Mit dem Boss ins Bett? - Joss Wood - E-Book

Mit dem Boss ins Bett? E-Book

Joss Wood

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Beschreibung

"Darling!" Spontan stürmt Jaci auf den Mann zu, der aus dem Aufzug steigt. Bevor er etwas entgegnen kann, verschließt sie seinen Mund mit einem Kuss. Natürlich nur, um einen zudringlichen Typen zu vergraulen, der ihr bis in das Foyer des New Yorker Luxushotels gefolgt ist. Aber woher kommt dann die nie gekannte sinnliche Erregung, als der Mann ihr Spiel mitmacht und sie wild zurückküsst? Und das in aller Öffentlichkeit, wo Jaci sexuelle Verwicklungen gerade gar nicht brauchen kann! Immerhin sehe ich ihn nie wieder, denkt sie. Da trifft sie wenig später ihren neuen Boss …

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IMPRESSUM

BACCARA erscheint in der HarperCollins Germany GmbH

Redaktion und Verlag: Postfach 301161, 20304 Hamburg Telefon: +49(0) 40/6 36 64 20-0 Fax: +49(0) 711/72 52-399 E-Mail: [email protected]
Geschäftsführung:Thomas BeckmannRedaktionsleitung:Claudia Wuttke (v. i. S. d. P.)Produktion:Jennifer GalkaGrafik:Deborah Kuschel (Art Director), Birgit Tonn, Marina Grothues (Foto)

© 2015 by Joss Wood Originaltitel: „Taking The Boss To Bed“ erschienen bei: Harlequin Enterprises Ltd., Toronto in der Reihe: DESIRE Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe BACCARABand 1937 - 2016 by HarperCollins Germany GmbH, Hamburg Übersetzung: Maria Fuks

Abbildungen: Harlequin Books S.A., alle Rechte vorbehalten

Veröffentlicht im ePub Format in 08/2016 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 9783733723057

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten. CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:BIANCA, JULIA, ROMANA, HISTORICAL, MYSTERY, TIFFANY

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1. KAPITEL

Den Kopf stolz erhoben, schritt Jaci Brookes-Lyon durch die Lobby des im Art-déco-Stil gehaltenen Forrester-Grantham Hotel in New York. Sie steuerte auf die Aufzüge zu, neben denen lebensgroße Statuen, Tänzerinnen in künstlerischen Posen, warteten. Jaci streckte die Hand aus und berührte eine kühle Marmorschulter. Ihr Blick wanderte zu ihrem eigenen Spiegelbild in der glänzenden Aufzugstür.

Ihr Kurzhaarschnitt lag voll im Trend, wohingegen ihr Cocktailkleid von zeitloser Eleganz war. High Heels und ein perfektes Make-up vervollständigten das Bild einer selbstbewussten weltgewandten Frau. Ich sehe gut aus, entschied sie. Nun, vielleicht wirkte sie etwas ernst, doch das ließ sich jederzeit ändern.

Wichtig war vor allem, dass niemand hinter ihre Maske schauen konnte. Sie kam sich hier in New York wie eine bessere, stärkere Version der englischen Jaci vor, mehr wie die Person, die sie gern sein wollte. Niemand, der sie sähe, würde daran zweifeln, dass sie ihr Ziel kannte und es erreichen würde. Schade nur, dass das Bild trog.

Als sie im ersten Stock ausstieg, straffte Jaci die Schultern und ging auf die Doppeltür zu, hinter der der Ballsaal lag.

Lächle, befahl sie sich, ehe sie den Saal betrat, in dem sich Männer im Frack oder Smoking und Frauen in eleganter Designer-Kleidung drängten. Niemand sollte ahnen, dass eine solche Ansammlung fremder Menschen die Hölle für sie war. Lieber würde ich nackt über den Piccadilly Circus spazieren …

Sie beschloss, gleich wieder zu gehen, sollte sie ihre Kollegen von Starfish innerhalb der nächsten Viertelstunde nicht finden können.

Mit Wes und Shona, die genau wie sie selbst als Drehbuchautoren bei Starfish arbeiteten, hatte sie sich rasch angefreundet. Gemeinsam mit ihnen hatte sie am Nachmittag die nicht enden wollende Preisverleihungszeremonie durchgestanden. Jetzt sollte das Ganze mit einer großen Party ausklingen. Jaci mochte solche Partys nicht, aber natürlich musste sie so tun, als amüsiere sie sich – und vielleicht würde sie das ja sogar, wenn sie Shona und Wes erst gefunden hätte.

Sie schaute sich um. Himmel, da vorn stand die Schauspielerin Candice Bloom, die gleich mehrere Preise gewonnen hatte. Allerdings sah sie im echten Leben älter und nicht so schlank aus wie im Film.

Ein Kellner drängte sich durch die Menge, und Jaci nahm sich ein Glas Champagner von dem Tablett, das er auf einer Hand balancierte. Sie nippte an dem prickelnden Getränk und bahnte sich einen Weg zum Rand des Saals. Von dort aus würde sie nach ihren Kollegen Ausschau halten. Sie gab sich noch zwanzig Minuten. Sie war ihr Leben lang das Mauerblümchen auf den Partys ihrer Eltern gewesen. Sie hatte keine Lust, dieses Gefühl wiederzubeleben.

„Das sieht aus wie ein gelungenes Stück georgianischer Handwerkskunst“, sagte eine Stimme neben ihr.

Jaci wandte sich um – und musste sich zwingen, sich ihre spontane Abneigung nicht anmerken zu lassen. Dank des smaragdgrünen Smokings erinnerte ihr Gegenüber sie an einen Frosch. Sein dünnes und zudem fettiges dunkles Haar war im Nacken zu einem Pferdeschwanz zusammengefasst. Das absurde Bärtchen und die schmalen Lippen gaben seinem Gesicht einen grausamen Zug.

Warum gerate immer ich an so eklige Typen?

Mr. Frosch griff nach ihrer Hand, um ihren Ring genauer zu betrachten. Für eine Amphibie schien er überraschend viel Kraft zu besitzen. „Ah“, sagte er, „ich hatte recht: ein außergewöhnlicher Stein, ein Amethyst, und zudem im Stil jener Zeit geschliffen. Exquisit, möchte ich behaupten. Aus dem achtzehnten Jahrhundert, nicht wahr?“

Jaci hatte nicht vor, mit diesem zwielichtigen Kerl über ihren Ring zu sprechen. Sie entzog ihm ihre Hand und widerstand der Versuchung, sich die Finger am Stoff ihres Kleides abzuwischen. Der Frosch verursachte ihr Gänsehaut.

„Wie sind Sie zu dem Ring gekommen?“, wollte er wissen. Er lächelte und entblößte dabei hässliche gelbe Zähne.

„Ein Familienerbstück“, gab sie zurück. Sie war zu gut erzogen, um den Mann einfach stehen zu lassen.

„Ihr Akzent ist bezaubernd. Sie sind Engländerin?“

„Ja.“

„Ich besitze eine Villa in den Cotswolds, in Arlingham. Kennen Sie den Ort?“

Sie kannte den Ort tatsächlich, doch ihre Geduld neigte sich dem Ende zu. „Nein“, erklärte sie also. „Wenn Sie mich entschuldigen wür…“

„Ich besitze einen sehr hübschen Diamantanhänger, der sich wunderbar auf Ihrem Dekolleté machen würde“, unterbrach er sie und kam näher. „Ich stelle mir gerade vor, wie umwerfend Sie aussehen würden, wenn Sie nur diesen Schmuck und ein paar goldene High Heels trügen.“

Ein kalter Schauer überlief Jaci, und ihr wurde übel, als er sich mit der Zunge über die Zähne fuhr. Glaubte er wirklich, dass so ein Spruch bei Frauen ankam? Entschlossen schob sie seine Hand von ihrer Hüfte fort. Wie sehr wünschte sie sich in diesem Moment, sie könne ihm ohne Umschweife sagen, was sie von ihm dachte. Doch wie allen Brookes-Lyon-Kindern hatte man auch ihr beigebracht, sich stets höflich zu benehmen und niemals jemandem zu sagen, er solle zur Hölle fahren. Stattdessen beherrschten sie die Kunst, diplomatisch formulierte Abfuhren zu erteilen. Na ja, Neil und Meredith mehr als sie. Sie fand nie die richtigen Worte. Sie krauste die Nase – manche Dinge änderten sich wohl nie.

Wenn es ihr nicht gelang, Mr. Reich-und-gruselig fortzuschicken, dann musste sie eben selbst abhauen.

„Ich begleite Sie, wenn Sie aufbrechen“, verkündete er just in diesem Moment.

Konnte er etwa Gedanken lesen? „Sparen Sie sich die Mühe“, stieß sie hervor. „Ich bin nicht interessiert.“

„Vielleicht sollte ich erwähnen, dass ich im Begriff bin, einen großen Film zu finanzieren. Außerdem besitze ich ein Schloss in Deutschland und …“

Jaci kochte jetzt vor Zorn. Er konnte nicht ahnen, dass sie auf einem herrschaftlichen Landgut aufgewachsen war, das ihrer Familie seit Jahrhunderten gehörte, oder dass ihre Mutter entfernt mit der Queen verwandt war. Wenn mich all das nicht beeindruckt hat, wie sollst du schleimige Amphibie dann eine Chance haben – egal, was du auf der Bank hast?! All das sagte sie ihm nicht. Stattdessen murmelte sie nur: „Ich muss gehen.“ Geschickt tauchte sie unter seinem Arm durch und eilte zum Ausgang des Ballsaals.

Sie hatte die Aufzüge fast erreicht, als sie hörte, wie dicht hinter ihr der Frosch jemandem befahl, ihm sofort aus dem Weg zu gehen. Verflixt, wenn es ihm gelang, in denselben Aufzug wie sie zu steigen, dann würde sie womöglich mit ihm allein in der kleinen Kabine eingesperrt sein. Die Vorstellung bereitete ihr Bauchschmerzen. Zweifellos würde Mr. Gruselig seine Hände nicht bei sich behalten können.

Wahrscheinlich wird er sogar versuchen, mich zu küssen. Lieber würde ich mit einem Laternenpfahl knutschen!

Nervös schaute sie sich um und drehte sich dann in Richtung Notausgang. Dorthin würde er ihr sicherlich nicht folgen. Vor dem Hotel würde sie ein Taxi anhalten, um nach Hause zu fahren. Glücklicherweise war ihr Apartment mit einer Badewanne ausgestattet. Ein Schaumbad und dazu ein Glas Wein … Ja, das hörte sich wunderbar an!

Doch noch ehe sie die Tür zum Treppenhaus öffnen konnte, sagte eine Stimme direkt hinter ihr: „Meine Limousine wartet vor dem Hotel.“

Vor Schreck wäre Jaci fast gestolpert. Mr. Aufdringlich war ihr dicht auf den Fersen. Der grausame Ausdruck seiner Augen und das lüsterne Lächeln, das seinen Mund umspielte, machten ihr Angst. Was sollte sie tun? Im Treppenhaus würde sie ihm ebenso ausgeliefert sein wie in einem der Aufzüge. Sogar der Flur vor dem Ballsaal hatte sich geleert. Ihr blieb wohl nichts anderes übrig, als in den Saal zurückzukehren.

Was für ein Albtraum!

In diesem Moment öffneten sich die Türen eines Aufzugs, und ein hochgewachsener Mann im Smoking trat heraus. Er hatte breite Schultern, schmale Hüften und dunkles Haar, das ein wenig zerzaust wirkte, was zweifellos beabsichtigt war.

Ich kenne ihn, dachte Jaci, auch wenn der Dreitagebart sie einen Moment lang verwirrte. Ist das etwa Ryan?

Ja, er war es! Sie hatte Neils Freund einige Jahre nicht gesehen, und er wirkte erwachsener – und noch beeindruckender als der attraktive Student, den sie in Erinnerung hatte. Durchsetzungsfähig, sexy, stark. Ein Mann im wahrsten Sinne des Wortes.

Jacis Herz machte einen Sprung und ihre Knie wurden weich, als etwas wie ein elektrischer Schlag sie durchfuhr. Verflixt, sie fühlte sich bereits jetzt heftig zu ihm hingezogen – und er hatte sie noch nicht einmal bemerkt.

Aber er musste sie bemerken! „Ryan!“, rief sie, woraufhin er zu ihr herübersah.

„Meine Limousine wartet draußen.“

Himmel, gab der schleimige Frosch denn nie auf? Jaci musterte kurz seine Miene und erkannte, dass er sie erst in Ruhe lassen würde, wenn er sein Ziel – sie, ohne ihre Kleidung – erreicht hätte. Nun, dazu würde es nicht kommen. Lieber würde sie sich mit einer Klapperschlange ins Bett legen. Aber es gab vielleicht noch eine andere, angenehmere Lösung.

„Ryan, Schatz!“ Sie eilte zu ihm, schaute ihn strahlend an und schlang ihre Arme um seinen Nacken. Sie sah, wie seine Augen sich vor Erstaunen weiteten, fühlte, wie er ihr die Hände auf die Hüften legte. Er wollte etwas sagen. Doch ehe er dazu kam, verschloss Jaci seinen Mund mit ihrem. Dabei schickte sie ein stummes Gebet zum Himmel: Bitte, lass nicht zu, dass er mich jetzt von sich stößt!

Seine Lippen waren warm und fest. Und als Jaci mit den Fingern leicht seinen Nacken liebkoste, spürte sie, wie Ryan erschauerte. Er hob den Kopf, löste seinen Mund von ihrem und sah ihr tief in die Augen. Einen Moment lang fürchtete sie, er würde sie fortschieben und fragen, was zum Teufel das alles sollte. Doch stattdessen zog er sie wieder zu sich heran. Und küsste sie. Drängend und leidenschaftlich. Ohne zu zögern, öffnete Jaci die Lippen. Ein Arm um ihre Taille ließ ihren Körper mit seinem verschmelzen, sodass ihre Brüste gegen Ryans muskulösen Oberkörper und ihr Bauch an – huch! – seine Erektion gepresst wurden.

Jaci hätte nicht sagen können, ob der Kuss Sekunden, Minuten oder Stunden andauerte. Jedenfalls klopfte ihr Herz zum Zerspringen, und ihr Atem ging viel zu schnell, als Ryan ihren Mund schließlich freigab. Glücklicherweise hielt er sie immer noch umschlungen, denn ihr war ein wenig schwindelig. Seufzend barg sie den Kopf an seiner Schulter. Das alles war so unwirklich, dass sie fast glaubte, es sei nur ein Traum. Nie zuvor hatte sie so leidenschaftlich für jemanden empfunden. Und das in aller Öffentlichkeit und für einen Mann, den sie kaum kannte!

„Leroy, wie schön dich zu sehen“, hörte sie Ryan sagen. Seine Stimme klang ruhig. Anscheinend war er daran gewöhnt, in angesagten Hotels von unbekannten Frauen geküsst zu werden. „Ich hatte gehofft, dich hier zu treffen.“

„Ryan“, gab Leroy lediglich zurück.

Da sie nicht bis in alle Ewigkeit an Ryan geschmiegt stehen bleiben konnte – auch wenn die Vorstellung etwas sehr Verführerisches hatte –, versuchte sie sich umzudrehen. Doch zu ihrem Erstaunen hielt Ryan sie fest. „Wie ich sehe, hast du mein Mädchen schon kennengelernt.“

Sie versuchte, den Ausdruck seines Gesichts zu deuten. Hatte er gerade „mein Mädchen“ gesagt? Warum hatte er sie nicht einfach vorgestellt?

Sie biss sich auf die Unterlippe. Offenbar erinnerte er sich nicht an ihren Namen. Verflixt, er hat keine Ahnung, wer ich bin!

Mr. Gruselig zog eine Zigarre aus der Brusttasche seines geschmacklosen Smokings und steckte sie sich zwischen die Lippen. Dann legte er den Kopf schief und musterte Jaci. „Ihr seid ein Paar?“

Dieser unverschämte Kerl redete über sie, als sei sie gar nicht da! Sie holte tief Luft, versuchte, den Mut für eine böse Erwiderung aufzubringen. Aber als Ryan sie leicht kniff, beschloss sie zu schweigen. Zumindest vorerst.

„Ja“, erklärte Ryan, „sie ist meine Freundin. Allerdings haben wir uns ein paar Wochen nicht gesehen, weil ich außerhalb der Stadt zu tun hatte.“

Wochen, Jahre … Wer nimmt das schon so genau?

Auch Leroy schien sich zu wundern. „Ich dachte, sie sei im Begriff zu gehen.“

„Wir wollten uns unten in der Lobby treffen.“ Ryans Kinn lag jetzt auf Jacis Scheitel. Ein gutes Gefühl! „Hast du meine Nachricht, dass ich auf dem Weg nach oben bin, gar nicht bekommen, Schatz?“

Schatz? Er wusste also tatsächlich nicht, wer sie war. Das gute Gefühl verflüchtigte sich. Immerhin war es erstaunlich, wie leicht es ihm fiel zu lügen.

„Wollen wir nicht in den Ballsaal gehen?“, schlug Ryan vor.

„Ich nicht“, stellte Leroy fest.

Dem Himmel sei Dank für kleine Freuden, dachte Jaci, während sie sich bemühte, sich ihre Erleichterung nicht zu deutlich anmerken zu lassen.

Unterdessen streckte Ryan dem aufdringlichen Frosch die Hand hin. „Dann bis bald, Leroy. Ich freue mich auf unser nächstes Treffen, um unseren Vertrag unter Dach und Fach zu kriegen.“

Mr. Gruselig ignorierte die ausgestreckte Hand. „Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich noch Interesse an dem Projekt habe.“

Von welchem Projekt sprach er? Machte Ryan etwa Geschäfte mit dem Frosch? Möglich war es schon, Jaci hatte schließlich keine Ahnung, was Ryan oder die Amphibie beruflich taten. Unsicher musterte sie Ryans Gesicht. Sie spürte, dass er verärgert war, doch seine Miene verriet nichts.

„Das erstaunt mich“, stellte er fest. „Ich dachte, wie seien uns so gut wie einig.“

Leroys Lächeln war eindeutig boshaft. „Ich glaube kaum, dass ich mein Geld einem Mann anvertrauen sollte, den ich so wenig kenne. Ich wusste ja nicht einmal, dass du eine Freundin hast.“

„Mein Privatleben sollte keine Rolle für unsere geschäftlichen Abmachungen spielen.“

„Unsinn! Wenn ich eine solche Summe investiere, will ich genau wissen, was der Mann, der sie bekommt, damit tut.“

„Nun, das weißt du doch. Du kennst meine Arbeitsweise und die Projekte, mit denen ich bereits Erfolg hatte.“

Verständnislos schaute Jaci von einem zum andern.

„Da du etwas von mir willst“, verkündete Leroy, „erwarte ich, dass du tust, was ich von dir verlange. Wenn ich dich also auffordere zu springen, dann fragst du: ‚Wie hoch?‘“

Vor Wut stieg Jaci das Blut in die Wangen. Ryan jedoch blieb scheinbar ganz ruhig. Nur daran, wie seine Muskeln sich anspannten, erkannte Jaci, dass er den Frosch am liebsten verprügelt hätte.

„Hör zu, Ryan“, meinte der. „Du willst Geld von mir, sehr viel Geld. Da ist es doch verständlich, dass ich sicher sein will, das Richtige zu tun. Deshalb möchte ich in den nächsten Tagen gern mehr Zeit mit dir verbringen.“ Er musterte Jaci mit einem Blick, der ihr das unangenehme Gefühl gab, nackt vor ihm zu stehen. „Mit dir und deiner süßen Freundin. Weiterhin wäre es gut, wenn ich ein paar deiner wichtigsten Mitarbeiter kennenlernen würde.“ Er nahm die Zigarre aus dem Mund, drehte sie in den Fingern und schob sie sich wieder zwischen die Lippen. „Mein Sekretär wird dich anrufen.“

Damit ging er, ohne ein Wort des Abschieds, zu einem der Aufzüge. Ehe er eintrat, wandte er sich allerdings noch einmal um. „Ich freue mich darauf, euch beide bald wiederzusehen.“ Sein öliges Lächeln ließ Jaci erschaudern.

Endlich schloss sich die Tür hinter ihm. Jaci entzog Ryan ihre Hand und warf einen kurzen Blick auf sein Gesicht. Offenbar war er kurz davor zu explodieren.

„Zur Hölle mit diesem … manipulativen Idioten!“, stieß er hervor.

Jaci trat zwei Schritte zurück. „Glaub mir, ich bin dir sehr dankbar für deine Hilfe. Und dich wiederzusehen war … etwas skurril. Aber dir ist schon klar, dass ich das nicht mitmachen kann, oder?“

Stirnrunzelnd betrachtete er sie. „Du meinst, du kannst nicht meine Freundin sein?“

„Ja.“

Er nickte. „Natürlich nicht. Es würde niemals funktionieren.“

Ein Grund dafür war zweifellos, dass Ryan offenbar noch immer nicht wusste, wen er vor sich hatte. Aber es gab auch andere Gründe. Von ihrem Bruder Neil hatte Jaci gehört, dass Ryan sich gern mit glamourösen Sängerinnen, Schauspielerinnen oder Fotomodellen in der Öffentlichkeit zeigte. Sie aber war nur die kleine Schwester seines Freundes aus England, und nichts an ihr war auch nur im Entferntesten glamourös. Obwohl … Sie musste an seine Härte denken, die sie während des Kusses so deutlich gespürt hatte. Ganz uninteressiert schien er ja nicht zu sein …

„Leroy war nur sauer, weil du ihn abgewiesen hast“, fuhr Ryan fort. „Bestimmt beruhigt er sich bald wieder. In ein paar Tagen sage ich ihm einfach, dass wir einen riesigen Streit hatten und uns getrennt haben.“

Du hast ja bereits alles durchdacht. Nun, das alles war nicht länger ihr Problem. „Tu, was du für richtig hältst.“ Sie schenkte ihm ein kühles Lächeln. „Also … tschüss.“

Ryan fuhr sich mit der Hand durchs Haar. „Leroy ist vielleicht noch in der Lobby oder vor dem Hotel. Warte noch ein paar Minuten und nimm dann einen Seitenausgang.“

Damit schien die Sache für Ryan erledigt zu sein. Zumindest an meinen Namen könnte er sich jetzt endlich erinnern. Arroganter Schnösel!

„Ich habe nicht vor, schon zu gehen“, erklärte sie. „Ich glaube, ich misch mich noch einmal unters Volk.“

Überraschung blitzte in seinen Augen auf. Und Verärgerung? Wollte er sie loswerden, weil es ihm peinlich war, dass ihm nicht einfiel, woher er sie kannte? Nein, peinlich berührt sah er eigentlich nicht aus. Eher umwerfend …

„Ich hatte nicht erwartet, dich ausgerechnet hier wiederzusehen, Ryan.“ Sie betonte das Wort „wiedersehen“, in der Hoffnung, dass es endlich bei ihm klingeln würde.

Verwirrt runzelte er die Stirn. „Wie wär’s: Sollen wir bei einer Tasse Kaffee die letzten Neuigkeiten austauschen?“

„Nein, Schatz“, gab sie kühl zurück. „Das wäre wohl sinnlos, da du ja noch nicht einmal weißt, wer ich bin. Leb wohl, Ryan.“

„Okay, du hast mich erwischt. Also, wer bist du?“ Er runzelte die Stirn. „Ich weiß, dass ich dich kenne …“

„Es wird dir wieder einfallen.“ Damit wandte sie sich ab und ging auf die Tür zum Ballsaal zu. Sie hörte, wie Ryan leise fluchte. In Wahrheit war sie sich nicht sicher, ob er jemals die Verbindung zwischen ihr und dem schüchternen Teenager von damals ziehen würde. Äußerlich erinnerte nichts mehr an das scheue unsichere Mädchen, das den Freund des großen Bruders heimlich angehimmelt hatte.

Sie wusste, dass Neil seinen New Yorker Freund gebeten hatte, ein wenig auf sie achtzugeben. Nur gut, dass sie keinen Beschützer brauchte! Jaci straffte die Schultern. Sie war jetzt erwachsen und kam allein zurecht.

„Vielleicht kannst du meinem Gedächtnis mit einem weiteren Kuss auf die Sprünge helfen?“, hörte sie in diesem Moment Ryans Stimme hinter sich.

Sie wandte sich um und gab sich den Anschein, als würde sie einen Moment lang nachdenken, ehe sie mit den Worten „Wohl eher nicht“ durch die Tür verschwand.

Tatsächlich jedoch war die Vorstellung, noch einmal in seinen Armen zu liegen, recht verlockend.

2. KAPITEL

In der Hoffnung, rasch in der Menschenmenge verschwinden zu können, betrat Jaci den überfüllten Ballsaal. Ihr Herz schlug noch immer zum Zerspringen. Was sie soeben erlebt hatte, erinnerte sie an eine Achterbahnfahrt. Alles ging furchtbar schnell, und man wusste kaum, wo oben und unten war. Ja, sie wollte Ryan noch einmal küssen. Sie wollte den sanften Druck seiner festen Lippen spüren. Sie wollte ihn schmecken, sich an ihn schmiegen, seine Erregung fühlen. Nie zuvor hatte ein Kuss eine solche Wirkung auf sie gehabt. Und obwohl Ryan doch nicht einmal wusste, wer sie war, hatte sie die ganze Zeit über das Gefühl gehabt, dass seine Leidenschaft und Zärtlichkeit niemand anderem als ihr galt.

Verflixt, es war fast, als hätte er nach ihrem Herzen gegriffen und hielte es fest in seiner Hand.

Nun, zweifellos spielten ihre Hormone verrückt. Eine andere Erklärung gab es nicht. Als Schriftstellerin wusste sie, dass sie vorsichtig sein musste, damit die Fantasie nicht mit ihr durchging. Hier handelte es sich schließlich um das wahre Leben und nicht um eine romantische Komödie. Ryan war männlich, sexy, stark und hilfsbereit. Zumindest wirkte er so. Aber das mochte eine Maske sein. Mit Masken kannte Jaci sich aus. Manchmal verbargen sie etwas Harmloses – so wie ihr fehlendes Selbstvertrauen –, und manchmal kam hinter den Masken das Schlimmste eines Menschen hervor … so wie bei ihrem Exverlobten.

Clive und seine Geheimnisse … Es war furchtbar gewesen zu erleben, wie diese Geheimnisse aufgedeckt wurden. Dass Clive nicht nur sie, sondern auch ihre Familie hinters Licht geführt hatte, war nun wirklich kein Trost. Anfangs – das war nun drei Jahre her – hatten ihre Verwandten sich gefreut, dass Jaci statt eines Künstlers oder Musikers ohne Einkommen endlich einen intellektuellen, erfolgreichen Mann mit nach Hause gebracht hatte. Einen Politiker!

Sie war stolz darauf gewesen, eine solche Eroberung gemacht zu haben. Ihr gefiel, wie aufmerksam und zuvorkommend man sie plötzlich überall behandelte. Selbst die Presse interessierte sich für sie. War es da nicht normal, dass sie sich mit Clives Fehlern abfand? Seine Vernachlässigung, sein Kontrollzwang, sein Mangel an Respekt. Sie wurde ja dafür entschädigt, indem sie neben ihm im Scheinwerferlicht stand. Aus dem hässlichen Entlein schien über Nacht ein Schwan geworden zu sein.

Zum Schluss jedoch hatte sie das alles kaum noch ausgehalten, und das Scheinwerferlicht war beinahe unerträglich geworden. Also hatte sie England verlassen und war nach New York gekommen. Hier wollte sie sich ihrem beruflichen Fortkommen widmen, und dabei würde jede Beziehung zu einem Mann nur stören.

Jemand rief ihren Namen. Sie schaute sich um und entdeckte ihre neuen Freunde. Erleichtert bahnte sie sich einen Weg durch die Menge. Wes schenkte ihr ein warmes Lächeln, und Shona reichte ihr ein Glas Champagner.

„Ich mag Champagner nicht besonders“, meinte Jaci. Doch irgendwie hatte sie das Gefühl, dass etwas Alkohol ihr guttun würde.

„Trinken in England nicht alle schicken It-Girls Champagner?“, fragte Shona ohne jede Bosheit.

„Ich bin kein It-Girl.“