Miss Nimmersatt -  Folge 8 - Emma Hamilton - E-Book

Miss Nimmersatt - Folge 8 E-Book

Emma Hamilton

0,0
2,99 €

Beschreibung

Folge 8. Dinner for One?: Mia hätte nie gedacht, dass aus ihrem jährlichen Aufenthalt in Cornwall anlässlich des von ihr organisierten Food-Festivals einmal mehr werden könnte als Arbeit. Doch während sie und Tom ihre beruflichen Ambitionen verfolgen, steht Mia dieses Jahr vor der entscheidenden Frage, ob die Zukunft gemeinsame Mahlzeiten oder doch eher ein "Dinner for One" bereithält. Mit Rezepten zum Nachkochen und Genießen, in dieser Folge: Warmer Zitronenpudding - Vitello Tonnato. "Miss Nimmersatt" ist der Name von Mia Maxwells Food-Blog und einer Serie über die Jagd nach den besten Rezepten auf der ganzen Welt, verfeinert mit einer guten Prise Liebe. Mia Maxwell liebt Essen! Ob liebliche Lavendelwolken- oder würzige Kürbis-Cupcakes, Röstfisch mit Meerfenchel nach Cornwall-Art, vietnamesische Nudelsuppen mit Chili und Koriander, sizilianische Pasta alla Norma, libanesisches Hummus mit grasgrünem Olivenöl oder bodenständiges Londoner Pub-Essen, sie liebt es so sehr, dass sie es zu ihrem Beruf gemacht hat. Und auf den ersten Blick ist alles perfekt gelaufen. Zusammen mit ihrer besten Freundin Lizzie, die ein Café betreibt, wohnt sie im trendigen Ostlondon. Tagsüber widmet Mia sich ihrer eigenen Food-PR-Firma, und abends schreibt sie den Food-Blog "Miss Nimmersatt", der immer mehr Leser anzieht. Inspiration für ihren Blog bekommt sie auf den zahlreichen Reisen um die ganze Welt, die sie mit ihrem Freund Paul, einem Banker, unternimmt. Doch Mias Hunger (auf gutes Essen, Liebe und auf das Leben) ist trotzdem nicht gestillt, und als sie nach Cornwall fährt, um ein Food-Festival zu organisieren, ahnt sie nicht, dass ihr ganzes Leben auf den Kopf gestellt werden wird. Für Fans von "Chocolat", "Julie & Julia" und "Eat Pray Love". Emma Hamilton ist das Pseudonym einer englischsprachigen Journalistin und Schriftstellerin. Sie hat als Produzentin und Reporterin für das BBC und die Deutsche Welle gearbeitet und für verschiedene Magazine und Zeitungen geschrieben, u.a. The Guardian, Mail on Sunday oder Italy Magazine. Sie hat an vielen Serien und Dokumentationen mitgearbeitet, u.a. an einer über Essenskultur auf der ganzen Welt. Sechs Jahre lang lebte und arbeitete sie in Italien, im Libanon, in Äthiopien, den USA, Frankreich, Deutschland, Russland und Kamerun. Emma liebt Yoga, Laufen, Gartenarbeit und verbringt ihre Zeit gerne zu Hause mit ihrem Mann, Freunden und Familie - und gutem Essen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 132

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Inhalt

Cover

Miss Nimmersatt – Die Serie

Über diese Folge

Über die Autorin

Titel

Impressum

Dinner for One?

Rezepte in dieser Folge

Miss Nimmersatt – Die Serie

Mia Maxwell liebt Essen! Ob liebliche Lavendelwolken- oder würzige Kürbis-Cupcakes, Röstfisch mit Meerfenchel nach Cornwall-Art, vietnamesische Nudelsuppen mit Chili und Koriander, sizilianische Pasta alla Norma, libanesisches Hummus mit grasgrünem Olivenöl oder bodenständiges Londoner Pub-Essen, sie liebt es so sehr, dass sie es zu ihrem Beruf gemacht hat. Und auf den ersten Blick ist alles perfekt gelaufen. Zusammen mit ihrer besten Freundin Lizzie, die ein Café betreibt, wohnt sie im trendigen Ostlondon. Tagsüber widmet Mia sich ihrer eigenen Food-PR-Firma, und abends schreibt sie den Food-Blog »Miss Nimmersatt«, der immer mehr Leser anzieht. Inspiration für ihren Blog bekommt sie auf den zahlreichen Reisen um die ganze Welt, die sie mit ihrem Freund Paul, einem Banker, unternimmt. Doch Mias Hunger (auf gutes Essen, Liebe und auf das Leben) ist trotzdem nicht gestillt, und als sie nach Cornwall fährt, um ein Food-Festival zu organisieren, ahnt sie nicht, dass ihr ganzes Leben auf den Kopf gestellt werden wird.

Über diese Folge

FOLGE 8: DINNER FOR ONE?

Mia hätte nie gedacht, dass aus ihrem jährlichen Aufenthalt in Cornwall anlässlich des von ihr organisierten Food-Festivals einmal mehr werden könnte als Arbeit. Doch während sie und Tom ihre beruflichen Ambitionen verfolgen, steht Mia dieses Jahr vor der entscheidenden Frage, ob die Zukunft gemeinsame Mahlzeiten oder doch eher ein »Dinner for One« bereithält.

Über die Autorin

Emma Hamilton ist das Pseudonym einer englischsprachigen Journalistin und Schriftstellerin. Sie hat als Produzentin und Reporterin für das BBC und die Deutsche Welle gearbeitet und für verschiedene Magazine und Zeitungen geschrieben, u.a. The Guardian, Mail on Sunday oder Italy Magazine. Sie hat an vielen Serien und Dokumentationen mitgearbeitet, u.a. an einer über Essenskultur auf der ganzen Welt. Sechs Jahre lang lebte und arbeitete sie in Italien, im Libanon, in Äthiopien, den USA, Frankreich, Deutschland, Russland und Kamerun. Emma liebt Yoga, Laufen, Gartenarbeit und verbringt ihre Zeit gerne zu Hause mit ihrem Mann, Freunden und Familie – und gutem Essen.

Emma Hamilton

Miss Nimmersatt

Folge 8: Dinner for One?

BASTEI ENTERTAINMENT

Digitale Originalausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

Copyright © 2015 by Bastei Lübbe AG, Köln

Autorin: Emma Hamilton

Titel der englischen Originalausgabe: »Greedily Yours«

Übersetzung aus dem Englischen: Sabine Schilasky

Textredaktion: Sandra Lode

Covergestaltung: Kelly Gold

Unter Verwendung von Motiven von © Shutterstock.com: alicedaniel|graphixmania|bulatova|KoQ Creative|Yunna

E-Book-Erstellung: Urban SatzKonzept, Düsseldorf

ISBN 978-3-7325-0753-5

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Mia zog die Decke über sich, als Tom besorgt seine Tante Agatha zurückrief. Mit einem innerlichen Seufzer wurde ihr klar, dass aus ihrem romantischen Wochenende, wie sie es sich eben noch ausgemalt hatte, wohl nichts werden würde. Dieser Gedanke verflüchtigte sich allerdings, sobald sie Toms panische Stimme hörte.

»Tante Ag, tut mir leid, ich, ähm, ich hatte das Telefon nicht gehört und habe eben erst gesehen, dass du angerufen hast. Ist alles in Ordnung?«

Zwar konnte Mia die Antwort nicht verstehen, doch sie sah, wie Tom sehr blass wurde. Sie legte eine Hand auf seinen Arm, auch wenn sie sich nicht aufdrängen wollte, denn was immer sich da an Familientragödie abspielen mochte, ging sie letztlich nichts an. Trotzdem drückte sie Toms Arm ein wenig fester, als sie das Zittern in seiner Stimme wahrnahm. Er bemühte sich spürbar, ruhig zu bleiben, während er nach seiner Uhr auf dem Nachttisch griff.

»Heute Abend fährt kein Zug mehr, also kann ich frühestens morgen früh da sein … Hast du schon mit Silvia gesprochen? Fährt sie? … Dann fahre ich zu ihr. Ich rufe sie an, und wir sind morgen so früh wie möglich da. Bleibst du über Nacht bei ihm im Krankenhaus? … Oh, du darfst nicht? … Ja, gut, ich rufe dich dann zu Hause an. Okay … Aber wie geht es ihm? … Ja, wir sehen uns so bald wie möglich. Sag ihm, dass ich ihn liebe, ja?«

Tom beendete das Gespräch und fuhr sich mit den Händen durchs Haar, so dass die Locken noch wilder abstanden als sonst. »Oh Gott, Mia, es ist mein Vater! Er wurde mit dem Notarztwagen ins Krankenhaus gebracht. Sie glauben, dass er einen Herzinfarkt hatte. Ich fühle mich so mies, und ich kann nicht vor morgen früh da sein. Jetzt muss ich erst mal Silvia anrufen. Entschuldige …«

»Das ist ja furchtbar, Tom! Wenn ich irgendwas tun kann, sag es einfach. Soll ich dir ein Taxi rufen, damit du jetzt gleich zu Silvia fahren kannst? Wir haben leider kein Auto, sonst würde ich dich hinfahren.«

Tom schüttelte den Kopf. »Nein, da kann ich jetzt auch nichts tun. Ich fahre morgen früh zu ihr. Aber ich muss sie anrufen.«

Seine Hand zitterte, als er über das Display wischte, um Silvias Nummer aufzurufen.

»Silv!«, sagte er mit brüchiger Stimme. »Tante Ag sagt, sie hat dich schon angerufen. Seit wann weißt du es? … Wann fährst du? … Okay … Ich bin dann um vier morgen früh bei dir und … Was? … Oh Gott, du hast recht. Okay, ich springe sofort in ein Taxi. Wartest du auf mich? … Nein, ich, ähm, bin bei Mia.«

Auf seine Worte hin sprang Mia aus dem Bett und begann sich anzuziehen. Alles wohlig Schläfrige von eben war verflogen, und jetzt kam ihr das Zimmer genauso chaotisch vor, wie Tom sich anhörte. Hastig griff sie nach ihrem Telefon und bestellte ein Taxi für Tom.

Er wühlte in seinen Taschen, ob er auch alles eingesteckt hatte – Telefon, Schlüssel, Brieftasche.

»Tut mir leid, Mia, in solchen Sachen bin ich nicht besonders gut. Bis Silvia es gesagt hat, war mir nicht mal klar, dass es schon drei Uhr ist, und sie fährt um vier los, deshalb muss ich jetzt gleich zu ihr. Ach«, sagte er, legte die Arme um Mias Taille und zog sie an sich. »Ich hatte mich so darauf gefreut, das Wochenende mit dir zu verbringen, aber ich muss zu meinem Vater. Ich ruf dich an, okay?«

Dann küsste er sie, bevor er seine Jacke überstreifte und sehnsüchtig seufzend zu Mias zerwühltem Bett sah. Er begann, die anderen Jacken und Mäntel aufzuheben, die sie vor wenigen Stunden hinuntergeworfen hatten, doch Mia hielt ihn zurück. Sie nahm seine Hände und sah ihn an.

»Ist schon gut, Tom, ich räume das auf. Natürlich musst du zu deinem Vater, das verstehe ich vollkommen. Ich wünschte nur, ich könnte irgendwie helfen, irgendwas tun. Grüß ihn bitte ganz herzlich von mir, und mach dir meinetwegen keine Gedanken. Uns bleiben noch andere Wochenenden, hoffe ich, und ich fand es sehr schön heute Nacht, na ja, bis zu dem Anruf, klar …« Mia verstummte, denn sie sah, dass Tom viel zu abgelenkt war, um ihr richtig zuzuhören.

Er klopfte ein letztes Mal seine Taschen ab, nachdem er seine Socken und Stiefel angezogen hatte. Als er gerade seinen zweiten Stiefel schnürte, klingelte der Taxifahrer. Tom küsste Mia und winkte ihr zu, während er die Treppe hinunterstürmte.

Für einen Moment lehnte sie den Kopf an den Türrahmen. Sie wusste nicht recht, was sie denken sollte. Die Müdigkeit dämpfte ihre Gefühle, doch ihr Herz pochte noch wild von den jüngsten Ereignissen. Sie wollte bei Tom sein, wusste jedoch, dass ihre Anwesenheit in dieser Situation befremdlich wäre. Du kannst nur schlafen und abwarten, sagte sie sich.

Leise schloss sie die Wohnungstür und sammelte die auf dem Boden verstreuten Sachen auf. Schließlich legte sie sich wieder ins Bett und wickelte sich in die Decken, die noch nach Tom rochen. Sie atmete tief ein und versuchte, sich zu beruhigen.

Es dauerte eine Weile, bis Mia einschlafen konnte, denn ihre Gedanken überschlugen sich. Sie fragte sich, ob Tom rechtzeitig bei Silvia ankam, und stellte sich vor, wie die beiden die M4 nach Südwesten rasten, während die schläfrigen Klänge des Nachtradios die Dunkelheit füllten.

*

Im Auto bestand Silvia darauf, das erste Stück zu fahren. Sie würden mindestens vier bis fünf Stunden brauchen, wenn nicht mehr, je nachdem, wie viel Verkehr unterwegs war. »Ich habe ein paar Stunden geschlafen, und wie du aussiehst, hattest du gar keinen Schlaf«, sagte sie grinsend. Typisch große Schwester.

Tom entgegnete, dass er sowieso nicht schlafen könnte, doch kaum saßen sie in Silvias großem schwarzen Geländewagen und lauschten dem Radiomoderator, der ein langes Interview führte, fielen ihm die Augen zu. Silvia lächelte wieder, trat aufs Gas und fuhr die Ringstraße um London herum zur M4 nach Westen.

Anderthalb Stunden später hielten sie auf der Höhe von Bristol und tauschten die Plätze. Tom rieb sich die Augen und trank den Kaffee, den Silvia ihm in dem Tankstellenshop besorgt hatte. Sie legten sich 90er-Jahre-Protestmusik aus Silvias Studentenzeiten auf. Auch wenn sie nicht auf der 303 fuhren, die an Stonehenge vorbeiführte, sangen sie laut mit den Levellers mit:

»Down the 303, at the end of the road,

Flashing lights, exclusion zones …«

Die Sonne war noch nicht aufgegangen, als sie von der Autobahn abfuhren, doch bei Dartmoor zeigte sich erstes Licht am Horizont. Nachdem sie noch einmal die Plätze getauscht hatten, fing die graue, neblige Landschaft allmählich zu funkeln an, und die Sonne schien durch die Heckscheibe ins Auto, als wolle sie die beiden anschieben.

Es war fast neun, als sie in eine Parklücke vor dem Krankenhaus bogen. Es war ein riesiger Parkplatz, allerdings auch sehr voll, und an der Notaufnahme herrschte reger Betrieb.

»Es ist noch keine Besuchszeit!«, rief der Pförtner, als sie nach der Kardiologie fragten, aber Silvia und Tom waren bereits um die Ecke und eilten über den Korridor zu den Fahrstühlen. Im fünften Stock folgten sie den Wegweisern zur Station. Tom fühlte sich benommen. Die lange Fahrt hatte ihn mehr Energie gekostet, als er sich eingestehen wollte, und die Vorstellung, seinen Vater an lauter Maschinen hängen zu sehen, überwältigte ihn. Die Korridore waren verlassen, als sie sich nach jemandem umsahen, den sie fragen konnten, wo ihr Vater lag. Schließlich fanden sie ein Schwesternzimmer, wo ihnen die Schwester dasselbe sagte wie unten der Pförtner: »Tut mir leid, noch ist keine Besuchszeit.«

»Ja, wissen wir, aber unser Vater wurde gestern Abend eingeliefert, und wir sind die halbe Nacht gefahren, um ihn zu sehen. Könnten wir wenigstens mit jemandem sprechen, der ihn behandelt hat?«, fragte Silvia, die merklich die Geduld verlor.

»Warten Sie hier. Ich sehe mal, was ich tun kann. Was sagten Sie, wie Ihr Vater heißt?«

»Arthur Trelawney«, antwortete Tom, während sie sich auf die Stühle beim Stationszimmer setzten.

Silvia stand gleich wieder auf, um sich auf die Suche nach einem Kaffeeautomaten zu machen. Sie kam mit zwei Plastikbechern zurück. »Tut mir leid, was anderes konnte ich nicht finden. Ich bezweifle, dass in diesem Automatenzeug echter Kaffee ist. Mir kommt das eher wie Milchpulver, Zucker und brauner Farbstoff vor, aber ich dachte, damit bringen wir zumindest die Zeit rum.«

Gedankenverloren nippten sie an ihrer gezuckerten Milch, die sich für Kaffee ausgab, und einzig das laute Ticken der Uhr über dem Stationszimmer durchbrach die eintönige Stille. Als eine Krankenschwester vorbeiging, gelang es Silvia, sie lange genug aufzuhalten, damit sie ihnen verriet, wo ihr Vater lag.

»Ah ja, Lord Trelawney, ja, der ist am Ende des Flurs in einem der Privatzimmer. Der Kardiologe müsste in ungefähr einer Stunde da sein, aber sicher macht es nichts, wenn Sie mal kurz bei ihm reinsehen. Zimmer 109, hier links, dann rechts und dann die zweite Tür links.«

Sie folgten der Beschreibung der Krankenschwester und fanden das Zimmer. Tom spähte durch das Milchglas, ob sich drinnen etwas bewegte, bevor sie vorsichtig die Tür öffneten.

Ihr Vater lag eingesunken in dem Bett, seine Brust war mit Kabeln mit diversen Maschinen verbunden. Seine Augen waren geschlossen, und seine Hände, von denen in einer eine Kanüle steckte, die mit einer Infusion verbunden war, lagen auf der weißen Bettdecke. Silvia und Tom standen unsicher an der Tür. Sie wussten beide nicht, was sie tun sollten. Tom merkte, wie ihm Tränen in die Augen stiegen. Er drehte sich zu Silvia und nahm ihre Hand. Wortlos einigten sie sich darauf, ihren Vater schlafen zu lassen und auf den Stühlen draußen vorm Zimmer auf den Kardiologen zu warten.

Etwa eine Stunde später erwachte die Station langsam zum Leben, als die Ärzte ihre Visite machten und die ersten Besucher kamen. Die Sonne war um das Gebäude herumgewandert und flutete den langen Korridor mit den blassgrünen Wänden und dem Sterilium-Geruch mit Licht. Hin und wieder kamen Pflegekräfte oder Schwestern vorbei, die Rollwagen schoben und Patienten mit Infusionsständern zur Toilette halfen. Doch im Zimmer ihres Vaters blieb alles ruhig bis auf das gleichmäßige Piepen der Maschinen.

Tom nickte hin und wieder an Silvias Schulter ein, während sie auf den behandelnden Arzt warteten. Schließlich weckten sie feste Schritte aus ihrem leichten Schlummer, und sie blickten zu einem rotgesichtigen, munter wirkenden Mann auf.

»Sind Sie die Angehörigen von Lord Trelawney? Ich bin Dr. Scott, der Facharzt hier auf der Kardiologie.«

Tom rieb sich die Augen und stand mit Silvia zusammen auf.

»Wie geht es ihm? Wir wollten ihn nicht stören, weil es aussah, als würde er schlafen. Wie schlimm ist es, Doktor?«

»Tja, ziemlich übel. Ihr Vater hatte gestern Abend einen schweren Herzinfarkt. Wahrscheinlich braucht er einen dreifachen Bypass, aber zuerst müssen wir ihn noch ein wenig stabilisieren. Wir hoffen, dass wir ihn spätestens Ende der Woche operieren können. Nach dem, was Ihre Tante gestern erzählte, hat sie alles völlig richtig gemacht, daher sind wir noch optimistisch, dass sich die Schäden in Grenzen halten. Genaueres wissen wir allerdings erst, wenn wir noch einige Untersuchungen gemacht haben. Doch auch dafür muss sich sein Körper nach dem massiven Schock erst wieder stabilisieren.«

Tom und Silvia waren sehr blass. »Können wir vorher mit ihm reden? Wird er vorher wach?«

»Ja, und er müsste sprechen können, aber er bekommt sehr starke blutverdünnende Medikamente. Wir überwachen sämtliche Vitalfunktionen, und es könnte sein, dass er den Tag weitestgehend verschläft. Meiner Meinung nach wäre es auch das Beste für ihn«, sagte Dr. Scott. Der Arzt war es sichtlich gewohnt, gelassen über beängstigende medizinische Abläufe zu sprechen, bei denen die meisten Laien weiche Knie bekamen.

»Was wir auf keinen Fall für Ihren Vater wollen«, fuhr er fort, »sind irgendwelche Überraschungen oder Stress, also wenn Sie da reingehen, müssen Sie unbedingt ruhig und gefasst sein. Er sollte möglichst gar nicht belastet werden.«

Tom und Silvia nickten. Dr. Scott ging als Erster ins Zimmer. Durch die Milchglasscheibe konnte Tom nur Schatten erkennen, aber es schien nicht so, als wäre sein Vater wach, obwohl Dr. Scott mit den Schwestern zusammen die Maschinen kontrollierte. Während der Arzt drinnen war, nahm Tom sein Telefon hervor und schrieb eine Nachricht an Mia.

Guten Morgen Mia, wir sitzen seit einigen Stunden im Krankenhaus. Mein Vater ist noch nicht wach, aber der Arzt sagt, er hatte einen schweren Infarkt. Er sieht so winzig aus, und wir konnten noch nicht mit ihm reden. Die Nachtfahrt wirkt jetzt ein bisschen irre, aber wir mussten hier sein, schon um unseretwillen, schätze ich. Hoffentlich konntest du mehr schlafen als ich.

Tom X

*

In London schrillte das Piepen mitten in Mias Träume. Müde hob sie den Kopf und tastete auf dem Fußboden nach ihrem Telefon, das sie letzte Nacht nach dem Anruf bei der Taxizentrale dort liegen gelassen hatte. Als sie es endlich gefunden hatte, strich sie sich mit einer Hand das Haar nach hinten und wischte mit der anderen übers Display. Sie lächelte, als sie Toms Nachricht las, obwohl die Neuigkeiten von seinem Vater nicht gut klangen. Aber Mia freute sich, dass er Wort gehalten und sich gemeldet hatte. Das bedeutete ihr viel.

Sie zog sich ein zweites Kissen heran, damit sie höher lag und besser tippen konnte.

Freut mich, dass ihr heil angekommen seid. Es hört sich ziemlich beängstigend an, aber sicher ist er in guten Händen. Ich hoffe sehr, dass sie etwas für ihn tun können und ihr bald mit ihm reden könnt. Ich denke an dich.

Mia x