Mein Wunscherbe. Teil 1: Zwischen zwei Welten - Dietlinde Hachmann - E-Book

Mein Wunscherbe. Teil 1: Zwischen zwei Welten E-Book

Dietlinde Hachmann

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Beschreibung

15 Jahre hat es gedauert bis Dietlinde Hachmann das Erbe ihrer Mutter öffnen konnte. Ein großes Paket, in Plastikfolie verpackt, mit Paketband verklebt. Fotoalben kamen zum Vorschein, Unterlagen darüber, dass die Mutter 1954 in Hamburg die Deutsch-Indische Gesellschaft gegründet hatte, und Briefe, Briefe, Briefe. Von der Gründung hatte die Tochter gewusst, auch, dass die Mutter 1956 in Indien war, aber alles andere? Vielleicht hatte es jemand vermutet, aber gewusst hatte das niemand. Denn das Paket enthielt die Antwort auf die Frage nach dem Bild an der Wand im Schlafzimmer ihrer Mutter. Es war die Fotografie von Onkel Deboo, jedenfalls hatten Dietlinde und ihre Schwestern ihn immer so genannt. Er stand an einer Straße im Himalayagebirge, lässig die Hand in der Hosentasche. Eine fast unglaubliche Geschichte offenbarte sich: spannend, interessant, bemerkenswert, traurig, lehrreich, gefühlvoll, dramatisch, anziehend - das sind nur einige der Attribute, die diese Lebensgeschichte charakterisieren. 1937 beschließt die 19jährige Lieselotte in Schottland zu studieren. Dort lernt sie die "Liebe ihres Lebens" kennen, einen Studenten aus Indien. Der 2. Weltkrieg beendet jäh, was noch gar nicht begonnen hatte. In Deutschland heiratet sie ihren deutschen Verehrer Hans und wird bis 1951 Mutter von 4 Töchtern. Nach dem Krieg und der Flucht ist die Familie plötzlich bettelarm und auf Hilfe angewiesen. Ist es Schicksal, dass Lieselotte in Hamburg auf indische Studenten trifft, die sie in der Deutsch-Indischen Gesellschaft zusammenführt? Dass sie den Ministerpräsidenten Indiens, Nehru, kennenlernt? Dass sie, einer plötzlichen Eingebung folgend, ihren Freund aus Schottland in Indien ausfindig macht, einen intensiven Briefwechsel mit ihm pflegt und schließlich, mit Hilfe ihres Ehemannes, eine mehrmonatige Reise nach Indien plant, ohne Familie? Eine, nein zwei ergreifende Liebesgeschichten und den Beginn einer ungewöhnlichen Reise erzählen die Briefe aus Dietlinde Hachmanns "Wunscherbe". Um ihren eigenen Kindern und Geschwistern die unbekannte und faszinierende Geschichte ihrer Mutter zu erzählen, beschloss Dietlinde Hachmann, ein Buch darüber zu schreiben.

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Seitenzahl: 480

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Dietlinde Hachmann

Mein Wunscherbe.

Teil 1: Zwischen zwei Welten

Eine biografische Liebes-Reise-Dokumentation über die Gründerin der Deutsch-Indischen-Gesellschaft in Hamburg e.V.

Hachmann, Dietlinde: Mein Wunscherbe. Teil 1: Zwischen zwei Welten. Eine biografische Liebes-Reise-Dokumentation über die Gründerin der Deutsch-Indischen-Gesellschaft in Hamburg e.V., Hamburg, ACABUS Verlag 2010

1. Auflage

ISBN: 978-3-941404-13-7

Die Buch-Ausgabe dieses Titels trägt die ISBN 978-3-941404-12-0 und kann über den Handel oder den Verlag bezogen werden.

Lektorat: Daniela Sechtig, ACABUS Verlag

Umschlaggestaltung: Daniela Sechtig, ACABUS Verlag

Umschlagsmotiv, Übersetzung Englisch – Deutsch und Transliteration Sütterlin – lateinische Druckschrift: Dietlinde Hachmann

Der ACABUS Verlag ist ein Imprint der Diplomica Verlag GmbH, Hermannstal 119k, 22119 Hamburg.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen

Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über

http://dnb.d-nb.de abrufbar.

© ACABUS Verlag, Hamburg 2010

Alle Rechte vorbehalten.

http://www.acabus-verlag.de

eBook-Herstellung und Auslieferung: readbox publishing, Dortmundwww.readbox.net

Lieselotte und Hans Hachmann sowie Dr. Debabrata Chatterjee haben zaghafte Zeichen und Spuren auf dieser Welt hinterlassen, die es wert sind, deutlicher gezeigt zu werden, um sie in Erinnerung zu behalten.

Dieses Buch habe ich für meine Schwestern und unsere Kinder geschrieben.

Übersetzung aus Bengali von Amal C. Ray:

An meine deutsche Mutter

Du hast mir unendliche mütterliche Liebe gegeben – für unsere ganze Familie war deine Liebe kostbar.

Mit großer Achtung

Ratna Banerjee

im Mai 2009

PROLOG

Gegenwart

Mit einer dampfenden Tasse Tee in der Hand betrat ich mein Arbeitszimmer. Ich hatte mir vorgenommen, endlich mal wieder meinen Schreibtisch aufzuräumen. Nun saß ich da, betrachtete die vielen ungeordneten Stapel Papiere und überlegte, womit ich beginnen sollte, als mein Blick auf mein Wunscherbe fiel. Das war ein zusammengeschnürtes, mit Plastikfolie überzogenes, verklebtes Bündel. Ich hatte es noch nie geöffnet, obwohl es seit Jahren in meinem Besitz war. Ich konnte mich noch sehr gut daran erinnern, wie es zu diesem Wunscherbe gekommen war.

Nach meiner Trennung und Scheidung war ich mit meiner jüngsten Tochter von Hamburg nach Stuttgart umgesiedelt. Zwei Jahre später besuchte uns zum ersten Mal meine Mutter, die nach Ablenkung suchte, da kurz zuvor mein Vater gestorben war und sie sehr darunter litt. So verlebte sie mit uns zwei Wochen, die in meiner Erinnerung die schönste Zeit war, die wir je zusammen verbracht hatten. Die Tage und Stunden vergingen im Nu. Wir sprachen über Vergangenes, Gewesenes. Von der gerade erlebten Vergangenheit glitten wir hinüber zur fast vergessenen. Sie erzählte aus ihrem Leben, was für mich völlig neu war und was es bis dahin noch nie gegeben hatte. Ich war erstaunt, ergriffen, fasziniert. Erst als ich damit begann, ihr Fragen zu stellen, geriet sie ins Stocken. Sie suchte nach Antworten. Fast schien es mir, als schämte sie sich. Schließlich brach sie das Gespräch ab und meinte beendend:

„Das kannst du ja alles einmal nachlesen, wenn du willst.“

„Nachlesen?“, fragte ich.

„Ja“, meinte sie zögernd, „es gibt noch Briefe, ein paar Fotos und noch so Allerlei.“

„Daran bin ich sehr interessiert. Kannst du mir das alles mit der Post schicken, wenn du wieder zu Hause bist?“, wollte ich wissen und hätte gerne sofort damit begonnen, es zu studieren.

Aber sie lehnte ab: „Nach meinem Tod kannst du alles bekommen.“

Sechs Jahre später, am 1. Mai 1989, starb sie. Sie hatte verfügt, in ihrem kostbarsten indischen Gewand, einem rot-goldenen Sari, verbrannt zu werden. Etwas mehr als vier Wochen später wurde die Urne mit ihrer Asche nach Seemannsbrauch in der Ostsee beigesetzt. Es war ein Sonntag. An diesem Tag kamen wir vier Kinder in den Räumen unserer Mutter zusammen, um ihre letzten Besitztümer, die sie nicht bereits testamentarisch vererbt hatte, unter uns aufzuteilen.

Sie hatte Wort gehalten, mein Name klebte auf dem großen, trotzdem unscheinbar wirkenden, verschnürten Paket, von dem meine drei älteren Schwestern zwar Notiz nahmen, aber kein Interesse an seinem Inhalt zeigten.

Weitere sechs Jahre vergingen. Ich hatte das Paket bis dahin noch nie öffnen können. Obwohl ich sehr neugierig war, hielt mich stets irgendetwas davon ab. Eine innere Stimme schien mir immer zu sagen: „Nein, nicht jetzt.“

Außerdem hatte sich in dieser Zeit viel ereignet. Ich hatte ein zweites Mal geheiratet. Mein Mann und ich kauften uns ein Haus mit Grundstück, denn wir hatten beschlossen, noch einmal Eltern zu werden. In den folgenden Jahren hatte ich deshalb überhaupt keine Zeit, an mein gewünschtes Erbe zu denken. So stand es jahrelang in meinem Arbeitszimmer auf einem Schrank und erinnerte mich von Zeit zu Zeit an seine Existenz. Manchmal hätte ich es zwar gern geöffnet, aber es gab nicht genügend ruhige Momente, und dann dachte ich jedes Mal: „Irgendwann kommt schon noch der richtige Zeitpunkt!“

An diesem Samstagnachmittag war es endlich soweit. Ich räumte nicht auf, wie ich es vorgehabt hatte. Stattdessen mühte ich mich damit ab, das schwere Paket vom Schrank auf meinen Schreibtisch zu wuchten. Langsam und vorsichtig zerschnitt ich die vielen Klebebänder und befreite den Inhalt Schicht für Schicht vom Plastik. Das Paket war sorgsam verpackt und sollte nicht dazu dienen, einem schnellen Neugierigen Einblick zu verschaffen. Bedächtig entfernte ich deshalb die letzte Verpackungsschicht und verspürte eine seltsame Erregung, die sich allerdings gleich wieder legte, als ich drei Fotoalben entdeckte, die ich kannte. Es waren die Bilder ihrer Reise nach Indien, die sie 1956 unternommen hatte und die ich als junges Mädchen einmal mit ansehen durfte, während meine Mutter Gäste hatte und beim Präsentieren der Fotos von dieser Reise erzählte. Ich blätterte kurz einige Seiten um und legte die Alben dann zunächst zur Seite. Dasselbe tat ich mit weiteren Alben, die ich aber noch nie zuvor gesehen hatte.

Schließlich kamen zwei einzelne Fotografien zum Vorschein. Eine zeigte meine Mutter im Himalaya an einer Straße am Geländer stehend, das andere Foto Onkel Deboo an derselben Stelle. Sie hatten sich gegenseitig aufgenommen. Onkel Deboo war Inder, er gehörte zur Familie, solange ich denken konnte. Ich hatte ihn nie kennen gelernt, aber sein Porträt hing immer in meinem Elternhaus an der Wand. Früher im Wohnzimmer, die letzten Jahre im Schlafzimmer meiner Mutter. Deshalb war auch das nichts Besonderes.

1. Deboo

2. Lieselotte

Interessanter erschien mir das Päckchen darunter. Ich sah unzählige Briefe, sorgsam gestapelt. Der erste Brief stammte von meinem Vater Hans. Er war mit rotem Stift nummeriert, aber bis auf die Anschrift, konnte ich leider nichts entziffern. Die Handschrift war aber eindeutig seine. Klitzekleine Buchstaben tummelten sich säuberlich mit Tinte geschrieben auf dünnen Luftpostbriefseiten. Die Winzigkeit dieser Schrift wäre ausreichend gewesen, nichts erkennen zu können, es gipfelte aber darin, dass er in Sütterlinschrift geschrieben hatte. Vielleicht handelte es sich auch um die recht ähnliche Kurrentschrift, die in der Jugend meines Vaters an den Schulen gelehrt wurde. Ich war jedenfalls nicht in der Lage, die Briefe zu lesen.

Es gab viele kleine blaue Luftpostumschläge, von denen die Briefmarken meist sorgfältig herausgeschnitten waren. Absender war Onkel Deboo. Seine Schrift konnte ich gut lesen, allerdings schrieb er ausschließlich in Englisch. Um seine Briefe fließend lesen zu können, fehlten mir die Vokabeln.

Schließlich überall zwischendrin die Briefe meiner Mutter, mal an meinen Vater, mal an Deboo gerichtet. Ich erkannte ihre vertraute Handschrift, die mir immer so gut gefallen hatte, sofort. Schöne, glatte runde Buchstaben, die so lieb aneinanderhingen, als könnte kein böser Text sie je wieder auseinanderreißen. Ich suchte nach einem Brief, den sie in Deutsch geschrieben hatte, fand aber nicht so schnell einen.

Plötzlich war ich völlig überwältigt von diesem persönlichen Besitz. Einerseits hatte ich das Gefühl, etwas Verbotenes zu tun; denn die Briefe meiner Eltern zu lesen, wäre mir als Kind wie das Ausführen einer Todsünde vorgekommen. Nun aber gehörten die Briefe mir, ich durfte sie lesen, ich hatte die Erlaubnis und trotzdem fühlte ich eine mächtige Hemmschwelle, die mich hinderte, an der Intimität der Privatsphäre meiner Eltern teilzuhaben. Andererseits hatte ich sehr geduldig auf die Beantwortung meiner Fragen gewartet. Vielleicht würde ich in diesen Briefen eine Antwort finden.

Ich entdeckte einen maschinengeschriebenen Brief von meinem Vater, der mich sehr interessierte, da ich die anderen ja nicht entziffern konnte. In diesem Brief bat er meine Mutter, ehrlich zu ihm zu sein und immer der Stimme ihres Herzens zu folgen. Wenn sie zu dem Schluss käme, nicht mehr mit ihm leben zu wollen, dann sollte sie es ihm sagen. Er würde sie freigeben, wie er es ihr versprochen hatte.

„Was hat das zu bedeuten?“, dachte ich, „wahrscheinlich hatten sie mal eine Ehekrise.“

Beim Weiterlesen wurde ich allerdings zornig, denn er wollte sie zwar ziehen lassen, für ihn wäre jedoch an diesem Tag das Leben zu Ende. Wobei er ihr genau schilderte, wie er sich seinen Freitod vorstellte, damit sie nicht nur frei wäre, sondern auch noch von seiner Lebensversicherungsprämie profitieren könnte.

„Das ist ja unerhört“, überlegte ich, „stellt sich selber völlig opferwillig, hochherzig und edelmütig hin, um im selben Moment eine solche Möglichkeit durch Erpressung zu verhindern.“

Viele Gedanken schossen mir durch den Kopf, was hatte dieser Brief zu bedeuten, wollte sie ihn irgendwann einmal verlassen, hatte sie einen anderen Mann, haben sie sich nicht mehr vertragen? Keine Antwort.

Nachdem sich meine innere Aufgewühltheit wieder etwas beruhigt hatte, wurde mir klar, dass es keinen Sinn machte, unsortierte Briefe zu lesen. Also beschloss ich, sie zunächst einmal chronologisch zu ordnen, einzeln in Sichthüllen zu verpacken und in einer großen Mappe abzulegen. Als ich damit fertig war, zählte ich 105 Briefe von Onkel Deboo, davon waren 101 Brief an meine Mutter und vier an meinen Vater gerichtet. Meine Mutter hatte 49 Briefe an Deboo und 47 an meinen Vater geschrieben, und er hatte 83 an meine Mutter geschrieben, wobei der längste nicht weniger als 36 Seiten in dieser Super-Mini-Handschrift auf dünnem Papier umfasste.

3. Hans

Der Ordner war schließlich derart gefüllt, dass ich es kaum schaffte, den Deckel richtig zu schließen. Unter all diesen Briefen und Alben beförderte ich schließlich noch einen uralten Ordner ans Licht, der viele verschiedene Papiere enthielt, die ich aber nicht mehr ansehen wollte, da es inzwischen Abend geworden war und ich mich fühlte, als hätte ich den ganzen Tag Schwerstarbeit verrichtet.

Am nächsten Morgen sah ich mir zunächst einmal das Fotoalbum an, das ich noch nicht kannte. Es zeigte ausschließlich Fotos aus Schottland. Meine Mutter hatte jedes Foto kunstvoll beschriftet, wunderbare Zeichnungen eingefügt, Postkarten, Zeitungsausschnitte, Visitenkarten, Theater- und Konzertprogramme, ja sogar getrocknetes schottisches Heidekraut hatte sie eingeklebt. Eine schöne Erinnerung an mehr als sieben Monate Schottland.

Ich legte es wieder zur Seite und ergriff einige dünne maschinengeschriebene Blätter.

„Vision“ hieß die Überschrift. Ich las:

Hoch wölbt sich die Kuppel des riesigen Saales, den ich ehrfürchtig schaudernd betrete. Es ist das Allerheiligste im kostbaren Tempel des Liebesglückes.

Viele Säulen tragen goldene Kuppeln, Säulen aus Marmor, mit zahllosen Edelsteinen geschmückt, die Wände sind mit Platten und Bildern aus purem Gold bedeckt. Die hohen Bogenfenster sind aus Tausenden von glitzernden Rubinen in Gold und Silber gefasst, die ein wundersames rötliches Licht verbreiten, wenn die Sonne ihre Strahlen hindurchwirft. Der Saal ist lang, so lang, dass man die Stimme eines Menschen von einem Ende zum anderen nicht vernehmen kann. Draußen fließt die Welt mit ihrem Lärm und Ungestüm, mit ihren Wünschen und Sehnsüchten, mit ihrem Hass und Streit, aber kein Laut dringt nach innen.

Millionen duftender Blüten in allen Farben des Regenbogens zieren die Säulen und Wände, und zauberhafte Gebinde und Girlanden spannen sich von Pfeiler zu Pfeiler. Es liegt ein berückender Duft im Allerheiligsten des Tempels. Mattes, gedämpftes rotes Licht liegt über allem, und die schweren roten Teppiche, die in der Mitte des Saales auf dem kostbaren Fußboden aus Achat und Lapislazuli einen breiten Weg vom Eingang zum Thronplatz bilden, saugen das rote Licht in sich auf und sind wie Herzblut gefärbt.

Goldene Pfannen, mit kostbarsten Edelsteinen besetzt, verbrennen duftendes Räucherwerk, und ein feiner Nebeldunst zieht sich durch den riesigen Raum, rankt sich empor zu der gewaltigen Kuppel, die ein gigantisches Bild von farbenprächtiger Leuchtkraft ziert, das je eines großen Künstlers Hand freskierte. Es stellt Amor und Psyche dar, auf blausamtenen Lager sich vermählend, und Gott Eros schaut halb eifersüchtig, halb glückselig lächelnd zu.

Ein feines Klingen singt durch den Raum. Es kommt von den Äolsharfen in den Händen von sieben silbernen Engeln, in denen der zarte laue Windhauch spielt. Die Engel heißen Herz, Geist und Seele, Vertrauen, Wahrheit, Glück und Liebe, und sie umschlingt ein breiter Schleier aus golddurchwirktem Brokat. Ihre Harfen sind harmonisch aufeinander abgestimmt, und alle schwingen in einer paradiesischen Vollkommenheit zusammen.

Am anderen Ende auf einem erhöhten Sockel, stehen unter einem blutroten Baldachin drei schwere goldene Sessel. Einer von ihnen ist leer. In der Mitte sitzt eine bildschöne Frau mit blonden Haaren. Sie hält einen Strauß Blumen in der rechten Hand, und mit der linken streicht sie oft zärtlich darüber hin. Lotosblüten sind es, rote, schmeichelnde Blüten, die im Glas der Rubinfenster noch dunkler erscheinen. Die Frau lächelt, ihr Lächeln ist berückend. Auf dem Sessel neben ihr sitzt ein Mann, der sie verzückt betrachtet.

Ein Priester erhebt die Arme zum segnenden Gruß. Und während die Orgel mit schmeichelndem Ton die Melodie anstimmt, erklingt ganz sanft ein Chor:

„Eros und Psyche, so seid ihr genannt,

Streit, Hass und Flüche durch euch sind gebannt.

Übet die Liebe, so herrlich ihr könnt,

nichts euch verbliebe, sobald ihr euch trennt!

Schwelget dem Glücke, das Leben ist schön.

Niemals zurücke, voran sollt ihr sehn!

Nehmt alle Kraft zusammen,

teilt die Freude und den Schmerz!

Klio wird euch nie verdammen,

teilt ihr Seele, Geist und Herz!

Liebet die Liebe und das Leben,

 reich belohnt mit Lust und Glück.

Klio wird euch stets vergeben,

doch schaut vorwärts, nie zurück!“

Ich konnte nicht weiterlesen, weil meine Gedanken sich nur um die Frage drehten: Wer hatte diese Geschichte verfasst? Es war nicht die Art meiner Mutter, derart überladen zu schreiben, sie war eher klar, mehr sachlich. Sollte es also mein Vater geschrieben haben? So kitschig? Nirgendwo entdeckte ich einen Namen, eine Handschrift, aus der ich ersehen könnte, wer dieses Kuriosum angefertigt hatte. Vielleicht ging es aus dem weiteren Verlauf hervor.

Als ich schließlich alles gelesen hatte, wusste ich es zwar noch immer nicht, allerdings war ich mir ziemlich sicher, dass es von meinem Vater stammen musste. Die blonde Frau auf dem ersten goldenen Sessel sollte wahrscheinlich meine Mutter darstellen, während er auf dem zweiten saß. Auf dem dritten – leeren – Sessel sollte eigentlich ein Mann sitzen, der „gehorsam seines Weges ging“, nachdem er von den Priestern „als Fremdling“ aus dem Allerheiligsten gewiesen worden war.

„Ein glückhaftes Erkennen ging über das Gesicht der schönen Frau“, nachdem sie gehört hatte, dass dieser Mann „von sehr, sehr weit, vom anderen Ende der Welt“ gekommen wäre.

Es hörte sich an, als würde mein Vater schlecht abschneiden bei dieser Inszenierung. Ich hatte den Eindruck, der andere Mann, der von „sehr weit her“, sei ihr wichtiger. In diesem Tempel ergab sie sich nämlich mehr oder weniger in das Schicksal mit meinem Vater.

Wer aber war der andere oder sollte der andere gewesen sein? Hatte meine Mutter überhaupt einen anderen? Vielleicht Onkel Deboo? Aber nein, der war schon lange tot, der konnte nicht gemeint sein, obwohl, wie hieß es in der Vision: „… er stammt vom anderen Ende der Welt …“ – theoretisch wäre es also möglich, für mich war es aber schier undenkbar.

„Onkel Deboo“, flüsterte ich erinnernd und fragend vor mich hin. Sein schrecklicher Tod hatte mich sehr berührt. Ich war damals gerade neun Jahre alt und erinnerte mich noch genau an das Geschehnis:

Wir Kinder lagen bereits im Bett und versuchten einzuschlafen, als plötzlich unsere Mutter laut aufschrie. So einen Schrei hatten wir noch nie von ihr gehört, deshalb sprangen wir rasch aus dem Bett und eilten zur Wohnzimmertür. Sigrun, die Älteste, versuchte uns Jüngere zurückzuhalten, was ihr schwerlich gelang. Trotzdem konnte ich einen Blick erhaschen. Noch heute sehe ich unsere Mutter in dem Sessel sitzen, ungläubig auf einen Brief starren, den sie in ihrer herabgesunkenen Hand hielt. Dieses entsetzte, schmerzverzerrte Gesicht werde ich wohl nie vergessen können. Sigrun erfasste als erste die für uns unbegreifliche Situation und brachte uns wieder zurück ins Schlafzimmer, wo sie versuchte, uns zu beruhigen. Irgendwann sind mir dann wohl die Augen vor Müdigkeit zugefallen; ich wusste aber nicht, was eigentlich geschehen war.

Gedankenvoll legte ich die Blätter der „Vision“ zurück in den Ordner. Ergriff, noch immer bedrückt, ein Heft, das im ersten Moment recht unbedeutend aussah und schlug es auf. Ich erblickte die ordentliche Schrift meiner Mutter.

LIESELOTTE

Schottland – 1938

Meine Mutter hatte mich nicht gerne gehen lassen. Aber ein „behütetes Heim“, wie sie es immer erstrebt hatte, gab es schon lange nicht mehr, nachdem mein Vater 1931, als ich erst zwölf Jahre alt war, im Alter von nur 57 Jahren gestorben war. Es ging uns wirtschaftlich nicht schlecht, denn meine Eltern hatten sich ein, ja, fast möchte man sagen, ein herrschaftliches Haus gebaut, jedenfalls für damalige Zeiten.

4. Gartenansicht Schönebeck

Durch die gute Stellung meines Vaters als Oberpostsekretär, hatte sie mit ihren drei Kindern ein gutes Auskommen. Meine jüngere Schwester Gisela suchte bereits nach eigenen Wegen und ich wollte es ihr gleich tun. Mir wurde mit meinen neunzehn Lebensjahren das Haus, die Umgebung, die Stadt, ja, selbst Deutschland zu klein. Alles erdrückte mich und schien mich am Atmen zu hindern. Ich wollte hinaus und die Welt kennenlernen.

Mit viel Geduld und endlosen Überredungskünsten brachte ich meine Mutter schließlich zu ihrem Einverständnis, mich gehen zu lassen. Sie selber kam auf die Idee, dass ich nach Schottland zu ihrer deutschen Freundin Olga Louise, die dort einen Schotten geheiratet hatte, fahren könnte. Sie wusste mich dort gut aufgehoben und untergebracht. Mir war alles recht, Hauptsache, ich konnte Freiheit spüren! Nicht, dass ich unfrei gewesen wäre, aber meine Mutter liebte uns sehr.

Schließlich drängte ich darauf, dass sie sich schnell mit ihrer Freundin, die ich persönlich noch nicht kennen gelernt hatte und sie nur aus den, in unregelmäßigen Abständen kommenden Briefen kannte, in Verbindung setzen sollte, weil ich das Gefühl hatte, in unserem Zuhause tatsächlich bald keine Luft mehr zu bekommen.

Ihren Wohnsitz in Mussleburgh, der kaum fünfzehn Gehminuten vom Zentrum Edinburghs entfernt lag und von dem sie uns Fotografien geschickt hatte, als sie und ihr Mann es 1929 erwarben, hätte ich eher als Burg, denn als Wohnhaus bezeichnet. Es schien aus gewaltigen Steinquadern erbaut zu sein und wirkte auf mich riesig, dunkel, kalt und eigentlich sogar beängstigend. Uralte, massige Bäume wuchsen in der parkähnlichen Anlage.

Da die Aufnahmen anscheinend im Herbst gemacht waren, ermutigte ich mich mit dem Gedanken, dass es im Frühjahr vielleicht nicht mehr so finster aussehen würde, sondern ganz im Gegenteil: Ich erkannte viele, enorm großwüchsige Rhododendronbüsche, die sicherlich ganz wunderbar blühen, ihren Duft verströmen und das Anwesen romantischer wirken lassen würden.

Außerdem machte ich mir Mut, indem ich mir einredete, dass schließlich die gute Freundin meiner Mutter dort lebte. Ihren Briefen nach zu urteilen, hatte sie einen sehr netten Mann, Dr. Andrew Gold, einen Mediziner, der dort in seinem „Inveresk-House“ nicht nur eine Praxis unterhielt, sondern vor allem eine Art Hotel betrieb, das er „Nature-Cure-Home“ nannte. Dort konnten gut betuchte Damen und Herren der englischen und schottischen Gesellschaft einige Wochen verbringen, um während dieser Zeit und unter ärztlicher Aufsicht, ihre überflüssigen Pfunde abzuspecken.

5. Inveresk House mit Garten

Es gäbe genug Platz für alle und sie würde sich sehr freuen, hatte Olga Louise, kurz Tante Olly, geschrieben, denn sie könnten jede fleißige Hand gebrauchen. Für mich wäre es geradezu ideal, denn ich könnte mir die Arbeit bei ihnen so einteilen, wie ich es brauchte, um nebenher, wie ich es wollte, englische Literatur zu studieren. Und nun hatte meine Mutter, die nach dem Tod unseres Vaters immer besonders ängstlich um uns Kinder besorgt war, endlich zugestimmt.

Ich konnte mein Glück kaum fassen, obwohl ich mich auch immer wieder mit Zweifeln plagte, ob ich mich tatsächlich allein in der fremden Welt zurechtfinden würde. Immerhin war ich noch nie allein und über einen längeren Zeitraum von unserem behüteten Zuhause fort gewesen. Mitunter empfand ich großes Mitleid mit meiner Mutter, die mein Fortgehen als weiteren Verlust empfinden würde. Deshalb wollte ich mich auch mit den Vorbereitungen für die Zeit in Schottland nicht sehr lange aufhalten, um möglichst rasch abzureisen, bevor sie es sich vielleicht doch noch einmal überlegte.

Sie bestand allerdings auf einer adäquaten Ausstattung. Das brauchte seine Zeit und ich wurde immer ungeduldiger. Aus diesem Grund veranlasste ich Tante Olly, meiner Mutter einen Brief zu schreiben, in dem sie bat, mich so bald als möglich kommen zu lassen, da meine Anwesenheit unbedingt erforderlich wäre. Das hatte tatsächlich eine entsprechende Wirkung. Darum saß ich, kaum einen Monat später, am 4. Februar des Jahres 1938 im Wohnzimmer, dem sogenannten „Drawing-Room“ von Tante Olly im „Inveresk-House.“

Natürlich dachte ich, wir müssten uns zunächst viel erzählen, um uns kennen zu lernen. Allerdings sollte sich die Notlüge meiner Mutter gegenüber schnell als Tatsache herausstellen. Tante Olly war zu einer echten Schottin geworden, denn sie geizte nicht nur mit Worten. Sie hatte kaum Zeit, mir Onkel Andrew, ihren Ehemann und ihre Kinder vorzustellen, oder mir die vielen Räume, die Gewohnheiten der Familie, die Aufgaben, ganz zu schweigen von der Gegend, in der sie lebten, zu zeigen. Ich sollte als Au-Pair-Mädchen für ihre beiden jüngsten Kinder, Erika und Douglas, eingesetzt werden und bei Bedarf auch für die Unterhaltung der Gäste sorgen.

Nie wieder habe ich eine Frau kennengelernt, die ein derartiges Geschick hatte, Menschen zu leiten, zu führen und ihnen beizubringen, wie man sparsam wirtschaftet. Es gab keinen Tag, an dem Speisen, die zuviel gekocht, aber einwandfrei waren, nicht noch eine Verwendung fanden. Ich bewunderte das zutiefst und lernte in Hinsicht auf Sparsamkeit dermaßen viel, dass man mich in meinem späteren Leben noch oft genug als „schwäbische Schottin“ bzw. „schottische Schwäbin“ bezeichnet hat, weil ich nie mehr in der Lage war, diesen Gedanken an Sparsamkeit wieder abzulegen.

Meine Eingewöhnung im „Inveresk-House“ dauerte nicht lange. Es geschah fast von allein. Entdeckte mich Tante Olly bei unnützem Tun, erhielt ich eine sofortige Ermahnung mit anschließender Erklärung, wie es anders besser, sinnvoller und – natürlich – sparsamer wäre. Meist war die Erklärung so einleuchtend, dass ich ihr für die Schelte sogar dankbar war. Da sie aber stets in einem recht herrischen Befehlston sprach, ging ich ihr jedoch auch ebenso gern aus dem Wege. Mit Onkel Andrew kam ich leider nur sehr wenig in Kontakt. Er war ein ruhiger, liebenswerter Mann, der sich ganz und gar auf seine Frau verließ und der seine Zeit fast ausschließlich mit und für seinen Beruf als Arzt verbrachte.

Die Freizeit der Herrschaften zu gestalten, die im „Nature-Cure-Home“ zu Gast waren und mit denen ich von Beginn an sofort gut zurecht kam, war nicht schwer, von einigen immer unzufriedenen Gästen abgesehen. Eine meiner ersten Aufgaben war es, Lady Carlington deutsche Dichtungen oder deutsche Geschichten vorzulesen. Sie verstand zwar nicht viel, denn ihr Deutsch war nur mäßig, aber sie mochte den Klang meiner Stimme und versuchte, anhand derselben sowie meiner Mimik und Gestik herauszuhören, um was es sich gehandelt haben könnte. Da wir uns hinterher jedes Mal über den Inhalt unterhielten, war sie zumeist stolz auf ihren Erfindungsreichtum und ihre Erkenntnisse. Schon nach kurzer Zeit gesellten sich einige der anderen Damen und Herren hinzu und so durfte täglich ein anderer versuchen, herauszufinden, um welchen Inhalt einer Geschichte es sich gehandelt haben könnte. Mit Lord Kennedy spielte ich fast täglich eine Partie Schach, mit einigen anderen Damen Bridge und so vergingen die Tage eher mit Müßiggang als mit tatsächlicher Arbeit, denn die Kinder waren derart lieb und angenehm, dass auch die Beschäftigung mit ihnen für mich eher eine Freizeitbeschäftigung war.

So vergingen die ersten Wochen im Nu und es bereitete mir viel Freude, mit den, zum größten Teil sehr gebildeten Menschen, Konversation zu betreiben, wobei ich stetig meine Englischkenntnisse erweiterte. Das gesamte Ambiente war geradezu prädestiniert, um sich in weit zurückliegende Zeiten zu versetzen.

Das, was ich in Deutschland noch etwas ängstlich als dunkle Burg bezeichnete, war ein imposanter, im 16. Jahrhundert errichteter Bau auf ungefähr eintausend Morgen Land, mit vielen interessanten Vorbesitzern und berühmten ehemaligen Gästen wie Oliver Cromwell, die Duchess of Atholl, der Earl of Wemyss, der Lord Adam Gordon und viele mehr. Der Duke und die Duchess von York pflegten (ca. 1745) dort zu speisen, wenn der Duke, als Beauftragter von König Charles II., in Holyrood Gericht hielt.

Das gesamte Anwesen war umschlossen von einer ungefähr drei Meter hohen Mauer aus Felssteinen, die nur durch eine große Pforte unterbrochen war: Durch diese gelangte man, vorbei am Gärtnerhaus, auf Kies-knirschendem Weg durch den Park zum Haupteingang. Oberhalb der Tür war in großem Rundbogen „In Hoc Domo Nemo Nisi Veritas et Pacis Studiosus Intrabit“ eingeschnitzt. „Niemand soll dieses Haus betreten, der keine friedvollen und wahrheitsliebenden Absichten hat“, heißt es. Dieser Spruch hat mich immer sehr beeindruckt. Alles in allem hatte ich ein ehrfürchtiges Gefühl in Anbetracht der Geschichte dieses Hauses; und wenn man – wie ich – zum Träumen neigt, dann hing man oft seinen Gedanken nach, die sich vor hunderten von Jahren hier abgespielt haben mochten.

Nach einer kurzen Eingewöhnung immatrikulierte ich mich für englische Literatur an der Universität in Edinburgh, wo ich sehr schnell die Bekanntschaft anderer Studentinnen machte, die mir rieten, Mitglied des British Council Clubs zu werden. Von außen wirkte dieser Club wie ein ganz normales Haus. Nur ein kleines Schild an der Vorderseite deutete auf seine tatsächliche Verwendung hin. Es diente als Treffpunkt der Studenten. Wir konnten dort Radio hören, Zeitungen aus aller Welt lesen, diskutieren, uns amüsieren und natürlich auch in Ruhe den – in England, bzw. Schottland – obligatorischen Tee trinken. Ein Ort des „SichKennenlernens“.

6. Cosmopolitan Clubkarte

Bereits einige Wochen später kam es mir so vor, als hätte ich niemals woanders gelebt. Alles war so selbstverständlich. Ich war derart warm und lieb überall aufgenommen worden, dass sich meine Mutter bald beschwerte, weil mir kaum Zeit blieb, um ihr von allem Erlebten zu berichten.

Eines Nachmittags, nachdem ich mich mit einer neuen Bekannten im Club getroffen hatte und wir angeregt über ein Gedicht des indischen Poeten Rabindranath Tagore philosophierten, stand er da.

7. Studenten Edinburgh 1938

Das Wort blieb mir im Halse stecken, meine Augen waren auf ihn, auf seine Augen gerichtet und ich nahm nichts mehr wahr, was um mich herum geschah. Kein Laut, kein Geräusch, kein Gespräch, kein Gesicht, nichts. Ihm  musste es genau so ergangen sein, denn er stand ruhig, bewegte sich nicht, sprach nicht mehr mit seinen Bekannten, er schaute nur auf mich, in meine Augen. Ich kann nicht mehr sagen, wie lange das Ganze gedauert hatte, mir kam es vor, als seien Stunden vergangen, aber schließlich spürte ich doch, dass mir meine Bekannte die Hand tätschelte und ich aus weiter Entfernung hörte, wie sie meinen Namen rief: „Lieselotte, hallo, wo bist du, geht es dir gut? Was ist los? Antworte mal!“

Ich schüttelte meinen Kopf, so, als müsste ich einen wunderschönen Traum abschütteln. Als ich jedoch wieder in die Richtung schaute, stand er noch immer da. Nichts hatte ich abgeschüttelt. Was war das bloß? Noch nie vorher war mir so etwas geschehen. In Sekundenschnelle rasten mir die Gedanken durch den Kopf: Mein Gott. Ich hatte doch bereits viele Inder hier gesehen.

Anfänglich hatte ich mich gewundert, dass es so viele davon gab, die alle hier studierten, bis man mir erklärte, dass die indischen Eliteschüler aus reichen Elternhäusern, meist waren es Brahmanenfamilien, es vorzogen, ihre Söhne in Schottland studieren zu lassen, da die Universitäten einen ausgezeichneten Ruf genossen.

Was hatte er aber an sich, dass ich nicht wegschauen konnte? War es die dunkle Brille, die ihn so streng, so unnahbar wirken ließ? Nein, die Strenge war es nicht, er wirkte anders, aber wie, wie? Er wirkte, als stünde er ruhig, gelassen, vielleicht ein wenig arrogant, über uns allen. Faszinierend. Noch immer war sein Blick nicht von mir gewichen. Allerdings war das Tätscheln auf meiner Hand stärker geworden: „Lieselotte, was ist mit dir? Sag’ doch etwas. Hallo?“

Ich drehte den Kopf zu meiner Bekannten um und begann ein wenig stotternd zu erklären, dass mir gerade etwas ganz Wichtiges eingefallen wäre, das ich jedoch vergessen hätte und nun müsste ich mich rasch verabschieden, um das Versäumte zu holen. Noch bevor sie antworten konnte, war ich aufgestanden, schnappte meine Bücher, die Jacke und drängelte mich an „ihm“ vorbei, wobei ich mich entschuldigen musste, weil ich mit meinen Büchern an seinen Arm gestoßen war. Selbst meine Entschuldigung brachte ich nicht normal heraus. Es klang, als hätte ich eine schreckliche Erkältung, denn meine Stimme war rau und heiser. Wahrscheinlich nickte er mir deshalb, die Verzeihung annehmend, etwas mitleidig zu und dennoch blickten seine Augen fragend, oder nein, sie blickten überrascht, oder traurig? Ich wusste plötzlich gar nichts mehr. Wahrscheinlich war er ein Yogi, der mich in irgendeiner Weise zu verzaubern verstand. „So ein Unsinn“, fuhr es mir sofort durch den Kopf, aber es gelang mir nicht, meine Gedanken zu ordnen. Es war etwas geschehen und das hatte mit ihm zu tun. Aber was war das?

Was hatte er gemacht, dass ich – wie irr – durch den Tea-Room in Richtung Ausgang ging, aber die Haustür nicht fand? Ich machte vor der Treppe, die ins obere Stockwerk führte, halt und hielt mich kurz am Treppengeländer fest, um wieder zu mir zu kommen, mich zu orientieren. Anscheinend hatte ich Fieber. Mein Kopf dröhnte, meine Augen brannten wie Feuer. Ich legte meinen Kopf auf den Arm und schloss für einen Moment die Augen. Tatsächlich quollen ein paar Tränen aus den Augenwinkeln. Das war das Zeichen: Ich musste sofort zu Onkel Andrew und ihn um eine Medizin bitten, damit ich am nächsten Tag wieder fit sein würde. Daraufhin drehte ich mich um und blieb schon wieder wie angewurzelt stehen: Er stand da und sah mich an. Im selben Augenblick wusste ich, was mit mir geschehen war.

Ich hatte mich verliebt. Das war mir noch nie passiert. Das hatte ich noch nie erlebt. Bislang hatte ich kein Interesse am anderen Geschlecht gehabt, fast, als gäbe es keinen Unterschied zwischen Mann und Frau. Alle Männer waren Brüder, Väter oder Onkel. Aber es gab keinen Zweifel. Diese Tatsache war so sicher, als hätten wir unser bisheriges Leben nur damit zugebracht, uns gegenseitig zu finden. Ich war mir unglaublich sicher. In seinen Augen war deutlich zu lesen: Du bist es. Wahrscheinlich stand dasselbe in meinen Augen. Unmittelbar nachdem mir das klar wurde, nickte ich mit dem Kopf, um mir selber zu bestätigen, dass ich ihn, ohne ihn gesucht zu haben, gefunden hatte. Auch er nickte und wir wussten beide, warum. Wir brauchten es nicht auszusprechen. Es hatte kein Suchen gegeben. Er war da, ich war da. Das war genug, es war hundertprozentig.

Als er sich schließlich vorstellte, verstand ich seinen Namen nicht, obwohl er ein wunderbares Englisch sprach. Ich fragte dreimal nach, aber ich meinte, er würde stottern, sobald er seinen Vornamen aussprach. Ich verstand ihn nicht. Als er mir dann jedoch sagte, seine Freunde und Eltern würden ihn „Deboo“ nennen, war schon klar, dass auch ich ihn nicht anders rufen würde. Sein Nachname war dagegen recht einfach auszusprechen: Chatterjee.

Auch er hatte mit meinem Vornamen Schwierigkeiten. „Lieselotte“ war zu kompliziert, zu ungewohnt für ihn, deshalb kürzte er ihn kurzerhand auf „Liese“ ab, wobei es zeitlebens bleiben sollte.

Die folgenden Monate verbrachten wir in einer nie erlebten Faszination voll Harmonie und Gleichklang. Natürlich ging jeder seinem Studium nach und ich erledigte auch weiterhin meine Arbeiten im „Inveresk-House“. Jede freie Minute aber widmeten wir uns. Inzwischen hatten sich längst feste Freundschaften untereinander ergeben, eine Clique, die sich meist für diverse Veranstaltungen zusammenfand. Wir gingen ins Kino und diskutierten anschließend stundenlang über den Inhalt, das Für und Wider, das Gute und das Schlechte. Der Gesprächsstoff nahm nie ein Ende und jedes Mal rissen wir uns geradezu auseinander, weil am nächsten Morgen – ohne Erbarmen – der Wecker klingelte und die Nacht zu Ende ging und stets zu kurz war.

Deboo und ich schienen in fast allen Meinungen gleich, die Ansichten waren gleich, die Vorlieben waren die gleichen. Hatte ich eine Idee, was ich gerne am Wochenende unternehmen wollte, so konnte ich sicher sein, dass er mit demselben Vorschlag an mich herantrat. Wie oft mussten wir über derlei Einklang lachen. Einzig in körperlicher Nähe wichen wir ein wenig auseinander. Ich fühlte mich stark zu ihm hingezogen und hätte mich gerne beim Spaziergang in seinen Arm gehängt, oder wäre Hand in Hand mit ihm gegangen oder hätte mitunter alles dafür gegeben, meinen Kopf an seine Schulter zu lehnen. Der Anstand und natürlich meine eigene Scheu hielten mich jedoch davon zurück. Aber ich fand immer wieder eine Gelegenheit, ihn kurz zu berühren. So kurz, dass auch er nicht merkte, oder bemerken wollte, dass es Absicht war. Jedes Mal fühlte ich mich, als hätte ich einen Stromstoß versetzt bekommen, meine Haut begann zu kribbeln, es fror mich und gleichzeitig meinte ich zu verbrennen. Deboo schien das alles ebenso zu genießen wie ich, aber es gab keinen Kuss, kein Händchenhalten und dennoch war es eine solche Übereinstimmung und Harmonie, die kein Zweifel daran ließ, dass wir zusammengehörten.

Tante Olly hatte längst bemerkt, dass sich „etwas anbahnte“, aber sie sprach mich nicht darauf an, da ich weder meine Arbeiten im Hause, noch mit den Kindern und den Gästen vernachlässigte und auch meine Studien mit Freude betrieb. Nur einmal stand ich vor dem Problem, mich für den Ungehorsam ihr gegenüber zu entscheiden. Deboo wollte eine kleine Party veranstalten. Er hatte vor, selbst indische Speisen zuzubereiten und lud deshalb einige Freunde und auch mich ein. An diesem Abend wollte allerdings auch Lord Kennedy unbedingt wieder mit mir Schach spielen. Ich war hin- und hergerissen, nicht vor Entzückung, sondern viel eher wegen einer Entscheidung.

Fast täglich wollte der alte Herr mit mir Schach spielen, deshalb meinte ich, es wäre wohl einerseits nicht so schlimm, wenn ich es einmal ausfallen ließe. Andererseits aber war ich mir ganz sicher, dass Tante Olly es auf keinen Fall erlaubt hätte, das Schachspiel abzusagen, nur weil ich mein Vergnügen haben wollte. Heimlich am Abend wegzuschleichen, war ganz und gar ausgeschlossen. Der Kiesweg vom Haupttor zur Eingangstür führte direkt unter dem Schlafzimmerfenster Tante Ollys entlang. Jeder Schritt auf diesem Weg knirschte derart laut, dass ich mein Kommen oder Gehen auch gleich per Fernruf hätte ankündigen können.

In dieser Notsituation erinnerte ich mich allerdings an eine Unterhaltung zweier Dienstboten, die ich zufällig angehört hatte. Demnach gab es nicht nur das große Haupttor mit dem Gärtnerhaus, sondern irgendwo am entgegengesetzten Ende des Grundstückes musste es einen weiteren Durchgang geben, der mir aber bis dahin nie aufgefallen war und ich mich auch bis dato nicht dafür interessiert hatte. Nun änderte sich das aber und ich ging am nächsten Tag mit den Kindern in diese Richtung zum Spielen. Überrascht war ich, dass das Tor keineswegs – wie ich vermutet hatte – irgendwo versteckt im Gebüsch zu finden gewesen wäre, sondern ganz frei zugänglich war. Ich entdeckte, dass sich ein gewaltig großer Schlüssel am Innenpfosten des Tores befand. Ich musste also nur darauf achten, dass dieser Schlüssel an seinem Ort hing, wenn ich das Grundstück unbeobachtet verlassen wollte. Hier gab es keinen Kies, sondern nur weiches, saftiges Gras, also würden mich meine Fusstritte nicht verraten. Auch war es weit genug von Tante Ollys Schlafzimmer entfernt, es dürfte also keine Schwierigkeiten geben.

Am nächsten Tag erkundete ich ferner, dass ich den Ausgang über den Wintergarten nehmen müsste, da dieser nur tagsüber geöffnet war und nicht als ständiger Eingang genutzt wurde. Auch hier hing der Schlüssel neben der Tür. Es schien alles ganz einfach zu sein. Der Charmeur und Gentleman, Lord Kennedy, würde mich vielleicht vermissen, aber schließlich würde er sich gewiss anderweitig zu beschäftigen wissen.

Der Tag rückte näher und noch immer überlegte ich, ob ich es wagen konnte und ich mich trauen würde, ohne Tante Ollys Einverständnis das Haus zu verlassen. Schließlich aber war es so weit. Ich war sehr nervös und fahrig, denn eigentlich gefielen mir derartige Eskapaden überhaupt nicht. Aber eine Einladung Deboos abzuschlagen, war ganz ausgeschlossen. Nach dem Fünf-Uhr-Tee, der für gewöhnlich im Wintergarten gereicht wurde, nahm ich die Gelegenheit wahr, ihn abzuschließen und den Schlüssel an mich zu nehmen. Ich wollte unbedingt sichergehen, dass keiner der Angestellten an diesem Abend ein ähnliches Vorhaben geplant hatte und ich aus dem Grunde nicht mehr in den Besitz des Schlüssels gelangen würde.

Nachdem das gut geklappt hatte, wurde ich etwas ruhiger und konnte nun den Rest meiner Arbeiten erledigen. Gegen zwanzig Uhr verließ ich, unbemerkt von allen, über den Wintergarten das Haus. Den Schlüssel versteckte ich draußen in einem Gebüsch, damit ich ihn nicht mit mir zu tragen brauchte. Ebenso verfuhr ich mit dem gewaltigen Schlüssel des kleinen Seitentores, da er bestimmt zwei Pfund auf die Waage brachte. Anschließend eilte ich, so schnell ich konnte, zur Party Deboos.

Sie warteten bereits auf mich, denn das Essen war fertig. Sogleich wurden viele Platten mit allerlei Köstlichkeiten aufgetragen. Gemüse, auf verschiedene Arten zubereitet, Reis, so herrlich, wie ich ihn noch nie gegessen hatte, verschiedene Fleischsorten, etliche verschiedene Saucen und noch manches mehr, das ich nicht kannte. Alles duftete derart würzig und appetitlich, dass mir das Wasser im Munde zusammenlief. Überall brannten Kerzen, und auch Räucherstäbchen waren entzündet, deren Duft sich mit dem der Speisen mischte und dem Raum eine warme, urgemütliche Atmosphäre verlieh.

Deboo empfahl mir, von allem ein wenig zu probieren und bei der einen oder anderen Speise aufzupassen, weil sie besonders scharf gewürzt war. Ich beobachtete die anderen Inder, wie sie geschickt mit den Fingern kleine Reiskugeln formten, um sie blitzschnell in den Mund zu schieben. Ich wollte es ihnen gleichtun, aber meine Versuche scheiterten. Selbst als Deboo es mir zeigte, gelang es nicht gut. Deshalb erhielt ich eine Gabel, was mir allerdings sehr unangenehm war. Als ich jedoch sah, dass Margret, eine Kommilitonin, ganz ungeniert ebenso mit der Gabel aß, war mein Appetit größer als die Schmach, nicht mit Fingern essen zu können, was sich ja eigentlich recht einfach anhört. Ich nahm mir vor, zu Hause das Essen mit Fingern zu üben.

Leise hörte ich Musik im Hintergrund, wie ich sie noch nie gehört hatte. Klagende, wehmütige Töne, verschmolzen mit einigen immer wiederkehrenden frohlockenden Melodien. Ich war wie verzaubert. Es machte mir Mühe, mich mit den anderen zwanglos zu unterhalten, denn es war für mich viel schöner, einfach nur diese Momente der Harmonie in mich aufzusaugen. Diesen Abend würde ich nie vergessen, das stand schon jetzt felsenfest.

Leider geht auch der schönste Tag einmal zu Ende, so auch dieser. Deboo ließ es sich allerdings nicht nehmen, mich nach Hause zu begleiten. So gingen wir bald schweigend nebeneinander her. Ich spürte, dass er mich immer wieder aus den Augenwinkeln beobachtete und wenn ich ihn ansah, lächelte er mich, wissend und geheimnisvoll, an. Wir brauchten nicht zu sprechen, jedes Wort hätte diese wundervolle Stimmung zerstört.

Schließlich standen wir vor dem Seitentor und ich zerrte den riesigen Schlüssel aus dem Versteck. Als Deboo das sah, begann er so herzhaft zu lachen, wie ich es von ihm noch nie gehört hatte. Ich glaube, er hatte noch nie einen derart gewaltigen Schlüssel gesehen und ich musste wohl ein sehr merkwürdiges Bild abgegeben haben. Unter Lachen steckte ich den Schlüssel ins Schloss und öffnete das Tor. Als ich mich umdrehte, erschrak ich leicht, denn er war plötzlich direkt vor mir. Wir standen uns ganz eng gegenüber und sahen uns ernst, aber sehnsüchtig nacheinander verlangend an. Schließlich streckte er vorsichtig die Hand aus und streichelte mein Haar, als wollte er ausprobieren, wie sich blondes Haar anfühlte. Dann blickte er verlegen zu Boden und murmelte einen Abschiedsgruß. Ich war wie gebannt, aber entgegnete seinen Gruß. Lang blickte ich der langsam in der Dunkelheit verschwindenden Gestalt nach. Aber am liebsten wäre ich ihm hinterher gelaufen.

Allerdings hängte ich den Schlüssel dann doch an seinen Platz und ging nachdenklich über das weiche Gras zum Versteck des Wintergartenschlüssels. Das Haus lag ruhig, nirgends brannte ein Licht. Hätte der Mond nicht ab und zu hinter den dunklen Nachtwolken hervorgeleuchtet, so wäre es nicht einfach gewesen, den Schlüssel zu finden und ihn fast geräuschlos ins Schloss zu stecken. Es ging aber völlig komplikationslos. Den Weg durch den Wintergarten kannte ich wie im Traum, ich benötigte kein Licht.

Ich war fast an der Tür, da hörte ich die Stimme Tante Ollys hinter mir: „Die Nacht ist nicht mehr lang, Lieselotte. Ich glaube nicht, dass du genügend Schlaf bekommen wirst.“

Mir blieb vor Schreck fast das Herz stehen! Am Abend hatte ich vor Angst gebibbert das Haus zu verlassen und entdeckt zu werden und nun, da alles ganz sicher schien und ich an Entdeckung überhaupt nicht mehr gedacht hatte, da geschah es.

„Tante Olly, ich äh …“

Ein dicker Kloß steckte mir im Hals und ich schluckte, aber mir fiel einfach nicht ein, was ich denn nun sagen sollte. Sie sprach aber ganz ruhig weiter: „Ich habe für dich die Verantwortung übernommen und deiner Mutter versprochen, gut auf dich aufzupassen. Bislang hatte ich auch keine Bedenken, denn du bist vernünftiger, als manch’ Andere. Meinst du, dass ich mir nun Sorgen machen sollte?“

Ich hatte mit einem Donnerwetter gerechnet, mit Vorwürfen und mit Anschuldigungen, wenn ich ertappt werden würde, aber nicht mit einer Tante Olly, die voller Verständnis und Vertrauen war. Deshalb entschuldigte ich mich bei ihr und versicherte, dass ich mich nie wieder heimlich davonschleichen wollte. Inzwischen hatte sie eine Kerze angezündet und im Schein des schwachen Lichtes sah ich, dass sie einen Morgenmantel anhatte und dicke Strümpfe, denn im Haus war es oft ziemlich fußkalt.

Auf dem Tisch standen zwei Gläser und eine Flasche besten schottischen Whiskys. Ich wunderte mich, dass es niemand abgeräumt hatte und wollte bereits danach greifen, aber sie sagte: „Lass’ nur, Kind. Ich glaube, wir sollten einmal gemütlich miteinander sprechen.“

Daraufhin schenkte sie in beide Gläser etwas Whisky ein und gab mir dann eines davon. Die Gläser klirrten beim Anstoßen leicht. Tante Olly lehrte das Glas in einem Zug. Das hatte ich vorher noch nie gesehen und war deshalb ziemlich überrascht. Dann roch ich zunächst vorsichtig in das Glas hinein, stellte fest, dass es gut roch, nahm auch einen winzigen Schluck, aber es entsprach nicht meinem Geschmack. Ich hustete schon bei diesem kleinen Schluck und meine Augen tränten. Das beachtete sie aber gar nicht, sondern forderte mich auf, das Glas leer zu trinken, um es gleich wieder zu füllen. Freundlich, aber bestimmt bat sie, mich zu setzen.

Als ich erwachte, war es spät am Morgen. Tante Olly hatte veranlasst, mich ausschlafen zu lassen. Das war eine wunderbare Idee und ich war ihr sehr dankbar. Trotzdem brummte mein Kopf wie ein Bienenschwarm und mir war elend zumute. Der Whisky. Deshalb zog ich mir die Decke wieder über den Kopf und wollte die Sonnenstrahlen ignorieren, die durch die schweren Vorhänge fielen, weil ich sie recht unordentlich zugezogen hatte. Ich hatte sie zugerissen, zugeschleudert, weil ich wütend war. Wütend, aber eigentlich auch traurig. Jetzt kam es mir wieder in den Sinn. Nachdem ich gestern Abend den Rest meines Whiskys ausgetrunken hatte, begann Tante Olly zu sprechen.

Irgendwie hatte sie in Erfahrung gebracht, dass Deboo und ich mehr als nur Freundschaft füreinander empfanden. Sie versuchte gar nicht, mir diese Freundschaft zu verbieten, mir eine Ausgangssperre aufzuerlegen oder gar in Erwägung zu ziehen, mich zurück nach Deutschland zu schicken. Nein, sie erklärte mir die Tradition der Brahmanen. Zumindest das, was sie in Bezug auf mich für wichtig hielt.

„Inder“, begann sie ihre Erklärung, „unterliegen einem Kastensystem. Das ist eine streng geordnete gesellschaftliche Hierarchie, die seit Jahrtausenden existiert. Du sagtest, dein Verehrer heißt mit Nachnamen Chatterjee? Ich kenne zwar nicht alle Bedeutungen, aber wenn die Namen mit ‚-jee‘ enden, ist das meist ein Zeichen dafür, das es sich um einen Brahmanen handelt. Brahmanen sind Mitglieder der obersten Kaste und genießen das höchste Ansehen. Sie sind streng an ihre Traditionen gebunden. Ihre Religion ist der Hinduismus.

Es ist nicht einfach zu erklären, Lieselotte, aber ich möchte, dass du verstehst, worauf du dich eventuell einlässt und was das zu bedeuten hätte. Ich kann dir nur einen kleinen Einblick geben, der dich das Wichtigste vielleicht verstehen lässt.

Die Hindus glauben an die Wiedergeburt in niederer oder höherer Form. Aus diesem Grund wird jedem Kind von Lebensbeginn an beigebracht, dass er seine religiösen und ethischen Pflichten in seiner Kaste unbedingt zu befolgen hat. Andernfalls könnte er unter Umständen den sozialen Schutz dieser Kaste verlieren, was für den Hindu, der an die Wiedergeburt glaubt, bedeutet, dass seine unsterbliche Seele im nächsten Leben in der Gestalt des Angehörigen einer niedrigeren Kaste, vielleicht sogar als Tier, wieder geboren wird. Ziel des Hinduismus ist jedoch, der Seele Ruhe zu geben, ins Nirwana zu gelangen, um vom Gesetz des Karma, den ständigen Wiedergeburten, frei zu werden.“

„Du weißt aber auch“, entgegnete ich, „dass ich nicht streng religiös erzogen worden bin. Bei uns herrschte in dieser Beziehung große Meinungsfreiheit und eine ebensolche Toleranz in Glaubensfragen. Was du mir gerade über den Hinduismus erzählt hast, ist im Grunde genommen nichts anderes als bei uns Christen: Auch wir versuchen, durch vorbildliches Leben im Hier und Jetzt und durch unseren Glauben an Gott, in den Himmel zu gelangen.“

„Das ist richtig“, erwiderte Tante Olly und holte dabei tief Luft. „Oberflächlich betrachtet sieht es zunächst so aus, als seien der Hinduismus und das Christentum sehr unterschiedlich. Ich sehe das aber etwas anders.“

Staunend hörte ich ihr zu, während sie mir ihre Ansicht dieser beiden Religionsformen erklärte. Ich hatte keine Ahnung, dass sie bei all ihrer Arbeit auch noch die Zeit fand, sich mit Weltreligionen zu beschäftigen. Bislang kannte ich nur Menschen mit evangelisch-lutherischer bzw. römisch-katholischer Konfession. Deshalb lauschte ich ihren Ansichten andächtig, bis ich ihr schließlich entgegnete: „Aber dann spielt es doch keine Rolle, ob er Hindu ist und ich Christin, wenn die Religionen sich ähneln. Jeder kann doch seiner eigenen Entsprechung folgen.“

„Das war es, was ich dir eigentlich mit all dem sagen wollte. Erinnerst du dich? Ich habe dir doch erklärt, dass den Hindus von frühester Kindheit an gelehrt wird, die gesellschaftliche Hierarchie ihrer Kaste, mit allen dazugehörigen Bräuchen, einzuhalten und zu befolgen. Sie sind sehr traditionell.

Zu diesen Bräuchen gehört es unter anderem auch, dass Eltern ihren Kindern geeignete Ehegatten aussuchen – und das bereits in ganz jungen Jahren. Die Kinder haben dabei kein Mitspracherecht. Es geht nur darum, durch eine hervorragende Verbindung der Kinder weiterhin für Ruhm und Ehre innerhalb der Familien zu sorgen. Die Kinder werden jung einander versprochen und heiraten später.“

„Was willst du damit sagen?“, fragte ich erschaudernd. Ich ahnte aber bereits, dass auch Deboo einer indischen Frau versprochen worden war. Sie nickte mit dem Kopf, weil sie wusste, dass ich begriffen hatte. Fassungslos starrte ich vor mich hin, denn eigentlich hätte ich es wissen müssen, wenigstens hätte ich es merken müssen. Es war doch so naheliegend. Es war keine Scham, keine kavaliersmäßige Zurückhaltung. Es war ganz einfach: Er war versprochen und durfte, konnte, wollte oder sollte mich nicht berühren. Deshalb war er mehr oder weniger vor mir geflüchtet.

Als ich spürte, dass mir die Tränen in die Augen stiegen, rannte ich los, schleuderte in meinem Zimmer die Gardinen zu, entkleidete mich hastig und warf mich dann ins Bett, um nur noch zu weinen und in einen unruhigen Schlaf zu fallen, aus dem ich erwachte, als die Sonnenstrahlen versuchten, mich an der Nase zu kitzeln.

Monate waren vergangen. Zunächst hatte ich versucht, dass Deboo und ich uns nicht mehr sahen. Das war aber nur sehr schwer machbar. Überall begegneten wir uns. Nach wie vor gingen wir zu denselben Veranstaltungen. Es war allerdings unübersehbar, dass wir beide versuchten, nie miteinander allein zu sein. Ich hatte mir ganz fest vorgenommen, ihm nur freundschaftlich zu begegnen. Aber wo war der Unterschied? Wir hatten vorher keinen körperlichen Kontakt und danach auch nicht und trotzdem zog es uns zueinander. Das war keine Einbildung. Es konnte auch nicht anders sein, obwohl wir nicht darüber sprachen, dass es ihm genauso erging. Alles, einfach alles, jedes Wort, jeder Blick, jede Geste deutete darauf hin, dass wir uns beide zwangen, uns nicht gegenseitig zu verschlingen. Aber jeder hielt sich zurück. Mitunter war es kaum noch erträglich.

Eines Tages, ich hatte den Tag mit Deboo und mehreren anderen Freunden und Bekannten im Botanischen Garten von Edinburgh verbracht, rief mich Tante Olly zu sich. Ihr Gesicht verriet, dass etwas geschehen sein musste. Nachdem wir Platz genommen hatten, nahm sie einen Brief zur Hand. Ich erkannte sogleich die Handschrift meiner Mutter und vermutete Schlimmes. Sie gab mir den Brief aber nicht, sondern sagte: „Lieselotte, deine Mutter hat geschrieben. Die Lage in Deutschland ist ernst und scheint sich immer mehr zuzuspitzen. Sie befürchtet, dass es Krieg gibt und möchte, dass du sofort nach Hause kommst.“

Als sie das Wort „Krieg“ aussprach, überkroch mich ein eiskalter Schauer. Das wäre furchtbar, wenn tatsächlich ein Krieg ausbrechen würde. Niemand wollte ihn. Und jetzt fürchtete meine Mutter, es könnte doch einen geben?

Ich war verwirrt. Einerseits hatte ich große Angst, nach Deutschland zurückzugehen. Die Enge, die ich vor meinem Weggang gespürt hatte und an die ich hier gar nicht mehr dachte, käme wieder, außerdem schnürte mir die Angst vor einem Krieg geradezu die Luft ab. Aber ich konnte doch auch meine lieben Daheimgebliebenen nicht alleine lassen. Andererseits hatte ich schon oft darüber nachgedacht, wie es wohl sein würde, wenn Deboo demnächst sein Studium beendet hätte und er zurück nach Indien ginge. Den Gedanken hatte ich jedes Mal schnell wieder von mir gewiesen, denn ich wollte jede Minute genießen, die wir zusammen waren. Nun aber musste ich sofort zurück und aus dem Grunde würde es einen schnellen, einen sehr schnellen und wohl auch einen sehr kurzen Abschied geben. Vielleicht war das besser, als einen langen und deshalb qualvollen Abschied. War das unser Ende?

Während sich Tante Olly um meine Rückpassage kümmerte, erledigte ich die notwendigen Formalitäten an der Universität. Anschließend machte ich mich auf den Weg zum British Council Club. Dort würde ich wahrscheinlich alle Freunde und Bekannten treffen, ganz gewiss auch Deboo. Wie erwartet, traf ich sie im Tea-Room beim Five o’clock tea an. Ich musste ein sehr betretenes Gesicht gemacht haben, denn ich wurde sofort nach dem Grund meiner Missstimmung gefragt.

Nachdem ich alles erzählt hatte, war es mucksmäuschenstill geworden. Man hatte das Gefühl, als wäre es erst jetzt jedem so richtig bewusst geworden, wie ernst es war. Natürlich hatten wir immer wieder über die Lage diskutiert. Die meisten von uns aber glaubten nicht an einen Krieg, weil sie sich einfach nicht vorstellen konnten, dass es Menschen gibt, die Kriege wollen. Wir fühlten uns „da oben“ in Schottland so sicher und so fern von politischen Ereignissen in Deutschland, dass wir gar nicht richtig gemerkt hatten, wie sich die Situation tatsächlich zugespitzt hatte. Nun hing das Ganze plötzlich wie das Schwert des Damokles über uns und niemand wagte, sich zu rühren. Jeder hing seinen Gedanken nach. Wir wurden erst durch neu Hinzugekommene von unserer Lähmung befreit.

Diese Gelegenheit nutzte ich, um mich von jedem zu verabschieden. Es waren auch ein paar Deutsche darunter, die aber noch nicht von zu Hause aufgefordert worden waren, zurückzukommen. Niemand ahnte, dass es nur ein paar Wochen später keiner Aufforderung mehr von zu Hause bedurfte, denn sie wurden alle des Landes verwiesen. Der Abschied von ihnen war besonders merkwürdig, fast könnte man sagen, er war peinlich.

„Viel Glück“, wünschten wir uns und, „Alles Gute für die Zukunft“, und vieles mehr. Es war kein fröhlicher Abschied und als die Reihe schließlich an Deboo war, konnte ich meine Tränen nicht mehr halten. Ich weinte hemmungslos und dieses Mal nahm er mich in seine Arme und versuchte, mich zu trösten. Mich konnte aber niemand trösten – womit denn auch? Würden wir uns je wiedersehen? Ich fragte ihn nicht danach und er tat es auch nicht. Es war aussichtslos, alles war aussichtslos. Selbst wenn kein Krieg ausbrechen würde, wäre er inzwischen zurück in Indien und müsste heiraten, das war der Lauf seiner Zeit. Ich wollte es nicht wissen, er sollte mir nichts mehr sagen, keine Hoffnungen machen, wir hatten keine Zukunft. Hätten wir eine gesehen, so hätte er gewiss darüber gesprochen und ich auch, es gab aber keine. Unbeholfen streichelte er mir über den Rücken und sah mich hilflos an. Sprechen konnten wir nicht miteinander, denn die anderen hätten jedes Wort hören können. So aber konnten sie denken, er hätte Mitleid mit einem Mädchen, das Angst vor einem Krieg hatte und nicht mehr nach Hause zurück wollte. Für mich brach mit diesem Abschied die ganze Welt zusammen.

~

GEGENWART

Ich starrte wie gebannt auf die Aufzeichnung meiner Mutter.

Sie tat mir so entsetzlich Leid, ich konnte mich sehr gut in ihre Lage von damals hineinversetzen und stellte mir vor, wie furchtbar traurig sie gewesen sein musste.

Onkel Deboo war also tatsächlich ihre erste Liebe, warum hatte er nicht um sie gekämpft? Hätte er sie nicht mit nach Indien nehmen können oder hätte er nicht in Europa bleiben können?

Viele Fragen aber keine Antworten. Ich musste weiterlesen, vielleicht gab es dort die Auflösung.

~

LIESELOTTE

Die Kriegsjahre – 1938 – 1949

Am 29. September 1938 verließ ich recht überstürzt Schottland. Ich war so sehr mit meinem großen Kummer, der Trennung von Deboo, beschäftigt, dass ich nicht über die weitere Zukunft nachdenken mochte.

Zurück zu Hause, in Schönebeck an der Elbe, erzählte mir meine Mutter, was sich in der Zwischenzeit, speziell in meinem Elternhaus, verändert, bzw. ereignet hatte. Die Politik sparte sie allerdings zum größten Teil aus. Sie versuchte hartnäckig zu ignorieren, was sich „draußen“, damit meinte sie nicht nur in Deutschland, sondern auch in Schönebeck, zusammenbraute.

Sie litt seit vielen Jahren insgeheim noch immer an dem Verlust ihres ersten Kindes, unserem Geschwisterchen, dass wir nie kennengelernt hatten, und ganz augenscheinlich auch unter dem Tod ihres Mannes. Unser herrlicher Garten war daher für sie ein Paradies, eine Stätte, in der sie aufgehen konnte. In Wirklichkeit aber war es ihr Zufluchtsort, an den sie sich mit viel Arbeit zurückziehen konnte, ohne als „Fahnenflüchtige“ zu gelten. Alles andere wollte sie anscheinend nicht wahrhaben und ließ es nicht wirklich an sich herankommen. Vermutlich war die drohende Kriegsgefahr für meine Mutter ein höchst willkommener Anlass, mich wieder nach Hause zu holen, ihre Schäfchen um sich zu scharen.

Dann musste ich ihr in aller Ausführlichkeit von meinen Aufenthalt bei Tante Olly berichten, wobei ich alles was mit Deboo zu tun hatte, nicht erwähnte. Ich wollte mir nicht von anderen Menschen, und seien sie mir noch so nah, sagen lassen, wie aussichts- und sinnlos meine Liebe war und dass ich wieder „auf den Boden der Tatsachen“ zurückkehren sollte. Das wusste ich selber. Trotzdem war es schmerzhaft und tat weh – jeden Tag aufs Neue. Hinzu kam, dass ich mein abgebrochenes Studium in Edinburgh vermisste und meine Mutter wegen der angespannten Lage nicht wollte, dass ich mich auf einer anderen Universität irgendwo in Deutschland einschrieb. Deshalb wurde beschlossen, dass ich mir so schnell wie möglich Arbeit suchen sollte.

Es erwies sich zunächst als recht schwierig. Trotzdem hatte ich, dank meiner Sprachkenntnisse und einem Stenografiekursus, den ich bereits 1936 absolviert hatte, Glück und fand recht bald eine Anstellung als Sekretärin bei den Junkers Flugzeug- und Motorenwerken Dessau, die in Schönebeck ein Zweigwerk hatten.

Die Junkers-Werke waren, nachdem das Reichskommissariat für Luftfahrt Professor Junkers schon 1933 genötigt hatte, seine vielen Patente unentgeltlich dem Luftfahrtministerium in Berlin zu übertragen, zum größten und modernsten Rüstungsbetrieb der Welt ausgebaut worden. Hermann Göring, der Reichsminister für Luftfahrt, hatte im Rahmen eines „Programms für Arbeitsbeschaffung“ damit begonnen, die JU 52, die berühmte „Tante JU“, aber auch andere Flugzeuge, für militärische Zwecke im Großserienbau herzustellen.

Das Geschäft florierte und ich hatte genug Arbeit, in die ich mich hineinstürzte, so dass mir fast keine Zeit mehr blieb, um traurig zu sein, denn der Tag verflog rasend schnell. Abends half ich zu Hause und danach fiel ich meist todmüde ins Bett. Von Krieg konnte bei uns nicht die Rede sein. Dennoch hatte meine Mutter Recht behalten. Knapp ein Jahr nach meiner Rückkehr, begann mit dem Überfall auf Polen, der Zweite Weltkrieg. Unser Leben ging aber genau so weiter wie bisher. Mein Bruder Hans besuchte die Schule, verabredete sich in der Freizeit mit Freunden und musste, wie auch ich, bei allen Arbeiten die im Garten zu erledigen waren und bei der Ernte mithelfen. Abends und am Wochenende verarbeiteten wir die Früchte und das Gemüse. Wir kochten Marmelade, machten Gelee, Mus und Säfte, weckten Früchte und Gemüse ein. Unser Vorratskeller füllte sich mit jedem Tag. Wir waren sehr dankbar für die gute und reichliche Ernte.

Inzwischen waren mehr als zwei Jahre seit meiner Rückkehr aus Schottland vergangen. Eines Tages bemerkte ich, dass einer der ranghöheren Abteilungsleiter, ein Herr Hachmann, der erst kürzlich nach Schönebeck gekommen war, sehr häufig die Gelegenheit nutzte, um in mein Büro zu kommen. Zunächst fiel das zwar nicht auf, denn ich konnte noch nicht erkennen, in welcher Funktion er nach den ein oder anderen Akten fragte. Das kam erst, wie es häufig geschieht, durch einen Zufall heraus. Mein Vorgesetzter wollte in dem Moment sein Büro verlassen, als Herr Hachmann gerade mal wieder eine Akte mitnehmen wollte. Beide begrüßten sich sehr freundschaftlich, aber mir fielen dennoch die erstaunten Blicke meines Vorgesetzten auf, als er die Akte bei Herrn Hachmann sah. Er schaute auf sie, dann von Herrn Hachmann zu mir und danach erhellte sich sein Gesicht, als wäre ihm nicht nur ein Licht, sondern ein ganzer Kronleuchter aufgegangen. Ich merkte, wie mir das Blut in den Kopf schoss. Es war mir unglaublich peinlich, dass ich nicht selber bemerkt hatte, „Opfer“ eines Anbahnungsversuches geworden zu sein. Empört wollte ich protestieren, aber die beiden verließen, vielsagend grinsend, gemeinsam mein Büro. Mit einem vor mich hin gemurmelten „Na warte“, ging ich wieder an meine Arbeit.

Als ich am nächsten Morgen die Plastikhaube von meiner Schreibmaschine zog, fand ich eine kleine Schachtel Pralinen mit einem Zettel daran.

„Entschuldigung. Ich wollte Sie nicht kompromittieren, aber ich konnte nicht anders. H.H.,“ was Hans Hachmann bedeutete.