Mister Fantastic & Miss World - Band 3: Flitterwochen - Bernd Schreiber - E-Book

Mister Fantastic & Miss World - Band 3: Flitterwochen E-Book

Bernd Schreiber

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Beschreibung

Als sich unsere Lippen getrennt und wir wieder einigermaßen Luft zum Atmen hatten, hauchte ich: ‚Ich liebe dich.‘ Finn lächelte mich an. Worte waren nicht mehr nötig. Wir verstanden uns auch so. Gibt es ein schöneres Gefühl, als verliebt zu sein? Für Jenny und Finn definitiv nicht! Nur eins fehlt noch zum großen Glück: Die beiden Teenager möchten endlich zusammen in die Ferien fahren. Am besten ganz weit weg – nach Tunesien vielleicht? Die Tatsache, dass es dann doch nur ein Campingplatz in Dänemark wird – und das auch noch mit Finns Vater im Schlepptau – ist gar nicht mal so schlimm. Hauptsache, sie können endlich zusammen sein. Jenny und Finn ahnen allerdings noch nicht, welches besondere Abenteuer in Skagen, wo Nord- und Ostsee aufeinandertreffen, auf sie wartet … Romantisch, spannend und einfach ein Vergnügen: die Liebesgeschichte für alle jungen und junggebliebenen Leser! Jetzt als eBook: „Mister Fantastic & Miss World: Flitterwochen“ von Bernd Schreiber. Wer liest, hat mehr vom Leben: jumpbooks – der eBook-Verlag für junge Leser.

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Seitenzahl: 201

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Über dieses Buch:

Gibt es ein schöneres Gefühl, als verliebt zu sein? Für Jenny und Finn definitiv nicht! Nur eins fehlt noch zum großen Glück: Die beiden Teenager möchten endlich zusammen in die Ferien fahren. Am besten ganz weit weg – nach Tunesien vielleicht? Die Tatsache, dass es dann doch nur ein Campingplatz in Dänemark wird – und das auch noch mit Finns Vater im Schlepptau – ist gar nicht mal so schlimm. Hauptsache, sie können endlich zusammen sein. Jenny und Finn ahnen allerdings noch nicht, welches besondere Abenteuer in Skagen, wo Nord- und Ostsee aufeinandertreffen, auf sie wartet …

Romantisch, spannend und einfach ein Vergnügen: die Liebesgeschichte für alle jungen und junggebliebenen Leser!

Über den Autor:

Bernd Schreiber, geboren 1952 in der Pfalz, studierte Deutsch, Religionspädagogik und Erziehungswissenschaften. Er liebt den Humor in der angelsächsischen Literatur und das Leben in der Provinz. Genauer gesagt: in Worpswede, wo er heute lebt.

Bernd Schreibers Romanserie rund um Jenny und Finn beginnt mit Mister Fantastic & Miss World, geht weiter mit Mister Fantastic & Miss World: Turbulente Zeiten und endet mit Mister Fantastic & Miss World: Flitterwochen.

Der Autor im Internet: www.berndschreiber.de

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eBook-Neuausgabe April 2016

Copyright © der Originalausgabe 2004 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München

Copyright © der Neuausgabe 2013 dotbooks GmbH, München

Copyright © 2016 jumpbooks. jumpbooks ist ein Imprint der dotbooks GmbH, München.

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Titelbildgestaltung: Tanja Winkler, Weichs

eBook-Herstellung: Open Publishing GmbH

ISBN 978-3-96053-095-4

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Bernd Schreiber

Mister Fantastic & Miss World:

Flitterwochen

Roman

jumpbooks

Vorfreude ist die beste Freude

FINN

Diese Blindfische! Brachten einfach nicht den Ball ins Tor. Gleich würde es Verlängerung geben. Zwei Mal fünf Minuten! Machten zehn schreckliche Minuten, um die sich das Wiedersehen mit Jenny verlängerte. Bitte, Leute, versenkt den Ball ins Netz! Ich will nach Hause! Zu Jenny! Zu meiner Frau. Zu meiner über alles Geliebten. Kapiert ihr das nicht? Seit ich Jenny die SMS geschickt hatte, dass ich sie vermissen würde, ging es mir viel besser. Ich hatte beschlossen mich endgültig mit ihr zu versöhnen. Ich war jetzt wieder voll bei der Sache. Das hatte wohl auch der Trainer erkannt, denn Reinhold hatte mich für das Endspiel gegen die Krücken vom OSC aufgestellt. Ja, wir hatten tatsächlich das Endspiel erreicht. Super, nicht wahr? Es stand 1:1. Und es war höchstens noch eine Minute zu spielen. Dabei hätten wir 10:1 führen müssen, bei den Chancen, die Raffael und seine Stürmerkollegen hatten. Da war selbst bei der Altherrenmannschaft die Chancenverwertung größer. Ich konnte nicht mehr hinsehen. Nur weil die Jungs nicht fähig waren das Ei über die Linie zu drücken, würde Jenny noch länger auf mich warten müssen. Die Jungs brauchten Hilfe, ganz klar. Ich rannte nach vorne. Außer Svenni, unserem Torwart, war niemand mehr hinten. Ein zufälliger Konter vom OSC und die Flaschen hatten gewonnen. Das dachte sich wohl auch Reinhold und pfiff mich zurück. Es war mir egal. Von mir aus konnte er sich die Lunge aus dem Hals schreien und mich wegen Disziplinlosigkeit zu einer Geldstrafe von zehntausend Euro verdonnern oder mich aus der Mannschaft werfen. Ich wollte gewinnen und endlich zu meiner Jenny.

Raffael hatte sich an der Außenlinie den Ball erkämpft. Anscheinend hatte er gesehen, wie ich nach vorne stürmte, und dabei wohl meinen unbeugsamen Siegeswillen in meinen Augen erkannt. Jedenfalls flankte er den Ball genau in meine Richtung, dass ich eigentlich nur noch den Fuß hinhalten musste. Ich traf voll volley, mitten im Lauf. Das Ei flog im hohen Bogen über den verdutzten Torwart hinweg und landete im gegnerischen Netz.

»Tooor! Tooor!«

Die Jungs zerquetschten mich fast vor Freude.

Schade, dass nicht der Trainer der Nationalmannschaft als Beobachter am Spielfeldrand stand. Er hätte mich bestimmt in sein Team berufen – als jüngsten Nationalspieler der Welt. Zwanzig Sekunden später pfiff der Schiri ab. Yeah! So schnell kann man zum Helden werden.

Voller Anerkennung schlugen mir die Jungs immer wieder auf die Schulter. Wenn ich nicht aufpasste, war sie bald grün und blau. Auch Reinhold wusste meine Leistung zu schätzen und sparte nicht mit Lob. Tja, die Liebe! Unglaublich, was sie mit einem Menschen alles anstellen kann.

Nach der Siegerehrung, die für mein Empfinden endlos dauerte, eilte ich zu meiner Sporttasche, in der mein Handy steckte. Ich wollte unbedingt wissen, ob Jenny mir schon auf meine SMS geantwortet hatte – etwa so:

Ich vermisse dich auch. Deine Jenny

Oder:

Ich sehne mich nach deiner starken Schulter, Liebster.

Oder etwas in der Art.

Doch nichts dergleichen. Merkwürdig. Irritiert legte ich das Handy zurück. Hatte Jenny ihr Gerät abgeschaltet und meine SMS noch gar nicht gelesen? Hm! Ein bisschen enttäuscht war ich schon.

»Das war echt das Tor des Monats!«, hörte ich Raffael auf einmal hinter mir sagen. Er klopfte mir zum hunderttausendsten Mal auf die Schulter.

»Tor des Monats?«, tönte ich. »Das war mindestens das Tor des Jahres! Wenn nicht sogar des Jahrhunderts!« Zu dumm, dass Jenny den Supertreffer nicht miterlebt hatte.

Nach dem Duschen packten wir alle unsere Sachen und dann ging es endlich mit dem Pokal Richtung Heimat. Unterwegs musste ich ständig an Jenny denken.

Dabei schaute ich aus dem Fenster und träumte vor mich hin. Ich träumte, dass unser Endspiel live im Fernsehen übertragen worden war und dass Jenny, die mich am Bildschirm bewundert hatte, mir bei meiner Rückkehr vor lauter Freude um den Hals fiel. Weil ich mich an den Bildern nicht satt sehen konnte, spulte ich die Szene immer wieder zurück und ließ den Film von vorn ablaufen. Vor lauter Glückseligkeit ging mein Herz jedes Mal von neuem auf – wie Hefeteig.

Beim Vereinsheim stiegen wir alle aus. Zum Abschied reichte mir Raffael die Hand, was er sonst nie tat. »Mach's gut, Alter!«, sagte er. »Von mir wird niemand was erfahren! Ich schwör's!«

»Hä?«, entgegnete ich. Ich hatte keinen blassen Schimmer, was er meinte.

»Deine Krankheit!«, flüsterte er.

Meine Krankheit? Er hatte wohl den Ball zu hart an den Kopf bekommen. Dann fiel es mir wieder ein: das Herz! »Mach dir wegen mir keine Sorgen«, beruhigte ich ihn. »Ich bin wieder über den Berg.«

»Echt?«

»Ich spüre es ganz deutlich. Es ist wie eine neue, Leben spendende Kraft, die durch meine Adern fließt. O Mann, ist das ein irres Gefühl! Als wäre ich ein zweites Mal geboren worden.«

»Mensch, bin ich froh!«, sagte Raffael erleichtert. Ich hätte schwören können, er hatte feuchte Augen.

***

JENNY

Jede Stunde ohne Finn kam mir wie eine Woche vor. Ich wollte bei ihm sein, seine schöne Stimme hören, ihm in die wunderbaren Augen schauen, ihn ganz allein für mich haben. Ich konnte mich auf nichts anderes konzentrieren, so sehnte ich mich nach seiner Ankunft. Mama und Papa waren mit meinem kleinen Bruder Julian spazieren. Mama wollte unbedingt, dass ich mitkomme, aber ich habe mich mit Händen und Füßen dagegen gesträubt und mich schließlich durchgesetzt. Ich war doch nicht verrückt und vertrödelte die Zeit mit Spazierengehen und verpasste dadurch Finns Rückkehr. Alles was ich tat, um die Zeit zu überbrücken, tat ich mit halbem Herzen. Ob ich ein Buch las, fernsah, eine CD hörte, jedes Mal hatte ich nach fünf Minuten von der Beschäftigungstherapie genug. Ich war auch schon mehrmals nebenan bei Silke gewesen, in der Hoffnung, Finn wäre schon da. Aber ein Blick in ihr mitfühlendes Gesicht genügte, um zu wissen, dass er noch nicht eingetroffen war. Schließlich setzte ich mich an den Schreibtisch und malte tausend Herzen in meinen Collegeblock. Mindestens hundert Seiten füllte ich damit. Ich malte die Herzen mit Bleistift, mit Kuli, mit Füller, mit Filzstiften, mit Wachsstiften, mit dem Nagellack von Mama, das schönste aber malte ich mit ihrem Lippenstift. Zufrieden starrte ich auf das Werk, dann drückte ich meine Lippen darauf, als wäre es das Herz von Finn. Ich war so im Glücksrausch, dass ich den Lippenstift nahm und ein riesiges Herz auf die Tapete zeichnete. Ich war begeistert. Trotzdem wurde ich das Gefühl nicht los, dass etwas fehlte. Etwas Entscheidendes. Ich wusste auch schon, was. Ich setzte Mamas Lippenstift an und schrieb

FINN + JENNY

in das Herz. Jetzt war das Gemälde perfekt. Dann fing ich an mich im Kreis zu drehen, dazu sang ich: »Finn und Jenny! Finn und Jenny! Finn und Jenny! « Ich drehte mich so lange, bis mir schwindelig wurde und ich auf mein Bett fiel.

Plötzlich ging die Haustür auf. Papa und Mama waren von ihrem Spaziergang zurück. Ich nichts wie runter vom Bett und den Nagellack und Lippenstift von Mama wieder ins Bad gebracht. Jetzt hatte ich nur noch ein Problem: das Herz auf meiner Tapete! Papa und Mama würden Zustände kriegen, wenn sie es sahen. Obwohl es ja beinahe schon ein kleines Kunstwerk war. Nur würden sie für diese Art Kunst mit Sicherheit kein Verständnis haben. Da half nur Notplan J wie Jenny: Papa und Mama durften die nächsten zwei Jahre nicht das Zimmer betreten. Am besten, ich ging gleich runter, bevor noch jemand auf die Idee kam, mich zu besuchen.

»Und, wie war euer Spaziergang?«, empfing ich Papa und Mama auf der Treppe und tat so, als ob nichts wäre.

»Schön«, antwortete Mama. »Dir hätte es auch nicht geschadet, mit uns ein bisschen vor die Tür zu gehen.«

»Zwanzig Kilometer zu Fuß nennst du ein bisschen vor die Tür gehen?«, entgegnete ich. Ich kannte ihre sonntäglichen Gewaltmärsche querfeldein.

»Nun übertreibst du aber!«, sagte Mama.

»Sind wir wirklich zwanzig Kilometer gegangen?«, fragte Julian Mama.

»Deine Schwester erzählt Unsinn«, antwortete sie.

Ich streckte Julian die Zunge raus.

Mama musste natürlich zu ihm halten. »Sei nicht gleich wieder so ekelhaft zu ihm. Er hat dir nichts getan!«

»Na, was hat denn unsere Prinzessin den ganzen Nachmittag gemacht?«, erkundigte sich Papa und gab mir einen Kuss auf die Wange.

»Nichts Besonderes«, antwortete ich und musste an das Herz auf der Tapete denken.

»Bestimmt hat sie von ihrem Finn geträumt«, kicherte Julian.

Für die Bemerkung hätte ich ihm eine scheuern können. »Halt deinen dummen Mund!«, fauchte ich ihn an.

»Nicht so hitzig, Prinzessin!«, meinte Papa. »So abwegig ist die Vermutung ja nicht, oder?« Papa lächelte mich an.

»Und selbst wenn es so wäre, geht es den Blödmann nichts an!«, brauste ich dennoch auf.

»Typisches Zeichen von Entzugserscheinung«, meinte Mama trocken.

Jetzt fing sie auch noch damit an.

»Na, zum Glück ist Finn nicht auf der Fußballweltmeisterschaft«, gab Papa seinen Senf dazu. »Dann müsste unsere Prinzessin gleich mehrere Wochen auf ihren Prinzen warten!«

»Ihr seid doof!«, sagte ich und stapfte wütend nach oben.

»Du verstehst aber auch keinen Spaß!«, rief Mama hinter mir her.

Da sollte sie erst mal das Lippenstiftherz auf meiner Tapete sehen.

***

FINN

»Jenny war ganz oft hier und hat nach dir gefragt«, sagte Leonie, kaum dass ich meine Sporttasche in der Diele abgestellt hatte.

»Stimmt das?«, erkundigte ich mich bei Silke.

Meine kleine Schwester Leonie hatte tatsächlich nicht gelogen. Yeah! Wusste ich es doch! Bestimmt wollte sich Jenny bei mir wegen der SMS bedanken. Ich wollte natürlich auf der Stelle rüber. Doch Silke beharrte wie üblich auf einem Begrüßungsschwätzchen.

»Vielleicht erzählt der Herr erst einmal, wie es beim Fußball war«, verlangte sie von mir.

Und das, obwohl ich schon halb draußen war. »Wir sind Turniersieger geworden!«, klärte ich sie in aller Kürze auf. »Ich habe das goldene Tor geschossen!«

»Toll!«, sagte Silke.

Die Siegerprämie konnte sie mir später überreichen. Jetzt hatte erst mal Jenny Vorrang. Und schwupp!, war ich weg.

Als könnte sie Gedanken lesen, kam mir Jenny auch schon entgegen. Bei meinem Anblick strahlte sie über das ganze Gesicht. Gleich würde sie sich ihrem Geliebten an die Heldenbrust werfen. Ich war auf alles gefasst. Ich wollte schon meine Arme ausbreiten, um meine wunderschöne, zauberhafte Ehefrau, die ich so vermisst hatte, aufzufangen, als ihre Schritte auf einmal langsamer wurden und sie einen halben Meter vor mir stehen blieb.

»Hallo!«, säuselte sie und lächelte mich feenhaft an.

Mein Herz kippte vom Hocker und hatte eine ganze Weile mit sich selbst zu tun. »Hallo«, krächzte ich. Hätte sie die Hand ausgestreckt und mich gefragt, ob ich sie auf der Suche nach dem Paradies begleite, ich hätte nicht eine Tausendstelsekunde gezögert.

»Warum hast du mir nicht erzählt, dass ihr ein Fußballturnier habt«, erkundigte sich Jenny leicht gekränkt.

»Ähm, tut mir Leid!«, stammelte ich. »Muss ich wohl vergessen haben.«

»Eines Tages wirst du wohl auch mich vergessen«, meinte Jenny daraufhin ganz traurig.

»Wie könnte ich!«, beeilte ich mich zu sagen. Dass dem nicht so war, hätte sie eigentlich an der SMS merken müssen.

»Wir haben übrigens gewonnen!«, tönte ich. »Im Endspiel stand es 1:1. Alle hatten sich schon mit der Verlängerung abgefunden, als ich den Ball voll volley im Netz versenkte. Den hätte selbst der beste Torwart der Welt nicht gehalten!« Dass mich die Sehnsucht nach ihr zu dieser Wahnsinnstat getrieben hatte, erzählte ich ihr nicht.

Spätestens jetzt hätte Jenny ihrem Helden um den Hals fallen müssen, so wie ich es auf der Rückfahrt geträumt hatte. Aber in den Träumen ist alles anders und hunderttausendmal leichter. Da erobert man im Handumdrehen die Herzen der Frauen, während man im richtigen Leben einen Korb nach dem anderen kriegt.

Jenny lächelte wieder ihr feenhaftes Lächeln. Ich verlagerte meinen Fuß etwas nach hinten, damit ich nicht das Gleichgewicht verlor, falls sie doch noch auf mich zugeflogen kommen sollte. Sie kam aber nicht geflogen. Sie blieb dort, wo sie war – lächelnd zwar –, aber mit der Standhaftigkeit einer vierzig Meter hohen Eiche.

»Eigentlich müsste ich dir böse sein«, meinte sie.

Ich kramte in allen möglichen Winkeln meines Erinnerungsvermögens, was ich falsch gemacht haben könnte. Hatte es etwas mit der SMS zu tun? »Warum?«, fragte ich verunsichert.

»Weil du mich angelogen hast!«, antwortete sie.

Ich und sie angelogen? Ich hatte nicht die geringste Eingebung, worauf sie hinauswollte.

»Ich spreche von den Blumen, die du mir geschenkt hast, als ich nach der Kanutour so krank war«, wurde Jenny deutlicher. »Die waren gar nicht von Silke. Sie waren von dir! Hat sie mir selbst erzählt. Es hat also keinen Zweck, es abzustreiten.«

»Na ja«, wand ich mich wie ein Regenwurm im Schnabel einer Nebelkrähe, »ich dachte, du würdest sie vielleicht nicht annehmen, wenn du erfährst, dass sie von mir sind. Wo du doch die Erkältung mir zu verdanken hattest.«

»Weißt du, was dein Problem ist?«, meinte Jenny.

Wusste ich nicht, aber ich war sicher, dass sie es mir gleich verriet, ob ich es hören wollte oder nicht.

»Du denkst zu viel!«

Das hatte noch niemand zu mir gesagt. Im Gegenteil. Silke meinte immer, dass ich viel zu wenig denken würde. Vor allem bei den Englischhausaufgaben. Wem sollte ich also glauben? Jenny? Silke? »Ich werde versuchen es mir abzugewöhnen«, versprach ich Jenny.

»Aber gar nicht denken ist auch nicht gut«, entgegnete sie spöttisch.

Was hatte der Spruch nun wieder zu bedeuten? Dass man es den Frauen auch nie recht machen kann! Ich fand es allmählich an der Zeit, dass sie auf meine SMS zu sprechen kam. Immerhin war es eine Liebeserklärung, die ich ihr geschickt hatte, und keine Matheformel. »Ja, dann gehe ich jetzt mal wieder«, sagte ich, obwohl mir überhaupt nicht danach war. Ich wollte sie nur ein bisschen unter Druck setzen.

»Schon?«

»Ja, weißt du, so ein Turnier ist ganz schön hart. Ich bin ziemlich kaputt. Werde mich wohl gleich in die Wanne legen.«

»Schade!«, meinte Jenny, dabei blickte sie mir wie ein verwundetes Reh in die Augen, dass es mir einen Stich versetzte.

Und noch immer kein Wort von der SMS. Ich verstand ihr Schweigen nicht. Was hatte sie davon, mich so schmoren zu lassen? Enttäuscht kehrte ich ins Haus zurück.

Dumm gelaufen

JENNY

An diesem Morgen war Finn ziemlich muffelig. »Hast du was?«, fragte ich ihn.

»Was soll ich denn haben?«, fuhr er mir über den Mund.

»Ich weiß nicht«, sagte ich. »Du bist so komisch.«

»Ich fürchte, das Turnier steckt mir noch in den Knochen«, sagte Finn mürrisch.

Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass es nur eine Ausrede war. »Oder bist du sauer auf mich?«, fragte ich.

»Warum sollte ich auf dich sauer sein?«, entgegnete er leicht gereizt.

»Du hast auch keinen Grund«, versicherte ich ihm. »Wo ich heute Nacht so schöne Sachen von uns geträumt habe. Wir waren nämlich in den Flitterwochen.«

»In den Flitterwochen?« Finn guckte, als befürchtete er, ich könnte über Nacht den Verstand verloren haben.

»Schließlich sind wir miteinander verheiratet«, erinnerte ich ihn. »Und wir haben noch keine Flitterwochen gemacht. Ich habe geträumt, wir wären in Marokko gewesen. Oder in Tunesien Jedenfalls sind wir auf Kamelen durch die Wüste geritten und im Swimmingpool geschwommen.«

»In der Wüste im Swimmingpool«, wiederholte Finn, als hätte ich mir in der afrikanischen Sonne einen Sonnenstich geholt. »Mit Kamelen!«

»Im Swimmingpool vom Hotel natürlich!« Ich hatte auf dem Bauch gelegen. Finn rieb mir den Rücken mit Sonnencreme ein. Wie zärtlich er dabei war. Ich kriegte eine richtige Gänsehaut und drehte mich langsam zur Seite. Wir sahen uns lange an. Dann beugte sich Finn zu mir herab und wir küssten uns lang und innig.

»In Afrika wäre es mir viel zu heiß!«, holte Finn mich in die Wirklichkeit zurück.

***

FINN

Aus dieser Frau sollte einer schlau werden. Mit keiner Silbe meine SMS erwähnen, aber mir was von Flitterwochen erzählen wollen. Ich kam damit einfach nicht klar. Da war ich nun einmal im Leben über meinen eigenen Schatten gesprungen, indem ich ihr ganz spontan mitteilte, was ich empfand – dass ich sie nämlich vermisste –, und sie wusste das nicht einmal zu würdigen. Ich hätte wegen ihr fast meine Teamkollegen im Stich gelassen und wäre mitten im Turnier zu Fuß nach Hause marschiert, nur um ihr zu sagen, wie sehr ich sie liebe. Wie ich die Sache einschätze, hätte ich mich ganz schön zum Trottel gemacht. Oder zum Kamel. Das kam mir an dem Morgen alles wieder hoch und deswegen war ich ihr gegenüber auch so abweisend.

Das blieb auch so während der Fahrt mit dem Bus. Bei der Steffanikirche stiegen wir aus. Hier trennten sich wie gewöhnlich unsere Wege.

»Wann?«, fragte mich Jenny auf einmal. Obwohl ich nun wirklich keinen Charme versprühte, lächelte sie mich an.

Ich war zu sehr mit mir beschäftigt und den Umständen, die zu meiner schlechten Laune geführt hatten, dass ich zuerst gar nicht begriff, was sie meinte.

»Ist dir eigentlich klar, dass wir das schon ganz lange nicht mehr gemacht haben«, sagte Jenny. Es klang wie ein Vorwurf, und wie ich sie kenne, sollte es wohl auch einer sein.

Die Erinnerung kehrte mit Turbogeschwindigkeit zurück. Sie wollte, dass ich ihr eine genaue Uhrzeit nannte, zum Beispiel: 11 Uhr 34. Um 11 Uhr 34 würden wir dann ganz fest aneinander denken, sie an mich und ich an sie. Eine Minute lang. Wie früher. Große Lust hatte ich nicht dazu. Nicht an diesem Morgen.

»Oder findest du das neuerdings blöd?«, fragte Jenny.

Blöd nicht. Es war nur nicht der richtige Zeitpunkt. Trotzdem würde es kein Entrinnen geben. »Um 8 Uhr 19!«, schlug ich gegen meine Überzeugung vor. Wenigstens würde ich es bald hinter mir haben.

»Ich werde ganz doll an dich denken!«, sagte Jenny mit einer Wärme und Zärtlichkeit in ihrer Stimme, die mich ein wenig verlegen machte.

Ich bekam fast ein schlechtes Gewissen, weil ich ihre Gefühle nicht erwidern konnte. Es ging einfach nicht. Ich war erst vierundzwanzig Stunden zuvor über meinen eigenen Schatten gesprungen. Zweimal hintereinander, das bringt kein Mann auf dieser Welt.

Wie immer kam Jennys Bus zuerst. Sie lächelte mir zum Abschied zu. Mehr als eine Grimasse kriegte ich nicht zustande.

Im Unterricht blickte ich ständig auf die Uhr. Ich wollte den Zeitpunkt auf keinen Fall verpassen. Nicht, um an sie zu denken. Ich hatte mir vorgenommen mich in Gedanken mit allem zu beschäftigen, nur nicht mit Jenny. So enttäuscht war ich wegen der SMS.

Um 8 Uhr 19 war es so weit. Ich musste mich richtig bemühen, dass Jenny nicht meine Gedanken beherrschte. Ich versuchte mich auf Tiere zu konzentrieren, auf Löwen, Elefanten, Schlangen, Tiger, Krokodile. Sogar an Haie dachte ich. Und trotzdem passierte es immer wieder, dass Jennys Gesicht auftauchte. Es mogelte sich regelrecht zwischen die zahlreichen Tierbilder. Ich verlor jegliche Kontrolle über das Geschehen. Das Krokodil wurde plötzlich wütend und schnappte nach Jenny, der Hai zog sie unter Wasser, der Löwe setzte zum Sprung auf sie an. Doch Jenny überlebte jedes Mal ...

***

JENNY

Ich konnte nur hoffen, dass sich Finns Laune bald wieder besserte. Wenn es wirklich stimmte, dass seine Gemütsverfassung eine Folge des Fußballturniers war, sollte er vielleicht die Sportart wechseln. Oder gänzlich mit dem Sport aufhören. Trotzdem konnte ich es kaum erwarten, bis es 8 Uhr 19 war. Jetzt würden unsere Seelen miteinander verschmelzen. Nichts und niemand konnte uns trennen, keine Klassenarbeit, kein Vokabeltest, nicht einmal Melli, die neben mir saß und eigentlich meine Hilfe brauchte, weil sie nicht in der Lage war, Herrn Wipperfürth, den wir in Welt-/Umweltkunde hatten, zu erklären, wie die Gezeiten entstehen. Finn hatte eindeutig Vorrang. Ich musste wieder daran denken, wie wir uns am Swimmingpool geküsst hatten ... Mein Herz zerfloss wie Spaghettieis in der Backröhre. Ein Kuss von Finn! Wenn das doch endlich wieder wahr würde!

***

FINN

Irgendwann schaffte ich es dann, Jenny aus meinen Gedanken zu verdrängen. Meine schlechte Stimmung aber blieb. Das änderte sich auch nicht, als es zur ersten großen Pause klingelte. Frederik aus meiner Klasse erzählte, Borussia hätte beschlossen Romero für dreißig Millionen Euro an den AC Turin zu verkaufen. Ich wollte es nicht glauben. Ausgerechnet Romero. Ihren besten Mann. Den Torschützenkönig der letzten Saison. Ohne ihn war die Mannschaft nur noch die Hälfte wert. Die Nachricht musste ich unbedingt an Raffael weitergeben. Raffael war wie ich Borussiafan. Ich fand seinen Eierkopf in der Menge und wollte zu ihm hin. Als er mich bemerkte, entfernte er sich schnell. Ich dachte mir nichts dabei, eilte ihm nach und hatte ihn bald eingeholt. Froh schien er über mein Auftauchen nicht zu sein. Aber auch diese Beobachtung beunruhigte mich in keiner Weise.

»Hast du schon gehört, Borussia will Romero an den AC Turin verkaufen!«, teilte ich ihm voller Empörung mit. »Für dreißig Millionen Euro!«

»Ist mir doch egal!«, sagte Raffael und ging einfach weiter.

Ich gleich hinterher. »Kapierst du nicht? Sie wollen Romero verscheuern! Jeden anderen, nur nicht Romero! Die vom Verein haben doch keine Ahnung!«

Raffael behielt sein Tempo bei.

Schon war ich wieder neben ihm. »Mann, kannst du nicht mal für eine Minute stehen bleiben?«

Raffael hielt abrupt inne. »Wenn einer keine Ahnung hat, dann bist du es!«, pflaumte er mich an.

»Aber ohne Romero verlieren die jedes Spiel!«, ereiferte ich mich.

»Um Fußball geht es doch gar nicht!«, entgegnete Raffael aufgebracht.

»Um was dann?«

»Darum, dass ich auf Mädchen stehe und nicht auf Jungs!«, flüsterte Raffael auf einmal und blickte sich ängstlich um.

Nicht auf Jungs? Was sollte das nun wieder heißen? »Klar stehst du auf Mädchen«, beruhigte ich ihn.

»Und warum schickst du mir dann so 'ne SMS?«, schnauzte er mich an.

»Was für eine SMS?«, fragte ich.

»Das musst du doch am besten wissen!«, ereiferte sich Raffael. Wenn er sich weiter so aufregte, kriegte er noch einen Herzinfarkt.

»Kannst du mal Klartext reden!«, forderte ich. »Ich habe dir überhaupt keine SMS geschickt!«

Raffaels Stimme wurde wieder etwas gedämpfter. »Ich vermisse dich! Dein XYZ! Die SMS stammt wohl nicht von dir!«

Was anfangs eher ein dumpfes Gefühl war, hier könnte möglicherweise etwas nicht stimmen, entwickelte sich plötzlich zur grausamen Gewissheit, dass etwas furchtbar schief gelaufen war.

Ich war am Boden zerstört, lag quasi als Schutthaufen zu meinen eigenen Füßen. »Hör zu«, war ich um rasche Aufklärung bemüht, »die SMS war nicht für dich! Die war für Jenny!« Kein Wunder, dass sie die Nachricht mit keinem Sterbenswörtchen erwähnt hatte. O Mann, ich Esel! Ich Kamel! Das größte Kamel aber war Raffael.

»Wieso hast du mir nicht gleich Bescheid gesagt?«, stellte ich ihn zur Rede. Dann wäre ich doch niemals so blöd zu Jenny gewesen! »Dir muss doch klar gewesen sein, dass die Nachricht nicht für dich war!«