Mit dem Fahrrad durch Namibia - Roland Schmellenkamp - E-Book

Mit dem Fahrrad durch Namibia E-Book

Roland Schmellenkamp

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Beschreibung

Mit dem Fahrrad durch Namibia - 1600 Kilometer über Pisten. Ein Bericht mit ungewöhnlichen Erlebnisse und vielen Tipps für Reiseradler, die auch diese oder eine ähnliche Tour durch Namibia machen möchten. Der Autor zeigt dazu sowie zu seinen Radreisen im Oman und Japan auch Bildvorträge, die gebucht werde können. Mehr Infos und Fotos auf seiner Homepage www.roland-schmellenkamp.de

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Seitenzahl: 100

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Inhalt

Vorwort

Vor- und Nachteile

Karte

Unsere Route

Unsere Reise im Sommer 2014

Bilanz: Defekte

Linkliste

Wissenswertes von A bis Z

Über den Autor

Impressum

Vorwort

In diesem Buch wird eine Radreise durch Namibia geschildert. Weiter gibt es Informationen für Leute, die ähnliches planen. Wieso wir eine bestimmte Route gefahren sind, hat viele Gründe, auch die werden genannt. Die beschriebene Strecke kann innerhalb von sechs Wochen zurückgelegt werden. Weiter gibt es in diesem Buch viele generelle Infos zum Radfahren in Namibia, zur dafür sinnvollen Ausrüstung und Rad. Der Autor hält Bildvorträge über die Reise.

Vor- und Nachteile

Wieso Namibia mit dem Fahrrad? Was dafür spricht:

Afrika "light", also kein Kulturschock

keine Malaria im beschriebenen Gebiet

Direktflug ab Frankfurt (geringes Schadensrisiko beim Rad, für die Länge der Strecke kurze Flugzeit)

abwechslungsreiche und exotische Wüstenlandschaft

interessante Tiere

ehemalige deutsche Kolonie, also geschichtlich interessant

gute touristische Infrastruktur, aber nicht "überlaufen"

viele Pisten (mache Radler fahren sie gern)

Es gibt jedoch einige Argumente dagegen:

verhältnismäßig lange Strecken zwischen den Sehenswürdigkeiten

viele Pisten (manche Radler fahren sie ungern)

die beste Zeit für die Fahrt sind Früh- bis Spätsommer, also die auch bei uns schönen Jahreszeiten für Radurlaube

Flug ist mit rund 1300 Euro relativ teuer

Karte

Auf den Karten ist die von uns gefahrene Strecke sowie die per Auto oder Zug zurückgelegte zu sehen.

Unsere Route

Die von uns gefahrene Route ist so zugeschnitten, das sie in sechs Wochen - also einem Jahresurlaub eines Angestellten - geradelt werden kann. Siehe auch der Punkt "Alternative Strecken" nach der Routenbeschreibung.

Überblick: Windhoek - mit dem Auto oder Bahn nach Keetmanshoop - Naute Dam - Fish River Canyon - Außenkehr - Rosh Pina - mit dem Auto nach Lüderitz - Aus - Sesriem - Solitaire - Walvis Bay - Swakopmund - mit der Bahn nach Windhuk.

Unsere Reise im Sommer 2014

(Fahrzeitangaben ohne Pausen gerechnet)

Tag 1 - Mittwoch, 16. Juli

Abflug mit Hindernissen

Um 20.30 Uhr soll das Flugzeug von Air Namibia am Frankfurter Flughafen starten - Hildegard ist vier Stunden vorher dort, ich drei Stunden. Heiko kommt einen Tag später mit dem nächsten Flieger nach, weil er nur so Urlaub genehmigt bekam. Sie hat ihr Rad bereits in Frischhaltefolie gehüllt - das ist mir neu und eine gute Sache: Mehrere Lagen ergaben einen stabilen Schutz auch für die empfindlichen Laufräder und Speichen. Wir machen bei meinem Rad das Gleiche und sind um 18.30 Uhr in der Schlange am Schalter zum einchecken. Wir haben alles erledigt, es gibt reichlich Zeit für das Bodenpersonal, um unsere Räder zu verstauen - wir sind entspannt.

Das ändert sich Minuten später am Schalter. Der freundliche Herr dort sagt, dass die Räder nur im Karton mitgenommen werden. Hintergrund: Bei Air Namibia heißt es auf der Homepage unter anderem: "Fahrräder müssen sicher verpackt werden. Spezielle Boxen und Taschen können Sie in Fahrradläden erwerben. Bitte nutzen Sie diese Art der Verpackung, da diese Ihr Fahrrad vor möglichen Schäden bewahrt." Also nur "bitte nutzen", von "muss" ist keine Rede.

Das interessiert ihn nicht. Kartons hat er nicht. Ich sprinte durch die Abflughalle und besorge aus Läden größere Kartonagen. Wir falten sie auseinander, halten sie an die Rahmen, doch die Laufräder schauen dabei noch heraus. Der freundliche Herr betont, dass die Fahrräder komplett im Karton verpackt sein müssen. Nun ist es kurz vor 20 Uhr, mein Puls schlägt schneller und ich schwitze. Werden wir mitfliegen können? Ein Mann von einem benachbarten Schalter einer anderen Fluglinie hat das Drama beobachtet und bietet uns Kartons an für je 20 Euro das Stück. Die muss er noch besorgen, doch das würde schnell gehen. Wir gehen darauf ein - was sollen wir sonst machen? 15 Minuten später sind die Kartons da, wir wuchten die Räder hinein, der Karton-Verkäufer hilft unter anderen mit Klebeband. Es ist 20.15 Uhr vorbei, noch einer knappe Viertelstunde bis Abflug. Ich bin durchgeschwitzt und gehe davon aus, dass wahrscheinlich wir, aber kaum die Räder mitfliegen werden. Doch nach dem Einchecken am Schalter kommt sofort ein Mitarbeiter, der unsere Riesenkartons direkt zum Flieger bringt. Und nach dem Bezahlen der je 100 Dollar per Kreditkarte bei der Bordkontrolle besteigen wir als letzte Passagiere das Flugzeug. Exakt 20.30 Uhr! Dann dauert es allerdings noch eine halbe Stunde bis zum Start, weil noch am Flieger etwas repariert werden muss. Nach unserem Urlaub habe ich noch drei Mal bei Air Namibia versucht, das zu klären und gegebenenfalls den Text auf der Homepage zu ändern. Bei der ersten Mail habe ich den Hinweis erhalten, das sie weitergeleitet wurde – auf die beiden weiteren im größeren zeitlichen Abstand gab es gar keine Reaktion. Übrigens: Kennengelernt hatten wir drei uns übers Internet: Auf der Seite www.rad-forum.de kann man Reisepartner suchen.

Tag 2 - Donnerstag, 17. Juli

Ankunft

Windhuk erreichen wir in der Morgendämmerung und erleben, was Winter in Afrika auf knapp 1700 Meter Höhe bedeuten kann: Scharfer Wind und Temperaturen von deutlich unter 10 Grad. Wir haben eine Verabredung mit Daniel, der Besitzer von "Daniel's Guesthouse" ist ein Schweizer, der nach Namibia ausgewandert ist. Er ist in der Empfangshalle und winkt. Wir können die zwei Räder gerade so in seinen großen Geländewagen quetschen, die Kartons falten wir zusammen. Die ersten und die letzten Tage der Reise wollen wir im Gästehaus übernachten und die Kartons dort zwischenlagern. Auf den 45 Kilometern Fahrt zur Stadt sehen wir eine karge Landschaft. So wird es in Varianten während der ganzen sechs Wochen aussehen bis auf zwei Ausnahmen - und zwar am Meer, dazu später mehr. Auf dieser Fahrt gibt es viele Abzweige zu Farmen, die Unterkünfte für Touristen anbieten.

Das Guesthouse ist ein Gebäudekomplex: Ein großer Haus, in dem Daniel samt Familie und Angestellten lebt und wo noch einige 1-Zimmer-Apartments im Erdgeschoss sowie ein Aufenthaltsraum unterbracht sind. Dahinter sind weitere dieser Apartments um einen Innenhof mit Mini-Pool gruppiert. Dort ziehen wir ein und justieren die Räder in der nun von der Sonne gewärmten Luft: Sattel auf die richtige Höhe, Lenker gerade, Pedale anschrauben, Schläuche aufpumpen. Schäden gibt es bis auf einige Kratzer an einem Lenkergriff keine.

Wir laufen 100 Meter zu einem Lebensmittelgeschäft. Ungewöhnlich ist für uns, dass Haarteile angeboten werden. Hintergrund: Bei den Schwarzen wachsen die Haare meist nicht allzu lang, die werden dann gern "verlängert". Ansonsten ist das Angebot ähnlich wie bei uns, vieles ist aus Südafrika oder Europa importiert und teils teurer als in Deutschland. Der Trend scheint auch hier zu Fast Food, Softdrinks, Süßigkeiten, Chips und ähnlichem zu gehen. Für unseren deutschen Stromstecker gibt es einen Adapter im Laden, auch Spiritus für meinen Kocher. Im Geschäft gibt es bis auf einige Gewürze und getrocknetes Wildfleisch in kleinen Portionen nichts Exotisches. Ich habe mehr typische Lebensmittel aus der Region erwartet. Ungewöhnlich fanden wird, dass mitten im Laden einen Geldautomaten steht, der von allen Seiten einsehbar ist.

In unserem Einkaufskorb landen unter anderem 2-Liter-Wasserflaschen, die relativ schlank sind und in unsere 1,5-Liter-Flaschenhalter passen. Wir fragen Guesthouse-Inhaber Daniel, ob er uns einen Fahrer bis nach Keetmanshoop vermitteln kann, es sind 500 Kilometer. Dort wollen wir unsere Radtour starten. Die Straße bis Keetmanshoop geht nach Süden Richtung Südafrika, ist asphaltiert, stark befahren und unterwegs gibt es kaum etwas zu sehen, deshalb wollen wir dort nicht radeln. Daniel will sich darum kümmern.

Tag 3 - Freitag, 18. Juli

Spaziergang in Windhuk

Wir laufen eine Viertelstunde bis ins die Stadtzentrum. Wegen der Diebstahlsgefahr und weil wir in verschiedene Läden gehen wollen, lassen wir die Räder im Guesthouse. In Namibia ist die Luft sehr trocken, das führt bei empfindlicher Haut zu Problemen. Hildegard kauft in der Hauptstraße - früher Kaiserstraße, heute Independence Avenue - eine Dose der Feuchtigkeitscreme Aquaeous, die in Namibia hergestellt wird und sehr günstig ist. Bei der Tourist-Info besorgen wir uns Gratis-Stadtpläne, mit dem Mitarbeiter dort unterhalten wir uns über Fußball - Deutschland hatte gerade die WM gewonnen. Er sagt, dass die Spieler von Ghana - das Team spielte 2:2 gegen Deutschland - noch kein Geld bekommen hätten: "The african problem." Er meint damit Korruption, denn was die Spieler bekommen sollten, hätten sich irgendwelche Leute in ihre Taschen gesteckt. Dann bietet er uns eine Besichtigungstour mit Auto und Führer an, der kommt gerade mit seinem Fahrer ins Tourist-Office. Wir treffen beide später wieder und buchen dann eine Tour. Der sehr hilfsbereite Mitarbeiter sagt uns auch, wo wir in der Nähe ein Internet-Café finden. Die Verbindung dort ist flott - wir schreiben kurze Nachrichten nach Hause.

Dann gehen wir durch den Zoo-Park und sehen, dass etwa oberhalb davon Richtung Christuskirche das Goethe-Institut samt Café in einem Gebäudekomplex untergebracht ist. Der Kellner spricht deutsch, wir essen dort im Innenhof für umgerechnet 4 Euro Quiche beziehungsweise Linsen mit Spätzle, beides ist lecker. Afrikanische Gerichte werden leider nicht angeboten. Dann schauen wir uns kurz die Christuskirche an und gehen weiter zum Unabhängigkeitsmuseum.

Exkurs I

Das Unabhängigkeitsmuseum

Es ist bombastisch und hochmodern: Glänzende Fassade, drei tragende Ecken und darüber ein großer Kubus. Davor die Skulptur eines großen Herrn, der ein Buch in der Hand hält. Wenn man auf das Museum zugeht, wird man "klein", denn man nähert sich von unten und muss eine Treppe hochgehen. Das Ensemble erinnert an Sozialismus. Pikant: Es wurde von einer Baufirma aus Nordkorea erstellt - nicht gerade ein Land, in dem die Menschen frei sind und gut behandelt werden. In der Ausstellung geht es um die Kolonialisierung und den Unabhängigkeitskampf (im November 1989 gab es die ersten freien Wahlen). Diese ist sehr plakativ, mit Fotos und Bildern werden Unabhängigkeitskämpfer gezeigt und Greueltaten der Deutschen und Südafrikaner. Es ist auf eine gewisse Weise auch ein "Swapo-Museum". Diese war beim Unabhängigkeitskampf federführend und wurde dann dominierende Partei in Namibia mit absoluter Mehrheit im Parlament. Entsprechend einseitig Swapo-lastig ist das Museum: So habe ich zum Beispiel nichts über die Turnhallen-Allianz gesehen - eine andere Gruppe während des Unabhängigkeits-Kampfs.

Unter weißen Namibianern ist das Museum umstritten, weil es einseitig sei und die positiven Seiten der Kolonialisierung nicht schildern würde.

Exkurs II: Kinder aus Namibia in der DDR

Um das Folgende verstehen zu können, hier vorab einige Infos: Es gibt ein Buch von Lucia Engombe mit dem Titel "Kind Nr. 95: Meine deutsch-afrikanische Odyssee". Darin schildert sie, wie sie selbst und viele andere Kinder aus Namibia um 1979 in der DDR zur sozialistischen Elite erzogen wurde. Damals kämpfte die linke SWAPO für die Unabhängigkeit des Landes gegen die Südafrikaner.

Die Kinder wurden plötzlich und unvorbereitet nach Europa geflogen, lebten dort zusammen weitgehend von den Deutschen isoliert und sahen ihren Eltern für viele Jahre nicht wieder. Nach 1989 wurden die nun jungen Leute ebenso plötzlich nach Namibia abgeschoben. Viele kamen in dem nun für sie fremden Land nicht zurecht. Lucia Engombe war sieben Jahre alt, als sie nach Deutschland kam - und mit 18 landete sie wieder in Namibia. Sie arbeitet mittlerweile bei einer Radiostation.

Schwarz, groß, kräftig, kantiges Gesicht und akzentfreies Deutsch. Der junge Mann, der uns im Zoo-Park mit "Guten Tag! Wo kommen Sie her?" anspricht, ist nach eigenen Angaben in Deutschland aufgewachsen. Ich erkläre, dass ich das Buch von Lucia Engombe gelesen haben - er entgegnet, dass er Kind 125 gewesen sei. Es sei schön in Deutschland gewesen, zum Geburtstag habe er ein Fahrrad bekommen. Ich frage, was er beruflich macht. "Ich bin Sozialarbeiter und arbeite mit AIDS-Waisen." Dann erklärt er, dass er für ein Museum sammelt, in dem es um das Schicksal der DDR-Kinder aus Namibia gehen soll. Er zeigt einen Zettel, auf dem schon Deutsche unterschrieben haben und auf dem die gespendeten Summen stehen. Ich habe ein ungutes Gefühl: Auf der Straße Geld sammeln für ein Museum - ist das seriös? Wir geben nichts und verabschieden uns freundlich.