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Magisterarbeit aus dem Jahr 2006 im Fachbereich Orientalistik / Sinologie - Islamwissenschaft, Note: 1, Eberhard-Karls-Universität Tübingen (Orientalisches Seminar), Sprache: Deutsch, Abstract: Was bewegt die Herrschenden aller Zeiten, was ist ihr Motor, der sie antreibt? Immer wieder ist es die Macht und der Hunger nach ihr -in diesem konkreten Beispiel auf christlicher wie muslimischer Seite. Für diese Macht setzen sie alles ein - auch das Leben und Wohlergehen ihrer Untertanen. Um ihrem Kampf und ihrem ganzen Tun eine höhere Weihe zu verleihen, sprechen sie von Religion und Auftrag Gottes. Vielleicht glauben sie das sogar - ihr Handeln gehorcht aber anderen Regeln. Ein zweites Thema, das am Rande gestreift wird, ist der Sieg der neuen Zeit über die alte und der Aufbruch in die Zukunft - Schicksalsjahr 1492: ein Zuschauer des Auszugs der Muslime aus Granada bricht im gleichen Jahr auf, Neu-Indien zu suchen, und findet es in der Karibik, sein Name ist Christof Kolumbus.
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Veröffentlichungsjahr: 2012
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Inhalt
Vorrede
Die Königreiche der Pyrenäenhalbinsel
In Konstantinopel und in Rom
Die Muslime in Spanien
Das Reich der Nasriden
... sein letztes Jahrhundert
...und seine Herrscher
Wo bleibt die Bevölkerung?
Der große Krieg
Der Krieg auf herkömmliche Art - Alhama und die Folgen (1482 - 1483)
Abfall der westlichen Gebiete (1484 - 1487)
Zusammenbruch der Front im Osten (1488 - 1489)
Granadas Todeskampf (1490 - 1491)
Die Kapitulationen
Die schönen Stoffe ...
Hilfe von außen?
Der Wille zum Krieg und die Dinge, die man dazu braucht
Das Heer im Emirat
Raubzüge, Scharmützel, talas und Belagerungen
Hinter den Linien - Nachschub, Versorgung und Lazarett
Immer wieder: das Geld
Die Quellenlage
Der Faktor Mensch
Nachwort oder das Jahr der Wunder
Literaturverzeichnis
Anhang
„Unter den maurischen Kommandanten, die ihre Burgen übergaben, befand sich einer, der diese Worte an den König und die Königin richtete: ’Ich, meine Herren, bin Maure und aus maurischem Geschlecht, ich bin Kommandant der Stadt und der Burg von Purchena, sie haben mich in ihr eingesetzt, um sie zu beschützen. Ich stehe hier im Angesicht Eurer königlichen Gnaden, nicht um das zu verkaufen, was nicht mir gehört, sondern um Euch das zu übergeben, was das Schicksal zu Eurem Eigentum gemacht hat. Möget Ihr glauben, Eure königliche Majestät , wenn mich nicht die Kraftlosigkeit entkräftet hätte, die von denen ausgeht, die mich hätten stärken müssen, so wäre der Tod mir der Preis gewesen, den ich bei der Verteidigung der Festung von Purchena empfangen hätte, und nicht das Gold, das Ihr mir anbietet, damit ich sie verkaufe. Schickt Eure Leute, o Ihr mächtigen Könige, um diese Stadt, die Eure große Macht zu Eurer gemacht hat, in Empfang zu nehmen. Inständig bitte ich Eure große Macht darum, dass Ihr die Mauren dieser Stadt und die, die in ihrem Tal leben, unter Euren Schutz nehmt und ihnen gebietet, ihr Gesetz und ihr Eigenes zu bewahren. Und mir gebt die Gewähr, dass ich mit meinen Pferden und mit meinem Hab und Gut nach Afrika ziehen kann.’
Der König und die Königin, wie sie die Ansprache des Mauren gehört hatten, glaubten, er sei ein vertrauenswürdiger Mann, und hielten seine Rede gebührend fest. Und als sie ihm ihre Gnadenbezeigungen - Gold und Pferde - anboten wie den anderen, wollte er sie nicht annehmen.
Und sie schickten dann zu Diego Lopez de Ayala, einem der Feldherren, die zu ihrem Gefolge gehörten, damit er diese Stadt in Empfang nähme.“[1]
So weit das Zitat aus Hernando de Pulgar. Am 4. Dezember des Jahres 1489, nach sechs Monaten und 20 Tagen Belagerung, wurde Baza den Katholischen Königen übergeben, unmittelbar darauf folgte Purchena mit seiner Umgebung, und seinem Kommandanten wurde nach seiner Rede die Sicherheitsgewähr für seine Person, seine Familie, alle Angehörigen seines Haushalts und sein Hab und Gut gegeben.[2]
Mitten im Krieg um Granada
Damit befinden wir uns im letzten Drittel des Krieges, der 1482 begonnen hat, zwischen den spanischen Christen und den spanischen Muslimen um die Herrschaft über den letzten Teil Spaniens, der noch muslimisch ist - nämlich um das Emirat Granada, das einen Teil des heutigen Andalusiens, nämlich die Provinzen Màlaga, Granada und Almería, umfasst. Zu diesem Zeitpunkt, dem Jahr 1489, fällt gerade das östlich vom Kernbereich liegende Gebiet an die Christen, alle anderen Gebiete mit Ausnahme dieses Kernbereichs um Granada befinden sich bereits in Händen der christlichen Macht.
Und es wird auch nur noch zwei Jahre und einen knappen Monat dauern, bis der letzte muslimische Emir die Alhambra, die Burg, und die ganze Stadt Granada an die Christen übergibt. Damit endet am 2. Januar 1492 nach über 700 Jahren die muslimische Herrschaft in Spanien und - was uns hier interessieren soll - die Existenz des letzten muslimischen Emirats auf spanischem Boden. In Granada regiert kein Nasride mehr - nach 260 Jahren zwischen Kampf und Anpassung, Niederlagen und Siegen und mit einer Zeit der kulturellen Blüte, deren Spuren wir heute noch bewundern.
Es ist aber nicht nur Bewunderung, die in uns entsteht, es tauchen auch viele Fragen in uns auf, zum Bespiel nach dem Ablauf des Krieges um Granada und danach, wie die Christen in 10 Jahren den Sieg über das letzte muslimische Reich auf iberischem Boden erringen konnten, wo sie doch über Jahrhunderte dem Feind nur immer Stück um Stück abnehmen konnten.
Bevor wir uns aber diesen Fragen zuwenden, interessiert uns erst einmal, was sich in dieser Zeit in Spanien ereignete und welche Verbindungslinien zu Europa gezogen werden können.
Zu Beginn des 15. Jahrhunderts war „Spanien“ allenfalls ein geographischer Begriff, aber noch nicht der Name eines Staates. Es gab auf dem Boden der iberischen Halbinsel noch vier christliche Königreiche - Navarra, Aragon, Kastilien, in dem bereits das Königreich León aufgegangen war, Portugal - und das muslimische Emirat Granada.[3]
Die christlichen Königreiche „waren durch ein Netz dynastischer Beziehungen miteinander verbunden, behielten dabei aber doch ihre institutionelle Eigenständigkeit: dabei spielte die Dynastie der Trastámara, die seit 1369 in Kastilien und seit 1412 in Aragon herrschte, eine hervorragende Rolle.“[4] Das bedeutete nun aber nicht, dass diese Verbindungen auf eine Einheit gezielt hätten, es gab genügend Konfliktstoff, Kriege zwischen den Staaten, aber auch Bürgerkriege und heftige Kämpfe um die Erbfolge.
So stand es nicht von Anfang an fest, dass Isabella (1451-1504) eines Tages die Thronfolge in Kastilien antreten würde. Zwar bestimmte sie ihr Halbbruder Heinrich IV. im Jahr 1468 im Vertrag von Toros de Guisando zu seiner Nachfolgerin[5], aber schon 1470 ernannte er auf Druck des Adels seine Tochter Johanna (1462 geboren) zur Erbin. Sie war seine rechtmäßige Nachfolgerin, sie entstammte seiner zweiten Ehe mit Prinzessin Juana aus Portugal - wobei aber seine Vaterschaft angezweifelt werden darf. Auf jeden Fall wollte ein Teil des Adels eine starke Monarchie (was sie unter Heinrich IV. nicht gewesen war, im Jahre 1465 wurde er sogar symbolisch vom Adel abgesetzt und sein Halbbruder Alfons zum König gewählt) [6] und sah das dadurch gewährleistet, dass Johanna die Nachfolge antritt. Ein anderer Teil des Adels wollte lieber eine schwache Monarchie - um seine Macht besser ausüben zu können - und sah das in Isabella eher verwirklicht. So waren die letzten Regierungsjahre von Heinrich IV. bestimmt durch einen Bürgerkrieg zwischen denen, die Partei für Johanna ergriffen, und denen, die auf Seiten Isabellas standen. Nach seinem Tod im Dezember des Jahres 1474 wurde Isabella in den meisten Städten des Landes als Königin anerkannt (Isabella schrieb am 20. Dezember von Segovia aus an die Stadt Sevilla, dass König Heinrich IV. gestorben sei und dass sie hier zur Königin ausgerufen worden sei[7]), der Adel war aber nach wie vor zweigeteilt. Und so ging der Bürgerkrieg, der die letzten Jahre der Regierungszeit Heinrich IV. begleitet hatte, im Frühjahr 1475 als Erbfolgekrieg, der bis 1479 dauern sollte, weiter.
Auch auf aragonesischer Seite ging es nicht ohne Unruhen ab. So war z.B. die Regierungszeit Juans II., des Vaters von Ferdinand, von 1462 bis 1472 von einem Bürgerkrieg überschattet.[8] Und genau wie Isabella stand Ferdinand (1452-1516) in der zweiten Reihe: erst nach dem Tod seines Halbbruders Carlos de Viana im Jahr 1461 war sein Weg zum Thron frei.
Nur die Eheschließung zwischen beiden war recht früh schon vorgesehen (später dann aber wieder verworfen worden): Juan de Navarra, Vater Ferdinands, und Heinrich IV. planten eine Heirat, als die beiden fünf bzw. sechs Jahre alt waren -dabei dachte man nicht an ein künftiges Herrscherpaar, denn beide waren auch gar nicht für eine Thronfolge vorgesehen, sondern nur an eine Verbindung, die beiden Häusern von Nutzen sein könnte[9].
Dass die Hochzeit der beiden dann doch zustande kam, war Isabella zu verdanken. Ihr Halbbruder will sie nämlich zuerst mit dem Großmeister von Calatrava verheiraten - dies aus innenpolitischen Erwägungen - dann wieder soll sie mit dem König von Portugal verheiratet werden. Dies würde die Rechte seiner Tochter Juana stärken und die Beziehungen zu Portugal verbessern. Doch Isabella entscheidet sich für Aragón - eine Idee, die auch von Juan II. von Aragón verfolgt wird, vor allem nach dem Vertrag von Guisando. Für ihn bedeutet diese Eheschließung die Vereinigung zweier Kronen.[10] Schließlich heiraten Isabella und Ferdinand im Oktober 1469 in kleinem Kreis. Damit stellt Isabella sich gegen den Willen ihres Halbbruders Heinrich IV., und das junge Paar hat statt Flitterwochen harte Jahre vor sich. Zuerst ist es ein Kampf mit ihrem Halbbruder, der die Rechte seiner Tochter Juana durchsetzen will, nach dem Tod Heinrich IV. hört der Kampf aber nicht auf, innenpolitisch müssen sich die beiden gegen Teile des Adels durchsetzen, außenpolitisch gibt es Konflikte mit Portugal und Frankreich. Und erst im Jahr 1479 beginnt ihre eigentliche Regierungszeit: in diesem Jahr endet der Erbfolgekrieg, wird der Friedensvertrag mit Portugal unterzeichnet und wird Ferdinand König von Aragón nach dem Tod seines Vaters.[11]
Was hier beschrieben wird, sind aber mehr als nur dynastische Streitereien. Es ist ein Zusammenstoß zwischen Adel und Monarchie, in dem es um eine starke Zentralgewalt, die Ausübung von Macht und die Verteilung von Pfründen geht. Am Ende dieses Prozesses bekommt der Adel gewisse Rechte und Pfründe zugestanden, dafür verzichtet er aber auf Macht und Einfluss, die Autorität der Krone geht stärker denn je aus dieser Auseinandersetzung hervor.[12]
Zwar sind Kastilien und Aragón, die durch diese Eheschließung zusammengefügt worden waren, grundverschieden, aber sie sind unter einen gemeinsamen Willen gezwungen. Und für das, was die beiden in Angriff nehmen - Neuorganisation des Königreiches, Wiedereinführung der Inquisition, Expansion in überseeische Gebiete und vor allem die Eroberung des Emirates Granada - braucht es ein gemeinsames Handeln. So haben Isabella und Ferdinand nicht nur ihre Zeit geprägt, sondern auch den Grundstein gelegt für Spaniens Entwicklung zum Nationalstaat und auch zur europäischen Großmacht.
Bevor wir uns aber dem Emirat Granada zuwenden, wollen wir noch einen Blick werfen auf das Ereignis, das Europa im 15. Jahrhundert aufgerüttelt hat, nämlich die Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453 durch Sultan Mehmed II. Zwar waren die Osmanen schon seit 1357 auf der Balkanhalbinsel präsent, aber die Einnahme Istanbuls - wie die Stadt von nun an heißen wird - hat noch einen ganz anderen Stellenwert. Damit endet nämlich auch das Oströmische Reich, der letzte oströmische Kaiser kommt beim Kampf ums Leben, und das Osmanische Reich betritt nun endgültig die Bühne der europäischen Politik[13] - und das schreckt erst mal die Herrschenden in Europa, vor allem den Vatikan auf. Eine andere Religion nicht nur im äußersten Westen des Kontinents, sondern nun auch im Osten - das stellt schon eine existentielle Bedrohung dar. Vor allem, wenn man bedenkt, dass man sich zur damaligen Zeit weniger als Kontinent, denn als die Welt überhaupt verstand, die zudem unauflösbar mit der einen Religion verbunden war, da diese ihre Grundgegebenheit war und Politik und Gesellschaft dominierte.
So ist es also nicht verwunderlich, dass die Katholischen Könige (diesen Titel hat ihnen Papst Alexander VI. im Jahr 1496 verliehen), nachdem sie die Beziehungen zum Vatikan verbessert haben,[14] beim Papst auch immer ein offenes Ohr finden, wenn es um den Krieg gegen die Muslime geht. In der Zeit von 1482 bis 1492 sind das die Päpste Sixtus IV. (1471-1484) und Innozenz VIII. (1484-1492), das Pontifikat Alexanders VI. beginnt im August 1492 und dauert bis 1503.[15]
Schon zu Beginn des Krieges bekamen die Katholischen Könige vom Papst Sixtus die Erlaubnis, das Kreuz als Standarte zu führen - ein Krieg im Zeichen des Kreuzes. So sahen also die Muslime, wo immer sie sich im Kampf befanden, auf das Kreuz, zudem führte das christliche Heer überall Glocken mit sich, zwei Dinge, die für reichlich Verunsicherung und Verwunderung bei den Muslimen sorgten (wenn der Gegner keine Kühe hatte, warum hatte er denn dann Viehglocken?).[16]
Wichtiger war aber noch die Hilfe Roms bei der Finanzierung der Feldzüge. Das war einmal die Bulle, in der die Würdenträger der Kirche in Kastilien und Aragón aufgefordert wurden, den Krieg mit Geld zu unterstützen. Dann schickte der Papst aber auch einen apostolischen Nuntius mit einer „Kreuzzugsbulle“, in der viele Ablasspapiere enthalten waren, die dann verkauft werden sollten. Diese Bulle wurde in einer feierlichen Prozession in Empfang genommen, dann im ganzen Land verkündigt, die Ablasspapiere wurden gut verkauft[17] und halfen dadurch mit, den Krieg gegen die „Ungläubigen“ zu finanzieren.
Trotz aller Auseinandersetzungen, die sich zwischen den europäischen Mächten abspielten, war die Einstellung zu diesem Krieg ein einigendes Band des christlichen Europas. Und natürlich weckte ein Kampf gegen „Ungläubige“ Erinnerungen an die Kreuzzüge und ließ die Illusion einer vereinten, starken, christlichen Macht wieder aufleben.
So zog „im Namen unseres Erlösers Jesu Christi ... der König aus ,por hacer servicio á Dios y guerra á los moros’“[18] und an seiner Seite der Adel, „dem sich ein Schlachtfeld und eine Herausforderung auftaten: ein Eroberungskrieg, der zugleich Kreuzzug ist und in dem sich Abenteuergeist, Sehnsucht nach Ruhm und religiöses Gefühl zur gleichen Zeit entfalten können wie die Suche nach Reichtümern und Begierde nach einer interessanten Beute.“[19]
Wenn man sich diese Bemühungen und Anstrengungen vergegenwärtigt, fragt man sich, was denn das für ein Gegner sein muss, dessen Existenz als eine ganz große Bedrohung wahrgenommen und der mit soviel Vehemenz bekämpft wurde.
Man würde ein sehr mächtiges Reich erwarten, aber dann ist dieses Reich der Nasriden nur ein letzter kleiner Rest eines wesentlich größeren Reiches, das vor Zeiten fast ganz Spanien beherrscht hatte. Allerdings wurde es über die Jahrhunderte immer mehr und mehr zurückgedrängt. Begonnen hatte es mit dem Sieg Täriq b. Ziyäds über die Westgoten im Jahr 711, dem bis 714 die Besetzung der ganzen Pyrenäenhalbinsel folgte. Bereits 716 beginnt die Periode der Gouverneure, und man kann vom Beginn einer Staatlichkeit sprechen, es taucht auch zum ersten Mal die Bezeichnung „al-Andalus“ auf einer Münze auf. Der Umayyaden-Sprößling ‘Abd ar-Rahmän, der 754 nach langer Irrfahrt in Andalusien landet, begründet 756 die Herrschaft der Umayyaden, zuerst noch in der Form eines Emirats. Der Herrscher ‘Abd ar-Rahmän III. nimmt dann 929 den Kalifentitel an, in seiner Regierungszeit (912-961) und der seines Nachfolgers al-Hakam II. (961- 967) war dieser Staat „eines der bedeutendsten Reiche Europas und der islamischen Welt“.[20] 1031 wurde die Herrschaft der Umayyaden abgelöst durch eine Zeit der Kleinstaaterei oder der Kleinkönige (mulük at-Tawä’if). Teilweise hatte es unter den Umayyaden schon mächtige Familien gegeben, auf die das Kalifat sich hatte stützen müssen[21], jetzt aber versuchten sie, sich gegenseitig zu vernichten und dem Druck der Christen zu widerstehen.[22] Schließlich riefen einige der Kleinkönige die Almoraviden um Hilfe an, 1086 fand der erste Feldzug statt, in dem sie zusammen mit den Truppen der Kleinkönige den christlichen König Alfons IV. von Léon-Kastilien besiegten. Diese Allianz hielt aber nicht lange, in einem weiteren Feldzug ab 1090 wurden dann die Teilkönige beseitigt, dies dauerte bis 1092, damit herrschten die Almoraviden auch in Andalusien. 1147 hörte dann mit der Erstürmung Marrakeschs die almoravidische Dynastie in beiden Ländern zu existieren auf. Schon während des Niedergangs ihrer Macht, etwa ab 1142, gab es eine zweite Periode der Herrschaft der Kleinkönige, die wiederum das Vorrücken der Christen nicht aufhalten konnten. Damit boten sie aber auch der neuen Macht in Marokko, den Almohaden, genügend Raum zur Eroberung, 1145 landeten sie zum ersten Mal in Spanien, ab 1172 war Andalusien eine Provinz des Almohaden-Reiches. [23] Mit dem Sieg der Spanier 1212 bei Navas de Tolosa begann der Zerfall des Almohaden-Reiches in Spanien, der von einer dritten Periode der Kleinkönige - ab 1227 - begleitet wurde. Doch die Kleinkönige konnten sich gegen die Christen nicht lange halten, in dieser Zeit erfolgte unter Ferdinand III. von Kastilien ein weiterer Schub der Eroberungen, dem sie zum Opfer fielen.
