Mitten ins Herz versegelt - Mira Morton - E-Book + Hörbuch
Beschreibung

Ein humorvoller und romantischer Liebesroman über beste Freundinnen und die Magie des Schicksals, wenn es um die große Liebe geht ... Nach einigen Schicksalsschlägen ist die hübsche Physikerin Doro Weiß der Ansicht, dass sie endlich wieder alles im Griff hat. Ihre fünf besten Freundinnen sind gegenteiliger Meinung und kommen nach ein paar Gläschen zum Schluss, dass ein Mann her muss. Hinter ihrem Rücken hecken sie den perfekten Plan aus, wie sie ihre ständig schwarz gekleidete Freundin verkuppeln können. Und zwar auf einem Prinzessinnen-Segeltörn in Kroatien. So gut die Mission Traummann startet, so schlecht entwickelt sie sich. Doro findet keinen der Männer, die sie ihr vorstellen, auch nur ansatzweise interessant, ihre Skipperin Carla kotzt sich die Seele aus dem Leib und Julie setzt das Boot auf Grund. Zu allem Überfluss endet Doro dann auch noch ohne Geld und ohne ihre Freundinnen in einer Bucht in den Kornaten. Als Draufgabe muss sie von einem Fremden aus dem Meer gerettet werden. Wer außer ihr fällt auch schon direkt mit dem Mund auf einen Seeigel, noch dazu, wo gerade dieser Mann ihr Herz höher schlagen lässt? Zu ihrer eigenen Überraschung treibt sie kurz später mit Piet auf dessen Motorboot unter dem Sternenhimmel und stellt fest, dass es sich richtig anfühlt, in seinen Armen zu liegen. Geradezu so, als kannten sie einander schon immer. Doch was, wenn es genau so ist? Länge: über 200 Taschenbuchseiten Der Roman ist abgeschlossen und nicht Teil einer Serie. "Mitten ins Herz versegelt" ist die Neuauflage von "Seeigel küsst man nicht".

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Seitenzahl:239

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Inhaltsverzeichnis

Titel

1. Regel: Wenn deine Freundinnen nicht hinter deinem Rücken über dich reden, mögen sie dich nicht.

2. Regel: Ein Prinzessinnen-Törn kann deine Sicht auf vieles verändern.

3. Regel: Hin und wieder macht die Liebe Umwege.

4. Regel: Seeigel küsst man nicht.

5. Regel: Wenn du spürst, dass deine beste Freundin am anderen Ende der Leitung rot wird, glaub ihr kein Wort.

6. Regel: Wenn das Leben dich anlächelt, lächle zurück.

7. Regel: Die Wahrheit schminkt sich nicht.

8. Regel: Beste Freundinnen sind wie Engel. Oft zur Stelle, ohne dass du es bemerkst.

9. Regel: Hin und wieder verrät der Zustand deiner Wohnung alles.

10. Regel: Engel helfen gerne.

11. Regel: Überleg dir gut, wovon du träumst, denn es könnte wahr werden.

12. Regel: Etwas Neues beginnt nie, ohne dass etwas anderes endet.

Alle bisher erschienenen Roman von Mira Morton

Leseprobe aus: ›Herzknistern. Blind verliebt im Pulverschnee‹

13. Regel: Wenn du ein Märchen erzählst, dann sag Danke aus ganzem Herzen!

Das Prinzessinnen-Törn-Segel-ABC

Übersetzungen fremdsprachiger Textpassagen

Die Autorin

Impressum

Viel Spaß mit meinem Roman

und keep on dreamin´!

Herzlichst,

Facebook:www.facebook.com/MiraMorton.Autorin

www.miramorton.com

principessa@miramorton.com

Mira Morton

Mitten ins Herz versegelt

Roman

»Alles worauf Liebe wartet, ist die Gelegenheit.«

Miguel de Cervantes

Allen, die wie ich daran glauben,

widme ich diesen Roman!

Love, Mira

1. Regel:Wenn deine Freundinnen nicht hinter deinem Rücken über dich reden, mögen sie dich nicht.

Erster Freitagabend im Mai

Ellie

Und warum schenken wir Doro nicht einfach eine Katze?«, frage ich die vier Mädels.

Provokant.

Soll es auch sein.

Aber leise.

Muss ja nicht jeder in dem winzigen Lokal mithören.

Vielleicht sind wir die großartigsten Freundinnen der Welt. Oder die naivsten.

Beides ist möglich. Doch ich tippe auf Letzteres.

Seit einer Stunde zerbrechen wir uns den Kopf über Doro. Warum sie heute schon wieder nicht zu unserem monatlichen Damenabend gekommen ist. Warum sie immer stiller wird. In welche Grube sich ihr Humor, ihre Fröhlichkeit und ihre Lebensfreude versenkt haben.

Ob Menstruationsbeschwerden, eine neue Sitzgarnitur oder Urlaub in der Karibik – der Club der reich Verheirateten hier am Tisch hat ein Patentrezept zur Lösung aller Probleme: Ein Mann muss her.

Ich halte das für Schwachsinn.

Klar kann ich meine Gegenargumente in ein Plastiksackerl sprechen. Zum Nachhören für alle. Will ich aber nicht.

»Sag, Ellie, gehts noch? Wir suchen einen Mann für Doro. Das haben wir doch gerade beschlossen.«

Sylvie ist von dieser absurden Idee scheinbar ebenso überzeugt wie davon, dass es Sinn ergibt, als Einzige von uns ein riesiges Brot, belegt mit Schinken und Käse, zu vertilgen.

Um zweiundzwanzig Uhr vierunddreißig wohlbemerkt!

»Sylvie, jetzt hör auf zu futtern, sonst müssen wir demnächst für dich auch noch einen neuen Mann finden.«

Ihr Hochzeitskleid hatte Kleidergröße sechsunddreißig. Geschätzt ist sie inzwischen bei vierundvierzig angelangt.

Den Ernährungsberater möchte ich sehen, der das wieder hinbekommt. Vermutlich hätte er das Zeug, aus einem Elefanten eine Gazelle zu zaubern.

Mir wäre es ja egal, aber sie jammert immer, dass sie zu dick ist.

»Ellie, du hast eh recht. Aber ich hab so einen Hunger. Und nicht bös sein, aber meinst du, dass rauchen und saufen besser ist?«, keift sie. »Und Gustav liebt mich.«

Stimmt.

Punkt für sie.

Aber nur, was meinen zweifelhaften Lebensstil betrifft. Der allerdings ist in der Fernsehbranche nichts Ungewöhnliches. Gesund ist da noch keiner gestorben.

»Bist du sicher? Wie oft wolltest du dich im letzten Jahr von Gustav scheiden lassen?«

Es tut mir leid. Aber sie alle malen hier ein absolut verklärtes Bild vom in alle Ewigkeit glücklichen Pärchen.

Das nervt.

Ich trinke noch einen Prosecco.

Den brauche ich.

»Wieso bist du so schlecht drauf, Ellie? Ich und mich scheiden lassen? Niemals.«

Ich antworte Sylvie jetzt einfach einmal gar nichts. Außer Doro bin ich der einzige Single in unserer Mädelsrunde. Na ja, im Moment habe ich eine Affäre mit Stefan. Auch ein Moderator. Nichts Ernstes, aber amüsant.

Was habe ich erwartet? Dass Sylvie gegen ihr Erfolgskonzept rebelliert? Die Hand beißt, die sie füttert?

Ich mag sie alle wirklich sehr. Aber bis auf Carla, die noch frisch verliebt ist, sehen mir die Beziehungen von jeder von ihnen mehr nach einem wunderbaren Deal denn nach glücklicher Ehe aus.

»Ich hab einen Vorschlag«, wirft unsere Sportskanone ein.

Wir sehen Carla erwartungsvoll an.

»Wir gehen im Juli gemeinsam segeln. Mit Doro. Da machen wir Sport, haben jede Menge Spaß und treffen ein paar Männertörns.«

Sie lehnt sich mit ihrem Bier ins dunkelbraune Loungesofa zurück und strahlt.

»Carla, da macht Doro nie im Leben mit«, wende ich ein.

»Momentchen, meine Liebe, nur weil wir, sagen wir mal, beim Segeln Gelegenheiten schaffen, heißt das ja nicht, dass Doro nicht selbst entscheiden kann, ob ein interessanter Mann für sie dabei ist«, meint Julie. Wie immer schmerzt ihre unverkennbar hohe Piepsstimme in meinen Ohren.

»Das sagst gerade du? Die Romantikerin schlechthin? Möchtest du einem Mann auf einem Silbertablett serviert werden, Julie?«

»Liebes, ich fände es sooo romantisch, wenn ihr einen Mann für mich suchen würdet. Wie im Film.« Sie hat einen verklärten Blick. Vielleicht vom vierten Aperol Spritz.

»Wie gut, dass du Bernhard schon gefunden hast.«

»Wir voten. Wer ist dafür?«, fährt Kira dazwischen. Sie wirft ihre langen, dunklen Locken demonstrativ in den Nacken und hebt als Erste die Hand. Sylvie, Carla und Julie ebenso.

Ich nicht.

Jeder Verkuppelungsversuch in den letzten Jahren ist gescheitert. Was sollten wir dieses Mal besser machen als bisher?

»So. Vorschlag angenommen«, grinst Kira und richtet sich ihr Designerkleidchen.

»Wunderbar! Wir werden einfach ein Profil von Doros Traummann anlegen. Hach, Mädels, das klingt doch vielversprechend«, piepst Julie und träumt sich vermutlich gerade auf eine blumenumrankte Schaukel in einen Rosengarten. Zu ihren Füßen eine Picknickdecke samt Korb, Champagnerflasche und Traummann. Sie im adeligen, bodenlangen Damastdirndl. Er in Lederhose.

»Julie! Du machst mir Angst. Willst du Doros Glück generalstabmäßig planen? Ich dachte, der Kompromiss lautet, wir gehen segeln und stellen ihr ungezwungen ein paar Männer vor.«

Oh Mist. Vor lauter Aufregung rauche ich zwei Zigaretten.

Peinlich.

»Nichts anderes schwebt mir vor, Ellie.«

»Okay. Wir machen es. Aber ich warne euch, wenn eine von euch Doro unseren Plan steckt, bringe ich die Verräterin um«, sage ich und starre sie alle ernst an.

Sie lachen.

Na dann.

»Das müssen wir feiern. Ich glaubs ja nicht. Wir werden einen Mann für Doro finden und machen unseren ersten Damentörn! Wie cool ist das denn? Mädels, jetzt trinken wir eine Runde Aperol Spritz zur Feier des Tages! Der geht auf mich«, meint Kira und bestellt sofort.

Ich lehne mich in meinen Sessel zurück. Wie um Himmels willen bringe ich Doro bei, dass wir auf ein Segelboot wollen? Sie von der Idee zu überzeugen, wird ein langer, beschwerlicher Weg, denn Doro weiß nicht einmal mehr, wie man Urlaub buchstabiert.

Doch was bleibt mir übrig? Ich werde es versuchen. Und wenn diese Übung gelingt, schwimme ich einmal um die Welt.

Freiwillig.

Der letzte Freitag im Juni

Doro

Ich meine, ich träume!

Was soll denn das jetzt? In meinem Büro stapeln sich leere Kartons. Bin ich eine Müllumladestation? Ich mag es nicht, wenn man meine Kreise stört.

Unerlaubt bei mir einzubrechen – das ist doch die Höhe!

Ich krache ins Nachbarbüro. Na ja, so gut wie ein resoluter Auftritt auf sieben Zentimeter hohen Stöckeln und im schwarzen Businesskostüm eben hinzubekommen ist. Noch während ich die Türe aufreiße, schreie ich: »Bernd! Weißt du, was der Schwachsinn mit den Schachteln in meinem Büro soll?«

»Zuerst einmal, einen wunderschönen guten Morgen, liebste Kollegin.« Wie ein Lämmchen grinst er mir aus seinem Schreibtischsessel entgegen.

»Entschuldige! Guten Morgen, Bernd. Also, was soll das?«

An guten Tagen ist er mein Lieblingskollege, doch im Moment höchst verdächtig am Zumüllen meines Büros beteiligt gewesen zu sein. Immerhin besitzt er einen Schlüssel zu meinem Heiligtum hier an der Uni.

Wieder einmal sieht er aus wie gerade erst aufgestanden. Die schwarzen Haare sind wuschelig, das bunte T-Shirt sitzt schief. Ich vermute, er trägt Shorts, weil Temperaturen über dreißig Grad herrschen.

Hier herinnen.

Wir sind Physiker und schaffen es nicht, uns eine Klimaanlage einzubauen. Das müssen uns andere erst einmal nachmachen. Dafür haben Kollegen in Wien Photonen unter der Donau durchgebeamt. Wir lösen hier große Probleme, für die kleinen fehlt uns schlicht das Fußvolk.

»Kannst du dich eventuell daran erinnern, Doro, dass wir Ende Juli ins neue Gebäude umziehen?«

Oh oh.

Puff!

Meine Rage ist an diesem einen, simplen Satz zerschellt. Jetzt, wo er es sagt, natürlich. Dass mir so etwas passiert!

»Na toll. Und wie soll ich arbeiten, wenn ich alle meine Bücher und Unterlagen in Kisten verpackt der Spedition übergeben soll?«

»Jetzt komm einmal runter. Das neue Institut sieht wirklich super aus.«

Das ist wahr. Laut Plan habe ich dort sogar elf Komma sieben Quadratmeter mehr als hier.

»Und dir würde es nicht schaden, wenn du Urlaub machst. Wann warst du das letzte Mal weg?«

»Was, bitte, hat denn das jetzt mit dem Umzug zu tun? Schon einmal in Erwägung gezogen, dass ich eventuell gerne arbeite?« Dafür, dass die meisten von uns Dienst nach Vorschrift verrichten, kann doch ich nichts.

»In vier Wochen ist alles im neuen Campus. Also ich würde sagen, buch eine Reise, entspann dich und basta. So machen es alle anderen auch.«

Ich bin entspannt!

»Und weißt du, was das Beste daran ist? Offiziell haben wir Home Office. Vier Wochen! Das heißt, die Zeit zählt nicht einmal zum Jahresurlaub«, schiebt er nach.

Für Bernd ist sichtlich Weihnachten mit dieser Aktion. Passt zu ihm. Dabei ist er gar kein ein schlechter Physiker. Im Gegenteil, er ist ein Genie.

Aber ein faules. Würde es dafür einen Nobelpreis geben, der wäre ihm sicher.

»Und wer liest die Diplomarbeiten und Dissertationen durch, die ich auf den letzten Drücker zu Semesterende erhalten habe? Oder wer schreibt den neuen Artikel für das Journal bis zum Herbst? Hm? Wo und wie mache ich das? Wie komme ich auf unseren Server?«

»Geh, komm auf den Boden, Doro. Die Studis werden auch einen Monat länger warten können, und beim Artikel bin ich Co-Autor, den schreiben wir im August und September gemeinsam.«

»Pfff. Du machst es dir wieder einmal einfach!«

»Ja. Weil ich ein einfaches Gemüt besitze«, lacht Bernd. Er rückt seinen Schreibtischstuhl nach hinten.

Hat Bernd ein Handtuch mit? Wozu denn das? Ich fasse es nicht. Er trocknet sich die Füße ab. Verrenkt sich und schlüpft tatsächlich in Flip-Flops.

»Du hast aber nicht wirklich eine Wanne mit Wasser unter deinem Schreibtisch stehen?«

»Und ob. Kühle Füße, kühler Kopf. Solltest du auch einmal versuchen. Ist super.« Nichts ist Bernd peinlich. Soviel steht fest. Ich kann nur den Kopf schütteln. Gebe allerdings zu, dass meiner gerade qualmt.

Bernd geht um seinen grauen Schreibtisch herum. Allein dieses Chaos! Mappen, Bücher, lose Blätter. Alles türmt sich meterhoch auf seinem Platz. Man sieht nicht einmal seinen Bildschirm. Mich würde das krank machen.

»So, Doro, ich schlage vor, wir zwei gehen jetzt auf einen Kaffee, und du freundest dich mit der Idee an, die Arbeit für einen Monat sein zu lassen«, sagt er, legt einen Arm um meine Schulter und zieht mich einfach mit.

»Danke, Bernd, aber geh lieber alleine. Ich sammle mich einmal und beginne zu packen.«

»Dann bis später«, grinst er und läuft schon die Stufen hinunter.

Fragt sich irgendwer von unseren Entscheidungsträgern, welche dramatischen Auswirkungen diese Zwangspause auf mein bescheidenes Leben haben wird?

Sicher nicht. Das wäre zu viel verlangt.

Später am Abend

Doro

Mir tut alles weh und die Hitze in Mödling ist keine Spur erträglicher als in Wien. Den ganzen Tag Kisten einzuräumen schlaucht. Gut, dass ich gleich zuhause bin.

Was hat Margret denn da wieder alles vor die Tür gestellt? Die Fußgängerzone direkt vor meinem Haus ist verbarrikadiert. Mit einem kleinen Tisch, vier Sesseln, zwei Holztrögen mit frischen Blumen und einem Ständer mit lustigen Karten drauf. Das ist die Standarddeko, wenn Lottes Laden geöffnet ist. Aber nun steht noch ein klappriges, blaues Fahrrad daneben. Und die rostige Skulptur eines Engels.

Was für eine Kombination. Das gelingt nur Margret.

Ich öffne die grün gestrichene Holztür zu unserem Laden. Margret saust mir entgegen.

»Na endlich, Doro! Ich hab schon anrufen wollen. Ist was passiert?« Sie umarmt mich.

»Wie man es nimmt. Sie haben mir alle Unterlagen geklaut.«

»Nein! In deinem Büro ist eingebrochen worden? Wer macht denn so etwas?« Margret erweckt mit ihren aufgerissenen Augen den Eindruck, als wäre ihr eines ihrer Geistwesen soeben höchstpersönlich erschienen.

»Margret, niemand ist eingebrochen. Es ist wegen der Übersiedelung ins neue Institut.«

»Da bin ich aber froh. Setz dich schon einmal hin. Ich bring dir einen Kaffee, und du erzählst mir alles in Ruhe.«

Für ihre vierundzwanzig Jahre ist sie entzückend fürsorglich. Und nicht zu übersehen. Heute in einem Minikleid in Pink. Dazu trägt sie Ballerinas mit grünen Punkten. Ihr halblanges braunes Haar hat sie zu einem Pferdeschwanz gebunden und bunte Tücher hineingeknotet. Ihr steht das nicht einmal schlecht. Ich würde in diesem Outfit aussehen wie ein Kasperl. Vor allem mit dem hauchdünnen Sommerschal mit blauen Sternen drauf. Darunter baumeln gleich drei Amulette auf ihrer Brust. Sie sind von ihrem Gurufreund Jacob. Wegen der Verbindung zu den Engeln! Ist zwar ein ausgemachter Blödsinn, aber Margret ist nicht davon abzubringen.

Ach ja, mein Kaffee.

»Margret, aber bitte …«

»In deiner eigenen heiligen Tasse, und nachdem es bereits nach zwanzig Uhr ist, selbstverständlich ohne Koffein, Milch und Zucker und ohne Cupcake. Weiß ich«, lacht sie und verschwindet in Richtung Theke an der hinteren Ecke des Ladens.

Ich nicke und setze mich auf meinen Stammplatz – Omis Biedermeier-Sofa, Montag bis Freitag, jeweils von zwanzig Uhr dreißig bis einundzwanzig Uhr dreißig. Bloß heute ist es schon später.

Mein Handy bimmelt.

Ellie.

Ich wiederhole meine Misere.

»Aber das ist doch super! Jetzt hast du keine Ausrede mehr und kommst auf unseren Segeltörn mit«, jubelt sie durchs Handy.

»Na ja, wie es aussieht, habe ich tatsächlich Zeit.«

»Juchu!«

Wobei, stimmt nicht ganz. Meinen Computer hab ich ja noch. Internet auch. So gesehen könnte ich auch von zuhause arbeiten, was ärgerlich ist. Schließlich lebe ich den perfekten Tagesplan. Und der inkludiert, dass ich unter der Woche jeden Tag um die gleiche Zeit nach Wien auf die Uni fahre. Warum sollte ich nach viereinhalb Jahren also meinen gesamten Wochenplan umstellen? Wo es so mühsam war, mich daran zu gewöhnen? Gerade jetzt, wo es so gut läuft? Seh ich nicht ein. Unmenschen!

»Ellie! Ich hab nicht zugesagt. Ihr habt den Segeltörn doch bereits ohne mich geplant. Ich hasse es, aber ich werde wohl daheim arbeiten müssen.«

»Das machst du nicht! Wie oft hab ich dir gesagt, dass wir dich unbedingt dabei haben wollen und den Platz für dich freigehalten haben? Gib dir einen Ruck und sag ja, sonst nehme ich es noch persönlich und kündige meine Freundschaft«, keppelt sie.Wollen mich heute alle in einen Urlaub zwingen? Zuerst Bernd und jetzt meine beste Freundin? Und warum gerade segeln? Ein einfacher Strandurlaub mit ein paar Cocktails hätte es auch getan. Jede hätte ihr Hotelzimmer. Aber so? Allein die Enge auf einem Boot macht mir Angst. Und was machen wir den ganzen Tag? In die Sonne schauen? Ich? Als Sonnenbrandopfer Nummer eins, so blass wie ich im Moment bin?

Nein.

Das ist nichts für mich.

»Doro! Ich warne dich. Was immer du gerade in deinem Kopf hin- und herwälzt, ich werde nur ein Ja akzeptieren.«

»Das ist Erpressung!«

»Genau.«

»Also gut, Ellie. Ich komm mit. Aber nur wegen deiner Drohung. Nicht, weil ich einen Urlaub nötig hätte.«

Huch! Ich muss das Handy weghalten. Ellie lässt einen Urschrei vom Stapel.

»Super, Doro! Du wirst es nicht bereuen. Ich sags gleich Carla. Du musst ihr nur schnell deine Reisepassdaten mailen, damit sie dich in die Crewliste eintragen kann.«

»Dein Wort in Gottes Ohr, Ellie. Sobald ich oben in der Wohnung bin, erledige ich das.«

Ich bin nicht mehr zurechnungsfähig. Speziell, wenn ich mir den Stoß an Arbeiten in meiner Tasche ansehe. Mindestens zehn Mal habe ich abgelehnt. Und jetzt sag ich einfach mir nichts, dir nichts zu?

»Du fährst also mit?«, fragt Margret mit dem Kaffee in der Hand.

»Sieht so aus. Keine Ahnung, wie ich das finden werde.«

»Ich finde es lässig. Hier, dein Kaffee, mit ohne alles. Und wenn du mich fragst, war Urlaub längst fällig«, lächelt sie.

Pfff.

Am besten, ich schreib mir eine Liste, was ich alles einpacken oder noch besorgen muss.

Wir starten schon kommenden Samstag. Himmel! Was hab ich mir da eingebrockt?

Sonntag, Ende Juni

Ellie

Die Mädels sind super.

Freitagabend habe ich einen Notruf abgesetzt. Keine fehlt. Bis auf Doro. Aber ihr habe ich unseren Krisengipfel natürlich verschwiegen. Einträchtig lungern wir in meinem Garten herum. Im Schatten, alles andere würde in Dehydrierung und roten Flecken im Gesicht enden.

»Das war aber in letzter Sekunde«, sagt Kira und bedient sich an meinen Prosciutto-Parmesan-Häppchen.

»Absolut. Deshalb brauchen wir jetzt ganz dringend die Liste, und anschließend die Männer, die in Frage kommen. Idiotisch, dass wir das nicht gleich erledigt haben«, meint Carla. Mir scheint, sie kann unseren Törn gar nicht mehr erwarten. Sie trägt nämlich dunkelblaue Shorts, ein blau-weiß gestreiftes T-Shirt und Turnschuhe dazu. Eine Schwimmweste hat sie sich zum Glück nicht umgeschnallt.

»Hab schon ein Bücherl dafür gekauft«, sagt Sylvie stolz und schwenkt ein Notizbuch in Hellrosa mit weißen Sternchen durch die Luft. In drei Vorbereitungssitzungen haben wir unser Segelabenteuer nämlich zum Prinzessinnen-Törn weiterentwickelt. Motto: Pink.

Nur Carla wehrt sich bislang noch. Der Rest von uns ist zur Ansicht gelangt, Emanzipation haben wir durch, daher dürfen wir ab und zu Prinzessin sein.

»Okay. Wie gehen wir die Mission Traummann an?«, fragt Carla.

»Ganz einfach: Wir schreiben auf, was Doro an Männern mag oder nicht mag. Und dann schauen wir weiter«, schlage ich vor.

»Also wie sollte Doros Traummann sein?«, fragt Sylvie und isst noch schnell eine Bruschetta. » Eure Vorschläge, wenn ich bitten darf.« Sie schlägt eine Seite auf. Sogar einen quietschrosa Stift hat sie mit.

»Er muss potent sein«, sagt Kira.

»Bitte? Wie meinst du das? Finanziell oder sexuell?«

Kira sieht mich an, als spräche ich Chinesisch.

»Was? Ich meine, er soll ein netter Typ sein. Auf den man sich verlassen kann. Hilfsbereit. So wie Doro halt.«

Hä?

»Liebes, du meinst sicher patent«, verbessert Julie.

Oh.

Kira nickt.

»Also gut. Patent. Und weiter? Was passt noch zu unserer Miss Monk?«, fragt Sylvie und notiert etwas.

Na gut, dann strengen wir unsere grauen Zellen mal ein bisserl an.

Später fasst Sylvie unsere ewig lange Liste zusammen: »Okay: Wir suchen einen Naturwissenschaftler, über einen Meter fünfundachtzig groß, mit Waschbrettbauch, blond. Maximal so um die vierzig. Gefestigte Persönlichkeit, keine Midlife-Crisis oder so. Freunde sollen ihm wichtig sein. Keine Exfrau. Er sollte seine Arbeit mögen, ihre auch. Ticks dürfen sein, solange sie nicht zu arg sind. Und superintelligent muss er sein.«

»Wir suchen einen Brad Pitt ohne Ex, dafür mit einem Nobelpreis in Physik?«

Eine einfache Übung.

Bloß nicht in diesem Universum. Um in Doros Denkmustern zu bleiben.

»Mädels, ich weiß jemanden! Doktor Doktor Sheldon Lee Coopervon der Big Bang Theory. Allerdings halt hellhaarig«, kichert Sylvie.

»Aber, aber … so jemanden kennen wir doch gar nicht«, meint Kira verdattert.

»Auch schon aufgefallen, Kira?«, grinse ich.

»Am besten, wir vergessen das wieder. Welche Männer können wir denn treffen? Wer ist zur selben Zeit in Kroatien?«, fragt Carla.

Sie hat recht. Uns hilft nur der pragmatische Ansatz.

»Also ich weiß es von Roman, Gerhard und Lukas«, antwortet Kira.

»Toni«, sagt Julie.

»Bei mir ist es Günter. Noch jemand?«, fragt Carla nach.

Die anderen schütteln die Köpfe.

»Gut. Bei mir ist es Markus mit seiner Runde. Vermutlich wäre Viktor eine Option«, ergänze ich unser Angebot.

»Sylvie, kannst du Spalten machen, und wir vergeben Punkte?«, frage ich sie.

Sylvie nickt und kichert. Wir beugen uns über ihr Büchlein und diktieren, wer von den Kandidaten, welche unserer Anforderungen erfüllt.

Endlich, nach gefühlten Stunden, haben wir ein Ergebnis!

»Roman: achteinhalb Punkte. Viktor: sieben. Toni: viereinhalb Punkte. Lukas, Gerhard und Günter sind ausgeschieden, da sie je nur zwei von sechzehn Punkten erfüllen«, rechnet uns Sylvie vor.

»Okay, wir setzen also auf Roman, Viktor und Toni«, fasst Carla die Auswertung ungerührt zusammen.

Wenn das nur gut geht!

»Liebste Prinzessinnen, wir trinken darauf, dass Amor uns ein wenig unter die Arme greift«, lächelt Julie und hebt ihr Bowleglas.

Langsam wundert es mich nicht mehr, dass sich Doro in all den Jahren nicht mehr verliebt hat. Mich wundert nicht einmal, dass ich mich in den letzten zwei Jahren nicht mehr verliebt habe.

Gott, ist das alles kompliziert!

2. Regel:Ein Prinzessinnen-Törn kann deine Sicht auf vieles verändern.

Samstag, knapp eine Woche später, Anfang Juli

Doro

Was für eine Schnapsidee!

Meine Vorfreude ist dahin. Ich stehe an einem Steg. In Biograd, Kroatien. Rund um mich ist alles voller Schiffe und Menschen, die Unmengen an Taschen und Lebensmittel auf Boote verladen. Das haben wir auch vor, aber dieses Ungetüm von Segelboot direkt vor meiner Nase jagt mir Angst ein. Noch mehr aber die Hühnerleiter, die aufs Boot hinaufführt. Alle Mädels sind bereits an Bord.

»Doro? Willst du am Steg Wurzeln schlagen?«, fragt mich Carla, die lässig am Gestänge des Sonnendaches unserer Segeljacht hängt.

»Na ja, nein.«

»Gib mir zuerst deine Handtasche rüber«, schlägt sie vor.

»Pass aber auf, da ist mein Notebook drinnen!«, warne ich sie, während ich ihr die Tasche mit meinem Klappaltar reiche.

»Hab sie«, sagt Carla. »Brauchst du Hilfe?«

Alle anderen haben es doch auch aufs Boot geschafft. Demzufolge kann das nicht so schwierig sein.

»Nein danke, Carla. Passt schon.«

Hui. Das dämliche Ding ist aber mit einem Mal sehr schmal. Und schwingt hin und her. Mist. Wo ist der Handlauf?

Neeeiiinnn …

»Doro!«, brüllen alle.

Platsch!

Ich spucke das Wasser aus und fuchtle mit den Armen. Wie ekelig. Meine Freundinnen hängen aufgereiht wie Hühner am Boot und biegen sich vor Lachen. Sehr lustig.

»Was war denn das für eine Einlage?«

»Äh, Frage, Carla: Wie komme ich wieder aus dem Wasser?«

Ich sehe nichts. Keine Stiegen. Keine Sprossenwand. Niente.

»Sekunde. Ich montiere dir die Badeleiter hier an der Plattform.« Carla düst zum Spitz des Bootes und kommt mit einem Eisending zurück.

Wenigstens ist das Wasser warm. Oder liegt das etwa daran, dass hier alle in den Hafen pinkeln und deshalb ist das Wasser so wohltemperiert? Mir graust.

»So. Leiter ist montiert, Doro.« Unsere Kapitänin reicht mir die Hand.

»Danke, du bist ein Engel!«

»Also, das war jetzt nicht wirklich Prinzessinnen-like«, meint Kira, die mit verschränkten Armen dasteht und die langen, braunen Locken schüttelt.

Blöde Idee, dieser Prinzessinnen-Törn. Ich bin Physikerin. Wissenschaftlerin. Keine Tussi in Pink. Seis drum. Ich klettere die Leiter hinauf.

»Übrigens: Weiß steht dir«, ruft mir Ellie fröhlich zu.

Ich sehe an mir herab. Mein nagelneues, weißes T-Shirt klatscht sich an meinen Busen. Mein BH scheint wunderbar durch. So gewinne ich auf jeden Fall den Wet-T-Shirt-Contest hier im Hafen. Intelligente Wahl. Weiß! Ich höre, wie auf den anderen Booten noch immer ein paar Leute lachen.

Sehr witzig.

Dabei habe ich diese Fummel extra für die Reise gekauft. Letzten Samstag noch. Mit meinen zwei Stilberaterinnen Ellie und Kira. Sollte seemännisch aussehen. Und Spielverderberin wollte ich auch keine sein. Ich weiß nämlich gar nicht, wann ich das letzte Mal nicht Schwarz getragen habe.

Das hab ich nun davon!

Und meine Flip-Flops?

So ein Schmarrn.

Da schwimmen sie …

»Sekunde, ich muss meine Flip-Flops retten.«

So ein Satz von mir!

»Ich wusste es, du groovst dich noch ein. Das nächste Mal heißt es dann: ›Sorry, ich muss schnell mal mein Krönchen polieren.‹«, lacht Ellie.

Himmel! Ich beschäftige mich mit Quanten, dem Multiversum und der kosmischen Mikrowellenhintergrundstrahlung.

»Ich hab dich auch lieb, Ellie«, grinse ich und werfe mich wieder ins Wasser.

Hier ist der erste. So. Der zweite.

»Hab sie!«, ruf ich in fünf ungläubig dreinblickende Augenpaare. Die Mädels applaudieren und reiben sich die Augen vor Lachen.

Hilft nichts. Ich muss die Badeleiter hinaufklettern. Auch wenn das einem Strip gleichkommt.

»Schau mal, ich hab ein Handtuch für dich. Du hast so ein Glück gehabt, Doro«, meint Sylvie mitfühlend.

Sie hat recht – ich bin exakt zwischen Kaimauer und Boot abgestürzt. Da hätte ich mir schön wehtun können.

»Danke, Sylvie.«

»Das machst du mir aber nicht noch einmal«, schimpft Frau Kapitän.

Glaubt sie echt, das habe ich vor? Ich bin patschnass und nach wie vor nicht sicher, ob ich genau wissen möchte, was das Ergebnis einer chemischen Analyse des Wassers ergeben würde. Positiv ist nur, dass ich nichts herumschwimmen sehe.

»Warum? Weil man aufhören soll, wenn es am schönsten ist?«

Ich krabble über die Sitze in den mittleren Teil des Schiffs.

Hoffentlich zählt mein Start als verpatzte Generalprobe, und die Premiere haut dafür hin!

Später am selben Tag

Doro

Wie konnte ich sechs Jahre lang auf Urlaub verzichten? Mein Gott, ich muss umnachtet gewesen sein. Auf einem Boot zu sein, entschleunigt sofort. Ich hänge da wie ein nasser Sack und fühle mich rundum happy.

»Mädels! Danke, dass ihr mich mitgenommen habt. Es ist traumhaft hier!«

Ellie drückt mich und schmatzt mich ab. »Na endlich. Siehst du, wir haben nicht zu viel versprochen, Doro.«

Nein. Absolut nicht. Urlaub, ich umarme dich! Das Meer ist tiefblau. Keine Wolke ist am beinahe kitschigen, azurblauen Himmel auszumachen. Unfallfrei hat Carla unser Boot ausgeparkt. Nun fahren wir der Sonne entgegen. Ein paar Kinder winken uns von den Stegen aus zu. Herrlich!

Carla erzählt uns ein paar Daten über das Boot.

»Fünfundvierzig Fuß sind rund dreizehn Komma zweiundsiebzig Meter«, rechne ich schnell auf meinem Handy um.

»Keine Ahnung. Wird schon stimmen«, meint Carla.

»Stimmt aber nicht«, entgegnet Ellie.

»Wieso nicht?«, frage ich sie.

»Weil ich auf dem Tablet gerade das Schiffsmaß gefunden habe. Da steht, es ist vierzehn Komma siebenundzwanzig Meter lang«, sagt Miss Internet.

»Aber dann hätte es ja sechsundvierzig Komma zweiundachtzig Fuß?«

»Mädels, könnt ihr bitte eure Geräte weglegen und die Aussicht genießen?«, mault Carla grinsend.

»Ein Maß ist ein Maß, und wenn man es schon verwendet, dann sollte …«, werfe ich ein.

»Frau Professor, ich bitte dich! Schalt endlich ab! Es ist doch völlig wurst, wie lang dieses Boot ist, solange wir alle drauf Platz haben«, grinst Kira.

»Ich bin erst Dozentin, Kira.« Aber sie hat recht: Was Zahlen anbelangt, bin ich manisch. Nun habe ich allerdings frei. Und teile mir ein Doppelzimmer mit Ellie. Für das eine Einzelbett gab es eine Fixbesetzung: unsere Skipperin Carla. Die zweite Einzelkoje hat Sylvie gewonnen. Wir haben nacheinander gezogen.

Ein Zuckersackerl versteckt unter einer von fünf Kaffeetassen.

Unfaire Sache. Ungleiche Wahrscheinlichkeiten bei den Ziehungen. Gesagt habe ich nichts, ich wollte die Mädels damit nicht belasten. Vor allem, weil mir das mit Ellie sehr angenehm ist.

»Super. Das ist Uuurrr … laub«, lacht sie gerade. »Und noch was, Doro: Wir lieben dich, wie du bist.« Sie lächelt mir ins Gesicht.

»Okay, okay. Ich werde abschalten. Keine Physik mehr an Bord. Versprochen!«

Ich überkreuze die Finger hinter meinem Rücken. Unwissenschaftlich, aber das habe ich von Omi. Denn natürlich funktioniert niemand auf Knopfdruck. Aber andererseits habe ich mich nun für das Experiment gemeinsam zu segeln entschieden. Also gebe ich mein Bestes.

***

Jamaikanischer Reggae läuft über ein Smartphone. Die Sonne glüht vom Himmel. Kein Lüftchen außer einem leichten Fahrwind ist zu spüren. Ich rieche das Salz des Meeres in der Luft. Habe ich das Meer vermisst? Sieht so aus. Doch wann hätte ich je Zeit für einen Urlaub gehabt?

»Mädels, bei mir stellt sich gerade eine Grundzufriedenheit ein, die wohl kaum noch zu toppen ist«, grunzt Ellie.

Wir lachen.

»Also, wenn du das sagst, Ellie, dann kann hier nichts mehr schiefgehen«, schmunzelt Carla.

Sylvie bringt Getränke.

Prosecco? Um drei Uhr am Nachmittag? Was haben sie vor?

Carla bekommt selbstverständlich eine Dose Bier. »So, Prinzessinnen, erster Manöverschluck«, lacht sie und schüttet Bier ins Meer.

»Wofür sollte das gut sein?«, frage ich sie.

»Der erste Schluck gehört immer dem Poseidon.«

»Ah. Verstehe.«

»Damit er uns wohlgesonnen bleibt und uns beschützt«, setzt sie nach und prostet dann uns zu. »Auf unseren ersten Prinzessinnen-Törn.«

Wir kichern, prosten mit Prosecco zurück und trinken. Beschaulich zieht das Hafenbecken an uns vorbei. Jedes kleine Café, jedes Fischerboot und jedes Geschäft an der Promenade setzt sich für einige Momente in Szene. Auf der anderen Seite liegen lauter kleine Inseln. Und wir fahren!

Wahnsinn.

Wir haben dieses Boot ganz alleine in Bewegung gesetzt.

Ein erbauliches Gefühl.

»So Mädels. Jetzt kommt die erste Schulung.« Carla freut sich wie ein Kind. Ihr Smile reicht von einem Ohr zum anderen.

»Also ich weiß nicht, mir passt es wunderbar, wie es ist. Und der Motor schnurrt doch wie ein Kätzchen«, mault Ellie.

»Ellie! Das ist kein Kindergeburtstagsausflug, sondern ein Segeltörn. Weiter draußen haben wir Wind. Und spätestens da solltet ihr wissen, was zu tun ist.«

Ich bleibe gelassen und lasse alles auf mich wirken. Kann ja nicht so schwer sein, die Seglerei. Die Basics habe ich mir zuhause angesehen. Hoffentlich macht es ja tatsächlich so viel Spaß, wie Carla mir in diversen Telefonaten während der letzten zwei Monate verklickern wollte.

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