Midnight Chronicles - Seelenband - Bianca Iosivoni - E-Book

Midnight Chronicles - Seelenband E-Book

Bianca Iosivoni

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9,99 €

Beschreibung

Sie will ihn nicht mehr lieben. Er will nichts anderes als sie zurückzugewinnen.

Die Midnight Chronicles gehen weiter

Ella hat am Tag des Blutbades alles verloren - und gibt sich selbst die Schuld daran. Als einziger Ausweg bleibt der Soul Huntress die Flucht nach Prag, weit weg von all dem, was sie quält. Doch dann steht ausgerechnet die eine Person wieder vor ihr, die sie mit allen Mitteln zu vergessen versucht: Wayne McKinley. Einst ihr süßestes Geheimnis, scheint Wayne nun nur noch eine schmerzvolle Erinnerung zu sein. Ella bleibt jedoch keine andere Wahl, als mit ihm zusammenzuarbeiten, um ihren Fehler vom Tag des Blutbades wiedergutzumachen. Auch auf die Gefahr hin, dass ihre Gefühle für den Hunter mit jeder gemeinsam verbrachten Minute stärker werden.

"Dieses Buch hat mich mit allem, was es zu bieten hat, in den Bann gezogen und fassungslos zurückgelassen. Die Geschichte fesselt, das Setting fasziniert jedes Mal aufs Neue, und die Protagonisten muss man einfach lieben." BOOKWORMIII über DUNKELSPLITTER

Band 4 der Reihe trägt den Titel SEELENBAND und erzählt die Geschichte von Ella und Wayne.


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Seitenzahl: 566

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Inhalt

Titel

Zu diesem Buch

Widmung

Playlist

Was bisher geschah

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

13. Kapitel

14. Kapitel

15. Kapitel

16. Kapitel

17. Kapitel

18. Kapitel

19. Kapitel

20. Kapitel

21. Kapitel

22. Kapitel

23. Kapitel

24. Kapitel

25. Kapitel

26. Kapitel

27. Kapitel

28. Kapitel

29. Kapitel

30. Kapitel

31. Kapitel

32. Kapitel

33. Kapitel

34. Kapitel

35. Kapitel

36. Kapitel

37. Kapitel

38. Kapitel

Epilog

Danksagung

Glossar & Personenverzeichnis

Die Autorinnen

Die Romane von Laura Kneidl und Bianca Iosivoni bei LYX

Impressum

LAURA KNEIDL BIANCA IOSIVONI

MIDNIGHT CHRONICLES

SEELENBAND

ROMAN

Zu diesem Buch

Am Tag des Blutbades verlor Ella nicht nur ihren Vater, sondern auch ihren besten Freund und Kampfpartner Owen. Von Schuldgefühlen geplagt reist die Soul Huntress mit Roxy und Shaw durch Europa und bis nach Tschechien, um sich des in Prag herrschenden Geisterproblems anzunehmen. Dort angekommen ist es Ellas dringendster Wunsch, noch einmal mit Owen zu sprechen, der ihr mit seinem letzten Atemzug unerwartet seine Liebe gestanden hat. Sie ist auf der Suche nach einem Weg in die Geisterwelt, als plötzlich Wayne McKinley wieder vor ihr steht. Einst war er ihr süßestes Geheimnis, aber nun scheint Wayne nicht mehr als eine schmerzvolle Erinnerung an Ellas größten Fehler zu sein. Doch allein mit seiner Hilfe schafft es Ella in die Geisterwelt – und was sie dort vorfindet, lässt ihr nicht nur das Blut in den Adern gefrieren, sondern bringt auch ihren Entschluss ins Wanken, ihre Gefühle für Wayne auf ewig in ihrem Herzen zu verschließen.

Für Ava und Anabelle

PLAYLIST

Lana Del Rey – Born to Die

Linkin Park – SKIN TO BONE

Billie Eilish – bury a friend

Kamelot feat. Simone Simons – The Haunting (Somewhere in Time)

Apocalyptica feat. Linda – Faraway Vol. 2

Nightwish – Ocean Soul

Ray Parker Jr. – Ghostbusters

Royal Blood – Ten Tonne Skeleton

grandson – Bury Me Face Down

ODESZA – My Friends Never Die

Sumera – Animal

Nightwish – High Hopes

Christina Aguilera – Haunted Heart

The Bridge City Sinners – Satan’s Song

Kyle Dixon & Michael Stein – Stranger Things

Billie Eilish – all the good girls go to hell

Beyoncé – Haunted

Tommee Profitt (feat. QUIVR) – Shoot To Kill

Natasha Blume – Ghost

Bring Me The Horizon – Ludens

FKA twigs – cellophane

The Marías – Hush

Machine Gun Kelly feat. CORPSE – DAYWALKER!

David García Díaz & Passarella Death Squad – Hela

WAS BISHER GESCHAH

Was mit Roxy und Shaw in Schattenblick (Band 1) und Warden und Cain in Blutmagie (Band 2) geschehen ist, kannst du im Was bisher geschah … von Dunkelsplitter, dem dritten Band der Midnight Chronicles, nachlesen.

Die Zusammenfassung von Dunkelsplitter findest du hier:

Die Jagd nach Roxys Geistern führt Shaw, Ella und sie durch halb Europa bis nach Prag. Die Goldene Stadt wurde seit Jahrzehnten von keinem Soul Hunter mehr besucht und es wimmelt von Geistern. Auch einer von Roxys Spirits ist in der Stadt – eine Rusalka, bekannt dafür, ihre Opfer mit grausamen Psychospielchen zu quälen.

Roxy gerät in die Fänge der Rusalka und wird mit ihren tiefsten Ängsten und Gefühlen konfrontiert. Um ihr zu entkommen, muss sie sich eingestehen, dass sie die Schuld am Verschwinden ihres Zwillingsbruders Niall trägt und dass sie tiefe Gefühle für Shaw entwickelt hat. Mit letzter Kraft gelingt es Roxy, die Rusalka mit ihrem neuen Stufe-6-Amulett zu vernichten. Doch die Magie darin ist übermächtig und raubt Roxy ihre Lebensenergie. Als Shaw, Ella und die Hunter aus dem Prager Quartier sie schließlich finden, ist sie mehr tot als lebendig. Es stellt sich heraus, dass es sich bei Roxys neuem Amulett um einen Dunkelsplitter gehandelt hat – ein defektes Amulett, das Roxy von innen heraus verzehrt hat.

Mit Wardens Hilfe finden sie heraus, dass es aus den Überresten eines künstlichen Vampirs hergestellt wurde – einer jener Kreaturen, die Isaac, der König der Vampire, in seinen Laboren züchten ließ, um die schwindende Vampirpopulation zu vergrößern. Sie warnen alle Quartiere, dass vorerst keine weiteren Amulette aus Vampiren hergestellt werden dürfen.

Nachdem Roxy sich von dem Dunkelsplitter und ihrer Begegnung mit der Rusalka erholt hat, setzen Shaw und sie ihre Reise fort, während Ella in Prag bleibt, um sich weiter um das dortige Geisterproblem zu kümmern.

Die Jagd nach Roxys Geistern führt die beiden über Österreich schließlich nach Rumänien. Nach den Erlebnissen der vergangenen Wochen entschließt sich Roxy, ihren Gefühlen für Shaw nachzugeben – die dieser aus ganzem Herzen erwidert. Die beiden verbringen die Nacht miteinander. Doch ihr Glück ist nur von kurzer Dauer, denn am nächsten Tag geraten sie auf Schloss Bran in einen blutrünstigen Kampf gegen eine Horde Strigoi, der Shaw beinahe das Leben kostet. Im letzten Moment kann er sich retten – mithilfe von Magie.

Roxy und Shaw sind sprachlos, als plötzlich der Hexenmeister Tarquin auftaucht und ihnen offenbart, dass Shaw einst Kane war, ein mächtiger Hexenmeister und enger Vertrauter Baldurs, der vor zwanzig Jahren im Kampf gegen die Hunter ums Leben kam. Ihnen wird klar, dass Roxy auch Kanes Seele aus der Unterwelt befreit hat.

Überrumpelt und verwirrt begleitet Shaw Tarquin und lässt Roxy zurück. Im Schloss des Hexenkönigs Baldur wird Shaw mit seinem früheren Leben konfrontiert. Baldur will seine Seele in seinen alten, mit Magie konservierten Körper zurückschicken, wodurch Shaw seine Erinnerungen an sein früheres Leben zurückerhalten würde, doch Shaw zögert. Denn der Preis für sein altes Leben ist sein neues.

Währenddessen reist Roxy allein weiter nach Italien, wo sie von Tarquin und anderen Hexern in Baldurs Auftrag angegriffen wird, doch Shaw kommt ihr zu Hilfe. Zu spät erkennen die beiden, dass dies der Ort aus Giselles Todesvision ist. Roxy wird von einem Hexer tödlich verletzt und stirbt in Shaws Armen. Shaw nutzt seine wiedererwachte Magie, um Roxys Körper zu konservieren und bringt diesen zurück in das Londoner Quartier, ehe er die Flucht antritt. Denn er ist nun ein Hexenmeister, der sich sowohl die Hunter als auch den Hexenkönig zum Feind gemacht hat.

1. KAPITEL

Ella

Der Tod war mir vertraut. Er war allgegenwärtig. Ich konnte ihn sehen. Und das, was er zurückließ – die Geister der Verstorbenen – bestimmte meinen Alltag als Soul Huntress. Doch in diesem Augenblick nahm ich den Tod klarer und deutlicher wahr als jemals zuvor. Ich erschauderte, was nicht an der winterlichen Kälte lag, die Tschechien seit Tagen heimsuchte, sondern an diesem Ort, an dem ich eigentlich nicht sein dürfte.

Dem Sedletz-Ossarium.

Ich steckte das Einbruchwerkzeug, das ich benutzt hatte, um mir Zutritt zu dem Beinhaus zu verschaffen, in meine Jackentasche und warf einen letzten Blick über meine Schulter, um sicherzugehen, dass mich niemand beobachtete. Doch ich war allein auf dem Friedhof und das Auto, das ich mir gemietet hatte, das einzige auf dem Parkplatz. Es waren auch keine Geister zu sehen, was nicht verwunderlich war, denn die Seelen Verstorbener mieden Orte wie Friedhöfe, Krematorien oder andere Plätze, die an den Tod erinnerten, für gewöhnlich.

Nachdem ich sicher war, dass niemand außer mir hier war, huschte ich in das Beinhaus und zog die aufgebrochene Tür hinter mir zu, damit niemand die Spuren meines Verbrechens auf den ersten Blick sehen konnte, sollte doch noch jemand vorbeikommen.

Als Huntress war ich es gewohnt, gegen die menschlichen Gesetze zu verstoßen, doch heute verspürte ich deswegen das erste Mal Angst und Sorge. Diese Verstöße waren im Kampf gegen die Kreaturen der Nacht unvermeidlich, aber ich war nicht hier, um eine Kreatur zu vernichten. Ich war hier, um einen Fehler zu begehen; doch das hielt mich nicht davon ab, meinen Weg fortzusetzen, anstatt auf dem Absatz kehrtzumachen.

Ich schlang die Arme um meine Mitte. Es war beinahe vollkommen finster im Beinhaus, abgesehen von ein paar Opferkerzen, die vor dem Altar brannten, und dem Licht des fast vollen Mondes, das durch ein Rundbogenfenster fiel und ein großes Kruzifix anstrahlte, dessen Schatten sich über mir erhob. Ich war nicht gläubig, dennoch empfand ich bei dem Anblick großes Unbehagen, als ich die Stufen ins Ossarium hinabstieg. Ein normaler Mensch hätte sich unter diesen schlechten Lichtbedingungen wohl nicht zurechtgefunden, aber meine geschärften Huntersinne erlaubten es mir, alles zu sehen.

Was ich sah, ließ mich allerdings beinahe wünschen, die Dunkelheit nicht durchdringen zu können.

Menschliche Knochen. Zehntausende. Aus der Erde geholt und präpariert. Erhalten für die Ewigkeit, schmückten sie die Kapelle, die aussah, als würde der Tod selbst in ihr hausen. Kunstvoll angeordnet, stapelten sie sich nicht nur an den Wänden, sondern hingen wie Girlanden von der Decke. Das wohl schaurigste Schmuckstück der Kapelle war ein Kronleuchter, geformt aus acht Wirbelsäulen und Hunderten, wenn nicht Tausenden weiterer Knochen. Schädel in den verschiedensten Größen, manche so klein, dass sie zu Kindern gehört haben mussten, starrten mich aus ihren leeren, toten Augenhöhlen an und ließen mich meinen Plan hierherzukommen infrage stellen. Obwohl ich zugeben musste, dass der Rohheit dieser Kunst eine gewisse Schönheit innewohnte, wenn man sich erlaubte, sie zu sehen.

Ich wandte meinen Blick von dem Kronleuchter ab und verwarf jeden Gedanken an die Menschen, die ihre letzte Ruhestätte an diesem seltsamen Ort gefunden hatten. Ich war nicht hier, um Touristin zu spielen. Ich war hier, um ein Tor zur Geisterwelt zu öffnen – oder es zumindest zu versuchen.

All meine vorherigen Bemühungen waren gescheitert, und allmählich lief mir die Zeit davon, denn es war bereits die siebte von zwölf Rauhnächten. Zwar blieb noch die kommende Vollmondnacht Anfang Januar, doch anschließend würden Wochen vergehen, bis sich mir die nächste Gelegenheit bot. Denn anders als die Pforten zur Unterwelt, die jederzeit, aber nur an bestimmten Orten geöffnet werden konnten, hob sich der Schleier zur Geisterwelt nur an wenigen Tagen im Jahr. Der Ort spielte dabei eigentlich keine erhebliche Rolle, aber nach meinem Scheitern in den vergangenen Nächten konnte es nicht schaden, einen Ort aufzusuchen, an dem der Tod so präsent war wie hier.

Ich positionierte mich unter dem schaurigen Kronleuchter und hob meine rechte Hand. An meinem Mittelfinger funkelte ein goldener Ring, in den ein magentafarbener Stein eingelassen war. Wir Hunter nutzten diese Steine, um uns die Magie zu eigen zu machen, und mir würde diese hoffentlich helfen, ein Tor in die Geisterwelt zu erschaffen.

Entschlossen holte ich tief Luft. Kalter Sauerstoff füllte meine Lunge, und ich schloss die Augen, um mich zu konzentrieren. Nicht nur auf die Magie, die in meinem Ring schlummerte und die auch Roxy in ihrem Amulett um den Hals trug. Sondern auch auf jene Magie, die tief in mir steckte, die mir als Soul Huntress mit in die Wiege gelegt worden war. Sie war wie ein warmes Glühen, das sich in meinem Magen sammelte, meine Brust emporwanderte und mein Herz streifte, bevor sie meine Arme hinab bis in meine Fingerspitzen strömte.

Ich hieß ihre Wärme willkommen, die mit der Hitze aus meinem Ring verschmolz, und öffnete die Augen. Magentafarbene Fäden umspielten meine Finger und tanzten zu einem Takt, den nur die Magie selbst vernehmen konnte. Ihre Kraft brachte Licht in die dunkle Kapelle und zeichnete tiefe Schatten in die Höhlen der Schädel, die mir voller Staunen zuzusehen schienen.

Die Härchen in meinem Nacken stellten sich auf. Wie bereits während meiner vorherigen Versuche fühlte ich, wie sich die Luft um mich herum veränderte. Der Schleier zur Geisterwelt lichtete sich. Eine Brise streifte meine Haare, obwohl es in der Kapelle vollkommen windstill war. Die Fäden aus meinen Fingern verwoben sich miteinander, wurden dicker und dichter und wuchsen schließlich zu einem Tor heran. Konnte es dieses Mal wirklich funktionieren?

Mit meiner Magie tastete ich nach der Energie, die von dem Tor ausging. Es war dieselbe Energie, welche auch die Geister umgab und sie in unserer Welt verwurzelte. Nur wir Soul Hunter konnten sie wahrnehmen, denn sie war nicht stark und knisternd, sondern zart und unsichtbar, eine Macht, die nicht für das bloße Auge bestimmt war.

Angespannt hielt ich die Luft an, konzentrierte mich mit all meinem Sein auf meine Magie und drückte gegen das Tor, um es zu öffnen. Erst sanft, dann immer fester. Ich hatte es fast geschafft! Meine Magie leuchtete die Kapelle nun beinahe vollständig aus. Ihr Licht hatte die Schatten in die Ecken gedrängt, und auf einmal erschien mir dieser Ort gar nicht mehr so bedrückend.

Mein Herzschlag beschleunigte sich, als sich ein Riss – nein, eine Öffnung – im Tor bildete, bereit, mich hindurchzulassen.

Der Wind begann kräftiger zu wehen. Knochen schlugen mit einem trockenen Klappern über meinem Kopf gegeneinander, und mein Haar peitschte mir ins Gesicht, doch davon ließ ich mich nicht beirren. Ich drückte weiter gegen das Tor, um es zu öffnen, als mich plötzlich eine Druckwelle von den Füßen riss und gegen die Wand schleuderte. Der Aufprall presste mir die Luft aus der Lunge, und mein Kopf donnerte gegen einen der Schädel, die das Mauerwerk schmückten.

Ächzend rieb ich mir die dumpf pochende Stelle am Hinterkopf. In der Kapelle war es wieder dunkel. Das Tor hatte sich geschlossen.

Fuck! Es hatte wieder nicht geklappt. Allmählich verlor ich den Glauben, dass es überhaupt jemals funktionieren würde. Vielleicht war es mir einfach nicht bestimmt, die Geisterwelt zu betreten – zumindest nicht, solange ich noch am Leben war.

Benommen kämpfte ich mich auf die Beine, um einen zweiten Versuch zu wagen, obwohl ich bereits nach diesem ersten ziemlich ausgelaugt war. Ein großer Einsatz von Magie brachte das mit sich, man fühlte sich danach immer ein wenig verkatert. Aber ich war noch nicht bereit aufzugeben.

Entschlossen hob ich meine Hand, um die Magie erneut zu beschwören, als ich bemerkte, dass mein Ring fehlte. Er musste mir vom Finger gerutscht sein, was nur eines bedeuten konnte: Seine Kraft war aufgebraucht. Denn einmal angelegt, ließen sich die Amulette nicht mehr abnehmen, bis ihre Träger tot oder sie leer waren.

Niedergeschlagen ließ ich meine Hand sinken. Das war’s dann für heute. Eine weitere Nacht ohne Aussicht darauf, in die Geisterwelt zu kommen. Eine weitere Nacht ohne Owen und meinen Dad.

Ein Kloß bildete sich in meinem Hals. Ich schluckte, doch es fiel mir schwer, die aufkommenden Tränen der Enttäuschung herunterzuwürgen, auch wenn noch nichts verloren war, denn die Rauhnächte waren noch nicht vorüber. Doch ich war mir so sicher gewesen, dass es dieses Mal klappen würde. An diesem Ort, an dem der Tod greifbarer wirkte als das Leben. Warum hatte es nicht funktioniert?

Vermutlich weil das Reich der Toten nicht für die Lebenden gemacht ist, hallte eine Stimme in meinem Kopf wider, doch ich wollte ihr kein Gehör schenken. Ich musste Owen und meinen Dad noch ein letztes Mal sehen. Ich vermisste sie so sehr und wusste nicht, wie ich ohne sie weitermachen sollte. Ohne Owens warme Worte und die klugen Ratschläge meines Dads, die mich durch dieses Leben geführt hatten wie ein Licht durch die Dunkelheit.

Mir war bewusst, dass ich sie nicht zurückholen konnte. Niemand konnte das. Der Tod war endgültig, aber ich hoffte, nein, ich vertraute darauf, dass mir ein letztes Wiedersehen Frieden bringen würde. Von meinem Dad hatte ich mich nicht verabschieden können, und Owen … Zwischen all dem Blut und Schmerz seiner letzten Momente waren so viele Worte unausgesprochen geblieben.

Ich kniff die Augen zusammen, aber das vermochte meine Tränen nicht zu stoppen, und meine Enttäuschung wich jener Trauer, die ich seit Wochen verspürte – seit dem Tag des Blutbades – und die jedes andere Gefühl in mir auslöschte. Ich konnte mich nicht einmal mehr daran erinnern, wie es war, etwas anderes zu spüren als diese schmerzhafte Leere, die sich durch meine Gedärme bis in mein Herz fraß und es so schmerzhaft schlagen ließ, dass ich mir beinahe wünschte, es würde einfach damit aufhören.

Schluchzend begann ich, nach meinem Ring zu suchen, um keinen Hinweis auf meinen Einbruch zurückzulassen, als plötzlich ein ohrenbetäubender Knall zu hören war. Gefolgt von einem zweiten und dritten und dann unendlich vielen weiteren. Ich zuckte zusammen. Buntes Licht flackerte über die Wände des Beinhauses. Ein Feuerwerk. Ich hatte es in dieser Einsamkeit, in diesem Vakuum des Todes vollkommen vergessen. Heute war Silvester. Ein neues Jahr hatte begonnen.

Das erste Jahr meines Lebens ohne meinen Dad – und ohne Owen.

»Frohes Neues«, murmelte ich leise und kämpfte gegen meine Tränen an. Das Dröhnen des Feuerwerks verschluckte mein Wimmern.

2. KAPITEL

Wayne

»Fuck!« Der Fluch rutschte mir ungehalten über die Lippen.

Überraschte und teils empörte Blicke wanderten in meine Richtung, offenbar verstand man das Wort auch in Tschechien.

Weitere Flüche unterdrückend bückte ich mich nach der Tasche, die ich eben in der Mitte der Haupthalle des Flughafens hatte fallen lassen, doch mein Körper wollte mir nicht gehorchen. Alles tat weh. Meine Narben spannten von der Kälte, und mein verkrüppeltes Bein, das nach dem langen Flug schmerzte wie seit Tagen nicht mehr, machte es mir praktisch unmöglich, nach der Tasche zu greifen. Denn dafür hätte ich meinen Gehstock loslassen und in die Knie gehen müssen, aber wenn ich das tat, würde ich gleich neben meiner Tasche auf dem Boden liegen.

»Kann ich Ihnen helfen?«, erklang es in gebrochenem Englisch.

Ich sah auf und entdeckte eine Frau, die mindestens doppelt so alt war wie ich und etwas müde und mitgenommen aussah. Vermutlich hatte sie die Nacht durchgefeiert, um das neue Jahr willkommen zu heißen, und deshalb nur wenig bis gar keinen Schlaf bekommen.

Mein erster Impuls war, ihr Angebot abzulehnen. Erstens gefiel es mir nicht, auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein, und zweitens beherbergte meine Tasche wertvolle und zugleich gefährliche Fracht, die ich nur ungern in fremde Hände gab, weshalb ich auf dem Flug von Edinburgh nach Prag auch nur mit Handgepäck gereist war. Doch ohne Hilfe würde ich mich hier vermutlich nur blamieren und wertvolle Zeit verlieren.

»Danke, das wäre nett.«

Mühelos bückte sich die Frau nach dem Gepäckstück. »Soll ich sie für Sie tragen?«

»Nein, das schaff ich allein. Noch mal danke.«

»Gern.« Sie reichte mir die Tasche, die ich mir noch in derselben Bewegung über die Schulter streifen wollte, doch das Gewicht brachte mich aus der Balance. Mein kaputtes Bein knickte unter der plötzlichen Last weg, und ich verlor das Gleichgewicht. Noch im Fall packte die Frau meinen Arm und federte so meinen Sturz ab. Zwar landete ich dennoch auf dem Boden, aber zumindest war ich nicht mit meinem vollen Gewicht aufgeschlagen. Mein Gehstock jedoch knallte mit einem aufsehenerregenden Geräusch auf die Fliesen. Trotz des Lärms der Menschen, der Durchsagen und des dumpfen Grollens der startenden Flugzeuge zog es Aufmerksamkeit auf uns.

Ein Mann mit Rollkoffer, der nur ein paar Schritte entfernt gestanden hatte, kam nun ebenfalls herbeigeeilt. Ungebeten griff er mir unter den Arm. Ich wusste, dass er nur nett sein wollte, dennoch empfand ich es als äußerst unangemessen, dass er mich, ohne zu fragen, anfasste. Gemeinsam mit der Frau half er mir auf die Beine, bevor er sich nach meinem Gehstock bückte und ihn mir reichte.

»Danke.«

»Geht es Ihnen gut?«

Nein.

»Ja, alles bestens«, log ich und lächelte, ein lausiger Versuch, den Schmerz und die Scham, die ich empfand, zu verstecken. Ich wusste, dass ich froh sein konnte, noch am Leben zu sein. Viele meiner Freunde und Kollegen hatten den Tag des Blutbades nicht überlebt, dennoch verabscheute ich diesen Zustand, diese Schwäche, diese Hilflosigkeit. Noch vor ein paar Wochen hatte ich problemlos hundertzwanzig Kilo stemmen können, nun zwang mich eine zehn Kilo schwere Tasche in die Knie.

»Soll ich Ihre Tasche vielleicht doch tragen?«, fragte die Frau erneut.

Dieses Mal nahm ich ihr Angebot an, um die Situation nicht noch unangenehmer zu machen, indem ich ein zweites Mal stolperte.

Der Mann verabschiedete sich, während die Frau meine Tasche an sich nahm. Sie führte mich zum Ausgang, und wir verließen den Flughafen.

Es war bereits spät am Abend. Der Himmel war klar, dennoch waren keine Sterne zu erkennen. Eisiger Wind schlug uns entgegen und stob den feinen Schnee auf, der alles bedeckte – die wartenden Taxis, die Laternen, das Parkhaus, die Straßen und Gehwege.

Die Kälte fuhr mir geradewegs in meine ohnehin schon beißenden Narben. Doch es war nicht das eisige Wetter, das mich erschaudern ließ, es waren die Geister überall um mich herum. Ella hatte all meine Versuche, sie zu kontaktieren, abgewimmelt, doch aus den Erzählungen von Warden und Cain wusste ich, dass Prag ein ziemliches Geisterproblem hatte. Offensichtlich hatte ich das Ausmaß des Problems dennoch unterschätzt. Mit nur einem Blick erfasste ich ein halbes Dutzend Spirits, die sich um den Eingang des Flughafens scharten wie ein gruseliges Empfangskomitee – auf das ich gut hätte verzichten können.

Ich hatte Geister schon immer verabscheut. Nicht nur, dass ihre alleinige Existenz einen permanent an den Tod erinnerte, sie widersprachen auch jeder Logik und jedem Naturgesetz. Sie waren unberechenbar, weshalb ich es in der Vergangenheit oft gemieden hatte, wie Ella oder ihr Vater Louis auf die Geisterjagd zu gehen. Ich war nicht immer drum herumgekommen und hatte aufgrund der Erwartungshaltung aller anderen eine Prüfung zum Soul Hunter abgelegt. Mir war also die Theorie bekannt, aber dank der Flut an Vampiren in Edinburgh hatte ich meine Soul-Hunter-Karriere nicht weiterverfolgen müssen, weshalb mein Wissen über Geister auch nicht mehr das umfangreichste war. Was für mich okay war, denn ich kämpfte lieber gegen ein halbes Dutzend Blutsauger gleichzeitig, als mich mit einer dieser unsichtbaren Gestalten auseinanderzusetzen.

»Sind Sie beruflich oder privat in der Stadt?«, kam es plötzlich von der Frau, die meine Tasche trug.

Aus den Gedanken gerissen, sah ich sie an, und es dauerte eine Sekunde, bis mein Verstand begriff, was sie von mir wissen wollte.

»Beruflich«, erwiderte ich. Zumindest war das der offizielle Grund meiner Reise. Von meinen weiteren – privaten – Absichten wusste niemand etwas, nicht einmal Warden, auch wenn ich vermutete, dass mein bester Freund mir allmählich auf die Schliche kam.

»Was machen Sie?«

»Ich arbeite in der Fitnessbranche.« Die Lüge kam mir leicht über die Lippen, denn es war die Ausrede, die ich seit Jahren benutzte. Und im Grunde war es keine Lüge, denn wenn ich nicht für die Hunter aktiv war, jobbte ich als Trainer in einem Fitnessstudio. Zumindest hatte ich das getan, bevor mir eine Horde Vampire mein Bein zertrümmert und meinen Körper als Boxsack benutzt hatte.

Wir liefen zum Taxistand. Der Weg dorthin kam mir mit meinem schmerzenden Bein wie eine endlos lange Strecke vor, doch irgendwie schaffte ich es. Ein Fahrer stieg aus einem der wartenden Fahrzeuge und nahm der Frau meine Tasche ab, um sie im Kofferraum zu verstauen. Im letzten Moment hielt ich ihn davon ab und bedeutete ihm, die Tasche auf die Rückbank zu legen. Ich wollte sie nicht aus den Augen lassen.

»Danke für Ihre Hilfe«, sagte ich an die Frau gewandt.

»Gern, und willkommen in Prag.«

Ich wünschte ihr noch einen schönen Abend, bevor ich hinten in das Taxi stieg und dem Fahrer die Adresse des Quartiers nannte.

Er runzelte verwundert die Stirn, fragte aber nicht weiter nach und ließ den Motor aufheulen.

Ich wartete kurz, bevor ich meine Tasche an mich zog, um nachzusehen, ob meine wertvolle Fracht unversehrt war. Gepolstert zwischen meinen Shirts, Boxershorts und Hosen lagen mehrere magische Amulette. Ich hatte zwei Amulette für Roxy dabei, einen Ring der Stufe 4 für Ella und weitere Amulette der verschiedensten Formen und Stärken für die anderen Hunter im Prager Quartier. Sie alle schienen vom Sturz auf den Boden unversehrt geblieben zu sein.

Ich atmete erleichtert aus, zog den Reißverschluss meiner Tasche zu und holte mein Handy aus dem Flugzeugmodus. Wie immer in den letzten Wochen, wenn ich auf mein Handy sah, hoffte ich, eine Nachricht von Ella vorzufinden, aber auch dieses Mal wurde ich enttäuscht. Natürlich hatte sie genauso wenig auf meine Nachricht reagiert, die ich ihr kurz vor meinem Abflug geschickt hatte. Manchmal fragte ich mich, ob sie mich möglicherweise blockiert hatte und von all meinen Bemühungen, mit ihr zu reden, überhaupt nichts mehr mitbekam.

Nach gut einer halben Stunde Fahrt hielt das Taxi vor etwas, das stark nach einem verlassenen Bahnhof aussah. Nun verstand ich auch das Stirnrunzeln des Fahrers. Das Gebäude, vor dem wir standen, war eine Bruchbude. Es war heruntergekommen und erweckte den Eindruck, jede Sekunde in sich zusammenstürzen zu können. Die Fassade war mit Graffiti übersät, die Fenster waren mit Brettern verbarrikadiert, und einige Ziegel saßen so schief, dass man meinte, der nächste Windstoß könnte sie vom Dach holen. Hätte ich es nicht besser gewusst, hätte ich vermutet, die falsche Adresse zu haben.

Ich bezahlte den Fahrer, warf mir meine Tasche über die Schulter und stieg mit vorsichtigen, bedachten Bewegungen aus dem Wagen, die mir dennoch einen reißenden Schmerz durch den Körper jagten. Im Laufe der Fahrt hatte ich immer wieder Geister entdeckt – ziemlich viele sogar –, doch in unmittelbarer Nähe des Quartiers waren keine verlorenen Seelen mehr zu sehen. Ella hatte offenbar aufgeräumt.

Auf meinen Gehstock gestützt, humpelte ich auf den Eingang des Bahnhofs zu. Farbe blätterte von der Tür ab, die aussah, als wäre sie nachträglich eingesetzt worden, ebenso wie die Klingel. Ich betätigte sie und lauschte auf Geräusche im Inneren, aber es war nichts zu hören. Ich klopfte, wartete und drückte ungeduldig erneut den Summer, als die Tür plötzlich geöffnet wurde und ich mich einer geradezu feenhaften Gestalt gegenübersah, mit einer Aura, die einem Dschungel ähnelte: Grün in allen Facetten, gebrochen von Elementen in Rot, Gelb und Orange, welche das Grün wie Blüten durchzogen. Es hätte das Tattoo an ihrem Hals nicht gebraucht, um mich wissen zu lassen, dass sie eine Magic Huntress war. Ihr Aussehen verriet es mir. Sie hatte grüne Augen und zarte Gesichtszüge, wie dazu geschaffen, die Kreaturen zu bezirzen, die sie vernichtete.

»Hey, nicht so ungeduldig.«

»Tut mir leid, ich … Mir ist nur kalt.«

Die Huntress verschränkte die Arme vor der Brust. »Und wer bist du?«

»Wayne McKinley. WM280 312EDI«, nannte ich ihr meine Kennung. Auf ihren abwartenden Blick hin fügte ich hinzu: »Ich würde dir ja mein Tattoo zeigen, aber dafür müsste ich meine Jacke ausziehen, und das wird nicht passieren. Es sei denn, du willst mir beim Ausziehen helfen.«

Sie musterte mich von Kopf bis Fuß, wobei ihr Blick zuerst an meinem Gehstock und schließlich an meinen weißgrauen Augen hängen blieben, die mich unverkennbar als Soul Hunter identifizierten. »Du solltest solche Angebote nur machen, wenn du sie auch ernst meinst. Ich bin Birdie.«

Ich rang mir ein Lächeln ab. »Freut mich, dich kennenzulernen, Birdie.«

»Komm rein.« Sie machte einen Schritt beiseite und winkte mich ins Innere.

Hinter der Tür lag eine Eingangshalle, die nicht weniger baufällig wirkte als die Außenfassade des Bahnhofs. Putz blätterte von den Wänden, die Fliesen auf dem Boden waren an mehreren Stellen gesprungen, und der Wind presste sich pfeifend durch die Ritzen im Mauerwerk und den verbarrikadierten Fenstern.

Birdie verriegelte die Tür hinter uns. »Was verschlägt dich nach Prag?«

»Eine Amulettlieferung.« Ich hob die Tasche in meiner Hand leicht an.

Birdies Brauen schossen in die Höhe. »Ein Soul Hunter als Kurier? Gibt es in Edinburgh zu viele von euch? Das ist, als würde man Viktor Sheen dafür bezahlen, Kuchen zu backen. Eine absolute Verschwendung.«

Ich hatte keine Ahnung, wer Viktor Sheen war, also überging ich die Bemerkung und antwortete stattdessen auf ihre Frage. »Nein, es gibt nur noch Ella und mich.«

»Und trotzdem seid ihr jetzt beide hier?«

»Ja, und wie es scheint, könnt ihr uns gut gebrauchen.«

»Du hast unser Geisterproblem also schon bemerkt?«

Ich schnaubte. »Ja, ist nicht gerade zu übersehen.«

»Du willst sicher zu Roxy und Shaw.«

Ich nickte, auch wenn es eigentlich eine andere Person war, die ich sehen wollte. Aber zuerst musste ich meine Pflicht erfüllen und die Amulette sicher abliefern.

Birdie führte mich aus der Halle einen Gang entlang, von dem mehrere Trainingsräume, eine Waffenkammer und weitere, teils leere Zimmer abzweigten. Trotz der späten Uhrzeit hörte ich die Stimmen anderer Hunter und bekam aus dem Augenwinkel auch zwei von ihnen zu Gesicht. Doch insgesamt wirkte das Quartier ziemlich leer und verlassen.

»Ist die Verletzung vom Tag des Blutbades?«, fragte Birdie, die ihr Tempo meinem angepasst hatte.

»Ja.«

»Shit, das tut mir leid. Roxy und Shaw haben mir davon erzählt, muss krass gewesen sein.«

»Krass trifft es nicht einmal im Ansatz.«

Entschuldigend sah Birdie mich an. Sie schien außerdem zu spüren, dass ich nicht darüber reden wollte, und wechselte, ohne zu zögern, das Thema. In einem übersprudelnden Redeschwall erzählte sie mir alles, was es über das Quartier zu wissen gab, wobei nicht sehr viel davon bei mir hängen blieb, außer dass sie offenbar besonders stolz auf ihre Waffenkammer waren.

»Konstantin Krall ist der Leiter des Quartiers. Er ist gerade unterwegs, aber du wirst ihn sicherlich bald kennenlernen. Die Frau, die uns aus dem Trainingsraum heraus so giftig angeschaut hat, das war Pandora, die Herrin über alles, was Schmerzen bereitet und scharfe Klingen hat«, sagte Birdie, als wir eine Treppe erreichten.

Ich blieb stehen. »Gibt es keinen Aufzug?«

Birdies Blick zuckte kurz zu meinem Gehstock. »Doch, theoretisch, aber praktisch ist der leider kaputt. Brauchst du Hilfe?«

»Nein, es geht schon«, sagte ich und hoffte, dass ich damit recht behielt.

Ich schob mir die Tasche noch etwas höher auf die Schulter, nahm meinen Gehstock in die linke Hand und klammerte mich mit der rechten am Geländer fest. Schritt für Schritt kämpfte ich mich unter Birdies Blick die Stufen empor – und hasste es. Ich wusste, ich sollte dankbar sein. Wäre ich kein Blood Hunter, hätte ich meine Verletzungen vermutlich nicht überlebt oder würde wie Holden Iwanow nun im Rollstuhl sitzen. Doch ich hatte es nicht in mir, Dankbarkeit zu verspüren. Ich wollte nur, dass alles so wurde wie früher, aber dafür gab es keine Gewissheit. Kein Arzt, nicht einmal Ingrid Abrahamsson, die zu den Besten in ihrem Feld gehörte, hatte mir sagen können, wie es für mich weiterging. Mehrere Knochen in meinem Bein waren gebrochen, Nerven, Sehnen und Bänder gerissen oder anderweitig verletzt worden. Und durch den starken Blutverlust war mein Körper zu schwach gewesen, sich unmittelbar zu heilen; es waren die Folgeschäden, die mir nun Schwierigkeiten bereiteten. Dr. Abrahamsson war sich auch nicht sicher, inwieweit meine Soul-Hunter-Gene möglicherweise meine Blood-Hunter-Fähigkeiten, schneller zu heilen, beeinflussten. Bisher hatte ich damit keine Probleme gehabt, aber bisher war ich auch noch nie so schwer verletzt worden, weshalb mir nichts anderes übrig blieb, als abzuwarten. Vielleicht würde sich mein Körper vollständig von den Strapazen des Kampfes erholen – vielleicht auch nicht. Dann würde ich meine frühere Beweglichkeit nie wieder zurückbekommen … und diese Vorstellung machte mir mehr Angst als alles andere.

Geduldig wartete Birdie auf mich.

»Falls es dir ein Trost ist«, sagte sie, als ich die letzte Stufe erreicht hatte. »Du wirst die Treppe nicht sehr oft nehmen müssen. Alles, was du brauchst, ist unten, hier oben sind nur die Schlafräume. Vielleicht können wir auch eines der unteren Zimmer für dich umräumen. Platz ist genug, von den örtlichen Huntern schläft keiner hier.«

»Schon in Ordnung«, wiegelte ich ab und sah mich in der oberen Etage des Quartiers um, die nicht weniger schäbig war als das Erdgeschoss. Auch hier blätterte die Farbe von den Wänden, und der Boden knarzte unter meinen Schritten, bis Birdie schließlich vor einer Tür stehen blieb und anklopfte.

»Ja?«, rief Roxy durch die verschlossene Tür.

»Ich bin es, Birdie. Und ich hab Besuch dabei.«

»Besuch?«

Birdie schob die Tür zu Roxys Zimmer auf. Sie hatte in ihrem Bett gelegen und war gerade dabei, sich aufzurichten. Ihre Bewegungen waren schmerzhaft langsam, ein Umstand, den ich sehr gut nachempfinden konnte.

Ich lächelte schwach. »Hey.«

Roxys hellbraune Augen wurden groß, als sie mich entdeckte. Ihre Haut war blass und ihr Blick trüb. Offenkundig hatte Warden nicht gelogen, als er gesagt hatte, sie hätte einen harten Kampf hinter sich. »Wayne? Was machst du hier?«

Ich trat ein. »Ich bringe dir deine neuen Amulette.«

»Warum?«

»Warum nicht? Im Moment gibt es nicht viel, was ich machen kann, und auf diese Weise bin ich zumindest für irgendjemanden nützlich.« Die Worte aus meinem Mund klangen bitterer als beabsichtigt.

Roxy lächelte. »Danke, ich weiß das zu schätzen.«

»Hey, was ist denn hier los?«, erklang plötzlich eine Stimme hinter mir. Ich blickte auf und entdeckte Shaw, der auf uns zugelaufen kam. Er trug eine einfache Jogginghose und ein schlichtes graues Shirt. Sein Haar war feucht, als käme er grade aus der Dusche. »Feiert ihr ohne mich eine Party?«

»Wayne ist extra hergeflogen, um mir die Amulette vorbeizubringen«, antwortete Roxy.

Shaw klopfte mir zur Begrüßung auf die Schulter. Anders als Roxy wirkte er nicht überrascht, mich zu sehen. Es war, als könnte diesen Typen nichts aus der Fassung bringen … abgesehen von Vampiren.

»Hey, Mann, wie geht es dir?«

»Beschissen.«

»Ist das Bein immer noch nicht besser?«

»Es war besser, aber der Flug hat mich gekillt.«

»Brauchst du Medikamente?«, mischte sich Birdie wieder in die Unterhaltung ein.

Ich schüttelte den Kopf. Ingrid hatte mir einen dreiwöchigen Tablettenvorrat mitgegeben, mit dem ich vermutlich zwei Monate über die Runden kommen würde, denn wenn irgendwie möglich, versuchte ich es zu vermeiden, Chemie in meinen Körper zu geben. Irgendwie hielt ich die Schmerzen schon aus. »Aber ein Zimmer und etwas zu essen wäre nett.«

Birdie nickte. »Ich kümmere mich darum.« Die Magic Huntress zog davon und ließ mich mit Shaw und Roxy allein.

Ich reichte Shaw meine Tasche. Er verstand sofort, nahm sie an sich und ging in die Hocke, um die Amulette, die sich zwischen meiner Kleidung versteckten, herauszufischen. »Lass die schwarze Schatulle mit dem Ring der Stufe 4 drin.«

»Ein Geschenk für Ella?«, fragte er mit einem Schmunzeln.

»Vielleicht«, antwortete ich ausweichend. »Aber angenommen, es wäre ein Geschenk … Wo finde ich sie?«

Roxy wies zur Tür. »In ihrem Zimmer.«

»Und wo ist ihr Zimmer?«

»Den Flur entlang links«, antwortete Shaw und reichte Roxy ihre Amulette.

»Danke«, sagte ich, bemüht, den Sturm an Gefühlen, der in meinem Inneren tobte, nicht nach außen dringen zu lassen – auch wenn Ella das Einzige war, an das ich denken konnte, seit ich in Edinburgh in den Flieger gestiegen war. Ich hoffte inständig, dass sie mit mir reden würde, obwohl sie seit dem Tag des Blutbades kein Wort mehr mit mir gesprochen und mich auch keines Blickes gewürdigt hatte. Dennoch war ich jetzt hier. Ihretwegen. Weil ich ein verdammter Idiot war.

3. KAPITEL

Ella

10 Monate zuvor

»Happy Birthday, to me«, murmelte ich und pustete die einsame Kerze auf der Torte aus, die vor mir auf dem Tisch stand.

Ich hockte in der Cafeteria des Quartiers, in der sich außer mir nur eine Handvoll andere Hunter aufhielten, die mich allerdings nicht beachteten. Es war Wochenende, und all jene, die nicht auf der Jagd waren, machten vermutlich das Edinburgher Nachtleben unsicher auf der Suche nach Ablenkung und Vergnügen oder arbeiteten, wie Cains Dad, der als Türsteher vor einem der angesagtesten Clubs der Stadt stand. Einem Club, den Cain, Jules, Owen und ich später eigentlich auch noch besuchen wollten, nachdem wir Kuchen gegessen hatten und ich meine Geschenke ausgepackt hatte. Aber mich beschlich allmählich das dumpfe Gefühl, dass daraus nichts werden würde. Ich versuchte, darüber keine Enttäuschung zu verspüren, doch ich hatte mich zu sehr auf diesen Abend gefreut, um nicht geknickt zu sein.

In den letzten Monaten passierte es zunehmend seltener, dass wir vier zusammenkamen, dafür hatten wir alle zu viele Verpflichtungen. Wenn Owen und ich auf der Jagd nach Geistern nicht durch Europa reisten, jobbte ich im Café, und auch Owen ging seiner Arbeit als Kurier nach. Jules steckte all seine Zeit neben der Jagd in sein Studium als Innenarchitekt, und Cain übernahm jede Aufgabe, die sie im Quartier bekommen konnte, um ihrem Ziel, eines Tages Quartiersleiterin zu werden, näherzukommen. Da blieb nicht viel Zeit für gemeinsame Unternehmungen – und das schloss offenbar Geburtstage mit ein.

Seufzend griff ich nach einer der vier Gabeln, die ich für mich und meine Freunde bereitgelegt hatte, und versenkte sie in der Torte, ohne mir ein Stück abzuschneiden. Das war wohl der einzige Vorteil daran, an meinem Geburtstag allein zu sein – mehr Kuchen für mich. Ich schob mir einen großen Bissen in den Mund und seufzte zufrieden. Zumindest war die Torte gut, eine weitere Enttäuschung hätte ich wahrscheinlich nicht ertragen.

»Hey.«

Überrascht blickte ich auf, und für den Bruchteil einer Sekunde keimte Hoffnung in mir auf, dass meine Freunde zurück waren. Aber es war nicht Owen mit den anderen, sondern Wayne McKinley, der auf einmal vor mir stand.

»Hey«, erwiderte ich verwundert.

Er deutete auf den Stuhl neben mir. »Ist hier noch frei?«

»Klar.«

Wayne setzte sich.

Ich hatte keine Ahnung, was er von mir wollte, zumal er ganz offensichtlich für die Jagd gekleidet war. Er trug ein schwarzes Shirt, unter dem seine Huntertattoos an beiden Oberarmen hervorblitzten. Rechts saß das Symbol der Blood Hunter und links das der Soul Hunter, jeweils mit der Kennung seiner Prüfung. Wayne war selbst unter den Jägern etwas Besonders. Er war mit zwei Hunter-Genen auf die Welt gekommen und besaß nicht nur eine schnellere Wundheilung und die Gabe, Vampire zu riechen wie ein Blood Hunter, sondern verfügte auch über den Seelenblick und war in der Lage, Geister zu sehen wie ein Soul Hunter.

»Darf ich?« Sein Blick zuckte zu den unbenutzten Gabeln und Tellern meiner Freunde.

»Klar«, antwortete ich, obwohl ich nicht genau wusste, was das hier sollte. Wayne und ich kannten einander nur flüchtig von offiziellen Versammlungen und Treffen. Er war als Blood Hunter sehr eingespannt, und auch in seiner Funktion als rechte Hand unseres Quartiersleiters hatten wir so gut wie nie miteinander zu tun, da alles, was die Soul Hunter und damit auch mich betraf, über meinen Dad lief.

Er griff sich eine der Gabeln, versenkte sie in meiner Torte und nahm einen Bissen, der noch größer war als meiner zuvor. Sahne blieb an seinem Mundwinkel hängen, die er mit der Zunge einfing. Verdattert beobachtete ich ihn dabei, wie er einen zweiten Bissen nahm. Was passierte hier?

»Ich wusste nicht, dass du Kuchen isst.«

Er stach ein weiteres Mal in die Torte. »Was sollte ich sonst mit Kuchen tun? Ihn rauchen?«

»Keine Ahnung, aber … da ist Zucker drin.«

»Und?«

»Du warst derjenige, der den Süßigkeitenautomaten aus dem Quartier verbannt hat.«

»Ja, er hat unnötige Kosten verursacht.«

»Aber er hat die Menschen glücklich gemacht.«

»Bist du denn unglücklich?«, fragte Wayne.

»Nein … doch, aber nicht wegen des Süßigkeitenautomaten«, antwortete ich, überrascht von meiner eigenen Ehrlichkeit. Jedem anderen Hunter hätte ich vermutlich eine Lüge aufgetischt. »Ich habe heute Geburtstag und wollte eigentlich mit meinen Freunden feiern.«

Ich hatte mich auf einen entspannten Abend mit Geschenken und Kuchen gefreut, gefolgt von bunten Cocktails, lauter Musik und der festen Absicht, mit jemandem zu tanzen, bis mir die Füße wehtaten. Und vielleicht, ganz vielleicht hätte ich es mir erlaubt, an diesem Abend nicht allein nach Hause zu gehen.

Wayne legte seine Gabel beiseite und schenkte mir seine volle Aufmerksamkeit. »Und wo sind sie?«

»Auf der Jagd. Cain und Jules waren eigentlich schon zurück von ihrer Patrouille, als sie zu einem Notfalleinsatz gerufen wurden. Owen ist mit ihnen gegangen, damit sie schneller fertig sind, aber inzwischen sind sie schon seit zwei Stunden weg, und ich …« Ich unterbrach mich, als mir bewusst wurde, wie egoistisch das klang. Die drei waren dort draußen, um Leben zu retten, indem sie ihr eigenes riskierten. »Egal, vergiss es.«

Wayne neigte den Kopf und sah mich nachdenklich an. Als Teenager wäre ich unter seiner Musterung vermutlich rot angelaufen, denn früher war ich unglaublich in ihn verknallt gewesen. Er war der coole, ältere Junge mit dem unverschämt guten Aussehen gewesen. Zugegeben, er sah noch immer unverschämt gut aus mit dem dichten schwarzen Haar, dem Dreitagebart, der sich über seinen markanten Kiefer zog, und den blassen Soul-Hunter-Augen, die einen starken Kontrast zu seiner warmbraunen Haut bildeten. Und in schwachen Momenten, wie zum Beispiel wenn er im Trainingsraum sein Shirt auszog, erwischte ich mich noch heute dabei, wie mein Blick auf Wanderschaft ging … Aber das würde ich natürlich niemals zugeben, nicht einmal meiner besten Freundin gegenüber.

»Was habt ihr für heute Abend geplant?«

»Wir wollten in den Club gehen, für den Andrew arbeitet.«

Wayne gab einen brummenden Laut von sich, den ich nicht ganz deuten konnte, und eine kleine Falte bildete sich zwischen seinen Brauen, kurz bevor er wieder zu mir aufsah. »Was hältst du davon, wenn ich mit dir in den Club gehe?«

Die Frage traf mich aus heiterem Himmel. »Was?«

Waynes Mundwinkel zuckten. »Ich habe gefragt, ob du mit mir in den Club gehen möchtest.«

»Oh. Ich … Ich weiß nicht. Was ist mit den anderen?«

»Die können nachkommen, sobald sie fertig sind«, erwiderte Wayne. »Es sei denn, du willst nicht mit mir allein losziehen. Das wäre auch okay, du musst es nur sagen.«

Ich zögerte. Nicht weil ich nicht gern Zeit mit Wayne verbringen wollte, sondern weil sein Vorschlag mich völlig überrumpelte. Niemals hätte ich damit gerechnet, dass dieser Abend eine solche Wendung nahm, und es dauerte einen Moment, bis ich in der Lage war, mich auf Waynes Einladung einzulassen. »Doch, ich will, aber bitte fühl dich nicht verpflichtet.«

»Das tue ich nicht. Ich möchte mit dir ausgehen.«

Erneut trafen mich seine Worte – genauer gesagt seine Wortwahl – völlig unvorbereitet. Meinte er das, was er sagte, so wie ich es verstand? Oder interpretierte ich etwas in seinen Satz hinein, das überhaupt nicht da war?

Ich wusste es nicht, aber ich war es leid, hier allein rumzusitzen. Ich würde Owen eine Nachricht schreiben, dass Cain, Jules und er in den Club nachkommen sollten, sobald sie fertig waren. »Einverstanden, dann lass uns gehen.«

Der Bass dröhnte heftig in meinen Ohren. Die Musik, die wummernd aus den Lautsprechern schallte, brachte meinen Körper zum Pulsieren.

Der Club war an diesem Abend gerammelt voll. Vor der Tür hatte sich eine lange Schlange mit Leuten gebildet, die auf Einlass warteten, aber Wayne und ich hatten sie dank Andrew umgehen können. Bunte Lichter zuckten im Takt der Beats und brachen sich in dem künstlichen Rauch, der aus den Nebelmaschinen geblasen wurde. Obwohl ich noch keinen Tropfen Alkohol getrunken hatte, fühlte ich mich jetzt schon berauscht.

Der Club lag außerhalb des Stadtzentrums in einer alten sanierten Villa und verteilte sich auf zwei Ebenen. Im unteren Bereich gab es eine großzügige Tanzfläche, die bis auf den letzten Zentimeter genutzt wurde. Tanzende, schwitzende Körper rieben sich im Takt der Musik aneinander. Trotz all dieser Menschen war die Bar nicht zu übersehen; sie war mit einer imposanten Mosaik-Spiegelwand versehen, welche das Geschehen im Club und die Lichter reflektierte und um ein Tausendfaches brach. Leuchtende Schilder wiesen den Weg zu den Toiletten, und eine Wendeltreppe führte auf die zweite Ebene, die eine Art Galerie war. Wenn ich mit den anderen hier war, suchten wir uns meist dort einen Tisch, denn oben gab es auch noch eine zweite, kleinere Bar.

Ich zog mein Handy aus der Tasche, um nachzusehen, ob Owen mir zurückgeschrieben hatte, aber dem war nicht so. Ich fand es schade, dass Cain, Jules und er nicht bei mir waren, ich hätte meinen Geburtstag gern mit ihnen gefeiert. Aber ich war noch nicht bereit, die Hoffnung aufzugeben. Die Nacht war noch jung und ihre Jagd hoffentlich bald vorbei. Und zumindest war ich nicht allein. Wayne war bei mir, und ich würde diesen Abend in vollen Zügen genießen.

Ich bedeutete Wayne, mir zu folgen, und gemeinsam wühlten wir uns durch das Gedränge bis zur Bar. Sämtliche Hocker davor waren besetzt, aber wir hatten Glück. Ein Pärchen, das am Tresen gelehnt hatte, machte sich in diesem Moment auf den Weg zur Tanzfläche. Eilig besetzten wir die Plätze, und ich winkte Cole, den Barkeeper, zu uns heran. Er hatte kurzes blondes Haar und trug ein schwarzes Shirt mit dem Logo des Clubs auf der linken Brust.

»Hey, Rosie! Alles Gute zum Geburtstag«, begrüßte er mich mit einem breiten Grinsen und beugte sich über die Theke, um mich zu umarmen. »Wo hast du die anderen gelassen?«

»Die müssen leider arbeiten. Cole, das ist Wayne.«

Coles Blick zuckte zu Wayne. Seine Augen wurden schmaler, und ein dunkler Schatten huschte über sein Gesicht, doch er verschwand so schnell wieder, wie er gekommen war. Cole und ich hatten letzten Sommer eine Weile was am Laufen, und vielleicht hätte sogar etwas daraus werden können, hätte ich ihn nicht ständig wegen meiner Hunter-Tätigkeit belügen müssen. »Was darf ich euch bringen?«

»Zwei Wasser und was immer du empfehlen kannst.«

»Kommt sofort, Rosie!« Cole schnappte sich zwei Becher von unter der Theke, füllte sie mit Wasser und schob sie über die Theke zu uns, bevor er sich daranmachte, das Special zusammenzustellen.

»Warum nennt er dich Rosie?«, fragte Wayne und wurde von zwei Typen, die versuchten, sich mit an die Bar zu quetschen, in meine Richtung gedrängt.

Seine Brust streifte meinen Arm. Es war nur eine versehentliche Berührung, dennoch löste sie ein unerwartetes Kribbeln in mir aus, das ich beschloss zu ignorieren. Gewiss lag es nicht an Wayne, sondern nur an diesem Ort, der vor sexueller Energie förmlich knisterte. Und dass ich seit Cole mit niemandem mehr geschlafen hatte, trug sicherlich auch seinen Teil dazu bei. Es war schwer, Leute kennenzulernen, wenn man die ganze Zeit unterwegs war und sich während der Reisen ein Zimmer mit seinem Kampfpartner teilte.

»Wegen Rosie Huntington-Whiteley.«

»Wer ist das?«

»Ein Model. Cole meinte bei unserem ersten Treffen, ich würde ihr ähnlich sehen.«

»Verstehe«, brummte Wayne. »Bist du oft hier?«

»Was heißt oft? Vielleicht einmal alle zwei Monate«, antwortete ich und nippte an meinem Wasser. Obwohl wir bisher nur herumgestanden hatten, lief mir bereits der Schweiß den Rücken hinab. Die flackernden Lichter über unseren Köpfen wechselten von Rot- zu Blautönen und passten sich den harten Beats des neuen Songs an, der zu spielen begann. »Warst du schon mal hier?«

»Ja, einmal mit Warden zur Queer Night.«

Ich hob die Brauen. »Bist du –«

»Nein«, unterbrach mich Wayne und schüttelte sogleich den Kopf. »Aber Warden wollte nicht allein gehen, und um ehrlich zu sein, war es ganz nett. Ich habe noch nie in meinem Leben so viele Komplimente und Telefonnummern bekommen wie an diesem Abend.«

»Das wundert mich nicht.«

»Ach nein?«

»Du weißt genau, wie gut du aussiehst.«

Waynes Mundwinkel zuckten verwegen. »Ich würde es aber gern von dir hören.«

Ich erlaubte mir, Wayne im schummrigen Licht des Clubs zu betrachten. Er hatte sich für unseren Besuch hier umgezogen. Nun trug er dunkle Jeans mit Löchern an den Knien und ein schwarzes Hemd, das sich perfekt an seine breiten Schultern schmiegte und zeigte, dass all die Stunden in den Trainingsräumen keine verschwendete Zeit waren. Um seinen Hals baumelte ein Amulett der Stufe 1, an seinen Fingern steckten silberne Ringe. »Du siehst gut aus.«

Aus dem verwegenen Schmunzeln wurde ein Lächeln. Er hatte ein schönes Lächeln, das man meines Erachtens jedoch viel zu selten zu sehen bekam. Er schien immer so ernst und nachdenklich, aber davon war in diesem Moment nichts zu spüren. »Danke, du siehst auch toll aus.«

Ich verdrehte die Augen. »Spar dir deine Mitleidskomplimente.«

»Das war bestimmt kein Mitleidskompliment.«

Wayne neigte den Kopf und betrachtete mich eingehend auf dieselbe Art und Weise wie ich ihn vor ein paar Sekunden.

Auch ich hatte mich umgezogen. Meine Hose und Sneaker waren einem eng anliegenden dunkelblauen Kleid und High Heels gewichen, die mich beinahe mit ihm auf Augenhöhe brachten.

Leute außerhalb des Quartiers sagten mir oft, wie ungewöhnlich meine Augen waren, und scherzten darüber, dass die graue, beinahe weiße Farbe meiner Iriden in ihnen das Gefühl weckte, ich könnte bis auf den Grund ihrer Seele blicken. Sie hatten ja keine Ahnung, wie recht sie damit hatten. Und genauso fühlte ich mich unter Waynes Musterung. Doch anders als all die Scherzkekse, die ich im Café kennenlernte, in dem ich arbeitete, wusste ich, dass Wayne wahrhaftig meine Seele sehen konnte. Jenen Teil von mir, der meine menschliche Hülle überdauern würde. Und ich sah die seine.

Keine Seele war identisch mit einer anderen und keine war einfarbig. Sie waren alle ein Spektrum an Farben, wie ein Lichtstrahl, der durch ein Kaleidoskop gebrochen wird. Waynes Seele war von einem tiefen Blau, eine warme, wohlige Farbe, die Ruhe und Gelassenheit ausstrahlte. Doch sie war durchsetzt von Punkten aus hellem Grün, leuchtendem Rot und Orange und zahlreichen anderen Farben, bunt und vielfältig wie die Lichter, die über unseren Köpfen zuckten.

»Du hast mich bisher nie eines Blickes gewürdigt.«

»Bist du dir sicher?«

Nein.

»Ziemlich.«

»Tja, du irrst dich«, sagte Wayne und beugte sich zu mir, als wollte er sicherstellen, dass seine nächsten Worte nicht von der Musik verschluckt wurden. »Nur weil ich dich nicht so offensichtlich anstarre wie Cole, heißt das nicht, dass ich blind bin.«

Ich wollte ihn fragen, was genau das zu bedeuten hatte, aber in diesem Moment kam Cole mit einem Tablett zu uns, auf dem mehrere Shot-Gläser und zwei Cocktails standen.

»Das Geburtstags-Special für das Geburtstagskind!«, verkündete er.

Wayne bedankte sich und schob Cole einige Scheine über die Theke zu, bevor er nach zwei Shot-Gläsern griff. Er reichte mir eines davon. »Alles Gute zum Geburtstag, Ella. Auf dich!« Er stieß mit seinem Glas gegen meines, ehe wir uns gleichzeitig die brennende Flüssigkeit in die Kehle kippten.

Ich gab ein Keuchen von mir und hatte das Gefühl, dabei Feuer zu spucken, und auch Wayne hatte das Gesicht zu einer Grimasse verzogen.

Wir starrten einander an, dann begannen wir zu lachen.

»Das war wirklich widerlich«, sagte Wayne, was ihn allerdings nicht davon abhielt, das nächste Glas zu nehmen, in dem sich eine grüne Flüssigkeit befand, die ziemlich giftig aussah.

»Aber es macht locker.« Ich stieß mit meinem Shot gegen seinen, ehe ich ihn ebenfalls runterkippte.

Ein warmes, prickelndes Gefühl füllte meine Magengrube und strahlte in meinen ganzen Körper aus. Ich legte es nicht darauf an, an diesem Abend betrunken zu sein, aber ich wollte meinen Spaß haben und ausnahmsweise einmal die Auren und Geister um mich herum vergessen. Obwohl sie ein fester Bestandteil meines Lebens waren, fiel es mir schwer, ihnen nicht ständig meine Aufmerksamkeit zu schenken. Selbst jetzt zog es einen Teil von mir zu dem Mann, der ganz für sich am Rande der Tanzfläche tanzte und für die anderen Gäste unsichtbar war. Doch diesen einen Abend wollte ich nur für mich haben.

Ich griff nach dem dritten und letzten Shot und stürzte ihn ebenfalls meine Kehle hinab, ehe ich mir das größere Cocktailglas nahm. Darin befand sich eine orangerote Flüssigkeit, und am Rand steckte eine Erdbeere, die ich sofort naschte.

Wayne zog die Frucht von seinem Glas und steckte sie an meines.

»Owen und du, ihr wart kürzlich in London, oder?«, fragte Wayne und trank von seinem Cocktail.

»Ja, für zwei Wochen.«

»War viel zu tun?«

Ich zuckte mit den Schultern, denn eigentlich wollte ich jetzt nicht über die Arbeit reden. »Es gibt in London einige Hunter mit hohen Amulettstufen, daher waren es vor allem Geister der Phase 1 und 2, um die wir uns gekümmert haben.«

»Hast du Finn getroffen?«

»Leider nicht, er war mit seiner neuen Kampfpartnerin Roxy auf irgendeiner geheimen Mission, aber zwei andere Hunter, Ripley und Dinah, waren so nett, uns die Stadt zu zeigen. Es war cool, wir waren mit ihnen auch in einer Bar, die The Bloody Vampire heißt. Sie gehört einer der dortigen Blood Huntresses, Nala. Vielleicht kennst du sie?«

»Nein, ich war leider noch nie in London. Ich wollte schon immer mal für ein langes Wochenende runterfahren, aber bisher hat es sich irgendwie nicht ergeben.«

Ich zog die zweite Erdbeere vom Rand meines Glases. »Schade, es ist wirklich eine schöne Stadt. Vielleicht solltest du den nächsten Soul-Hunter-Auftrag dort übernehmen.«

»Mal sehen«, antwortete Wayne ausweichend.

Ich wusste, dass er sich trotz der Gabe des Seelenblicks auf die Jagd nach Vampiren spezialisiert hatte. Was zwar keine naheliegende, aber eine verständliche Entscheidung war, schließlich wimmelte es in Edinburgh nur so von Vampiren.

Ich kostete von meinem Cocktail. Er schmeckte herrlich. Wunderbar süß, mit einer leicht scharfen Note im Abgang, die einen daran erinnerte, dass man nicht nur Saft trank. »Was machst du in deiner Freizeit, wenn du nicht gerade auf der Jagd bist?«

»Dann trainiere ich meistens.«

»Und wenn du nicht trainierst?«

Wayne zögerte. »Dann … ich weiß nicht … schlafe, koche oder esse ich. Nicht sehr aufregend.«

»Abgesehen von den Reisen ist mein Leben auch nicht sehr spannend«, gestand ich. Es war wohl ein Naturgesetz, dass das Leben eines Hunters von den Kreaturen der Nacht bestimmt war. Es war mir ein Rätsel, wie es anderen Jägerinnen und Jägern gelang, nebenbei noch eine Familie zu gründen, wie beispielsweise Waynes Kampfpartnerin Eva. Sie war mit einem Polizisten verheiratet und kürzlich in Mutterschutz gegangen, der bei uns Huntern bereits mit Beginn der Schwangerschaft startete, da der Beruf einfach zu gefährlich war, um ihn mit einem ungeborenen Kind zu bestreiten.

»Wie geht es eigentlich Eva?« Ich kannte sie nur flüchtig, und alles, was ich über sie wusste, hatte ich von Cain. Wayne und Eva waren Wardens und ihre Mentoren gewesen, als die beiden ihre Hunterprüfung abgelegt hatten. Ich hingegen war von meinem Dad geprüft worden – was leider nicht hieß, dass es für mich leichter gewesen wäre. Eher im Gegenteil.

»Ganz gut, sie und ihr Mann sind auf der Suche nach einem Haus. Der Markt ist wohl ziemlich umkämpft, selbst wenn man einen guten Job hat wie Theo. Aber sie meinte, das wird schon werden.«

»Wie schön. Ich freue mich sehr für die beiden.«

»Ich auch«, erwiderte Wayne mit einem tiefen Seufzen, das mich spüren ließ, dass ein »aber« folgen würde. »Ich wünschte nur, sie würde damit aufhören, mich ständig mit ihren Freundinnen verkuppeln zu wollen. Seit sie schwanger ist, ist sie wie besessen davon, eine Freundin für mich zu finden. Ich war in den letzten drei Monaten auf mehr Blind Dates als in all den Jahren davor.«

»Und dir hat keine der Frauen gefallen?«, fragte ich und trank schnell einen Schluck von meinem Cocktail, um das merkwürdig hässliche Gefühl herunterzuschlucken, das in mir aufstieg. Ich wusste nicht warum, aber in diesem Augenblick missfiel mir die Vorstellung von Wayne mit einer anderen Frau mehr, als ich mir selbst eingestehen wollte. Obwohl es dafür überhaupt keinen Grund gab, schließlich hatten wir bis zum heutigen Abend kaum mehr als eine Handvoll Worte miteinander gewechselt.

Wayne schüttelte den Kopf. »Nein, nicht wirklich.«

Ich verspürte das Verlangen, erleichtert aufzuatmen. »Wieso nicht?«

»Keine Ahnung, sie waren einfach nicht mein Typ.«

»Und wer ist dein Typ?«, fragte ich leise, fast schon vorsichtig.

Waynes Antwort ließ einen Moment auf sich warten. Er zögerte und senkte leicht den Kopf. Allerdings ohne beschämt zur Seite zu sehen, nach wie vor schaute er mich direkt an. Unverblümt wanderte sein Blick über meinen Körper, über meine nackten Arme und mein Dekolleté hinab bis zu der Stelle, an der mein Kleid an meinen Oberschenkeln endete.

Ein heißes Lodern wallte in meinem Magen auf, und ich hatte das Gefühl, ein Kribbeln überall dort zu spüren, wo sein Blick mich streifte. Eine leise Stimme in meinem Hinterkopf hoffte, dass er irgendetwas Kitschig-Romantisches sagen würde wie »Du, Ella, du bist mein Typ« und sich anschließend zu mir beugen und mich küssen würde. Denn er war zu hundert Prozent mein Typ … Doch das geschah natürlich nicht.

»Ich weiß nicht«, antwortete Wayne nach diesem gefühlt endlos langen Moment, als sein Blick wieder auf meinem Gesicht ruhte. »Ich glaube, ich bin gerade einfach nicht an einer Beziehung interessiert. Was ist mit dir? Hast du jemanden?«

»Nein.«

Wayne schielte die Bar hinunter. »Was ist mit Cole?«

»Was soll mit ihm sein?«

»Er starrt dich die ganze Zeit an.«

»Wir … Wir hatten letzten Sommer so eine Sache am Laufen.«

Wayne hob die Brauen. »Was für eine Sache?«

»So eine Sache eben«, antwortete ich ausweichend, nicht weil es mir unangenehm war, sondern weil ich niemals erwartet hätte, dass sich unser Gespräch in eine solche Richtung entwickeln würde. Geschweige denn, dass ich eine solche Unterhaltung überhaupt jemals mit Wayne führen würde. Ich kannte diese Seite von ihm überhaupt nicht; allerdings hatte ich ihn bisher auch hauptsächlich im Quartier, meist im Rahmen irgendwelcher Besprechungen, erlebt. Er wirkte stets so verantwortungsvoll und erwachsen, da war es leicht zu übersehen, dass auch er nur ein Typ in seinen Zwanzigern war.

Er lachte dunkel. »Verstehe. Und, hattest du seit Cole noch andere Sachen am Laufen?«

»Nein, leider nicht.«

Erneut zuckten seine Augenbrauen. »Leider?«

Ich nippte an meinem Cocktail, als wäre das orangerote Getränk Selbstbewusstsein in flüssiger Form. »Was soll ich sagen? Manchmal vermisse ich diese Art von Nähe schon sehr.«

»Geht mir ähnlich.«

Waynes Geständnis raubte mir den Atem – und auch ein wenig den Verstand. »Du hast also mit keiner von Evas Freundinnen …«

»Nein, wie gesagt, sie waren nicht mein Typ.«

»Ver… Verstehe«, stammelte ich und nahm einen weiteren großen Schluck von meinem Cocktail, da ich nicht ganz wusste, wohin uns dieses Gespräch grade führte. Alles, was ich wusste, war, dass mein Herz scheinbar grundlos heftig pochte und Wayne unglaublich gut roch, nach einem herben Aftershave, dessen Duft ich nicht genau einordnen konnte. Am liebsten hätte ich mich zu ihm gebeugt und meine Nase an seinem Hals vergraben, aber vielleicht war es auch nur der Alkohol, der aus mir sprach.

Wayne leerte seinen Cocktail. »Hast du Lust zu tanzen?«

Ich nickte, denn um ehrlich zu sein, hatte ich keine Ahnung, wie diese Unterhaltung nun weitergehen sollte.

Wayne stellte mein Cocktailglas neben seines auf die Theke und griff nach meiner Hand, um mich auf die überfüllte Tanzfläche zu führen. Verschwitzte Körper rieben sich im Takt irgendeines Remixes aneinander.

Normalerweise war dies nichts, wonach es mich besonders verlangte, aber heute wollte ich mich fallen lassen. Ich atmete tief ein und hieß die schwere Luft in meiner Lunge willkommen.

Wayne und ich fanden eine kleine Lücke zwischen all den Menschen. Die Lichter über unseren Köpfen flackerten wild, und die Nebelmaschine spuckte weiteren Rauch aus, der eine kühle Brise mit sich brachte. Ich lachte, fing an zu tanzen, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, wie ich dabei aussah. Ich hatte meinen Spaß, und das war alles, was zählte. Wayne schloss sich mir an. Rhythmisch ließ er seine Hüften kreisen und bewegte sich im Takt der Musik. Es wunderte mich nicht, dass er ein guter Tänzer war. Als Blood Hunter besaß er die volle Kontrolle über seinen Körper, und das zeigte sich nicht nur während der Jagd, sondern auch auf der Tanzfläche. Unwillkürlich fragte ich mich, ob es noch andere Situationen gab, in denen diese Kontrolle so deutlich zu spüren war …

Zwischen all den Soul-, Pop- und Hip-Hop-Songs wurde endlich ein Rock-Song angestimmt, den ich kannte. Lauthals begann ich mitzusingen. Ich streckte die Arme in die Luft und ließ mich von der Musik treiben. Mehr und mehr tanzte ich mich in eine Trance, in der weder Vampire und Werwölfe noch Geister existierten. Die Auren der Menschen um uns herum verschwammen zu einem bunten Leuchten.

Wenige Minuten später verstummten die harten Bässe, die den Boden des Clubs zum Beben gebracht hatten, und wurden von einer sanfteren Melodie abgelöst. Es wurde ruhiger auf der Tanzfläche. Die Lichter wurden weiter gedimmt, das Zucken der Scheinwerfer war jetzt schwächer, und die Leute um uns herum drängten sich in Paaren aneinander. Ich sah zu Wayne, um ihm eine kleine Pause vorzuschlagen, aber da lagen seine warmen Hände bereits auf meiner Hüfte. Mir entwich ein leises Keuchen, als er mich an sich zog und wir plötzlich Körper an Körper tanzten, sodass ich nur noch ihn spürte.

»Ist das okay?«, fragte er an meinem Ohr, seine Stimme ein heiseres Flüstern.

Ich nickte und legte meine Arme um seinen Nacken. Wayne packte mich fester, als würde er sich darauf vorbereiten, mich für lange Zeit nicht loszulassen. Mein Körper drängte sich gegen seinen, und gemeinsam wiegten wir uns im Rhythmus der Musik, welche dieselbe Magie zu bewirken schien wie die Amulette, die wir bei uns trugen, denn das verschwommene Leuchten der Seelen verschwand nun gänzlich. Verschwand hinter einer Illusion, die mich nur noch Wayne sehen ließ. Sein dunkles Haar war vom Tanzen zerzaust. Die Lichter der Scheinwerfer fingen sich in seinen Augen und verliehen dem Grau seiner Iriden ein farbiges Funkeln, das mich zu hypnotisieren schien. Ich hätte meinen Blick nicht von ihm abwenden können, selbst wenn ich es gewollt hätte.

»Danke, dass du heute mitgekommen bist.«

»Dafür musst du mir nicht danken.«

»Das möchte ich aber.«