Mit dem Leben tanzen - Diana Sans - E-Book

Mit dem Leben tanzen E-Book

Diana Sans

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Beschreibung

Die Göttinnen des Tantra als Spiegel der Seele Begegne dem Leben auf neue Weise mit dem Inspirationsbuch zu den zehn großen Weisheitsgöttinnen des Tantra. Als erfahrene Expertin mit über 20 Jahren Yoga-Praxis und einer umfassenden Kenntnis der tantrischen Philosophie undTradition bietet Diana Sans eine tiefgründige und moderne Interpretation dieser kraftvollen Archetypen des Weiblichen. Sie sprengen jedes Stereotyp, sind mal herausfordernd und wild, mal anmutig und sanft, zuweilen sogar furchteinflößend und verstörend, bleiben aber doch stets wohlmeinend. Die tantrischen Göttinnen verkörpern eine lebendige, ganzheitliche Spiritualität, die die Komfortzone unserer gewohnten Vorstellungen verlässt und uns eine zeitlose Weisheit offenbart.  Tantra bejaht alles im Leben - auch die schwierigen Situationen Mit dem Leben tanzen ist mehr als nur ein Buch - es ist eine intensive Entdeckungsreise, die uns zu unserer tiefsten inneren Wahrheit führt. Die Reflexionsfragen und Meditationen am Ende eines jeden Kapitels laden uns zu einer sehr persönlichen Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema der Göttin ein. Die Göttin Tripura Sundari beispielsweise konfrontiert uns mit der Frage "Wonach sehne ich mich im tiefsten Herzen?" – Bhairavi hingegen fordert uns auf, unsere Ängste in Bezug auf Auflösung und Verfall zu hinterfragen. Im Einzelnen vermittelt das Buch: - eine Einführung in das Weltbild und die Philosophiedes Tantra, - die Mythologie der Heiligen Polaritäten, - das Heilige Weibliche Prinzip in Bedeutung und Praxis, - eine Erläuterung der universellen Energien der zehn Weisheitsgöttinnen, - liebevoll gestaltete Illustrationen der Göttinnen, - klassische  Tantra-Übungen und Meditationen aus dem Vijnana Bhairava Tantra, - Atemtechniken und Kontemplationen zu jeder der zehn Göttinnen.

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Seitenzahl: 228

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Diana Sans

Mit dem Leben tanzen

Die 10 Weisheitsgöttinnen des Tantra als Begleiterinnen durch Licht und Dunkelheit

Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG.

Über dieses Buch

Die Göttinnen des Tantra als Spiegel der Seele

Begegne dem Leben auf neue Weise mit dem Inspirationsbuch zu den zehn großen Weisheitsgöttinnen des Tantra. Als erfahrene Expertin mit über 20 Jahren Yoga-Praxis und einer umfassenden Kenntnis der tantrischen Traditionen bietet Diana Sans eine kraftvolle und moderne Interpretation dieser kraftvollen Archetypen des Weiblichen. Sie sprengen jedes Stereotyp sind mal mal herausfordernd und wild, mal anmutig und sanft, zuweilen sogar furchteinflößend und verstörend, bleiben aber doch stets wohlmeinend. Die tantrischen Göttinnen verkörpern eine lebendige, ganzheitliche Spiritualität, die die Komfortzone unserer gewohnten Vorstellungen verlässt und uns eine zeitlose Weisheit offenbart. 

Tantra bejaht alles im Leben - auch die schwierigen Situationen

Mit dem Leben tanzen ist mehr als nur ein Buch - es ist eine intensive Entdeckungseise, die uns zu unserer tiefsten inneren Wahrheit führt. Die Reflexionsfragen und Meditationen am Ende eines jeden Kapitels laden uns zu einer sehr persönlichen Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema der Göttin ein. Die Göttin Tripura Sundari beispielsweise konfrontiert uns mit der Frage „Wonach sehne ich mich im tiefsten Herzen?“ – Bhairavi hingegen fordert uns auf, unsere Ängste in Bezug auf Auflösung und Verfall zu hinterfragen. Mit jeder Göttin durchlaufen wir eine faszinierende Entwicklung von der "Dunkelheit" ins "Licht". 

 

Weitere Informationen finden Sie unter: www.droemer-knaur.de

Inhaltsübersicht

Widmung

Motto

Vorwort

Mitten im Leben

Einführung

Was ist Tantra?

Über dieses Buch

Teil 1 Das Leben verstehen – Weltbild und Philosophie des Tantra

Es begann mit einem bedingungslosen Ja!

Die Sehnsucht des EINEN, sich selbst zu erfahren

Shiva & Shakti – die zwei Aspekte der Realität

Das große Ja

Getragen im Gewebe des Lebens

Die Einheit unter der Vielfalt erkennen

Verbunden in einem Feld der Liebe

Das Leben lebt sich durch dich

Wer bist du?

Vergessen, um sich zu erinnern

Zu unserer wahren Natur erwachen

Der Weg in die Freiheit

Ein Sprung ohne Fallschirm

Die tantrische Praxis

Das Leben verstehen: die Essenz von Teil 1

Es begann mit einem bedingungslosen Ja: Grund und Ursprung des Lebens

Das erste Kapitel in drei Sätzen

Vier wichtige Begriffe aus diesem Kapitel

Getragen im Gewebe des Lebens: die Welt, in der wir leben

Das zweite Kapitel in drei Sätzen

Vier wichtige Begriffe aus diesem Kapitel

Das Leben lebt sich durch dich: erkenne, wer du wirklich bist

Das dritte Kapitel in drei Sätzen

Vier wichtige Begriffe aus diesem Kapitel

Zu unserer wahren Natur erwachen: die Praxis als Weg in die Freiheit

Das vierte Kapitel in drei Sätzen

Vier wichtige Begriffe aus diesem Kapitel

Teil 2 Das Leben erfahren – Der Tanz der Polaritäten

Die ewige Stille durchbrechen – wie die Göttin in die Welt kam

Die Heilige Hochzeit von Shiva und Sati

Du kannst dem Leben nicht entkommen

Die Göttin als Schlüssel zu einer lebendigen Spiritualität

Das weibliche Prinzip: Medizin für eine Welt außer Balance

Göttinnen-Praxis: mit den Energien des Lebens tanzen

Ungezähmt, dunkel und verführerisch: die zehn Mahavidyas

Gelebte Praxis: das Vijnana Bhairava Tantra

Ein Text wie kein anderer

Der heilige Dialog der Polaritäten

Die vielseitige Natur der tantrischen Meditation

Teil 3 Dem Leben begegnen – Die zehn Weisheitsgöttinnen

Kali – die leuchtende Dunkelheit

Die paradoxe Natur der dunklen Mutter

Kali im Leben begegnen

Kali Sadhana

Tara – das summende Potenzial der Schöpfung

Die Göttin als Pranava

Tara im Leben begegnen

Tara Sadhana

Lalita Tripura Sundari – die Kraft der Sehnsucht

Alles ist IHR Spiel

Lalita im Leben begegnen

Lalita Sadhana

Bhuvaneshwari – deren Körper die Welt ist

Das lebendige Universum

Bhuvaneshwari im Leben begegnen

Bhuvaneshwari Sadhana

Bhairavi – das Feuer der Transformation

Goddess on Fire

Bhairavi im Leben begegnen

Bhairavi Sadhana

Chinnamasta – niemand werden

Die sich selbst enthauptende Göttin

Chinnamasta im Leben begegnen

Chinnamasta Sadhana

Dhumavati – sich dem Schatten ergeben

Die düstere Witwe

Dhumavati im Leben begegnen

Dhumavati Sadhana

Bagalamukhi – die Kraft des Stillstands

Die Göttin, die uns die Sprache verschlägt

Bagalamukhi im Leben begegnen

Bagalamukhi Sadhana

Matangi – der schöpferische Freigeist

Die rebellische Göttin der Inklusion

Matangi im Leben begegnen

Matangi Sadhana

Kamala – die süße Fülle des Lebens

Die Lotosgöttin

Kamala im Leben begegnen

Kamala Sadhana

Die zehn Mahavidyas auf einen Blick

Nachwort

Mit dem Leben tanzen

Über mich

Dank

Quellen

Für Nathalie und Noëlle.

Tragt euer Licht in die Welt.

Ich möchte mit allem tanzen.

Mit der Stille und dem Tumult.Mit meiner Verwirrung und meinem blutenden Herzen.

Mit dem Frühling, der meine Schwermut einfach niederblüht.Und mit meiner nie gestillten, unstillbaren Sehnsucht.

 

Ich möchte tanzen mit wildem Lebenshungerund ausgelassener Trunkenheit.

Dem Lachen und der Zärtlichkeit.

Schäumender Wut und der Liebe, die lächelnd dahinter wartet.

 

Reich mir die Hand, Große Mutter.Und lass uns tanzen.

 

Aus meiner Morgenmeditation

Vorwort

Mitten im Leben

Es ist hier, wo alles beginnt.

Nimm einen tiefen Atemzug und lass dich ein. Auf diesen Moment, das Buch, das du in den Händen hältst, diese eine Zeile, die du liest. Lass dich ein auf dich selbst und dieses wundervolle, verrückte Leben, an dem wir alle teilhaben.

Dieses Buch handelt von der Liebe. Ja, tatsächlich, es ist ein Buch über unsere turbulente, erotische, leidenschaftliche und bedingungslose Affäre mit dem Leben selbst. Eine Geschichte der Hingabe und des Sich-Verschenkens, voller Wonnen und Abgründe, gewebt aus Sehnsucht.

Ich habe versucht, in Worte zu kleiden, was an zeitloser, östlicher Weisheit durch viele Generationen hindurch seinen Weg in unsere immer schneller pulsierende westliche Gegenwart gefunden hat. Dieses Buch möchte dir helfen, das Leben zu verstehen, damit du vertrauensvoll mit ihm fließen und in seine unergründlichen Strömungen hinein entspannen kannst. Wenn du zu erkennen beginnst, wer du wirklich bist und warum du hier bist, weicht die innere Anspannung eines vermeintlichen Lebenskampfs einer Lebendigkeit, Freude und Leichtigkeit, die sich nicht beschreiben, sondern nur erfahren lassen.

Dazu haben uns die heiligen, alten Schriften der tantrischen Traditionen wirkungsvolle Konzepte und Praktiken übermittelt, die ich dir im dritten Teil des Buchs vorstelle. Sie sind getragen von einer ebenso befreienden wie eleganten Philosophie und ihrem faszinierend modernen Weltbild, das den ersten Teil dieses Buchs einnimmt und uns eine erfrischend positive Sicht auf das Leben gewährt.

Durch die drei Teile dieses Buchs hindurch möchte ich dir einen ganzheitlichen spirituellen Weg vermitteln, den Weg des Tantra. Einen Weg radikaler Inklusion, auf dem alles heilig ist, auch das Profanste, von den erhabensten bis zu den abgründigsten Facetten unseres Daseins.

Es ist ein mutiger, be-herz-ter Pfad, der uns durch Licht und Dunkelheit mitten ins Leben hineinführt, in das ganze irdische »Schlamassel«. Alles umfangend, alles in Liebe haltend. Innig mit allem verbunden im unermesslichen Gewebe des Lebens.

 

Im Tantra begegnen wir einer lebensbejahenden, weltzugewandten Spiritualität, die uns die Heiligkeit des Alltäglichen lehrt. Sie entfaltet sich in den banalsten Handlungen und Situationen, weil sie wirklich alle Aspekte deines Lebens integriert.

Sie heilt die Brüche und Spaltungen – in uns selbst ebenso wie in unserer zunehmend fragmentierten und entzauberten Welt – und führt uns zurück zur Ganzheit, aus der wir kommen, der niemals versiegenden Quelle, aus der alles entsteht.

Die Traditionen des Tantra laden uns ein, unser bittersüßes Leben wahrhaftig auszukosten, intensiver und präsenter daran teilzunehmen. Das ist zuweilen recht unbequem und nichts für schwache Gemüter. Denn: Es bedarf des wahrhaft heroischen Muts zu einem bedingungslosen »Ja!« zum Leben. Wir treten unserer irdischen, inkarnierten Existenz gegenüber mit wertfreier und vorurteilsloser Offenheit – egal, wie sie gerade daherkommt. Wir lassen uns mit Haut und Haar und furchtlosem Herzen darauf ein, weil wir das Leben ohne Wenn und Aber lieben.

 

Gleichsam Symbol für die schrecklich-schöne Vielfalt unseres Daseins sind die 10 großen Weisheitsgöttinnen des Tantra, die Mahavidyas. In ihren anmutigen und düsteren Gestalten, die wir uns im dritten Teil des Buchs erschließen, begegnet uns das Leben in seinem vollen Spektrum. Sie alle laden uns ein, staunend die Schönheit und Heiligkeit zu sehen, die sich in jedem Moment, ob freudvoll oder schmerzlich, offenbaren können.

Die Mahavidyas vermitteln uns einen Weg der Hingabe an den Fluss des Lebens. Wir ergeben uns seinen Rhythmen und Gezeiten, lassen uns tragen durch reißende Stromschnellen und vertrauensvoll führen an seinen Gabelungen. Wir stürzen uns zuweilen sogar mit dem Mut der Verzweiflung Wasserfälle hinab ins Ungewisse, in die tiefste Dunkelheit.

Wir bringen uns dar in stiller Ekstase, mit allem, was wir haben: Wut und Verlangen, Angst und Mitgefühl, Verblendung und Erkenntnis. Einfach alles ist unsere Praxis. Alles der Tanz des EINEN. Alles eine Pforte ins Erwachen. Und genau das, was uns bindet und blockiert, wird uns am Ende befreien.

 

Nimm also einen tiefen Atemzug und lass dich ein. Lass dich ein auf dieses Buch, auf dich selbst und dieses wundervolle, verrückte Leben.

 

In inniger Verbundenheit,

Einführung

Was ist Tantra?

Wenn ich in diesem Buch den Begriff Tantra verwende, beziehe ich mich auf das nicht-dualistische Shaiva-Tantra, das im indischen Mittelalter seine Blütezeit erlebte und oft als »Kaschmirischer Shivaismus« bezeichnet wird, da einige seiner bedeutendsten Vertreter aus dieser Region kamen. (Der Begriff »nicht-dualistisch« wird sich dir in Kapitel 2 erschließen.)

Die bekanntesten Schriften dieser Tradition entstanden zwischen dem achten und dem zwölften Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Zu ihnen gehören die Shiva-Sutras, die Spanda Karika, das Pratyabhijna Hrdaya und das Vijnana Bhairava Tantra, dem du immer wieder im zweiten Teil des Buchs begegnen wirst. Sie wurden auf Sanskrit niedergeschrieben, der alten, sakralen Sprache Indiens. Bereits in den vorchristlichen Jahrhunderten wurden die großen religiösen Texte der indischen Zivilisation auf Sanskrit verfasst. Heute ist es – ähnlich wie Latein – vor allem als Schriftsprache und im zeremoniellen Kontext relevant, zum Beispiel beim Rezitieren von Mantras und heiligen Texten.

Die tantrischen Schriften – meist als »Tantras« oder »Agamas« bezeichnet – sind typischerweise in recht nebulöser Sprache voller Zweideutigkeiten formuliert. Sie wird oft »Sprache des Zwielichts« genannt, weil sie gleichermaßen ent- und verhüllt. Die Texte erfordern daher die Unterweisung durch einen Guru: Als Hüter der jeweiligen Übertragungslinie weiht er nur initiierte Schüler in die geheimen, esoterischen Praktiken ein.

In der heutigen digitalen Zeit, in der so gut wie alle Übertragungslinien des Shaiva-Tantra versiegt und gleichzeitig Informationen jeder Art viel freier zugänglich sind, hat das traditionelle Initiationsritual (diksha) an Bedeutung verloren, und auch die von allerlei Skandalen gezeichnete Rolle des Gurus wird immer öfter infrage gestellt.

 

Tantra ist keine institutionalisierte Religion, sondern ein praxisorientiertes System von Methoden, das sich quasi mit jeder Form von Spiritualität verbinden lässt. Am weitesten verbreitet ist der tantrische Buddhismus Tibets (Vajrayana-Buddhismus), gefolgt vom sogenannten Hindu-Tantra Indiens, das ganz unterschiedliche Strömungen, Gottheiten und Schulen umfasst. Die Tradition des Shaiva-Tantra (Shiva-Shakti-Tantra) ist eine davon. Weiter im Osten fanden die tantrischen Prinzipien im chinesischen Daoismus ihren Ausdruck.

Und bei uns im Westen? Die Kernideen der tantrischen Praxis und ihr nicht-dualistisches Weltbild lassen sich ebenso mit den christlichen Traditionen in Einklang bringen, wenn man die streng orthodoxen, kirchlichen Auslegungen durch eine modernere (und vielleicht auch ursprünglichere) Sichtweise erneuert. Die christliche Mystik erlebte ihre Blüte fast gleichzeitig mit dem Kaschmirischen Shivaismus durch Vertreter wie Meister Eckhart, Franz von Assisi, Hildegard von Bingen oder Johannes vom Kreuz, deren Botschaften große Übereinstimmung mit dem Weltbild der Tantriker anklingen lassen.

 

Was Tantra von anderen Formen der Spiritualität unterscheidet, ist seine Weltzugewandtheit. Als die tantrischen Schulen in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten in Indien aufblühten, vermittelten sie erstmalig eine Lehre für »Householder«, eine Laien-Tradition, die nicht auf Entsagung, Zölibat und Askese beruhte.

Statt Rückzug in Kloster, Ashram oder Höhle, präsentierten sie innovative Techniken, die Befreiung im und mittels des Körpers versprachen. Eine Befreiung, die mitten im Leben und nicht erst im Jenseits erfolgt. Samsara, der von Karma getriebene, vermeintlich leidvolle Kreislauf der Wiedergeburten, wurde so – ganz diesseitig im Hier und Jetzt – zum ersehnten Nirvana, dem Himmel auf Erden.

Dabei unterminierten die Tantriker, basierend auf einer Weltsicht der Einheit und Inklusion, die rigiden sozialen Strukturen des hinduistischen Kastensystems. Jeder und jede (!) hatten nun direkten Zugang zu einer gelebten Spiritualität, die nicht länger einer Vermittlung durch die brahmanische Priesterkaste bedurfte.

Das patriarchalische Gerüst des sittenstrengen vedisch-orthodoxen Brahmanismus wurde durch schockierend transgressive (d.h. die Grenzen der üblichen Konventionen überschreitende) Praktiken ins Wanken gebracht. Dazu gehörten in einigen Schulen des sogenannten linkshändigen Wegs das sexuelle Ritual und der Verzehr verbotener Substanzen wie Fleisch und Alkohol.

In den sogenannten Shakta-Traditionen hielt in der zweiten Hälfte des ersten nachchristlichen Jahrtausends das »Heilige Weibliche« triumphalen Einzug in die Spiritualität; und mit ihm unterschiedliche Formen von Shakti, der Göttin, sowie weibliche Gurus, die eigene Übertragungslinien begründeten.

 

Über die Jahrhunderte des zweiten Jahrtausends ist Tantra dann mehr und mehr in den Untergrund gedrängt worden – ja, fast schon in Vergessenheit geraten. Die konservativen Systeme der islamischen Mogulkaiser und der britischen Kolonialmacht ließen wenig Raum für die »subversiven« Ideen der Tantriker.

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts entstand in Europa und Nordamerika schließlich eine Bewegung, die häufig als »Neo-Tantra« bezeichnet wird und sich klar vom klassischen Tantra, das diesem Buch zugrunde liegt, abgrenzt.

Im Neo-Tantra stehen typischerweise sexuelle Praktiken im Fokus, die emotionale Heilung und Lustgewinn durch Intimität mit einem Partner versprechen. Im klassischen Tantra jedoch spielt Sexualität nur äußerst vereinzelt und dann in streng rituellem Kontext eine Rolle.

Der Akt der Vereinigung des Weiblichen mit dem Männlichen, wie er immer wieder in der Ikonografie tantrischer Gottheiten zu sehen ist, ist metaphorisch zu verstehen als Sinnbild für die Untrennbarkeit der Polaritäten der Realität (siehe Kapitel 1). Als Weg in die Ganzheit wird er nicht im Äußeren mit einem Partner vollzogen, sondern im Praktizierenden selbst.

Anders ausgedrückt: Im klassischen Tantra geht es nicht darum, Paarbeziehungen erfüllender oder lustvoller zu gestalten, sondern um eine echte (und dabei durchaus sinnlich-ekstatische) Intimität mit dem Leben an sich.

Über dieses Buch

Die spirituellen Traditionen des Tantra folgen – ebenso wie dieses Buch – einem zweistufigen Prozess, der in den alten Schriften jnana-vijnana genannt wird. Er weist uns den Weg zu einer vollständig durchdrungenen, verkörperten und gelebten Spiritualität.

Jnana(sprich: »njaana«), der erste Ansatz, ist intellektuell: Wenn wir verstehen, wie das Leben funktioniert, und die großen Zusammenhänge überblicken, können wir uns gleich viel entspannter in der Welt bewegen. Dafür bietet Tantra ein – auch für die moderne Physik – äußerst schlüssiges Weltbild, das uns das Leben rational erklärt und viele der großen Fragen der Menschheit beantwortet.

Der erste Teil des Buchs liefert dir hier eine solide Einführung in die tantrische Philosophie, die die unverzichtbare Grundlage der Praxis bildet. Denn: Nur wenn du mit dem Weltbild der Tantriker vertraut bist, können die Techniken, denen wir uns im zweiten und dritten Teil des Buchs widmen, ihre Wirkung voll entfalten.

 

Vijnana(sprich: »vignyaana«), der zweite Ansatz, basiert auf der individuellen Erfahrung des Praktizierenden: Tantra überliefert uns eine Vielzahl oft sehr feinstofflicher Methoden, um die Realität über die Einschränkungen unserer fünf Sinne hinaus im Körper-Geist-System erfahrbar zu machen und in höhere Bewusstseinsebenen vorzudringen. Diese Erfahrungen vermitteln uns ein tiefes, intuitives Wissen, das über den rationalen Verstand hinausgeht. 

Der zweite und dritte Teil des Buchs bedient diesen Aspekt: Er erläutert nicht nur die »Technologie« und Psychologie der Göttinnen-Praxis, sondern auch praktische Übungen, Kontemplationen und Meditationen aus der bekanntesten tantrischen Schrift, dem Vijnana Bhairava Tantra. Mein Wunsch ist, dass du dir die zehn Weisheitsgöttinnen nicht nur konzeptionell erschließt, sondern ihre Energien durch die Praxis unmittelbar erfährst.

 

Der tantrische Weg beruht auf der Integration von jnana-vijnana, von Verständnis und Erfahrung. Man könnte auch sagen: von Kopf und Herz. Beide Pforten zur Erkenntnis müssen passiert werden, um zu unserer wahren Natur zu erwachen.

Bildlich formuliert: Beide Flügel müssen in Takt und Einklang schlagen, damit sich unser innerer Phönix kraftvoll und frei aus dem Feuer erheben kann.

Teil 1Das Leben verstehen – Weltbild und Philosophie des Tantra

Es begann mit einem bedingungslosen Ja!

Die Sehnsucht des EINEN, sich selbst zu erfahren

Dieses erste Kapitel handelt von Sehnsucht, einem der schönsten Wörter unserer Sprache. Es beschreibt eine Suche, die nicht vom Kopf, sondern vom Gefühl des Sich-Sehnens getrieben ist und dabei den unwiderstehlichen Magnetismus einer Sucht entwickelt. Wir können nicht anders, als diesem inneren, dem Herzen entspringenden Ruf zu folgen, selbst wenn das Ziel unserer Sehnsucht oft noch diffus ist und schwer in Worte zu fassen.

Alles entsteht aus Sehnsucht. Sie ist Impuls und Motor jeder Schöpfung.

Die tantrische Schöpfungsgeschichte beginnt mit dem EINEN Absoluten, dem reinen, ewigen Sein, jenseits von Zeit und Raum, Form und Attribut. In seiner unendlichen Stille beginnt sich ein Impuls zu regen, die zarteste Vibration, mit der das EINE sich seiner selbst bewusst wird. Und mit dieser ersten, uranfänglichen Bewusstwerdung entsteht, einem leisen Summen gleich, eine Regung der Sehnsucht.

Sehnsucht, sich selbst zu erfahren, sich auszudrücken und zu verwirklichen. Sehnsucht, sich in Form und Gestalt zu verlieren, um sich am Ende wiederzufinden. Sehnsucht, in Beziehung zu gehen, sich selbst in jeder denkbaren und undenkbaren Form zu begegnen und auf jede mögliche und unmögliche Art zu lieben.

Dieser erste Impuls in der ewigen, unendlichen Stille hat aus dem EINENzwei gemacht, die doch untrennbar miteinander verbunden sind, so wie die Sonne und ihr Licht, so wie Feuer und seine Hitze: das reine (Gewahr-)Sein und seine Sehnsucht – pochende, pulsierende Energie, die sich schon bald ihre Bahn brechen wird.

Shiva & Shakti – die zwei Aspekte der Realität

Diese beiden Aspekte des EINEN Absoluten werden im Shaiva-Tantra gemeinhin als Shiva und Shakti bezeichnet und gerne mit den Attributen »Das Heilige Männliche« und »Das Heilige Weibliche« belegt. Die absolute Realität, das Göttliche – für das es so viele und am Ende doch keinen Namen gibt – ist also Gott und Göttin zugleich.

Ikonografisch wird dieses Prinzip gerne als »Ardhanarishvara« abgebildet, ein Wesen, dessen rechte Körperhälfte die männliche Gottheit (Shiva) ist und dessen linke Hälfte die Göttin (Shakti). Diese Darstellung verdeutlicht, wie untrennbar miteinander verbunden diese zwei Aspekte der EINEN Realität sind.

Auch wenn dieser zweigeschlechtliche Ansatz erfrischend zeitgemäß ist: Bitte mach dich an dieser Stelle frei von allen Assoziationen zu Gleichberechtigung, Feminismus und Emanzipation. Es geht hier nicht um Geschlechterrollen, sondern um übergeordnete existenzielle Prinzipien, die sich in jedem von uns, gleichgültig welcher Gender-Zugehörigkeit, ebenso wie in jedem noch so kleinen Partikel dieses Universums ausdrücken.

 

Shiva, der sogenannte männliche Aspekt der Realität, steht für reines Gewahrsein, formlos und ohne jegliches Attribut, durch das er sich beschreiben ließe. Er ist die leere Leinwand, auf der sich das Leben in buntesten Farben entfalten kann. Er ist der transzendente, ewige Urgrund, aus dem alles hervorgeht und in dessen stiller Unendlichkeit sich alles wieder auflöst.

Shakti, die Göttin, ist Energie. Sie ist der schöpferische Aspekt des EINEN, der sich in Form und Gestalt ausdrückt, sich verdichtend von der subtilsten Schwingung bis hin zur gröbsten Materie. Alles, was du im Inneren oder Äußeren wahrnehmen kannst, ist Shakti. Dazu gehören auch deine Gedanken, Gefühle und Träume.

Sie ist der immanente, allem innewohnende, Aspekt des Göttlichen, sich in unendlichen Formen manifestierend und als pulsierende Energie in ständigem Fluss und stetigem Wandel. Metaphorisch wird Shakti mit dem Weiblichen gleichgesetzt, denn sie bringt als kreative Kraft des EINEN Leben hervor und versinnbildlicht – ebenso wie der weibliche Körper mit seinen hormonellen Zyklen – rhythmische Veränderung.

 

Das Pratyabhijna Hrdaya (ausgesprochen: »pratyabignija hriddaya« – übersetzt: »Herz der Erkenntnis«) ist der wohl prägnanteste und zugänglichste Text des Kaschmirischen Shivaismus, der beschreibt, wie sich das EINE Absolute in einer unendlichen Vielfalt von Formen als dieses unser Universum manifestiert. In den ersten beiden Versen heißt es, dass die Göttin aus sich selbst heraus den Kosmos entfaltet. Man könnte auch sagen, sich selbst als Kosmos entfaltet:

»Die Göttin, schöpferische Kraft des Absoluten Bewusstseins, bringt in völliger Freiheit das Wunder des Universums hervor. Kraft ihres eigenen Willens entfaltet sie sich als das dynamische Gewebe des Lebens.«

Das weibliche Prinzip nimmt im Tantra eine besondere Stellung ein: Ohne Shakti ist Shiva »shava« (ein Leichnam), besagt ein tantrisches Sprichwort. Sie ist seine Sehnsucht, seine Liebe, seine Fähigkeit zu Glückseligkeit, die Kraft seines Bewusstseins. Nur durch sie kann er aktiv werden, sich ausdrücken und selbst erfahren.

Das Göttliche ist in seinen zwei Aspekten also gleichzeitig transzendent, das heißt jenseits von Zeit und Raum, jenseits der Erfahrbarkeit durch unsere fünf Sinne und unser Alltagsbewusstsein; und immanent, das bedeutet sich verkörpernd als dieses unser Universum. Es ist Ursprung und Ausdruck, Schöpfer und Schöpfung, Sein und Werden, Stille und Dynamik.

Wenn du dir diese Bi-Polarität des Göttlichen bewusst machst, erschließt sich dir die auf den ersten Blick seltsam anmutende Ikonografie des Tantra: Häufig wird Shiva als durchscheinend blasse und leblos daliegende Gestalt dargestellt und Shakti, die Göttin, in ihren unterschiedlichen Gestalten auf ihm tanzend oder sitzend. Shiva hält den Raum, in dem Shakti sich entfaltet.

Stell dir die beiden als ein Glas voll Wasser vor: Shiva als Glas ist der durchscheinende, unsichtbare Container (oder sehr treffend auf Deutsch: Be-hält-er), der die Form (zusammen-)hält. Shakti ist das Wasser darin, fließend, veränderlich, sich neu formend in jedem Moment.

 

Sie können nicht ohneeinander: Ohne Shakti ist Shiva leblos. Ohne Shiva ist Shakti außer sich und zerstörerisch statt kreativ. Dieses Prinzip wird eindrucksvoll veranschaulicht in einer mythologischen Geschichte: Nach einem epischen Kampf, in dem die dunkle Göttin Kali (du wirst sie im zweiten Teil des Buchs näher kennenlernen) eine ganze Armee von Dämonen besiegt hat, steigert sie sich in einen so unkontrollierbaren Blutrausch, dass ihr Siegestanz die ganze Welt zu zerstören droht. Erst als Shiva sich ihr zu Füßen wirft und ihr seinen Körper als Tanzboden darbietet, kommt sie zur Besinnung.

 

Als dynamischer, veränderlicher Aspekt der Realität nimmt das Heilige Weibliche im Tantra ganz unterschiedliche Formen an, mal lieblich, mal fürchterlich. Die zehn Mahavidyas gehören zweifellos zu den eindrucksvollsten Gestalten, in denen die Göttin uns begegnet.

Das große Ja

Zurück zum Schöpfungsmythos des Tantra: Die summende Sehnsucht des EINEN – pochend, drängend – birgt unendliche Potenzialität, die sich schließlich als »kosmischer Orgasmus« im Urknall entlädt. Mit ihm entstehen Zeit und Raum.

Der alldurchdringende Schall des Big Bangs ertönt als großes Pranava, das uranfängliche OM. Es ist die Ur-Schwingung, aus der alles hervorgeht, und die seit Anbeginn durch Zeit und Raum widerhallt.

Mit dem Urknall explodiert das EINE Absolute förmlich in dieses gewaltige erste OM, ekstatisch und frei. Die Silbe OM bedeutet auf Sanskrit »ja« – und das große Pranavaist ein bedingungsloses Ja zur Schöpfung. Es initiiert den Prozess des Werdens: Von den einfachsten molekularen Verbindungen hin zu immer komplexeren Formen, sucht sich das Göttliche seinen Ausdruck.

Es ist ein Weg in die Vielfalt. Das formlose EINE verdichtet und fragmentiert sich in diverseste Formen und Gestalten, um sich selbst zu begegnen, denn uns selbst erfahren können wir nur, wenn wir in Beziehung gehen. Um uns selbst zu sehen, bedarf es des »Anderen«, das uns spiegelt.

Dieses uranfängliche, große Ja ist ein Akt der Liebe und eine Art Heilige Hochzeit mit dem Leben selbst. Es sagt: Ich will dich lieben, in guten wie in schlechten Tagen. Ich lasse mich aus tiefstem Herzen auf dich ein, freiwillig und voller Freude, in staunender Neugier auf die unendlichen Erfahrungen, die du mir bescheren wirst.

Das bedingungslose Ja des EINEN wird gegeben in radikaler Freiheit und ohne jede Einschränkung, nichts ausschließend, alles glückselig auskostend – egal, ob der Moment gerade euphorisch oder schmerzhaft ist!

Diese ultimative Glückseligkeit wird auf Sanskrit mit dem schönen Wort Ananda umschrieben und trägt in sich die pulsierende Energie der Freude.

Doch aufgepasst: Anandaist nicht die an äußere Umstände gebundene Freude über etwas Bestimmtes, etwas Angenehmes, das uns widerfährt, sondern eine ganz grundsätzliche Freude darüber, dass wir am Leben sind und die Fähigkeit haben, uns bewusst zu erfahren.

Ananda, die allgegenwärtige Glückseligkeit des Seins, ist unsere innerste Natur. Der Weg des Tantra lehrt uns, sie als stille, konstante Freude unter dem ständigen Auf und Ab unseres Lebens wahrzunehmen. Anstatt zu bewerten, zu beklagen oder zu verurteilen, was uns widerfährt, ergeben wir uns dem bedingungslosen Ja, einem grundsätzlichen Einverstanden-Sein mit allen Auswüchsen unseres Daseins.

Indem wir uns dem unfassbaren, wunder-vollen Mysterium des Lebens in dieser mutigen, radikalen Offenheit stellen, eröffnet sich uns die gelöste Weite des Herzens, wo Freude und Leichtigkeit auf uns warten.

Getragen im Gewebe des Lebens

Die Einheit unter der Vielfalt erkennen

Spirituelle Wege werden oft in die Kategorien »dualistisch« und »nicht-dualistisch« unterteilt. Diese recht sperrigen Begrifflichkeiten machen den ganzen Unterschied darin, wie wir die Welt erfahren.

Dualismus beschreibt ein System, in dem sich zwei Gegensätze unvereinbar gegenüberstehen. Der erste große Bruch verläuft dabei zwischen Schöpfer und Schöpfung, Gott und Mensch, Himmel und Erde. Kurz: Gott erschafft die Welt, steht dabei jedoch stets außerhalb von ihr. Die abrahamitischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) sind typische Vertreter dieser Weltsicht.

Eine dualistische Spaltung besteht auch zwischen Geist und Materie, Seele und Körper oder purusha und prakriti, wie es in der indischen Philosophie genannt wird. Diese Weltanschauung begegnet uns in orthodoxen Denkschulen wie der Samkhya-Philosophie und im berühmten Yoga-Sutra von Patanjali. Doch auch in der westlichen Welt vermitteln uns die Naturwissenschaften und Philosophen wie Descartes eine entschieden dualistische Sicht auf das Leben.

In der unmittelbaren persönlichen Erfahrung erleben wir außerdem kontinuierlich einen Dualismus zwischen Subjekt und Objekt, »Ich« und dem »Anderen«. Er wird ausgelöst durch die Funktionsweise unseres menschlichen Gehirns und die Gabe der Sprache, wie wir an späterer Stelle noch sehen werden. Nimm folgenden Satz als Beispiel: »Ich lese dieses Buch.« Er weist die typische Struktur von Subjekt-Prädikat-Objekt auf und programmiert uns darauf, zwei voneinander getrennte Entitäten wahrzunehmen: Ich – und das Buch.

Das ist durchaus nützlich, um sich in der Welt zu bewegen, und auf der Ebene des konkreten sprachlichen Ausdrucks sogar unumgänglich. Mit dem Leben tanzen lautet der Titel dieses Buchs. Das klingt gut und beschreibt seine Kernaussage recht treffend, vermittelt jedoch streng genommen die Annahme, dass du und dein Leben zwei separate Instanzen seid, was natürlich nicht stimmt.

In einer Welt des Dualismus erfahren wir Menschen uns als getrennt von Gott und getrennt von allem anderen. Oft genug sogar entfremdet von unserem eigenen Körper und als »Krone der Schöpfung« außerhalb der Natur stehend. Daraus resultiert viel innere und äußere Spaltung, wie allerorten auf diesem Planeten sichtbar wird: in der Ausbeutung und Zerstörung von Ökosystemen, in Glaubenskriegen und Rassismus, im Hass und Zwiespalt, der in den sozialen Netzen kursiert. Wenn du dir an dieser Stelle einen Augenblick Zeit nimmst, fallen dir sicherlich noch genügend andere Beispiele hierzu ein.

 

Im Unterschied dazu widmet sich dieses Buch einem nicht-dualistischen Weltbild, das auf der gemeinsamen Essenz aller Dinge gründet. Es erkennt an, dass unterhalb der Vielfalt an Formen und Gestalten, die uns durch unsere Sinne begegnen, ein Feld der Einheit liegt. In der unendlichen Diversität dieses Universums entspringt doch alles der EINEN Quelle. Jenseits des Filters unserer menschlichen Wahrnehmung ist alles aus demselben Stoff gemacht und im unermesslichen Gewebe des Lebens miteinander verbunden.

Das nicht-dualistische Shaiva-Tantra hat eine zeitlose und äußerst schlüssige Metaphysik entwickelt, um die erscheinende Welt der Vielfalt mit ihrem transzendenten Ursprung, der Einheit, zu vermählen. Es gibt, wie wir im vorigen Kapitel gesehen haben, nur eine Wesenheit, ein Absolutes Bewusstsein, das als und durch die unendlichen Formen dieses Universums lebt – oder sich erlebt.