Album mit Fotos, Notizen und anderen Erinnerungsstücken, die Beth noch nie zuvor gesehen hat. »Das Buch unserer Sommer«, in dem ihre Mutter Marika die Erinnerung an jene Sommerferien festgehalten hat, die Beth in ihrer Jugend bei ihr in Ungarn verbrachte. Eine Zeit, in der Beth hin und her gerissen war zwischen ihrem zurückhaltenden Vater, mit dem sie im englischen Devon lebte, und der temperamentvollen Mutter, die die Sehnsucht nach der Heimat von ihrer Familie fortgetrieben hatte. Eine Zeit, in der Beth sich nichts sehnlicher wünschte, als endlich ihren Platz im Leben zu finden. Eine Zeit, die mit einer schockierenden Enthüllung endete, als Beth gerade 16 war. Seit damals hat Beth jeden Gedanken an diese Zeit weit von sich geschoben. Doch das Album bringt all ihre Erinnerungen wieder zurück – an die erste Liebe, an flirrend heiße Sommertage und kühle Waldseen. Und an den Tag, an dem alles zerbrach …

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Seitenzahl: 525

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Eines Tages bekommt Beth ein Paket. Darin ein Album mit Fotos, Notizen und anderen Erinnerungsstücken, die Beth noch nie zuvor gesehen hat. Das Buch unserer Sommer, in dem ihre Mutter Marika die Erinnerung an jene Sommerferien festgehalten hat, die Beth in ihrer Jugend bei ihr in Ungarn verbrachte. Eine Zeit, in der Beth hin und her gerissen war zwischen ihrem zurückhaltenden Vater, mit dem sie im englischen Devon lebte, und der temperamentvollen Mutter, die die Sehnsucht nach der Heimat von ihrer Familie fortgetrieben hatte. Eine Zeit, in der Beth sich nichts sehnlicher wünschte, als endlich ihren Platz im Leben zu finden. Eine Zeit, die mit einem Schock endete, als Beth gerade 16 war.

Seit damals hat Beth jeden Gedanken an diese Zeit weit von sich geschoben. Doch das Album bringt all ihre Erinnerungen wieder zurück – an die erste Liebe, an flirrend heiße Sommertage und einen kühlen Waldsee. Und an den Tag, an dem alles zerbrach …

EMYLIA HALL wurde 1978 als Tochter eines englischen Künstlers und einer aus Ungarn stammenden Kostümbildnerin geboren. Die Familie lebte im ländlichen Devon im Südwesten Englands, verbrachte aber jeden Sommer in Ungarn. Nach ihrem Studium in York und Lausanne arbeitete Emylia für eine Werbeagentur in London, bevor es sie in die französischen Alpen verschlug. Dort entschloss sie sich, ihren lang gehegten Traum vom eigenen Roman Wirklichkeit werden zu lassen. Ihr Debütroman »Mein Sommer am See« war auf Anhieb ein großer Erfolg und wurde in zahlreiche Länder verkauft.

Emylia Hall lebt heute mit ihrem Mann in Bristol.

Emylia Hall

Mein Sommer am See

Roman

Aus dem Englischen von Astrid Finke

Die englische Originalausgabe erschien 2012 unter dem Titel The Book of Summers bei Headline Review, an imprint of Headline Publishing Group.Auszug aus »Bist du einst alt« zitiert nach: William Butler Yeats, Die Gedichte, München, Luchterhand, 2005; Deutsch von Christa Schuenke.

1. Auflage

Deutsche Erstveröffentlichung Juni 2014

Copyright © 2012 Emylia Etherington

Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2013 bei btb Verlag

in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München

Umschlaggestaltung: © semper smile, München

Umschlagmotiv: © plainpicture / Bias

Satz: Uhl + Massopust, Aalen

MI · Herstellung: sc

ISBN 978-3-641-13195-1www.btb-verlag.de

www.facebook.com/btbverlag

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Für Robin & Familie Hall

Sitzt du einst alt und grau am Feuer dort,Dann greif nach diesem Buch, blättre zurückUnd lies gemächlich, träum von deinem Blick,So weich, von tiefen Schatten sanft umflort.W. B. Yeats, »Bist du einst alt«

Prolog

Es sind weiße Abende wie dieser, wenn der Schnee von draußen gegen die Fensterläden drückt und zarter Frost die Scheiben überzieht, an denen Marika sich das Buch holt. Sie blättert durch die Seiten und verschwindet in all den sonnendurchfluteten Tagen.

Da ist Erzsi in den frühen Morgenstunden, wenn weiches Licht den Tau vertrieb und alle ins Freie lockte, mit geröteten Wangen. Da ist sie an den späten Nachmittagen, wenn eine drückende Hitze einsetzte, sodass man nur noch daliegen konnte, alle viere von sich gestreckt – auf dem gelben Rasen, im Waldsee, unter dem Dach der Akazienkronen. Da ist sie an den träge schwindenden Abenden, wenn die ermattete Sonne auf die verblassten Berge herabsank und sie zusammen auf der Terrasse saßen und sich in den letzten Strahlen rekelten.

Marika betrachtet die Bilder und spürt sie, flüchtig, den Blick erwidern.

Ihr Verhältnis zu dem Buch ist besonders. Sie hat es selbst gemacht, mit zielstrebigen Fingern und Tränen, die die Tinte verschmieren, mit Farbe und Klebstoff und Schnipseln und Stückchen. Sie hat fotografiert, wenn niemand wusste, dass fotografiert wurde, daher erscheinen die Bilder auf den Seiten wie geflüsterte Geheimnisse. Der Stoffeinband ist mit Blumen bemalt, Kringel und Striche in hellem Weiß, Blüten, die nicht verblüht sind – im Gegensatz zu den echten Blumen draußen, die sich um die Veranda ranken und bei Einbruch der Nacht welken und eingehen. Sie erinnert sich noch an das Mischen der Farben, an ihren steifen Nacken, als sie sich unbeholfen über die quadratische Leinwand beugte, an Zoltáns sanftes Lachen, als sich ihre Zungenspitze vor lauter Konzentration zwischen die Lippen schob. Die Idee mit der Beschriftung hatte sie erst später, deshalb sind die Worte willkürlich mit schwungvollen, aufstrebenden Buchstaben zwischen die Blütenblätter gesetzt: Das Buch unserer Sommer. Ein Name, der der Seligkeit des ersten und der Vorfreude auf all die künftigen Sommer entsprang.

Marika liebt und hasst das Buch in beinahe gleichem Maße. Denn wenn sie durch die Seiten blättert, ist sie eine Zeitreisende. Aber sie ist in Ketten gelegt.

Die Fotografien sprühen vor Leben und locken sie mit ihren Verheißungen. Sie riecht Kokosöl, das zum Schutz vor der Sonne auf blasse Haut gerieben wird. Sie riecht Holzrauch, der sich in den Haaren festsetzt, als hätte man durch züngelnde Flammen getanzt. Sie riecht Kirschbrausepulver, das ein süßes Prickeln auf der Zunge hinterlässt. Sie senkt den Kopf über die Seiten, zu sehr im Augenblick gefangen, und plötzlich ist der einzige Duft, den sie wahrnimmt, der von Papier. Trocken, muffig und leblos.

Eine Stimme ruft ihren Namen. Sie schließt das Buch und stellt es wieder ins Regal. Dann kehrt sie zurück zu dem Leben, das sie jetzt hat. Dem Leben, das sie einst wählte. Und alles, was verloren ist, bleibt zwischen den Seiten des Buches zurück.

Eins

Freitagmorgen begann, wie englische Sommermorgen häufig beginnen, mit einer schüchternen, verzagt aufgehenden Sonne und Wolkenfetzen, die bis zum Frühstück verweht waren. Mein Vater kam zu Besuch, daher hätte ich wissen müssen, dass es auf keinen Fall ein normaler Tag würde, trotz seines verheißungsvollen Anfangs. Es war das erste Mal, dass er mein Londoner Zuhause sah, und dabei war ich nicht gerade neu in der Stadt. Mit siebzehn hatte ich mich für die Kunsthochschule und für London entschieden. Ich wollte mich verlieren, und dafür schien es mir genau der richtige Ort zu sein. An den Tag vor zwölf Jahren, an dem ich von zu Hause auszog, erinnere ich mich noch heute, an meinen Vater, der auf dem Bahnhofsparkplatz neben dem Auto stand, eine Hand zum Abschied erhoben, mit der anderen bereits in der Hosentasche nach dem Schlüssel tastend. Dann das Tuckern des Auspuffs, als er vor dem Eingang zum Bahnhof an mir vorbeifuhr – dieses Mal, ohne mich zu bemerken, denn er saß über das Lenkrad gebeugt wie jemand, der bereits spät dran war. Ich sah ihm nach, der einzigen Familie, die ich hatte.

Familie. Ein Wort, das mir nie sonderlich behagte. Andere mag es an lärmende Abendessen mit Ellbogen auf dem Tisch erinnern und an alte Witze, die geknetet und gezogen werden wie Brotteig. Oder an schrullige Tanten und langmütige Onkel, unförmige Sackkleider und struppige Schnurrbärte, den unsanften Druck einer wohlmeinenden Umarmung. Oder einfach an ein Haus in einer Straße. Handabdrücke in weichem Beton. Die verknoteten, ausgefransten Seile einer alten Schaukel am Ast eines Apfelbaums. Aber mich? Es erinnert mich an nichts davon. Es ist ein Wort, das mich auflöst. Wie ein loser Faden an einem Pulli, an dem man zieht und der rasch zu einem wirren Knäuel in den hohlen Händen wird.

Seit meinem Studium habe ich auf beiden Seiten des Flusses gelebt, in schuhkartongroßen Wohnungen und geräumigen Stadthäusern; allein in einem feuchten Keller in Bloomsbury, mit sieben Mitbewohnern in einer verfallenen, ehemals herrschaftlichen Villa am Rande von Camden. Nun wohne ich in einem adretten Reihenhaus in Mile End, mit einem Gärtchen und einem verirrten Zwerg darin. Meine Mitbewohnerin Lily singt Frank Sinatra im Badezimmer und trägt einen pechschwarzen Bob, der wie Sirup glänzt. Unsere Straße liegt im Schatten einer Hochhaussiedlung, und drei Türen weiter steht ein herrenloser Fiat, dessen Heckscheibe Sprünge wie ein Schlittschuhteich hat. Einmal sah ich ausgestreckt auf dem Asphalt eine Katze liegen, schwarz und weiß und mausetot, ein Bild, das ich nie ganz aus dem Kopf bekommen habe. Ein anderes Mal pickten ein paar Tauben am Skelett eines Brathähnchens, als ich aus der Haustür trat. Ich hastete vorbei und tat, als hätte ich es nicht gesehen, wie ein beunruhigter Bürger, der ein Verbrechen nicht bemerken möchte. Nach nur fünf Minuten mit dem Fahrrad kann ich im Victoria Park liegen, neben mir einen Stapel Zeitungen und Bücher. Ich gehe gern in ein Café, wo die Eigentümerin mir, wenn die Sonne strahlt, einen Kaffee spendiert, bevor sie sich neben mich an einem wackligen Tisch setzt und in ihrer blauen Schürze billige Zigaretten raucht. Alles in allem fühle ich mich wohl hier. Es ist ein Ort, an dem ich meinen Vater willkommen heißen kann, ohne dass sich kompliziertere Empfindungen aufdrängen.

Er war immer älter als andere Väter. Als ich klein war, brachte er mich zum Kichern, indem er behauptete, er sei bereits uralt auf die Welt gekommen, mit einer Brille, die ihm schon in der Wiege von der Nase rutschte, und faltigen Knien. Wenn andere Väter laut riefen und lachten, Jeans trugen und an Sommertagen Wasserrutschen aus Plastikplanen bauten, saß meiner in seinem Arbeitszimmer, die Ärmel bis zu den Ellbogen aufgekrempelt, versunken in seine Bücher. Dann schlich ich mich davon und suchte ihn, folgte dem leisen Geräusch einer sich schließenden Tür oder dem Knarzen einer Treppenstufe. Er legte einen Finger auf meine Wange und nannte mich seine kleine Betty. Und ich klammerte mich an seine Cordhose.

Beim Frühstück strich ich Marmelade auf seinen Toast und überreichte ihn ihm beseelt von Fürsorge. Er öffnete für mich die neue Cornflakes-Schachtel, kämpfte mit dem Plastikbeutel, schüttete Flocken in die Schüssel und stibitzte sich eine. Sonntagabends bügelte er meine Schuluniformen und hängte sie sorgfältig auf rosengemusterte Bügel, die Rückseiten waren jedes Mal verknittert. Und manchmal kam ich nach Hause und fand auf dem Küchentisch, immer in derselben Ecke, ein Geschenk. Ein Buch mit Erzählungen. Einen neuen liniierten Schreibblock. Ein Set aus drei spitzen Bleistiften. Wir kochten Tee und lasen zusammen Unsinnsgedichte, und wenn ich ins Bett ging, träumte ich von Quangle Wangles und einem wunderschönen erbsengrünen Boot.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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