5,99 €
Niedrigster Preis in 30 Tagen: 5,99 €
Frieda ist anders. Feinfühlig. Mit scharfem Blick für Stoffe, Menschen und Dinge, die andere gar nicht bemerken. Im kleinen Alpendorf Unterlaubauch näht sie ihre eigenen Kleider, hört Taylor Swift und träumt von der großen Welt. Freunde? Fehlanzeige bis sie Nina kennenlernt. Nina wohnt allein in einer alten Almhütte, hat kein Handy, aber ein unglaubliches Geheimnis: Sie kann Gedanken lesen. Und Frieda merkt sie auch. Plötzlich ist nichts mehr, wie es war. Als Nina verschwindet, beginnt für Frieda, ihren kleinen Bruder Mike und dem rätselhaften Lenni eine Suche, bei der es nicht nur um ein Leben geht sondern um eine Verbindung, die größer ist als Worte. Eine berührende Geschichte über Geschwisterliebe, Feinfühligkeit und die Kraft der Gedanken.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 86
Veröffentlichungsjahr: 2025
Zweite Auflage 2026
Originalausgabe
Mindmates - Bergflüstern
© 2025 Marie Wollatz/Verlag FantasieReise
Alle Rechte vorbehalten.
Autorin: Marie Wollatz
Kontaktdaten: www.verlagfantasiereise.de
Umschlaggestaltung: Feiyr
ISBN: 978-3-6911-1671-7
Marie Wollatz
Mindmates
Bergflüstern
Mit Illustrationen von M. Wollatz
Erschienen im Verlag FantasieReise
Das Zeitreisehaus – Das Geheimnis der Familie Tempus
Das Zeitreisehaus – Der doppelte Patrick
Das Zeitreisehaus – Auf der Suche nach Lotte
Das Zeitreishaus – Unendlich
Mindmates Nordseeflüstern
mehr unter: www.verlagfantasiereise.de
Der perfekte Song zu diesem Buch?
„Invisible String“
von Taylor Swift
Ich bin Frieda und ich bin ein Swiftie. So stelle ich mich meistens vor, denn mein Nachname klingt ziemlich langweilig. Mit vollem Namen heiße ich Frieda Leitner. Swiftie finde ich da viel spannender. Frieda Swiftie, das wäre doch ein toller Name, aber Frieda Leitner? Na ja, für seinen Namen kann man ja nix und auch wenn sich mein Name dröge anhört, so bin ich eher bunt, ein Swiftie eben.
Nähen und Mode – das ist mein großes Hobby. Ich nähe meine Sachen immer selbst. Da unsere chaotische Familie nie Geld hat, muss ich das auch, denn die teuren Sachen aus den Kaufhäusern können wir uns nicht leisten. Seit ich denken kann, trage ich Secondhand. Eine Zeit lang fand ich es dämlich, bis zu dem Zeitpunkt, als mir meine Mum eine Nähmaschine vom Flohmarkt kaufte. Seither verbringe ich jede freie Minute an der Maschine und nähe, was das Zeug hält. Material dazu besorge ich mir aus dem Secondhandladen „Bei Kicki“ bei uns im Ort. Die Sachen sind modisch nicht der letzte Schrei, aber ich nähe alles um und kreiere etwas Neues daraus - meistens etwas Buntes. Das Nähen habe ich mir selbst beigebracht. Geholfen haben dabei viele YouTube-Tutorials, die ich mir angeschaut habe. Ich will mal eine berühmte Modedesignerin werden, so wie Vivienne Westwood.
Vivienne Westwood ist übrigens ein toller Name. Wenn ich mal so berühmt bin wie sie, dann nenne ich mich auf alle Fälle Friedienne Swiftie und nicht Frieda Leitner. Ein paar meiner Kreationen habe ich schon einmal auf TikTok veröffentlicht, aber bei der Masse an Content, ging mein Beitrag wohl unter. Ein paar Klicks und Likes hatte dieser aber erhalten.
Der Ort, in dem wir wohnen heißt Unterlaubauch und liegt mitten in den Alpen. Ihr müsst es euch wie ein klassisches Bergdorf vorstellen, die totale Urlaubs-Wander-Idylle, aber meistens langweilig. Es passiert kaum etwas, zumindest bisher.
Alles ist sehr altmodisch und manchmal hat man das Gefühl, die Zeit sei hier stehen geblieben. Taylor Swift verirrt sich jedenfalls nie hierher, leider.
Zusammen mit meiner Familie wohne ich in einem kleinen Mehrfamilienhaus mitten im Dorf. In unserem Haus wohnen nur zwei Familien. Wir und die Müllers. Herr und Frau Müller sind schon sehr alt. Ihnen gehört das Haus und sie haben sich gefreut, dass „wieder Leben ins Haus einzieht“, als sie uns die Wohnung vermietet haben. Ob sie sich allerdings jetzt noch darüber freuen, weiß ich nicht. Manchmal geht es schon sehr laut bei uns zu. Das liegt wohl daran, dass meine Mutter sehr viel arbeiten muss, denn sie ist mit mir und meinen zwei Brüdern alleinerziehend. Mum arbeitet als Krankenpflegerin im Krankenhaus. Das Krankenhaus ist etwa zwanzig Autominuten von unserem Ort entfernt und liegt in einer größeren Stadt.
Und ja, ich habe zwei Brüder, was das Leben nicht unbedingt einfacher macht. Mein großer Bruder Ludwig ist siebzehn Jahre alt und macht gerade seine Ausbildung zum Bergretter. Der Vater von Ludwig hat meine Mutter gleich nach der Geburt sitzen lassen. Sie haben nie wieder was von ihm gehört. Ich finde das unerhört. Wie kann man einfach sein Kind so im Stich lassen? Aber Mum redet kaum darüber.
Über meinen Dad reden wir viel. Er war auch für Ludwig wie ein Dad und natürlich der Dad für meinen kleinen Bruder Mike. Dad ist vor vier Jahren beim Bergsteigen ums Leben gekommen. Er war immer ein sicherer Bergsteiger. Keiner weiß, warum er abgerutscht ist. Es war ein schlimmer Unfall. Ich denke, das ist auch der Grund, warum Ludwig unbedingt Bergretter werden möchte.
Seit dem Unfall versuchen wir uns als Familie irgendwie durchzuschlagen. So chaotisch wir sind, sind wir vier uns im Alltag eine Stütze.
Am liebsten ist mir Mike, mein kleiner Bruder. Er ist erst fünf Jahre alt, aber für sein Alter schon sehr aufmerksam. Ich nehme ihn oft in den Secondhandladen „Bei Kicki“ mit und er schaut mir immer beim Nähen zu. Ab und zu springt aus den Stoffresten ein selbstgemachtes Kuscheltier für ihn heraus. Die meisten von ihnen erhalten den Namen „Knopfi“. Auch wenn Mike noch sehr klein ist, habe ich mit ihm immer das Gefühl, dass wir uns ohne Worte verständigen können. Das war schon so, als er noch ein Baby war. Wenn er laut geschrien hatte, wusste ich meistens sofort, was er haben wollte. Meine Mum fand das erstaunlich und kommentierte es meistens mit: „Das muss wohl irgendwie so ein Geschwisterding sein.“
Ich finde, es ist kein Geschwisterding, denn mit meinem anderen Bruder verbindet mich nicht so ein inniges Band. Bis vor kurzem dachte ich noch, dass Mike und ich gegenseitig unsere Gedanken lesen könnten. Ich hatte ja keine Ahnung, dass ich mit dieser Annahme gar nicht so falsch lag.
Jedenfalls fühle ich mich am meisten von Mike verstanden, obwohl er noch so klein ist und ich mit meinen dreizehn Jahren um einiges älter bin. Außerdem sehen wir uns sehr ähnlich. Wie ich, hat er strohblonde Haare und grüne Augen. Wenn ich kurzes Haar hätte, statt schulterlanges, würde Mike wie eine Miniatur von mir aussehen, sozusagen ein Mini-Me von Frieda Swiftie. Ach ja, Mike ist natürlich auch ein Swiftie, denn wir hören beim Nähen immer ihre Musik, ohne kann ich nicht kreativ sein. Meistens trällern Mike und ich lautstark mit, wahrscheinlich ganz zum Leidwesen der Müllers, aber vielleicht sind sie ja schwerhörig und hören uns gar nicht oder sie sind auch Swifties.
Mein Leben bestand also bisher aus meinem liebsten Hobby, Mike und Schule. Für Freunde hatte ich keine Zeit, zumindest gibt es bei uns im Ort und in der Schule niemanden, den ich so bezeichnet hätte. Die meisten sind anders als ich oder besser gesagt, würden sie mich als anders bezeichnen. Ich nehme die Welt irgendwie anders wahr, sensibler, feinfühliger. Damit können viele in meinem Alter nichts anfangen. Sie finden mich komisch. Wiederum finde ich sie ebenfalls komisch. Bis vor kurzem dachte ich noch, Mike und ich wären die einzigen auf der Welt, die so anders sind. Aber wie sich herausstellen sollte, gibt es noch viel mehr von uns und das hat mein bisheriges Leben so ziemlich auf den Kopf gestellt, denn eines Tages lernte ich Nina kennen und das veränderte alles.
Der Tag, an dem ich Nina kennenlernte, war ein sonniger Frühlingstag Anfang Mai. Ich liebe diese Jahreszeit. In den Bergen fühlt sich der Mai immer an, als würde die Welt neu erwachen. Die Blumen blühen auf den Wiesen, die Tiere sind wieder draußen zu sehen und die Luft ist frisch.
Mein absoluter Lieblingsplatz liegt bei einer verlassenen Almhütte. Seit ich denken kann, hat hier keiner mehr gewohnt. Die Hütte selbst ist verschlossen. Die Fenster sind mit dicken Brettern zugenagelt. Aber vor der Hütte steht eine alte Holzbank und ein alter Holztisch. Von hier aus hat man eine unglaubliche Sicht auf das Bergpanorama. Zum Glück hat sich bisher noch kein Influencer hierher verirrt. Sonst würde der Bürgermeister unseres Ortes bestimmt Eintritt für eine Bank an der Almhütte verlangen und es würden pro Tag tausende von Touristen anreisen, die von sich ein Foto auf der Bank mit dem Alpenpanorama haben wollen.
Die Bank vor der Hütte ist mein zweites Zuhause. Hier kann ich träumen, die Aussicht genießen – einfach ich selbst sein. Meistens bringe ich kleine Näharbeiten mit oder lese Mike etwas vor, wenn er dabei ist.
Und dann ist da noch der alte, graue Kater. Woher er kommt? Keine Ahnung. Ein Halsband trägt er jedenfalls nicht. Immer wenn ich auftauche, steht er plötzlich da – als hätte er auf mich gewartet. Ich bringe immer ein paar Leckerlis für ihn mit. Er freut sich riesig darüber und hört gar nicht mehr auf zu Schnurren. Meistens gesellt er sich dann zu mir auf die Bank. Ich habe ihn Klaus genannt und irgendwie hört er tatsächlich auf diesen Namen. Mit Klaus ist es wie mit Mike. Manchmal habe ich das Gefühl, wir brauchen keine Worte. Wir verstehen uns einfach – Gedankenlesen ohne Worte.
Aber an diesem sonnigen Maitag war alles anders. Mike war zu Hause geblieben, denn er wollte Playmobil spielen. Ludwig passte auf ihn auf. Also war ich an diesem Tag allein unterwegs. Als ich mich langsam der Hütte näherte, kam Kater Klaus mir schon aufgeregt entgegengerannt. Das machte er sonst nie.
„Nanu?“, fragte ich ihn. „Was ist denn heute mit dir los?“
Ich streichelte ihm über den Kopf. Er nahm meine beruhigenden Streicheleinheiten gern an und schmiegte sich an mein rechtes Bein. Zusammen liefen wir zur Hütte hinauf. Die Hütte sah eigentlich aus wie immer, aber vor der Hütte befand sich plötzlich ein großer Berg Wäsche. Ich schaute mich neugierig um, aber es war nirgends jemand zu sehen. Erstaunt schaute ich den Kater an, der mir nur ein lautes „Miauuu“ entgegenwarf.
Ich konnte es nicht lassen. Da lag ein Haufen Stoff vor mir und das löste eben Glücksgefühle in mir aus. „Vielleicht ist ja was Brauchbares dabei?“, flüsterte ich zu Klaus und schon befanden sich meine Hände im Wäscheberg und begannen darin rumzuwühlen. Kater Klaus fühlte sich ermutigt, sprang auf den Wäscheberg und begann ihn mit seinen Pfoten durchzukneten.
Plötzlich hörte ich Geräusche aus der Hütte. War da jemand? Erschrocken schaute ich Klaus an und er mich. Schlagartig fühlten wir uns ertappt und bevor er vom Wäscheberg springen und ich meine Hände wegnehmen konnte, öffnete sich auch schon die Tür zur Hütte und eine großgewachsene, sehr schlanke Frau stand plötzlich vor uns. Ihre nussbraunen Haare, die sie zu einem lockeren Pferdeschwanz gebunden hatte, glänzten in der Maisonne. Mir stand der Mund offen. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Seit Jahren war die Hütte unbewohnt.
„Das würde ich ohne Handschuhe nicht anfassen. Ich glaube, da waren Mäuse drin“, sagte die Frau mit einem schelmischen Lächeln. Schlagartig zog ich die Hände aus der Wäsche und bedachte Klaus mit einem strengen Blick. Bestimmt hatte er das mit den Mäusen gewusst. Er sprang vom Wäscheberg, streckte sich und verschwand mit einem unschuldigen Blick um die Ecke.
