Mia & Korum (Die komplette Krinar Chroniken Trilogie) - Anna Zaires - E-Book
Beschreibung

Studentin hatte nie viel mit den Eindringlingen zu tun gehabt – bis ein schicksalhaftes Treffen im Central Park alles ändert. Nachdem sie den Blick von Korum auf sich gezogen hat, muss sie jetzt mit einem einflussreichen, gefährlich verführerischen Krinar fertig werden, der alles dafür tun wird, sie zu besitzen … sogar, ihr ihre Freiheit nehmen. Von den Wolkenkratzern in NewYork, bis hin zu den fremden Landschaften Krinars, wird ihre epische Leidenschaft die Welt verändern. Anmerkung: Es ist die komplette Krinar Chroniken Trilogie, welche die Bücher Gefährliche Begegnungen, Gefährliches Verlangen und Gefährliche Erinnerung umfasst – 3 ungekürzte Romane mit insgesamt 290.000 Wörtern.

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Beliebtheit


Mia & Korum

Die komplette Krinar Chroniken Trilogie

Anna Zaires

Aus dem Amerikanischen

von Grit Schellenberg

Copyright

Alle in diesem Roman vorkommenden Personen, Schauplätze, Ereignisse und Handlungen sind vom Autoren frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit lebenden Personen oder Ereignissen sind rein zufällig.

Copyright © 2013 Anna Zaires

http://www.annazaires.com/deutsch.html

Alle Rechte vorbehalten

Kein Teil dieses Buches darf reproduziert, gescannt oder in gedruckter oder elektronischer Form ohne vorherige Erlaubnis verbreitet werden. Ausnahme ist die Benutzung von Auszügen in einer Buchbesprechung.

Veröffentlicht von Mozaika Publications, einer Druckmarke von Mozaika LLC.

http://www.mozaikallc.com

Lektorin: Kerstin Frashier

Gefährliches Begegnungen

Prolog

Fünf Jahre zuvor

»Herr Präsident, alle warten auf Sie.«

Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika sah müde aus und schloss den Ordner, der vor ihm auf seinem Tisch lag. Er hatte die ganze letzte Woche kaum geschlafen, seine Gedanken kreisten um die Verschlechterung der Lage im mittleren Osten und die anhaltende Konjunkturschwäche. Obwohl kein Präsident es jemals einfach gehabt hatte, schienen die unmöglichen Aufgaben während seiner Amtszeit einfach niemals ein Ende zu nehmen, und der tägliche Stress machte sich langsam gesundheitlich bemerkbar. Er nahm sich vor daran zu denken, sich im Verlauf der Woche beim Arzt durchchecken zu lassen. Das Land konnte neben seinen anderen Problemen nicht auch noch einen kranken und erschöpften Präsidenten gebrauchen.

Der Präsident stand auf, verließ sein Büro und ging zu dem Raum, in dem die Krisenbesprechung stattfand. Er war zuvor davon unterrichtet worden, dass die NASA etwas Ungewöhnliches entdeckt hatte. Er hatte gehofft, es sei nicht mehr, als nur ein von der Umlaufbahn abgekommener Satellit, aber das schien in Anbetracht der Dringlichkeit, mit der der Nationale Sicherheitsberater auf seine Anwesenheit bestand, leider nicht der Fall zu sein.

Er ging in den Sitzungssaal hinein, begrüßte alle seine Berater und nahm Platz um zu hören, was diese Besprechung nötig gemacht hatte.

Der Verteidigungsminister sprach zuerst: »Herr Präsident, wir haben etwas in der Umlaufbahn der Erde entdeckt, was da nicht hingehört. Wir wissen nicht was es ist, aber wir haben Gründe anzunehmen, dass es eine Bedrohung für uns darstellen könnte.« Er zeigte auf die Bilder, die auf einem der sechs Flachbildschirme, die die Wände des Saals säumten, angezeigt wurden. »Wie Sie sehen können, ist dieses Objekt groß, größer als alle unsere Satelliten, aber es scheint einfach aus dem Nichts aufgetaucht zu sein. Wir haben von keinem Punkt der Erde einen Start beobachtet und wir haben auch nichts auf die Erde zukommen sehen. Es scheint, als sei dieses Objekt hier einfach vor ein paar Stunden aufgetaucht.«

Auf dem Bildschirm waren verschiedene Bilder mit einem dunklen Fleck vor einem dunklen Hintergrund voller Sterne zu sehen.

»Was denkt denn die NASA, was es sein könnte?« fragte der Präsident ruhig, während er versuchte, die verschiedenen Möglichkeiten zu erwägen. Wenn die Chinesen eine neue Satellitentechnologie entwickelt hätten, hätten sie schon längst davon erfahren, und das russische Weltraumprogramm war auch nicht mehr das, was es mal war. Das Vorhandensein dieses Objektes ergab einfach keinen Sinn.

»Sie wissen es nicht«, sagte der Sicherheitsberater. »Es sieht nicht aus wie irgendetwas, was sie jemals zuvor gesehen haben.«

»Die NASA konnte nicht einmal eine fundierte Vermutung äußern?«

»Sie wissen, dass es kein Himmelskörper ist.«

Also musste es künstlich hergestellt worden sein. Beunruhigt starrte der Präsident auf die Bilder und weigerte sich, den haarsträubenden Gedanken, der ihm eben in den Sinn gekommen war, auch nur zu Ende zu denken. Er drehte sich seinem Berater zu und fragte: »Haben wir schon die Chinesen kontaktiert? Wissen die irgendetwas darüber?«

Der Berater öffnete gerade seinen Mund um zu antworten, als plötzlich ein greller Lichtblitz den Raum erleuchtete. Einen Moment lang geblendet, blinzelte der Präsident um seinen Blick wieder klar zu bekommen — und erstarrte vor Schock.

Vor dem Bildschirm, auf den der Präsident noch gerade eben geschaut hatte, stand jetzt ein Mann. Er war groß und muskulös, mit schwarzem Haar und dunklen Augen und sein olivfarbener Teint setzte sich von seiner weißen Kleidung ab. Er stand dort ruhig und entspannt, so als sei er nicht gerade in das Allerheiligste der Regierung der Vereinigten Staaten eingedrungen.

Die Geheimagenten reagierten zuerst, in dem sie panisch den Eindringling anschrien und auf ihn feuerten. Bevor der Präsident überhaupt denken konnte, fand er sich schon gegen eine Wand gedrückt, mit zwei Agenten vor ihm, die einen menschlichen Schutzschild bildeten.

»Das ist unnötig«, sagte der Eindringling mit seiner tiefen und klangvollen Stimme. »Ich habe nicht vor, euren Präsidenten zu verletzen — und selbst wenn, könntet ihr auch nichts dagegen tun.« Er sprach in perfektem amerikanischen Englisch, ohne auch nur eine Spur von Akzent. Trotz der Schüsse, die gerade auf ihn abgefeuert worden waren, schien er völlig unverletzt zu sein und der Präsident konnte jetzt auch die Kugeln sehen, die harmlos vor dem Mann auf dem Boden lagen.

Nur jahrelange, nie endende Krisenbewältigung machte es möglich, dass der Präsident jetzt tat, was er tat. »Wer sind Sie?« fragte er mit fester Stimme, während er sein Entsetzen und den hohen Adrenalinspiegel seines Blutes ignorierte.

Der Eindringling lächelte. »Mein Name ist Arus. Und wir haben beschlossen, dass es Zeit ist, dass unsere Rassen sich treffen.«

1. Kapitel

Die Luft war frisch und rein, als Mia mit schnellen Schritten einen gewundenen Pfad im Central Park entlangging. Überall zeigte sich schon der Frühling, in winzigen Knospen auf den noch immer kahlen Bäumen und in der rasch wachsenden Anzahl an Kindermädchen, die sich draußen mit ihren wilden Schützlingen über den ersten warmen Tag freuten.

Es war eigenartig, wie sehr sich alles in den letzten paar Jahren verändert hatte und wie sehr es doch gleich geblieben war. Wäre Mia vor zehn Jahren gefragt worden, was sie denke, wie ihr Leben wohl nach der Invasion einer anderen Rasse aussehen würde, hätte sie sich das bestimmt nicht so vorgestellt. Independence Day, Der Krieg der Welten — keiner dieser Filme näherte sich auch nur ansatzweise dem, was tatsächlich geschehen würde. Die Menschen trafen auf eine höher entwickelte Spezies, als diese zu ihnen auf die Erde kam. Es war weder zum Kampf noch zu irgendeinem Widerstand auf der Regierungsebene gekommen.Siehatten es nicht erlaubt. Rückblickend wurde klar, wie dumm diese Filme gewesen waren. Nuklearwaffen, Satelliten, Kampfjets waren nicht mehr, als kleine Steine und Stöcke für diese uralte Zivilisation, die schneller als mit Lichtgeschwindigkeit das Universum durchqueren konnte.

Als sie eine leere Bank nahe am See sah, ging Mia dankbar auf diese zu. Auf ihren Schultern machte sich die Last des Rucksacks bemerkbar, in dem sie ihren schweren zwölf Jahre alten Laptop und einige altmodische, noch auf Papier gedruckte Bücher hatte. Mit einundzwanzig fühlte sie sich manchmal alt, fehl am Platz in dieser schnellen neuen Welt der extra–schlanken Tablets und den in die Armbanduhren integrierten Handys. Die Geschwindigkeit der technischen Entwicklungen war seit dem K–Day nicht langsamer geworden, wenn überhaupt waren jetzt viele neue Spielereien durch das beeinflusst, was die Krinar besaßen. Nicht dass die Krinar irgendetwas ihrer kostbaren Technologie preisgegeben hätten. Ihrer Meinung nach sollte ihr kleines Experiment ohne größere Beeinflussungen fortgeführt werden.

Mia öffnete den Reißverschluss ihres Rucksacks und holte ihren alten Mac heraus. Das Gerät war schwer und langsam, aber es funktionierte, und als arme Studentin konnte sich Mia nichts Besseres leisten. Sie loggte sich ein, öffnete ein neues Word–Dokument und machte sich bereit, sich durch das Schreiben ihrer Hausarbeit in Soziologie zu quälen.

Zehn Minuten und genau Null Worte später gab sie auf. Wem wollte sie denn damit etwas vormachen? Hätte sie wirklich dieses verdammte Ding schreiben wollen, wäre sie doch niemals in den Central Park gekommen. So verlockend es auch war sich fest vorzunehmen die frische Luft zu genießen und gleichzeitig etwas zu arbeiten, in Wirklichkeit hatte Mia das noch nie hinbekommen. Eine muffige alte Bibliothek war ein viel besserer Ort für solche Tätigkeiten, die derartig das Hirn zermartern.

Mia gab sich in Gedanken einen Tritt für die eigene Faulheit, seufzte und sah sich trotzdem erst einmal um. Die Menschen in New York zu beobachten amüsierte sie immer wieder.

Das Bild, was sie vor sich sah, war ein Klassiker. Der Obdachlose auf der Parkbank — zum Glück nicht auf der neben ihr, er sah nämlich so aus, als würde er schon sehr streng riechen — und diebeiden Kindermädchen, die miteinander auf Spanisch redeten, während sie langsam ihre Kinderwagen vor sich her schoben. Ein Mädchen mit leuchtend pinkfarbenen Reeboks, die einen schönen Kontrast zu ihren blauen Leggins bildeten, joggte auf einem Weg weiter vorne. Mias Blick folgte neidisch der Joggerin, als diese um die Ecke bog. Ihr eigener hektischer Tagesablauf ließ ihr nur wenig Zeit zum Trainieren und sie bezweifelte, dass sie derzeitig auch nur einen Kilometer lang mit diesem Mädchen mithalten konnte.

Rechts konnte sie die Bogenbrücke sehen, die über den ganzen See reichte. Ein Mann lehnte am Brückengeländer und schaute über das Wasser. Sein Gesicht war von ihr weg gedreht, weshalb Mia nur einen Teil seines Profils sehen konnte. Trotzdem zog irgendetwas an ihm ihre Aufmerksamkeit auf sich.

Sie war sich nicht sicher, was es war. Er war zweifellos groß und schien unter seinem teuer aussehenden Trenchcoat auch einen gut gebauten Körper zu besitzen, aber das konnte es nicht sein. Große, gut aussehende Männer waren in dem von Modells überlaufenden New York nichts Besonderes. Nein, es war irgendetwas anderes. Vielleicht war es die Art und Weise, wie er da stand — völlig bewegungslos. Sein Haar war dunkel und glänzte in der hellen Nachmittagssonne, vorne gerade lang genug, um leicht im warmen Frühlingswind zu wehen.

Außerdem war er völlig alleine.

Das ist es, bemerkte Mia auf einmal. Die normalerweise sehr beliebte und malerische Brücke war völlig leer, mit Ausnahme des Mannes, der dort am Geländer stand. Heute schien aus irgendeinem Grund jeder einen weiten Bogen um sie zu machen. Tatsächlich saß niemand außer ihr und ihrem hocharomatischen, obdachlosen Nachbarn auf den sonst so beliebten Bänken in der ersten Reihe am See, sie waren alle leer.

Als ob es ihren Blick auf sich spüren würde, drehte das Objekt ihrer Aufmerksamkeit langsam seinen Kopf und sah Mia direkt an. Bevor ihr Hirn sich dieser Tatsache bewusst werden konnte, fühlte sie, wie ihr Blut gefror und sie sich bewegungslos dem Feind ausgeliefert sah. Während sie ihn nur hilflos anstarren konnte, schien er sie sehr interessiert zu durchleuchten.

* * *

Atme, Mia, atme.Irgendwo in ihrem Hinterkopf wiederholte eine kleine rationale Stimme immer wieder diese Worte. Diesem seltsam objektiven Teil von ihr fiel auch sein symmetrisches Gesicht auf und die straffe goldfarbene Haut, die sich eng an hohe Wangenknochen und ein energisches Kinn schmiegte. Die Bilder und Videos die sie von den Krinar gesehen hatte, wurden ihnen kaum gerecht. Dieses Wesen, das weniger als 10 Meter von ihr entfernt stand, war einfach atemberaubend schön.

Während sie ihn weiterhin bewegungslos anstarrte, richtete er sich auf und ging auf sie zu. Er pirscht sich eher heran, kam ihr dummerweise in den Sinn, da jede seiner Bewegungen sie an eine junge Raubkatze erinnerte, die sich geschmeidig einer Gazelle annähert. Seine Augen ließen sie die ganze Zeit nicht aus dem Blick. Als er näherkam, konnte sie einzelne gelbe Sprenkel in seinen goldenen Augen erkennen und auch die vollen langen Wimpern sehen, die sie einrahmten.

Sie sah entsetzt und ungläubig, wie er sich weniger als einen Meter von ihr entfernt auf die gleiche Bank setzte und eine ebenmäßige Reihe weißer Zähne entblößte, als er sie anlächelte. Keine Fangzähne bemerkte sie mit einem Teil ihres Gehirns, der noch zu funktionieren schien. Nicht die leiseste Spur von ihnen. Das war eines der Gerüchte über sie, genauso wie ihr vermeintlicher Abscheu vor der Sonne.

»Wie heißt du?« Das Wesen schnurrte die Frage förmlich. Seine Stimme war leise und weich, völlig ohne Akzent. Seine Nasenlöcher bebten leicht, als er ihren Duft einatmete.

»Ähm« Mia schluckte nervös. »M-Mia.«

»Mia«, wiederholte er langsam, und es schien, als würde er sich ihren Namen auf der Zunge zergehen lassen. »Mia, und weiter?«

»Mia Stalis.« Ach du Scheiße, warum wollte er denn ihren Namen wissen? Warum war er hier und redete mit ihr? Und überhaupt, was machte er eigentlich im Central Park, fernab aller Siedlungen der Krinar?Atme, Mia, atme.

»Entspanne dich, Mia Stalis.« Sein Lächeln wurde breiter und es kam ein Grübchen in seiner linken Wange zum Vorschein. Ein Grübchen? Die Krinar hatten Grübchen? »Bist du bis jetzt noch nie auf einen von uns getroffen?«

»Nein, noch nie«, stieß Mia kurz hervor und dabei fiel ihr auf, dass sie ihren Atem die ganze Zeit anhielt. Sie war stolz darauf, dass ihre Stimme nicht so zitterig klang wie sie sich anfühlte. Sollte sie fragen? Wollte sie es wirklich wissen?

Sie nahm all ihren Mut zusammen. »Was, äh—« nochmal Schlucken. »Was willst du von mir?«

»Jetzt gerade, möchte ich mich mit dir unterhalten.« Mit diesen goldenen Augen, die sich an den Winkeln leicht zusammen zogen, sah er aus, als würde er gleich über sie lachen.

Seltsamerweise machte sie das so wütend, dass sie dadurch ihre Angst verdrängte. Wenn es etwas gab, das Mia mehr hasste als alles andere, dann war es ausgelacht zu werden. Mit ihrem kleinen, dünnen Körper und ihrem allgemeinen Mangel an sozialer Kompetenz seit Teenagerzeiten — sie hatte das komplette Albtraumprogramm absolviert: Zahnspange, krauses Haar und Brille — waren schon mehr als einmal Witze auf Mias Kosten gemacht worden.

Sie schob angriffslustig ihr Kinn in die Höhe. »Also schön, und wie heißt du?«

»Korum.«

»Nur Korum?«

»Wir haben keine richtigen Nachnamen, zumindest nicht so wie ihr das habt. Mein voller Name ist sehr viel länger, aber du könntest ihn nicht aussprechen wenn ich ihn dir sagen würde.«

Okay, das war doch mal interessant. Sie erinnerte sich daran, mal so etwas in derNew York Timesgelesen zu haben. So weit, so gut. Ihre Beine hatten schon fast aufgehört zu zittern und ihre Atmung wurde auch wieder gleichmäßiger. Vielleicht, hatte sie ja doch noch eine klitzekleine Chance, aus dieser Nummer lebend herauszukommen. Diese Unterhaltung schien recht ungefährlich zu sein, auch wenn es sie etwas aus der Fassung brachte, dass er sie die ganze Zeit mit diesen gelblichen Augen anstarrte, ohne zu blinzeln. Sie beschloss, ihn reden zu lassen.

»Was machst du hier, Korum?«

»Das habe ich dir doch gerade gesagt. Ich unterhalte mich mit dir, Mia.« Seine Stimme hatte wieder den Hauch eines Lachens.

Frustriert stieß Mia ihren Atem aus. »Ich meine, was machst du hier im Central Park? Überhaupt in New York City?«

Er lächelte wieder und neigte seinen Kopf leicht zu einer Seite. »Vielleicht habe ich gehofft, hier ein hübsches Mädchen mit Locken zu treffen.«

Also das reichte jetzt wirklich. Er spielte ganz klar mit ihr. Jetzt, da sie ihren Verstand wieder gebrauchen konnte, fiel ihr auf, dass sie sich mitten im Central Park befanden, in der Gegenwart einer Unmenge von Zeugen. Sie blickte sich verstohlen um, nur um sicherzugehen. Ja, obwohl die Menschen diese Bank und das darauf sitzende fremdartige Wesen offensichtlich mieden, gab es tatsächlich einige mutige Seelen, die aus sicherer Entfernung zu ihnen starrten. Ein Paar wagte es sogar, sie vorsichtig mit ihren in die Armbanduhren eingebauten Kameras zu filmen. Wenn der Krinar ihr irgendetwas antun sollte, wäre es umgehend auf YouTube zu sehen und das müsste er auch wissen. Natürlich könnte ihm das auch egal sein.

Da sie immer noch davon ausging, dass sie relativ sicher war — sie hatte noch nie von Videos gehört, die Übergriffe der Krinar auf Studentinnen mitten im Central Park zeigten — griff sie nach ihrem Laptop und hob ihn an, um ihn zurück in ihren Rucksack zu packen.

»Lass mich dir damit helfen, Mia—«

Und bevor sie auch nur blinzeln konnte, merkte sie, wie er den schweren Laptop aus ihren plötzlich kraftlosen Fingern nahm und dabei leicht deren Knöchel streifte. Als er sie berührte, durchfuhr Mia ein Gefühl wie ein elektrischer Schock, der, als er abebbte, kribbelnde Nervenverbindungen hinterließ.

Er nahm ihren Rucksack und packte den Laptop mit einer weichen und geschmeidigen Bewegung weg. »So, fertig.«

Oh Gott, er hatte sie berührt. Vielleicht war ihre Theorie über die Sicherheit auf öffentlichen Plätzen doch falsch. Sie merkte, wie sich ihre Atmung wieder beschleunigte, und ihre Herzfrequenz befand sich wahrscheinlich auch schon im anaeroben Bereich.

»Ich muss jetzt los ... Tschüss!«

Wie sie es schaffte, diese Worte herauszuquetschen ohne zu hyperventilieren, würde sie wohl nie herausfinden. Sie griff sich den Riemen ihres Rucksacks den er soeben losgelassen hatte und sprang auf ihre Füße. Dabei fiel ihr irgendwo im Hinterkopf auf, dass die Lähmung von vorhin verschwunden war.

»Tschüss Mia. Bis später.« Seine Stimme mit dem leicht spottenden Unterton war noch lange in der klaren Frühlingsluft zu hören, als sie losging und fast rannte, weil sie es so eilig hatte, von ihm wegzukommen.

2. Kapitel

»Ach du Scheiße! Das ist nicht wahr, oder? Ernsthaft? Erzähl, was passiert ist und lass bloß nichts aus!« Ihre Mitbewohnerin hüpfte beinahe vorAufregung!

»Das habe ich dir doch gerade erzählt ... Ich habe einen Krinar im Park getroffen.« Mia massierte sich ihre Schläfen und fühlte die Anspannung, die die vorangegangene Überdosis Adrenalin hinterlassen hatte. »Er hat sich neben mich auf die Bank gesetzt und ein paar Minuten lang mit mir geredet. Dann habe ich ihm gesagt, dass ich los müsse — und bin gegangen.«

»Einfach so? Was wollte er denn?«

»Ich habe keine Ahnung. Als ich ihn das Gleiche gefragt habe, hat er mir geantwortet, dass er sich einfach nur mit mir unterhalten wolle.«

»Ja klar, und Schweine können fliegen.« Jessie tat diese Möglichkeit genauso ab, wie Mia selbst das auch getan hatte. »Nein, jetzt mal ehrlich, er hat nicht versucht, dein Blut zu trinken oder so?«

»Nein, er hat nichts gemacht.« Außer kurz ihre Hand zu berühren. »Er hat mich nur gefragt wie ich heiße und hat mir seinen Namen gesagt.«

Jessies große, braune Augen wurden immer größer, falls das noch möglich war. »Er hat dir seinen Namen gesagt? Wie heißt er?«

»Korum.«

»Natürlich, Korum der Krinar, passt perfekt!« Jessies Sinn für Humor schlug häufig zu den seltsamsten Zeiten zu. Beide kicherten über diese lächerliche Bemerkung.

»Wusstest du sofort, dass er ein Krinar war? Wie hat er ausgesehen?« Während Jessie sich noch vom Lachen erholte, fragte sie auch schon weiter.

»Ja.« Mia dachte zurück an den Augenblick, in dem sie ihn zum ersten Mal gesehen hatte. Wie hatte sie es wissen können? Waren es seine Augen gewesen? Oder hatte sie instinktiv das Raubtier in ihm erkannt, als sie ihn sah? »Ich glaube, es war die Art und Weise wie er sich bewegte. Das ist schwer zu beschreiben. Aber es sieht mit Sicherheit nicht menschlich aus. Er sah eigentlich schon so aus, wie die Krinar aus dem Fernsehen. Er war groß, gut aussehend, mit den typischen Merkmalen der Krinar und hatte fremdartige Augen, die nahezu gelb aussahen.«

»Wow, ich kann das gar nicht glauben.« Jessie drehte die ganze Zeit Runden durch das Zimmer. »Wie hat er mit dir gesprochen? Wie hat er sich angehört?«

Mia seufzte. »Wenn mir nochmal ein Außerirdischer im Park auflauern sollte, werde ich auf jeden Fall sicherstellen, ein funktionstüchtiges Aufzeichnungsgerät dabeizuhaben.«

»Ach komm, als wärst du an meiner Stelle weniger neugierig.«

Stimmt, da hatte Jessie Recht. Mia seufzte erneut und beschrieb dann ihrer Mitbewohnerin das ganze Treffen nochmal mit allen Einzelheiten. Nur diesen kurzen Moment, in dem seine Hand ihre Hand gestreift hatte, ließ sie aus. Seltsamerweise wollte sie diese Berührungund ihre Reaktion darauf für sich behalten.

»Also hast du ihmTschüssgesagtund er hat geantwortetBis nachher? Oh mein Gott, weißt du, was das bedeutet?« Anstatt sich mit der detaillierten Beschreibung des Treffens zufrieden zu geben, schien Jessie durch die detaillierte Beschreibung nun völlig durchzudrehen. Sie rannte nun fast schon die Wände ein.

»Nein, was?« Mia fühlte sich schlapp und ausgelaugt. Sie fühlte sich wie nach einem Vorstellungsgespräch oder einer Prüfung, wenn sie einfach nur noch ihr armes überlastetes Gehirn zur Ruhe kommen lassen wollte. Vielleicht hätte sie Jessie bis morgen nichts von dem Treffen erzählen sollen. Dann hätte sie die Möglichkeit gehabt, sich zwischenzeitlich ein wenig auszuruhen.

»Er will dich wiedersehen!«

»Was? Warum?« Mias Müdigkeit war auf einmal wie weggewischt, als das Adrenalin einschoss. »Das ist doch nur eine Floskel! Ich bin mir sicher, dass er es nicht so gemeint hat, schließlich ist Englisch ja auch nicht seine Muttersprache. Warum sollte er mich wiedersehen wollen?«

»Naja, du hast gesagt, dass er dich hübsch fand.«

»Nein, ich habe gesagt, dass er mir geantwortet hat, er sei hier um ein hübsches Mädchen mit lockigen Haaren zu treffen. Er hat sich nur über mich lustig gemacht. Ich bin mir sicher, das war seine Art mit mir zu spielen ... Wahrscheinlich war es ihm zu langweilig, einfach nur da am Geländer zu stehen, und deshalb kam er zu mir herüber, um sich ein bisschen zu unterhalten. Warum sollte sich ein Krinar für mich interessieren?« Mia warf einen abschätzenden Blick in den Spiegel, auf ihre zwei Jahre alten Ugg Boots, ihre verschlissene Jeans und den zu großen Pulli, den sie im Schlussverkauf bei Century 21 bekommen hatte.

»Mia, ich hab dir doch gesagt, dass du deine Reize immer unterschätzt.« Jessie hörte sich ehrlich an, so wie sie es immer tat, wenn sie versuchte Mias Selbstvertrauen auf die Sprünge zu helfen. »Du siehst sehr niedlich aus mit deinem vollen braunen Lockenkopf. Und dazu diese wirklich schönen blauen Augen, die sehr außergewöhnlich sind, wenn man so dunkles Haar hat wie du.«

»Ach bitte Jessie.« Mia rollte mit eben diesen blauen Augen. »Ich bin mir sicher, niedlich bringt nichts wenn man ein hinreißender Krinar ist. Mal ganz davon abgesehen bist du meine Freundin und musst mir solche netten Sachen sagen.«

In Mias Augen gab es nur eine Schönheit in diesem Raum, und das war Jessie. Mit ihrem kurvenreichen, durchtrainierten Körper, ihrem langen, schwarzen Haar und ihrer glatten goldfarbenen Haut war sie der Traum eines jeden Mannes, ganz besonders dann, wenn er auch noch auf asiatische Mädchen stand. Dazu besaß ihre Mitbewohnerin der letzten drei Jahre, ein ehemaliger Cheerleader, auch die aufgeschlossene und offene Art, die zu ihrem Aussehen passte. Wie es dazu kam, dass die beiden so gute Freundinnen geworden waren, würde Mia wohl nie verstehen, besonders da ihr soziale Kompetenzen, gerade im Alter von achtzehn Jahren, völlig gefehlt hatten.

Als sie an diese Zeit zurückdachte, erinnerte sich Mia, wie verloren und überwältigt sie sich gefühlt hatte, als sie aus einer kleinen Stadt in Florida, in der sie ihr ganzes Leben verbracht hatte, in die große Stadt kam. Die New York University war die beste der Universitäten gewesen, die sie angenommen hatten, und die finanziellen Hilfen fielen zur großen Freude ihrer Eltern auch großzügig aus. Trotzdem war Mia selbst alles andere als begeistert davon gewesen, an einer Uni ohne richtigen Campus und dazu noch in einer Großstadt, zu studieren. Während des Bewerbungsprozesses hatte sie sich auf Grund der großen Konkurrenz bei fast jeder der fünfzehn besten Universitäten beworben, aber viele Absagen oder unzureichende Stipendienangebote zurückbekommen. NYU schien damals von allen Angeboten die beste Wahl zu sein. Die Universitäten vor Ort in Florida waren nie in Frage gekommen, da gemunkelt wurde, die Krinar könnten eine Siedlung in Florida errichten. Für diesen Fall wollten ihre Eltern sie schon mal weit weg wissen. Es war nicht dazu gekommen. Arizona und New Mexico wurden die beliebtesten Bundesstaaten der Krinar in den USA. Aber da war es schon zu spät gewesen. Mia hatte ihr zweites Semester an der NYU begonnen, hatte Jessie getroffen und sich langsam in New York, und alles was dort geboten wurde, verliebt.

Es war schon komisch, wie letztendlich Alles gekommen war. Vor nur fünf Jahren hatten die meisten Menschen gedacht, sie seien die einzigen intelligenten Lebewesen im Universum. Klar hatte es immer Spinner gegeben, die behaupteten, UFOs gesehen zu haben oder auch wissenschaftliche Projekte für die Suche nach außerirdischen Zivilisationen; ernsthafte, von der Regierung unterstützte Bestrebungen, die Möglichkeit außerirdischen Lebens zu erforschen. Aber die Menschen besaßen nicht einmal die Fähigkeit herauszufinden, ob es auf anderen Planeten irgendeine Art von Leben gab, selbst wenn es sich dabei nur um Einzeller handelte. Deshalb hatten die meisten auch geglaubt, dass die Menschen etwas Besonderes seien, dass die Homo Sapiens die Spitze der evolutionären Entwicklung sein mussten. Jetzt wirkte das alles so dumm, genauso, wie im Mittelalter, als die Menschen dachten, dass die Erde eine Scheibe sei und der Mond und die Sterne sich darumdrehten. Als die Krinar am Anfang des zweiten Jahrzehnts des einundzwanzigsten Jahrhunderts auf der Erde erschienen, stellten sie alles auf den Kopf, was Wissenschaftler über das Leben und seine Entstehung zu wissen geglaubt hatten.

»Ich sag dir Mia, ich glaube, der mochte dich.« Jessies eindringliche Stimme unterbrach ihre Gedanken.

Seufzend widmete Mia ihre Aufmerksamkeit wieder ihrer Mitbewohnerin. »Das glaube ich nicht. Davon mal ganz abgesehen, was würde es denn ändern, wenn er es täte? Wir sind zwei unterschiedliche Rassen. Der Gedanke, er könne mich mögen, ist einfach beängstigend ... Was würde er von mir wollen, mein Blut?«

»Das wissen wir nicht mit Sicherheit. Das ist nur ein Gerücht. Offiziell wurde niemals bestätigt, dass die Krinar Blut trinken.« Jessie hörte sich aus irgendeinem seltsamen Grund optimistisch an. Vielleicht war Mias Sozialleben in den Augen ihrer Mitbewohnerin so schlecht, dass diese einfach nur wollte, dass Mia sich mit irgendjemandem verabredete, egal von welcher Rasse.

»Es ist ein Gerücht, dem viele Leute Glauben schenken und ich bin mir sicher, es gibt einen Grund dafür. Sie sind Vampire, Jessie. Vielleicht nicht die aus Draculas Legenden, aber jeder weiß, dass sie Raubtiere sind. Deshalb leben Sie ja auch in ihren Siedlungen in abgegrenzten Gebieten ... damit sie dort alles machen können, was sie wollen, ohne dass irgendjemand etwas mit bekommt.«

»Jaja, ist ja schon gut.« Da ihre Aufregung allmählich abflaute, konnte Jessie sich auch auf ihr Bett setzen. »Du hast Recht. Es wäre schon sehr beängstigend, wenn er dich wirklich wiedersehen wollte. Aber trotzdem macht esSpaß, ab und zu so zu tun, als seien sie nichts weiter als hinreißende Menschen aus einem anderen Universum und nicht eine völlig andersartige und geheimnisvolle Spezies.«

»Ich weiß. Er sah unglaublich gut aus.« Die Mädchen tauschten verständnisvolle Blicke. »Wenn er doch nur ein Mensch wäre ...«

»Du bist zu wählerisch, Mia. Das habe ich dir schon immer gesagt.« Während sie ihren Kopf in gespieltem Tadel schüttelte, benutzte sie ihre ernsthafteste Stimme. Mia schaute sie ungläubig an und dann brachen sie beide in Lachen aus.

* * *

In dieser Nacht schlief Mia unruhig, da ihre Gedanken das Treffen wieder und immer wieder Revue passieren ließen. Sobald sie einschlief, sah sie diese spöttischen bernsteinfarbenen Augen vor sich und fühlte diese elektrisierende Berührung auf ihrer Haut. Zu ihrem eigenen Entsetzen gingen ihre unbewussten Gedanken sogar noch weiter, und sie träumte davon, wie er ihre Hand berührte. In ihrem Traum sendete jede seiner Berührungen einen Schauer durch ihren ganzen Körper und sie merkte die Hitze in sich aufsteigen. Dann strich seine Hand ihren Arm hoch, umfasste ihre Schultern, zog sie zu sich heran und hypnotisierte sie mit seinem Blick, während er sich nach vorne beugte, um sie zu küssen. Mit rasendem Herzen schloss Mia ihre Augen und beugte sich ihm entgegen. Seine weichen Lippen auf den ihren zu spüren, schickte heiße, spannungsgeladene Wellen durch ihren Körper.

Als sie aufwachte, fühlte Mia ihr Herz in der Brust Klopfen und eine Ansammlung von Hitze zwischen ihren Beinen. Es war fünf Uhr morgens und sie hatte die letzten Stunden kaum geschlafen. Verdammt, warum hatte so ein kurzes Treffen mit einem Fremden nur solche Auswirkungen auf sie? Vielleicht hatte Jessie ja doch Recht und sie sollte wirklich mehr rausgehen, um ein paar Männer kennenzulernen. Unter Jessies Anleitung hatte Mia in den letzten drei Jahren einen Großteil ihrer ehemaligen Schüchternheit und Unbeholfenheit abgelegt. Zum Highschoolabschluss hatten ihre Eltern ihr eine Laserkorrektur für ihre Augen geschenkt, und ihr Lächeln war nach der Entfernung der Spange auch schön und ebenmäßig. Sie fühlte sich jetzt wohl, wenn sie auf eine Party ging, auf der sie wenigstens ein paar Leute kannte, und konnte sogar Tanzen gehen, wenn sie sich vorher ausreichend Mut angetrunken hatte. Aber aus irgendeinem Grund vermied sie immer noch romantische Verabredungen. Die wenigen Verabredungen, die sie in den letzten Monaten gehabt hatte, waren enttäuschend gewesen und sie konnte sich auch gar nicht mehr daran erinnern, wann sie das letzte Mal jemanden geküsst hatte. Vielleicht war das der nette Junge aus dem Biologiekurs letztes Jahr gewesen? Aus irgendeinem Grund hatte es bei keinem der Männer, mit denen Mia sich getroffen hatte, richtig gefunkt, und langsam wurde es auch peinlich zuzugeben, dass sie mit einundzwanzig immer noch Jungfrau war.

Zum Glück mussten Jessie und sie sich nicht mehr ein Zimmer teilen, seit sie ein zwei Zimmer Wohnung gefunden hatten und das eigentliche Wohnzimmer als zweiten Schlafraum nutzten. Das Ganze für günstige (nach NYC Standard) $2,380.00. Dass sie jetzt ein eigenes Zimmer hatte, bedeutete ein wenig mehr Freiraum und Privatsphäre, was ihr gerade in solchen Momenten wie desem jetzt mehr als nur ganz recht war.

Sie schaltete ihre Nachttischlampe an und sah sich im Zimmer um, um sicherzugehen, dass ihre Zimmertür vollständig geschlossen war. Sie griff in ihre Nachttischschublade und zog ein kleines Bündel hervor, das eigentlich immer in der hintersten Ecke versteckt war, hinter Gesichtscreme, Handcreme und einer Packung Ibuprofen. Vorsichtig wickelte sie das Bündel auf, und zum Vorschein kam ihr kleiner Hasenohren Vibrator, den ihr ihre Schwester eigentlich als Scherzartikel geschenkt hatte. Sie hatte ihn von Marisa zum High School Abschluss bekommen, mit der nicht ganz ernstgemeinten Bemerkung, ihn immer dann zu benutzen, wenn siedas Bedürfnisverspürte, und sich dafürvon den geilen Studenten in der großen Stadt fernzuhalten.Mia war damals errötet und hatte gelacht, aber das Ding hatte sich als wirklich praktisch erwiesen. In manchen Nächten, wenn ihre Einsamkeit sie zu überwältigen drohte, spielte Mia mit dem Gerät, erforschte nach und nach ihren Körper und hatte dadurch gelernt, wie sich ein richtiger Orgasmus anfühlte.

Mia presste den kleinen Apparat auf den empfindlichen Knubbel zwischen ihren Beinen, schloss ihre Augen und gab sich den Gefühlen hin, die der Traum in ihr ausgelöst hatte. Während sie die Geschwindigkeit ihres kleinen Spielzeugs langsam erhöhte, ließ sie ihrer Fantasie freien Lauf. Sie stellte sich die Hände des Krinar auf ihrem Körper vor, seine Lippen, die sie küssten, sie streichelten und sie an empfindlichen und verbotenen Stellen berührten, bis ihr Unterleib unter Hochspannung stand und so stark explodierte, dass ihr ganzer Körper bis hin zu den Zehenspitzen wohlig kribbelte.

* * *

Als Mia am nächsten Morgen aufwachte, war der Himmel grau und bedeckt. Sie streckte sich nach ihrem Telefon aus und stöhnte auf, als sie die Wettervorhersage sah. Neunzig Prozent Regenwahrscheinlichkeit bei Temperaturen von unter zehn Grad. Genau das was sie brauchte, um sich ihrer Hausarbeit in Soziologie zu widmen. Naja, vielleicht würde sie es ja noch rechtzeitig zur Bibliothek schaffen, bevor es anfing zu regnen.

Sie sprang aus dem Bett und zog sich ihre bequemste Trainingshose, ein langärmliges Shirt und einen großen Kapuzenpulli an. Letzteren hatte sie sich auf einer Klassenfahrt aus Europa mitgebracht. Das war ihre typische Lern– bzw. Schreibkleidung und es sah heute noch genauso hässlich aus wie das erste Mal, als sie es angehabt hatte. Damals war sie in der zehnten Klasse gewesen und hatte für ihre Matheklausur gepaukt. Die Sachen passten ihr immer noch genauso gut, da sie seit dem Alter von vierzehn Jahren offensichtlich unfähig gewesen war, auch nur ansatzweise an Brustumfang zuzunehmen oder wenigstens noch ein wenig in die Länge zu wachsen.

Während sie sich schnell die Zähne putzte und das Gesicht wusch, betrachtete sich Mia kritisch im Spiegel. Ein blasses Gesicht mit leichten Sommersprossen blickte sie an. Ihre Augen wahren wahrscheinlich das Schönste an ihr, der ungewöhnliche blau–graue Ton, der einen so schönen Kontrast zu ihrem dunklen Haar bildete. Ihr Haar dagegen war eine ganz andere Geschichte. Wenn sie es eine Stunde lang ausgiebig mit dem Fön bearbeitete, konnte sie aus ihren Korkenzieherlocken vielleicht so etwas wie eine Frisur machen. Ihre Angewohnheit, immer mit nassen Haaren ins Bett zu gehen führte allerdings zu nichts, außer zu genau dem krausen Durcheinander, das sie jetzt gerade auf ihrem Kopf hatte. Sie seufzte laut und band sich ihre Locken unbarmherzig zu einem Pferdeschwanz zusammen. Bald, wenn sie einen richtigen Job hatte, könnte sie in einen dieser teuren Friseursalons gehen und sich die Haare permanent glätten lassen. Da sie nicht jeden Morgen eine Stunde Zeit für ihre Haare aufwenden konnte, musste sie momentan wohl oder übel damit leben, stellte Mia fest.

Zeit für die Bibliothek. Mia nahm ihren Rucksack und ihren Laptop, zog sich ihre Ugg Boots an und verließ ihr Apartment. Fünf Treppenabsätze später ging sie aus dem Gebäude ohne die abblätternde Farbe auf den Wänden und die vereinzelten Kakerlaken, die gerne in der Nähe der Müllschächte lebten, zu beachten. So sah das Studentenleben in New York aus und Mia war eine der wenigen Glücklichen, die eine halbwegs bezahlbare Wohnung in Campusnähe hatte.

Die Immobilienpreise in Manhattan waren genauso hoch wie seit jeher. In den ersten paar Jahren nach der Invasion brachen die Preise für Apartments in New York ein, genau wie in allen großen Städten weltweit. Mit den idiotischen Invasionsfilmen im Hinterkopf meinten die meisten Menschen, dass die großen Städte unsicher seien und zogen in ländliche Gegenden, sofern sie konnten. Familien mit Kindern, die sowieso schon eine Seltenheit in Manhattan gewesen waren, verließen scharen weise die Stadt, um sich in die entlegensten Winkel zurückzuziehen, die sie finden konnten. Die Krinar hatten zur Migration ermutigt, da dadurch die Verschmutzung in den städtischen Gebieten eingedämmt werden konnte. Natürlich bemerkten die Menschen bald ihre eigene Dummheit, denn die Krinar wollten gar nichts mit den großen Städten der Menschen zu tun haben, sondern bauten stattdessen ihre Siedlungen in warmen, weitgehend unbewohnten Gebieten rund um den Globus. Die Preise in Manhattan stiegen wieder bis zum Himmel und ein paar Glückspilze, die während der Krise Immobilien erstanden hatten, wurden mit deren Verkauf steinreich. Jetzt, fünf Jahre nach dem K–Day, wie der erste Tag der Invasion mittlerweile genannt wurde, strebten die Mieten in New York schon wieder Rekordhöhen an.

Ich Glückliche, dachte Mia leicht ironisch. Wenn sie nur ein paar Jahre älter gewesen wäre, hätte sie ihr jetziges Apartment für weniger als die Hälfte mieten können. Aber natürlich musste auch berücksichtigt werden, dass sie dafür nächstes Jahr die Uni abschließen würde und nicht inmitten der großen Panik, den dunklen Monaten, die auf das erste Zusammentreffen der Menschen mit den Eindringlingen folgten.

Sie hielt bei dem örtlichen Imbiss und bestellte einen leicht getoasteten Bagel (natürlich Vollkorn, etwas anderes gab es auch nicht) mit einer Avocado–Tomaten–Creme. Seufzend erinnerte sie sich an die leckeren Omeletts, die ihre Mama ihr immer mit Schinkenstücken, Champignons und Käse zubereitet hatte. Heutzutage waren die Champignons die einzige Zutat davon, die sich ein Student überhaupt noch irgendwie leisten konnte. Fleisch, Fisch, Eier und Milch waren Delikatessen, die nur für besondere Anlässe gekauft wurden, so wie das damals bei Gänseleber und Kaviar der Fall gewesen war. Das war eine der vielen Änderungen, die die Krinar eingeführt hatten. Nachdem sie entschieden hatten, dass die typische Ernährung in den Industrieländern des frühen einundzwanzigsten Jahrhunderts sowohl für die Menschen als auch für die Umwelt schädlich sei, schlossen sie die größten industriellen Viehfarmen und zwangen die Fleisch– und Milcherzeuger zum Obst– und Gemüseanbau. Nur die kleinen Bauern waren in Ruhe gelassen worden und durften einige Tiere für besondere Anlässe halten. Umwelt– und Tierrechtsorganisationen waren wie in Ekstase gewesen und die Zahlen der Übergewichtigen in Amerika hatten sich schnell denen Vietnams angenähert. Natürlich waren die Ausfälle groß gewesen, viele Unternehmen mussten ihren Betrieb einstellen, und es kam zu einer Lebensmittelknappheit während der Großen Panik. Später, als die vampirischen Neigungen der Krinar entdeckt worden waren (auch wenn immer noch nicht offiziell bestätigt), hatten die extremen Rechtsaktivisten behauptet, dass der wahre Grund der erzwungenen Nahrungsumstellung der war, dass das menschliche Blut dadurch süßer schmecke. Wie dem auch sei, das meiste Essen, das man jetzt noch bekommen konnte, war ekelhaft gesund.

»Regenschirme, Regenschirme, Regenschirme!« Ein ungepflegt aussehender Mann stand an der Ecke und verhökerte dort seine Waren mit einem starken Akzent aus dem mittleren Osten. »Regenschirme für fünf Dollar!«

Und natürlich begann es weniger als eine Minute später zu nieseln. Zum x-ten Male fragte Mia sich, ob diese Straßenverkäufer von Regenschirmen irgendeinen sechsten Sinn für Regen hätten. Sie schienen immer kurz vor dem ersten Regentropfen aus dem Nichts aufzutauchen, auch wenn gar kein Regen vorhergesagt worden war. So verlockend es auch war, sich einen Schirm zu kaufen und trocken zu bleiben, Mia hatte nur noch ein paar Straßen zu gehen und der Regen war zu leicht, um die unnötige Ausgabe von fünf Dollar zu rechtfertigen. Sie hätte ja auch einfach ihren alten Schirm von zu Hause mitbringen können, aber sie nahm nie gerne zusätzliche Sachen mit.

Mia ging so schnell, wie sie das mit ihrem schweren Rucksack konnte, bog um die Ecke auf die West Vierte Straße ein und konnte die Bibliothek sogar schon sehen, als der Platzregen einsetzte. Mist, sie hätte den Regenschirm doch kaufen sollen! Mia gab sich in Gedanken einen Tritt und begann zu rennen, oder eher zu trotten — Dank der Last des Rucksacks auf ihrem Rücken — als Regentropfen so stark gegen ihr Gesicht prallten, dass es sich anfühlte, als kämen sie aus einer Wasserpistole. Ihr Haar löste sich irgendwie aus dem Pferdeschwanz und hing in ihr Gesicht, so dass sie gar nichts mehr sehen konnte. Eine Menschentraube lief an ihr vorüber und beeilte sich, aus dem Regen zu kommen. Mia wurde einige Male von Fußgängern angerempelt, die sie wegen der Kombination aus heftigem Regen und den Regenschirmen einiger Glückspilze nicht sehen konnten. In solchen Momenten waren eine Größe von 1,60 Meter und ein Gewicht von kaum 45 Kilo ein echter Nachteil. Ein großer Mann drängte sie zur Seite, indem er seinen Ellenbogen in ihre Schulter rammte, und Mia stolperte, da sie mit einem Fuß in einem Riss im Bürgersteig hängen blieb. Sie stürzte nach vorne, konnte den Fall aber mit ihren Händen auf dem nassen Pflaster abfangen, nachdem sie noch ein paar Zentimeter auf der rauen Oberfläche entlang gerutscht war.

Auf einmal hoben sie starke Hände vom Boden auf, als würde sie nichts wiegen und stellten sie aufrecht unter einen Regenschirm, den ein Mann über sie beide hielt.

Mia, die sich wie eine dreckige, abgesoffene Ratte fühlte, versuchte sich mit der Rückseite ihrer aufgeschürften Hand ihr durchnässtes Haar aus dem Gesicht zu entfernen, während sie die restlichen Regentropfen von den Augen wegblinzelte. Ihre Nase entschied sich dazu, noch etwas zu ihrer Beschämung beizutragen und wählte genau diesen Moment dazu aus, Mia unkontrolliert auf ihren Retter niesen zu lassen.

»Oh Gott, das tut mir so leid!« Mia entschuldigte sich verzweifelt und vollkommen beschämt. Ihre Sicht war wegen des Wassers, das ihr Gesicht herunter lief, immer noch ganz verschwommen und sie versuchte verzweifelt, sich mit einem nassen Ärmel die Nase zu putzen, bevor sie noch einmal niesen musste. »Es tut mir so leid, ich wollte Sie wirklich nicht anniesen!«

»Du brauchst dich nicht zu entschuldigen, Mia. Offensichtlich bist du durchgefroren und nass. Und außerdem verletzt. Lass mich deine Hände anschauen.«

Das konnte doch nicht wahr sein. Mia vergaß ihr Unbehagen und das Einzige, was sie noch tun konnte, war ungläubig dabei zuzuschauen, wie Korum vorsichtig ihre Handgelenke fasste, ihre Handflächen nach oben drehte und ihre Schürfwunden untersuchte. Seine großen Hände waren unglaublich behutsam auf ihrer Haut, obwohl er so fest zugegriffen hatte, dass ein Entkommen unmöglich war. Auch wenn sie in einem frischen Mitte–April–Wetter bis auf die Haut nass war, fühlte sich Mia trotzdem so, als würde sie jeden Moment in Flammen aufgehen. Allein seine Berührung rief eine Hitzewelle in ihr hervor, die durch ihren ganzen Körper strömte.

»Du solltest diese Verletzungen sofort behandeln lassen. Sie könnten Narben hinterlassen, wenn du nicht vorsichtig bist. Komm einfach mit mir mit und wir lassen sie versorgen.« Korum ließ ihre Handgelenke los, legte einen Besitz ergreifenden Arm um ihre Taille und begann, sie zurück in Richtung Broadway zu führen.

»Warte, was ...« Mia versuchte ihre Gedanken zu ordnen. »Was machst du hier? Wohin führst du mich?« Endlich wurde sie sich der ganzen Gefahren dieser Situation bewusst und sie begann, teils vor Kälte und teils aus Angst, zu zittern.

»Offensichtlich frierst du. Ich bringe dich aus dem Regen raus und dann reden wir.« Sein Ton ließ keine Widersprüche zu.

Als Mia sich verzweifelt umschaute, sah sie, wie alle Menschen sich beeilten, schnell aus dem schüttenden Regen zu kommen, ohne ihrer Umgebung auch nur die kleinste Aufmerksamkeit zu schenken. Bei so einem Wetter könnte man jemanden unbemerkt auf offener Straße umbringen, wer sollte da die Gegenwehr eines kleinen Mädchens bemerken? Korums Arm lag wie ein Stahlband um ihre Taille, vollkommen unnachgiebig, und Mia konnte ihm nur noch hilflos folgen, egal wohin er sie führte.

»Warte, ich kann wirklich nicht mit dir mitkommen«, protestierte Mia zitternd. Nach Strohhalmen greifend platzte sie heraus: »Ich muss doch eine Hausarbeit schreiben!«

»Ach wirklich? Und du kannst in diesem Zustand schreiben?« Korums Ton triefte vor Sarkasmus und er warf ihr einen abschätzigen Blick zu, der an ihrem Haar und den aufgeschürften Händen hängen blieb. »Du bist verletzt und hast dir wahrscheinlich mit deinem mickrigen Immunsystem eine Lungenentzündung eingefangen.«

Wie zuvor bekam er es irgendwie hin, sie zu provozieren. Wie konnte er es wagen, sie als mickrig zu bezeichnen! Mia sah rot. »Entschuldige bitte, aber meinem Immunsystem geht es sehr gut! Niemand bekommt heutzutage noch eine Lungenentzündung davon, dass er Regen abbekommt. Und davon mal ganz abgesehen, was geht es dich an? Was machst du hier? Verfolgst du mich?«

»Ja.« Seine Antwort war ruhig und gelassen.

Sofort ruhig merkte Mia, wie sich langsam wieder die Angst in ihr breit machte. Obwohl sie schluckte, um ihre trockene Kehle zu befeuchten, brachte sie nur ein Wort heraus. »Warum?«

»Ah, wir sind da.« Eine schwarze Limousine stand auf der Kreuzung Vierte West und Broadway. Als sie näherkamen öffneten sich die automatischen Türen und gaben die Sicht auf ein edles cremefarbenes Interieur frei. Mias Herz schlug ihr bis zum Hals. Unter keinen Umständen würde sie mit diesem Krinar, der zugegeben hatte, sie zu verfolgen, in ein fremdes Auto steigen.

Sie blieb stur und machte sich darauf gefasst, zu schreien.

»Mia. Steig. In. Das. Auto.« Seine Worte waren wie Peitschenhiebe. Er sah wütend aus, und seine Augen wurden mit jeder Sekunde gelber. Sein normalerweise sinnlicher Mund sah auf einmal grausam aus, zu einem kompromisslosen Strich zusammengepresst. »Ich möchte mich nicht wiederholen müssen.«

Zitternd wie Espenlaub gehorchte Mia. Oh Gott, sie wollte das hier doch einfach nur überleben, egal was der Krinar mit ihr vorhatte. Jede Horrorgeschichte, die sie jemals über die Krinar gehört hatte, war auf einmal wieder klar und deutlich in ihrem Kopf, genauso wie alle Bilder der grauenvollen Kämpfe während der Großen Panik. Sie unterdrückte ein Schluchzen, als sie sah, wie Korum hinter ihr in die Limo einstieg und den Regenschirm zu machte. Die Türen schlossen sich.

Korum drückte auf den Knopf der Gegensprechanlage. »Roger, bitte bring uns zu mir.« Er sah jetzt viel ruhiger aus, seine Augen waren wieder goldbraun.

»Ja, Sir« Die Antwort des Fahrers kam hinter einer Abtrennung hervor, die es völlig unmöglich machte, ihn zu sehen.

Roger?Das war ein menschlicher Name, dachte Mia verzweifelt. Vielleicht konnte er ihr helfen, die Polizei in ihrem Auftrag zu rufen oder so. Andererseits, was konnte die Polizei machen? Sie konnte nicht wirklich einen Krinar festnehmen. so weit Mia wusste standen sie außerhalb der menschlichen Gesetze. Er konnte so ziemlich alles mit ihr machen, was er wollte, und es gab niemanden, der ihn davon abhalten konnte. Mia fühlte, wie ihr Tränen über ihr regennasses Gesicht liefen, als sie daran dachte, wie sehr ihre Eltern trauern würden, wenn sie heraus fanden, dass ihre Tochter verschwunden war.

»Was? Weinst du etwa?« In Korums Stimme schwang Ungläubigkeit mit. »Wie alt bist du, fünf?« Er griff nach ihr, seine Finger schlossen sich fest um ihre Oberarme und er zog sie näher zu sich heran, um ihr ins Gesicht zu sehen. Als er sie berührte, begann Mia noch heftiger zu zittern und wurde von Schluchzern geschüttelt.

»Ruhig jetzt. Das ist doch überhaupt nicht nötig. Schschsch ...« Plötzlich lag Mia völlig zusammengerollt auf seinem Schoss und hatte ihr Gesicht an seine Brust gedrückt. Obwohl sie immer noch schluchzte, nahm sie unterschwellig einen angenehmen Geruch nach frisch gewaschener Wäsche und warmer männlicher Haut war, während seine Hand beruhigend auf ihrem Rücken kreiste. Er behandelte sie wirklich wie eine Fünfjährige, die weint weil sie Aua gemacht hat, dachte sie halb hysterisch. Komischerweise wirkte es. Mia fühlte, wie ihre Angst verebbte, als er sie behutsam in diesen starken Armen hielt. An ihre Stelle traten ein immer stärker werdendes Bewusstsein seiner Nähe zu ihr und ein Gefühl der inneren Wärme. Adrenalin verstärkt Anziehung bemerkte sie mit sonderbarer Distanz und dabei fiel ihr eine Studie zu diesem Thema ein, die sie in einer ihrer Psychologie-Seminare behandelt hatte.

Obwohl sie immer noch auf seinem Schoss kauerte, gelang es ihr, ein wenig von ihm abzurücken, um zu seinem Gesicht hochsehen zu können. Aus nächster Nähe war sein Aussehen noch umwerfender. Seine Haut, in einem warmen Goldton, der ein paar Schattierungen dunkler als der ihrer Mitbewohnerin war, war makellos und schien vollkommene Gesundheit auszustrahlen. Volle schwarze Wimpern umrandeten diese unglaublich hellen Augen, die von geradlinigen dunklen Augenbrauen eingerahmt wurden.

»Wirst du mir wehtun?« Die Frage entwischte ihr, bevor sie es sich anders überlegen konnte.

Ihr Entführer stieß einen erstaunlich menschlichen Seufzer aus und klang schon fast verzweifelt. »Mia, hör mir mal zu, ich will dir nichts Böses ... Okay?« Er sah ihr tief in die Augen und Mia konnte nicht wegschauen, da sie von den gelben Flecken in seiner Iris wie hypnotisiert war. »Alles, was ich wollte, war dich aus dem Regen zu holen und deine Verletzungen zu behandeln. Ich bringe dich zu mir nach Hause, weil es gleich in der Nähe ist und du dort medizinische Versorgung und Wechselklamotten bekommen kannst. Ich wollte dir keine Angst machen und dich noch weniger in den Zustand versetzen, in dem du jetzt bist.«

»Aber du hast gesagt ... du würdest mich verfolgen!« Mia starrte ihn verwirrt an.

»Ja. Ich fand dich im Park interessant und wollte dich gerne wiedersehen. Aber doch nicht weil ich dir wehtun wollte.« Er war dazu übergegangen ihre Oberarme mit leichten auf und ab Bewegungen zu reiben, so als würde er ein scheuendes Pferd beruhigen.

Sein Zugeständnis führte bei ihr zu einer Hitzewelle, die sich in ihrem ganzen Körper ausbreitete. Meinte er etwa, dass er sich von ihr angezogen fühlte? Ihr Herzschlag wurde wieder schneller, diesmal allerdings aus einem anderen Grund.

Da gab es noch etwas, dass sie wissen musste. »Du hast mich gezwungen, in das Auto zu steigen ...«

»Aber nur weil du stur warst und nicht auf den gesunden Menschenverstand hören wolltest. Du warst nass und kalt. Ich wollte keine Zeit damit vergeuden, mit dir im Regen zu diskutieren, wenn gleich um die Ecke ein warmes Auto auf uns wartet.« So gesehen hörte sich sein Verhalten durchwegs gut gemeint an.

»Hier.« Er zog ein Taschentuch von irgendwo her und tupfte damit vorsichtig die letzten Tränen aus ihrem Gesicht. Dann gab er ihr ein weiteres Taschentuch, damit sie sich die Nase putzen konnte und sah ihr belustigt dabei zu, wie sie versuchte, so vorsichtig wie möglich zu schnauben. »Fühlst du dich jetzt besser?«

Seltsamerweise tat sie das. Er könnte sie auch anlügen, aber wozu? Er konnte ja sowieso alles mit ihr machen, was er wollte, wieso sollte er also Zeit damit verschwenden, ihre Angst zu mildern? Als der vorherige Schrecken verdaut war, fühlte Mia sich plötzlich ganz erschöpft von dem starken Auf und Ab der Gefühle. Als würde er ihren Zustand fühlen, zog Korum sie näher an sich ran und legte ihr Gesicht vorsichtig auf seine Brust. Sie hatte nichts dagegen. Irgendwie fühlte Mia sich auf seinem Schoss sitzend, seinen warmen Geruch einatmend und mit der Wärme seines Körpers die sie umschloss, besser, als sie sich seit Langem gefühlt hatte.

3. Kapitel

»Wir sind da. Willkommen in meiner bescheidenen Hütte.«

Mia schaute sich überrascht um. Ihr Blick blieb an den Panoramafenstern mit Blick über den Hudson hängen und schweifte dann weiter über die glänzenden Holzfußböden und die luxuriöse, cremefarbene Einrichtung. Ein paar Modern Art Werke an den Wänden und üppige Pflanzen neben den Fenstern sorgten für geschmackvolle Farbtupfer. Es war das schönste Apartment, was sie jemals gesehen hatte. Und es sah völlig menschlich aus.

»Und hier wohnst du?« fragte sie verwundert.

»Nur wenn ich nach New York komme.«

Korum hängte seinen Trenchcoat in den Schrank neben der Tür. Das war eine einfache, so menschliche Handlung, aber seine Bewegungen waren dabei zu fließend, um völlig menschlich zu sein. Er trug jetzt nur noch ein blaues T-Shirt und eine Jeans. Die Sachen umschmeichelten perfekt seinen schlanken, kräftigen Körper. Mia musste schlucken, als sie sich bewusst wurde, dass dieses unglaubliche Apartment neben dieser hinreißenden Kreatur, die hier offensichtlich wohnte, völlig verblasste.

Wie konnte er sich das leisten? Waren alle Krinar reich? Nachdem die Limousine in die Parkgarage des neuesten Luxushochhauses in Tribeca gefahren war, hatte Mia schockiert miterleben müssen, wie sie zu einem privaten Fahrstuhl geführt worden war, der sie direkt zum Penthouse brachte. Diese Wohnung sah riesig aus, besonders für Manhattan. Bewohnte er die komplette oberste Etage des Gebäudes?

»Ja, das Apartment erstreckt sich über die ganze Etage.«

Mia errötete, als ihr bewusst wurde, dass sie die Frage laut ausgesprochen hatte. »Ähm... schön hast du es hier.«

»Danke. Hier, setz dich.« Er führte sie zu einer weichen, natürlich cremefarbenen, Ledercouch. »Zeig mir deine Hände.«

Mia streckte vorsichtig ihre Handflächen aus und fragte sich, was er wohl vorhatte. Würde er sein Blut benutzen, um sie zu heilen? So machten es zumindest die Vampire in den derzeitig gängigen Büchern und Filmen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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