Miss Nimmersatt -  Folge 3 - Emma Hamilton - E-Book

Miss Nimmersatt - Folge 3 E-Book

Emma Hamilton

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Beschreibung

Folge 3. HUNGRIG IN HANOI: Mia liebt es, Neues auszuprobieren. Um einige kulinarische Entdeckungen zu machen, scheint daher eine spontane Reise nach Vietnam ideal. Doch wird die Spießigkeit ihres Freundes, sich außerhalb seiner Wohlfühlzone zu bewegen, zu einem Hindernis, oder verleiht sie Mias Leben am Ende noch neue Würze? Mias Reiseroute: Miami - London - Surrey (Kricket spielen?) - Hanoi - Ha Long Bay - Hue - Hoi An - Nha Trang - Da Lat - Saigon - Ho Chi Minh City - Singapur? - London; Mit Rezepten zum Nachkochen und Genießen, in dieser Folge: Birnen-Brombeer-Crumble mit Mandeln und Marzipankugeln nach Cornwall-Art; Auberginen nach vietnamesischer Art. "Miss Nimmersatt" ist der Name von Mia Maxwells Food-Blog und einer Serie über die Jagd nach den besten Rezepten auf der ganzen Welt, verfeinert mit einer guten Prise Liebe. Mia Maxwell liebt Essen! Ob liebliche Lavendelwolken- oder würzige Kürbis-Cupcakes, Röstfisch mit Meerfenchel nach Cornwall-Art, vietnamesische Nudelsuppen mit Chili und Koriander, sizilianische Pasta alla Norma, libanesisches Hummus mit grasgrünem Olivenöl oder bodenständiges Londoner Pub-Essen, sie liebt es so sehr, dass sie es zu ihrem Beruf gemacht hat. Und auf den ersten Blick ist alles perfekt gelaufen. Zusammen mit ihrer besten Freundin Lizzie, die ein Café betreibt, wohnt sie im trendigen Ostlondon. Tagsüber widmet Mia sich ihrer eigenen Food-PR-Firma, und abends schreibt sie den Food-Blog "Miss Nimmersatt", der immer mehr Leser anzieht. Inspiration für ihren Blog bekommt sie auf den zahlreichen Reisen um die ganze Welt, die sie mit ihrem Freund Paul, einem Banker, unternimmt. Doch Mias Hunger (auf gutes Essen, Liebe und auf das Leben) ist trotzdem nicht gestillt, und als sie nach Cornwall fährt, um ein Food-Festival zu organisieren, ahnt sie nicht, dass ihr ganzes Leben auf den Kopf gestellt werden wird. Für Fans von "Chocolat", "Julie & Julia" und "Eat Pray Love". Emma Hamilton ist das Pseudonym einer englischsprachigen Journalistin und Schriftstellerin. Sie hat als Produzentin und Reporterin für das BBC und die Deutsche Welle gearbeitet und für verschiedene Magazine und Zeitungen geschrieben, u.a. The Guardian, Mail on Sunday oder Italy Magazine. Sie hat an vielen Serien und Dokumentationen mitgearbeitet, u.a. an einer über Essenskultur auf der ganzen Welt. Sechs Jahre lang lebte und arbeitete sie in Italien, im Libanon, in Äthiopien, den USA, Frankreich, Deutschland, Russland und Kamerun. Emma liebt Yoga, Laufen, Gartenarbeit und verbringt ihre Zeit gerne zu Hause mit ihrem Mann, Freunden und Familie - und gutem Essen.

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Seitenzahl: 131

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Inhalt

Cover

Miss Nimmersatt – Die Serie

Über diese Folge

Über die Autorin

Titel

Impressum

Hungrig in Hanoi

Die Rezepte zu dieser Folge

In der nächsten Folge

Miss Nimmersatt – Die Serie

Mia Maxwell liebt Essen! Ob liebliche Lavendelwolken- oder würzige Kürbis-Cupcakes, Röstfisch mit Meerfenchel nach Cornwall-Art, vietnamesische Nudelsuppen mit Chili und Koriander, sizilianische Pasta alla Norma, libanesisches Hummus mit grasgrünem Olivenöl oder bodenständiges Londoner Pub-Essen, sie liebt es so sehr, dass sie es zu ihrem Beruf gemacht hat. Und auf den ersten Blick ist alles perfekt gelaufen. Zusammen mit ihrer besten Freundin Lizzie, die ein Café betreibt, wohnt sie im trendigen Ostlondon. Tagsüber widmet Mia sich ihrer eigenen Food-PR-Firma, und abends schreibt sie den Food-Blog »Miss Nimmersatt«, der immer mehr Leser anzieht. Inspiration für ihren Blog bekommt sie auf den zahlreichen Reisen um die ganze Welt, die sie mit ihrem Freund Paul, einem Banker, unternimmt. Doch Mias Hunger (auf gutes Essen, Liebe und auf das Leben) ist trotzdem nicht gestillt, und als sie nach Cornwall fährt, um ein Food-Festival zu organisieren, ahnt sie nicht, dass ihr ganzes Leben auf den Kopf gestellt werden wird.

Über diese Folge

FOLGE 3: HUNGRIG IN HANOI

Mia liebt es, Neues auszuprobieren. Um einige kulinarische Entdeckungen zu machen, scheint daher eine spontane Reise nach Vietnam ideal. Doch wird die Spießigkeit ihres Freundes, sich außerhalb seiner Wohlfühlzone zu bewegen, zu einem Hindernis, oder verleiht sie Mias Leben am Ende noch neue Würze?

Über die Autorin

Emma Hamilton ist das Pseudonym einer englischsprachigen Journalistin und Schriftstellerin. Sie hat als Produzentin und Reporterin für das BBC und die Deutsche Welle gearbeitet und für verschiedene Magazine und Zeitungen geschrieben, u.a. The Guardian, Mail on Sunday oder Italy Magazine. Sie hat an vielen Serien und Dokumentationen mitgearbeitet, u.a. an einer über Essenskultur auf der ganzen Welt. Sechs Jahre lang lebte und arbeitete sie in Italien, im Libanon, in Äthiopien, den USA, Frankreich, Deutschland, Russland und Kamerun. Emma liebt Yoga, Laufen, Gartenarbeit und verbringt ihre Zeit gerne zu Hause mit ihrem Mann, Freunden und Familie – und gutem Essen.

Emma Hamilton

Miss Nimmersatt

Folge 3: Hungrig in Hanoi

BASTEI ENTERTAINMENT

Digitale Originalausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

Copyright © 2015 by Bastei Lübbe AG, Köln

Autorin: Emma Hamilton

Titel der englischen Originalausgabe: »Greedily Yours«

Übersetzung aus dem Englischen: Sabine Schilasky

Textredaktion: Sandra Lode

Covergestaltung: Kelly Gold

Unter Verwendung von Motiven von © Shutterstock.com: alicedaniel | graphixmania | tachyglossus | Aleynikov Pavel | Natalia Toropova | Yunna

E-Book-Erstellung: Urban SatzKonzept, Düsseldorf

ISBN 978-3-7325-0748-1

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

»Ahhhhhhhhhhh!«, schrie Mia, tastete wild nach ihrer Tasche und dem Handtuch und versuchte, den Händen zu entkommen, die ihre Augen bedeckten. Wie laut sie tatsächlich schrie, konnte sie nicht sagen, denn Paloma Faith plärrte ihr »Upside Down« in die Ohren. Eben noch hatte sie der Song an einen glücklichen, chaotischen Fantasie-Ort entführt, an dem sie nicht über Männer nachdachte, die nicht hier waren; dort konnte sie einfach mitnicken, sich in der Sonne aalen und den Takt mit den Füßen auf der Liege mitklopfen.

Vom hektischen Wedeln verrutschte nun ihr Handtuch, so dass Mia sich darin verfing, und die Liege neigte sich bedenklich zur Seite.

Ihr blieb nicht einmal Zeit zu überlegen, wer sie überfiel. Sie wollte sich nur von diesen großen, nassen Händen befreien. Von einer Sekunde auf die andere hatten sie ihre Augen bedeckt, und eine Männerstimme erklang dicht an ihrem Ohr, während sich ein Schädel an ihren presste und Wasser aus seinem Haar auf ihre Wange und ihre Schulter tropfte. In dem Moment hatte sie geschrien, seine Hände weggezerrt und sich von der Liege in den Sand fallen lassen.

Endlich konnte sie die Ohrstöpsel herausziehen und rappelte sich auf. Sie hatte solches Herzklopfen, dass sie fürchtete, es würde ihren Brustkorb sprengen. Ihr war schlecht. Als sie die Augen richtig aufmachte und sich umblickte, bemerkte sie eine kleine Menge um sich herum. Auf einmal war Paul da, beruhigte alle und sagte lächelnd: »Ist schon okay. Alles okay.« Fünf oder sechs Leute waren auf Mias Schreie hin herbeigelaufen.

»Warst du das, Paul? Du dämlicher Idiot, ich hätte fast einen Herzinfarkt bekommen!«, schimpfte Mia atemlos. Ihre Kehle war rau und brannte vom Schreien, und ihr Adrenalinspiegel war nach wie vor sehr hoch. Ihr blieb keine Zeit, über das nachzudenken, was sie tat, denn sie war maßlos wütend, angespannt und bereit zur Flucht. Bevor Paul reagieren konnte, wurde Mia klar, dass die Leute sie unsicher beobachteten. Ihrem Tonfall nach rechneten sie sicher damit, gleich Zeugen eines handfesten Krachs zu werden. Einige der Frauen begannen sich abzuwenden, ehe Mia auf ihren Freund losging; die Männer hingegen blieben noch.

»Alles in Ordnung?«, fragte ein kräftiger Kerl mit gewaltigen Armen und einem straffen Sixpack – eingeölt, gewachst und auf die Farbe von Siebzigerjahre-Kiefernmöbeln gebräunt.

Mia drehte sich zu ihm um und wurde rot, weil alle sie anstarrten. Doch sie konnte nichts sagen. Ihr Mund klappte einfach nur auf und wieder zu.

»Süße, wir wollen nur wissen, ob alles okay ist«, sagte eine hübsche Latina in einem limonengrünen Bikini, deren blondes Haar perfekt nach hinten gekämmt war und sich über ihren tiefbraunen Rücken ergoss. Sie legte eine Hand auf Mias Unterarm.

Die Sorge der anderen überforderte Mia, und sie merkte, dass ihr die Tränen kamen. Schließlich stammelte sie: »Mir geht es gut. Ich dachte nur, dass ich ausgeraubt werde, weil mir jemand von hinten die Augen zugehalten hat. Ich, ähm, schätze, das war mein Freund.«

Doch Paul schüttelte den Kopf. »Das war ich nicht, Mia. Das war Karl«, sagte er und zeigte verlegen zu einem anderen blonden Mann, der ihm recht ähnlich sah, auch wenn er noch durchtrainierter und muskulöser wirkte. Paul konnte noch so viel trainieren, er blieb einfach schlank. Karl war ebenfalls gewachst und rasiert, und er hatte ein sehr klassisches Gesicht: Züge wie gemeißelt, lange Nase, blaue Augen. Perfekt für einen Nachrichtensprecher oder den Darsteller des Jungen von nebenan in einer Dramaserie. Mia sah die beiden ungläubig an, während Paul fortfuhr: »Ich habe Karl dazu angestiftet. Wir haben uns zufällig im Wasser getroffen, und ich dachte, du findest es witzig. Dabei wollte ich vom Wasser aus zusehen. Ich war doch nicht darauf vorbereitet, dass du hier alles zusammenschreist. Tut uns leid, dass wir dir Angst eingejagt haben. Stimmt’s, Karl?«

Karl nickte zerknirscht, und die anderen wandten sich kopfschüttelnd von den drei Europäern ab, die so eine Szene gemacht hatten.

»Was in aller Welt ist denn in dich gefahren?«, schrie Mia, die allmählich wieder bei Stimme war. »Ich hätte beinahe einen Herzschlag gekriegt! Gott, ich dachte, dass ich ausgeraubt, überfallen, vergewaltigt oder weiß der Geier was werde! Was hast du denn gedacht, wie ich reagiere? Ich liege hier am Strand, denke mir nichts Böses, und auf einmal schleicht sich ein Fremder von hinten an mich ran und hält mir die Augen zu. Mein Gott! Du bist ein Idiot!« Sie fühlte, wie erneut Tränen in ihren Augen brannten, und vor lauter Wut stampfte sie mit dem Fuß in den Sand.

Karl war immerhin klug genug, sich ehrlich beschämt zu geben, und Paul schien auch ziemlich eingeschüchtert.

»Mia, es tut mir so, so leit. Wir tachten, tass tu mich gesehen hast, und Paul meinte, tass tu tas wötzig findest.«

»Es wie finde?«, fragte Mia, die einige Mühe hatte, Karls brutalen Akzent zu verstehen.

»Wötzig«, antwortete Karl betont langsam, als würde er mit einem Kind reden.

»Er meint witzig«, sprang Paul ihm bei.

Nun musste Mia doch beinahe schmunzeln. Dieser Kerl war selbst recht »wötzig« mit seinem deutschen Akzent. Er klang fast wie die deutschen Soldaten in der britischen Comedy-Serie ’Allo ’Allo. Sie versuchte, nicht zu grinsen, denn die beiden sollten für die grauen Haare bezahlen, die ihr wahrscheinlich in diesem Moment wuchsen. »Wötzig«, aber seit sie bei der Tarot-Kartenlegerin gewesen war, fühlte sich Mia innerlich ruhiger. Ja, unerwartete Ereignisse konnten sie nach wie vor reichlich aus dem Konzept bringen; allerdings stellte sie fest, dass sie aufgehört hatte, Paul so eifrig nachzugeben und ihm alles nachzusehen, wie sie es praktisch während ihrer gesamten Beziehung getan hatte. Neuerdings machte sie, was sie wollte, wann sie wollte, und sagte ihm, was sie dachte, wenn ihr danach war. Und es schien zu funktionieren. Anscheinend akzeptierte er die stärkere Mia, die mehr Mia war.

»Ehrlich, ich verstehe ja, dass es ein Scherz sein sollte, aber der war richtig blöd. Was habt ihr denn geglaubt, wie ich reagiere? Hast du nicht gesehen, dass ich meine Kopfhörer drinhatte und dich nicht mal hören konnte? Ist dir klar, wie beängstigend das war? Und vor allem, was machst du hier in Miami?«

»Ach, na ja, ich bin zu einem Bodybuilder-Wettbewerb hier, und ich wollte gerade ins Wasser springen, ta sehe ich Paul.«

Paul grinste verlegen. »Ja«, hüstelte er. »Ich hatte keine Ahnung, dass Karl gleichzeitig mit uns herkommt. Ein irrer Zufall, was? Aber wo er schon mal hier ist, habe ich ihn eingeladen, heute Abend zu uns zu stoßen, okay?«

»Ähm, ja, klar«, antwortete Mia, die immer noch durcheinander und plötzlich vollkommen erledigt war, kaum dass der Adrenalinrausch verebbte. Sie sank zurück auf die Liege, schlang ihr Handtuch fester um sich und versuchte, in einer Zeitschrift zu blättern. Paul ging eine weitere Liege holen, damit Karl sich zu ihnen legen konnte. Über den Rand ihrer Zeitschrift hinweg linste Mia zu Paul. Noch nie hatte sie ihn so freundlich und offen erlebt. Wahrscheinlich sieht er Karl öfter als mich. Schließlich arbeiten sie praktisch täglich zusammen, dachte sie. Und wenn Karl den Effekt hatte, dass Paul lockerer und spaßiger wurde, machte es Mia nicht das Geringste aus, ihn dabeizuhaben.

»Bist du mit irgendjemandem hier, Karl?«, fragte sie.

»Nö, nö, ganz allein.« Er lächelte. »Und jetzt habe ich Paul gefunden … und tich, Mia.«

»Stimmt«, sagte sie nachdenklich. Sie wusste nicht recht, was sie von der Situation halten sollte, konnte aber schlecht Paul zur Rede stellen, solange Karl da hockte und sie beide anstrahlte. Bald kehrte Paul mit einer dritten Liege zurück.

»Hier, du kannst dich hierherlegen, Karl«, sagte er und schob die Liege zwischen Mias und seine. Karl streckte sich in dem Bereich aus, den Paul normalerweise als Mindestabstand verlangte, damit ihm weder Mia noch sonst jemand zu dicht auf die Pelle rückte.

Mia wunderte sich noch mehr und sah Paul fragend an. Der jedoch rieb sich die Hände. Er wirkte sehr zufrieden. »Brauchst du ein Handtuch, Karl?«, fragte er. Nun schossen Mias Augenbrauen nach oben.

»Tanke, Paul.« Paul sah aus, als wollte er Karl abrubbeln, überlegte es sich aber anscheinend anders und warf ihm nur das Handtuch zu … mit einem strahlenden Lächeln.

Mia nahm kopfschüttelnd ihr Buch wieder auf. Paul und Karl unterhielten sich angeregt und cremten sich sogar gegenseitig den Rücken ein. Seltsam, denn Mia hatte sich längst abgewöhnt, Paul darum zu bitten, weil er sagte, dass er es nicht ausstehen könne, schmierige Sonnencreme an den Händen zu haben.

Nach ein paar Stunden, in denen sie lasen, dösten und noch einige Male schwimmen gingen, wanderten sie zurück zum Hotel.

»Wo wohnst du, Karl?«, fragte Mia höflich.

»In tem Hotel gleich ta. Tas große weiße«, antwortete er lächelnd und schlug Paul auf den Rücken. Die beiden wirkten entzückt, wiedervereint zu sein, und sprachen davon, vor dem Abendessen gemeinsam zum Work-out zu gehen.

»Ah, dann sind wir im selben Hotel«, sagte Mia. Dieser Tag wurde immer seltsamer.

»Ja, ich weiß«, antwortete Karl. »Als Paul mir erzählt hat, tass er nach Miami fliegt, habe ich ihm gesagt, tass tas ein gutes Hotel ist, so nah beim Strand, nicht. Ich wohne immer ta, wenn ich in Miami bin.«

»Ach was? Das hattest du mir gar nicht erzählt, Paul.«

»Hatte ich nicht?«, murmelte er. »Ich dachte, ich hätte. Aber ist ja wohl auch nicht wichtig, oder?«, fragte er mürrisch. Er hatte offensichtlich beschlossen, auf Konfrontationskurs zu gehen, anstatt sich von ihr attackieren zu lassen.

»Dann hattet ihr zwei das geplant?«, platzte Mia heraus. Sie war verärgert, dass Paul es nicht mal wenige Tage mit ihr und ohne seinen Personal Trainer aushielt. Diese Beziehung ist vielleicht ein bisschen zu eng, dachte sie. Ich wusste ja, dass ihm das Training Spaß macht – immerhin habe ich die beiden selbst zusammengebracht –, aber ich hätte nicht gedacht, dass Paul nicht mal ohne seinen Kumpel Urlaub machen kann.

»Natürlich nicht, Mia. Es ist schlicht ein glücklicher Zufall. Hätten wir es geplant, wäre Karl ja wohl gleich zu Beginn des Wochenendes aufgetaucht, oder?«, erwiderte Paul streng.

Dagegen konnte Mia nichts sagen. Trotzdem nahm sie Pauls Arm und lotste ihn ein Stück zur Seite. »Ich schätze, ich bin immer noch ein bisschen unter Schock von vorhin am Strand. Trotzdem wundert es mich, dass dein Personal Trainer ausgerechnet dann in Miami aufkreuzt, wenn wir nur für wenige Tage hier sind, und er dir auch noch zufällig am Strand über den Weg läuft. Vor allem verstehe ich nicht, was du dir dabei gedacht hast, den armen Kerl zu diesem Streich zu überreden. Kommst du denn nicht mal ein paar Tage ohne Personal Training aus?«

Karl blickte demonstrativ auf sein Handy, das ihm gerade einer der Hotelbediensteten gegeben hatte, der auf seine Sachen aufpasste, solange er im Wasser war. Er ging noch einige Meter weiter weg und gab vor, sie nicht zu belauschen.

Pauls Miene verfinsterte sich. »Oh Gott, Mia, das war doch bloß ein Witz! Musst du alles immer so ernst nehmen? Ich dachte, du glaubst, dass ich es bin, und dass es witzig wäre, wenn du dann Karl siehst, weil du ihn ja eigentlich nicht kennst. Ich wollte nur deine Reaktion sehen. Nie hätte ich erwartet, dass du den halben Strand zusammenschreist wie ein hysterisches Kleinkind und wir fast verhaftet werden.«

»Du übertreibst mal wieder«, fauchte Mia. »Wir wurden nicht fast verhaftet, obwohl du einen Fremden überredet hast, mich hinterrücks zu packen, als ich nichts hören konnte! Selbstverständlich habe ich geschrien! Ich dachte, dass mich jemand ausrauben wollte.«

Statt zu antworten, sah Paul hinüber zu Karl, der so tat, als sei er vollkommen in seine Handy-Nachrichten vertieft. Mia spürte, wie sie noch wütender wurde. Sie hasste es, ausgelacht zu werden, und Pauls und Karls »Scherz« auf ihre Kosten bereitete ihr ein verstörendes Unbehagen. Doch sie wollte nicht schon wieder unangenehm auffallen, also schüttelte sie den Kopf und hängte sich ihre Strandtasche wieder über die Schulter. Diese Diskussion kann bis später warten, beschloss sie, legte eine Hand auf Pauls Arm und wählte den Weg des geringsten Widerstands.

»Hör mal, ich muss nach oben und mich frisch machen. Wenn ihr zwei noch trainieren wollt, können wir uns in ein paar Stunden zum Essen treffen, in Ordnung?«

Paul sah froh aus, dass sich der Sturm zu legen schien. Lächelnd kehrte er zu Karl zurück und schlug ihm auf die Schulter. Mia war nicht wohl dabei, wie schnell sie sich absprachen und mit einem fröhlichen Winken in Richtung Fitnessraum abzogen, während Mia sich allein auf den Weg zu ihrem Zimmer machte.

Sie ließ Wasser in die tiefe Wanne ein und legte sich aufs Bett, in der Hoffnung, mit Lizzie skypen zu können. Ihren Blog zu aktualisieren, war sie nicht in der Stimmung. Sie schaltete ihren Computer ein, und mehrere Nachrichten blinkten auf. Unter anderem hatte sie eine Benachrichtigung, dass jemand eine persönliche Mitteilung auf ihrem Blog hinterlassen hatte. Mia klickte darauf und loggte sich ein.

Jemand mit einem Blognamens Jagen & Sammeln. Steckte tatsächlich Tom dahinter? Es würde passen, denn schließlich sammelte er seine Nahrung in den Hecken von Cornwall. Aber jagen? Restlos überzeugt war sie nicht, musste aber zugeben, dass sie dieses Rätseln recht reizvoll fand. Was sie niemals laut aussprechen würde. »Sehen wir mal, was du zu sagen hast.«

»Liebe Miss Nimmersatt«, las sie leise und überflog die kurze Mitteilung.