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Studienarbeit aus dem Jahr 2013 im Fachbereich Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...), Note: Sehr gut, Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, Sprache: Deutsch, Abstract: Eine Zusammenfassung der Ethik Schopenauers unter Berücksichtigung möglicher Kritikpunkte an derselben.
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Veröffentlichungsjahr: 2013
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das metaphysische Fundament der Ethik
2.1. Die Metaphysik Schopenhauers
2.2. Drei Triebfedern: Mitleid, Egoismus und Bosheit
2.3. Mitleid moralisch?
3. Charakter und Gewissen
3.1. Handlung, Charakter und Freiheit
3.2. Das Gewissen
4. Das Verbotene, das Erlaubte und das Gute
4.1. Der Begriff des Guten und des Rechten
4.2. Die reine Rechtslehre und die Staatslehre
4.3. Die Tugend der Menschenliebe
5. Aufgabe der Ethik
6. Fazit
7. Literaturverzeichnis
Arthur Schopenhauers Beitrag zur philosophischen Ethik lässt sich mit dem Begriff MitleidsEthik umreißen. Dargelegt hat er jene in zwei Werken[1]: Einerseits in seinem Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung, jeweils im vierten Buch der beiden Bände; andererseits in zwei kleineren Preisschriften, nämlich in Über die Freiheit des menschlichen Willens und Über die Grundlage der Moral. Während Schopenhauer in seinem Hauptwerk die Mitleids-Ethik aus seiner Metaphysik folgen lässt, so gelangt er in der Preisschrift Über die Grundlage der Moral über eine Kritik der Kantischen praktischen Philosophie zu derselben. Es bietet sich also für diese Arbeit an, einem der beiden Wege in der Herleitung der Schopenhauerschen Ethik zu folgen. Gewählt wurde hier der Weg des Hauptwerkes und zwar aus gutem Grund: Schopenhauer selbst spricht davon, dass seine Philosophie „nicht völlig verstanden werden kann, ohne daß schon das Ganze vorher verstanden sei"[2] Dies trifft zweifellos zu. Ohne zumindest die Grundlagen der Willensmetaphysik miteinbezogen zu haben, kann die Mitleids-Ethik Schopenhauers wohl nicht vermittelt werden - zumal gerade das metaphysische Fundament der Ethik Schopenhauers ihren originären Charakter gibt. Insofern wird die leitende Frage dieser Arbeit folgende sein: Wie entwirft Schopenhauer - ausgehend von seiner Metaphysik - ein ethisches System, das auf dem Mitleid basiert?
Die Arbeit wird dabei wie folgt aufgebaut sein: Zuallererst wird eine kurze Darstellung der Schopenhauerschen Metaphysik erfolgen. Darauf aufbauend werden sich die drei Triebfedern des menschlichen Handelns darstellen lassen, nämlich Mitleid, Egoismus und Bosheit. Wie diese zusammenwirken wird das darauf folgende Kapitel zu erläutern versuchen. Zusätzlich wird in diesem Kapitel der Ort sein, auf Schopenhauers Theorie des Gewissens näher einzugehen sowie auf die Freiheit des Willens. Im nächsten Schritt erfolgt eine nähere Beschreibung dessen, was Schopenhauer als das Böse, das Erlaubte und das Gute ansieht. Abschließend wird geklärt werden, worin Schopenhauer die Aufgabe der Ethik sieht und zuletzt werden die wichtigsten Ergebnisse dieser Arbeit noch einmal zusammengefasst dargestellt werden.
Der erforderlichen Kürze wegen muss auf ein eigenes Kapitel zur Kritik der Schopenhauerschen Ethik verzichtet werden. Gleichwohl werden sich im Text eingebaut - passend zu den gerade vorgestellten Thesen - kritische Bemerkungen und Infragestellungen finden lassen. Auch wenn diese keineswegs vollständig ausfallen oder gar erschöpfend ausdiskutiert werden, so soll damit doch ein Einblick gegeben werden, wo Schopenhauers Ethik Raum für Diskussionen bietet.
„Die Welt ist meine Vorstellung."[3] - Diese auf Berkeley und Kant[4] zurückgehende Erkenntnis ist der Ausgangspunkt der Schopenhauerschen Philosophie. Schopenhauer unterscheidet streng zwischen dem Subjekt der Erkenntnis und den Objekten derselben, wobei „das Objekt überhaupt nur für das Subjekt daist"[5], also bloß in dessen Vorstellung. Die Welt, wie sie im phänomenalen Raum wahrgenommen wird, ist zunächst nur die Welt der Objekte; auch die Leiber sind die „unmittelbaren Objekte des Subjekts"[6]. Wie für Kant sind für Schopenhauer Raum und Zeit die Bedienungen der Möglichkeit der vorgestellten Objekte - von den 12 Kategorien der Kantischen Transzendentalphilosophie lässt Schopenhauer jedoch nur die Kausalität gelten.[7]
Auf die Erkenntnistheorie aufbauend errichtet Schopenhauer sein metaphysisches System. Schüssel dazu ist ihm der Leib. Einerseits ist er als Vorstellung im phänomenalen Raum wie alle übrigen Objekte gegeben, zugleich jedoch unterscheidet sich die Vorstellung vom Eigenleib fundamental von allen anderen Verstellungen, insofern, „daß der Leib noch in einer ganz anderen, toto genere verschiedenen Art im Bewußtseyn vorkommt, die man durch das Wort W i 11 e [Hier und in allen weiteren Zitaten: Sperrung im Original] bezeichnet [...]".[8] Ausgehend vom Eigenleib schließt Schopenhauer nunmehr auf das ganze Wesen der Welt. Er trifft dabei einen Analogieschluss, nach dem nicht nur dem Menschen, sondern der ganzen Welt der Wille zugrunde liegt.[9] Die Welt ist an sich Wille:
„Er ist das innerste, der Kern jedes Einzelnen und eben so des Ganzen: er erscheint in jeder blindwirkenden Naturkraft: er auch erscheint im überlegten Handeln des Menschen; welcher Beiden große Verschiedenheit doch nur den Grad des Erscheinens, nicht das Wesen des Erscheinenden trifft."[10]
Die Welt ist also zugleich Wille und Vorstellung. Hierbei fällt der Doppelsinn des Begriffs Erscheinung auf, auf den in der Rezeptionsgeschichte vielfach hingewiesen wurde: Die Objekte der Welt erscheinen einerseits dem wahrnehmenden Subjekt in Raum und Zeit und zugleich erscheinen die Dinge der Welt als Manifestation des Weltwillens.[11] Diese Dualität von Wille und Vorstellung ist zentral für die Begründung der Ethik Schopenhauers.
Da die Welt als Vorstellung in Raum und Zeit liegt, eignet ihr das prinzipium individuationis: „so nenne ich Raum und Zeit, in der Hinsicht, daß sie die Vielheit möglich machen""[12]. Dieser Begriff Schopenhauers ist von „zentraler Bedeutung [...] für seine Ethik"[13] und bezeichnet eine „abgrundtiefe Endsubstantialisierung"[14] alles Individuellen, denn auf den Willen als Substanz der Welt trifft dieses Prinzip eben nicht zu. Da er jenseits von Raum und Zeit ist[15]und es ohne Raum und Zeit keine Vielheit gibt, ist der Wille einzig und ungeteilt. Ein einziger Wille liegt also der ganzen Welt zugrunde:
„Die Vielheit der Dinge im Raum und Zeit, welche sämmtlich seine O b j e k t v t ä t sind, trifft daher ihn nicht und er bleibt, ihrer ungeachtet, untheilbar. Nicht ist etwan ein kleinerer Theil von ihm im Stein, ein größerer im Menschen [...]. "[16]
