Menschenleer (Ein Sofia Blake FBI-Thriller – Band 1) - Ava Strong - kostenlos E-Book

Menschenleer (Ein Sofia Blake FBI-Thriller – Band 1) E-Book

Ava Strong

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Beschreibung

FBI-Agentin und promovierte Sprachwissenschaftlerin Sofia Blake kann jeden versteckten Code, geheime Nachricht oder Fremdsprache entziffern, die ihre Vorgesetzten ihr schicken. Sie findet Muster, wo andere nur Durcheinander sehen, was sie unerlässlich für das Aufklären von Morden der heimtückischsten Serienmörder macht. Als ein Mitglied der örtlichen Gemeinde zusammen mit einer kryptischen Nachricht während der jährlichen Feierlichkeiten des Día de los Muertos aufgefunden wird, muss Sofia den Code knacken – bevor das nächste Opfer heimgesucht wird ... "Die Geschichte ist voller Drehungen und Wendungen, doch das Ende übertrifft einfach alles – die letzten Enthüllungen habe ich ganz und gar nicht kommen sehen und sie machen dieses Buch zu einem der spannendsten, das ich in den letzten Jahren gelesen habe." – Rezension für NICHT WIE WIR MENSCHENLEER ist Band Eins einer neuen Reihe der Bestsellerautorin Ava Strong, deren Bestseller NICHT WIE WIR bereits über 1.000 Fünf-Sterne-Bewertungen erhalten hat. Umgeben von einer Familie voller Sprachexperten und mit Wurzeln in Deutschland, Ägypten und Frankreich, hat sich Sofia Blake schon immer für verschiedene Sprachen und Kulturen interessiert. Dank ihrer ausgezeichneten Fähigkeiten und einem Naturtalent für das entziffern kryptischer Nachrichten ist sie schnell in den Rängen des FBI aufgestiegen. Es schien, als könnte sie nichts aufhalten – bis ihre Schwester, eine Reisejournalistin, vor zehn Jahren unter mysteriösen Umständen verschwand. Die Vergangenheit sucht sie heim und Sofia schwört sich auf der Suche nach Antworten ihre außergewöhnlichen Gaben dazu verwenden, weitere Tragödien zu verhindern. Reichen ihre Sprachkenntnisse aus, um selbst die diabolischsten Mörder aufzuhalten? Oder werden sie weitermorden, bevor sie ihren Code knacken kann? Ein spannender und erschütternder Krimi-Thriller mit einer brillianten Protagonistin in der Hauptrolle – die SOFIA BLAKE Reihe steckt voller Geheimnisse, unaufhörlicher Action, Spannung, Drehungen, Wendungen und Enthüllungen, die dafür sorgen, dass man bis spät in die Nacht weiterlesen möchte. Fans von Rachel Caine, Teresa Driscoll und Robert Dugoni kommen hier voll auf ihre Kosten. Weitere Bände sind ebenfalls erhältlich. "Ein schauriger und spannender Roman, bei dem man bis tief in die Nacht eine Seite nach der anderen verschlingt!" – Rezension für NICHT WIE WIR "Sehr spannend, ich konnte einfach nicht anders, als weiterlesen … Zahlreiche Drehungen und Wendungen und ein wirklich unerwartetes Ende. Ich kann kaum auf den nächsten Band warten!" – Rezension für NICHT WIE WIR "Eine echte Achterbahnfahrt der Gefühle … Man kann es einfach nicht weglegen, bis man beim Ende ist!" – Rezension für NICHT WIE WIR "Exzellente, äußerst realistische Charaktere, um die man echte Angst hat … Ich konnte nicht aufhören!" – Rezension für DER TODESCODE "Eine tolle Erfahrung, etliche Twists und ein überraschendes Ende. Man will sofort den nächsten Band lesen! Toll gemacht!" – Rezension für DER TODESCODE "Jeden Cent wert. Ich kann es kaum erwarten, zu erfahren, was im nächsten Band passiert!" – Rezension für DER TODESCODE "Schon nach den ersten paar Seiten konnte ich nicht mehr aufhören! Ich kann es nur weiterempfehlen!" – Rezension für DIE ANDERE FRAU "Die schnelle Action, die Geschichte und die Charaktere haben mir sehr gefallen … Ich wollte einfach nicht aufhören zu lesen und das Ende war total überraschend." – Rezension für DIE ANDERE FRAU "Die Charaktere sind äußerst überzeugend … Es gibt Drehungen und Wendungen, die ich nicht habe kommen sehen. Eine äußerst tolle Geschichte." – Rezension für DIE ANDERE FRAU "Eines der besten Bücher, das ich je gelesen habe … Das Ende war eine perfekte Überraschung. Ava Strong ist eine tolle Autorin.

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Seitenzahl: 272

Veröffentlichungsjahr: 2024

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M E N

S C H E N

L E E R

(ein sofia blake fbi-thriller – band 1)

a v a   s t r o n g

Ava Strong

Ava Strong ist die Autorin der REMI LAURENT-Krimireihe, die sechs Bücher umfasst (und noch nicht abgeschlossen ist), der ILSE BECK-Krimireihe, die sieben Bücher umfasst (und noch nicht abgeschlossen ist), der STELLA FALL-Psycho-Thriller-Reihe, die sechs Bücher umfasst (und noch nicht abgeschlossen ist), der DAKOTA STEELE FBI-Thriller-Reihe, die sechs Bücher umfasst (und noch nicht abgeschlossen ist), der LILY DAWN-Thriller-Reihe, die fünf Bücher umfasst (und noch nicht abgeschlossen ist), der MEGAN YORK FBI-Thriller-Reihe, die fünf Bücher umfasst (und noch nicht abgeschlossen ist), und der SOFIA BLAKE FBI-Thriller-Reihe, die fünf Bücher umfasst (und noch nicht abgeschlossen ist).

Als begeisterte Leserin und lebenslanger Fan des Krimi- und Thriller-Genres freut sich Ava über eure Nachricht. Besucht www.avastrongauthor.com, um mehr zu erfahren und in Kontakt zu bleiben.

BÜCHER VON AVA STRONG

EIN SOFIA BLAKE FBI-THRILLER

MENSCHENLEER (Buch #1)

EIN MEGAN-YORK-THRILLER

ES WIRD DIR LEIDTUN (Buch #1)

DU BIST DER NÄCHSTE (Buch #2)

EIN FBI-THRILLER MIT LILY DAWN

WEITERLEBEN (Buch #1)

WEITER HOFFEN (Buch #2)

EIN DAKOTA STEELE FBI-THRILLER

OHNE GNADE (Buch #1)

OHNE RÜCKSICHT (Buch #2)

OHNE VERGANGENHEIT (Buch #3)

EIN STELLA-FALL-THRILLER

DIE ANDERE FRAU (Buch #1)

DIE ANDERE LÜGE (Buch #2)

EIN SPANNUNGSGELADENER REMI LAURENT FBI THRILLER

DER TODESCODE (Buch #1)

DER MORDCODE (Buch #2)

DER TEUFELSCODE (Buch #3)

DER RACHECODE (Buch #4)

EIN ILSE BECK-FBI-THRILLER

NICHT WIE WIR (Buch #1)

NICHT WIE ER SCHIEN (Buch #2)

INHALT

PROLOG

KAPITEL EINS

KAPITEL ZWEI

KAPITEL DREI

KAPITEL VIER

KAPITEL FÜNF

KAPITEL SECHS

KAPITEL SIEBEN

KAPITEL ACHT

KAPITEL NEUN

KAPITEL ZEHN

KAPITEL ELF

KAPITEL ZWÖLF

KAPITEL DREIZEHN

KAPITEL VIERZEHN

KAPITEL FÜNFZEHN

KAPITEL SECHZEHN

KAPITEL SIEBZEHN

KAPITEL ACHTZEHN

KAPITEL NEUNZEHN

KAPITEL ZWANZIG

KAPITEL EINUNDZWANZIG

KAPITEL ZWEIUNDZWANZIG

KAPITEL DREIUNDZWANZIG

KAPITEL VIERUNDZWANZIG

KAPITEL FÜNFUNDZWANZIG

KAPITEL SECHSUNDZWANZIG

KAPITEL SIEBENUNDZWANZIG

KAPITEL ACHTUNDZWANZIG

PROLOG

Alberto und Mateo rannten die holprige Kopfsteinpflasterstraße entlang und der Fußball, dem sie hinterherliefen, schien zwischen ihnen zu tanzen. Ihr Ziel war es dabei, sich gegenseitig zu übertreffen.

„An mir kommst du nicht vorbei, Alberto“, stichelte Mateo und keuchte leicht, als er den nächsten Versuch seines Freundes abblockte.

„Warte nur ab!“, gab Alberto unnachgiebig zurück und kniff konzentriert die Augen zusammen.

La Porta, Kalifornien, war erfüllt von den leuchtenden Farben und Klängen des Día de los Muertos – dem Fest zum Tag der Toten. Papierbanner mit verschlungenen Mustern flatterten über den Straßen und warfen tanzende Schatten auf die Menschenmassen darunter. Lautes Lachen und lebhafte Gespräche vermischten sich mit den verlockenden Gerüchen des Essens, das die Straßenverkäufer feilboten und deren Stimmen sich über den festlichen Lärm erhoben. Ringelblumen schmückten jede Oberfläche, denn ihre tief orangefarbenen Blütenblätter waren ein Symbol für die Sonne, welche die Geister der Verstorbenen zu diesem jährlichen Fest zurück in die Welt der Lebenden führen sollte.

Menschen jeden Alters liefen durch die Straßen. Sie hatten ihre Gesichter mit kunstvollen Totenköpfen bemalt, die die Calaveras – die bunten Schädel aus Zucker – in den Schaufenstern widerspiegelten. Kinder umklammerten Tüten mit Süßigkeiten und machten große Augen. Großeltern saßen auf Bänken und beobachteten mit einem wissenden Lächeln, wie die Welt an ihnen vorbeizog. Catrinas – die elegant gekleideten weiblichen Skelette, die zum Synonym für das Fest geworden waren – posierten für Fotos und ihre Röcke wirbelten um sie herum wie lebendige Wolken.

„Hey! Komm schon!“, rief Mateo zu Alberto, der einen Moment lang in der Szene um ihn herum komplett versunken war. Dieser befreite sich aus seiner Träumerei, ließ sich wieder von der Spannung des Spiels anstecken und sprintete hinter Mateo her.

Als der Ball durch die Luft flog und vom Kurs abkam, setzte Albertos Herz einen Schlag aus. Er und Mateo rannten ihm hinterher. Der Ball rollte auf einen älteren Mann zu, der ihn mit einem schnellen Tritt wegschoss, sodass er nun in die andere Richtung flog.

„Hey!“, rief Mateo entrüstet, doch der ältere Mann mit den tiefliegenden Augen, die im frühen Sonnenlicht wie Stahl glänzten, starrte sie nur an.

Sein Gesicht war wettergegerbt und faltig – wie eine alte Landkarte, die unzählige Geschichten zu erzählen hatte. Als er sich abwandte, konnte Alberto die grauen Haare sehen, die unter seinem breitkrempigen Hut hervorlugten und zu dem dicken Schnurrbart passten, der seine schmalen Lippen umrahmte.

„Für wen hält er sich eigentlich?“, murmelte Mateo, während sie den Ball holten, und seine Worte trieften vor Verärgerung.

Alberto runzelte die Stirn. „Ich weiß es nicht. Aber er hätte nicht so unhöflich sein müssen.“

„Wäre es nicht lustig, wenn wir ihm folgen und ihn dann ausrauben würden?“, schlug Mateo vor und ein verschmitztes Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus.

„Bist du verrückt? Meine Mutter würde mich umbringen, wenn sie das herausfindet.“ Albertos Augen blickten nervös umher, als ob erwartete, dass seine Mutter gleich aus dem Schatten auftauchte.

„Komm schon, das wird ein Spaß. Nur dieses eine Mal“, bettelte Mateo und die Aufregung, die in seinen Augen leuchtete, wirkte ansteckend.

„In Ordnung“, stimmte Alberto schließlich zu und spürte, wie eine Mischung aus Vorfreude und Angst in ihm aufstieg. „Aber nur, weil er so gemein zu uns war.“

„Abgemacht!“, rief Mateo und klopfte Alberto aufgeregt auf den Rücken. „Wir müssen ihm folgen und dicht an ihm dranbleiben.“

Während die Jungen dem älteren Mann nachschlichen, hämmerte Albertos Herz wie ein Hammer gegen seinen Brustkorb und jeder Schlag erinnerte ihn an das gefährliche Spiel, das sie gleich spielen würden. Er versuchte, sich auf die anstehende Aufgabe zu konzentrieren, aber die lebhaften Klänge der Festlichkeiten des Día de los Muertos drohten immer wieder ihn abzulenken. Der Duft von Ringelblumen hing schwer in der Luft und vermischte sich mit dem Aroma von süßem Gebäck und gewürztem Kakao.

„Denk daran“, flüsterte Mateo mit tiefer und ernster Stimme, „er hat es verdient. Vielleicht wird ihm das eine Lehre sein.“

Alberto nickte und schluckte schwer, als er daran dachte, was kommen würde.

Sie schlängelten sich durch die Menge und versuchten, unbemerkt mit ihrem Ziel Schritt zu halten. Doch Alberto fühlte sich wegen ihres hinterhältigen Plans schuldig, denn so etwas hatte er noch nie gemacht. Aber Mateo schon. Mateos Freunde brachten ihn immer wieder in Schwierigkeiten und jetzt tat Mateo das Gleiche mit Alberto.

Er ist ein schlechter Einfluss, hörte Alberto seine Mutter sagen. Er verursacht immer nur Probleme. Alberto fragte sich, ob er dieses Mal auf seine Mutter hätte hören sollen. Doch es war zu spät, darüber nachzudenken, denn sie hatten den älteren Mann bereits eingeholt.

„In Ordnung“, flüsterte Mateo, als sie sich ihrem ahnungslosen Ziel näherten. „Ich werde ihn ablenken, während du versuchst, ihm die Tasche zu klauen.“ Er zwinkerte Alberto verschwörerisch zu und ermahnte ihn dann: „Sei schnell und leise.“

Bevor Alberto protestieren konnte, stürmte Mateo plötzlich vorwärts und wich nur knapp einer Gruppe von kostümierten Feiernden aus. Er täuschte vor, zu stolpern, und ließ sich gegen den älteren Mann fallen.

„Oh! Es tut mir so leid, Señor!“, rief Mateo und tat so, als ob es ihm peinlich wäre. Dabei hielt er sich am Arm des Mannes fest, um das Gleichgewicht zu halten. Dieser hob nur eine Augenbraue, sagte aber nichts.

Alberto nutzte die Gelegenheit und trat näher an ihn heran, wobei seine Finger vor Nervosität zitterten. Doch als er nach der Tasche des Mannes griff, stieß seine Hand gegen etwas Hartes und Kaltes und Panik stieg in ihm auf, als er erkannte, was es war. Eine Waffe. Sein Atem blieb ihm im Hals stecken und seine Gedanken rasten: Worauf haben wir uns da nur eingelassen?

Der ältere Mann, der das Eindringen in seine Privatsphäre bemerkte, richtete seinen Blick auf Alberto. Mit einer schnellen Bewegung versuchte er, den Jungen am Kragen zu packen, aber dieser – angetrieben vom Adrenalin – entkam gerade noch rechtzeitig. Er sprintete in die nächste Gasse, wobei sein Herzschlag bis in seine Ohren hämmerte.

„Lauf!“, rief er und forderte Mateo auf, ihm zu folgen. Mateo grinste immer noch teuflisch und winkte dem älteren Mann frech zu, bevor er Alberto folgte. Als sie in den Schatten der Gasse verschwanden, verklang das wütende Knurren des älteren Mannes hinter ihnen. Doch es blieb die abschreckende Erinnerung an die Gefahr, der sie nur knapp entkommen waren.

Die Jungen kamen langsam zum Stehen und schnappten nach Luft. Sie sahen sich einen Moment lang mit ernsten Gesichtern an, dann brachen sie beide gleichzeitig in Gelächter aus.

Mit einem Grinsen enthüllte Mateo seine Beute: eine glänzende goldene Uhr, die er dem älteren Mann während ihrer waghalsigen Flucht vom Handgelenk gerissen hatte.

„Sieh mal, was ich habe!“, sagte er triumphierend und hielt sie Alberto vor die Nase. Zuerst war dieser besorgt, aber am Ende konnte er doch nicht anders, als seinen Freund zu bewundern und wieder mit ihm zu lachen.

„Sein Gesicht. Hast du sein Gesicht gesehen?“ Alberto atmete schwer. „Er sah aus, als hätte er einen Geist gesehen!“

„Ja!“, stimmte Mateo zu und seine Augen funkelten schelmisch. „Schade, dass wir nicht mehr bekommen haben.“

„Mehr? Bist du verrückt?“, fragte Alberto, den das anhaltende Adrenalin mutig genug machte, um seinem Freund zu widersprechen. „Wir haben Glück, dass das alles ist, was wir bekommen haben! Der Typ hatte eine Waffe, Mateo!“

„Wow, wirklich?“ Mateo pfiff und zog überrascht die Augenbrauen hoch. „Na, zumindest haben wir die schicke Uhr. Wir können sie verkaufen und gutes Geld damit verdienen.“

„Vielleicht ... Aber meine Mutter wird mich umbringen, wenn sie es herausfindet“, murmelte Alberto, dessen Gedanken bereits zu den möglichen Konsequenzen ihres Handelns abschweiften.

„Ach, mach dir keine Sorgen“, sagte Mateo und klopfte seinem Freund auf den Rücken. „Wir werden uns schon etwas einfallen lassen.“

Als sie weiter in die Schatten der Gasse vordrangen, verstummte das Lachen und wurde durch eine unangenehme Stille ersetzt. Hier war es dunkler, als Alberto erwartet hatte, und er musste seine Augen anstrengen, um sich auf dem ungewohnten Terrain zurechtzufinden.

Plötzlich stolperte er und blieb mit dem Fuß an etwas hängen. Er spähte in die Dunkelheit und versuchte, den Gegenstand zu erkennen.

„Qué demonios?“,flüsterte er und starrte entsetzt auf ein Paar Beine, die neben einem Müllcontainer hervorlugten und in der Dunkelheit kaum zu erkennen waren. Die Angst packte ihn und er spürte, wie ihm der kalte Schweiß auf die Stirn trat. „Mateo ... hier ist jemand.“

„Wahrscheinlich nur ein Penner, derseinen Rausch ausschläft“, sagte Mateo abwertend, obwohl in seiner Stimme ein Hauch von Unsicherheit mitschwang. Seine Augen suchten die Umgebung ab, denn er schien sich seiner Aussage wirklich nicht sicher zu sein.

„Vielleicht ... Aber warum sollte er sich hier verstecken?“ Alberto konnte das Zittern in seiner Stimme nicht unterdrücken und ihm schossen tausend schreckliche Möglichkeiten durch den Kopf.

„Wer weiß? Menschen machen komische Sachen, wenn sie betrunken sind.“ Mateo versuchte, zu lachen, aber es klang hohl und ihm fehlte die übliche Unbeschwertheit.

Vorsichtig näherte sich Alberto der Gestalt, die neben dem Müllcontainer lag und als er näher kam, wurden die Umrisse einer Frau sichtbar. Ihr schwarzes Haar fiel ihr wirr ins Gesicht und ihr einst so strahlendes Make-up war verschmiert. Ein mit seltsamen Symbolen verzierter Zuckerschädel lag auf ihrer Brust wie eine makabre Dekoration, die im Dreck der Gasse fehl am Platz wirkte.

„Sieh dir ihr Gesicht an“, flüsterte Mateo, dessen frühere Tapferkeit nun auf einen zittrigen Atemzug reduziert worden war. Der Blick der Frau war auf einen weit entfernten Punkt gerichtet – mit weitaufgerissenen Augen, die nichts sahen. „Sie blinzelt nicht ... Glaubst du, es geht ihr gut?“

„Vielleicht ist sie nur ohnmächtig?“, schlug Alberto vor, aber seine Stimme klang nicht sehr überzeugend. Er hatte noch nie eine Pennerin wie diese gesehen und die bizarre Szene jagte ihm einen Schauer über den Rücken.

„Hey, Lady!“, rief Mateo zögernd und trat einen Schritt näher heran. „Geht es Ihnen gut?“

Als sie nicht antwortete, spürte Alberto, wie ihn eine morbide Faszination ergriff und ihn vorwärts trieb. Er kniete sich neben die reglose Frau und sein Herz hämmerte in seinen Ohren. Seine Hand zitterte, als er ihr zwei Finger in den Nacken legte.

Doch Mateo wich zurück und wollte nicht näher kommen.

Alberto schluckte schwer und seine Kehle wurde eng. „Sie atmet nicht“, flüsterte er.

„Was? Das kann doch nicht ...“ Mateos Augen wurden größer und seine Angst spiegelte sich nun auch in Albertos Augen wider.

In diesem Moment bemerkte Alberto es. Am Hals der Frau befand sich eine klaffende Wunde – ein dunkelroter Fleck auf ihrer sonst so blassen Haut. Sein Magen drehte sich um und ihm kam die Galle hoch, als die Auswirkungen dessen, worüber sie gestolpert waren, wie eine Flutwelle über ihn hereinbrachen. Er wich entsetzt zurück und war unfähig, seine Entdeckung in Worte zu fassen. Dann stieß er schließlich einen Schrei aus.

KAPITEL EINS

Geduld, ermahnte sich Spezialagentin Sofia Blake. Sie werden deinen Wert noch früh genug erkennen.

Sie stand in einem schwach beleuchteten Raum der CIA und starrte auf den großen Monitor, der eine Wand fast komplett bedeckte. Der Bildschirm zeigte schnell wechselnde Codezeilen an, die eine Geldtransaktion zwischen einem bekannten Terroristen und einem unbekannten Komplizen darstellten. Um sie herum und halb im Schatten versteckt saßen hochrangige Beamte, die mit ernster Miene das Geschehen beobachteten.

Mittendrin saß ein junger Programmierer über einen Computer gebeugt. Seine Finger flogen über die Tastatur, während er verzweifelt versuchte, mit den Informationen auf dem Bildschirm Schritt zu halten. Schweißperlen glitzerten auf seiner Stirn und er atmete schnell. Sofia konnte nicht umhin, den starken Kontrast zwischen dem blassen Teint des jungen Mannes und dem dunklen, maßgeschneiderten Anzug zu bemerken, der sich an seine drahtige Statur schmiegte. Er war eindeutig überfordert, aber niemand schien bereit zu sein, ihm zu helfen.

Neben dem Programmierer stand sein Vorgesetzter – ein großer, imposanter Mann mit grauen Strähnen im Haar und kalten, berechnenden Augen. Er hatte die Arme vor seiner breiten Brust verschränkt und sein Blick war auf den Bildschirm gerichtet. Alle paar Sekunden warf er dem Programmierer einen Seitenblick zu, der zu sagen schien: Du machst das nicht schnell genug. Seine bloße Anwesenheit verlieh der Luft ein beklemmendes Gewicht und steigerte die Spannung im Raum.

Sofia atmete tief ein und langsam wieder aus. Sie tat ihr Bestes, um ihre Frustration im Zaum zu halten, denn es war absurd, dass die CIA sie eingeladen hatte, bei dieser Operation zu helfen, nur um sie dann ins Abseits zu stellen, während ihr eigener Programmierer nicht mithalten konnte. Ihre Programmierkenntnisse waren schließlich der Grund, warum die CIA sie überhaupt geholt hatte.

Obwohl sie die Sprachen der Menschen den Sprachen der Computer vorzog, hatte sie eine Begabung für beides. Ihr Verstand nahm Muster mit einer Leichtigkeit auf, die andere Menschen nicht verstanden. Dann erkannte sie die Verbindungen in einer Geschwindigkeit, die andere oft als schwindelerregend empfanden. So wurde sie zu einer Expertin auf ihrem Gebiet mit Sprachdiplomen von Harvard, Berkeley und anderen Spitzen-Universitäten. 

Vielleicht wäre sie für den Rest ihres Lebens Akademikerin geblieben und in die Fußstapfen ihrer Eltern getreten, wenn ihr späterer Partner Ryan Donovan sie nicht ausfindig gemacht hätte, um bei der Verfolgung eines Serienmörders zu helfen, dessen kryptische Botschaften die Ermittler jahrelang vor ein Rätsel gestellt hatten, bevor es Sofia gelungen war, sie zu entschlüsseln.

Der Junge ist völlig überfordert, dachte sie und hatte Mitleid mit dem Programmierer, der sich abmühte, die ständig wechselnden Datenströme auf dem Bildschirm zu verarbeiten. Sofia wusste jedoch, dass sie ihre Bedenken nicht laut äußern sollte. In diesem Raum voller selbstgefälliger Beamter würde ihre Meinung wahrscheinlich ohnehin auf taube Ohren stoßen.

Während der Code weiter über den Bildschirm floss, spürte Sofia, dass die Zeit langsam knapp wurde. Wenn sich nicht bald etwas änderte, würden sie ihre Chance verlieren, die Gelder abzufangen und die Terroristen zu fassen. Sie wusste, dass sie über die Fähigkeiten und die Erfahrung verfügte, um etwas zu bewirken, wenn man sie nur lassen würde. Aber im Moment konnte sie nur zusehen, wie die Versuche des jungen Programmierers immer verzweifelter wurden, und hoffen, dass jemand die Notwendigkeit zum Handeln erkennen würde, bevor es zu spät war.

Eine Stimme durchbrach ihre Gedanken. „Werden Sie irgendetwas unternehmen, Agent Blake?“, schnauzte der Vorgesetzte sie mit spürbarer Ungeduld an.

Sofia wandte ihren Blick zu ihm und presste ihre Lippen zu einer dünnen Linie zusammen. „Sie haben mir doch gesagt, ich solle still sein, bis Sie mich um Hilfe bitten“, antwortete sie kühl. „Also bleibe ich still.“

„Nun, Sie können es ja mal probieren. Toby hier hat eindeutig seine Grenzen erreicht.“

Mit langsamen, bedächtigen Schritten näherte sich Sofia dem Computer, an dem der junge Programmierer arbeitete. Seine Finger flogen über die Tastatur und das unermüdliche Klappern der Tasten war fast rhythmisch, obwohl der Code auf dem Bildschirm sich ständig änderte. Er war gut, das musste Sofia zugeben – aber nicht gut genug.

„Geh zur Seite“, befahl der Vorgesetzte Toby mit kalter, befehlender Stimme.

„Warte.“ Sofia hob eine Hand, um ihn zum Schweigen zu bringen. „Er bleibt. Er ist schneller mit den Tasten als ich. Er wird tippen, ich werde diktieren.“

„Nun, gut“, räumte der Teamleiter mit einem skeptischen Stirnrunzeln ein und trat zurück, um ihr Platz zu machen.

Während Sofia wieder die sich schnell verändernden Daten studierte, setzte sich ihr Verstand in Bewegung. Sie spürte auch den bekannten Adrenalinschub, als ihr Gehirn begann, die Verbindungen herzustellen und das komplexe Netzwerk vor ihr zu entschlüsseln. Ihr Herz schlug im Gleichschritt mit den Tastenanschlägen des Programmierers und jeder Schlag brachte sie der Lösung näher, die sie so dringend brauchten.

„Also, gut“, sagte sie und holte tief Luft. „Fangen wir an.“

Ihre Augen verengten sich, als sie sich auf die Informationen konzentrierte, die auf mehreren Bildschirmen angezeigt wurden, wobei das blaue Leuchten des Monitors einen schwachen Schein auf ihr Gesicht warf. Der Raum schien zu verschwinden, während sie die komplizierten Muster und winzigen Details des Datenstroms in sich aufnahm. Ihr Verstand stellte schnell die Verbindungen her und verfolgte mehrere Informationsströme gleichzeitig.

„Fang mit der dritten Zeile an“, sagte sie mit fester und sicherer Stimme. „Ersetze das @-Symbol durch Ӿ und verschiebe den gesamten Block um zwei Leerzeichen nach links.“

Die Finger der Programmiererin flogen über die Tastatur und führten ihre Befehle mit einer geübten Präzision aus. Er blickte dankbar zu ihr auf, während sie mühelos durch den labyrinthischen Code navigierte.

„Ausgezeichnet“, murmelte sie, ohne den Blick vom Bildschirm zu nehmen. „Jetzt tausche den ersten und zweiten Buchstaben jedes vierten Wortes aus, von oben nach unten.“

Während Toby zu tippen begann, verarbeitete Sofia die Informationen in ihrem Kopf. Es war, als wäre sie die Dirigentin und das Orchester zugleich. Sie fügte die Dissonanz der Symbole und Sätze wieder zu einer klaren Symphonie zusammen. Manchmal schien es, als könnte sie die Informationen so schnell verarbeiten, wie der Computer selbst, während ihre sprachlichen Fähigkeiten die Führung übernahmen.

„Drehe die Reihenfolge der Zahlen in der fünften Reihe um“, sagte sie. „Dann multipliziere jede mit sieben und addiere drei.“

Ihre Gedanken rasten voran, während sie die nächste Reihe von Änderungen suchte, die zur Entschlüsselung des Codes erforderlich waren. Mit jeder neuen Verbindung entwirrte sich das Puzzle weiter und enthüllte Stück für Stück seine Geheimnisse. Im Raum herrschte Stille. Es gab nur das rhythmische Klappern der Tastatur und Sofias leise Anweisungen.

„Ändere jedes Vorkommen von Y in Z und verschiebe dann alle Satzzeichen um ein Leerzeichen nach rechts“, bat sie. Und während der Programmierer die Änderungen vornahm, spürte Sofia, dass die Lösung näher rückte. Es war wie ein fernes Licht, das mit jedem Moment heller wurde.

„Zum Schluss“, sagte sie mit einem Hauch von Triumph in der Stimme, „ersetze alle Stellen, an denen ein Q vorkommt, durch das Quadratwurzel-Symbol und verschiebe den gesamten letzten Absatz um vier Leerzeichen nach oben.“

Der Programmierer zögerte einen Moment und seine Finger lagen auf den Tasten, als ob er sich vergewissern wollte, dass er sie richtig verstanden hatte. Dann gab er schwungvoll den letzten Befehl ein.

Der Code veränderte sich vor ihren Augen und wurde zu einer verständlichen Nachricht mit wichtigen Informationen. Sofia erlaubte sich ein kleines, zufriedenes Lächeln, während ihr Teamleiter verblüfft den Bildschirm anstarrte. Endlich hatten sie das Wissen, das sie so verzweifelt gesucht hatten.

„Gute Arbeit“, sagte sie leise und nickte dem jungen Programmierer anerkennend zu, bevor sie sich wieder ihrer Aufgabe zuwandte. Es gab noch viel zu tun, aber jetzt hatten sie wenigstens eine Chance. Und in diesem tödlichen Katz- und Mausspiel zählte jeder Vorteil.

Die Augen des Vorgesetzten weiteten sich vor Erstaunen, als Sofia ihre Magie einsetzte. Sie hatte die Situation unter Kontrolle und ihre Sachkenntnis beruhigte und schockierte den Raum voller angespannter Beamter zugleich. Sie fühlte sich wie eine Malerin, die eine leere Leinwand zum Leben erweckt hatte, und mit jedem Strich mehr und mehr von dem verborgenen Meisterwerk enthüllte.

„In Ordnung“, sagte sie und wandte sich an den Programmierer. „Jetzt, wo wir die Transaktion genau kennen, müssen wir das Geld markieren, das verschickt wird.“ Ihr Blick wanderte zu einem anderen Bildschirm, auf dem das körnige Bildmaterial einer Überwachungskamera zu sehen war. „Ich möchte außerdem Agenten zu diesem Ort schicken. Und noch etwas: Löse die Sprinkleranlage aus.“

Der junge Programmierer zögerte und sah seinen Vorgesetzten an, um dessen Bestätigung zu erhalten. Dieser nickte nur, denn er war immer noch sichtlich beeindruckt von Sofias Fähigkeiten.

„Vertrau mir“, fügte Sofia leise hinzu, wobei sie ihren Blick nicht vom Bildschirm nahm und weiter die sich entfaltende Szene analysierte. „Die Sprinkleranlage wird die kugelsicheren Türen verschließen und die Verdächtigen darin festhalten.“

Der Programmierer schluckte schwer und seine Finger tanzten wieder über die Tastatur, um Sofias Anweisungen zu folgen. Innerhalb weniger Minuten erschienen mehrere Fenster auf dem Bildschirm, die bestätigten, dass die Agenten losgeschickt und die Sprinkleranlage aktiviert worden war. Der Geldtransfer wurde außerdem erfolgreich markiert, sodass er bis zu seinem Ursprung zurückverfolgt werden konnte.

Sofias Herz hämmerte in ihrem Brustkorb, als sie die sich schnell verändernde Situation beobachtete. Mit jeder Sekunde, die verstrich, rückten die Terroristen ihrem Ziel näher, und die Last der Verantwortung lastete wie ein tonnenschwerer Felsbrocken auf ihren Schultern. Sie wusste, dass jede Entscheidung, die sie traf, den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten konnte – nicht nur für die Agenten, die in den Einsatz geschickt wurden, sondern auch für unzählige unschuldige Menschen, die ins Kreuzfeuer geraten konnten.

Ihr Verstand raste und jonglierte mit mehreren Informationsströmen, während sie versuchte, die nächsten Schritte der Terroristen vorherzusehen. Sie musste ihnen immer einen Schritt voraus sein, um sie zu überlisten und auszumanövrieren. Dieser Herausforderung hatte sie sich schon oft gestellt. Aber noch nie stand so viel auf dem Spiel.

„Behalte diese Koordinaten im Auge“, wies sie den jungen Mann an. Ihre Stimme war ruhig, auch wenn das Adrenalin durch ihre Adern floss. „Wenn sich etwas ändert, gib mir sofort Bescheid.“

Während Sofia die Szene auf dem Video-Bildschirm verfolgte, wanderten ihre Gedanken wieder in den schwach beleuchteten Raum. Sie wusste, dass die nächsten Minuten über den Ausgang dieses tödlichen Spiels entscheiden würden – und darüber, ob sie den Sieg für sich und ihr Team holen konnte oder nicht.

Die Sekunden verstrichen langsam und die Spannung im Raum wurde mit jedem Moment größer. Sofias Blick blieb auf den Bildschirm fixiert und ihr Herz klopfte vor Erwartung. Die Agenten, die sie losgeschickt hatte, schlichen durch das schwach beleuchtete Gebäude und jede ihrer Bewegungen wurde auf dem Bildschirm gezeigt.

„Ziel gesichtet“, flüsterte einer der Agenten in sein Funkgerät. Seine Stimme klang tief und entschlossen. Sofia spürte, wie sich ihr Puls beschleunigte, als der Moment der Abrechnung näher rückte.

„Geht vorsichtig vor“, befahl sie und ihre Stimme verriet nichts von der Aufregung, die in ihr herrschte. Sie wusste, dass eine falsche Bewegung in einer Katastrophe enden konnte, und es lag in ihrer Verantwortung, den Erfolg dieser Operation sicherzustellen.

Als sich die Agenten den Terroristen näherten, hielt der Raum um Sofia den Atem an. Die Beamten, die das Geschehen bisher schweigend beobachtet hatten, lehnten sich nun näher an die Bildschirme und ihre Mienen zeigten eine Mischung aus Ehrfurcht und Angst. Sogar der Teamleiter, der anfangs noch an Sofias Fähigkeiten gezweifelt hatte, beobachtete es nun mit großer Aufmerksamkeit.

„Denkt an den Plan“, sagte Sofia leise, mehr zu sich selbst als zu den anderen. „Vertraut auf euren Instinkt.“

Die Verhaftung ging fast zu schnell, als dass man sie hätte begreifen können. Es regte sich plötzlich etwas auf dem Bildschirm und dann folgten Rufe, die durch die Funkgeräte hallten. Danach ... Stille. Die Terroristen waren festgenommen worden und Sofia spürte, wie sich die Last auf ihren Schultern ein wenig verringerte.

„Erstaunlich“, sagte ihr Vorgesetzter und schüttelte ungläubig den Kopf. Um ihn herum ging ein Raunen der Bewunderung durch den Raum. Sofia jedoch lächelte nur. Doch es war ein kleines, zufriedenes Lächeln, das Bände über ihr stilles Selbstvertrauen sprach.

„Danke“, erwiderte sie und nahm das Lob gerne an. Doch in Wahrheit war es nicht die Bewunderung, die sie suchte, sondern das Wissen, dass sie ihre Fähigkeiten eingesetzt hatte, um unschuldige Leben zu schützen und Kriminelle vor Gericht zu bringen. Das war die wahre Belohnung für ihren unermüdlichen Einsatz.

Als sie sich umdrehte, um den Raum zu verlassen, klingelte ihr Telefon und der schrille Ton durchbrach ihre Anspannung. Sie warf einen Blick auf das Display und sah die Buchstaben FBI aufleuchten.

„Hallo?“, antwortete sie mit fester Stimme und hörte dann die Stimme ihres Partners, Ryan Donovan.

„Hilfst du immer noch bei dieser Terroristensache mit?“, fragte er.

„Ich habe sie gerade beendet“, erklärte sie, wobei sich ein Hauch von Stolz in ihre Stimme einschlich. „Alles an einem Tag.“

„Das passt perfekt. Denn der Chef hat schon etwas Neues für uns. Er will dich so schnell wie möglich zurückhaben.“

„Was ist los?“, wollte sie wissen und legte ihre Stirn in Falten.

KAPITEL ZWEI

Die kühle Novemberluft, die durch das offene Fenster kam, zerzauste Sofias Haare, während sie die Straße entlangfuhr. Sie genoss das Gefühl des Triumphs, das noch von ihrem jüngsten Sieg über die CIA-Beamten herrührte.

Sie liebte es, anderen zu beweisen, was sie konnte. Vor allem denen, die sie im Laufe ihrer Karriere immer wieder unterschätzt hatten. Als ehrgeizige und entschlossene Frau in einer von Männern dominierten Branche waren es Momente wie diese, die ihr Feuer entfachten und sie daran erinnerten, warum sie ihren Beruf so liebte.

Sie lenkte ihren schnittigen, schwarzen Sportwagen auf den Parkplatz des FBI-Hauptquartiers in San Francisco. Er war genauso kraftvoll und unnachgiebig wie sie selbst und sie war stolz darauf, dass er die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich zog. Sie parkte ihn präzise ein und bewunderte die Tatsache, dass ihr Fahrzeug aus dem Meer der langweiligen Limousinen der Regierung herausstach.

Als sie ausstieg, streifte der kühle Wind wieder die Strähnen ihres dunklen Haares und ließ sie um ihr Gesicht tanzen. Sie betrachtete das imposante Gebäude, dessen Glasfassade die abendliche Sonne glänzend reflektierte. Möwen riefen einander über dem Gebäude zu und ihre Schreie vermischten sich mit dem entfernten Brummen des Verkehrs und dem schwachen, salzigen Geruch des nahen Ozeans.

Die Menschen waren in Schals und Mäntel gehüllt. Sie eilten umher und jeder von ihnen war mit seinen eigenen Problemen und Sorgen beschäftigt. Sofia konnte die unterschwellige Spannung spüren, die sich durch die Menge zog und die allgegenwärtigen Gefahren widerspiegelte, die unter der Oberfläche des Alltags lauerten.

Sie ging über den Parkplatz und ihre Absätze klapperten mit Nachdruck auf dem Pflaster. Der Wind spielte weiter mit ihrem Haar, aber sie achtete nicht darauf, als sie sich dem Eingang des FBI-Gebäudes näherte. Ihre Gedanken waren bereits bei den vor ihr liegenden Aufgaben: Meetings, Besprechungen und das nie endende Streben nach Gerechtigkeit. Es war eine Aufgabe, in der sie aufging, und sie wurde angetrieben von dem Wunsch, sich selbst zu beweisen – nicht nur gegenüber anderen, sondern auch sich selbst.

Als sie sich dem Eingang näherte, blieb ihr Blick an einem Mann hängen, der an einem roten Auto lehnte. Das polierte Äußere des Wagens glitzerte in der schwachen Novembersonne und seine scharfen Kanten und getönten Scheiben gaben ihm einen geheimnisvollen Anstrich. Der Mann selbst war groß und breitschultrig. Sein blondes Haar war kurz geschnitten und ein paar kurze Bartstoppeln umspielten seine kräftige Kieferpartie. Er war ihr Partner, Ryan Donovan.

„Es spricht sich schnell herum“, begrüßte er sie mit einem missbilligenden Stirnrunzeln, als sie sich näherte. „Ich habe schon von deinem kleinen Auftritt bei der CIA gehört.“

Sofias Herz machte einen Sprung, aber bevor sie antworten konnte, verwandelte sich Ryans Stirnrunzeln in ein breites Grinsen. „Du hast diesen Bleistift-Schubsern wirklich gezeigt, wo der Hammer hängt.“

„Jemand musste sie doch daran erinnern, dass sie nicht die Einzigen in der Stadt mit Köpfchen sind“, erwiderte Sofia und ein kleines Lächeln umspielte ihre Lippen.

Sie und Ryan kannten sich schon seit über fünf Jahren – seit Ryan vom New Yorker Büro in die Niederlassung in San Francisco gewechselt war – und ihre Partnerschaft war von Anfang an von gegenseitigem Respekt und Vertrauen geprägt. Jeder respektierte das Engagement des anderen bei seiner Arbeit und ihre gemeinsame Leidenschaft für Gerechtigkeit.

Im Laufe der Zeit war daraus eine Freundschaft gewachsen und diese hatte sich zu etwas entwickelt, die tiefer ging als einfache Kameradschaft. Sie verstanden sich auf eine Art und Weise, wie es nur wenige andere Menschen taten. Sie tauschten Witze und Vertraulichkeiten aus, während sie sich in der stressigen Welt des FBI bewegten. Obwohl es keine Romanze zwischen ihnen gab, hatte Sofia trotzdem großen Respekt vor Ryan. Sie bewunderte seine Intelligenz, seinen unerschütterlichen moralischen Kompass und seine Fähigkeit, unter Druck ruhig zu bleiben.

„Nun“, meinte Ryan, stieß sich vom Wagen ab und steckte die Hände in die Taschen, „wir sollten den Chef besser nicht warten lassen. Du weißt ja, wie er ist.“ Er zog die Augenbrauen hoch und Sofia lachte leise und freudlos. Oh, ja. Sie wusste, wie mürrisch ihr Chef sein konnte.

Schweigend stiegen sie die Stufen hinauf und als sich die schweren Glastüren hinter ihnen schlossen, dämpften sie den Lärm der belebten Stadt. Das geordnete Innere des Gebäudes bildete einen starken Kontrast zu dem Chaos draußen. Die glatten Marmorböden spiegelten das Neonlicht über ihnen wider und warfen einen sterilen Schein auf alles.

„Fühlt sich an wie zu Hause, nicht wahr?“, scherzte Ryan, als sie durch die Metalldetektoren und die Sicherheitskontrolle gingen.

Sofia rollte mit den Augen, konnte sich aber ein kleines Lächeln nicht verkneifen. „Bring mich nicht in Versuchung. Manchmal frage ich mich, ob ich mir nicht einfach ein leeres Büro suchen sollte, um Benzin zu sparen.“

„Hey, mach keine Witze darüber, bevor du es probiert hast“, antwortete Ryan und grinste noch breiter.

Als sie sich ihren Weg durch die labyrinthischen Gänge bahnten, war das geschäftige Treiben greifbar. Agenten saßen in Gruppen zusammen, besprachen Fälle und tauschten Informationen aus, während andere mit entschlossenen Gesichtern an ihnen vorbeieilten. Ein schwacher Duft von Kaffee lag in der Luft und mischte sich mit dem Geruch von Druckerschwärze und abgenutztem Leder.

Die beiden schritten weiter den Flur entlang, bis sie die Tür zum Büro ihres Chefs erreichten. Ryan erzählte gerade eine besonders amüsante Geschichte von seinem letzten verdeckten Einsatz und lachte dabei herzlich. „Und dann“, sagte er, „sah mich der Täter an und sagte: Du bist kein echter Drogendealer, oder?“

Sofia lachte und schüttelte den Kopf. „Du bist ein schlechter Schauspieler, Ryan. Ich weiß nicht, wie du es überhaupt geschafft hast, diese Aufgabe zu bewältigen.“

Ryan grinste. „Ich habe meine Wege.“

Sie klopften an die Tür und eine schroffe Stimme rief: „Herein.“

Sofia lächelte immer noch über Ryans Geschichte, doch als sie die Tür aufstieß und dann das Büro betrat, verflog ihre Fröhlichkeit im Nu. Hinter einem großen Mahagonischreibtisch saß Leon Hayes. Er legte seine Stirn in Falten gelegt und presste die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen. Der Raum selbst war geräumig und gut ausgestattet. Die Wände waren mit gerahmten Urkunden und Auszeichnungen geschmückt, die von seiner langen und erfolgreichen Karriere zeugten. Auf vielen der Bilder lächelte er sogar.