Mitfahrgelegenheit - Leo Ludwig - E-Book

Mitfahrgelegenheit E-Book

Leo Ludwig

0,0
5,49 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Ein Buch wie ein Gedicht,... exotisch, anregend, außergewöhnlich ... zum Schmunzeln, Faszinieren, Überraschen, ... Beeindrucken, Bedenken & Bewahren. Über Menschen, deren Geschichten und Weisheiten, über Lebenswege, Gesellschaft und Gesellschaften, über Schicksale, Werte und Konzepte. Etwas Alltagsphilosophie, etwas Kurzweil. Der richtige Begleiter für unterwegs, auf Reisen oder in der Entspannungsphase in der Pause oder vor dem Schlafengehen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2012

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.


Ähnliche


Leo Ludwig

Mitfahrgelegenheit

Kurze Geschichten für zwischendurch und unterwegs.

Dank an alle, die mit ihrer Offenheit zur Entstehung dieses Büchleins beigetragen haben.BookRix GmbH & Co. KG81371 München

Was dieses Buch nun soll

Was ich hier veröffentliche, ist eines meiner größten Schätze. Magst du sie miterleben? Steig ein und entdecke die Welten anderer, die auch die deinen sein könnten! _________________________________________________________________

Kurze Geschichten von Menschen, für Menschen, über Menschen: bezüglich Miteinander, Mitfahren, Mitteilen, Mitmischen, Mitdenken, Mitfühlen, Miterleben, ... mitten im Leben stehen. Es macht immer ein gutes Gefühl, sich mitzuteilen, Gehör zu finden, mit seinen Dingen auf Interesse zu stoßen oder zu entdecken, dass die Interessen Anderer gar nicht so weit von den eigenen entfernt sind. Und wenn dies dem / den Anderen ebenso ergeht? Jeder gibt sich etwas Mühe und unwillkürlich fühlen sich alle wohl. Ein tolles Erlebnis! Dieses Buch umfasst eine kleine Sammlung von Dialogen aus der alltäglichen Welt von Mitfahrgelegenheiten. Es zeigt Menschen auf ihrem ureigensten Weg durch den Dschungel des Lebens, mit dem Versuch, ihre Bodenhaftung zu behalten. Die Geschichten sind vielseitig, kritisch, mitunter provokant, jedoch immer optimistisch und lösungsorientiert. Sie berauschen auf dem Weg, den Mikro- wie auch den Makrokosmos dieser, unserer vielseitigen Welt ein Stück mehr zu verstehen. Sie spiegeln und machen neugierig, wie jeder einzelne von uns mit seinen eigenen Ressourcen im Leben umgeht. Worin liegt die Faszination des Augenblicks? Was beeindruckt den einzelnen am meisten bei seinen Erlebnissen? Inwiefern schlagen sich die globalen, internationalen Vernetzungen unserer Zeit bereits im Kleinsten, nämlich im Kontakt einzelner Menschen zueinander nieder? Wo liegen die Wesenszüge, wo die Unterschiede? Wie ist das in anderen Kulturkreisen? Inwiefern sind wir alle nur Betroffene? Inwiefern spiegelt sich der Zeitgeist in jedem Einzelnen und in seinen ganz individuellen Eindrücken? Die Geschichten in diesem Buch sind bunt wie das Leben selbst! So schillernd, dass keine Phantasie ausreicht, dies alles zu erfinden. Verschiedene Geschichten, mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Nehmen Sie für sich in Kauf, dass alles, was wir als gleich wahrnehmen, auch immer wieder anders erlebt werden kann, je nach persönlicher -gemeint ist die individuell komponierte- Auffassungsgabe. Was zeichnet Menschen aus, die eine Gelegenheit zum Mitfahren benutzen, die eine Gelegenheit zum Mitfahren anbieten oder die gar eine solche Gelegenheit zum Mitfahren für andere organisieren? Was motiviert Menschen, sich für die Mitfahrgelegenheit zu begeistern? Was ist ihr Antrieb? Natürlich besteht in erster Linie der Wunsch zum Ortswechsel. Klar! Aber dann? Man könnte ja auch mit anderen Verkehrsmitteln unterwegs sein. Aber nein! Diese preiswerte Alternative fördert gleichzeitig auch eine ganz besondere Art von Kontakten. Menschen begegnen sich sehr persönlich, jedenfalls in der Regel. Die Menschen öffnen sich rasch, soweit sie sich auf einer gemeinsamen Welle treffen, und sie weiten den Blick für alle, die am Gespräch beteiligt sind. Natürlich nur, soweit man geneigt ist, mitzumachen und sich darauf einzulassen! Und was macht die Mitfahrgelegenheit für die Teilnehmer so faszinierend? Ist es die Magie der erzählten Erlebnisse, die Neugier auf andere Menschen, deren Werte und Weltanschauung, deren Weltbild und deren Lebenswege, deren Visionen und Perspektiven, deren Erfahrungen und Erfolge? Ist es mehr die pure Abenteuerlust, der Hauch des Konspirativen, sich irgendwo in der Welt an einem beliebig gekennzeichneten Ort zu einer Verabredung zu treffen? Die Spannung des Blind-Date, die Sucht nach der Überraschung und der Kitzel des Neuen! Ein kleiner Blick aufs eigene Portemonnaie, ein kleiner Klick ins Internet, ein kurzes Telefonat, ein kleines Zubrot für die Benzinkasse, ein gutes Werk, soziale Verbindlichkeit, ersichtlicher Spaß im Kontakt mit Menschen! So erleben wir hier Mitfahrgelegenheit. Zumindest meistens. Kaum eine Hotelbar, kaum ein Kino, kaum ein Tanzlokal oder eine Studentenfete kann in so kurzer Zeit derart viele, intensive Gedanken zum Austausch bringen. Daher gleicht Mitfahrgelegenheit mit seinem Unterhaltungswert wie auch mit seinem Informationswert den besten, bekannten Talkshows. Kaum irgendwo anders wechseln so viele Ideen und Wertauffassungen derart tiefgründig den Besitzer, kaum irgendwo anders werden miteinander fremde Persönlichkeiten so intensiv betrachtet und respektvoll ausgelotet. Individuelles wird offen gelegt, Transparenz geschaffen, Horizonte erweitert. Jeder weiß, dass die Begegnung nur kurz ist und wenn er von dem Dialog profitieren will, so wird er sich einlassen... und manch einer hat hier schon ein gutes Buch oder seine eigene Studienlektüre zu Gunsten eines guten Gesprächs bei Seite gelegt. Wenn aber die Passagiere müde sind, weil sie vielleicht vor lauter Party und Abschied nehmen, mindestens drei Nächte zuvor nicht mehr richtig geschlafen haben, dann freuen sich alle auf eine ruhige Fahrt mit Headset und Musik, Taschenbuch oder einem anspruchsvollen Manuskript. Die hier erzählten Geschichten zeigen, wie Menschen an ihren Motiven und Verhaltensmustern hängen und sich dadurch selbst ihren eigenen Lebenssinn geben. Sie zeigen, wie polarisierend Weltanschauung wirken kann und wie Abhängigkeit Einzelne veranlasst, die subjektiv gelebte Freiheit bewusst den gesellschaftlichen Spielregeln zu unterwerfen. Die hier verwendete Sprache kann allemal ein Quäntchen von der Originalität und Ursprünglichkeit einzelner Kontakte wiedergeben. Persönliche Eigenarten der Mitfahrer, ihre Gestik und Mimik, ihre Dialekte und Denkpausen, ihre Gerüche und Reaktionen, die ganze Vielfalt dessen, was nun mal persönliche Ausstrahlung ausmacht, kann nur verblassen, wenn die Geschichten aufgeschrieben werden. Darum ist der Leser aufgefordert, seine Phantasie spielen zu lassen und sich auch ein wenig in die Welt seiner Träume zu begeben. __________ __________

Die Idee

Sobald das Leben langweilt, reizen dich neue Ufer. ___________________________________________________________

Zwei Freunde, Außendienstler und Vielfahrer, abends auf der Terrasse eines Reihenhauses im Badischen. Gute Laune, Fachsimpeln, Sonnenuntergang. Der Flammkuchen hat gemundet, die Kinder der Nachbarschaft beschäftigen sich fröhlich lachend auf der angrenzenden Spielwiese. Beide sind viel mit ihren Fahrzeugen in ganz Deutschland unterwegs. Der eine ist seit einiger Zeit darauf gekommen, dass man die langen und langweiligen Fahrten durchweg mit etwas Publikum bereichern kann, so dass man auf einigen Strecken interessante Unterhaltung oder zumindest mit netten Menschen Kontakt hat. Immerhin besser als während der Fahrten mit dem Telefon beschäftigt in seinen Kalendern nach Terminlücken Ausschau halten. Und die Fahrsicherheit? Die ist durch die Unterhaltung mit den Gästen bei Weitem nicht so getrübt, wie durchs ständige Telefonieren. – „Leo, warum machst du das denn nicht?“ – „Was?“ – „Jemanden auf deinen Fahrten mitnehmen!“ – „Aber was soll das, ... das ist doch Quatsch!“ – „Wieso, ist das Quatsch? Die anderen tun`s doch auch und du wirst sehen, du tust ein gutes Werk und flüssiger bist du obendrein! Du teilst dir deine Ressourcen mit anderen und die geben dir etwas dafür, dass du sie mitnimmst! Worin liegt da der `Quatsch´, wie du es sagst?“ – „Naja, die kurze Strecke, zweimal die Woche 250 Kilometer, die ich regelmäßig fahre, die bietet doch keinen wirklichen Anreiz. Deine Strecken hingegen sind schon was ganz anderes. Du bist in der halben Republik unterwegs, hast lange Fahrten zwischen München und Karlsruhe, Freiburg und Berlin. Kommst nach Hamburg und Dresden. Bei dir gibt es vielerlei Anlässe für eine Fahrtengemeinschaft. Ich hingegen habe nur kurze Strecken, dafür interessiert sich doch keiner!“ – „Das würde ich nicht sagen, du fährst sie immerhin regelmäßig und es sind zwei Stunden Fahrt. Freiburg ist eine Studentenstadt und Heidelberg liegt auf der Strecke.“ – „…und in Frankfurt gibt es auch eine Universität und auch noch so etwas wie eine technische Hochschule wenn ich mich nicht irre!“ –„Siehst Du? Ich würde es an deiner Stelle einfach mal probieren! ...Das System funktioniert so: Am Einfachsten ist die über `Mitfahrgelegenheit´. Du trägst dich im Internet ins System ein. Das geht ruck zuck. Einfach nur Name, Anschrift, Telefon und Mail und schon erhältst du deine Zugangsdaten. Danach kannst du deine Fahrten eintragen. Es gibt noch andere Systeme, die im Allgemeinen aber nicht so geschätzt sind, denn da muss man dann eine Gebühr entrichten, wenn man eine Telefonnummer von einem Fahrer haben will.“ – „Und wenn die Fahrt schon besetzt ist?“ – „Eben! Du siehst es! Allein für die Telefonnummer zu bezahlen, ohne zu wissen, ob eine Mitfahrt zu Stande kommt, ist Unfug. Mitfahrgelegenheit ist da offensichtlich das einfachste System und wenn du drin stehst, dann rufen die Interessenten dich einfach an und du brauchst gar nichts weiter tun, als deine eigene Liste mit den Plätzen für jede Fahrt zu führen. Bei manchen Fahrten habe ich niemanden dabei und manchmal rufen sie am gleichen Tag oder auch wenige Stunden vorher noch an, ob noch ein Platz frei ist... Natürlich kannst du auch selbst schauen, wer wann eine Fahrt sucht, aber das ist sehr mühsam... Mache es dir einfach. Mache es so wie ich, setze deine Fahrten hinein und warte ab, was passiert. Du wirst sehen, es ist interessant und du wirst gespannt sein! Und hinzu kommt, du hast ja ein großes Auto. Im Gegensatz zu mir. In dein Auto passen ja die Leute richtig gut hinein, sogar mit Gepäck. Mehr als in meinen Audi. Der ist auch für 5 Personen zugelassen, inklusive Fahrer versteht sich, und 4 mögliche Mitreisenden gebe ich immer an. Denn es kommt immer mal wieder vor, dass der eine oder andere mal nicht da ist oder gar kurzfristig absagt. Durch die volle Belegung mache ich mindestens keinen Verlust.“ – „Verlust? Du meinst, das ist für dich eine geplante Einnahme?“ – „Ja nicht so, wie du das meinst, aber das Spritgeld teilt man sich halt, und wenn mehrere Leute drin sitzen, dann zahlt doch jeder seinen pauschalen Anteil. Im Grunde ist der Preis Verhandlungssache, aber es haben sich so gewisse Standards herausgebildet. Man nimmt z.B. pro 200 km 10 ¤. Das ist nicht viel, aber wenn du drei Leute sitzen hast auf der Hinfahrt und zwei Leute sitzen hast auf der Rückfahrt, so sind das schon 50 ¤ Kostenanteil an deinem Benzin. Und das ist ja heute eh so teuer. Ein Verdienst ist das nicht, aber eine gute Tat. Und obendrein hilfst Du der Umwelt! Und ob du nun 20 ¤ mehr in deiner Tasche hast oder 20 ¤ weniger, das verschafft dir doch ein grundsätzlich anderes Gefühl, oder? ...Natürlich kannst du für den Obolus keine großen Abstecher oder Umwege machen. Wenn einer zum Beispiel noch zum Theater oder in die Innenstadt gefahren werden möchte, dann geht das natürlich nicht, aber es gibt überall zentrale Stellen, die von den Autobahnen gut erreichbar sind und wo man sich trifft. Üblicherweise sind das die Hauptbahnhöfe in den Start- bzw. Zielorten. Aber auch andere zentrale Stellen kommen in Frage, das vereinbarst du dann am besten mit den Leuten selbst. Viele kennen die Locations, weil sie öfter fahren und sagen dir das denn schon. Aber Extratouren, na das musst du dann schon selbst wissen. Ich finde es umständlich und es kostet Zeit und natürlich auch Sprit. Vor allem Zeit und du willst ja selbst auch ankommen oder?“ – „Ja, schon!“ – „Einmal habe ich auf der Fahrt nach München von Freiburg aus, noch in Stuttgart jemanden aufgepickt. Bis ich da mal am Bahnhof war...! 12 Kilometer Landstraße mit Ortsdurchfahrten, Ampeln, Serpentinen und Stadtverkehr. – „Unmöglich!“ – „Du sagst es! Und das Ganze dann auch noch wieder zurück zur Autobahn!“ – „Oh, nein!“ – „Doch! Glaube mir: Das war eine tückische Erfahrung! Das werde ich nie mehr tun! Nein, solche Abstecher, so mittendrin auf deiner Fahrt, halten dich nur unnütz auf und du kannst nachher deine eigenen Termine nicht mehr richtig einhalten. Das kommt für mich nicht mehr in Frage. Die Leute müssen dann an zentralen Stellen stehen und sie müssen pünktlich sein. Stelle dir vor, du wartest und ein Mitfahrer kommt nicht. Also ich warte eine viertel Stunde, maximal! Dann muss das aber alles klar sein. Aber in der Regel sind die Leute pünktlich, denn auch sie wollen ja mitkommen und wenn sie mit der Bahn unterwegs wären, dann müssten sie ja auch pünktlich sein.“ – „Und wie ist das, wenn sich einer verspätet, ich meine du hast ja auch ein Interesse, dass dein Auto voll ist und bis München, ob da 2 oder vielleicht 4 sitzen, das ist doch auch ein Unterschied!?“ – „Natürlich, deswegen sage ich ihnen immer, sie sollen kurz vorher noch mal anrufen, wenn es bei Ihnen klappt oder auch nicht, oder wenn irgendetwas ist. Ich rufe ihnen nicht hinterher. Das ist mir zu viel.“ – „Aber kommt es nicht vor, dass einer mal ein paar Schritte weiter am Treffpunkt steht und Du ihn nicht erkennst?“ – „Ja, das gibt es schon, aber sobald die Abfahrtszeit erreicht ist, dann ruft er meistens gleich an und dann erledigt sich das. Ansonsten hast ja auch du seine Telefonnummer und du kannst hören, wo er gerade steckt. Nur ganz selten meldet sich dann niemand. Dann warte ich die obligatorische Zeit und dann... geht es halt ohne ihn weiter. Schwierig wird es, wenn der eine oder andere etwas mehr als nur sein Handgepäck dabei hat." – „Das denke ich!" – „Ich habe in meine Anzeige auf der Site pauschal eingetragen `nur Handgepäck´. Wenn einer mehr hat und manche haben so große Campingrucksäcke, dann passen die u.U. auch nicht mehr in meinen Kofferraum. Dann muss er den mit auf einem weiteren Sitz unterbringen und dann geht mir ein Fahrgast verloren. In solchen Fällen nehme ich dann einen zusätzlichen Aufschlag, meistens die Hälfte vom Fahrpreis...“ – „Das ist fair!“ – „Insgesamt habe ich bisher insgesamt nur positive Erfahrungen gemacht. Es sind meist sehr nette Leute, natürlich auch mal einer brummig, der sitzt dann neben mir und sagt die ganze Fahrt kaum ein Wort, aber das ist dann auch `ok´. So etwas gibt es auch schon mal. Aber die meisten erzählen von sich und ich erzähle von mir und es ergeben sich gute Gespräche.... Neulich hatte ich zwei junge Mädels hinten bei mir im Auto sitzen. Du, die kannten sich nicht. Aber als sie feststellten, dass sie am Wochenende beide gleichzeitig in Konstanz auf der gleichen Open-air-party waren, du da hättest du sie mal hören sollen. Und wen sie alles süß fanden. Du, die mit ihren 18 Jahren... und was hinterher gelaufen ist... du das glaubst du nicht... Wie offen die so ihr Sexualleben auspackten. Mit wem sie schon alles gevögelt haben, und mit wem sie am liebsten nach dem Festival heimgegangen wären, aber wer ihnen den weggeschnappt hat und wer dann noch übrig war. Und ich sitze da hinter meinem Lenker, in meinem Auto und fahre in die glutrote Abendsonne hinein, quer durch den malerischen Schwarzwald nach Freiburg und die reden da so, als wenn sie ganz unter sich wären und keine Menschenseele weit und breit. Ich dachte mich tritt ein Pferd und genoss diese Fahrt, wie ich noch keine genossen habe." – „Woouuww! Das ist ja interessant." – „Ich war natürlich muxmäuschenstill und dachte mir, da misch dich mal lieber nicht ein, aber so etwas,… Das musst du dir mal vorstellen…! Du siehst, es ist immer wieder was Neues und immer wieder etwas Anderes und immer wieder spannend. Allein der Unterhaltungswert ist fabelhaft. Du! Da brauchst du kein Fernsehen mehr! Das kann ich dir sagen! Das ist mitten aus dem Leben und viel spannender als irgendein Krimi oder so…!“ Gefasstes Schweigen. Erwin stand vom Terrassentisch auf und räumte das Geschirr auf Seite. – „Im allgemeinen sind die Typen ganz normal, die du mitnimmst. Studenten, auch mal etwas ausgeflipptere, aber alle ziemlich ordentlich. Natürlich kommt es mal vor, dass mal etwas liegen bleibt. Letztens hatte ich eine leere Saftflasche im Auto auf dem Fußboden liegen, so wie sie die Sportler immer haben, mit ihren Superdrinks und Saugverschluss. Aber das ist ja gar kein Problem. Dass mir mal jemand das Auto vollgesaut hätte?! Das ist noch nie vorgekommen. Alles in allem sind es interessante Typen und die Fahrten sind kurzweilig und vielleicht kommt ja mal eine Lady in meinem Alter in mein Auto, mit der ich mich gut verstehe und wo man sich dann hinterher noch einmal miteinander verabredet. Man soll nie „nie“ sagen. Und ich als Junggeselle?!" – „Da hast du ja noch mal ganz andere Chancen!?" – „Klar! Letztens hatte ich noch genug Plätze im Auto frei, als ich wieder von Konstanz nach Freiburg unterwegs war und unmittelbar am Stadtrand von Konstanz warteten zwei mit den Daumen hoch. Ein Pärchen. Er hatte sie am Straßenrand etwas mehr zur Fahrbahn geschoben, damit es für die Vorbeifahrer attraktiver aussah, anzuhalten, und sie hatten überschaubares Gepäck stehen. Ich hielt an und fragte sie, wohin sie denn wollten. Du, das war lustig. Das wussten sie gar nicht! - `Wieso?´ fragte ich, `das wisst ihr nicht! Ihr müsst doch wissen wohin ihr wollt, zumal es schon abends spät ist.´ Es war kurz vor 18:00 Uhr und das im März, also es war im Grunde schon gleich dunkel und andere Leute gehen dann eher nach Hause. Nein, das wussten sie nicht. `Ja, wohin wollt ihr denn, mehr nach Westen, mehr nach Süden, mehr nach Norden oder mehr nach Osten?!´ Du stell dir vor ... ´Ja, eigentlich wollen wir nach Frankreich in die Normandie, aber wenn wir bis Singen mitgenommen werden, wäre das ganz toll!´" – „Neeeiiinnnn!" – „Du, stell dir das mal vor. Die stehen abends um sechs in Konstanz an der Straße, wollen nach Frankreich in die Normandie und sind froh, wenn sie bis Singen mitgenommen werden. Du das sind mal gerade so 30 oder 40 Kilometer. Das kann doch nicht wahr sein!“ – „Und, was hast du gemacht?“ – „Ich habe sie gefragt, ob sie denn auch nach Freiburg mitfahren würden, weil Singen, das wäre mir zu umständlich, diesen großen Bogen zu nehmen.“ – „Und?“ – „Ja, nach Freiburg das wäre auch ganz gut, ob das denn in Richtung Frankreich liegen würde!“ – „Das gibt es doch nicht!“ – „Doch, wenn ich dir das sage!“ – „Ja, aber!“ – „Nicht ja, aber. Die hatten keine Ahnung was sie wollten, als wären sie aus einer anderen Welt!“ – „Ja. Waren sie besoffen oder hatten sie Drogen genommen?“ – „Nein, ganz normale Leute. Natürlich ein bisschen Hippie, mit Ketten, dunklen Klamotten, war es dunkel grün oder ein bisschen Olive mit schwarz und Ohrringen. Er hatte die Haare leicht gelb angefärbt und ein wenig zerzaust, als wären sie mit den Fingern gekämmt aber nicht hochstehend, sondern eher glatt aber nicht ausfallend, im ganz normalen Rahmen.“ – „Das verstehe ich nicht!“ – „Nein, ich auch nicht! Ich fragte sie denn noch, woher sie kämen und was sie machen.`Ja´, meinten sie, `sie kämen beide aus Konstanz und hätten jetzt Urlaub. Sie würden eine Lehrstelle haben, sie als Friseuse und er irgendwas mit KFZ und jetzt hätten sie sich überlegt, sie wollten in die Normandie. `Ja, aber was wollt ihr denn in der Normandie, da ist es kalt und ungemütlich´. - Ja, sie wollten sich die Gegend mal anschauen. - `Und wo wollt ihr unterkommen?´ fragte ich sie. `Ja, das sehen wir dann, wenn wir da sind.´ Für alle Fälle hätten sie ihr Zelt dabei." - "Nein!" - "Du, das waren zwei. Stell dir vor, die meinten das ernst. Und Zelt und alles das braucht doch Platz und so viel Gepäck hatten die beiden auch nicht. Die wollten tatsächlich im März in die Normandie zum Zelten. Ich habe mich ja mit ihnen die ganze Fahrt unterhalten, die waren im Kopf soweit ganz normal, nur die hatten überhaupt keine Ahnung. Einfach überhaupt keine Vorstellung von dem, auf was sie sich dort einließen. Und Singen wäre auch schon ganz ok! Du glaubst es nicht.“ – „Und wie alt waren die beiden? Vielleicht waren sie durchgebrannt, von daheim abgehauen?“ –„ Neeiiiin, so sahen die nicht aus. Du, das würde ich merken. Bei dem was ich alles schon gesehen habe. Und wenn du dich mit Leuten unterhältst, dann merkst du, was dahinter steht. Ob die flunkern oder fantasieren. Nein, das waren einfach Urlauber. Die dachten sich, am Bodensee gibt es schon schönes Wetter, so um die 15 Grad, da kann es an der Normandie, in Frankreich, nur noch viel besser sein..." – „Und das Alter?" – „So jung waren die auch nicht mehr. Ich denke, so um die 20 rum werden die wohl gewesen sein. Sie sahen jedenfalls zwei, drei Jahre älter aus als mein Sohn, der gerade 17 wird. Also die Jüngsten waren sie nicht, aber das sage ich dir: Hier kannst du was erleben.“ – „Und abgehalten hast du sie auch nicht?!“ – „Natürlich habe ich das versucht. Ich habe ihnen erzählt, wie orkanartig das Wetter im Winter am Meer sein kann und dass die Normandie sehr rau sei, sie nicht am Mittelmeer liegt und dass die Römer es dort schon kaum ausgehalten haben, aber nein... sie wollten...“ – „Die sind ja verrückt!“ – „Ich sag´s dir, es ist interessant und spannend, auf was für Leute du triffst." __________ __________

In Persien, ein kleines Deuschland?

Wofür sich die einen plagen, das schenkt Allah den anderen im Schlaf.