Mission Space Opera - Alfred Bekker - E-Book
Beschreibung

Aliens bedrohen die Existenz der Menschheit. Raumschlachten, der Kampf zwischen Sternenreichen und Abenteuer im fernen Weltall – darum geht es in den Romanen und Erzählungen dieses Buches. Dieses Ebook enthält folgende Romane und Erzählungen: Avalon Space Fighter – Weltraumkrieg Terrifors Geschichte Erstes Kommando Mega Killer Reloaded Wurmloch Passage Cover: STEVE MAYER

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Alfred Bekker

Mission Space Opera

Fünf Weltraum Abenteuer: Cassiopeiapress Science Fiction

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Missio Space Opera

Das große Buch der Space Opera

 

Alfred Bekker

 

 

 

© der Digitalausgabe Alfred Bekker CASSIOPEIAPRESS

Ein Cassiopeiapress E-Book

AlleRechte vorbehalten.

Www.AlfredBekker.de

Postmaster@AlfredBekker.de

 

Aliens bedrohen die Existenz der Menschheit.

Raumschlachten, der Kampf zwischen Sternenreichen und Abenteuer im fernen Weltall – darum geht es in den Romanen und Erzählungen dieses Buches.

 

 

Dieses Ebook enthält folgende Romane und Erzählungen:

 

Avalon Space Fighter – Weltraumkrieg

Terrifors Geschichte

Erstes Kommando

Mega Killer Reloaded

Wurmloch Passage

 

 

 

Avalon Space Fighter - Weltraumkrieg

von Alfred Bekker

Ein CassiopeiaPress E-Book

© by Author

© der Digitalausgabe 2014 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

www.postmaster@alfredbekker.de

Kapitel 1: Wettflug im All

Rhon schaltete auf die höchste Beschleunigungsstufe. Ein dumpfer, brummender Laut, verbunden mit einem leichten Zittern, durchlief den Raumjäger AVALON-22. Rhons Gesicht wirkte angespannt. Er schaltete die automatische Steuerung ab und musste sich nun auf das Höchste konzentrieren – denn vor ihm lag die Davis-Wolke: Ein Gebiet voller Asteroiden, Kleinplaneten und frei durch das All schwebender Brocken aus Gestein und Eis. Um diese Wolke schnell genug zu durchqueren, hatte er alle automatischen Steuerungssysteme, die den Raumpiloten normalerweise unterstützten, abgeschaltet. Er flog jetzt nur noch per Hand.

Ein Steuerknüppel wurde dazu aus den Armaturen ausgefahren.

Auf dem Hauptbildschirm des kleinen Ein-Mann-Raumjägers vom AVALON-Typ sah Rhon nun einen zweiten Jäger auftauchen. Es war ein baugleicher Jäger – geformt wie ein dreieckiger Keil mit einem kleinen, kuppelartigen Aufbau und nur für eine Person gedacht. Es gab zwar einen zweiten Sitz in den AVALON-Jägern, aber der war nur für Notfälle – etwa wenn ein verunglückter Pilot gerettet werden musste.

Rhon schaltete den Funk ein.

„Hier Rhon. Da bist du ja endlich! Ich dachte schon, du willst dich vor dem Rennen drücken!“

Auf einem kleinen Nebenbildschirm war das Gesicht von Erric zu sehen, dem Piloten des zweiten Raumjägers.

„Hi, Captain!“

„Willst du das Rennen jetzt noch, oder hast du es dir anders überlegt, Erric?“

„Natürlich will ich es! Was denkst du denn?“

„Naja, die Davis-Wolke ist keine einfache Strecke...“

„Wenn sie dir zu schwierig ist, Rhon... Also ich habe hier in letzter Zeit des öfteren trainiert, deswegen dürfte das für mich kein Problem sein!“

Rhon grinste. „Alles klar, dann gehen wir jetzt in Startdistanz. Startzeitpunkt ist exakt in sechzig Sekunden von meinem Signal an. Zielpunkt: Asteroid X456.“

„Mit Höhlendurchflug bei Mantop 6677?“, hakte Erric nach.

„Na, willst du ein interessantes Rennen oder im Cockpit einschlafen, Erric?“

Errics Raumjäger ging auf Startdistanz, was bedeutete, dass er nicht mehr als zehntausend Kilometer von Captain Rhons AVALON-22 entfernt war. Das war eine Strecke halb um den Äquator eines Planeten der erdähnlichen Klasse – aber im All nicht mehr als ein Katzensprung.

Errics Raumjäger flog also bis auf 10 000 Kilometer an Rhons Maschine heran, dann flogen beide Raumschiffe für einige Augenblicke synchron nebeneinander.

„Signal“, sagte Rhon und betätigte dabei eine Schaltung auf dem Touchscreen in seinem Cockpit. Sechzig weitere Sekunde mussten sie nun synchron fliegen – mit gleichbleibendem Abstand und gleicher Geschwindigkeit. Danach konnte das Rennen starten.

Als das Rennen startete, gingen beide Maschinen sofort auf höchste Beschleunigungsstufe. Rhon wurde förmlich an den Sitz gedrückt. Mit beiden Händen hielt er den Steuerknüppel. Sein Blick war auf den Hauptschirm gerichtet. Wenn er sich nur auf das verlassen hätte, was man durch die Sichtfenster des Jägers sehen konnte, dann hätte das ganz schnell ins Auge gehen können, denn die Ortungssysteme der AVALON-22 konnten sehr viel mehr erkennen. Rhon hatte sie vor dem Start noch einmal gründlich überprüft und das System zusätzlich noch durch ein paar kleine Änderungen verbessert.

Zumindest hoffte er, dass es Verbesserungen waren.

Aber falls nicht, würde er das bald merken.

Haarscharf schnellte die AVALON-22 an einem Ball aus schmutzigem, grauweißem Eis vorbei. Dieser Zwergplanet hatte in seinem Inneren allerdings einen Kern aus Gestein und Metall, weswegen seine Anziehungskraft vergleichsweise hoch war. Rhon nutzte sie aus, um sich damit wie mit einer Schleuder fortschießen zu lassen und noch mehr zu beschleunigen, als es das Triebwerk gestattet hätte. Einem Felsbrocken von nur wenigen hundert Metern Durchmesser musste er allerdings wenig später etwas ausweichen und verlor dabei wieder an Tempo.

Unzählige Objekte schwebten in der Davis-Wolke, die sich über ein Raumgebiet von zehn Astronomischen Einheiten erstreckte. Man konnte die Bahnen dieser Brocken, die wie ein gewaltiges Trümmerfeld wirkten, nicht exakt vorausberechnen. Dazu stießen sie zu häufig gegeneinander, was dann zur Folge hatte, dass sie sich völlig anders durch das All bewegten, als man es ursprünglich hätte erwarten können. Die Instrumente registrierten die Anziehungskraft eines weiteren Objektes. Aber es war nicht rund, sondern wie eine Hantel geformt und bestand aus festem, granitähnlichem Gestein. Außerdem drehte es sich völlig chaotisch um den eigenen Schwerpunkt und hatte dadurch Ähnlichkeit mit einem torkelnden Kreisel. Dass dieses Objekt sich so unkontrolliert bewegte, musste wohl daran liegen, dass es erst vor kurzem eine Kollision mit einem mindestens gleichgroßen Himmelskörper hinter sich gehabt hatte. Ein paar kleine Gesteinsbrocken waren bei diesem Zusammenstoß offenbar abgesprungen und umkreisten jetzt den hantelförmigen Asteroiden. Für Captain Rhon waren das in erster Linie gefährliche Geschosse, auf die er achten musste. Manche waren nur so groß wie ein Fußball, umkreisten die Steinhantel aber so schnell, dass sie wie eine Granate gewirkt hätten, wenn sie auf die Außenhaut des Raumjägers getroffen wären.

Die automatische Steuerung der AVALON-22 hätte jetzt eigentlich das Tempo vermindert und einen Kurs berechnet, bei dem darauf geachtet wurde, dass keiner dieser kleinen Brocken, die allesamt von der Ortung angezeigt wurden, dem Raumjäger zu nahe kamen.

Aber Rhon hatte diese Automatik ja abgeschaltet.

Genau das wollte er nämlich vermeiden, weil es ihn aufgehalten hätte. Erric war ihm mit seiner AVALON-11 ohnehin schon dicht genug auf den Fersen. Und daran, auf welche Weise der Raumjäger seines Verfolgers durch dieses kosmische Trümmerfeld raste, konnte Rhon sofort erkennen, dass auch Erric jede Automatik abgeschaltet hatte und per Hand flog.

Mit Höchstbeschleunigung raste Rhon an der dünnsten Stelle der Steinhantel vorbei, die aussah wie eine Wespentaille.

Plötzlich gab es einen Ruck. Ein Alarmsignal schrillte. Etwas hatte die AVALON-22 am Heck getroffen. Rhon blickte auf die Instrumente. Irgendeinen der unzähligen Gesteinsbrocken hatte er wohl unterschätzt. Und nun klaffte ein etwa ein Meter großes Loch in der rechten Tragfläche des Jägers.

Halb so schlimm, dachte Rhon. Schließlich brauchte man die Tragflächen des keilförmigen Raumjägers ohnehin nur dann, wenn man in die Atmosphäre eines erdähnlichen Planeten eindrang und dort landen wollte.

Rhon riss den Steuerknüppel zur Seite und ließ den Raumjäger einen Schwenk nach links machen, um einem weiteren, kartoffelförmigen Gesteinsbrocken auszuweichen, der allerdings bereits die Größe eines kleinen Mondes hatte. Es hatte hier sogar mal eine vollautomatisch betriebene Station gegeben, die die Aufgabe gehabt hatte, Strahlungskonzentrationen zu messen, aber man hatte sie aufgegeben. Beim Vorbeiflug war der Kuppelbau der Station allerdings noch in einem der Krater zu sehen, von denen der Kartoffel-Asteroid vollkommen übersät war.

Captain Rhon hielt sich dicht an der Oberfläche des Asteroiden. An einigen Stellen traten Gase aus dem Inneren in kleinen Fontänen aus und bildeten Nebelwolken, die die Sicht etwas behinderten. Die Gaskonzentration reichte bereits aus, um die AVALON-22 etwas abzubremsen.

Rhon bemerkte jetzt, dass Erric mit seinem Jäger vom Ortungsschirm verschwunden war. Die Instrumente zeigten ihn einfach nicht mehr an. Als ob die Schwärze des Weltraums ihn mitsamt seinem Raumjäger verschluckt hatte!

An den Tragflächen der AVALON-22 bildeten sich Funken. Flammen blitzten auf. Das kam durch die Reibung an den Gasen.

Harmlos, dachte Rhon. Offenbar war bei den aus dem Kartoffel-Asteroiden austretenden Gasen der Sauerstoffanteil recht hoch. Und Sauerstoff entzündete sich nun einmal schnell. Aber ein AVALON-Raumjäger war dagegen gut gerüstet. Solange der Hitzeschutz intakt war, konnten da draußen die Flammen ruhig hochschlagen. Von der Oberfläche des Himmelskörpers sah das dann wohl wie eine Sternschnuppe aus.

Dann ließ er den Asteroiden hinter sich.

Von links schoss Etwas dicht an ihm und der AVALON-22 vorbei. Flammen blitzten grell auf und die Sichtfenster verdunkelten sich automatisch, damit Rhon nicht geblendet wurde.

Die Flammen verloschen und im nächsten Moment zeigten die Instrumente an, um was für ein brennendes Geschoss es sich da handelte.

Es war Erric mit seinem Raumjäger.

Er hatte den kartoffelförmigen Asteroiden offenbar auf der andere Seite umrundet. Und nun schoss er um Haaresbreite an Rhons Raumjäger vorbei und gewann die Führung in diesem rasanten Rennen. Die Flammen verloschen, als Erric aus dem Einflussbereich der Gase geriet – genau wie bei Rhons Jäger.

„Na, was sagst du nun“, meldete sich Erric über Funk. „Haarscharf vor der Nase deiner Maschine her! Das machst du mir so schnell nicht nach!“

„Glück gehabt. Das hätte ins Auge gehen können“, gab Rhon zurück.

„Ach Quatsch, du bist doch sonst auch nicht so zimperlich! Oder bist du plötzlich zum Angsthasen geworden?“

Rhon schaltete auf Höchstbeschleunigung. Er wurde erneut an seinen Sitz gepresst und versuchte nun, sich die Führung zurückzuholen. „Abgerechnet wird am Schluss, Erric!“, ließ er seinen Konkurrenten über Funk wissen.

Erric musste unterdessen ein paar kleineren Eisbrocken ausweichen und verlor dadurch etwas an Geschwindigkeit. Rhon gelang es, mit seinem Jäger gleichzuziehen. Das Triebwerk lief mit voller Kraft und alles im Cockpit vibrierte jetzt leicht. Beide Raumfahrzeuge jagten dicht nebeneinander und fast gleichauf durch das All.

Dann tauchte Mantop 6677 vor ihnen auf. Der Zwergplanet war annähernd kugelförmig und einer der größten Himmelskörper in der gesamten Davis-Wolke. Aber er hatte nicht viel Masse, denn er war so löchrig wie ein Schweizer Käse. Das Gestein, aus dem er bestand, hatte eine geringe Dichte und Höhlengänge zogen sich durch den Zwergplaneten. Eine davon war groß genug, um hindurchzufliegen. Man kam dann auf der anderen Seite von Mantop 6677 wieder heraus.

Wer als erster in diese tunnelartige Höhle flog, hatte das Rennen schon so gut wie gewonnen. Innerhalb des Höhlengangs war es nahezu unmöglich, den anderen zu überholen und wenn man mit dem Raumjäger auf der anderen Seite wieder herausgeschossen kam, war da nur noch eine sehr kurze Strecke bis zum Zielpunkt zurückzulegen. Zu kurz, um da noch einmal für ein Überholmanöver ausreichend beschleunigen zu können.

Beide Raumjäger rasten mit höchster Beschleunigung auf den Eingang der Höhle zu.

Rhon erreichte mit seiner AVALON-22 den Eingang des Höhlengangs nur ganz knapp vor seinem Konkurrenten.

„Tut mir leid, Erric. Aber diesmal gewinnst du nicht“, ließ Rhon seinen Kontrahenten über Funk wissen.

„Das war Glück – sonst gar nichts“, knurrte Erric.

Captain Rhon sah Errics angestrengtes, konzentriert wirkendes Gesicht auf dem kleinen Nebenbildschirm.

Das Rennen war gelaufen – so dachte zumindest Rhon. Niemand konnte so wahnsinnig ein und jetzt noch versuchen, ihn zu überholen.

Nicht einmal Erric – und der war für seine tollkühne Waghalsigkeit bekannt.

Doch Rhon sollte sich getäuscht haben.

Erric versuchte trotz allem Risiko noch innerhalb des Höhlenganges zu überholen, denn er wusste ganz genau, dass es danach zu spät sein würde, um das Rennen noch gewinnen zu können.

Erric beschleunigte und holte auf. Dann versuchte er, vorbeizuziehen. Eine der Tragflächen seines Raumjägers geriet dabei an die Höhlenwand. Funken sprühten, und dann gab es eine Explosion.

Die Druckwelle schleuderte Rhon mit seiner AVALON-22 förmlich aus dem Höhlenausgang – wie eine Kugel aus einer riesigen Kanone.

Eine Feuersbrunst wallte hinter der AVALON-22 her und flammte aus dem Höhlenausgang heraus. Trümmerteile von Errics Jäger wurden durch das All geschleudert und glühten kurz auf.

Kapitel 2: Der Raumkreuzer

Rhon bremste seinen Raumjäger ab. Es hatte jetzt keinen Sinn mehr, zum Zielpunkt zu fliegen. Stattdessen drehte Rhon ab und ließ die AVALON-22 einen Halbkreis fliegen. Noch immer flog er die Maschine mit der Hand. „Bordrechner, bitte die Umgebung des Explosionsherdes nach Lebenszeichen aller Art absuchen“, sagte er dann laut.

„Negativ“, meldete die Kunststimme des Bordcomputers. „Es ist nicht möglich, irgendwelche Lebenszeichen anzumessen.“

Rhon schluckte.

Nach dem, was er von der Explosion mitbekommen hatte, war eigentlich auch nichts anderes zu erwarten gewesen. Rhon blickte auf die Ortungsanzeige. Mehrere Dutzend Trümmerstücke des explodierten Jägers waren eindeutig zu sehen. Aber nicht Erric. Die Raumanzüge waren mit Sendern ausgestattet und eigentlich hätte Rhon daher ein entsprechendes Signal längst auf dem Schirm haben müssen, falls Erric doch wider Erwarten überlebt hatte. Ganz ausgeschlossen war das selbst bei einer so gewaltigen Explosion und der völligen Zerstörung des Schiffes nicht. Die Raumanzüge waren Feuer- und Druckfest und wenn die Explosion selbst den Raumpiloten nicht zerfetzte, sondern er nur von der Druckwelle erfasst wurde, musste er noch irgendwo im All schweben. Aber war war nichts. Kein Sender. Keine Biozeichen gar nichts.

„Erric, was hast du für einen Mist gemacht!“, schimpfte Rhon. „Kein Mensch versucht in dieser Höhle zu überholen.“ Er schüttelte fassungslos den Kopf. Offenbar war Erric doch von der Explosion zerrissen worden – und zwar so gründlich, dass nicht einmal einzelne Teile seines Raumanzug noch orten ließen, die aus einem Material waren, das sich eigentlich von den Sensoren erkennen ließ. Erric war immer schon sehr draufgängerisch gewesen, aber dass er bei einem Rennen so weit gehen würde, in der Höhle von Mantop 6677 ein derart riskantes Manöver zu fliegen, hatte Captain Rhon nicht erwartet. Obwohl sie immer Rivalen gewesen waren, wenn es darum ging, zu bestimmen, wer der bessere Raumjägerpilot von ihnen war, so hatten sie sich doch auf der anderen Seite sehr nahe gestanden. Rhon hatte einen Freund verloren. Eine Flut von Gedanken überkam ihn jetzt und er biss sich dabei auf die Lippen.

Ein letztes Mal wiederholte er die Suche, schaltete erneut sämtliche Ortungssysteme auf Höchstleistung und vergrößerte das abzusuchende Gebiet um die Hälfte.

Das Ergebnis blieb jedoch dasselbe.

Null.

Erric, du Wahnsinniger!, ging es ihm durch den Kopf. Das hätte nicht passieren dürfen.

Rhon war innerlich so gefangen, dass er das Signal auf dem Touchscreen übersah. Die Computerstimme war von ihm abgestellt worden, die ihn sonst auf das Signal hingewiesen hätte. Aber deren Gequatsche konnte er im Moment nicht ertragen.

Das blinkende Signal bedeutete, dass jemand ihn über Funk zu erreichen versuchte.

Rhon öffnete die Verbindung.

„Hier Rhon“, meldete er sich.

„Hier AVALON Raumkreuzer. Habt ihr dort ein Problem? Ich habe hier eine ziemlich üble Explosion geortet.“

Auf dem Nebenbildschirm erschien ein Gesicht: Jung, weiblich, sehr ebenmäßig, meergrüne Augen. Das lange schwarze Haar war zu einem streng wirkenden Knoten zusammengefasst.

Ausgerechnet die, dachte Rhon.

Ihr Name war Tabeja und sie stammte von einem Planeten, dessen Siedler von der Philosophie des Ya-don geprägt waren, deren höchster Wert die Beherrschung aller menschlichen Leidenschaften durch Gedankendisziplin war. Das gab ihr oft ein für Außenstehende recht kühl und zurückhaltend wirkendes Auftreten. Ihr Gesicht zeigte selten Regungen und wirkte völlig gleichmütig.

Erric hatte Tabejas Ya-don-Gläubigkeit nie davon abgehalten, sie ständig anzubaggern und manchmal schien es so, als würde nur Tabejas strenge Erziehung im Geist des Ya-don sie daran hindern, darauf einzugehen.

„Erric hat versucht, mich in der Höhle von Mantop 6677 zu überholen und das ist schief gegangen“, berichtete Rhon knapp und mit belegter Stimme.

„Oh“, sagte Tabeja leise und auf ihrer ansonsten stets vollkommen glatten Stirn erschien eine ganz leichte Falte, die von der Nasenwurzel etwa zwei Fingerbreit die Stirn hinaufreichte. Für ihre Verhältnisse war das ein Gefühlsausbruch.

„Erric kommt nicht zurück“, erklärte Rhon.

Captain Rhon steuerte seinen Raumjäger auf schnellstem Weg aus der Davis-Wolke heraus. Danach schaltete er sogar die Computersteuerung wieder ein und lehnte sich zurück.

Sein Bildschirm zeigte eine Übersicht des gesamten Systems. Zehn Planeten kreisten um den Stern, den man vor langer Zeit nach dem berühmten Raumkapitän und Entdecker James Armando Davis benannt hatte. Das war in einer Zeit gewesen, als Raumfahrt nicht nur ein Zeitvertreib für Jugendliche, sondern ein wichtiges Verkehrsmittel für Wirtschaft, Forschung und Militär gewesen war. Die Planeten Davis-3 und Davis-4 waren erdähnlich und besiedelt. Und vor allem gab es dort Transmitter-Stationen über die man sich innerhalb von Augenblicken auf jeden besiedelten Planeten in der Galaxis beamen lassen konnte. Die Galaktische Netzrepublik umfasste hunderttausende von Planeten – aber so weit entfernt sie auch sein mochten – Waren und Personen ließen sich ohne Zeitverlust überall hinbeamen, sofern es dort einen Transmitter gab. Dass die Raumfahrt nach der Erfindung des Transmitters so gut wie ausgestorben war, konnte niemanden verwundern. Schon seit Jahrhunderten wurden kaum noch Raumschiffe gebaut. Die Schiffe der alten Raumflotte waren abgewrackt worden und schwebten in riesigen Weltraumschrottplätzen.

Zu den wenigen, die sich für diesen Schrott interessierten waren die sogenannten Spacer – Jugendliche, die sich die alten Schiffe wieder herrichteten und sie unter anderem dazu benutzten, in abgelegenen Gegenden der Galaxis Rennen zu fliegen. Es gab sie überall – und man ließ sie gewähren, solange sie niemandem Schaden zufügten, außer vielleicht sich selbst.

Abgesehen davon gab es auch gar nicht mehr genug Raumfahrzeuge in der Hand der Behörden, mit denen man die Spacer von ihrem Hobby hätte abhalten können.

Rhon flog auf Davis-10 zu, einen himmelblauen, kalten Gasriesen, dessen Durchmesser dreißig mal so groß war wie der Durchmesser der Erde. 67 Monde umkreisten Davis-10 und außerdem ein ehemaliges Kriegsschiff der galaktischen Kriegsflotte. Wie so viele andere Schiffe war es auch abgewrackt worden, nachdem die Transmitterverbindungen ein richtiges Netz aus Beam-Straßen über die Milchstraße gespannt hatte. Fast die gesamte Milchstraße gehörte zur Galaktischen Netzrepublik. Wer hätte diesen Verbund schon angreifen sollen?

Bis zur nächsten Galaxis klaffte ein sternenloses Nichts von vielen hunderttausend Lichtjahren.

Der Raumkreuzer hieß AVALON und war geformt wie ein langgezogenes Y. An Bord gab es eine Flotte von hundert Raumjägern, die mit den Bezeichnungen AVALON-01 bis AVALON- 100 durchnummeriert waren. Allerdings waren die Maschinen nicht alle einsatzfähig und die Spacer hatten viele der Jäger ausgeschlachtet, um damit den verbleibenden Rest wieder herzurichten.

Die Spacer der AVALON hatten Rhon zu ihrem Captain gewählt. Er hatte Erric bei der entscheidenden Abstimmung geschlagen, wenn auch nur knapp. Genauso knapp wie Rhon ihn bei den meisten Rennen besiegt hatte, die sie gegeneinander geflogen waren.

Nur selten war Erric als erster ins Ziel gelangt – und offenbar war es ihm enorm wichtig gewesen, Rhon diesmal zu schlagen. Jedenfalls hatte Erric dafür alles auf eine Karte gesetzt – und verloren.

So ein dummer sirianischer Dreikopfhund!, dachte Rhon. Er selbst war zwar auch risikobereit, aber für ein einfaches Übungsrennen sein Leben zu riskieren, wäre ihm nicht eingefallen.

Erric schien das hingegen gleichgültig gewesen zu sein.

Deinen Ruf als Mann ohne Nerven hast du jetzt jedenfalls für die Ewigkeit, dachte Rhon voller Bitterkeit.

An der AVALON öffnete sich ein Außenschott und Rhon bremste den Raumjäger stark ab. Dann ließ er die AVALON-22 in die Luftschleuse einfliegen. Das Schott schloss sich wieder. Ein paar Augenblicke dauerte es noch, in denen Luft in die Schleuse gepumpt wurde.

„Atmosphäre ist hergestellt“, meldete schließlich die Computerstimme.

Rhon öffnete das Jägercockpit und kletterte heraus. In dem etwas klobigen Raumanzug, den er sicherheitshalber bei Rennen trug, war das gar nicht so einfach. Er setzte den Helm ab, stieg aus dem Anzug und warf ihn ins Cockpit, bevor er es wieder schloss. Eigentlich sollte man das so nicht machen und zu seinen Aufgaben als gewählter Captain gehörte es unter anderem auch, darauf zu achten, dass mit den Ausrüstungsgegenständen von allen ordentlich umgegangen wurde. Schließlich waren viele davon nicht mehr zu ersetzen. Raumanzüge wurden kaum noch hergestellt. Allenfalls noch für Forscher, die Welten unter die Lupe nehmen wollten, auf denen es keine Transmitter-Stationen gab. Aber diese Anzüge waren Einzelstücke und kosteten ein Vermögen. In den Kleiderkammern der AVALON hatten die Jugendlichen hunderte von voll funktionsfähigen Raumanzügen vorgefunden. Alle aus unverrottbaren Materialien, die sich unter günstigen Umständen Jahrtausendelang halten konnten. Aus diesen Kleiderkammern stellten sich die Spacer auch ihre Uniforme zusammen. Uniformen, die inzwischen von niemandem mehr getragen wurden. Dazu hatten sie sich von der bordeigenen Roboter-Werkstatt eigene Embleme anfertigen lassen. Ein Erkennungszeichen, das nur für die Spacer der AVALON galt und in das außerdem noch ein Kommunikator eingebaut war, sodass jeder von ihnen andauernd über Funk erreichbar war.

Zumindest so lange er sich in der AVALON aufhielt.

Über die bordeigenen Transmitter konnte man nämlich von hier aus jederzeit auf seine Heimatwelt zurück. Rhon selbst stammte von der Erde und die lag zwanzigtausend Lichtjahre vom gegenwärtigen Standort der AVALON entfernt. Aber über das Transmitternetz konnte man sich innerhalb von nicht einmal zehn Sekunden dorthin – oder an jeden anderen zur galaktischen Netzrepublik gehörenden Ort – beamen lassen.

Tabeja zum Beispiel kehrte in den Zeiten, da sie an Bord war, fast täglich nach Hause auf den Ya-don-Planeten zurück, um dort unter Anleitungen eines Ya-don-Meisters ihre geistigen Übungen zu machen.

Rhon ging die wenigen Schritte durch die Korridore.

Ein Vibrationssignal zeigte ihm an, dass jemand ihn über den Kommunikator, den er an der Schulter trug, zu erreichen versuchte. Aber Rhon reagierte nicht darauf. Zu sehr hatte ihn Errics Tod aufgewühlt. Und dass man ihn zum Captain gewählt hatte, hieß ja schließlich nicht, dass er kein Recht auf ein paar Minuten Privatleben hatte und allen jederzeit zur Verfügung stehen musste.

Immer noch ziemlich aufgewühlt erreichte er die Zentrale der AVALON. Dort gab unzählige Bildschirme. Alle in Drei-D-Qualität.

Auf dem Hauptschirm war die blaue Oberfläche des Gasriesen Davis-10 zu sehen und davor die Schatten von drei seiner Monde, die den Planeten auf unterschiedlichen Bahnen umkreisten. Im Hintergrund konnte man allerdings kaum Sterne erkennen.

Das lag daran, dass das Davis-System ganz am Rande der Milchstraßen-Galaxis lag. Dort war die Sternendichte schon sehr gering. Man nannte das den Halo oder auch einfach den galaktischen Rand. Dahinter gähnte das Nichts des Leerraums. Hunderttausende von Lichtjahre weit war dort kein einziger Stern zu finden. Geschweige denn besiedelbare Planeten.

„Was ist passiert?“, fragte Tabeja, als Rhon die Zentrale betrat. Sie saß an der Konsole, von der aus man Funk und Ortung bediente und drehte sich auf ihrem Stuhl halb herum.

Auch die anderen in der Zentrale hatten jeweils ihre Posten eingenommen. Aber jetzt sahen sie alle fragend in Rhons Richtung.

„Ich kann euch nicht mehr sagen, als ich schon über Funk mitgeteilt habe!“, erklärte Rhon düster und ließ sich in den Sitz des Captains fallen. Sein Blick fiel auf die Konsole, an der normalerweise Erric seine Instrumente bediente. „Abgesehen davon habe ich nichts dagegen, wenn ihr euch die automatischen Aufzeichnungen anseht, die der Bordcomputer meiner AVALON-22 angefertigt hat.“ Er atmete tief durch. „Und wenn ihr jetzt einen anderen Captain wollt, dann von mir aus! Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich irgendwann noch einmal in einen Raumjäger steige, um ein Rennen zu fliegen.“

Augenblicke herrschte Schweigen.

Dann meldete sich Annn zu Wort. Sie schrieb sich mit drei n, was sie für cool hielt und das in der gesamten Netzrepublik geltende Bürgerrecht auf freie Wahl des Namens erlaubte das.

„Es macht dir niemand einen Vorwurf, Rhon“, sagte sie und ihre Stimme klang angenehm sanft dabei. Ihr Haar war blond und kinnlang, die Augen so blau wie die Oberfläche von Davis-10. Annn war eine weltraumbegeisterte Individualistin, die sich vor allem für Lebensformen auf Welten interessierte, auf denen es keine Transmitter gab und die daher auch nie besiedelt werden würden. Die Raumfahrt begeisterte sie deshalb, denn anders konnte man diese Welten gar nicht erreichen. Von Raumrennen wie Erric und Rhon sie sich geliefert hatten, hielt sie dagegen gar nichts. Und daraus hatte sie auch nie einen Hehl gemacht.

„Ich mache mir selbst einen Vorwurf“, sagte Rhon. Er zuckte die Schultern. „Jedenfalls war ein Sieg in diesem verfluchten Rennen auf jeden Fall nicht Errics Leben wert!“

„Erric kannte das Risiko“, mischte sich nun eine krächzende Stimme von links ein. Sie gehörte Xorr, einem vogelähnlichen Zirpanier. Dessen Heimatwelt gehörte auch zur Netzrepublik. Xorr war etwa ein Meter achtzig groß, hatte einen falkenähnlichen, von Gefieder umkränzten Kopf und einen federlosen, von einem Gewand verhüllten Körper. Die nach hinten geknickten Vogelbeine ließen ihn ungeschickt erscheinen, was aber täuschte. Die Flügel waren bei den Zirpaniern verkümmert und zu Armen geworden, an deren Enden ein zweites paar handähnlicher Klauen wuchs.

Mit seinen sechzig Jahren war Xorr ganz gewiss der Älteste an Bord und eigentlich viel zu alt, um noch ein Spacer zu sein. Aber die Lebenserwartung von Zirpaniern war sehr viel höher als die von Menschen und mit sechzig Jahren war man bei den Vogelartigen gerade erst in der Pubertät.

„Das beste, was man über ihn sagen kann ist, dass er ein blöder Schwächling war!“, dröhnte nun eine tiefe Bassstimme durch den Raum. Sie gehörte dem 2,50 Meter großen Sirak, der zum Volk der Ampanor gehörte. Vier ungemein kräftige Arme zeichneten ihn aus und zwei säulenartige Beine.

Seine Haut war grün und geschuppt – und außerdem vollkommen haarlos. Die Facettenaugen wirkten blicklos und wenn er seinen breiten, froschähnlichen Mund öffnete, konnte man sehen, dass er keinen einzigen Zahn hatte.

Die bekam man bei den Ampanor erst nachdem man seine volle Größe erreicht hatte und das bedeutete, dass Sirak noch einen ganzen Meter zulegen musste.

Alle sahen etwas irritiert zu dem riesenhaften Ampanor hinüber, der wohl merkte, dass seine Bemerkung aus irgendeinem Grund nicht so sonderlich gut bei den anderen angekommen war.

„Tu mir einen Gefallen und benutze deinen Übersetzungscomputer, wenn du dir nicht ganz sicher bist!“, meinte Tabeja etwas säuerlicher als man es sonst von ihr kannte. Errics Tod schien sie doch mehr mitgenommen zu haben, als es ihr die Ya-don-Lehre zu zeigen gestattete.

Sirak schien etwas ratlos zu sein. „Habe ich etwas Falsches gesagt?“, fragte er. „Erric war der blödeste Schwächling, den ich kenne! Er war blöd genug, mir das Cockpit der AVALON-99 so umzubauen, dass ich hineinpasse...“ Er brach ab, sah auf das Display seines Armbandcomputers, öffnete dann sein zahnloses Breitmaul und rülpste laut.

Rülpsen war unter Ampanor ein Ausdruck der Scham.

„Tut mir leid“, meinte er. „Ich dachte, ich beherrsche eure Sprache gut genug... Aber in sensiblen Momenten sollte ich vielleicht wirklich nicht auf den Übersetzer verzichten. Ein blöder Schwächling ist die wörtliche Übersetzung für das, was ihr vielleicht einen allerbesten Freund nennen würdet...“

„Wieso nennt ihr einen guten Freund einen blöden Schwächling?“, fragte Xorr und bewegte dabei ruckartig seinen Vogelkopf.

„Ganz einfach: Ein Ampanor freundet sich lieber mit denjenigen an, die blöd und schwach sind!“

„Ein seltsames Verhalten“, meinte Xorr.

„Ganz und gar nicht!“, widersprach Sirak. „Solche Freundschaften halten länger! Denn wer blöd und schwach ist braucht deine Hilfe dringender!“

Xorr stieß einen Krächzlaut aus, von dem niemand wusste, was er bedeuten sollte – und Xorr selbst verriet es nicht.

„Also ich bin jetzt ehrlich gesagt nicht in der Stimmung für irgendwelche Besonderheiten der Ampanor-Kultur!“, meinte Annn ziemlich giftig.

Rhon hingegen hatte die ganze Zeit überhaupt nicht zugehört. Er saß in sich gekehrt im Sessel des Captains.

Kapitel 3: Ein lebender Toter

Im nächsten Augenblick glitt die Schiebetür zur Seite und ein junger Mann trat ein, dessen Kopf wie eine Krake aussah. Ein unterdrückter Laut war zu hören – unverkennbar eine menschliche Stimme.

Der Krakenmann griff sich das achtarmige Gebilde, nahm es von seinem Kopf und warf es auf den Boden.

„Klonxx findet das gar nicht nett!“, schrillte jetzt in den Köpfen aller Anwesenden eine Stimme. Keiner von ihnen hörte diese Stimme wirklich mit seinen Ohren. Es war eine telepathische Gedankenstimme, die direkt in das Gehirn hineinwirkte. „Klonxx ist sehr ärgerlich! Warum wird Klonxx nicht weiter getragen?“

„Weil Klonxx selber laufen kann!“, sagte der junge Mann, der das Krakenwesen auf den Boden geworfen hatte.

„Erric!“, entfuhr Tabeja, die wohl für einen Moment sämtliche Lehren über Gedankendisziplin, die ihre Ya-don-Lehre predigte, vergessen hatte.

Die anderen starten den Ankömmling einfach nur fassungslos an und als Rhon den Sessel des Captains herumdrehte, wirkte er für einige Augenblicke wie vom Schlag getroffen.

„Ja, ich bin's wirklich!“, sagte Erric. „Und ich versichere hiermit feierlich, dass ich keineswegs ein Gespenst bin, wie manche jetzt vielleicht glauben!“

„Wie... wie kommst du hier her?“, stammelte Rhon.

„Tut mir leid wegen dem Jäger. Ich denke die AVALON-11 ist jetzt wohl hin... Da werden nicht einmal mehr ein paar Einzelteile übrig geblieben sein, die man noch verwenden könnte...“

„Verdammt, der Jäger ist mir völlig gleichgültig!“, rief Rhon. „Ich habe gesehen, wie du explodiert bist!“

„Ich zum Glück nicht“, gab Erric zurück. „Tja, ich weiß nicht, ob ich das mal erwähnt hatte, aber wenn ich euch mit diesen technischen Details komme, dann hört ihr mir ja meistens nicht zu und verdreht nur die Augen... Also ich habe schon seit längerem versucht, mir einen kleinen Transmitter ins Cockpit zu bauen. Ehrlich gesagt hatte ich ihn noch nie ausprobiert, ob die automatische Auslösung auch wirklich funktioniert. Soweit war ich nämlich noch nicht. Scheint aber so zu sein.“

„Das heißt... du hast dich einfach weggebeamt!“, stellte Rhon ziemlich fassungslos fest.

Erric nickte. „Ganz genau. Der Transmitter war so eingestellt, dass ich direkt in einer der Beam-Stationen unseres Raumkreuzers gelandet bin...“

„Und dann hältst du es nicht für nötig, mal einen Ton zu saqen?“, fragte Rhon. „Wir haben alle gedacht, du wärst nicht mehr unter den Lebenden und bei der Explosion zerrissen worden.“

„Ich hab's ja versucht“, meinte Erric. „Also erstmal musste ich natürlich aus meinen Raumanzug herauskommen und dann ist mir ein kleines Missgeschick mit dem Kommunikator passiert!“

„Alles Ausreden!“, meinte Rhon. „In Wahrheit ist es dir nur vollkommen egal, was in den Köpfen von anderen vor sich geht!“

„Nein, so war das nicht! Als ich das Problem gelöst hatte, habe ich sofort Kontakt mit dir aufzunehmen versucht. Erst über Funk mit deinem Jäger, dann mit deinem Kommunikator und jetzt auf dem Weg zur Brücke auch noch mit dem Sprechgerät im Sessel des Captains!“

Erric deutete auf das gut sichtbare Leuchtsignal auf dem Touchscreen der Armlehne.

„Also, ich wusste ja nicht...“, murmelte Rhon.

„Na, bitte, ich hab's doch gesagt! Also bei mir geht ja sicher mal das eine oder andere daneben, aber an allem bin ich nun auch nicht schuld!“

„Klonxx denkt, dass da ein paar der Anwesenden ärgerliche Gedanken über Erric hegen!“, meldete sich das Krakenwesen mit einem seiner doch manchmal ziemlich aufdringlichen Gedanken zu Wort.

„Halt die Klappe und misch dich da nicht ein!“, wandte sich Erric an das Krakenwesen namens Klonxx.

„Klonxx hat doch gar nichts gesagt. Alles nur Gedanken! Aber die Wahrheit kommt immer heraus...“

Niemand wusste, woher Klonxx kam, von welchem Planeten er stammte oder was für einem Volk er angehörte. Und bisher hatte nicht einmal Annn, die sich ja sehr für solche Fragen interessierte, mehr darüber herausbekommen können.

Als sich Rhon und die anderen Spacer die AVALON auf dem Raumschrottplatz in Besitz nahmen und wieder flott machten, war Klonxx bereits an Bord.

Und so geschwätzig er mit seinen Gedankenbotschaften ansonsten auch sein mochte – darüber, wie er an Bord gelangt war, hatte das Krakenwesen nichts verlauten lassen.

„Vielleicht hättest du trotzdem irgendeinen Weg finden können, uns nicht so im Unklaren zu lassen“, meinte Tabeja.

„Zum Beispiel hättest du uns vor deinem Flug darüber informieren können, dass du dir eine Möglichkeit zum beamen in den Jäger gebaut hast!“, sagte Rhon.

„Hey, Mann! Ich rede den ganzen Tag über meine Konstruktionsideen und keiner hört mir zu! Aber wenn ich dann mal aus lauter Rücksichtnahme etwas nicht erwähne, ist es auch wieder nicht richtig.“

„Klonxx glaubt nicht, dass dies eine hilfreiche Bemerkung war, der von deinen Gesprächspartnern gut aufgenommen wird!“, drängte sich das Krakenwesen wieder mit einem seiner Gedanken auf. Auf seinen Tentakeln kroch es über den Boden und legte dabei eine Geschwindigkeit vor, die man ihm auf den ersten Blick gar nicht zutraute. „Klonxx möchte nicht, dass aus seiner Geschwindigkeit der Schluss gezogen wird, dass er nicht mehr getragen werden müsste...“

„Manchmal frage ich mich, ob das Biest nicht nur Gedanken senden, sondern auch lesen kann!“, meinte Erric. Er atmete tief durch. „Also es tut mir leid, ich habe niemanden von euch in eine verfrühte Trauer stürzen wollen!“

„Klonxx glaubt, dass deine Worte bei den anderen arrogant und unangemessen erscheinen!“

„Und Erric glaubt, dass Klonxx seine Gedanken für sich behalten sollte!“, reagierte Erric nun ziemlich gereizt auf den Gedanke des Krakenwesens.

Klonxx kletterte inzwischen eine der Wände der Zentrale empor. Aufgrund der Saugnäpfe an den Tentakeln war das für das Krakenwesen auch kein Problem. Er kroch über einen der großen Panorama-Bildschirme und hatte schließlich seinen Platz unter der Decke erreicht.

Immer wieder konnte man Klonxx irgendwo im Schiff unter der Decke klebend finden. Manchmal, wenn jemand vorbei kam, ließ er sich dann einfach fallen, um ein Stück getragen zu werden.

Das musste wohl Erric auf seinem Weg zur Zentrale passiert sein.

Aber das empfanden die Spacer keineswegs als die nervigste Eigenschaft des Krakenwesens. Das war zweifellos die absolute Offenheit und Respektlosigkeit, mit der er seine Gedanken äußerte – ohne Rücksicht darauf, ob er damit jemanden beleidigte oder ob es vielleicht jemandem peinlich war. Inzwischen waren sich alle ziemlich sicher, dass er Gedanken zumindest teilweise auch lesen konnte, auch wenn er anscheinend nicht alles, was in den Gehirnen von Menschen, Zirpaniern oder Ampanor vorging richtig begriff.

Klonxx fand allerdings nichts dabei, auch peinliches einfach auszusprechen – so wie es ihm in den Sinn kam.

Manchmal war das lustig – aber längst nicht immer.

Erric ging zu seiner Konsole in der zentrale. Durch einen Knopfdruck aktivierte er sie. „Hey, jetzt seht mich nicht so an! Das Ganze hat auch etwas Positives!“

„Ehrlich gesagt ist mir das entgangen“, meinte Annn.

„Na, der Cockpit-Transmitter hat funktioniert! Besser als ein altmodischer Schleudersitz ist er auf jeden Fall! Es ist doch besser, sich direkt auf das Mutterschiff in Sicherheit beamen zu lassen, wenn mal was so richtig schiefgeht, als in der Nähe eines explodierenden Raumschiffs durch das All zu schweben und darauf hoffen zu müssen, dass irgendwer da ist, der einen findet.“

„Da ist was dran“, stimmte Sirak zu. Der riesenhafte Ampanor hatte das untere seiner beiden Armpaare vor dem flachen Bauch verschränkt. „Was meinst du, könntest du so etwas auch in meine AVALON-99 einbauen? Das würde meine Elternfünfheit sehr beruhigen.“

Bei den Ampanor gab es nicht nur zwei, sondern fünf Geschlechter, was für den Nachwuchs den Nachteil hatte, dass man unter den Ampanor dazu neigte, überfürsorglich zu sein. Schließlich gab es immer fünf Elternteile, die sich um ein einziges Kind kümmerten. Trotz ihres sehr kriegerisch wirkenden Äußeren waren Ampanor-Eltern eher überängstlich und Sirak hatte oft genug davon erzählt, wie mühsam er sich seine Freiheiten hatte erkämpfen müssen. Und zwar jede einzelne! Dass er sich regelmäßig vom Ampanor-Planeten aus auf ein viele tausend Lichtjahre entferntes ausrangiertes Kriegsraumschiff beamte, um sich mit anderen Spacern zu treffen, fanden vier seiner fünf Eltern überhaupt nicht gut. Und dass Erric ihm die AVALON-99 so umgebaut hatte, dass sein massiger Körper ins Cockpit passte und Sirak auf diese Weise an den Rennen teilnehmen konnte, hatte der junge Ampanor seiner Elternfünfheit überhaupt nicht erzählt. Es war besser, wenn sie das gar nicht erfuhren, sonst machten sie sich nur unnötig Sorgen und hätten ihm vielleicht sogar sein Spacer-Leben verboten. Die Elternfünfheit ging noch immer davon aus, dass ein Ampanor in Siraks Alter einfach schon viel zu groß und umfangreich war, um sich noch ins Cockpit eines Raumjägers quetschen zu können.

„Man könnte das mit einem Transmittersitz im Cockpit noch verbessern“, meldete sich nun Xorr zu Wort. Der vogelartige Zirpanier bewegte dabei ruckartig den Schnabel in Errics Richtung.

„Immer her mit guten Vorschlägen!“, meinte dieser. Offenbar war Erric froh, dass inzwischen über etwas anderes gesprochen wurde, als über seine vermeintliche Wiederauferstehung und die Tatsache, dass er sich nicht schnell genug gemeldet hatte, was zumindest Tabeja und Rhon doch erkennbar verärgert hatte.

„Wie wäre es, wenn ich mich zum Beispiel gleich vom Pilotensitz in eine Zirpanier-Klinik auf meinem Heimatplaneten beamen lassen könnte! Denn es könnte doch sein, dass ich mich trotzdem verletzt hätte und dann wäre es doch besser...“

Ein durchdringendes Pfeifen ertönte.

„Ich glaube, das kommt von deiner Konsole, Annn“, stellte Rhon fest.

Annn wandte sich an ihre Anzeigen. „Ein Objekt im Leerraum. Ich hatte schon vor einiger Zeit den Verdacht, dass da etwas sein könnte, und eine Alarmfunktion eingeschaltet, die mir anzeigen sollte, wenn sich da wieder etwas tut...“

„Ein Objekt im Leerraum?“, fragte Erric. „Was sollte das sein?“

„Es gibt einzelne Sonnen und Planeten da draußen“, meinte Tabeja. „Die wirken zwar wie Sandkörner in einem Ozean, aber...“

„Nein, so was ist das nicht“, widersprach Annn. Ihre Finger glitten über den Touchscreen. Auf dem großen Bildschirm wurde der Raumsektor herangezoomt, indem das Objekt geortet worden war.

Aber da war nur Schwärze zu sehen – und im Hintergrund ein paar sehr ferne Galaxien.

„Ich sehe nichts“, sagte Erric. „Du vielleicht, Xorr? Zirpanier haben ja angeblich sehr viel bessere Augen als Menschen.“

Xorr stieß einen Krächzlaut aus, der wohl seiner eigenen Sprache entstammte.

„Klonxx meint, dass hieß nein, ich erkenne auch nichts“, drängte das immer noch an der Decke klebende Krakenwesen sich mit einem seiner Gedanken auf.

„Das Objekt sendet Energie aus. Ich werde die Position markieren“, erklärte Annn und ließ erneut ihre Finger über den Touchscreen tanzen.

Drei rote Punkte blinkten im nächsten Moment.

„Es ist nicht nur ein Objekt – es sind drei“, stellte Annn fest.

„Den Energieausstrahlungen nach sind das Raumschiffe oder Sonden oder irgend etwas in der Art“, glaubte Erric, der sich die Daten inzwischen auch auf seine eigene Konsole geholt hatte.

„Könnten das ein paar Spacer-Kollegen von uns sein?“, fragte Rhon.

„Wir können sie ja anfunken“, schlug Tabeja vor.

Rhon nickte. „Dann mach das doch!“

„Hier Raumkreuzer AVALON per Überlichtfunk. Bitte um Antwortsignal!“, versuchte es Tabeja. Einige Momente vergingen, ohne dass eine Antwort eintraf.

„Versuchs nochmal“, sagte Rhon.

„Ich schicke jetzt ein Dauersignal. Die sollen sich melden, aber ich glaube, das wollen die gar nicht...“, meinte Tabeja nachdenklich.

„Spacer wie wir – so weit draußen im Leerraum. Das ist ungewöhnlich“, meinte Annn.

Rhon nickte nachdenklich. Annn hatte recht. Da draußen gab es nichts, was für Spacer interessant war. Keine Planeten oder Asteroiden, die als interessanter Hindernisparkur in einem Raumrennen fungieren konnten. Nicht einmal Annn mit ihrer Vorliebe für exotische unbesiedelte Planeten wäre da auf ihre Kosten gekommen, denn da draußen gab es buchstäblich nichts. Die wenigen Sonnensysteme, die da einsam in dieser endlosen Leere existierten, waren zigtausend Lichtjahre voneinander entfernt und taugten nicht als Markierungspunkte für ein Raumrennen.

„Die Signale, die von diesen Objekten ausgehen, sind irgendwie seltsam“, meinte Annn. „Jedenfalls sind sie anders als bei den Raumschifftypen, die man so auf den Raumschrottplätzen in der Galaxis zuhauf findet!“

„Vielleicht waren das ja begabte Bastler, die einiges an ihren Raumern verbessert haben!“, schlug Erric eine Erklärung dafür vor.

„Oder es sind keine Spacer....“, gab Annn zurück.

Kapitel 4: Die Fremden

Ein dumpfes Brummen ließ den gesamten Raumkreuzer erzittern. Die Triebwerke waren nun in ihrer Aufwärmphase.

Xorr hatte die Steuerung übernommen. Er tippte mit seiner Klauenhand auf dem Touchscreen herum. „Ich schalte jetzt auf maximale Beschleunigung!“, meldete er.

„Energie für die Überlichtflugphase ist ausreichend!“, sagte jetzt Tabeja.

Auf dem Hauptbildschirm erschien jetzt eine Übersicht, die veranschaulichte, wie weit die AVALON noch von ihrem Ziel entfernt war.

„Wir gehen auf eine Position, von der wir von allen Objekten etwa gleich weit entfernt sind“, bestimmte Rhon. „Sagt mal, hat irgendjemand von euch etwas davon gehört, dass in letzter Zeit irgendwelche unbemannten Sonden oder dergleichen zu Forschungszwecken in den Leerraum geschossen wurden?“

„Ich werde mal im galaktischen Datennetz nachsehen, ob ich darüber irgend etwas finde“, kündigte Annn an.

Das Brummen der Triebwerke wurde lauter. Die AVALON setzte sich in Bewegung und auf dem Hauptschirm geriet der blaue Planet Davis-10 langsam aus dem Blickfeld.

„Eigentlich habe ich meiner Elternfünfheit versprochen, niemals in den Leerraum zu fliegen“, meinte Sirak. Der Ampanor wirkte beinahe etwas verzagt.

„Keine Sorge, wenn wir unser Ziel erreicht haben, sind wir immer noch nahe genug an unserer heimatlichen Milchstraßen-Galaxis, dass du dich jederzeit in das Wohnzimmer deiner Elternfünfheit beamen kannst – vorausgesetzt, sie haben ihren Transmitter nicht in einem anderen Zimmer stehen!“, versuchte Annn ihn zu beruhigen.

„Und denk immer daran - ehe du sie um Erlaubnis gefragt hättest und die Diskussionen dieser netten Fünfergruppe von Erziehungsberechtigten zu Ende wären, sind wir sowieso wieder zurück!“, glaubte Erric. Er blickte auf die Anzeigen. „Vierzig Prozent der Lichtgeschwindigkeit erreicht. Wir können jetzt in den Zwischenraum eintreten.“

„Und los!“, befahl Rhon.

Keine Geschwindigkeit höher als die Lichtgeschwindigkeit – das war ein unumstößliches Naturgesetz im Universum. Wenn man mit einem Raumschiff ein Vielfaches der Lichtgeschwindigkeit erreichen wollte, ging das nur, in dem man eine Abkürzung die Raumzeit nahm. Das war der Zwischenraum. Ein Raum jenseits des normalen Universums, für den deshalb auch andere Naturgesetze galten.

Wenn die AVALON in den Zwischenraum eintrat, verschwand sie für einen Beobachter und wurde wieder sichtbar, sobald sie am Zielpunkt aus dem Zwischenraum austrat.

Kaum eine Viertelstunde später trat die AVALON wieder aus dem Zwischenraum aus. Aber in dieser Zeit hatte das Schiff mehr als fünfzig Lichtjahre zurückgelegt.

„Du hast unseren Kreuzer aber auch schon etwas sanfter gelenkt, Krähenkopf!“, meinte Erric an Xorr gerichtet.

„Klonxx denkt, dass hier wohl kaum jemand glaubt, dass du das besser hinbekommen hättest.“

Erric warf einen ärgerlichen Blick zu dem Krakenwesen, das inzwischen die Decke entlang auf die gegenüberliegende Seite der Zentrale gekrochen war und sich dort mit den Saugnäpfen seiner Tentakel festgesaugt hatte. „So freche Gedanken erlaubst du dir nur, weil du genau weißt, dass ich dich da oben nicht erreichen kann!“, knurrte Erric.

„Ehrlich gesagt, muss ich unserer Krabbelkrake recht geben“, meinte Sirak.

Erric machte eine wegwerfende Handbewegung. „Am besten, du fragst erstmal deine Elternfünfheit, bevor du dich hier äußerst!“

„Naja, deine Flugkünste haben wir alle hier auf dem Bildschirm mitansehen müssen als du mit der AVALON-11 in der Höhle von Mantop-6677 explodiert bist“, gab Annn zu bedenken. „Nach vollendeter Flugkunst sah das für keinen von uns aus.“

„Ich schlage vor, ihr hört jetzt mal auf damit“, fuhr Rhon dazwischen. „Wie wär's stattdessen mit einer Analyse der Ortungsdaten?“

„Ich zoome mal eines der drei Objekte näher heran“, sagte Tabeja und ließ ihre Finger dabei über den Touchscreen gleiten.

Auf dem Hauptbildschirm war jetzt ein zylinderförmiger Gegenstand zu sehen. Die dazugehörigen Daten, die von den Sensoren gerade aufgezeichnet worden wurden, wurden daneben eingeblendet.

„Sieht aus wie ein Raumschiff“, meinte Rhon. „Sahen nicht früher die Frachter so aus?“

„Aber das ist kein Frachter-Typ, der in der Datenbank gespeichert ist“, stellte Erric fest. „Ich habe das mal eben kurz abgeglichen.“

„Soll ich nochmal versuchen, Funkkontakt zu bekommen?“, fragte Tabeja.

„Mach das“, nickte Rhon.

„Keinerlei Lebenszeichen an Bord“, warf nun Annn ein. „Vielleicht ist es unbemanntes Forschungsschiff, das man in den Leerraum geschickt hat, um irgendwelche Theorien über das Entstehen des Universums zu bestätigen...“

„Tja, was anderes außer irgendwelchen wissenschaftlichen Erkenntnissen sollte hier draußen auch suchen!“, meinte Erric.

„Es gab mal ein Programm, vollautomatisch gesteuerte Schiffe durch den Leerraum zu schicken, damit sie andere Galaxien erreichen, um dort Beam-Stationen auf unbewohnten Planeten zu errichten.“

„Das muss aber schon Jahrhunderte her sein!“, meinte Rhon.

„Ist es auch“, bestätigte Annn. „In der Zeit, als man ernsthaft daran dachte, die Netzrepublik über unsere Milchstraßengalaxis hinaus zu erweitern. Aber das hat man dann aus Kostengründen wohl aufgegeben. Und davon abgesehen, waren diese unbemannten Schiffe, die man damals aussandte, auch nicht auf eine Rückkehr programmiert.“

„Kannst du den Raumschifftyp abgleichen?“, fragte Rhon.

„Ich habe die entsprechenden Daten noch nicht über das Netz gefunden, aber ich bin dran“, sagte Annn.

„Auf jeden Fall können wir keinen Transmitter an Bord dieser Zylinder-Schiffer orten“, erklärte unterdessen Tabeja. „Ich habe einen vollständigen Scan aller drei Objekte durchgeführt und die typischen Abstrahlungen eines Transmitters müssten in jedem Fall von den Instrumenten angezeigt werden.“ Sie drehte sich halb zu Annn herum. „Das spricht als gegen diese Theorie, Annn.“

„Achtung, viertes Objekt materialisiert aus dem Zwischenraum“, meldete Sirak. „Die Ortungsdaten zeigen an, dass dieses Objekt annähernd baugleich mit den drei anderen ist.“

„Klonxx meint, dass das nach einer richtigen Versammlung aussieht.“

„Kann jemand mal die Gedanken dieser Krake abschalten?“, meinte Erric.

„Wer dieses Krakenwesen auf die Brücke geholt hat, sollte auch selbst dafür sorgen, dass es wieder verschwindet, wenn es ihm dann auf die Nerven geht“, fand der vogelköpfige Xorr.

„Klonxx beansprucht Freiheit der Gedanken und des Aufenthaltsortes!“ Das Krakenwesen bewegte sich entlang der Decke, bis es sich über dem Kopf des Captains befand.

„Nicht fallenlassen!“, sagte Rhon streng. Er deutete auf den Bildschirm, wo das gerade aufgetauchte Schiff inzwischen herangezoomt worden war. „Wer immer das auch sein mag, wir wissen jetzt, dass diese Zylinderschiffe ebenfalls einen Überlichtantrieb benutzen, der auf der Nutzung des Zwischenraums basiert.“

„Wir bekommen ein Kommunikationssignal!“, meldete Tabeja. „Kommt übrigens von dem zuletzt aufgetauchten Zylinderschiff...“

„Auf den Schirm damit!“, forderte Rhon.

Augenblicke später erschien auf dem Hauptbildschirm der AVALON ein skelettartiger, secharmiger Roboter. Im Hintergrund waren weitere Roboter zu sehen, manche von gleicher Gestalt, andere mit mechanischen Körpern, die eher an Spinnen erinnerten.

„Also das ist der Grund dafür, dass wir keine Biozeichen orten konnten!“, stieß Annn hervor. „Alles Maschinen!“

Der Skelettartige im Vordergrund – der von einigen anderen, baugleichen Modellen auf der Brücke des Zylinderschiff äußerlich nicht zu unterscheiden war, begann nun den Kopf ruckartig zu wenden und dabei sehr schrille, an ein Vogelkonzert erinnernde Laute zu erzeugen.

„Übersetzer aktivieren!“, befahl Rhon.

„Universal-Übersetzer aktiviert“, meldete Tabeja, „aber ich bin mir nicht sicher, ob unser System in der Lage ist, dieses Gequietsche...“ Sie brach ab. „Jetzt bekommen wir eine Übersetzung herein. Achtung, ich synchronisiere mal kurz Ton und Bild.“ Ihre Finger tippten über den Touchscreen.

„Hier spricht Befehlshaber-29“, wurden die Quietschlaute des Roboters nun übersetzt. „Lasst ein Andockmanöver zu, öffnet die Außenschleuse und deaktviert alle Antriebs- und Waffensysteme. Es wird sich dann eine genügend große Anzahl von Einheiten an Bord begeben, um euer Schiff zu übernehmen...“

„Klonxx meint, dass die magere Gestalt recht unverschämt rüberkommt!“, empörte sich unterdessen das Krakenwesen über dem Captain und brachte in diesem Fall wohl ziemlich genau die Gedanken aller exakt auf den Punkt.

„Die Besatzung soll sich zur Gefangennahme bereithalten. Gegen jeden Widerstand wird hart und kompromisslos vorgegangen...“, fuhr der Roboter fort.

„Ich finde, hier hört der Spaß auf“, meinte Erric. „Ich meine, wir sind ein paar Jugendliche, denen es nicht reicht, am Rechner zu sitzen und die es cool finden, die fast ausgestorbene Kunst des Raumflugs zu bewahren – aber alles was wir tun, ist doch, dass wir mit Weltraumschrott spielen! Da kann ja wohl niemand etwas dagegen haben!“

„Hatte ja auch bisher niemand“, ergänzte Annn.

„Es tauchen übrigens gerade drei weitere Zylinderschiffe aus dem Zwischenraum auf“, meldete Tabeja. „Und das sind glaube ich noch nicht die letzten. Ich orte hier ein erhöhtes Maß an Zwischenraumwellen, was darauf hindeutet, dass wir noch mehr Besuch bekommen...“

„Klonxx hat doch schon geäußert, dass hier ein riesige Versammlung der Zylinderschiffe stattfindet.“

Eine Vielzahl von Gedanken ging Rhon jetzt durch den Kopf. Was waren das für Schiffe? Woher kamen sie? Wer hatte sie geschickt – und was hatten sie offenbar speziell gegen Spacer?

Tabeja meldete inzwischen, dass bei einem der Zylinderschiffe mehrere kleinere Raumfähren ausgeschleust worden waren und sich auf die AVALON zubewegten.

„Das sind wohl die Invasionstruppen, die uns entern sollen!“, meinte Erric. „Zu dumm, dass man bei allen Raumkriegsschiffen die Energiewaffen unbrauchbar gemacht hat, bevor man sie stillgelegt hat...“

„Soll ich Fluchtkurs setzen und auf maximale Beschleunigung schalten?“, fragte Sirak. Er schien es für das Beste zu halten, möglichst schnell zu verschwinden.

„Wir werden uns erst davonmachen, wenn wir wissen, was hier eigentlich los ist!“, widersprach Rhon. Er erhob sich von seinem Sessel und deutete auf den Bildschirm, wo der Roboter inzwischen seine Drohung wiederholte.

„Kann der Kerl mich verstehen?“

„Wenn ich den Kanal freischalte ja. Die haben schließlich unsere Sprache in ihrem Übersetzerprogramm, dann haben sie auch genügend Daten, um deine Worte zu übersetzen.“

„Dann verbinde mich mal!“, verlangte Rhon.

„Verbindung hergestellt“, meldete Tabeja.

Rhon atmete tief durch. „Hier spricht Captain Rhon vom Spacer-Schiff AVALON. Ich möchte wissen, wer ihr seid und wer euch die Befugnis gibt, gegen uns vorzugehen. Schließlich haben wir gegen kein bekanntes Gesetz der Netzrepublik verstoßen.“

„Wir übernehmen die Herrschaft. Das Staatswesen, das ihr die Galaktische Netzrepublik nennt, wird der Universellen Ordnung unterstellt. Jeder Widerstand ist zwecklos und wird mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpft.“

Dann wurde das Bild des Roboters ausgeblendet.

Die Übertragung war zu Ende. An einer Antwort schien man auf dem Zylinderschiff gar nicht interessiert zu ein.

„Hey Mann, wie sind die denn drauf!“, stieß Erric kopfschüttelnd hervor. „Spielen uns da vielleicht ein paar andere Spacer einen Streich?“

„Negativ“, sagte Tabeja. „Da deutet wirklich nichts drauf hin. Der Raumschiff-Typ ist unbekannt, die Roboter strahlen völlig andere Signaturen ab als jeder Roboter-Typ, über den ich im Datennetz einen Vergleich anstellen konnte...“

„Und es gibt keine Biozeichen“, erinnerte Annn. „Wenn also jemand uns einen Streich spielen will, ist er nicht an Bord...“

Es gab immer mal weder Rivalitäten und Auseinandersetzungen zwischen einzelnen Spacer-Gruppen. Hin und wieder war es sogar auch manchmal zu wechselseitiger Sabotage an den Raumschiffen gekommen.

Man beamte sich dann kurzerhand an Bord des anderen Schiffes, sorgte dafür, dass im Maschinenraum irgend etwas nicht so funktionierte, wie es sollte und beamte sich dann sofort wieder zurück. Das Risiko erwischt zu werden war zumindest bei sehr großen Schiffen nicht besonders hoch. Zwar musste der Saboteur eine Transmitter-Station benutzen, um zurück auf sein eigenes Schiff zu gelangen, aber auf den gewaltigen Kreuzern wie der AVALON gab es davon so viele, dass die meistens doch zahlenmäßig recht kleinen Spacer-Mannschaften sie unmöglich alle bewachen konnten.

Allerdings war ein solches Verhalten eigentlich verpönt.

Wenn man Meinungsverschiedenheiten hatte, dann trug man das normalerweise durch ein Rennen aus und nicht auf so unfaire Weise.

Dennoch...

Rhon mochte die Möglichkeit noch nicht ganz ausschließen. Er überlege, mit wem sie in letzter Zeit in Streit geraten waren. Auch ehemalige Besatzungsmitglieder, von denen man sich aus irgendeinem Grund im Streit getrennt hatte, weil sie die Regeln, die sich die AVALON-Besatzung intern gegeben hatte, nicht akzeptieren wollten, kamen in Frage.

„Die Beiboote beschleunigen. Wenn wir nichts tun, legen die in einer Viertelstunde an unserer Schleuse an!“, stellte Sirak fest.

„Dann geh auf Beschleunigungsstufe 3 und programmiere einen Kurs, der es unmöglich macht, dass sie an unsere Schleusentür klopfen“, bestimmte Rhon.

Tabeja drehte sich halb herum. „Wenn die irgendeine Befugnis hätten, wären die mit einem Transmitter ausgerüstet und bräuchten keine Beiboote, um an Bord zu kommen“, stellte sie fest.

Rhon nickte. „Die würden sich einfach 'rüberbeamen... Aber so etwas haben die ja nicht an Bord.“

„Rhon, die kommen wirklich aus dem Leerraum. Vielleicht aus irgendeiner fremden, fernen Galaxis.“ Tabeja deutete zum Bildschirm. Der Funkkanal war ja geschlossen, deshalb konnte der Roboter nichts von dem verstehen, was in der Zentrale der AVALON besprochen wurde.

„Kursänderung ist durchgeführt!“, meldete Sirak.

Jetzt hieß es abwarten. Die Roboter würden sehr schnell erkennen, dass die Besatzung der AVALON keineswegs die Absicht hatte, irgend jemandem die Schleuse zu öffnen.

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten.

Der Hauptbildschirm der AVALON wurde von einem grellen Lichtblitz überblendet. Eine Erschütterung ging durch das Schiff.

„Wir werden beschossen!“, meldete Tabeja fassungslos. Die Beherrschtheit, die die Y-don-Philosophie ihr vorschrieb, war in diesem Moment ganz von ihr abgefallen. „Treffer in Frachtraum 3.“

Zwei weitere, noch stärkere Erschütterungen gingen nun durch das Schiff.

Rhon spürte für einen Moment, wie er den festen Boden unter den Füßen verlor. Er schwebte ein Stück empor. Die künstliche Schwerkraft war ausgefallen. Das Notaggregat wurde automatisch eingeschaltet. Rhon taumelte zu Boden, als er plötzlich nicht mehr schwerelos war. Er rappelte sich auf.

Annn war durch die Erschütterungen und den anschließenden Ausfall der Schwerkraft ebenfalls zu Boden geschleudert worden, währen Sirak sich mit zwei seiner vier Hände an der Konsole festhielt.

Kapitel 5: Weltraumgefecht

Die Maschinen der AVALON dröhnten auf eine Weise, die Rhon sofort aufhorchen ließ. Er hatte wieder im Sessel des Captains Platz genommen. Seine Finger glitten über den Touchscreen an der Armlehne. Er aktivierte eine Anzeige und im nächsten Moment kannte er die Ursache für das veränderte Geräusch.

„Teiltriebwerk drei arbeitet nicht richtig“, stellte er fest.

„Ich bemerke das auch gerade“, sagte Xorr und bewegte dabei ruckartig seinen Vogelkopf. „Wir sollten es abschalten, sonst kommt es zu Überspannung und vielleicht fällt dann die gesamte Triebwerkstechnik aus...“

„Dann werden wir langsamer und es dauert länger, bis wir die nötige Geschwindigkeit erreichen, um in den Zwischenraum einzutauchen und zu verschwinden!“, stellte Erric fest.

Erneut wurde die AVALON von einem Energieschuss getroffen.

Die Erschütterung, die das Schiff diesmal erfasste, war nicht so stark wie bei den vorangegangenen Treffern. Allerdings klang der Schadensbericht sehr dramatisch. „Außenhülle ist in Sektion 12 aufgerissen. Die künstliche Schwerkraft ist dort ausgefallen, Atemluft und Kühlgase entweichen.“

„Der Bereich muss abgeschottet werden“, meinte Rhon.

„Ist schon geschehen. Offenbar haben diese alten Kreuzer ein Programm, dass sich automatisch in solchen Fällen startet. Es gibt auch ein Reparaturprogramm, aber ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie man das in Gang setzt....“

„Wir waren ja bisher auch noch nie in einem Gefecht“, sagte Rhon. „Was ist mit Schutzschilden gegen Energiebeschuss? Gibt es so etwas?“

„Ich suche schon die ganze Zeit danach“, meinte Tabeja. „Aber es scheint so zu sein, dass die Schutzschilde zusammen mit der Bewaffnung unbrauchbar gemacht wurden, als das Schiff stillgelegt wurde...“

„Wir müssten beides wieder aktivieren, dann könnten wir uns wenigstens wehren!“, warf Erric ärgerlich ein. Er schlug wütend mit der Handkante gegen den Rand seiner Konsole. „Aber man kann da noch nicht einmal herumprobieren, weil die betreffenden Systeme alle mit Codes gesichert sind!“

Rhon atmete tief durch. Er wischte sich mit der Hand über das Gesicht. Captain nannten ihn die anderen – wie die Kommandanten der alten Raumkreuzer, die früher für den Frieden in der Galaxis gesorgt hatten. Aber was war das schon für ein Captain, der nur einen Teil der Bordsysteme kannte? Bisher war alles nur ein cooles Spiel gewesen. Mit einem Raumschiff durch das All fliegen, das niemand mehr haben wollte, weil die Zeit der Raumfahrt anscheinend endgültig vorbei war – so wie die Zeit der Pferdewagen oder der Autos und anderer primitiver Verkehrsmittel. Aber jetzt wurden sie tatsächlich angegriffen. Und wer auch immer diese Robos, wie Erric sie nannte, geschickt hatte, schien es wirklich ernst zu meinen und sogar bereit zu sein, Schiffe zu zerstören und die Besatzung zu töten, wenn man nicht gehorchte.

„Geh auf einen Kurs, der uns außerhalb der Schussweite unserer Gegner bringt, Sirak!“, befahl Rhon. „Danach wird das defekte Teiltriebwerk abgeschaltet.“

„Sollten wir nicht besser mit dem Transmitter flüchten und...“ Sirak sprach nicht weiter.

„Die AVALON zurücklassen?“, fragte Rhon.

„Einfach wegbeamen und zulassen, dass diese Robos unser schönes Schiff zu einem Schrotthaufen zerschießen?“, empörte sich Erric. „Von mir aus kann sich jeder hier verziehen, aber ich werde auf jeden Fall bleiben! Dazu habe ich einfach zu viel Arbeit in diesem Raumschiff stecken! Und ihr alle doch auch!“

„War nicht so ganz einfach, hier alles wieder in Gang zu kriegen“, erinnerte sich Annn. „Aber mein Leben ist mir trotzdem mehr wert.“

„Ich finde auch, wir sollten darüber nachdenken“, erklärte Xorr.

„Ich will wissen, was hinter diesem Angriff steckt“, murmelte Rhon.

Ein weiterer, diesmal weniger heftiger Treffer erfasste den Raumkreuzer. Er hatte das Schiff an einem der Hangars getroffen, in dem Raumjäger untergebracht wurden. Die AVALON besaß jetzt zwei funktionsfähige Raumjäger weniger. Der Hangar wurde für einige Augenblicke so aufgeheizt, dass dort sämtliche technischen Systeme ausfielen. Das Außenschott ließ sich nicht mehr öffnen und hatte sich teilweise verformt, aber immerhin gab es nicht ein zweites Loch in der Außenhülle.

Aber der nächste Treffer war sehr viel schwerer. Das Licht in der Zentrale flackerte und fiel dann aus. Absolute Finsternis herrschte aber auch jetzt nicht. An den Wänden gab gab es Leuchtstreifen aus fluoreszierendem Material, die genau für diesen Fall dort angebracht worden waren. Für eine Weile gaben sie Licht ab. Die Computer in der Zentrale verfügten allesamt über einen Energiepuffer, der dafür sorgte, dass sie nicht gleich abstürzten, sondern noch für eine Weile funktionierten.

„Ich versuche den Notstrom zu aktivieren!“, meldete Tabeja.

Wenig später flackerte das Licht wieder auf.

„Energieversorgung?“, fragte Rhon.

„Ist wieder hergestellt“, meldete Tabeja.

„Dann sind wir ja mit einem blauen Auge davongekommen“, murmelte Rhon.

„Klonxx meint, dass diese Bemerkung sinnlos ist, da die Augenfarbe des Captains schon vor dem letzten Treffer blau war“, mischte sich zu allem Überfluss auch noch das Krakenwesen mit einem aufdringlichen Gedanken in das Gespräch ein.

„Das erkläre ich dir ein anderes Mal“, knurrte Rhon.

„Das mit dem blauen Auge stimmt leider auch nicht“, stellte Tabeja fest. „Es hat durch den letzten Treffer eine Überspannung gegeben, die auf den Haupt-Transmitter übergegriffen hat. Da alle Transmitter untereinander verbunden sind, müssen wir damit rechnen, dass wir da bis auf weiteres einen Totalausfall haben!“

„Das bedeutet, wir können uns nicht wegbeamen?“, entfuhr es Sirak.

„Und das Schlimmste ist, dass so ein Schaden nicht so einfach zu beheben ist“, fügte Tabeja nickend hinzu.

„Setz einen offenen Überlichtfunkspruch ab!“, ordnete Rhon an. „Inhalt: Notruf der AVALON und Warnung an alle vor den Robos!“

„Wird erledigt“, nickte Tabeja.

„Es sollen alle wissen, was hier los ist!“, fügte Rhon noch hinzu.

Inzwischen tauchten noch vier weitere Zylinderschiffe aus dem Zwischenraum auf und gingen sofort auf Abfangkurs zur AVALON. Sirak nahm ein paar Kurskorrekturen vor, um den Robo-Schiffen nicht genau entgegen zu fliegen.

Mehrere Energieschüsse brannten sich noch in die Außenhülle der AVALON, drangen aber nicht durch. Dann hatte der Raumkreuzer endlich die nötige Geschwindigkeit erreicht, um in den Zwischenraum überzuwechseln.

„Zwischenraumeintritt in zehn Sekunden!“, meldete Sirak.

Rhon atmete tief durch. „Dann wollen wir mal hoffen, dass wir nicht im letzten Moment noch einen schweren Treffer bekommen!“

Die letzten Sekunden vor dem Zwischenraumeintritt kamen Rhon wie eine kleine Ewigkeit vor.

Die Zylinderschiffe der Robos feuerten jetzt aus allen Energiegeschützen. Einen kleineren Treffer gab es noch am Heck der AVALON. Dann ging ein Ruck durch das Schiff und die AVALON verschwand aus dem Normalraum.

Auf dem Bildschirm wurden aus den fernen Galaxien im Hintergrund jetzt langgezogene Streifen, die sich wölbten und schließlich eine Art Tunnel zu formen begannen. Die Angreifer konnten den Spacern jetzt nichts mehr anhaben. Mit einem Vielfachen der Lichtgeschwindigkeit jagte der Raumkreuzer nun durch den Zwischenraum.

„Welchen Kurs?“, fragte Sirak.

„Zurück zum Davis-System“, befahl Rhon.

„In Ordnung“, sagte Sirak. Der Ampanor machte dabei eine Bewegung, die wie ein Kopfschütteln wirkte. Bei den Ampanor war das eine Geste der Bestätigung und wenn Sirak sich aufregte, dann kam es vor, dass er manchmal nicht daran dachte, dass Menschen ihn missverstehen konnten. Er führte ein paar Schaltungen an seiner Konsole durch, wobei er alle vier Hände benutzte und fügte dabei noch hinzu: „Unsere Maschinen haben etwas gelitten. Ich habe die defekten Systeme abgeschaltet. Wahrscheinlich werden wir etwa fünf Stunden brauchen, ehe wir das Davis-System erreichen.“

„Etwas länger als üblich“, lautete Errics Kommentar.

Rhon wandte sich an Tabeja. „Ich möchte, dass unser Notruf und unsere Warnbotschaft permanent und auf sämtlichen zur Verfügung stehenden Überlicht-Funkfrequenzen gesendet werden.“

„Okay.“

„Captain!“, meldete sich Annn.

„Was gibt es?“

„Ich habe hier gerade einige beunruhigende Meldungen, die über das Datennetz hereinkommen.“

Rhon hob die Augenbrauen. „Und?“

Annn drehte sich halb herum. „Wir sind anscheinend nicht die einzigen, die von solchen mit Robotern bemannten Schiffen angegriffen wurden!“ Sie nahm ein paar Schaltungen an ihrer Konsole vor und im nächsten Moment veränderte sich die Anzeige auf dem Bildschirm.

Eine Übersicht über die gesamte Galaktische Netzrepublik wurde eingeblendet. Sie umfasste nahezu die gesamte Milchstraßen-Galaxis. Mehrere Dutzend Punkte blinkten in dem Gewirr unzähliger Sterne auf. Und die Anzahl dieser aufblinkenden Markierungen nahm innerhalb weniger Augenblicke zu.

„Überall, wo ihr eine dieser Markierungen seht, wurde das Auftauchen von Zylinderschiffen gemeldet, die im übrigen stets dieselbe Botschaft abschickten...“

„Lass mich raten: Sie haben zum aufgeben aufgefordert und mit dem Schlimmsten gedroht, wenn man sich ihnen nicht unterwirft“, mischte sich Erric ein.

„Von mindestens drei bewohnten Planeten wird bereits gemeldet, dass Kampfroboter mit Fähren abgesetzt wurden...“, erklärte Annn. „Es sind so viele Meldungen, ich kann sie gar nicht alle so schnell verfolgen.“

„Die greifen anscheinend die Netzrepublik von allen Seiten an“, stellte Xorr fest. Sein Vogelkopf vollführte zwei, drei ruckartige Bewegungen, denen noch ein Krächzlaut folgte. Der vogelartige Zirepanier erschrak offenbar. „Auf Zirpan sind sie offenbar auch schon gelandet! Ich bekomme gerade eine Nachricht... Jetzt bricht jeder Netzkontakt ab!“

Rhon versuchte über den Touchscreen an seiner Sessellehne Kontakt zu einer Familie auf der Erde zu bekommen. Die Verbindung kam zu Stande. Auf einem der Nebenbildschirme erschien das Gesicht seines Vaters. „Junge, hier ist der Teufel los! Alle sprechen davon, dass gerade eine Invasion stattfindet. Überall kommen Raumschiffe aus dem Zwischenraum, und setzen Kampfroboter auf allen besiedelten Planeten ab. Du kannst nicht zurückkommen. Die Roboter haben die Energieversorgung des irdischen Transmitternetzes zerstört. Niemand kann noch von der Erde aus irgendwohin beamen – und es kann auch niemand mehr von außerhalb herkommen. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann sie alles andere auch unter Kontrolle bekommen. Ich rechne damit, dass auch diese Verbindung jeden Moment wieder abbricht.“

„Dad – kann ich irgend etwas für euch tun?“

„Ich gebe zu, dass ich diesen Spacer-Spleen von dir nie so richtig ernst genommen habe, aber im Moment seit ihr verrückten Weltraumfreaks wahrscheinlich die Einzigen, die überhaupt noch eine Chance haben, vor den Invasoren zu fliehen...“

„Dad...“

„Ich weiß nicht, was hier noch geschehen wird. Auf einigen anderen Planeten ist es zu schweren Gefechten und großen Zerstörungen gekommen. Vielleicht sprechen wir uns hier und heute zum letzten Mal...“

„Nein, Dad!“

„Viel Glück und alles Gute, Rhon! Ich wollte dir noch sagen, dass...“

„Dad?“

Der Ton brach ab. Und wenig später war auch kein Bild mehr zu sehen.

„Das Problem ist, dass es niemanden gibt, der sich dieser Invasion entgegenstellen kann“, sagte Xorr etwas später. Der Vogelartige wirkte sehr ruhig, angesichts der Tatsache, dass auch seine Heimatwelt Zirpan längst von der Invasion betroffen war. Aber vielleicht entstand dieser Eindruck nur deshalb, weil sich Gefühle bei Zirpaniern einfach nicht im Gesicht widerspiegelten, sonder eher durch Laute zum Ausdruck gebracht wurden. „Es fehlt eine Raumflotte, die gegen die Invasoren vorgeht...“

„Beinahe die Einzigen, die heute noch wissen, wie man ein Raumschiff fliegt, sind doch wir Spacer“, meinte Erric.

„Dann wäre es eigentlich logisch, dass es auch wir Spacer sind, die etwas gegen die Robos unternehmen!“, schlug Xorr vor.

Er erntete dafür ein paar erstaunte Blicke.

Aber genauso, wie es den anderen Besatzungsmitgliedern oft nicht möglich war, die Gefühle eines Zirpaniers anhand von Gesten oder Krächzlauten richtig einzuschätzen, wusste der Vogelartige mit dem Gesichtsausdruck oder den Blicken seiner menschlichen Gesprächspartner etwas anzufangen. Und so war er jetzt etwas verunsichert. „Habe ich irgend etwas Falsches gesagt?“