Millennium Kingdom: Die Feuerprobe - Tonny Gulløv - E-Book

Millennium Kingdom: Die Feuerprobe E-Book

Tonny Gulløv

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Beschreibung

Ein Schwergewicht im Wikinger-Genre. Unterhaltung mit Mehrwert, intensiv recherchiert und knallhart erzählt. Der vierte Teil von Tonny Gulløvs erfolgreicher Wikinger-Saga. Ulv Palnatoke ist keiner, der sich vor irgendjemandem beugt – weder vor dem König Dänemarks, Harald Blauzahn, noch vor dem blutrünstigen Otto dem Großen. Den schmerzt noch immer die demütigende Niederlage, die Palnatoke ihm zugefügt hat. Das Jahr ist 960. Otto der Große steht mit seiner enormen Streitmacht am Schutzwall Danewerk. Er will die Dänen zum Christentum zwingen. Oder dabei sterben – bei Letzterem wäre Palnatoke ihm gern behilflich. Harald Blauzahn scheut keine Mittel in seinem erbitterten Kampf, die Krone in Jelling zu behalten. Er ruft Palnatoke, um Otto dem Großen erneut Einhalt zu gebieten. Nur die Götter wissen, ob sein Kampfgeist, seine Willenskraft und sein legendäres Temperament dieser Aufgabe gewachsen sind. «Tonny Gulløv ist ein König des Wikinger-Romans! Die Reihe «Millennium Kingdom» ist bombastisch. Eine Wikinger-Saga, der man nicht entgehen kann!» denglers-buchkritik.de «Tonny Gulløv schreibt temporeich, eindrucksvoll und packend.» buecherserien.de

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Seitenzahl: 725

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Ähnliche


Tonny Gulløv

Millennium Kingdom

Die Feuerprobe

Historischer Roman

 

 

Aus dem Dänischen von Justus Carl und Frank Zuber

 

Über dieses Buch

SCHUTZWALL FÜR ASGARD

 

Ulv Palnatoki ist keiner, der sich vor irgendjemandem beugt – weder vor dem König Dänemarks, Harald Blauzahn, noch vor dem blutrünstigen Otto dem Großen. Den schmerzt noch immer die demütigende Niederlage, die Palnatoki ihm bei der letzten Seeschlacht zugefügt hat.

 

Das Jahr ist 960. Otto der Große steht mit seiner riesigen Streitmacht am Schutzwall Danewerk. Er will die Dänen zum Christentum zwingen. Oder dabei sterben – bei Letzterem wäre Palnatoki ihm gern behilflich. Harald Blauzahn scheut keine Mittel in seinem erbitterten Kampf, die Krone in Jelling zu behalten. Würde er sogar konvertieren? Palnatoki ist entsetzt! Aber die Königstreue führt ihn erneut in den aussichtslosen Kampf gegen Otto. Nur die Götter wissen, ob sein Kampfgeist, seine Willenskraft und sein legendäres Temperament dieser Aufgabe gewachsen sind.

Vita

Der Autor

Tonny Gulløv verschlang zahllose historische Mittelalter- und Wikingerromane von Autoren wie Ken Follett und Bernard Cornwell, recherchierte drei Jahre lang und sprach mit mehr als zwanzig Experten, bevor er anfing zu schreiben. Als der erste Band seiner Serie «Millennium Kingdom» in Dänemark erschien, wurde das Buch sofort zum Erfolg. Wenig später erschienen seine Bücher auch auf Schwedisch und Norwegisch und eroberten Skandinavien im Sturm. Der Autor lebt mit seiner Familie in Kopenhagen und arbeitet als Chef-Steward bei Scandinavian Airlines.

 

 

 

Die Übersetzer

Justus Carl absolvierte vor dem Schulabschluss ein Auslandsjahr in Schweden, studierte Politikwissenschaft und Romanistik und erlangte den Abschluss Master of Arts in Skandinavistik. Seit 2017 arbeitet er freiberuflich als literarischer Übersetzer aus dem Dänischen, Schwedischen und Norwegischen. Für seine Arbeit wurde er unter anderem mit Stipendien des Deutschen Übersetzerfonds sowie des Literarischen Colloquiums Berlin geehrt. Heute lebt Justus Carl in Heppenheim an der südhessischen Bergstraße.

 

Frank Zuber hat einen Master of Arts in Skandinavistik, Deutscher Philologie sowie Anglistik. Zehn Jahre lehrte er an der Goethe-Universität in Frankfurt/Main und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Heute arbeitet er als freier Übersetzer für Belletristik und Sachbuch aus dem Dänischen, Schwedischen und Norwegischen. 2018 wurde er von der norwegischen Literaturförderung NORLA für seine Übersetzungen ausgezeichnet. Frank Zuber lebt in Wiesbaden.

Impressum

Die dänische Originalausgabe erschien 2020 unter dem Titel «Jernbyrd» bei Forlaget McGugl, Kopenhagen.

 

Veröffentlicht im Rowohlt Verlag, Hamburg, Dezember 2025

Copyright © 2025 by Rowohlt Verlag GmbH, Hamburg

«Jernbyrd» Copyright © 2019 by Tonny Gulløv

Karte «Der Norden im Jahr 960» © Peter Palm, Berlin

Karte «Britannien im Jahr 960» Daniel Sauthoff

Redaktion Maike Dörries

Covergestaltung HAUPTMANN & KOMPANIE Werbeagentur, Zürich, nach dem Original von MCGUGL Denmark

Coverabbildung Illustration Stinne Fuglsbjerg

ISBN 978-3-644-02395-6

 

Schrift Droid Serif Copyright © 2007 by Google Corporation

Schrift Open Sans Copyright © by Steve Matteson, Ascender Corp

 

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www.rowohlt.de

Für Anette, Anna und William

Britannien im Jahr 960

Prolog

Ich bin Ulv. Ulv Palnatoki. Ich wurde in einem Dorf tief in der Wildnis von Kumraland geboren, wo ich dreizehn Jahre lang mit den christlichen Cymru lebte, die ich für mein Volk hielt. Waren sie aber nicht, sondern ein Haufen armer Dreckschweine!

Meine Mutter war eine Jarlstochter aus Fünen und mein Vater ein wendischer Jarl, den mein Großvater und mein Onkel als Geisel hielten und erschlugen. Dazu hatten sie guten Grund, denn er hatte meine Mutter geschwängert. Wäre sie meine Tochter gewesen und ich hätte den Hurenbock vor die Schwertspitze bekommen, hätte ich ihn auch erledigt.

Dummerweise blieb meiner Mutter nichts anderes übrig als die Flucht. Da mein Onkel fand, sie sei eine Eidbrecherin und habe die Ehre der Familie befleckt. Und noch dümmer war, dass sie von allen Orten in Midgard ausgerechnet in die wilden Wälder von Kumraland floh und bei einem Stamm scheinheiliger christlicher Scheißer und einem versoffenen Mönch landete. Warum sie diesen Weg wählte, ist mir bis heute ein Rätsel. Das ist jedenfalls der Grund, dass ich unter Christusanbetern aufgewachsen bin und dachte, ich sei einer von ihnen. Erst mit fünfzehn Jahren, nachdem ich Kumraland längst für immer verlassen hatte, fand ich heraus, dass ich nicht der Sohn ihres Häuptlings war, den ich von ganzem Herzen hasste. Vielleicht sollte erwähnt werden, dass ich damals alle hasste. Der Mann, der angeblich mein Vater war, erwiderte meine Gefühle voll und ganz. Dass die Drecksau meine Mutter im Suff umbrachte, festigte die Familienbande keineswegs.

Mich hätte er auch fast umgebracht, aber ich überlebte, und seitdem hasste ich alle, die nicht meinen Glauben an die Asen und insbesondere Thor teilten. Also den ganzen Clan der Cymru. Sogar, als sie den Äxten der Dänen zum Opfer fielen, die in Kumraland auf Raubzug waren, hasste ich sie noch.

Die Dänen machten mich zum Sklaven, obwohl ich ihre Sprache von meiner Mutter gelernt hatte und hartnäckig behauptete, ich sei einer von ihnen. Ich hielt mich für ebenbürtig, obwohl ich alles andere als das war. Um Haaresbreite hätte ihr Anführer mich getötet, weil ich ihm in die Eier getreten hatte. Das hätte ich auch getan, wenn es meine Eier gewesen wären – besonders wenn der Fuß zu einem neunmalklugen, aufmüpfigen Jüngling gehörte. Nun, ich kam mit einer gehörigen Tracht Prügel davon, die ich für meinen Übermut gewiss verdient hatte.

Darauf bin ich zwar nicht stolz, aber ich bereue es auch nicht. So war ich nun mal, und die Abreibung tat mir gut. Als Sklave gibt es nicht viel, worauf man stolz sein kann, bis auf die vielen Hiebe, die ich bezog, weil ich mich weigerte, mich wie ein Sklave zu benehmen. Mein Freiheitsdrang war unbändig, und ohne meinen Riesenfreund Ymer hätten die Dänen ganz bestimmt Fischfutter aus mir gemacht, ehe wir den Norvasund erreichten und weiter ins Römische Meer segelten. Aber ich bin noch immer stolz darauf, dass ich einen fränkischen Herzog aus mehr als vier Schiffslängen Abstand mit einem Pfeil von der Reling schoss, und das mit dem sicheren Todesurteil vor Augen, wenn ich mein Ziel verfehlt hätte. Denn ich war Sklave, und ein Sklave darf keine Waffen tragen.

Drei Jahre lang war ich auf der Havormen an die Ruderbank gekettet, und vor mir saß Ymer, ebenfalls in Eisen. Ymer ist der größte Mann, der je in Midgard gelebt hat. Seine Oberarme sind dicker als die Beine der meisten Dänen – und die Dänen sind größer und stärker als alle anderen Völker.

Wie gesagt war ich aufmüpfig und hasste alle, sogar Ymer, der in den ersten Tagen kein Wort sagte. Schweigend hob er das schwere Ruder aus dem Wasser, als wäre es ein Grützlöffel.

Bis ich ihn eines Tages anschrie und ihm einen Ruderdeckel an die Stirn knallte, weil er nicht antwortete. Das weckte ihn auf. Seine Antwort war eine Ohrfeige mit seiner Riesenpranke, die mich über die Reling schickte. Nur das Fußeisen verhinderte, dass ich Ägir für alle Ewigkeit Gesellschaft leistete, erzählte man mir hinterher, denn als sie mich wieder an Bord zogen, war ich bewusstlos.

Es waren nicht die letzten Prügel, die ich von Ymer bezog, aber er tat es aus Freundschaft und zu meinem Besten. Freche Welpen muss man zügeln. Er hat mir viel beigebracht und mir damit das Leben gerettet.

Letztendlich ist es auch Ymers Verdienst, dass Eskil Einauge, das Dreckschwein von einem Steuermann, mich nicht totpeitschte oder ins blaue Wasser der Griechischen See warf. Und doch setzte ich das alles aufs Spiel, als ich drei Jahre später bei einer Schlägerei einen anderen Sklaven tötete und mein Leben um ein Haar auf dem Sklavenmarkt von Haithabu beendet hätte, weil ich mich nicht beugen wollte. Ich taugte einfach nicht zum Sklaven. Hätte meine Tante Heldis mich nicht in Haithabu gefunden, hätte ich meine Tage dort beendet, angekettet und im eigenen Dreck.

Doch auch als freier Mann war ich weiter so jähzornig wie rothaarig, und obendrein groß und stark wie ein Baum. Trotzdem säße ich jetzt nicht hier, um dem Schreibermönch Edmund dem Einfältigen meine Geschichte zu diktieren, wenn Tante Heldis mich nicht zu Einar Schwertmann in die Lehre geschickt hätte. Den beiden ist es ebenfalls zu verdanken, dass ich noch am Leben bin – zum Verdruss meiner Feinde.

Einar brachte mir bei, das Schwert wie kein anderer zu führen. Außerdem lehrte er mich, hin und wieder auf die Stimme der Vernunft zu hören, auch wenn mein Zorn viel lauter tönt. Zum Beispiel, als ich König Gorm half, Fünen unter den Thron von Jelling zu bringen.

Gorm der Mächtige hat drei große Veränderungen in mein Leben gebracht, von denen zwei mir große Freude bereitet haben. Zum einen gab er mir Gammelborg an der Küste Ostfünens, wo das Fahrwasser zwischen Fünen und Seeland am schmalsten ist. Zwar war es kaum mehr als ein Haufen verfaulter Bretter, aber es war meine Burg. Zum anderen schickte er mich nach Britannien und auf die verdammte Insel der Gälen, in Begleitung seiner Söhne Knut Danaast und Harald, des kleinen Pissers. So hieß er natürlich nicht, aber er war ein Pisser.

Knut hingegen wurde mein bester Freund, bis der Pfeil eines Verräters aus Dýflin ihn traf. Möge der Schweinehund ruhelos in Helheim umherirren, denn ich vermisse Knut noch immer.

Weniger Freude hat mir die dritte Veränderung beschert. Als Gorm der Mächtige starb, hinterließ er den Thron von Jelling seinem jüngsten Sohn Harald. Darauf hätte ich gut und gern verzichten können. Das sage ich, obwohl Harald das Land der Dänen, das sich nun Dänemark nennt, geeint hat. Ich habe ihm dabei geholfen, obwohl er mich oft genug in den Wahnsinn getrieben hat. Harald und ich sind keineswegs Feinde, er mag mich bloß nicht in Friedenszeiten, und ich rege mich genauso über ihn auf wie damals sein großer Bruder Knut. Leider darf ich ihn nicht verprügeln, wie Knut es getan hätte, deshalb muss ich mich mit dem Pisser abfinden.

 

Trotz meines angespannten Verhältnisses zu König Harald führte ich sein Heer auf Seeland an, als wir Sigfred von Lejre schlugen. Will sagen: fast schlugen. Nur ein paar Schwerthiebe hätten noch gefehlt, doch Harald beendete den Kampf und verhandelte, dass er den Thron von Seeland mit Sigfreds Sohn Gorm dem Jungen teilen wollte, der nach seinem Großvater benannt war. Diese dämliche Namenstradition der Dänen fand ich schon immer verwirrend.

Haralds Entschluss stellte sich als weniger dumm heraus, als mir schien, denn zum selben Zeitpunkt führte Otto der Große, König der Ostfranken und Herzog der Sachsen, Krieg gegen alle, die kein Kreuz um den Hals trugen und nicht zu dem angenagelten Gott beteten.

Ottos riesige Schar von Reiterkriegern galoppierte auf Jütland zu, und weil Haralds Heer fast komplett auf Seeland im Einsatz war, sollten alle so schnell wie möglich zurück nach Jütland, um am Danewerk, dem großen Verteidigungswall, Haralds Reich zu verteidigen.

Fast alle, um genau zu sein. Ich musste noch rasch Ott, meinen schwulen Vetter und Rivalen, jagen. Der hatte nämlich meine Abwesenheit genutzt, um Gammelborg zu überfallen, meine liebe Frau Álof zu töten und meine Söhne nach Gotland zu entführen, woher seine Familie stammte.

Gut, ich hatte vor einigen Jahren seinen jungen Liebhaber getötet und dessen Halle niedergebrannt, aber das konnte er weder beweisen noch laut sagen, denn Männer, die kleine Jungs mögen, sind in den Ländern der Dänen nicht hoch angesehen.

Hinzu kam, dass wir vor König Harald und Vigdis, der mächtigen Völva von Odins Vi, einen Friedenseid geleistet hatten. Den hatte Ott nun gebrochen, obwohl alle geglaubt hatten, ich würde zuerst das Schwert ziehen. Jetzt war er mir zuvorgekommen, was ihm einen Blutadler einhandelte, den ich ihm selbst ritzte. Meine Söhne wären beinahe bei der Aktion draufgegangen, aber sie leben, und das allein zählt. Zu meinen Söhnen – deren Zahl ständig steigt – zähle ich auch Sven. Zwar ist er ein Sohn König Haralds, aber er ist bei mir aufgewachsen und betrachtet mich als seinen Ziehvater.

Dass ich seinen Bastard aufzog, hinderte Harald nicht daran, mich mit einer Handvoll Krieger gegen das Heer Ottos des Großen zu schicken, dass es schon fast komisch war. Dass ich Otto zuerst in der größten Seeschlacht, die Dänemark je gesehen hatte, und danach an Land besiegte, ist allein Thor zu verdanken. Otto nahm den Speer mit der riesigen Spitze, den er vor meiner Palisade in den Sand gesteckt hatte, und verließ den Walplatz, auf dem so viele seiner Krieger lagen. Aber er gelobte, zurückzukehren und alle Dänen zu bekehren oder bei dem Versuch zu sterben.

Zum Dank für meinen Einsatz lobte Harald alle außer mich, was mich normalerweise zur Weißglut getrieben hätte. Aber ich hatte beschlossen, Svens Zukunft und damit die Zukunft aller meiner Söhne vor meinen Stolz und meinen legendären Zorn zu stellen. Das fiel mir nicht leicht, aber es hat geklappt. Harald hat seinen Bastard als Königssohn anerkannt. Leider hat er mir an dessen Stelle einen anderen Bastard untergeschoben, nämlich meinen eigenen. Er trägt den dämlichen Namen Foulques und ist so etwas Ähnliches wie ein Mönch. Er ist der Sohn einer Nonne, die ich vor langer Zeit auf dem Krankenbett in Ryesborg gevögelt hatte. Er sieht aus wie ein Idiot, aber was kann man schon erwarten, wenn man eine Nonne schwängert?

 

Nun lasse ich Edmund den Einfältigen meine Worte aufs Pergament kratzen, wie sie mir in den Sinn kommen und wie es mir gefällt. Ob es die Wahrheit ist oder die Reihenfolge stimmt, weiß ich nicht, aber so erinnere ich mich an alles.

Ab und zu verpasse ich ihm eine kräftige Ohrfeige, damit er ja nichts von seinem christlichen Geschwafel in meine Worte schmuggelt.

Kapitel 1

Nach dem Tausch des einen Bastards gegen den anderen fuhr ich mit meinen Söhnen heim nach Gammelborg. Ich sprach nicht viel, ehe ich mit einem Krug Bier in der Hand am Langfeuer meiner Halle saß, und als ich endlich den Mund aufmachte, klang ich wie ein quakender Frosch.

«Foulques!»

«Ja», kam es missmutig von dem jungen Mann in der Mönchskutte. Um seine Tonsur sprießte ein bernsteinfarbener Haarkranz, und in seinen grün leuchtenden Augen erkannte ich meinen Zorn, aber ansonsten war er ein Trottel. Ich hatte nicht bemerkt, dass er mir in die Halle gefolgt war, und drehte mich so schnell um, dass mein Krug überschwappte und das Bier auf meine Stiefel spritzte.

«Sieh nur, was du angerichtet hast», sagte ich kopfschüttelnd. «Verschüttetes Bier bedeutet Unglück.» Das hatte ich in seinem Alter von Ymer gelernt, den es sehr traurig machte, wenn man Bier verschwendete.

«Wie alt bist du, Junge?», zischte ich.

«Achtzehn Sommer», antwortete er mürrisch.

«Achtzehn Sommer, Herr», wies ihn Bruder Johannes zurecht, der an einem der Tische saß. Völlig in Gedanken versunken, hatte ich auch ihn nicht bemerkt. Seit ich Haralds Halle in Jelling verlassen hatte, unter schallendem Gelächter und Spott, mit zwei Söhnen, zwei Mönchen und einem Ziehsohn im Gefolge, kam ich nicht mehr aus den Grübeleien heraus. Selbst, wenn mir dabei die Hose heruntergerutscht wäre, hätten sie nicht lauter lachen können. Ein Mönch als Bastard, schlimmer konnte man einen Thorsmann kaum demütigen. Und das vor den Augen meines Königs und aller großen Männer, Jarle und Krieger Dänemarks – Schimpf und Schande!

Auch Sven, Palner und Toki, die neben Bruder Johannes saßen, bemerkte ich erst jetzt. An einem anderen Tisch saßen Ymer, Harek, Lynn und Svala. Bei ihrem Anblick entfuhr mir ein tiefer Seufzer.

Battewald schenkte Ymer Bier ein und lächelte Foulques zu. Ich brüllte laut fluchend nach Erik dem Freundlichen, aber Lynn meinte, ich müsse lauter rufen, weil ich ihn und Glum nach Loddenhøj geschickt hatte, wo Alle Jarl, der Herr der Sølver, eine Burg bauen ließ – der Drecksack.

Letzteres sind meine Worte, nicht Lynns. Eriks Gesellschaft wäre mir sehr viel willkommener gewesen als die eines verfressenen Mönchs, einer verrückten Völva, einer ebenso bekloppten Jarlstochter aus Gotland und eines riesenhaften Sklaven, der mehr trank, als er arbeitete. Dazu kamen meine zwei jüngsten Söhne, die beide noch keinen Flaum auf der Oberlippe hatten, und ein kleiner Marschmann mit dem Mut einer Maus – nicht gerade die besten Ratgeber für einen wütenden Burgherrn, der seinen Bastard mitsamt Vormund am liebsten auf der Stelle zurück nach Franken geschickt hätte.

«Achtzehn Sommer, sagst du? Dann kannst du nicht mein Sohn sein. Deine Mutter hat Ryesborg vor siebzehn Jahren verlassen.»

«Nichts würde mich mehr freuen, Herr», antwortete Foulques und lächelte hoffnungsvoll. «Dann würde ich mein Bündel schnüren und Bruder Johannes bitten, mich zurück nach Corbeia zu geleiten – weg von diesem tristen Ort.»

«Das klingt nach einem guten Plan», sagte ich und grinste zurück.

«Mit Verlaub, Herr», warf Bruder Johannes ein. «Trotz meines Amtes weiß ich wohl, dass ein Kind nicht unmittelbar nach der Empfängnis zur Welt kommt, wie sehr Ihr Euch auch ins Zeug gelegt haben mögt, Herr.»

«Wie Rotze nach einem Nieser!» Ymer trank direkt aus der Kanne. «Es dauert ein paar Monate, bis die Stute fohlt, Ulv.»

«Ha, ha. Du lagst schließlich auch bei Nælde, als ich die Stute gedeckt habe. Dann rechne halt aus, wie alt Foulques sein muss, wenn er mein Sohn ist.»

Rechnen sei nicht seine starke Seite, sagte Ymer, dafür könne er ziemlich fest zuschlagen, wenn ihm jemand auf den Geist ginge.

«Neun Monate», sagte Battewald und füllte meinen Krug. Ich zählte es an den Fingern ab.

«Willst du ein paar Finger leihen?», fragte Ymer bierernst.

Rechnen konnte ich wohl, aber das Ergebnis zu akzeptieren, war etwas ganz anderes. Egal, wie oft ich nachrechnete, es passte genau. Emma von Corbeia hatte Ryesborg verlassen und den Bastard in Franken geboren.

«Das kann nicht stimmen …», murmelte ich und schüttelte den Kopf. Lynn, die selten Respekt vor ihrem Herrn zeigte und seinen Zorn nicht fürchtete, stand auf und ging zu Foulques. Sie trat dicht an ihn heran, legte die Hand auf seine Schulter und hielt ihn fest, als er sich abwenden wollte.

«Verschwinde, Alte! Ich ertrage keine Nähe und werde schnell …» Als Foulques Lynns gefeilte Zähne sah, verschlug es ihm die Sprache.

«Er ist dein Sohn, Herr», sagte sie und lachte schallend, als Foulques laut fluchte.

«Wie willst du das wissen? Das kann doch jeder Trottel behaupten.»

«Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.» Lynn grinste, und Foulques schüttelte wild den Kopf.

«Immer fein leugnen und lügen!», rief Foulques. «So halt ich es, wenn mir was nicht in den Kram passt!»

Bruder Johannes brummte missbilligend, Battewald seufzte, und Ymer sagte, er habe einmal von einer Henne gehört, die Silbermünzen schiss, anstatt Eier zu legen. «Aber das war in Serkland, und da kann man keinem glauben.»

Battewald bat ihn, den Mund zu halten und lieber mehr Bier zu trinken. Dann legte auch er seine dicken Finger auf Foulques’ Schulter.

Foulques wand sich. «Wie gesagt, ich kann Nähe nicht ertragen, schon gar nicht von Männern.»

«Ist deine Mutter eine rechtgläubige Frau, junger Foulques?», fragte Battewald und hob einen mahnenden Finger. «Bevor du antwortest, sollst du wissen, dass der Allmächtige dich hört und du dich vor ihm verantworten musst.»

«Amen», stimmte Bruder Johannes ein. «Vergiss das nicht und finde die rechten Worte vor dem Herrn und dieser Gesellschaft.»

«Leck mich am Arsch», sagte Foulques. Das sagte er wirklich, und ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen.

«Foulques!», rief Bruder Johannes. «Denk nach, bevor du redest – wie dich der fromme Pater Heribald erzogen hat.»

Foulques schnaubte. «Ich scheiße auf Pater Heribald, und wenn …» Weiter kam er nicht, weil Bruder Johannes ihm eine schallende Ohrfeige verpasste, wodurch seine Augen nur noch mehr blitzten. Offenbar machten ihm Schläge nichts aus.

«Wenn du wirklich Ulvs Sohn bist, wärst du jetzt auf beide Mönche losgegangen», gluckste Ymer. «Aber fang lieber mit dem dicken an, der dünne sieht aus, als könnte er auch böse werden.»

Foulques nickte bedächtig. «Vielleicht kann ich mich doch noch mit diesem Scheißland anfreunden. Wie gut, werdet Ihr herausfinden, Bruder Johannes, wenn Ihr es das nächste Mal wagt, Hand an mich zu legen.»

Das waren wirkungsvolle Worte aus dem Mund eines sehr, sehr zornigen jungen Mannes, dessen Ton mir irgendwie bekannt vorkam. Bruder Johanns schien ihn nicht zu fürchten, aber er entschuldigte sich trotzdem bei ihm. Neugierig musterte ich Foulques und trat einen Schritt näher.

«Hmm», brummte ich, kratzte mich am Bart und wollte den jungen Hitzkopf ein wenig ärgern, um zu sehen, was ihm noch so einfallen würde.

«Lasset uns beten», eiferte Battewald und zog Johannes und Foulques mit sich, ehe ich Erfolg hatte. Ich war sauer, weil Ymer und Lynn mich auslachten. So ein Mönch als Sohn sorgte für mehr Spaß, als mir lieb war. Svala lachte nicht, das muss ich ihr lassen, aber sie war trotzdem eine Idiotin.

«Hat irgendwer mehr Grips im Kopf als Ymer und kann mir sagen, warum ihr hier in meiner Halle sitzt und mir auf den Sack geht, während ich von schweren Gedanken bedrückt werde?» Lynn hatte eine Erklärung. Es sei doch bekannt, wie schlecht ich Niederlagen einstecken könne, weshalb alle auf einen Wutanfall warteten oder dass ich mich sinnlos besaufe. Sie tippe eher auf Letzteres, meinte sie.

«Niederlage?», herrschte ich sie an. «Welche Niederlage?»

«Dein Sohn ist Mönch – muss ich noch mehr sagen?»

Das war nicht nötig. Ich jagte alle aus der Halle und drohte, jeden auszupeitschen, der ohne meine persönliche Einladung wiederkam. Dann stapfte ich fluchend in mein Schlafgemach, während sie langsam die Halle verließen. Ich hörte gerade noch, wie Ymer mich einen alten, verbitterten Troll nannte und Lynn ihm zustimmte.

Dann waren sie endlich weg, und ich konnte mich aufs Bett legen, die Augen schließen und an die Abreise aus Jelling denken. Foulques war auf Arnes Schiff gestiegen. Er hatte darauf bestanden, Bruder Johannes und ihre vier Pferde mitzunehmen. Johannes ging ja noch an, aber die vier Gäule hätte ich lieber am Spieß gesehen.

Arne sagte später, die Viecher hätten nicht viel hergegeben. Sie seien zwar größer als unsere, sahen aber dürr und kränklich aus. Dennoch gab Arne nach und lud die Klepper ein. Mir war es völlig egal, denn Pferde, die nicht auf einem Bratspieß stecken, sind mir genauso schnurz, wie Foulques es war.

Bruder Johannes war ein Krieger gewesen, noch dazu ein ziemlich guter. Das fand ich am nächsten Tag heraus, als ich sah, wie er mit Schwert und Axt trainierte. Warum tat er das, wo er doch vor vielen Jahren Raubzüge, Hurerei und Sauferei gegen das Mönchsdasein eingetauscht hatte? Das sah nach regelmäßigen Übungen aus. Die wenigsten sind gleich gut mit Schwert und Axt, aber bei Johannes sah es so aus. Er war nicht mehr der Jüngste, hieb und stach aber noch immer beeindruckend schnell und kräftig.

In der naiven Hoffnung, dass Foulques seinem Vormund wenigstens ab und zu auf die Finger schaute, schickte ich ihn mit meinen anderen Söhnen zum Waffentraining. Insgeheim bat ich Thor, dass der Bastard nicht völlig untauglich mit einer Waffe in der Hand sei, aber er antwortete nicht – wahrscheinlich, weil er sich vor Lachen in die Hose pisste.

«Foulques!», rief ich eines Morgens, als Sven, Palner und Toki zum Waffentraining antraten, wie sie es taten, seit sie ein Schwert halten konnten, ohne sich ernsthaft damit zu verletzen.

«Foulques!»

«Ja», antwortete eine wütende Stimme. Zu meiner großen Überraschung standen er und Bruder Johannes direkt hinter mir. Seine Tonsur war mit hellem Flaum bedeckt und kaum noch sichtbar, was mich freute. Leider trug er noch immer die Mönchskutte, was Toki besonders lustig fand.

«Ihr ruft besser, als Ihr hört, Herr», feixte Toki. «Selbst ein paar lumpige Mönche können sich an Euch anschleichen.»

«Halt’s Maul, du Winzling», herrschte ich ihn an, packte Foulques am Kragen und ließ ihn erst wieder los, als er neben den dreien stand, die er seine Brüder nennen sollte.

«Ihr seid alle Narren. Besonders du, Toki, mit deinen roten Wangen.»

«Ich habe gar keine …» Toki schwieg, als meine flache Hand auf seine Wange klatschte. Nicht fest, aber fest genug.

«Da hast du deine roten Wangen. So geht es, wenn man seinen Vater verhöhnt, Toki. Hast du noch mehr kluge Kommentare?» Er schwieg, aber seine Augen funkelten wild, ähnlich wie bei Foulques, wenn er wütend wurde. «Setzt eure Helme auf.»

Palner, Sven und Toki trugen dicke Lederharnische vom Hals bis zu den Stiefelkanten und hielten ihre Helme mit Nasen-, Augen- und Nackenschutz in einer Hand. In der anderen hielten sie ein Trainingsschwert mit einer gerundeten Klinge, das mehr Keule als Schwert war. Neben ihnen lagen ein Stapel Schilde aus Lindenholz, Speere, Äxte und ein Bogen mit Pfeilen.

«Zieh dich um, Foulques», befahl ich und zeigte auf einen Lederharnisch und einen Helm.

«Das Zeug da?», fragte Foulques und sah aus, als sollte er die Hand in eine Latrine stecken.

«Ja, das Zeug. Welche Waffe ist dir lieber, Schwert oder Axt?»

«Muss ich mich unbedingt entscheiden?»

Ich seufzte. «Wenn du nicht als Haggis enden willst.»

«Haggis?» Foulques nahm einen Lederharnisch. «Ist das eine neue Waffe?»

«Bei Thor», rief ich und gab Sven eine Ohrfeige, weil er lachte. «Haggis ist so eine Art Hundefutter, das die Pikten lieben. Es sieht aus wie schon einmal verdaut und riecht auch so.»

«Na dann.» Er zog das Lederhemd über den Kopf. «Das hier stinkt, Herr.»

«Das wirst du auch gleich», sagte ich und schlug nach Toki, der gesagt hatte, Foulques sei mir wie aus dem Gesicht geschnitten. Aber Toki, das kleine Dreckschwein, das nicht nur meine lose Zunge, sondern auch meine Wachsamkeit geerbt hat, duckte sich und entkam dem Schlag.

«Hilf Foulques in den Harnisch», befahl ich.

«Er ist ein Schlappschwanz, Herr», sagte Toki und machte keinerlei Anstalten, dem Befehl zu folgen.

«Und warum bin ich ein Schlappschwanz, Toki?», fragte Foulques.

«Weil du aussiehst wie ein Idiot.» Dem konnte ich nur zustimmen.

«Und dich wie einer anhörst», fügt Sven hinzu. Dem konnte ich nicht zustimmen. Schließlich war ich auch in einem anderen Land aufgewachsen und hatte am Anfang anders als die Dänen geredet.

«Sven, hilf du ihm!»

Sven schüttelte den Kopf. Wenn er einem Mann in einer Mönchskutte helfen würde, dann nur mit dem Schwert, sagte er.

«Der Narr soll selbst zurechtkommen oder hinnehmen, was geschieht.»

Diesmal protestierte Foulques. «Du, Sven, siehst aus, als hätte jemand dein Kinn mit einer Axt gespalten. Ich kann mich umziehen, aber dein Kinn wird immer aussehen wie der Arsch einer Sau.»

Das saß. Bei der Befreiung meiner Kinder aus der Gewalt meines gestörten Vetters Ott hatte Svens Kinn einen Hieb abbekommen, der ihm nicht gutgetan hatte. Er hatte den Schlag der Klinge mit der eigenen Axt abgewehrt, die daraufhin sein Kinn gerammt hatte. Kein Wunder, dass Sven nun fuchsteufelswild wurde.

«Wenn du mit deiner armseligen Kutte auch deinen Glauben ablegst, werde ich Sven vielleicht davon abhalten, dich totzuprügeln», sagte ich zu Foulques.

«Das darf er gern versuchen», sagte Foulques. «Es wäre mir ein Vergnügen.»

«Lass mich, Vater», rief Toki. «Und lass uns die Sache mit scharfen Waffen klären, dann ist das Dreckschwein bald einen Kopf kürzer.»

Das Sprechen hatte der Junge von mir gelernt. Ich sah Sven an. «Darf Toki den Mönch verprügeln oder willst du selbst?»

«Herr, darf ich einwenden …» Bruder Johannes hob die rechte Hand.

«Schnauze, Mönch!», sagte ich und zeigte auf Sven. «Antworte deinem Herrn, Sven!»

«Ich werde ihn … schwarz und blau … soll heulen … Schmerz.» Wenn Sven in Rage gerät, spricht er manchmal etwas unzusammenhängend. Daraus schloss ich, dass er wirklich wütend war.

«Palner, hilf dem Mönch in den Harnisch, damit Sven ihn nicht in Stücke haut.»

Palner, der gehorsamste meiner Söhne, ging zu Foulques und half ihm, den Harnisch anzuschnallen, der dem Mönch fast bis an die Knöchel reichte, weshalb er fast genauso lächerlich wie in seiner Kutte aussah.

Es dauerte, was Sven und Toki zu mehr höhnischen Bemerkungen veranlasste. Doch Foulques schien völlig unberührt und versuchte, sich in dem schweren Harnisch zu bewegen. Selbst, als er den Helm falsch aufsetzte, sein Schwert verlor, über seinen Schild stolperte und auf allen vieren landete, kümmerte ihn das Hohngelächter nicht.

«Bist du besoffen, du Schlappschwanz?», brüllte ich meinen vermeintlichen Sohn an. Gewiss, er war jähzornig und konnte fluchen, sonst hätte ich ihn nie anerkannt, aber nun würde er die Abreibung seines Lebens bekommen und benahm sich wie ein Idiot.

«Nein, Herr.» Foulques stand auf. «Man ist nur solche Kleidung nicht gewohnt.»

«Bei Thors stinkendem Furz», murmelte ich und schielte zu Ymer und Lynn hinüber, die mein Gebrüll angelockt hatte. Sie amüsierten sich köstlich, was ich ebenfalls getan hätte, wenn Foulques ihr Sohn und nicht meiner gewesen wäre.

«Das spitze Ende ist zum Stechen, Foulques», rief Ymer.

«Fangt an!», brüllte ich, «damit der Narr lernt, sich zu bewegen, und wenn er sich vor Schmerz windet.»

Sven ging mit erhobenem Schwert auf Foulques zu und hielt den Schild an der Seite – ohne Schutz, das genaue Gegenteil von dem, was ich ihm beigebracht hatte. Aber ich freute mich darauf, einen Mönch am Boden zu sehen, ob er nun mein Sohn war oder nicht. Natürlich würde ich Sven stoppen, bevor Foulques zu sehr litt, aber Prügel sollte er beziehen. Reichlich.

Foulques stand regungslos da, ohne Waffe, und starrte Sven an, der trotz seiner Raserei einhielt und das Schwert senkte.

«Verteidige dich, Mönch! Nimm einen Schild und wähle eine Waffe!»

Aber Foulques tat nichts dergleichen und starrte ihn weiter an. Dann hob er die Arme, blickte gen Himmel und murmelte etwas Unverständliches. Lynn und Ymer hielten sich den Bauch vor Lachen.

«Der Weiße Christus steigt vom Himmel herab und erschlägt dich mit einem Holzkreuz, Sven», rief Lynn. «Vielleicht bittet Foulques seinen himmlischen Herrn auch um einen Blitz aus heiterem Himmel.»

«Schlag zu», sagte ich zu Sven, als er mich ratlos ansah.

«Aber Herr, er betet doch?»

«Zieh ihm eins über, damit er aufhört, seinen angenagelten Scheißgott anzubeten!»

Sven gab zu bedenken, dass Foulques keine Waffe in der Hand hatte.

«Schlag endlich zu, oder ich übernehme sein Schwert oder seine Axt!» Darauf hatte Sven wenig Lust, er wusste, was ihm dann blühte.

«Ja, Herr. Foulques, du Hohlkopf, du bist selbst dran schuld.»

Sven hob das Schwert und schwang es gegen Foulques’ behelmten Kopf. Ich grinste, aber gleich darauf grunzte ich enttäuscht. Foulques, noch immer ohne Waffe und Schild, bewegte sich gerade so weit zur Seite, dass Svens Hieb ihn verfehlte. Ohne den Blick vom Himmel abzuwenden. Sven wäre fast vornübergefallen, wahrscheinlich aus Verwunderung, aber er gewann das Gleichgewicht wieder, drehte sich rasch um und hielt den Schild vor sich. Seine Schwertspitze ruhte auf der Schildkante und war auf Foulques gerichtet, wie er es gelernt hatte.

Johannes murmelte ein paar Worte auf Latein und schloss mit einem Amen ab.

Foulques richtete den Blick auf Sven, der sich erneut näherte. Dann hob er sein Schwert und den Schild auf und hielt sie ungeschickt in den Händen.

Wieder schwang Sven das Schwert auf Foulques’ Kopf zu, diesmal in perfekter Balance. Foulques wich zurück und sprang verblüffend schnell auf Svens linke Seite. Er hob den Schild, fing Svens nächsten Hieb ab und schlug sein Schwert mit voller Kraft auf Svens Helm. Mir fiel die Kinnlade herunter, und meine Augen wurden so groß wie Svens Schild.

Sven fiel zu Boden, zog mühsam den Helm ab und rollte mit den Augen.

«Hö, hö», sagte ich und wusste nicht, ob ich mich freuen oder ärgern sollte. Sven war einer der tüchtigsten jungen Schwertkämpfer, aber er hatte seinen Gegner völlig unterschätzt, was ziemlich peinlich war.

«Toki, du bist dran. Schlag den Mönch nieder!»

Toki, der gesehen hatte, wie es Sven ergangen war, rannte auf Foulques zu, blieb stehen und schwang sein Schwert über Foulques’ Kopf. Doch im Gegensatz zu Sven drehte Toki auf dem letzten Stück das Handgelenk und ließ die Klinge gegen Foulques’ linkes Bein sausen.

Foulques hob das Bein, stampfte auf Tokis Schwerthand und hielt sie mit dem Stiefel am Boden. Dann schlug er sein Schwert mit voller Kraft auf Tokis Helm und trat ein paar Schritte zurück. Toki ging taumelnd neben Sven zu Boden, der immer noch ziemlich blöde aus der Wäsche schaute.

Toki wollte den Helm absetzen, aber der war so verformt, dass er feststeckte. Er zerrte und fuchtelte, und schließlich kotzte er in den Harnisch.

«Bei Thor», sagte ich, übertönt von Lynns und Ymers Gelächter. Ich musterte Foulques, der mit geneigtem Kopf seinen Halbbruder und meinen Ziehsohn betrachtete.

«Na gut, aber …» Ich hielt ein, weil er mich angrinste und seine Augen vor Stolz funkelten.

«Ja, Herr?»

«Deine Fußarbeit ist miserabel, und du schlägst wie eine alte Vettel.»

Sein Grinsen versteinerte. «Herr?»

Ich bückte mich, nahm Tokis Übungsschwert und Svens Schild, ging auf Foulques zu und sah ihn genauso schräg an. Dann grinste ich und stieß das Schwert in seine Richtung. Dabei bin ich noch immer schneller als jeder andere. Foulques hob den Schild, ich leitete den Hieb nach unten und schlug ihm das Schwert so fest aus der Hand, dass es in hohem Boden wegflog. Dann trat ich gegen die linke Seite seines Schildes, um den Weg für mein Schwert freizumachen. Noch ehe mein Fuß wieder am Boden war, drehte ich die Schwerthand und verpasste ihm einen Hinterhandschlag auf den Schädel.

Der harte Schlag auf seinen Helm jagte ein Kribbeln durch meinen Arm. Er wankte ein paar Schritte nach links, stolperte und blieb mit verbeultem Helm eine Armlänge neben Toki und Sven liegen.

Unter schallendem Gelächter von Lynn und Ymer ging ich zu Toki, riss ihm den Helm vom Kopf und half Sven, der dümmlich sabberte, sich aufzusetzen. Dann ging ich vor Foulques in die Hocke.

«Wer hat dir das Kämpfen beigebracht?»

«Vebambef Affoch», tönte es aus Foulques’ deformiertem Helm, dessen Wangenklappen halb in seinem Mund steckten.

«Prosit», sagte ich und zerrte an dem Helm, der einfach nicht von seinem christlichen Dickschädel herunterwollte. Ich zog so fest, dass ich Foulques aufrichtete, aber der Helm steckte fest.

«Laff an», heulte er, was ebenfalls keinen Sinn machte.

«Sitz still und sprich verständlich», schimpfte ich und riss ihm den Helm vom Kopf, mit dem Resultat, dass ihm Blut aus beiden Ohren und einer Wunde auf der Wange lief. Er fasste sich stöhnend an die Ohren und sah mich mit einem Blick an, der von so großem Zorn zeugte, dass ich zum ersten Mal ganz sicher war, dass Foulques wirklich mein Sohn war.

«Antworte deinem Herrn, wenn er dich fragt, auch wenn du mich am liebsten vom Scheitel bis zu den Eiern entzweihauen willst.»

Er blinzelte verwirrt. Ich legte meine Hand auf seine Schulter und merkte, dass er sich versteifte wie ich bei körperlichem Kontakt mit anderen als meinen engsten Freunden.

«Und jetzt würdest du am liebsten dein Messer ziehen und mich abstechen oder mir einen Kopfstoß verpassen.»

Er sagte nichts, schlug aber auch nicht den Blick nieder, wie er sollte. Und weil ich nun wusste, dass er von meinem Blut war, schloss ich meine linke Hand um seine Schwerthand, die schon wieder auf dem Griff lag.

«Wenn deine Hand jetzt deinem Zorn gehorcht, ziehen wir es bis zum Ende durch, Foulques.» Mein Gesicht war dicht vor seinem.

«Foulques!», rief Pater Johannes, gefolgt von einem Satz auf Latein.

Endlich schlug Foulques den Blick nieder.

«Bruder Johannes», sagte er.

«Was ist mit dem?»

«Er hat mich im Kampf unterwiesen.»

«Soso.» Ich musterte den Mönch, der eine Hand auf Foulques’ Schulter gelegt hatte.

«Du kämpfst wie mein Großvater, und das ist schon längst außer Mode.» Das war gelogen, denn erstens hatte ich meinen Großvater nie getroffen und kämpfen sehen, und zweitens waren Foulques’ Manöver ziemlich gut für einen Kerl mit Mönchskutte.

Ich nickte Bruder Johannes anerkennend zu.

«Ja, Herr», sagte Foulques zerknirscht, ohne den Blick zu heben.

«Willkommen in Gammelborg», sagte ich und stand auf. Von diesem Tag an absolvierte Foulques das Waffentraining zusammen mit Sven, Toki und Palner.

Wenn ich nichts anderes zu tun hatte, schaute ich zu. Ich war neugierig, was dieser junge Mönch noch alles konnte. Und zu meiner großen Überraschung beherrschte er auch den Kampf mit Speer und Axt. Letzteren sogar so gut, dass Ymer fortan mit ihm übte, was er mit niemandem sonst tat.

Das gefiel mir so gut, dass ich ihn zu dem mit Stroh umkleideten Pfahl führte, an dem die Jungen Hiebe und Stiche übten. Wir nannten ihn den Serkländer. Dort drückte ich Foulques einen Bogen in die Hand und hoffte, er hätte mein Geschick geerbt. Leider irrte ich mich. Foulques war ein miserabler Schütze. Von den zehn Pfeilen, die ich ihm gab, traf nur einer den Pfahl und saß nicht einmal gut. Ich war zutiefst enttäuscht.

«So einen miesen Schützen habe ich ja noch nie gesehen», rief ich und hätte beinahe mit dem Fuß aufgestampft. «Palner, zeig dem Mönch, wie man einen Bogen benutzt.»

Palner nahm seinen Bogen, und ich fluchte weiter über die Unfähigkeit meines Bastards.

«Foulques hat nie gelernt, mit dem Bogen zu schießen, Herr», sagte Johannes, der sich immer in der Nähe seines Schülers hielt, um notfalls dessen Zornesausbrüche zu zügeln – oder auch meine.

«Das sehe ich selbst. Was kann man auch von einem erwarten, der unter lüsternen Nonnen und schwachsinnigen Mönchen aufgewachsen ist.»

Johannes lächelte. «Nonnen sind in Mönchsklöstern ziemlich selten, und wir haben nur einen Schwachsinnigen bei uns. Toulk hat den Verstand verloren, seit ihm die Mauren in Andalusien den Schädel einschlugen, weil er Kalif Abd al-Rahmans Pferd angefasst hatte.»

Bruder Toulk war mir scheißegal, und das mit den Nonnen wusste ich wohl. «Ihr solltet mehr Frauen in euren Klöstern aufnehmen, damit eure Saufgelage lustiger werden», schlug ich vor.

«Auch Gelage sind bei uns eher selten, Herr.»

«Täte euch aber gut, ein paar Amen durch ein Skål zu ersetzen.»

«Da habt Ihr nicht ganz unrecht, Herr.»

«Eben!» Ich zeigte auf den Pfahl, in dessen Mitte sämtliche Pfeile Palners steckten, und dann auf Foulques. «Vielleicht hättest du lieber Bruder Toulk anstelle dieses Schwächlings mitbringen sollen. Und hör sofort auf zu seufzen, Mönch. Ich habe schon einen Mönch hier in Gammelborg, der ständig über mich seufzt, das ist mehr als genug.»

«Verzeihung, Herr. Ich musste nur an Bruder Toulk denken. Er ist der frommste Mönch, den ich kenne, und liebt Pferde über alles.»

«Ich hasse Pferde», entfuhr es mir, was ich sofort bereute, denn ich wollte vor niemandem zugeben, was für ein miserabler Reiter ich war. Ymer wusste es, er hatte mich oft genug vom Pferd fallen sehen.

«Außer, wenn sie an einem Bratspieß stecken.»

«Das wundert mich», sagte Johannes, «denn Foulques ist ein hervorragender Reiter.»

«Vielleicht sind die Götter mir gnädig, und er ist doch nicht mein Bastard», sagte ich hoffnungsvoll, als Foulques einen weiteren Pfeil fallen ließ.

Wütend trampelte ich davon, verzog mich in meine Halle und brüllte nach einer Kanne Bier.

«So ein Versager», brummelte ich vor mich hin. Meine Laune besserte sich erst, als Johannes mit einer weiteren Kanne Bier kam und sich zu mir setzte.

«Er ist ein guter Junge, Herr», sagte er. «Aber er steckt voller Dämonen, die ohne jede Vorwarnung Besitz von ihm ergreifen. Deshalb wurde ich zu seinem Vormund gemacht.»

«Ein Versager», wiederholte ich und streckte meinen leeren Krug aus. «Die Götter bestrafen mich.»

Mir war schon klar, dass ich etwas übertrieb. Schließlich hatte Johannes wacker gekämpft, aber das mit dem Bogen war furchtbar peinlich, denn ich war bekanntlich der beste Bogenschütze weit und breit.

Von diesem Tag an sprach ich öfter mit Bruder Johannes, der eine Art Puffer zwischen mir und Foulques war. Seine Gesellschaft beruhigte mein Gemüt, obwohl ich das nie zugegeben hätte.

Vielleicht füllte er die Leere, die Torste hinterlassen hatte, als er Gammelborg verließ, um Herr und Jarl von Ryesborg zu werden. Er hatte mir schon vor Álofs Tod gefehlt, aber seitdem vermisste ich ihn noch mehr.

Johannes war Krieger, kein Zweifel, aber seine innere Ruhe half gegen meine schlechte Laune – sofern er mich nicht gerade von den Vorzügen des angenagelten Gottes überzeugen wollte. Folglich lud ich ihn immer öfter zu mir ans Langfeuer ein, meist mit einem Krug Bier oder Met, obwohl an beidem bedenkliche Knappheit herrschte. Ott, die Drecksau, hatte ja meine Vorräte und mein Silber und Gold geplündert, als er Álof tötete und meine Söhne entführte. Obwohl ich Rache geübt hatte, war ich innerlich rastlos, wenn ich daheim war. Nur Bier in großen Mengen oder Gespräche mit Männern wie Johannes konnten mich beruhigen, am besten beides.

Der Kriegermönch war ein guter Geschichtenerzähler und wusste unter anderem viel vom Land der Mauren zu berichten. Dort bestand die Unsitte, eine sogenannte Dschizya-Steuer von allen zu fordern, die nicht den maurischen Gott Allah anbeteten.

«Die Dschizya war der Grund, warum der Heilige Vater Marinus II. Bruder Toulk nach Córdoba schickte. Er sollte an Kalif Abd al-Rahmans Gewissen appellieren. Die Mohammedaner glauben an …»

«Die essen keine Schweine», unterbrach ich ihn. «Und ihr schwachsinniger Gott verbietet ihnen, Bier und Wein zu trinken. Was für Idioten!» Auch wenn es stimmte, klang es einfältig im Vergleich zu Johannes’ gebildeter Sprache.

Johannes lächelte schief und murmelte etwas von einem einfachen Weltbild, das er manchmal vermisse.

«Einfaches Weltbild? Ich bin unter christlichen Hosenscheißern aufgewachsen, die ihren Gott anriefen, anstatt zu kämpfen. Dadurch haben sie entweder ihr Leben oder die Freiheit verloren. Ich kenne den Unterschied zwischen dem Weißen Christus und Odin. Mein Glaube ist überhaupt nicht einfach, sondern stark. Er macht den Unterschied zwischen Leben und Tod aus.»

«Das sehe ich auch, Herr. Und deshalb vermisse ich manchmal eine pragmatischere Einstellung zum Leben.»

Johannes lächelte, hob den Krug und brachte ein Skål auf den Herrn von Gammelborg und dessen Weisheit aus. Darauf stieß ich gern an und ließ ihn weitererzählen.

«Bruder Toulk bekam keine Audienz beim Kalifen, obwohl er seit über einem Monat in dessen Palast, der Medina Azahara, wartete.»

«Gibt es da viel Gold und Silber?» Worte wie Palast oder Königsburg weckten in mir immer meinen Drang zum Plündern.

«Medina Azahara bedeutet glänzende Stadt. Ja, im Palast des Kalifen gibt es so viele Reichtümer, dass du und alle anderen … äh … Dänen sich die Finger danach lecken würden.»

Mein gieriges Grinsen hatte mich verraten.

«Der Kalif hat mehrere Tausend Sklaven und Hunderte exotische Tiere, vor allem die schönsten Pferde der Welt. Und Ihr könnt Euch drauf verlassen, dass alles gut bewacht ist.»

Ich grinste noch breiter, und Johannes hielt inne.

«Herr, Ihr erweckt das Feuer der Vergangenheit in mir», sagte er und bekreuzigte sich.

«Ein guter Raubzug ist nie zu verachten, Johannes. Besonders bei einem steinreichen Mauren, der öfter die Stirn auf den Boden drückt, als ein Betrunkener pinkeln kann. Da kann nicht mal dein hysterischer Gott was dagegen haben.» Bruder Johannes schien kurz zu überlegen, ob sein Mönchsgelübde ihm erlaubte, mit einer Horde von Wilden aus dem Norden auf Raubzug zu fahren, doch dann schüttelte er den Kopf und fuhr fort.

«Eines Tages sah Bruder Toulk ein prächtiges Pferd mit einem ebenso prächtig gekleideten Reiter. Es war Abd al-Rahmans ältester Sohn al-Hakam. Er hatte das Pferd so geschunden, dass es rote Augen hatte und der Schweiß auf seinem Fell schäumte. Als er den Hof erreichte, brach es zusammen, und er fiel zu Boden. Al-Hakam zog sein Krummschwert und wollte das Tier abschlachten.»

«Gut», brummte ich, aber Johannes schüttelte den Kopf.

«Du musst wissen, dass Bruder Toulk in Halab in Serkland geboren wurde und die Sprache der Mauren sprach. Dort war er Stallmeister eines Fürsten gewesen. Sein Herr liebte das Spiel, das die Mauren Polo nennen. Dabei schlägt man einen Ball vom Pferderücken aus mit einem langen Hammer.»

«Das ist das Dümmste, was ich seit Langem gehört habe. Aber was kann man schon von Männern erwarten, die kein Bier trinken?»

«Das stimmt. Aber die Polospieler sind unfassbar geschickte Reiter. Bruder Toulk war einer von ihnen, und als es mal wieder Krieg bei den Mauren gab und der Erzfeind des Fürsten gewann, schickte der Fürst ihn weit fort.» Johannes bemerkte meine Ungeduld und kürzte die Geschichte ab.

«Jedenfalls ist er zuletzt bei uns in Corbeia gelandet und hat das Licht des Herrn gesehen.»

«Soso», sagte ich und leerte meinen Krug bis auf den letzten Tropfen.

«Und als er sah, dass der Sohn des Kalifen das Pferd töten wollte, warf er sich dazwischen und wollte es verhindern. Dafür haben sie ihn tagelang verprügelt. Keiner darf Hand an den Kalifen und seine Familie legen. Wäre er nicht der Gesandte des Heiligen Vaters gewesen, hätten sie ihn sicher umgebracht.»

«Das hätte gerade noch gefehlt», murmelte ich gleichgültig und dachte, dass ich an al-Hakams Stelle genauso gehandelt hätte.

«Toulk hat so viel Prügel bezogen, dass er danach zwei Jahre lang kein Wort mehr sprach, und auch heute sagt er kaum etwas, außer es geht um Pferde oder Euren Sohn Foulques.»

Jetzt langweilte er mich wirklich, was ich ihm auch sagte.

«Ja, ja. Der Punkt ist, dass Bruder Toulk die edlen maurischen Pferde nach Corbeia brachte und deinem Sohn beibrachte, wie ein Maure zu reiten.»

«Und jetzt soll ich in die Hände klatschen und das für ein Wunder erklären?»

«Wunder wirkt nur der Herr», sagte Johannes mild. «Aber Ihr sollt wissen, dass Foulques seine Zeit zum Reiten anstatt Bogenschießen genutzt hat.»

«Schön. Dann kann er zu Pferd Hilfe holen, wenn er sich selbst in den Fuß geschossen hat.» Johannes lachte nicht über meinen Witz.

«Vielleicht wollt Ihr ja stattdessen wissen, warum Emma von Corbeia ihren Sohn ausgerechnet an den Ort geschickt hat, den sie wohl eher hasst. Und das mit mir, einem ehemaligen Krieger, als Vormund?»

«Wenn du mir jetzt was von Zwillingen erzählst, musst du schon sehr gut lügen, damit ich dir zuhöre. Aber wenn du mehr Bier besorgst, leihe ich dir mein Ohr.»

Das konnte er zwar nicht, aber er erzählte mir, dass Foulques im Alter von siebzehn Sommern zwei Männer in Corbeia getötet hatte. Einer davon war Sieur Gautier, der Bruder des Grafen von Amiens, und der andere sein Knappe. «Das wird in Corbeia wie überall mit dem Tode bestraft, Herr Palnatoki, und deshalb …»

«Hat der Wicht sie beide auf einmal erschlagen?», fragte ich und fügte hinzu, dass die Geschichte allmählich besser wurde. «Komm lieber gleich zum Punkt, anstatt ewig von Pferden, Mauren und Kalifen zu faseln.»

«Vielleicht, Herr, aber es ist schwer zu verstehen, dass es einen Grund unter dem Meeresspiegel gibt, wenn man ihn nicht sieht.»

«Quatsch», sagte ich und brüllte nach einem Sklaven. «Jeder weiß, dass Ägir mit seiner Frau Ran und ihren neun gierigen Töchtern am Meeresgrund lebt, und wenn man das weiß, braucht man es nicht zu sehen.» Johannes nickte und war klug genug, nichts zu sagen. Er wusste, dass ich mich sonst weiter über die wahren Götter ausgelassen hätte. Wir starrten eine Weile schweigend in die Flammen des Langfeuers, während meine Gedanken um den Biermangel, Pferde und einen Sohn kreisten, der nicht mit einem Bogen umgehen konnte, aber immerhin den Sohn eines Grafen samt Knappe getötet hatte. Auch das Gold des Kalifen wollte mir nicht aus dem Kopf.

«Vielleicht sollte man eine Flotte ausrüsten und al-Andalus besuchen», dachte ich laut. Doch Johannes fixierte das Flammenspiel des Langfeuers und antwortete nicht.

«Johannes, ich …»

Der Mönch sah mich wehmütig an. «Foulques hat Gautiers Bruder beim Holmgang mit dem Schwert getötet und danach seinen Knappen, weil beide seinen Vater beleidigt hatten.»

«Wirklich? Erzähl weiter, Mönch!»

«Foulques verteidigte Euren Namen und Eure Ehre, Herr, ohne zu wissen, wer und wo Ihr wart.»

«Wie dumm von ihm», murmelte ich. «Er hätte ihnen recht geben sollen, der Trottel.»

Johannes kicherte und sah zu, wie ich die letzten Tropfen aus dem Krug leckte, dann brach er in schallendes Gelächter aus, fast wie Ymer.

«Und du hast dem Trottel beigebracht, Schwert und Axt zu führen?» Johannes nickte. «Erlaubt das euer Gott überhaupt, bei all dem Geschwätz, man solle die andere Wange hinhalten und so?»

Wieder nickte Johannes. «Unser Herr weiß, dass wir keine perfekten Menschen sind.»

«Gilt das auch für Otto den Roten?»

«Ja, auch für Otto den Großen. Er meint, der Heilige Vater in Rom hätte ihm das Recht gegeben, alle Heiden mit Gewalt zu bekehren oder sie zu töten.»

«Und das meinst du nicht?»

«Nein.»

«Warum nicht?»

«Bringst du eine schöne Maid dazu, dich zu lieben, indem du ihr mit dem Schwert drohst?»

Darauf konnte ich nicht antworten, aber es war mir auch egal. «Ich kann sie auf jeden Fall vögeln, wenn ich ihr mit dem Schwert drohe – das reicht doch.»

Da war Johannes anderer Meinung. «Wer das Licht des Herrn sehen will, muss die Augen öffnen, und wer seine Stimme hören will, muss die Ohren aufsperren. Hier geht es um Liebe, um Mitmenschlichkeit.»

«Sag das mal Otto, der ist nämlich ziemlich eifrig mit dem Schwert. Ich habe am Danewerk Tausende seiner kleinen Rattenkrieger totgeschlagen.»

«Das haben schon einige versucht. Aber wenn Bischöfe und Kardinäle meinen, die Kirche solle ihr eigenes Heer haben, ist es schwer, Gehör zu finden. Sie wollen die geistliche Autorität mit weltlicher Macht durchsetzen und die weltlichen Güter der Kirche sichern. Ein mächtiges Schwert, das der Heilige Vater in Rom schwingen kann, wenn es nötig ist.» Ich sah ein riesiges Schwert vor mir und eine Schildburg, unter der sich Männer in Kutten verbargen, und kicherte.

«Ein Kirchenheer will Heiden wie mich mit Gebeten, Holzkreuzen und Blitzen schlagen?»

«Viele Kirchenleute verstehen sich auch auf echte Waffen, will ich meinen.»

Ich beugte mich zu ihm und setzte ihm den Zeigefinger auf die Brust. «Wenn du das demonstrieren möchtest, Bruder Johannes, ziehe ich mit Freuden den Harnisch an, und wir müssen nicht einmal Feinde werden deshalb. Aber vergiss nicht, Foulques vorher zu sagen, wo und wie du begraben werden willst.»

Das war ein Scherz, aber Johannes senkte den Blick und sagte, er würde nie das Schwert im Zorn gegen mich erheben, weil ich Foulques’ Vater sei. Aber es wäre ihm eine Freude, sich zusammen mit mir an der Waffe zu üben, solange es nur zum Vergnügen sei.

«Ich habe eine noch bessere Idee, Bruder Johannes. Wir könnten zusammen losziehen. Ich kenne da jemanden, der mir ein Schwert schuldet.»

Johannes nickte und versank in Gedanken, aber im Gegensatz zu mir dachte er bestimmt nicht an den Teilkönig von Seeland, Gorm den Jungen, der mein Schwert Ravnehug trug.

 

Es war nicht allein Bruder Johannes’ Schuld, dass mir plötzlich in den Sinn kam, dass Gorm der Junge mit meinem Schwert am Gürtel in Seeland herumstolzierte. Die lächerliche Vorstellung von einem Kirchenheer mit einem mächtigen Schwert hatte mich daran erinnert und verstärkte meine Rastlosigkeit.

Battewald hatte für kurze Zeit meine Trauer um Álof beschwichtigt, aber nun schlich die Sehnsucht sich wieder in meine Gedanken ein und verdunkelte mein Gemüt. Eigentlich war ich von Natur aus rastlos, aber in den Jahren mit Álof an meiner Seite und in meinem Bett hatte ich etwas Ruhe gefunden.

Ich hatte ständig das Gefühl, etwas zu verpassen, wenn ich in meiner Halle saß und darauf wartete, dass die Nornen weitere Unannehmlichkeiten in meinen Lebensfaden einwebten. Ich brauchte mehr als die alltäglichen Arbeiten in Gammelborg, wollte meine Muskeln trainieren und mich bewegen. Ich ging auf die Jagd, fällte Bäume, hackte Holz und prügelte mich mit allen, die es wagten, außer Ymer, sowohl mit Fäusten als auch mit dem Übungsschwert. Trotzdem höhlte mich die Langeweile innerlich aus. Auch die Pflichten eines Jarls erfüllten mich nicht. Tag für Tag kamen gewöhnliche Männer und Frauen zu mir und beschwerten sich über alles Mögliche, vor allem über ihresgleichen. Ich überließ sie Erik oder Battewald, obwohl ich wusste, dass ein Jarl solche Aufgaben nur delegierte, wenn er auf dem Krankenbett lag oder auf Kriegszug war.

Ich musste mir unbedingt etwas ausdenken, um die Gedanken und Erinnerungen auf Abstand zu halten.

Außerdem kam der Winter mit raschen Schritten näher. Es blieb nicht viel Zeit, und Seeland lag nahe. Mit etwas Glück würde ich Eskil Einauge und Torgrim Peitschenhalter in Gorms Hird antreffen, was meine chronisch schlechte Laune beträchtlich heben würde.

Also befahl ich Glum, innerhalb von zwei Tagen fünf Schiffe mit voll besetzten Ruderbänken klarzumachen. Ravnehug sollte endlich zu seinem rechtmäßigen Besitzer zurückkehren, und wenn ich nebenbei Eskil und Torgrim als Rache für all die Prügel, die ich als Sklave auf der Havormen bezogen hatte, einen glühenden Pfahl in den Arsch rammen konnte, wollte ich vorerst nichts mehr von den Göttern erbitten. Höchstens, dass Skjalm Hvidelæder sich gerade in Jelling oder noch weiter weg befand, denn der würde ziemlich sauer werden, wenn ich einen Seeländer angriff – selbst, wenn es Sigfred von Lejres dreckiger Bengel war.

Ymer fand den Plan genial, während Lynn zu bedenken gab, dass er Jarl Skjalms Zorn erregen würde. Alle anderen fanden es bedenklich, Gorm den Jungen anzugreifen, besonders Erik.

«Ihr kennt Skjalm besser als jeder andere, Herr», sagte er. «Er wird gezwungen sein, als Haralds Stellvertreter und Vasallenkönig von Seeland und Schonen zu handeln.»

«Ja, er ist mein Freund und hat mich selbst darum gebeten, nach Seeland zu kommen, um den Bodil-Clan in die Schranken zu weisen.» Das war eine glatte Lüge, was Erik nicht wusste. Aber er wusste, dass ein Raubzug, der nicht von König Harald sanktioniert war, mich und meine ganze Familie friedlos machen konnte.

«Dann erginge es Euch wie Eurem Vetter Ott, Herr, als er Gammelborg angriff.»

«Vielleicht, Erik. Aber der Unterschied ist, dass Gorm der Junge mit meinem Schwert am Gürtel herumläuft und das Dreckschwein, das es mir gestohlen hat, wahrscheinlich in seiner Hird ist. Dafür soll der Drecksbengel geradestehen.»

Erik lehnte sich zu mir und roch an meinem Atem. Sicher nahm er an, ich sei betrunken, was leider nicht der Fall war. Mein Bier war aus schierer Knappheit so stark verdünnt, dass man sich eher totpisste, als dass es einem zu Kopfe stieg.

«Ihr solltet zumindest Euren rechtmäßigen Anspruch auf das Schwert anmelden, bevor Ihr die Tür zu Gorms Halle in Lejre eintretet.»

«Ich werde es versuchen, Erik, obwohl ich lieber Türen eintrete, als zu verhandeln.»

Erik schlug allen Ernstes vor, stattdessen ein paar wendische Jarle auszuplündern, um meinen Tatendrang zu zügeln. Aber Wenden lag viel weiter entfernt, während man Seeland nach ein paar munteren Rudergesängen erreicht hatte, wenn Byrr von Westen wehte. Außerdem hatte kein wendischer Jarl mein Schwert.

So kam es, wie ich befahl. Zwei Tage später brachen wir mit fünf Drachenschiffen und gut dreihundert Mann nach Seeland auf.

Kapitel 2

Seelands vertraute Küste badete in Sonnenlicht, das für die Jahreszeit noch ungewöhnlich warm war. Ich betrachtete dies als Zeichen der Götter, ganz im Gegensatz zu Lynn. Aber ich nahm sie nicht ernst, da sie ziemlich betrunken wirkte, und beschwerte mich stattdessen, dass sie den Met nicht mit ihrem Herrn geteilt hatte.

Erik hingegen war nüchtern und betonte erneut, es sei seine Pflicht als mein Ratgeber, mich vor mir selbst zu schützen und von wahnwitzigen Taten abzuhalten. Ich überlegte schon, ein Schiff nach Gammelborg zurückzuschicken und ihn dort abzusetzen, aber er ließ sich nicht beirren.

«Ihr macht mir meine Aufgabe nicht leicht, Herr», murmelte er und sah mich vorwurfsvoll an. Er hatte ja recht, aber wenn nicht einmal Skjalm Hvidelæders und König Haralds drohender Zorn mich abhielten, dann er schon gleich gar nicht. Das war ein Fehler, denn Erik hatte ein hervorragendes Gedächtnis und konnte die Wahrheit fast immer von Geschwafel unterscheiden.

«Aber wenn Ihr wirklich ein Abkommen mit Herrn Skjalm habt, wie Ihr sagt …»

«Das war gelogen», sagte ich. In diesem Moment, mit den Händen an der Reling und den Blick auf Seeland gewendet, sah ich ein, dass ich Erik einweihen musste. Er war der Einzige, der mich aus der Zwickmühle befreien konnte, in die ich mit Sicherheit geraten würde. Oder mich davor bewahren.

«Vergesst nicht, dass Ihr in ganz Seeland verhasst seid, Herr, außer bei Skjalm und seinen Leuten. Es ist noch nicht lange her, dass Ihr bei Lejre Hunderte Seeländer abgeschlachtet habt.»

Das wusste ich nur zu gut. «Kennst du das denn gar nicht, Erik, dass man die Hände nicht stillhalten kann?» Erik fuchtelte mit seinem Armstumpf, und mir wurde klar, dass meine Wortwahl nicht die klügste gewesen war.

«Aber», sagte Erik, «ich habe kein Problem, die eine stillzuhalten.» Seine geschickte Antwort brachte mich zum Lächeln.

Ich sah mich um, um mich zu versichern, dass wir halbwegs ungestört waren, was auf einem Schiff fast unmöglich ist. Aber das Rauschen des Windes und der Wellen half mir.

«Ich kann nicht still sitzen, Erik. Ich halte es in meiner Halle nicht aus, außer ich bin betrunken oder schlafe. Ich kann mich nicht von den Erinnerungen befreien und glaube, ich werde verrückt.»

«Dann beschafft Euch mehr Bier, Herr.» Das war vielleicht sein schlechtester Rat, obwohl mir der Gedanke gefiel. «Oder fahrt zum Heiligtum in Uppsala. Dort müsst Ihr nur neun Sklaven, neun Ochsen und neun Pferde opfern, um Thors, Odins und Freyas Gunst zu erlangen, heißt es. Tut alles, außer Skjalms und König Haralds Zorn zu erregen, denn das werdet Ihr und Eure Söhne nicht überleben.»

Vielleicht hatte er recht, aber es war noch über ein Jahr bis zum nächsten großen Opferfest in Uppsala, das in Svealand nördlich von Birka liegt, das alle neun Jahre stattfand. Die Zahl Neun stand für unsere neun Welten, von denen Midgard nur eine war. Asgard und Utgard waren zwei weitere, genau wie Hel und Niflheim. In den restlichen vier Welten lebten Trolle, Zwerge und andere unheimliche Wesen, die mir ziemlich egal waren, weshalb ich sie nicht alle aufzählen will.

«Ich kann kein ganzes Jahr mehr stillhalten, Erik.»

«Das verstehe ich. Aber ich habe von Königen gehört, die dort auch zu anderen Zeiten den Göttern opfern durften.»

«Ich habe keinen Königsthron, Erik. Könige können tun, was sie wollen.»

«Aber Ihr benehmt Euch oft genug wie ein König.» Erik meinte es ernst. «Und nun widersprecht Ihr Euch selbst, indem Ihr Krieger nach Seeland führt.»

«Na gut, Verwalter oder Ratgeber, oder wie immer du dich nennst. Dann rate mir, was ich tun soll, ohne einen Krieg gegen Skjalm Hvidelæder zu beginnen und noch mehr in Haralds Gunst zu sinken.»

«Letzteres wird nicht leicht. Aber vielleicht solltet Ihr Skjalm zuerst einen Besuch in seiner Halle in Sor abstatten, ehe Ihr das Schwert in einen Seeländer stecht.»

Er lächelte verschmitzt, wie immer, wenn er irgendeine List ersann. «Aber wenn das Glück auf Eurer Seite und Gorm der Junge nur etwas zu stolz oder dumm ist, kann ich Euren Wunsch vielleicht erfüllen.»

«Was meinst du damit, Ratgeber?»

«Ihr sucht nach einer Lösung, bei der Ihr Haralds Gunst nicht noch mehr verliert, nicht wahr?» Ich nickte. «Wenn wir Gorm den Jungen irgendwie dazu bringen, sein Leben zu lassen, ohne dass es nach einer Nidingstat aussieht, wäre König Harald auf einen Schlag Alleinkönig in Seeland und Schonen.»

«Das würde dem kleinen Pisser gefallen», sagte ich. «König Harald sähe sich so gern auf allen Königsstühlen des Nordens, dass er schon beim bloßen Gedanken einen Steifen bekommt.»

«Stimmt.»

«Dass er einen Steifen bekommt?»

«Nein. Aber Harald ist ein guter König, dem es anstünde, auf jedem Thron des Nordens zu sitzen – egal, welche Namen Ihr für ihn habt, Herr.»

«Er ist trotzdem ein Pisser. Wäre Knut Danaast noch am Leben, würde er ihm den Arsch versohlen.»

«Ist er aber nicht. Und Álof auch nicht. Ich glaube, Herr, die Gedanken an die Verstorbenen treiben Euch mehr um als die an die Lebenden.»

«Wenn Otto der Rote und König Harald den jungen Gorm mit ins Grab nähmen, würde ich mich nicht beklagen – außer wenn Gorm mein Schwert behielte.»

Erik ignorierte meinen Ausbruch und sagte, er könne vielleicht helfen, meinen und Haralds Wunsch gleichzeitig zu erfüllen. Dafür müsse er aber unter vier Augen mit Skjalm Hvidelæder reden.

«Warum das?»

Erik beantwortete meine Frage mit einem weisen Lächeln, das im Grunde alles erklärte, bloß, dass ich es nicht verstand.

«Warum, Erik?», wiederholte ich ungeduldig.

«Das ist doch völlig klar, Herr. Wenn Ihr nicht wisst, was ich mit Skjalm bespreche, kann man Euch auch keinen Vorwurf machen, falls mein Plan misslingt.»

Allmählich verstand ich ihn.

«Aber Ihr solltet lieber die Suså hinauffahren statt durchs Nor und bei Hulby zu landen, wie letztes Mal mit König Harald. Die Leute von Hulby, Slahlus und Tyrsborg haben wirklich guten Grund, Euch zu hassen, das wäre nicht ratsam, Herr.»

«Warum hast du das nicht früher gesagt?»

Erik zuckte mit den Schultern. «Die Idee ist mir jetzt erst gekommen. Aber ich glaube, sie ist gut.»

Das fand ich auch, weshalb ich Gert dem Lustigen am Steuerruder befahl, nach Süden abzudrehen.

«Torkill, stoß ins Horn. Stian, schwinge mein Banner und richte es nach Süden. Wir gehen durch die Hintertür.»