Minenkomplex - Jan Niklas Meier - E-Book

Minenkomplex E-Book

Jan Niklas Meier

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Beschreibung

Nach einem verheerenden Dritten Weltkrieg erholt sich die Erde allmählich. Doch der Friede hängt an einem seidenen Faden: Die gesamte Energieversorgung beruht auf einer einzigen Quelle. Was wäre, wenn diese Quelle plötzlich erlischt? Wenn ein Feind aus dem Schatten tritt, mit dem niemand gerechnet hat?

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EPUB

Seitenzahl: 73

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Ähnliche


Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

22. Oktober 2137, Erde, Island, Reykjavik, Sitz der UN-Weltregierung

Kapitel 2

11. November 2137, Weltraum, Landungsfähre der UN XCP 7 im Anflug auf den Mars

11. November 2137, Mars, Tetum3-Mine, Wohnkomplex, Landebucht

Kapitel 3

11. November 2137, Mars, Tetum3-Mine, Minenkomplex

11. November 2137, Mars, Tetum3-Mine, Minenkomplex, Krankenstation

Kapitel 4

12. November 2137, Mars, Tetum3-Mine, Minenkomplex

Kapitel 5

12. November 2137, Mars, Tetum3-Mine, Wohnkomplex

12. November 2137, Mars, Tetum3-Mine, Wohnkomplex, Hangar

26. April 2142, Erde, Spanien, Madrid

Kapitel 1

„Die Welt, wie wir sie kennen, steht am Abgrund. Wir alle haben Zeiten des Umbruchs erlebt, die aber noch lange nicht abgeschlossen sind. Überbevölkerung und Ressourcenknappheit haben unseren Planeten vor einem halben Jahrhundert an die Grenzen seiner Belastbarkeit gebracht, die Gesellschaft stand kurz vor dem Zusammenbruch. Kriege flammten auf, Konflikte um Rohstoffe und Konflikte, geboren aus religiöser Verblendung. Im Nahen Osten wurden ganze Landstriche entvölkert, Russland startete mehrere Offensiven, um die letzten Erdölreserven für sich zu gewinnen. Die UN intervenierten, Russland erklärte den Krieg. Erstmals seit 1945 wurde ein bewaffneter Konflikt zwischen Staaten in Zentraleuropa ausgetragen. Als die Kämpfe endlich abflauten, sahen die USA ihre Chance gekommen, wieder zu der Weltmacht zu werden, zu der sie nach dem Zweiten Weltkrieg aufgestiegen waren…“

Dr. Jagdev Aroras bei seiner Antrittsvorlesung einer Professur für Wirtschaftsgeschichte an der University of Dehli im Frühjahr 2128

22. Oktober 2137, Erde, Island, Reykjavik, Sitz der UN-Weltregierung

„Haben wir mittlerweile irgendwas Neues aus der Mine gehört?“ Monique Delanguel, Ministerin der UN für Weltraumfragen und somit diejenige, der man für dieses Fiasko die Schuld geben würde, stand kurz vor einem ihrer berüchtigten Wutanfälle. Ihr Gegenüber zuckte bei diesem Gedanken unwillkürlich zusammen.

„Nein, Miss Delanguel. Das haben wir bedauerlicherweise nicht. Aber wie Sie wissen, entsteht bei einer Übertragung vom Mars eine gewisse Verzögerung und die letzte Nachricht ist ja erst zwanzig Minuten her.“

„Halten Sie mich für dumm, Williams?“ Die Ministerin sprach leise. Gefährlich leise. Malcom Williams, leitender Kommunikationstechniker und somit einer derjenigen, an denen Delanguel gefahrlos ihre cholerische Seite ausleben konnte, wurde immer blasser.

„Nein, Ministerin, natürlich nicht. Ich wollte nur darauf hinweisen, dass hier vielleicht ein ganz normaler Grund vorliegen könnte.“ Williams geriet immer mehr ins Stammeln.

„Sind Sie vielleicht taub? Sind Sie das? Die Mine wurde angegriffen! Das war ein beschissener Notruf! Und wenn nach einem Notruf nichts mehr kommt, heißt das gemeinhin, dass ganz und gar kein normaler Grund vorliegt!“ Delanguel schrie jetzt fast. „Scheiße, spielen Sie die Aufzeichnung noch einmal ab!“

Mit zitternden Händen drückte Williams einige Tasten auf dem Tablet vor ihm. Die Aufzeichnung erschien, eine blecherne Stimme, begleitet von statischem Rauschen, erklang:

„Mars, Tetum3-Mine, Authentifizierungscode 497602, Dr. Cordena. Das hier ist ein Notruf gemäß Notfallverordnung § 71k). Erbitte sofortige Erlaubnis zur Evakuierung der Station. Das ist keine Übung, ich wiederhole, keine Übung! Wir werden angegriffen! Helfen Sie uns!“

Die Übertragung endete. Wie immer war die Tonqualität unglaublich schlecht, doch bildete Williams sich ein, die nackte Angst aus der Stimme des Stationsarztes herausgehört zu haben. Der Mann hatte Panik, stand kurz vor dem Zusammenbruch, obwohl er das Notfallprozedere korrekt eingehalten hatte. Die Mine wurde angegriffen, hatte Cordena gesagt. Aber von wem? Da draußen war nichts. Ein Flug zum Mars dauerte Wochen, und außerdem wurde jeder Start penibel von den UN überwacht. Ein Angreifer konnte nicht von der Erde gekommen sein. Und warum war der Notruf durch den Arzt erfolgt? Wo waren Corinna Johnson, die Leiterin, oder Amin Djoufak, der Sicherheitschef der Station? Die Ministerin unterbrach die Gedanken des Technikers:

„Williams, holen Sie mir Schaper her! Und Hung! Holen Sie auch Hung!“ Delanguel wirkte verstört. Anscheinend wusste sie sich auch keinen Reim auf die seltsame Nachricht zu machen.

Zehn Minuten später war immer noch keine neue Übertragung vom Mars eingetroffen. Mittlerweile ließ sich ihr Ausbleiben nicht mehr plausibel mit den üblichen Verzögerungen über solch eine lange Strecke erklären. Dafür saßen nun Mark Schaper und Win Hung mit im Kommunikationszentrum. Der Verteidigungsminister und der Wirtschaftsminister; zwischen all diesen wichtigen Leuten fühlte Williams sich noch unwohler als sonst. Er schwitzte, ihm lief der Schweiß über seine Halbglatze hinunter zur Stirn und benetzte schließlich die Gläser seiner Brille. Delanguel ging es wahrscheinlich nicht viel besser. Die hübsche, schlanke Französin war erst vor vier Monaten ins Amt gehievt worden, ein solcher Eklat konnte ihre Karriere auf Eis legen, wenn nicht gar ruinieren, was ihre sonst schon aggressive Art noch verstärkte. Schaper und Hung dagegen wirkten eher genervt als beunruhigt. Offenbar glaubten sie an eine technische Störung. Delanguel drehte sich zu Williams um:

„Mr. Williams, würden Sie bitte den Herrschaften die Problematik erläutern?“ In diesem Moment schien die Stimme der jungen Frau tatsächlich absolut ruhig und professionell, sie hatte sich bemerkenswert unter Kontrolle. Williams erhob sich langsam und wandte sich seinem Publikum zu. Sein Puls raste, er hatte noch nie vor gleich drei so wichtigen Menschen gesprochen, obwohl sein Beruf es mit sich brachte, dass er mit bedeutenden Leuten zu tun hatte. Der Techniker räusperte sich.

„Danke, Ministerin Delanguel. Gentlemen, wir stehen hier offenbar vor einem ernsthaften Problem. Vor mittlerweile zweiunddreißig Minuten empfingen wir einen Notruf unserer Tetum3-Mine vom Mars. Dr. Cordena, der Stationsarzt, berief sich auf Notfallverordnung 71k), das bedeutet eine sofortige Evakuierung des Komplexes im Falle eines Angriffs. Wir haben daraufhin die Raumfähre GZK 5 aktiviert, die für solche Situationen ständig im Hangar der Station steht. Wie Sie wissen, erfolgt eine solche Aktivierung aus Sicherheitsgründen immer von der Erde aus und wird daraufhin vom Personal der Mine bestätigt. Wir haben bislang aber weder eine solche Bestätigung noch einen weiteren Notruf empfangen.“ Der Techniker hielt kurz inne, um hastig Luft zu holen.

„Normalerweise dauert es ziemlich genau sieben Minuten, bis eine Nachricht übertragen wird, wenn man vom momentanen Stand der Erde zum Mars ausgeht. Rechnen wir also sieben Minuten für unsere Antwort, vielleicht zwei Minuten zum Einleiten der Evakuierungsprotokolle und dann nochmal sieben Minuten für die Übertragung der Reaktion auf die Erde, dann hätten wir vor ungefähr einer Viertelstunde eine Antwort aus der Mine erhalten müssen. Das ist bislang aber nicht erfolgt. Auch auf einen erneuten Kommunikationsversuch unsererseits kam keine Reaktion.“

„Ein Angriff?“ Der dickliche Minister aus Hamburg runzelte die Stirn. „Wer hätte die Mine denn bitte angreifen sollen? Da oben ist doch niemand, unser wirklicher Feind sitzt hier auf der Erde!“

„Ich weiß, dass Sie lieber die Anarchisten auf der anderen Seite des Atlantiks fertig machen würden, aber das hier ist mindestens genauso wichtig! Tetum3 ist unsere Lebensader. Ohne das Mineral ginge hier unten nichts. Also fahren Sie bitte fort, Mr. Williams!“ Der Wirtschaftsminister erkannte offenbar allmählich die möglichen Folgen des Vorfalls.

„Danke, Sir! Also, wie gesagt, es hätte längst eine Antwort erfolgen müssen. Und selbst wenn sie in der Aufregung die Einhaltung der Vorschriften vergessen haben sollten: Sobald jemand dort oben die Aktivierung der Fähre bestätigt, müssten wir das mitbekommen. Das ist aber auch nicht passiert. Entweder ist unsere Nachricht also nicht angekommen, was eigentlich nicht sein kann, oder dort oben war niemand, der darauf reagiert hat.“ Erst als er die Worte ausgesprochen hatte, wurde Williams ihre Bedeutung klar. Vielleicht war dort oben niemand mehr am Leben, vielleicht reagierte niemand auf die Übertragung, weil der Angreifer – wer immer er war – sie alle umgebracht hatte.

„Also was tun wir, meine Herren?“ Delanguel schaltete sich ein. „Mr. Williams ist unser bester Kommunikationsoffizier, er ist sicher, dass die Nachricht durchgekommen und somit etwas nicht in Ordnung ist.“

„Dann sollten wir jemanden da hoch schicken, der nach dem Rechten sieht. Ich glaube zwar auch nicht an einen Angriff, aber auch ein Unfall kann katastrophale Folgen für die Wirtschaft auf der Erde haben.“ Hung schien nun vollends überzeugt.

„Ich weiß ja nicht“, erwiderte Schaper, „was soll denn groß passiert sein? Die Förderung ist sicher, die Station auf dem neuesten Stand der Technik. Ein Unfall ist quasi ausgeschlossen. Von der Erde ist in den letzten Wochen keine Fähre gestartet, ein Angriff scheidet also auch aus. Oder glauben Sie, dass irgendwelche Aliens den Mars überfallen haben? Die da oben sind einfach in Panik geraten, weil irgendetwas nicht ganz nach Plan gelaufen ist. Jetzt haben sie da Problem wahrscheinlich gelöst und es ist ihnen peinlich, das Ganze zuzugeben.“

Delanguel starrte den Deutschen an. „Das ist nicht Ihr Ernst, oder? Sie ignoranter Arsch, da oben könnten Menschenleben in Gefahr sein, geschweige denn von einer potentiellen Unterbrechung der Tetum3-Versorgung!“ Die berüchtigte cholerische Ader der Ministerin bahnte sich einen Weg.