Met brauen wie ein Wikinger - Jereme Zimmerman - E-Book

Met brauen wie ein Wikinger E-Book

Jereme Zimmerman

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Beschreibung

Entdecken Sie zusammen mit Jereme Zimmerman, Siedler und Farmer, Brau-Enthusiast und selbsternannter „Yeti Wikinger aus den Appalachen“, die Geheimnisse des Met-Brauens der alten Nordmänner. In seinem Buch „Met brauen wie ein Wikinger“ zeigt uns der Autor, wie wir die traditionelle Nordische Kultur und ihre Met-Rituale durch eigenes Ausprobieren beim Brauen und bei der Auswahl der Aromen wieder aufleben lassen können. Ob Sie gerade mal mit dem Hobbybrauen angefangen haben oder sich auf der Suche nach neuen Anregungen für Ihre eigenen Brau- und Gärtechniken befinden: Dieses Buch wird Ihnen dabei helfen, Ihren Met mit einer Note wilder Echtheit und Individualität zu brauen – von süßen, halbsüßen, trockenen Meten, Fruchtmeten und Gewürzmeten, bis hin zu Honigbieren, Grog und vielem mehr. Das Buch gibt Ihnen darüber hinaus auch weiter reichende Informationen an die Hand: ◊ Welche Bedeutung regionale und unpasteurisierte Honigsorten für Geschmack und Gesundheit haben; ◊ warum das Brauen mit modernen Methoden, Materialien und Chemikalien zwar funktioniert, aber nicht notwendig ist; ◊ wie man Kräuter und Wildpflanzen für die Zubereitung heilsamer, nährstoffreicher Gebräue einsetzt; ◊ und vieles mehr. „Met brauen wie ein Wikinger“ ist ein praktisches und unterhaltendes Buch für jedermann – auf Geschichte und Mythologie gegründet, doch auf eine natürliche und genügsame Herangehensweise fokussiert. Skål!

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Stimmen zu „Met-Brauen wie ein Wikinger“

„Ein großartiges Handbuch zum Met-Brauen, mit vielen praktischen Tipps und einer faszinierenden Überlieferung.“

- Sandor Ellix Katz, Autor von „The Art of Fermentation“ und „Wild Fermentation“

„Jereme Zimmerman hat den wilden Geist des Mets eingefangen und zwar ganz wörtlich – als den Inbegriff des natürlich vergorenen Getränks der Menschheit. Ohne seinen geheimnisvollen Reiz zu enthüllen, bringt er den Met dorthin, wo er hingehört: Auf die Erde, um von allen gebraut und gerne getrunken zu werden.“

- Patrick E. McGovern, Autor von „Ancient Wine“ „Uncorking the Past“

„Dieses Buch macht Spaß – und glücklicherweise ist das nicht alles. Zusammen mit den witzigen Teilen ist es ein Buch, das alle Themen von der Auswahl des Honigs bis zum richtigen Korken alle Themen informativ und detailliert behandelt. Als Imker, der immer eine Menge an gutem Wildhonig zur Hand gehabt hat, habe ich schon mal Met gebraut, doch nur in jener sterilen Umgebung, die Jereme Zimmerman vermeidet. Sein Buch war für mich ein Augenöffner zurückzukehren zu den viel natürlicheren und altehrwürdigen Methoden zur Herstellung dieses faszinierenden Gebräus.“

- Jeffrey Hamelman, Leiter der King Arthur Flour Bakery, Autor von „Bread: A Baker’s Book of Techniques and Recipes“

„Met-Brauen wie ein Wikinger bringt MICH zu den Wurzeln dieses Getränks zurück: meine skandinavische Seele sang einfach nur, als ich die Geschichte wieder erlebte, die Rezepturen las und die Trinkspiele spielte, über die der Autor schreibt. Und das Beste dabei ist … Zimmerman ermutigt Met-Brauer dazu ihre eigenen Bienen zu züchten! Es gibt keine bessere Methode, um den besten Honig zu bekommen: Sie und die Bienen, um die Sie sich kümmern, lassen es gemeinsam geschehen. Für mich ist das die perfekte Ehe.“

- Kim Flottum, Chefredakteur von „Bee Culture: The Magazine of American Beekeeping“

„Ich habe dieses inspirierte und informative Buch wirklich genossen. Lassen wir ein wenig Vorsicht walten beim Met-Brauen und genießen wir die Herausforderung einiger der ungewöhnlichsten Aromen und Zutaten, die es gibt. Ich fühle mich jetzt mehr denn je als ein echter Met-Brauer aus der Wikinger-Zeit. Und als jemand der in der vierten Generation von einem keltischen Met-Brauer abstammt, ist das schon was! Genießt den Met und feiert alle fröhlich zusammen, Männer und holde Frauen.“

- Sophia Fenton, Direktorin von Cornish Mead Co. Ltd.

„Tradition trifft auf Moderne in diesem wunderschönen Ausblick auf das althergebrachte Brauen von Honig-Gebräuen.“

- Mike Faul, Inhaber und Braumeister von Rabbit’s Foot Meadery

Jereme Zimmerman

Met brauen wie ein Wikinger

Deutsche Erstausgabe, 2016

Übersetzung: Wolfgang Müller

Layout: Inna Kralovyetts

Korrektur: Dorothee Kremer

[email protected]

© Copyright 2016 für die deutschsprachige Ausgabe bei Mobiwell Verlag, Immenstadt

Titel der Originalausgabe: „Make Mead like a Viking“

© Copyright 2015 by Jereme Yimmerman

Nachdrucke oder Kopien dieses Buches, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags.

ISBN: 978-3-944887-34-0

Haftungsausschluss des Verlags

Die in diesem Buch beschriebenen Methoden und Hinweise beruhen auf den Erfahrungen und der Ausbildung des Autors sowie auf den wissenschaftlichen Informationen, wie sie dem aktuellen Stand entsprechen.

Ausgesprochene Empfehlungen sollen keinesfalls als Ersatz für eine sorgfältige ärztliche Untersuchung oder eine Behandlung durch qualifizierte, zugelassene Gesundheitsexperten gelten.

Autor und Herausgeber sprechen sich nicht dafür aus, Ihre aktuelle Medikation oder Einnahme von Ergänzungsmitteln zu ändern oder zusätzliche Medikamente oder Ergänzungsmittel anzuwenden, ohne einen Arzt zu Rate zu ziehen. Autor und Herausgeber schließen insbesondere jedwede Haftung aus, die direkt oder indirekt durch den Gebrauch der Informationen in diesem Buch entstehen könnte.

Meiner lieben Frau Jenna Lee, die mich immer ermutigt hat, und unseren frühreifen Töchtern Sadie Lee und Maisie Jane – in ewiger Liebe und Dankbarkeit … und meine aufrichtige Entschuldigung dafür, dass sie mit mir klarkommen mussten, als ich dieses Buch schrieb.

Und meinem Vater Wayne „Waldo“ Zimmerman und meiner Mutter Janice Zimmerman – mein persönlicher Hang zu Selbstgenügsamkeit, einfachem Leben und natürlichem Brauen rührt von der soliden Grundlage her, die Ihr mir gabt. Ich schulde Euch noch Arbeit auf der Farm, eine Schuld, die ich aus Zeitgründen nicht begleichen kann. Aber es ist die Absicht, die zählt, oder?

Und schließlich meinem dynamischen Wikinger- und Met-Trio: Dave, Zach und Steve – möget Ihr Euch in alle Ewigkeit in den Hallen Valhallas laben können an der reichen Fülle des Mets von den Brüsten der Ziege Heidrun.

Vorwort

Als ich mich zum ersten Mal auf den Pfad des Brauens nach Wikinger-Art begab, war meine Absicht einfach: Ich wollte verstehen, wie die Nordleute und andere alte Kulturen ohne all die tollen Apparate, Chemikalien, im Labor hergestellten Hefestämme und übermäßig komplexen Techniken auskamen, die heute das moderne Denken in Hinblick auf selbstgebrautes Bier zu durchdringen scheinen.

Als jemand, der auf einer Ziegenfarm in Kentucky aufwuchs – und in seinem späteren Leben zu seinen Wurzeln als Siedler zurückkehrte –, hatte ich mich an das schlichte Leben gewöhnt und auch daran, vorwiegend nur das zu essen und zu trinken, was meine Familie durch die Bewirtschaftung des eigenen Landes produziert. Mein Vater stellte Wein her, indem er nur Zutaten verwendete, die er selbst anbaute oder umsonst von Freunden bekam, was sehr der Art und Weise entspricht, wie die Wikinger es taten (solange man „umsonst von Freunden bekommen“ auch synonym mit „durch Tauschhandel mit benachbarten Farmen und durch Plündern ferner Länder“ versteht). Die Nordleute mussten lange, kalte Winter und kurze Sommer überstehen, weshalb sie so viele ihrer Nahrungsmittel wie möglich haltbar machen mussten. Da der Gärungsprozess Dinge auf natürliche Weise konserviert – und das Brauen und Trinken bewusstseinsverändernder Getränke eine gute Methode ist, die Zeit zu verbringen, wenn man mitten im Winter in einer Holzhütte zusammengepfercht lebt –, war die Herstellung von Met integraler Bestandteil des Überlebens in der dunklen, kalten Wildnis des alten Nordeuropa. In der zunehmend dunklen Wildnis des modernen Lebens, in der wir ständig mit massenhaft hergestellten, homogenisierten Produkten, die mit Chemikalien und genetisch modifizierten Organismen gesättigt sind, überschwemmt werden, ist es an uns, den Nordleuten und anderen alten Kulturen nachzueifern, und zwar indem wir unseren einzigartigen, selbstgebrauten Getränken einen Hauch von Wildheit, Mystik und Individualität verleihen.

Ich gebe zu, dass es einige Zeit brauchte, bis ich so dachte. Als ich mich zum ersten Mal mit dem Selbstbrauen beschäftigte, braute ich Bier. Ich war gerade nach Seattle gezogen, einem Mekka für Liebhaber privat gebrauter Biere. Nachdem ich die vielen lokalen Biersorten durchprobiert hatte, wusste ich, dass ich ein neues Hobby brauchte. Als ich in einem Apartment in der North 85th im Greenwood District wohnte, nahm ich den Bus zu einem Laden für Selbstbrauer, der „The Cellar“ hieß, wo ich mich mit den Angestellten über die wesentlichen Dinge unterhielt, die ich brauchen würde, um Bier selber zu brauen. Ich nahm schließlich ein Bierbrauer-Set für Anfänger mit, ein Exemplar von Charlie Papazians „The Complete Joy of Home Brewing“ sowie die Zutaten für ein Weizenbier mit Himbeergeschmack.

Der erste Met, den ich herstellte, erwies sich als recht geschmackvoll – obwohl er, wenn ich heute zurückblicke, mehr nach Himbeer-Soda schmeckte. Seitdem habe ich keinen Fruchtextrakt mehr fürs Brauen verwendet, sondern nehme nur noch ganze Früchte. Als ich mit dem Brauen weitermachte, wurden meine Ergebnisse immer experimenteller. Herumexperimentieren ist es, worum es beim Selbstbrauen eigentlich geht. So sehr ich auch das schätze, was ich durch jene frühen Bier-Sets lernte, ertappe ich mich bei dem Wunsch, ich hätte mich damals weniger auf äußerste Keimfreiheit, strikte Temperatur-Parameter und andere festgelegte Richtlinien aus Handbüchern zum Selbstbrauen fokussiert.

Eine Abbildung des Verfassers beim Brauen des alten, mystischen Mets. Von Michael Startzman.

Mit der Zeit begann ich ein Interesse am Brauen unter Einbeziehung natürlicher, organischer Prozesse zu entwickeln und machte mir Gedanken darüber, wie die Leute wohl Alkohol hergestellt hatten, bevor es all diese komischen Gerätschaften und Brau-Sets gab. Gleichzeitig begann ich damit, verschiedene kommerzielle Met-Sorten mit meinen Freunden (und Mitbrauern) Dave Brown und Josh Parker in der „Dave Cave“ und mit meinem Bruder Zach in der Met-Halle der Appalachen-Wikinger, die er auf einer Brache der Farm unserer Eltern errichtete, auszuprobieren. Die Räder drehten sich, aber ich war mir noch nicht ganz sicher, wohin die Reise ging.

Mein Freund Dan Adams, ein Computer-Programmierer aus Berufung (und Mann meiner Cousine Leah), hatte darüber gesprochen, ein Online-Netzwerk einzurichten, das Leute für den Handel von Farm- und Gartenerzeugnissen lokal verbinden würde. Ich dachte bei mir, dass das nur ein Teilzeit-Hobby für ihn werden und ich wahrscheinlich nur bis zu einem gewissen Grade daran teilnehmen würde. Doch das Netzwerk wurde größer als angenommen und schnell zu einem Mekka für leidenschaftliche Freidenker und Siedler und zog eine ganze Gemeinschaft enthusiastischer Individualisten an, die mit Waren, Ideen, Leidenschaften und hochtrabenden Zielen Handel trieben – , während man sich guter Laune und freundschaftlichem Miteinander hingab.

Ich muss nicht betonen, dass Earthineer zu einem Vollzeitjob für Dan wurde. In der Anfangszeit fragte er mich, ob ich mitmachen würde. Ich war mir nicht sicher, was ich bieten könnte, dachte aber, dass ich mir zumindest ein Online-Profil zulegen müsste. Da meine Haare (damals war das größtenteils mein Bart, der jetzt immer weißer wird) rötlich sind, entschied ich mich für den Namen RedHeadedYeti. Da waren nämlich schon ein GnomeNose, ein GrumpyOldMan und BickensChickens auf der Website aktiv. Also war ich in guter Gesellschaft, dachte ich mir. Einer meiner ersten „Yeti“-Artikel für Earthineer trug den Titel „Met-Machen: Alte und Neue Techniken“ und war im Wesentlichen meine Bekanntgabe an die Welt, dass ich meine Reise in die Braugeheimnisse der Alten begann.

In jedem weiteren Artikel berichtete ich über das, was ich nach und nach aus meiner Forschung, meinen Experimenten und Gesprächen mit Bier- und Met-Brauern sowie Winzern aus allen Teilen Midgards an Wissen zusammentrug. Meine Techniken veränderten sich, wurden immer älter und wilder. Nach modernem Ermessen war das, was ich machte, höchst experimentell. Für mein Dafürhalten jedoch tat ich nichts Neues, sondern entdeckte nur althergebrachte Praktiken, die von der heutigen Gesellschaft auf ihrem engstirnigen Marsch in Richtung „Fortschritt“ zumeist beiseitegeworfen wurden, neu. Die Praktiken, die ich mir aneignete und über die ich in diesem Buch sprechen werde, waren weitaus länger integraler Bestandteil des Lebens als das, was heute zum Standard geworden ist. Ich bin sehr wohl dafür, die Vorteile moderner Annehmlichkeiten zu nutzen, neige aber wie der einäugige Odin stets dazu, ein Auge auf das gerichtet zu halten, was mich umgibt, während das andere geschlossen bleibt, um ein tiefes Nachdenken über das zu ermöglichen, was zeitlich vor uns kam und was in den Dingen ruht. Darum neige ich auch dazu, in Dinge einfach rein zulaufen und über meine eigenen Füße zu stolpern, doch ich lerne dabei oft etwas über mich selbst und die Welt um mich herum.

Anfänglich nahm ich an, dass diese Besessenheit, so brauen zu wollen wie die Alten, nur eine Marotte von mir und einiger weniger Freunde war, doch als ich damit begann, Workshops zu geben und weitere Artikel zu verfassen, machte mir das Feedback, das ich bekam, klar, dass ich da an etwas dran war. Und so haben Sie jetzt also dieses Buch vor sich – einen erweiterten Exkurs über die Reise, die ich in meinen Web- und Magazin-Artikeln und in Workshops begann. Meine Arbeit bestand darin, die praktischen Details der Met-Herstellung so klar wie möglich zu präsentieren, ohne mich dabei in langweiliger (und größtenteils unnötiger) Fachsprache zu verzetteln. Und ich habe, wo es angemessen ist, auch die tiefen historischen und mythologischen Ursprünge dieses ungeheuer freudigen Zeitvertreibs mitberücksichtigt. Ich hoffe, Sie haben so viel Spass beim Lesen, wie ich beim Schreiben hatte.

Skal!

Einleitung

Met. Wikinger. Für viele Menschen ist es unmöglich, an das eine ohne das andere zu denken. Auf geht’s, schließen Sie Ihre Augen, machen Sie Ihren Kopf frei und versuchen Sie es. Bevor Sie also weitermachen, legen Sie das Buch weg, suchen Sie sich einen ruhigen Ort, nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit, um einfach nur ruhig und mit geschlossenen Augen da zu sitzen und vergessen Sie alles, was Sie wissen. Vergessen Sie, was man Ihnen über das Brauen alkoholischer Getränke erzählt hat – dass man dazu alle Arten komischer Gerätschaften, künstlich hergestellter Hefe und Chemikalien benötigt und auch dass es ein komplizierter, zeitaufwendiger Prozess sei. Geben Sie Ihre Vorstellungen zum gegenwärtigen Stand der Nahrungsmittel- und Getränkeherstellung in einer Gesellschaft, die mehr und mehr von Einförmigkeit und einer Überbetonung von Keimfreiheit beim Brauen besessen ist, auf. Aber denken Sie daran, dass ich nicht davon spreche, bei der Herstellung Ihrer eigenen Lebensmittel und Getränke unreinlich zu sein. Obwohl die gängige Übersterilisation bei kommerziellen Produktionsprozessen wegen der hohen Verunreinigungsgefahr letztlich notwendig ist, führt diese aber auch dazu, dass all jene guten Mikroben abgetötet werden, die vergorenen Nahrungsmitteln und Getränken erst Leben geben.

Eine Met-Halle der Wikinger in den Appalachen, die von dem Bruder des Verfassers, Zachary, auf dem brachliegenden Land ihres Elternhauses, einer Ziegenfarm in Kentucky, errichtet wurde.

Wenn Sie dann dem Zustand des Wikinger-Zen näher kommen, gestatten Sie Ihrem Geist, sich von Ihrem Körper zu lösen und reisen Sie zurück in die alte Welt von Feuer und Eis, in welcher Mythologie, Magie und Wirklichkeit zu ein und derselben Welt verschlungen waren. Jetzt, da Sie sich endlich im Land der Alten geruhsam niedergelassen haben, erheben Sie Ihre Hand und zeigen Sie mit einem Finger zum Himmel, dorthin, wo Asgard liegt, die Heimstätte der nordischen Götter und der in der Schlacht gefallenen Wikinger. Öffnen Sie dann ein Auge wie Odin es einst tat, der aus dem Mimir-Brunnen trank, um Weisheit zu erlangen und eines seiner Augen zurückließ. Stehen Sie langsam auf und fangen Sie an, sich zu drehen. Drehen Sie sich schneller. Tanzen Sie in der Wildheit Ihrer Selbstaufgabe! Werden Sie zu einem Berserker! Stellen Sie sich vor, Sie wären ein Wikinger, für die Schlacht gerüstet, und gerade zuvor noch haben Sie sich mit einem herzhaften Ziegenbraten und Met gestärkt. Wenn Sie das schon mal getan haben, umso besser. Wenn nicht, hat es Ihnen jetzt vielleicht geholfen, sich ein wenig berauscht zu fühlen … und frei. Frei zu denken, was Sie wollen, frei zu brauen, frei schöpferisch tätig zu sein, losgelöst von den Ketten einer Welt nach der industriellen Revolution und den Erkenntnissen Pasteurs.

Wenn Sie sich so ein wenig leichter gemacht haben, bereiten Sie sich eine Umgebung, die dafür geeignet ist, die Bryggjemann einzuladen und „Kobolde zu brauen“. Machen Sie sich keine Sorgen, wenn Sie nicht wissen, worüber ich hier spreche. Alles wird Ihnen zur rechten Zeit klar werden. Auch wenn Sie jetzt noch nicht selbst brauen, es ist das Ziel sicherzustellen, dass Sie das richtige Setting für das Wikinger-Brauen geschaffen haben, wenn Sie damit anfängen. Wenn Sie sich für Folk, Mittelalter-Musik oder eine Musik interessieren, die das Leben der Wikinger zum Thema hat, stellen Sie eine Playlist Ihrer Lieblingsstücke zusammen. Wenn nicht, dann ist es an der Zeit, damit anzufangen. Für die Nordleute und viele anderen alten Kulturen waren Musik, Tanz, Meditation und das gesellige Miteinander integrale Bestandteile des Brauprozesses. Für sie war es Magie. Sie gingen nicht ins Internet oder in den nächsten Brau-Laden, um sich die Hefe zu besorgen, die Männer (oder Frauen) in weißen Kitteln für sie hergestellt hatten. Sie riefen die Götter an, und das ist recht wörtlich zu verstehen. Die alten Traditionen des Met-Brauens reichen weit über die Grenzen der nordischen Länder hinaus – Äthiopien, Indien, China, indigene südamerikanische Stämme … die Liste ist lang. Fast jede Kultur hat eine tiefe Verbindung zum Honig und den vergorenen Getränken, die daraus hergestellt werden können. Um zu den einfacheren Praktiken aus dem vielfältigen Leben unserer Vorfahren zurückzukehren, ist es notwendig, komplexe und teure moderne Methoden zur Herstellung auf Honig basierender Gärstoffe zu vergessen und Getränke zu kreieren, die wahrlich magisch – und gesund sind.

Dies ist kein typisches Handbuch übers Brauen – doch das haben Sie sicherlich schon vom Titel her vermutet. Viele der Techniken sind das genaue Gegenteil von dem, was Sie in modernen Büchern übers Brauen, die sich intensiv mit Geräten, Ausstattungen und Zutaten, welche für die Kulturen unserer Vorfahren nicht erhältlich gewesen wären, lesen werden. Die Techniken, die ich hier beschreiben werde, sind von mir und anderen Liebhabern der Do-it-yourself-Methode, die großzügig genug waren, ihre Arbeit mit mir zu teilten, genauestens getestet worden. Nicht alles, was Sie brauen, wird perfekt werden, doch lassen Sie sich davon nicht aufhalten. Denken Sie nicht, dass Sie vor Ihrem Einstieg in das Selbstbrauen zu einem Brau-Laden gehen oder eine Website für Selbstbrauer besuchen müssten. Sie können exzellenten Met, exzellentes Bier und exzellenten Wein herstellen, indem Sie vorwiegend das verwenden, was Sie in Ihrem Garten finden, was es auf benachbarten Farmen gibt, was Bienenzüchter und natürlich auch Farm-Märkte und Kooperativen anbieten und was Sie draußen in der Natur finden.

Auch ist es kein Buch, dass nur aus Braurezepten besteht. Obwohl ich im gesamten Text hier und da Rezepte angegeben und Techniken beschrieben habe, ist es mein Ziel, eine Erzählung zu weben, bei der es darum geht, warum Sie wie die Alten brauen (und trinken) sollten. Es waren meine Forschungen zu den Ansichten der alten Kulturen, was die Herstellung von Alkohol, das Erzählen von Geschichten und Erdenken von Mythen betrifft, die hauptsächlich in dieses Buch flossen. In der fernen – aber auch nicht so fernen – Vergangenheit waren die Ansichten zum Alkohol ganz andere als heute, und wir können uns auf diese Weise in der Zeit zurückbegeben und den Brauprozess mit einer ausgesprochen prä-modernen Geisteshaltung angehen. Bei der Herstellung von Getränken mit Zutaten aus Wildpflanzen werden Sie sehen, dass es wichtiger ist, für sich selbst einen eigenen Rhythmus zu entwickeln als strikten Vorgaben zu folgen. Bevor Sie sich versehen, haben Sie die Regale voll mit gurgelnden Luftsäcken und lebendigen Gärstoffen. Seien Sie aber gewarnt – das Herstellen eigener Gärstoffe kann zur Sucht werden. Keine negative Sucht mit all ihren modernen, gesellschaftlichen Implikationen, sondern eine gesunde, belebende und – wir können das nur hoffen – auch eine weltverändernde Sucht.

So, wie sieht’s nun aus? Sind Sie bereit, sich in die alte, magische Vergangenheit zu begeben und zu lernen, wie man Met so herstellt wie ein Wikinger?

„Asgardsreien“ von dem norwegischen Historienmaler Peter Nicolai Arbo (1831-92) stellt die Wilde Jagd (oder Jagd Odins) dar, ein Motiv aus der nordischen Mythologie, das Krieg oder andere Kataklysmen ankündigte. Es kann auch in der Folklore vieler anderer alter Kulturen Nord-, West- und Osteuropas gefunden werden. Mit freundlicher Genehmigung der Nationalgalerie, Norwegen.

KAPITEL 1: Die Mythologischen Ursprünge des Magischen Mets der Dichter

Die nordische Mythologie ist großartig und tragisch zugleich. Ihr Hauptmotiv ist der immerwährende Kampf der mildtätigen gegen die schadhaften Kräfte der Natur, und so ist sie vom Charakter her nicht gnadenvoll und anheimelnd wie die Religion des sonnigen Südens, wo die Menschen in immerwährendem Sonnenschein leben konnten und die Früchte der Erde ihnen immer zur Verfügung standen.

- Mythen der Nordmänner aus den Eddas und Sagas1

Die altnordische Religion war zu Zeiten des Mittelalters bereits sehr alt, obwohl sie nicht notwendigerweise zu unserer modernen Definition von Religion passt. Ihre Mythologie war einem ständigen Wandel unterworfen und wurde mündlich von Generation zu Generation überliefert, und zwar vornehmlich von Skalden (Dichtern und Geschichtenerzählern, die stark von psychotropischen Met-Sorten und Bieren beeinflusst wurden), um Unterhaltung zu bieten und in der Zeit der langen, dunklen und kalten Winternächte und harten, langen Seereisen Wissen mit anderen zu teilen. Ja, einige Elemente blieben im Wesentlichen dieselben, doch wurden diese Geschichten nicht in Stein gehauen. Jede Erzählung brachte etwas Neues.

Schreiber schrieben diese Geschichten schließlich nieder, doch oft übersetzten sie gleichzeitig auch die alten Schriften in christlichen Klöstern. Daher war die Versuchung, diese „heidnischen Mythen“ so auszuschmücken, dass sie zum christlichen Glauben passten, immer gegenwärtig. Man kann nicht mit Sicherheit zu sagen, wie viel der nordischen Mythologie durch die Übersetzung christianisiert wurde. Während einige Übersetzer ein Interesse daran gehabt haben mögen, die historische Genauigkeit einer Schrift zu erhalten, sind anderen Texten unverkennbar christliche Themen auferlegt worden. Manchmal ist dies ein Hinweis darauf, dass man schlichtweg vorhatte, die heidnische Geschichte in einem mehr christlichen Sinne zu umzuschreiben; in anderen Fällen war es nicht so offensichtlich. Es gibt viele Versionen der Geschichten aus der nordischen Mythologie, die dem Leser von heute zur Verfügung stehen – jede hat ihre eigenen Nuancen. Da keine originären, niedergeschriebenen Versionen der Mythen existieren, sind die darin enthaltenen Geschichten oft widersprüchlich, enthalten sie Handlungen und Charaktere, die in anderen Versionen nicht auftauchen. Ich habe die Geschichten, die ich hier dem Leser vorstelle, aus verschiedenen Adaptationen ausgewählt. Obwohl ich versuche, so genau wie möglich zu sein, ist es mein Ziel, eine spannende Geschichte zu erzählen und gleichzeitig im Sinne des übergeordneten Themas und der Hauptcharaktere zu schreiben. Weil sie mündlich und auf Grundlage der Technik des Erzählers überliefert wurden, veränderten sich die Mythen mit der Zeit. Daher sehe ich keinen Grund, diese Tradition nicht weiterzuführen.

Um zu lernen, wie man Met so herstellt, wie es die Wikinger taten, ist es notwendig, über die integrale Bedeutung des Mets in der nordischen Mythologie zu sprechen. Dafür mag es hilfreich sein, zu der Übung aus meiner Einleitung weiter oben zurückzukehren, um sicherzustellen, dass Sie sich auch auf den Zeitgeist von damals, in dem diese Geschichten verfasst wurden, fokussieren. Ob Sie das nun machen oder nicht, denken Sie daran, dass keine der „wissenschaftlichen“ Errungenschaften des Mittelalters – noch weniger der Renaissance, der Industriellen Revolution oder der Gegenwart – auch nur im Entferntesten den Vorstellungen der alten Völker entsprachen. Ihr Ziel war es, ihre Familien (was sich auch auf das Dorf oder die Kriegsschar bezog) mit Nahrung, und Unterkunft zu versorgen und ihre heimische Siedlung zu verteidigen. Mit einem minimalen Wissen von der Welt um sie herum und ohne die Errungenschaften der heutigen Wissenschaft, mit denen wir heute bombardiert werden, verließen sie sich beim Ergründen, wie die Welt funktioniert, wie sie auf sie reagieren sollten, wie sie sich ernähren und physisch wie spirituell heilen sollten, auf ihre Sinne und die Lehren der Schamanen, Weisen und Naturheilkundigen.

So entstanden Religion und Mythen – ein Wunsch, die Welt um uns herum zu verstehen. Im Wesentlichen war es eine Proto-Wissenschaft. Unterscheidet sich die Verwendung von Göttern, Elfen, Trollen, Zwergen und anderen mythischen Wesen zur Erklärung unsichtbarer Mächte wirklich so sehr von unserem heutigen Glauben an wissenschaftliche Beschreibungen von Atomen, Molekülen, Bakterien und anderen Dingen, die mit dem menschlichen Auge nicht wahrgenommen werden können? Für das heutige Verständnis ja – doch denken Sie daran, dass wir die Dinge aus einer vollkommen anderen Perspektive betrachten. Wenn frühe Menschen die Naturkräfte bei der Arbeit sahen, wollten sie sie verstehen, ganz wie wir auch. Anstatt sich auf die Schriften von Wissenschaftlern zu verlassen, vertrauten sie den Schamanen, deren Rituale dazu dienten, mittels Meditation, und Geistreisen tief in die menschliche Psyche einzudringen, wobei ihnen psychotropische Pflanzen und Pilze behilflich waren. Da Alkohol ein natürliches Konservierungsmittel ist, entstanden viele ihrer Heilwasser und Gebräue im Zuge von Ritualen, die die Gärung als Gegenstand hatten. Der Gärungsprozess ist die älteste Methode zur Konservierung von Nahrungsmitteln und Getränken und hat dabei den zusätzlichen Vorteil, dass er die Potenz der narkotischen, psychotropischen oder heilenden Wirkung, die in dem, was jeweils vergoren wird, enthalten ist, steigert.

Die symbolische Struktur der nordischen Mythologie

Die nordische Mythologie ist ein Epos erster Klasse und Met durchdringt einen großen Teil davon. Ihre Gestalten dienen seit der Zeit, da sie erstmalig schriftlich genannt wurden, bis hin zu heutigen Fantasy-Büchern und Filmen als Inspirationsquelle für fantastische Geschichten.

Die mythologische Struktur des nordischen Weltbildes wird von einem großen Baum gebildet, Yggdrasil. Die Wurzeln dieses Baumes entwachsen dem Brunnen von Urd oder dem Brunnen des Schicksals (Urd ist die Wortwurzel des Altenglischen wyrd oder „Schicksal“). In den Ästen des Yggdrasilbaumes liegt Asgard (Garten der Himmelsgötter), wo weise, verschwörerische, kriegerische – und oft auch sehr menschliche – Götter residieren. Jotunheim ist die Heimstadt der Riesen, die die unpersönlichen und destruktiven Ur-Kräfte der Natur verkörpern und die auch das Böse darstellen, das niemals wirklich ausgelöscht werden kann. Diese zwei Reiche liegen oberhalb von Midgard, wo die Menschen leben. Midgard heißt so viel wie „der Garten in der Mitte“.

Es macht Sinn, dass Asgard und Midgard, die zwei wichtigsten Reiche in der nordischen Mythologie und auch jene, die für das Wohlergehen der Menschheit am besten geeignet sind, dieselbe Wortwurzel gard besitzen, die auch die Wurzel unseres heutigen Wortes Garten ist. Die Herstellung und Konservierung von Nahrungsmitteln und Getränken waren von lebenswichtiger Bedeutung für das Überleben in dem harten Klima Nordeuropas mit seinen langen, dunklen Wintern. Das Finden und Auswählen eines Ortes, an dem man sich niederlassen und ansiedeln konnte, erforderte sorgfältiges Nachdenken und Planen und konnte zu einer Katastrophe führen, wenn man die falsche Wahl getroffen hatte. Wenn die Menschen einmal einen Ort durch einen Zaun oder etwas anderes abgegrenzt hatten, war das ihre Heimat.

Alles außerhalb davon unterlag dem Schicksal – oder, so wie sie es sahen, den Launen der Götter, Riesen und anderer mythischer Wesen wie z.B. der Nornen, dreier göttlicher Frauen, die im Brunnen von Urd leben und das Schicksal der Menschheit bestimmen, indem sie Runen in den Stamm Yggdrasils ritzen (in einigen Versionen weben sie das Geschick der Menschen in einen Bildteppich).

Yggdrasil (der Weltenbaum) symbolisiert neben anderen Dingen alle Reiche aus der nordischen Mythologie. Er ist aber viel älter und universeller als seine nordische Herkunft. Religionen und Mythologien anderer Kulturen besitzen ebenfalls das Motiv eines Weltenbaumes, der im Mittelpunkt ihres Glaubenssystems steht. Die Esche Yggdrasil von Friedrich Wilhelm Heine (1845-1921), veröffentlicht in „Asgard and the Gods“ von Wilhelm Wagner (London: Swan Sonnenschein, Les Bas & Lowery, 1886), Seite 27.

Ljossalfheim, besser bekannt als Alfheim oder Alfheimr (nordisch für „Elfenstätte“) ist das Reich der Lichtelfen oder Luftgeister – ähnlich den Feen aus den keltischen und germanischen Märchen.

Es gibt noch andere Reiche, die in der Darstellung gezeigt werden. Das letzte dieser Reiche, mit dem wir uns hier noch beschäftigen wollen, ist Svartalfheim –, das Reich der schwarzen Elfen, Steingeister oder – wie sie heute allgemein bekannt sind – Zwerge. In der nordischen Mythologie besaßen Zwerge unglaubliche Kräfte und Intelligenz und waren Meister in der Bearbeitung von Steinen und Schmuckstücken (sie stellten viele der wertvollsten magischen Gegenstände der Götter her, so z.B. Thors Hammer Mjölnir). Die Zwerge – die auch die Quelle der Legenden um Trolle, Gnome und Kobolde darstellten – waren bösartige, geschickte Kreaturen, die in den Höhlen tief in der Erde lebten.

VÖLUSPA

Hört meine Worte, Ihr heiligen Götter,große Männer und demütige Söhne Heimdalls;Odins Wille ist es, dass ich die alte Lehre verkünde,die älteste von allen, an die ich mich erinnere.

Ich erinnere mich an Riesen aus vergangenen Zeiten,jene, die mich Ihresgleichen nannten;Ich weiß, wie die neun Wurzeln neun Welten schaffenunter der Erde, wo die Esche sich erhebt.

Nichts gab es, als die Zeit begann,weder Sand noch Meere noch kühlende Wellen.Die Erde war noch nicht, auch nicht die hohen Himmel,sondern nur eine gähnende Leere ohne jedes Grün.

Dann erhoben die Söhne Burs das Landund erschufen Midgard, die schöne Heimstadt des Menschen;die Sonne schien aus dem Süden,und helles Gras wuchs auf steinernem Grund.

…………

Es gibt dort eine Esche – ihr Name ist Yggdrasil – Ein großer Baum, gewässert aus einem umwölkten Brunnen.Aus seinem Geäst fällt Tau herab in die Täler;Immergrün steht sie an der Nornen Quelle.

Viel Weisheit haben die drei Jungfrauendie den Wassern nahe beim Baum entsteigen;sie erließen Gesetze, entschieden über das Leben, das Menschen führen sollten, erhöhten ihre Schicksale.

…………

Sie saß allein draußen; der Alte kam besorgt aus Valhalla, und schaute ihr in die Augen.Weshalb bist Du hierher gekommen? Was willst Du mich fragen? Ich weiß alles – wo Du dein Auge zurückließest, Odin, im Wasser des Mimir-Brunnen.Jeden Morgen trinkt Mimir den Met aus des Kriegsvaters Hinterlassenschaft. Suchst Du noch immer Weisheit?

- Aus dem Völuspa, das erste Gedicht der Poetischen Edda, übersetzt von Patricia Terry2

Wie die Welt entstand

Vor vielen Äonen erhoben sich dunkle Nebel aus Niflheim – einer Region im Norden des großen gefrorenen Abgrunds namens Ginnungagap, der von zwölf Nebenflüssen des Stromes Elivagar gespeist wird – und trafen auf die Flammen aus Muspelheim (dem Land des Feuers) im Sünden, woraus ein Strom entstand, der langsam zu Rauhreif fror. Mit der Zeit füllte das Zusammenwirken der gegensätzlichen Elemente den großen, gähnenden Abgrund aus.

Die Substanz, die den Abgrund schließlich erfüllte, erlangte ein Bewusstsein und wurde zum (sogar für Riesen) gewaltigen Ymir, ein Name, der mit „schäumender Lehm“ übersetzt wird, sowie zur großen Kuh und Ernährerin namens Audhumla.

Audhumla ernährte, wie es ihr Name schon sagt, Ymir mit der Milch, die von ihren reich gefüllten Eutern in vier Strömen floss. Audhumla brauchte aber auch selbst Nahrung, welche sie im Salz fand, der sich im Reif ganz in der Nähe angesammelt hatte. Als sie das Salz vom Block ableckte, entstand der Gott Buri (der Erzeuger); er hatte offenbar seine Zeit im Eisblock zugebracht und darauf gewartet, dass er von der Zunge einer Riesen-Kuh befreit würde.

Die Neun Welten (altnordisch „Niu Heimar“) der nordischen Mythologie sollen kein Abbild eines Glaubens an die physische Struktur der Welt sein. Sie sollen eher symbolisch anzeigen, wo jedes der geistigen Wesen der nordischen Mythologie lebt. Diese Heimstätten der Götter und anderer Wesen können von den Menschen mithilfe der skaldischen Meditation (Geistreisen) erreicht werden und manifestieren sich manchmal auch in der physikalischen Welt.

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Während Audhumla ihn also so nährte, fiel Ymir in den Schlaf. Die Hitze, die immer noch aus Muspelheim aufstieg, brachte ihn zum Schwitzen, woraufhin aus der Höhle unter seinen Achseln ein Sohn und eine Tochter geboren wurden, während seine schwitzenden Füße den sechsköpfigen Riesen Bergelmir hervorbrachten, der weitere Eis-Riesen zeugte.

Die Eis-Riesen aber mochten Buri und seinen Sohn Borr von Anfang an nicht und fingen einen Krieg mit ihnen an, der über Generationen hinweg andauerte.

Der Konflikt zwischen Feuer und Eis (und dem Chaos, das entsteht, wenn sie zusammentreffen) ist ein wiederkehrendes Thema in der nordischen Mythologie. Bedenkt man die natürliche Umgebung, in der diese Geschichten aufkamen, ist alles stimmig. Auf dem Foto aus dem Jahr 2014 bricht gerade der Stratovulkan (oder gemeine Vulkan) Bardarbunga unterhalb des Vatnajökull, eines gewaltigem Island-Gletschers, aus und demonstriert, dass diese Umgebung bis in die heutige Zeit überdauert hat. Foto mit freundlicher Genehmigung von Peter Hartree, Wikimedia Commons.

Schließlich heiratete Borr eine Riesin namens Bestla, Tochter von Bolthorn, dem „Dorn des Bösen“, ein Pakt, der die Verhältnisse auf den Kopf stellte. Borr* und Bestla hatten drei Söhne: Odin (Geist), Vili (Wille) und Veh (heilig). Die Söhne von Borr und Bestla waren Götter mit großer Macht und schlossen sich zusammen, um Ymir zu töten. Die Wunden, die sie dem Ungeheuer beibrachten, setzen einen rauschenden Blutstrom frei, der das Land wie eine Flut überzog. Durch die Fluten wurden alle bis auf zwei Riesen – Bergelmir und seine Frau – ausgerottet, die in die gebirgige Wildnis von Jotunheim flohen, wo sie wieder Riesen zeugten.

Nachdem sie Ymir getötet hatten, erschufen Odin und die anderen Asen (dreiste, reaktionäre, gesetzesliebende, patriarchale Götter und Göttinnen) die physische Welt Midgards aus seinem toten Körper, wobei sie vier Zwerge anstellten, um die vier Winkel der Welt festzuhalten: Austri (Osten), Vestri (Westen), Nordri (Norden) und Sudri (Süden). Über die Zeiten hinweg führten die Asen immer wieder Krieg mit den älteren Vanen (friedensliebende, langsame, freidenkende, matriarchale, fruchtbarkeitsliebende Götter).

Wie der Met entstand

Nach einem langen Krieg, in dem keine der beiden Seiten wirklich obsiegte, entschieden sich die zwei Götter-Stämme dazu, Frieden zu schließen. Dafür zerkauten sie einige Beeren, spien in einen Kessel (das gemeinsame Vermischen von Speichel ist eine alte Tradition, die dem Friedensschluss dient) und ließen die Beeren gären. Doch anstelle des beabsichtigten vergorenen Getränks, kam der Kvasir, die weiseste aller Kreaturen3, aus dem Kessel hervor. Es ist unklar, ob der Kvasir ein Mensch, ein Gott oder ein ganz anderes Wesen war, seine Gedichte und seine Geschichten jedenfalls brachten sogar die hartherzigsten der Götter zum Weinen. Seine Worte waren wie pures Gold und brachten die Zuhörer dazu, in ihrem Geist in bis dahin unbekannte Reiche vorzudringen; auch konnte er jede Frage, die ihm gestellt wurde, mit weisen Worten beantworten.

Wie es ihre Art war, sahen die Zwerge Kvasir als einen großen Schatz an, den sie für sich begehrten. Galar und Fialar, zwei besonders böswillige Zwerge, kidnappten Kvasir; als sie ihn in ihren tiefen Höhlen hatten, ermordeten sie ihn und gossen sein Blut in drei Kessel. Später erzählten sie den Göttern, dass Kvasir an „einem Übermaß an Weisheit erstickte“.4 Jetzt, da die Zwerge die große Weisheit des Kvasir selbst besaßen, wollten sie diese erhalten; aber nicht, weil sie mehr Weisheit erlangen und diese mit anderen teilen, sondern weil sie sie für sich selbst horten wollten.

Wissend, dass die richtige Menge Flüssigkeit mit Honig vermischt diese in eine magische, Ekstase bringende Substanz verwandeln würde, füllten die Zwerge Honig in die Kessel, die Kvasirs Blut enthielten. So wurde der alte, mystische Met geboren, der beim Trinken aus jedermann einen bezaubernden Dichter mit einer wunderbaren Singstimme machen würde – Sie wissen ja selbst, wie man sich vorkommt, wenn man nach ein paar Drinks zu viel Karaoke singt. Natürlich hatten die Zwerge weder die Absicht, den Met mit anderen zu teilen, noch davon zu kosten.

Die drei Kessel trugen die Namen Othrorir (Inspiration), Son (Reparation) und Boden (Opfer). Othrorir oder der „Met der Poesie“ war der Name, unter dem Met nach und nach benannt wurde (er kann sich auf den Kessel beziehen, in dem der Met aufbewahrt wird), da er die Skalden in ihrer Poesie und ihren Liedern zu weisen Worten inspirierte und diese klug genug waren zu wissen, wie man die Weisheit, die man aus dem Met-Trinken gewinnt, überliefert.

Die Zwerge aber waren keine Skalden. Ermutigt durch ihren Erfolg jedoch bereisten mehrere von ihnen Midgard und belästigten jeden Menschen, den sie auf ihrem Weg trafen; und schließlich wollten sie nach Jotunheim, um die Riesen zu belästigen.

Ihr erstes Opfer war Gilling, ein Riese mit einfachem Gemüt. Sie stießen auf ihn, als er an einem Steilufer schlief, woraufhin sie ihn ins Wasser rollten, damit er ertrinkt. Unzufrieden mit dem Grad ihrer Boshaftigkeit, den sie mittlerweile erlangt hatten, gingen sie freudig zu Gillings Haus, riefen laut aus, dass er tot sei, und ließen einen Mühlstein auf den Kopf der verstörten Ehefrau fallen, als diese aus dem Haus gelaufen kam und den Tod ihres Mannes beweinte. Diese unfreundlichen kleinen Störenfriede hatten eine Glückssträhne und verbreiteten Chaos in Jotunheim, sangen mit rauher Stimme Lieder über ihre große Schläue und die Dummheit der Riesen (vielleicht nahmen sie ja doch einen Schluck vom Magischen Met).

Nicht alle Riesen waren jedoch so dumm, wie die Zwerge es in ihrer Arroganz annahmen. Ein besonders verärgerter und erfindungsreicher Riese namens Suttung – Gillings Bruder – hatte schließlich genug. Während die Zwerge gerade eines ihrer Sauflieder sangen, schlich sich Suttung an sie heran und fing sie ein. Dann nahm er sie bei Ebbe zu einem Fels im Meer hinaus und setzte sie dort aus. Als die Wellen bis an die Hälse der verschreckten Zwerge zu steigen begannen, versuchten sie alles, um ihr Leben zu retten. Sie boten ihm Gold, Juwelen und anderen schöne Dinge an – doch Riesen haben kein Interesse an blitzenden Dingen. Als das Wasser weiter stieg, boten die Zwerge ihm den Magischen Met an. Als Suttung klar wurde, dass dies etwas Begehrliches war, das die Riesen in ihrem Krieg gegen die Götter gebrauchen könnten, stimmte er zu, den Met an sich zu nehmen, warf die Zwerge in ein Schiff und ruderte sie an Land zurück. Dann brachte er sie zurück nach Svartalfheim und rief lauthals in die Höhlen hinab, dass er die Köpfe seiner Gefangenen zwischen seinen Fingerspitzen zerquetschen würde, wenn die Kessel mit dem Magischen Met nicht sofort zu ihm gebracht werden würden. Dann ließ er sich mit seinem schweren Körper nieder, um zu warten, und folterte die Zwerge, so dass ihre Schreie verkündeten, dass er es ernst meinte.

Suttung setzt die Zwerge auf einer Sandbank ab und droht ihnen, sie ertrinken zu lassen, wenn sie ihm nicht den Magischen Met geben würden. (The) Giant Suttung and the Dwarfs von Louis Huard. Veröffentlicht in “Heroes of Asgard: Tales from Scandinavian Mythology“ von A. Keary and E. Keary (London: MacMillian & Co. 1900).

Die Zwerge erkannten, dass sie Gegner von Riesen und Göttern gleichermaßen wären, wenn sie sich nicht Suttungs Forderung beugen würden, und so gaben sie auf und brachten die Gefäße mit Met an die Oberfläche der Erde.

Als er den Met in seine große Halle – tief in den Höhlen eines Berges – brachte, belegte Suttung seine Tochter, die wunderschöne Riesen-Jungfrau Gunnlod**, mit einem Zauberspruch, durch den sie als schreckliche Hexe mit langen Zähnen und scharfen Nägeln erschien, sperrte sie in einer kleinen Höhle mit dem Magischen Met ein, gab ihr die Anweisung, ihn „Tag und Nacht“ zu bewachen und weder Göttern noch Sterblichen zu gestatten, davon zu probieren.“5

Wie Odin den Magischen Met stahl

Odin – eine komplexe Gottheit und der älteste und weiseste der Asen – war sowohl ein Gauner, ein Schamane, ein Krieger als auch ein Dichter. Durch seine animistischen Fähigkeiten konnte er viele Formen annehmen. Manchmal reiste er durch Midgard als Vegtam der Wanderer (Tolkiens Figur des Gandalf wurde direkt davon entlehnt), ein alter Mann mit dunkelblauem Mantel, langem weißem Bart, einem Stab und einem Hut mit weiter Krempe (ein Teil der Krempe des Huts war ins Gesicht gezogen, um zu verbergen, dass er am Brunnen von Mimir ein Auge geopfert hatte, um große Weisheit zu erlangen).

Vegtam wurde von zwei Raben – Hugin und Munin (von den altnordischen Worten Huginn, „Gedanke“, und Muninn, „Wunsch“) – begleitet, die als seine Boten und Spione zwischen Midgard und Asgard hin und her reisten. Als ihm seine Raben die Botschaft von den Missetaten der Zwerge überbrachten und auch davon, wie Suttung sich gegen sie gestellt hatte, entwarf Odin mit den anderen Asen sofort einen Plan, in Besitz des Magischen Mets zu gelangen und ihn zurück nach Asgard zu bringen. Während die anderen Götter Gefäße für den Met bereiteten, verschloss Odin die Höhlen der Zwerge, so dass diese nicht mehr in die Welt der Menschen gelangen konnten; dann machte er sich als Vegtam der Wanderer auf den Weg, um in die Halle von Suttung (den Göttern auch als „Met-Wolf“ bekannt) einzudringen.

Dies war keine einfache Aufgabe, da Suttung, Sohn des Feuer-Riesen Surt (der sich mit den Göttern zur Zeit des Ragnarök eine Schlacht liefern und das Ende der Welt bereiten wird, so dass eine neue entstehen kann), tief in einer Berghöhle lebte, die von der Außenwelt bis auf einen einzigen Zugang vollkommen abgeriegelt war und welche von einem schlauen Zwerg bewacht wurde. Der sorgfältige Plan Odins sah es vor, sich zuerst den Neun Knechten (wörtlich „unfreie Diener“) von Baugi, Suttungs Bruder, zu nähern, die in einem Feld ihre Sensen für nur wenig Ertrag schwangen. Als sie Odin/Vegtam sahen, fragten ihn die Knechte, ob er wohl zu Baugi gehen könnte, um ihm zu sagen, dass ihre Sensen stumpf seien und dass sie zu mähen aufhören würden, bis sie einen Wetzstein erhielten. Passenderweise hatte der mysteriöse alte Wanderer einen Wetzstein bei sich. Mit gewetzten Sensen fiel das Gras schon beim geringsten Hieb um. Dann baten die Knechte Odin, ihnen den Wetzstein zu überlassen, was er tat, – indem er ihn über eine Mauer warf. Die Knechte sprangen über die Mauer dem Wetzstein hinterher, wobei sich einige von ihnen mit ihren eigenen, geschärften Sensen verwundeten. Man beleidigte sich gegenseitig, machte sich Vorhaltungen und man kämpfte gegeneinander, so dass am Ende alle tödlich verwundet am Boden lagen.

Odin auf seinem Thron, begleitet von den Raben Hugin und Munin („Gedanke“ und „Wunsch“) und den Wölfen Geri und Freki („der Gierige“ und „der Hungrige“). Als Teil des nordischen Schamanismus wurde Odin oft von „verwandten Geistern“ begleitet, und zwar in Gestalt von Tieren; auch verließ er oft seinen physischen Körper, um als Tier oder ein anderes Wesen andere Reiche zu bereisen. Illustration von Ludwig Pietsch (1824-1911). Veröffentlicht in Manual of Mythology: Greek and Roman, Norse, and Old German, Hindoo and Egyptian Mythology (London: Asher and Co., 1865), Abbildung XXXV.

Odin, der Riesen als Riese und Menschen als Mensch erschien, nahm seinen Wetzstein wieder an sich und ging zu Baugi, um diesen um eine abendliche Mahlzeit und Unterkunft zu bitten. Der Riese – welcher der nordischen Tradition gemäß gastfreundlich gegenüber Fremden war – willigte ein, bot Odin einen Ort zum Ausruhen an und brachte ihm etwas zu essen.

Beim Abendessen kam ein Bote, der berichtete, dass Baugis Knechte tot aufgefunden worden waren. Außer sich vor Wut über den möglichen Verlust von Heu für den Winter, verfiel der Riese in Panik. Doch da das alles Teil des Plans der Asen war, bot Odin ihm an, für ihn zu arbeiten.

Baugi zögerte anfänglich, eine einzelne Person anzuheuern, um sein gesamtes Winterheu zu mähen, doch der Fremde bot ihm an, an einem Tag die Arbeit von neun Männern zu leisten, um sich ihm zu beweisen. So willigte der Riese ein. Als Odin bewies, dass er seinen Teil der Vereinbarung einhalten konnte, bat Baugi ihn inständig darum, bei eigener Wahl der Bezahlung bis zum Ende der Jahreszeit zu bleiben. Odin kehrte zu Baugi zurück, als der Winter einsetzte, hatte in der Zwischenzeit alles Getreide eingefahren und verlangte nun seine Belohnung – ein Schluck von dem Magischen Met.

Verzweifelt behauptete Baugi zuerst, dass er nicht wisse, wo der Met sei; und als Odin ihn daran erinnerte, dass dieser in Suttungs Besitz war, bat er ihn, sich eine andere Bezahlung auszuwählen, da er Suttung sehr fürchtete. Doch Odin beharrte darauf, so dass Baugi zu seinem Bruder ging, ihm erzählte, dass er eine Verpflichtung habe und nur wenig des Magischen Mets bräuchte. Suttung explodierte vor Wut, nannte seinen Bruder einen Flegel und Narren und beleidigte ihn mit anderen schrecklichen Schimpfwörtern; dann sagte er ihm, dass er keinem Asen vom Magischen Met geben würde, da ihm schnell klar geworden war, dass nur einer seiner Erzfeinde um diese Art der Bezahlung gebeten haben konnte.

Als er nach Hause zurückkam, bat Baugi Odin inständig darum, sich eine andere Bezahlung auszuwählen, da er auch keine Möglichkeit sah, in den Berg hinein zu kommen, ohne auf die kriegswütigen Horden der Riesen zu stoßen. Doch Odin war ihm bereits einen Schritt voraus. Er zog einen Handbohrer aus seinem Mantel und verlangte von Baugi, mit all seiner Kraft ein Loch in den Berg zu bohren. Baugi nahm den Bohrer und begann seine Arbeit, dann zog er ihn schnell wieder aus dem Fels, behauptete, dass er seinen Teil der Abmachung erfüllt hätte, und bereitete sich zum Gehen. Odin jedoch, der nicht leicht zum Narren gehalten werden kann, blies in das Loch, wodurch Staub und Fels in sein Gesicht wirbelten. Dann gab er Baugi den Bohrer wieder in die Hand, forderte ihn auf, er solle seine Arbeit beenden und mit seinen einfältigen Täuschungsversuchen aufhören. Mürrisch nahm Baugi den Bohrer, bohrte ein wenig tiefer und gab ihn abermals an Odin zurück. Dieses Mal hatte er seine Arbeit erledigt. Odin verwandelte sich daraufhin in eine Schlange und schlängelte sich durch das Loch, wobei er nur knapp dem Bohrer entkam, den Baugi ihm in einem Versuch, seine verletzte Ehre zu rächen, hinterher warf.

Als Odin in Gunnlods Höhle ankam, verwandelte er sich in seine vollständige göttliche Gestalt zurück, um Gunnlod zu umgarnen, damit sie seine Hand ergreifen und ihn ehelichen möge. Er hatte Erfolg, sie schlief mit ihm und erfreute ihn in ihrem Bett volle drei Tage lang. So hingerissen war sie von Odin und seiner göttlichen Manneskraft, dass sie ihm gestattete, vom Magischen Met zu trinken. Er trank alle drei Gefäße leer. Als er seine Arbeit getan hatte, verabschiedete er sich von Gunnlod, verwandelte sich in einen Adler und flog durch das Loch zurück an die Oberfläche.6

Auf halbem Wege nach Asgard, bemerkte Odin, dass er von Suttung verfolgt wurde, der sich ebenfalls in einen Adler verwandelt hatte. Doch zum Glück hatten die anderen Götter Pläne für die Rückkehr Odins geschmiedet. Als sie nun Suttung näher kommen sahen, bereiteten sie einen großen Haufen brennbarer Dinge in den Mauern Asgards und zündeten diese an, als Suttung darüber flog, so dass seine Flügel versengt wurden, er ins Feuer fiel und darin verging. Sie hatten auch drei Gefäße vorbereitet, in die Odin den Met wieder ausspie. Doch während er dies in aller Eile tat, ließ er drei Tropfen hinunter nach Midgard fallen, die dann von Menschen entdeckt wurden.

Dieser Met, der nach Asgard fiel, wurde als „Dichterlings-Anteil“ bekannt; die, die ihn empfingen, waren die „Verkoster unter den Dichtern“. Zusätzlich schenkte Odin ab und zu der Menschheit absichtlich eine Menge an Met, der eigentlich für die Götter reserviert worden war. Diese Menschen wurden berühmte Skalden; aus Dankbarkeit verehrten sie Odin als Gott der Dichtkunst, des Gesangs und der Wortgewandtheit. In einigen Varianten dieser Geschichte, schluckte Odin den Met nicht herunter, während er ihn in wiederum anderen herunterschluckte und wieder aus-spie. Ich finde die letzte Variante am besten, da Odin damit den Bienen nacheifert: den Nektar ausspeien, um ihn zu Honig werden zu lassen.

Ein Bild von Suttung und Odin als Adler, aus der isländischen Handschrift „SAM 66“ aus dem 18. Jahrhundert. Wir sehen, wie Odin den Magischen Met in drei bereitstehende Gefäße speit, während er an seinem … anderen Ende einige Tropfen nach Midgard hinunterfallen lässt. Mit freundlicher Genehmigung des Ami Magnusson Instituts, Island.

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