Mittendrin ist auch daneben - Stefan Stoecklein - E-Book
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Mittendrin ist auch daneben E-Book

Stefan Stoecklein

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Beschreibung

Sollte man in Zeiten wie diesen noch Lach-Yoga machen? Unbedingt, sage ich! Lachen rettet vielleicht nicht die Welt, aber es hat das Potenzial, unsere positive Kraft zu stärken. Auf den folgenden Seiten gibt es humorvolle Lese-Snacks für ein Lachen zwischendurch. Das Lesen soll Spaß machen, nicht mehr und nicht weniger. Angeregt zu den Geschichten in diesem Buch haben mich Begebenheiten und Erlebnisse, die ich selbst erlebt oder beobachtet habe. Daraus geworden sind schließlich humorvolle und fantastische Geschichten, die keinerlei Anspruch auf Ernsthaftigkeit erheben.

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Veröffentlichungsjahr: 2022

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Mittendrin ist auch daneben

von Stefan Stoecklein

Urheberrechtshinweis

Mittendrin ist auch daneben

Ausgabe 2022

Copyright © der Ausgabe 2022 by Stefan Stoecklein

Alle Rechte vorbehalten

Umschlaggestaltung: © Stefan Stoecklein

Titelgrafik: © Stefan Stoecklein

Mittendrin ist auch daneben © 2022 Deutsche Erstveröffentlichung im Selbstverlag

Stefan Stoecklein     [email protected]

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Über das Buch

Sollte man in Zeiten wie diesen noch Lach-Yoga machen? Unbedingt, sage ich!

Lachen rettet vielleicht nicht die Welt, aber es hat das Potenzial, unsere positive Kraft zu stärken.

Auf den folgenden Seiten gibt es humorvolle Lese-Snacks für ein Lachen zwischendurch. Das Lesen soll Spaß machen, nicht mehr und nicht weniger. Angeregt zu den Geschichten in diesem Buch haben mich Begebenheiten und Erlebnisse, die ich selbst erlebt oder beobachtet habe. Daraus geworden sind schließlich humorvolle und fantastische Geschichten, die keinerlei Anspruch auf Ernsthaftigkeit erheben.

Autorenhinweis: Die Texte sind nicht durchgehend gegendert. Der Grund dafür ist nicht etwa fehlender Respekt vor dem Thema, sondern ein ganz persönlicher. Ich verliere jeglichen Schreibrhythmus, wenn ich konsequent in Genderdeutsch schreibe. Ich bitte dafür um Verständnis.

Rechtshinweis

Alle Figuren in diesem Buch sind fiktiv oder verfremdet, Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Stefan Stoecklein

Kreuzfahrtschnäppchen

Das Angebot kam per Postwurfsendung. Dabei hatte ich doch den “Keine Werbung bitte“ Aufkleber erst erneuert. 1024 Euro für eine Mittelmeerkreuzfahrt auf der Seagull-White-Freedom, inklusive aller Mahlzeiten, Bier, Tischwein und Softdrinks an Bord. Bahnticket hin- und zurück nach Genua war auch dabei. Klar, für den Starterpreis von 1024 Euro gab es nur die Innenkabine, ohne Seeblick, Aufschlag Einzelkabine 249 Euro. Also alles in allem 1273 Euro, stimmt doch, oder? Die Kreuzfahrt mit der Seagull-White-Freedom sollte von Genua über Livorno nach Neapel gehen und von dort weiter nach Palermo, Tunis, Algier, Palma de Mallorca, Marseille und wieder nach Genua. 10 Tage Luxus für 1273 Euro. Musste ich zuschlagen.

Der Nachtzug nach Genua fuhr pünktlich um 23:10 Uhr ab. Großraumwagen, aber mit WLAN. Ich legte meine Schnittchen bereit und richtete mich auch sonst, soweit es ging, wohnlich ein, Kopfhörer, Handy mit ein paar Movies drauf und so. Auf dem Platz neben mir saß ein älterer Herr, Rentner wahrscheinlich, vermutete ich.

»Haben sie auch die Italien-Kreuzfahrt auf der Seagull-White-Freedom gebucht?«, fragte ich.

»Meine Frau ist vor 2 Monaten gestorben, ich muss mal raus, verstehen sie? Zu Hause, das ist nicht mehr wie früher, sie sind auch auf dem Schiff?«, antwortete der schmale Herr auf dem Gangsitz. Ooohaaa, jetzt nichts Falsches sagen, fuhr es mir durch den Kopf, sonst hast du die nächsten 10 Tage einen Gesprächspartner, kennst nach 2 Tagen die ganze Familiengeschichte und hast mindestens 200 Fotos von seiner Frau gesehen.

»Ich muss geschäftlich nach Genua, das mit ihrer Frau tut mir sehr leid, möchten sie einen Schluck Tee?« Ich schraubte die Thermosflasche auf und bot ihm einen Pappbecher an.

»Oh, das ist sehr nett von ihnen, aber ich habe selbst.« Er zog einen silbernen Flachmann aus der Innentasche seines Jacketts. »Geschäftlich, hm, so was hätte ich früher auch gerne gemacht, aber ich bin ja nie aus meiner Registratur heraus gekommen.« Das Gespräch nahm eine Richtung ein, die mir nicht gefiel. Ich hatte mich eigentlich auf meine Schnittchen und ein spannendes Suspense Movie gefreut. Ein Gespräch mit einem einsamen Witwer stand nicht auf meiner Agenda.

»Ach, das ist nix besonders da in Genua, einen Tag lang öde Sitzungen, und abends, wenn ich den Nachtzug noch schaffe, wieder zurück nach Hause. Das müssen sie sich nicht besonders aufregend vorstellen«, log ich und krabbelte aus meinem Sitz. Der ältere Herr stand sofort auf und ließ mich hinaus.

»Ich geh mal kurz in den Speisewagen, vielleicht haben die Mayo für meine Schnittchen, sind sonst so trocken«, grinste ich halbherzig, echtes Schmierentheater eben.

Aber ich hoffte, das, wenn ich zurückkomme, mein Sitznachbar eingenickt oder verschwunden wäre, oder sonst irgendwie nicht mehr da. Gemeine Gedanken, weiß ich selbst schon auch!

Ich ging durch den Zug, in die falsche Richtung, klar ne, kehrte um und kam wieder an meinem Platz vorbei. Mein Sitznachbar lächelte mich freundlich an. Speisewagen gab es nicht, nur ein Bordbistro, und das war voll besetzt. Ich stellte mich ans Fenster und überlegte. Fängt schon gut an, dachte ich, aber auf dem Riesenschiff, da werde ich ihm sicher nicht mehr begegnen. Ein Plan für die Zugfahrt fiel mir nicht ein. Ich setzte meine Kopfhörer auf und ging zurück an meinen Platz. Als sich die Schiebetür des Waggons öffnete, sah ich, wie mein Sitznachbar angeregt mit der Zugbegleiterin sprach. Ah, dachte ich, Frau gestorben, alles nicht mehr wie früher … und so. Als ich näher kam, verstand ich, um was es ging. Der alte Herr hatte sich in den falschen Waggon gesetzt und die Zugbegleiterin versuchte ihm das gerade zu erklären. In solchen Momenten glaube ich an eine höhere Macht im Universum. Ich blieb mit etwas Abstand neben meinem Sitzplatz stehen.

»Ist das ihr Platz, der am Fenster?«, fragte die Zugbegleiterin höflich.

»Ja, aber lassen sie sich Zeit, ich sitze noch lange genug heute Nacht«, antwortete ich freundlich. Der alte Herr erhob sich und zerrte seinen Rollkoffer aus der Gepäckablage.

»Ich habe mich im Waggon geirrt, schade, wir haben uns so gut unterhalten«, erklärte er mir, »na, dann noch eine gute Reise und viel Erfolg in Genua.«

»Danke, danke, ich werde mich bemühen und viel Vergnügen auf dem Schiff, vielleicht lernen sie ja jemanden kennen«, quatschte ich los, ermahnte mich aber sofort, nicht so einen Unsinn abzulassen. Der alte Herr nickte und trippelte der Zugbegleiterin hinterher. Ich dankte dem Universum und bat für meine garstigen Gedanken um Verzeihung. Danach verstaute ich die Thermosflasche wieder und packte dafür eine kleine Flasche Rotwein aus. Der Kräutertee blieb ja noch länger warm. Schnittchen Time! Es wurde langsam gemütlich.

Am nächsten Morgen um 06:23 erreichte der Zug die Stazione Genova Principe. Ich fühlte mich wunderbar, gleich würde ich auf einem luxuriösen Kreuzfahrtschiff mein Leben wirklich genießen. Es dauerte dann doch etwas, bis die überwiegend älteren Herrschaften ihre Plätze im Shuttle Bus gefunden und eingenommen hatten. Nach einer kurzen, aber sportlichen Fahrt erreichten wir unser Ziel, die Cruise Terminal Stazione Marittime Porto Genova, den Kreuzfahrthafen von Genua. Ein bisschen Anstehen am Gate, und dann ging es los. Wir wurden von superfreundlichen StewardessInnen zu den verschiedenen Decks geführt. Für die Gruppe, in die ich einsortiert worden war, ging es stetig abwärts. Nacheinander verschwanden meine Mitreisenden hinter schmalen Kabinentüren. Endlich war ich an der Reihe. Ein superfreundlicher Steward öffnete die Tür zur Kabine 6483 und strahlte mich an.

»Willkommen auf der Seagull-of-Birmingham, treten sie ein und fühlen sie sich wie zu Hause. Das ist ihre persönliche Dreamline Innenkabine La Isla bonita. Ich darf ihnen kurz ihr Feriendomizil zeigen. Hier, kommen sie ruhig, das Kingsize Bett, hier rechts der Kleiderschrank und hier», er schob mich zur Seite, ging um das Bett herum und öffnete eine schmale Türe, »ist ihr persönlicher Wellness Bereich, das Bad, bitte.« Er lief weiter um das Bett herum und stellte sich in die offene Kabinentüre. Ich steckte meinen Kopf durch die Badezimmertür. Dahinter war eine Dusche.

»Ächhhm, habe ich etwa keine eigene Toilette?«, fragte ich den strahlenden Steward irritiert.

»Aber selbstverständlich haben sie eine eigene Toilette«, antwortete er und zwängte sich an mir vorbei, zog seine Schuhe aus und betrat die Badekammer.

»Wenn sie bitte kurz schauen möchten«, strahlte er und klappte mit einem Ruck einen Toilettensitz mit Schale unten dran aus der Rückwand der Dusche, »ihre Toilette, mit die modernste Technik an Bord, dieselbe Toilettentechnik benutzen auch die Astronauten auf der ISS, absolutes Space Design«, dieser Steward war restlos begeistert. Fast hätte ich gefragt, wo ich so ein Ding für zu Hause kaufen kann.

»Ich verstehe nicht ganz … wie .. . also …?«, stammelte ich.

»Kein Problem, schauen sie«, er setzte sich auf den Toilettensitz, »so fertig«, er stand auf, drückte symbolisch einen versteckten Knopf seitlich an der Auffangschale und klappte die Konstruktion wieder in die Rückwand.

»Toilettenpapier brauchen sie nicht, es ist eine Bidetfunktion eingebaut, japanisches Patent, alles absolutes Space Design.« Er schlüpfte an mir vorbei aus meiner Badekammer, zog seine Schuhe an und stellte sich wieder in die offene Kabinentür.

»Eines noch, erst Duschen, dann Toilette, technisch besser«, lächelte er, »wenn sie einen Wunsch haben, bitte hier drücken«, er zeigte auf einen Knopf neben der Tür, »Service kommt sofort. Ihr Gepäck wird in den nächsten 20 Minuten gebracht, ich wünsche ihnen einen wunderbaren Aufenthalt auf der Seagull-of-Birmingham, Ahoi«, verabschiedete er sich und verschwand. Ja nun, ich hatte verdrängt, dass die Dreamline Innenkabine La isla bonita nur 13 Quadratmeter misst und kein Fenster hat. Es brummte, offenbar war der Maschinenraum nicht weit. Aber egal, ich war an Bord eines Luxusliners und auf Kreuzfahrt. Voller Stolz betrachtete ich mein blaugrünes Kreuzfahrtarmband. Die Frau am Check-in hatte mich vielsagend angelächelt und gesagt: »dieses Armband hat magische Kräfte.« Dann ma los, ich will zaubern!

Magic! Mein Armband brachte mich ohne Stopp auf Deck 14. Ich stieg aus dem Lift und staunte. Meine Badelatschen versanken im dicken Teppichflor der Billionaires Lounge. Hinter einer Schiebetür aus Glas erspähte ich ein Buffet, unter uns gesagt, ein richtig dickes Buffet. Eine Pyramide von Tafelaufsätzen bog sich unter Silberschalen und Etageren voll mit Austern, Langusten, tropischen Früchten, gebratenem Fleisch, ganzen Hummern und sonst noch so allem, was ich aus Filmen, die auf Kreuzfahrtschiffen spielten, kannte. »Na, dann ma los, magisches Armband«, murmelte ich und ging geradewegs auf die Pforte des Glücks zu. Eine freundliche Stewardess mit 2 goldenen Streifen auf der Schulter fing mich zauberhaft lächelnd kurz vor der Schiebetür ab.

»Herzlich willkommen auf der Seagull-of-Birmingham, mein Name ist Alina Boll, wie kann ich ihnen helfen?«, sang sie mir vor.

»Danke, eigentlich nein, ich möchte gerne eine Kleinigkeit essen«, versuchte ich Frau Boll zu ignorieren. Ein kleiner Ausfallschritt sollte genügen, um elegant durch die Schiebetüre in den Speisesaal zu entkommen. Aber Alina Boll schwebte mit einem zarten Hüftschwung an meine Backbordseite und lächelte bezaubernd.

»Die beste Entscheidung um diese Zeit, das Essen an Bord unseres Schiffes ist hervorragend. Darf ich ihnen den Weg zum Restaurant zeigen?«

»Aber, da ..«, stotterte ich und zeigte auf die Pyramide der Lüste. Frau Boll fragte noch einmal mit klapperndem Augenaufschlag: »Darf ich .. «, dann ergriff sie mein Handgelenk und führte mich neben die gläserne Eingangstüre. Dort zeigte sie auf eine schwarz glänzende Fläche, die in die Wand eingelassen war.

»Halten sie bitte ihr Armband vor den Responder, hier, vor dieses schwarze Ding.« Ich hielt mein Sesam-öffne-dich hin, wie befohlen. Die Türe rührte sich nicht. Dafür erschien ein Text in weißen Leuchtbuchstaben auf dem Responder.

“Die Crew der Seagull-of-Birmingham freut sich, sie an Bord begrüßen zu dürfen. Für Gäste der Comfort Class haben wir unsere Restaurants E-G auf den Decks 3-5 reserviert. Die Öffnungszeiten der Restaurants erfahren sie an jedem Info-Point an Bord. Wir wünschen ihnen weiterhin einen wunderbaren Aufenthalt an Bord der Seagull-of-Birmingham.“

»Wenn ich ihnen den Weg zeigen darf«, säuselte Alina Boll, »den Hauptgang entlang bis zur Weltzeituhr, dort nehmen sie den Gang links bis zum Lift auf der rechten Seite, der bringt sie direkt zu den Restaurants E-G, kann ich ihnen sonst noch irgendwie helfen?«

»Aber, da …«, stotterte ich wieder und zeigte durch die Glastüre.

»Die Billionaires Lounge hier«, lachte Frau Boll, »ist für unsere Gäste aus der Superior over the top Class reserviert. Wenn sie es möchten, sehe ich in unserem Buchungssystem nach, ob noch eine Superior over the top Class Suite auf dem Prime Deck frei ist, falls ja, können sie gerne kostenpflichtig upgraden.«

»Ach, das ist lieb von ihnen … ich denke drüber nach … glaube ich … jetzt … vielleicht später … .«, stammelte ich und schlurfte den Hauptgang hinunter zum Lift. Wenige Minuten später öffnete sich die Lifttüre vor dem Eingang zu Restaurant F. Ich stand im Nadelfilz und sah robuste Wandersandaletten, Schlappen, Badelatschen, weiter oben, bunte Shorts, weite Hängekleider, noch weiter oben grillfesterfahrene Taillen, Brusthaare und hier und da beeindruckende Oberweiten. Die Schlange der Wartenden vor der Türe zu Restaurant F zog sich gut dreißig Meter den Gang entlang. Eine Stimme von schräg links vorne rief: »Wollen sie auch zum Late Matinée Brunch? Geht gleich los, um 11:00 Uhr, aber, hinten anstellen!« Ich guckte mich um. Ein fröhlicher, leicht angeschwitzter Kreuzfahrtkollege, vielleicht Ende dreißig, zwinkerte mir zu und zeigte mit dem Daumen an das Ende der Schlange. Ich nickte. Just in dem Moment, als ich den ersten Schritt machte, beugte er sich ein Stück weit aus der Warteschlange heraus und sagte kumpelhaft zu mir: »Die Würstchen sind eine Wucht, und wenn noch was übrig ist, probieren sie die frittierten Sardinen, so was kriegen sie nicht mal auf Helgoland.«

»Jetzt komm, Markus, es geht weiter«, sagte seine Begleiterin ungeduldig und zog ihn in die Schlange zurück. Ich trottete bis ans Ende der Schlange und wartete. Hoffentlich gibts Rührei, dachte ich, ich liebe nämlich Rührei. Rührei mit Chili, Rührei mit Kräutern und Speck, eigentlich mag ich fast alle Arten von Rührei. Nicht ganz so gerne habe ich es mit Gemüse, aber sonst. Zu Hause kriege ich die Eier ja von meinem Nachbarn, dem Yusuf. Der ist total nett, der hält sich sieben Hühner in seinem Schrebergarten, weil … Yusuf sagt, die Eier aus dem Supermarkt, das ist Tierquälerei, die kommen ihm nicht ins Haus. Seine Hühner dagegen wären gesund und munter, kriegen lauter feine Sachen zu fressen und bedanken sich dafür mit jeder Menge Eiern. Der Yusuf hat recht, die Eier seiner Hühner sind echt spitze.

Die Türe zum Restaurant F öffnete sich Punkt 11:00 Uhr. Keine zwei Minuten später hatte mich die Schlange der Wartenden durch die Tür gedrückt und löste sich in Windeseile auf. Meine KreuzfahrtkollegInnen wussten genau, wo sie hinmussten. Nämlich zu einem langen Tisch, auf dem Teller verschiedener Größe und volle Besteckkästen bereitstanden. Alles klar, dachte ich, Pole Position sichern. Zu spät. Schlange am Tellertisch, noch mehr Schlange am Buffet. Wie es so geht, standen Markus und seine Begleiterin vor mir in der Buffettschlange und beobachteten genau den Füllstand der großen Servierteller, Pfannen, Rechauds und Etageren.

»Na, auch bis hierher geschafft«, grinste er mich an, »ich sag mal du, ok, ich bin der Markus und die da, das ist die Kerstin, meine Frau, Kerstin, sag doch mal guten Tag.« Aber Kerstin sagte nichts. Sie musterte mich nur kurz aus dem Augenwinkel und knurrte: »5 Minuten und die haben schon den ganzen kanadischen Lachs weggefressen, alles Geringverdiener.«

»Kerstin, pass auf, der Shrimps-Salat geht auch aus, komm, mach hin, ein, zwei Löffel müssen noch für uns drin sein«, rief Markus unruhig. Kerstin nickte und schob mit einem sanften, aber professionellen Hüftschwung ein vielleicht vierzehnjähriges Mädchen zur Seite, schnappte sich einen großen Vorlegelöffel und schaufelte rasch zwei Portionen Shrimps-Salat auf den oberen Teller. Ich war beeindruckt, Kerstin hielt mühelos mit der linken Hand drei große Teller in Position.

»Super, was sagste, das ist ne Frau«, lobte Markus, »da vorne, siehst du sie, die Würstchenpyramide?«, fragte er mich. Ich nickte, obwohl ich kaum etwas sehen konnte, so umlagert wurde die Pyramide.

»Das sind die Engländer, die schaufeln sich die Würstchen nur so auf die Teller. Wie auf Malle, kennst du, oder? Malle, Mallorca, die Engländer? Wir waren da die letzten zwei Wochen, all-inclusive, 5 Sterne mit Getränke, aber wo du hintrittst, Engländer. Freibeuter sind das, die lassen nichts übrig. Du bist ist Genua auf den Pott oder, wir sind in Palma, auf Malle verstehst du, Palma de Malle, eingestiegen … .« Markus quatschte und quatschte.

»Haben die auch Rührei hier?«, unterbrach ich ihn.

»Rührei? Kerstin, hör mal, der macht ne Kreuzfahrt und will Rührei«, kicherte Markus und stupste seine Frau in die Hüften.

»Mensch, pass doch auf, gleich kannste die Shrimps vom Boden essen«, schnappte Kerstin, »Rührei ist da drüben, in den großen Rechauds. Musst dich aber beeilen, die Besatzung vom Mucki-Deck hat schon mal durchgeräumt, vorher«, klärte Kerstin mich auf und deutete mit dem Kinn auf die andere Seite des Buffets. Ich kämpfte mich durch bis zu den Rechauds. Es waren drei Stück und sie dufteten lecker. Deckel auf! Und, Fehlanzeige. Alle drei kalt und bis auf ein paar trockene Krümel Gelb leer.

»Ja, is normal, Beef und Rührei ist over, wenn das Mucki-Deck drüber ist«, rief Markus über den Tisch, »aber 12:30 Uhr gibts ja schon Lunch, heute Geschnetzeltes vom Kräuterrind mit Spätzle und Soss, auch als vegan.« Ich packte mir Kartoffelbrei und einen sauren Hering auf den Teller und zog ab. Am Buffet musste ich auf jeden Fall professioneller werden.

Der Hering war ok, Kartoffelbrei war zu wenig Butter. Ich fuhr mit dem Lift auf das Promenadendeck. Kleinen Rundgang machen, zum Appetit anregen. Als ich die Tür öffnete, schlug mir “Be quick or be dead“ von Iron Maiden in Festivallautstärke um die Ohren. Das Promenadendeck sah aus wie eine Mischung aus einer Geisterbahn und einer Texas Harley Riders Bar, umstellt von mannshohen Lautsprecherboxen. Mittendrin ein kleiner Swimmingpool. Darin dümpelte eine etwas in die Jahre gekommene Bikerin auf einem rosa Flamingo und trank Bier. Am Beckenrand schaukelten in die Jahre gekommene Lederjackenträger monoton mit den Köpfen und tranken Bier. Alle hatten Zauselbärte, tätowierte Oberarme, mehr oder weniger lange Haare, mindestens zwölf Ringe an jeder Hand und einige sogar umgedrehte Kreuze um den Hals. Außer der Bikerin im Pool lagen noch einige andere Frauen auf diversen Deckstühlen in der Sonne und schrien sich lachend an. Bier stand überall bereit. Ich war offensichtlich auf einer Heavy Metal Kreuzfahrt gelandet. Iron Maiden dröhnte unbarmherzig in den blauen Himmel. Meine Ohren ließen die Jalousien runter, ich hörte nur noch sägende Gitarren und hämmernde Beats. Langsam drückte ich mich an der Reling entlang, vorbei an dem Inferno. Ein büffelharter Schrei zwängte sich zwischen zwei Gitarrensoli zu mir hinüber.

»Ej, Alter, ja, du da, gefällt dir die Mucke nicht, oder was drückste dich hier so bescheiden vorbei? Komm ma rüber hier, na komm ma hier.« Einer der Zauselbärte zeigte auf einen Deckstuhl neben sich. Ich tat so, als wäre ich nicht gemeint und schlich weiter. Schlagartig verstummte Iron Maiden.

»Haaallo, das war ne höfliche Einladung! Oder stehst du nicht auf Maiden?« Ein kollerndes Lachen rollte über das Promenadendeck. Ich blieb stehen und grinste blöde.

»Hier, auf jetzt«, der Zauselbart hielt eine Flasche Bier hoch, »der MC Utzerath gibt einen aus.« Iron Maiden legte wieder los. Ich schlich etwas zaghaft hinüber zu der Flasche Bier. »Keine Angst, wir sind die Guten«, ermutigte mich die Flamingobesatzung. Angekommen bei den Guten hielt mir der besagte Zauselbart eine Flasche Bullenbräu hin.

»MC Chief Bronco«, stellte er sich vor, »kannst Reiner zu mir sagen, und das sind Günni, Flansch, Angie, Petra, Mister G, Susi und Gert.« Alle grüßten stumm. »Hier unser Ehrenplatz«, grinste Reiner. Ich durfte mich direkt auf den Subwoofer setzen. Mein Trommelfell löste umgehend Alarm aus. Es klingelte und pfiff in meinem Kopf.

»Flansch, mach ma Drehzahl runter, wir wollen reden«, dröhnte Bronco und zwinkerte seinem Kumpel zu, »Prost, Kameraden, Frauen und Gäste.« Bier vor dem Mittagessen trinke ich eigentlich nur nach einer fristlosen Kündigung. Aber den Chief verärgern wollte ich auch nicht, also ab dafür. Der dritte Schluck schmeckte dann ganz gut. Und der Hunger war auch weg. Zeit, für einen originellen Wortbeitrag, dachte ich. Mir fiel aber nichts ein. Flansch spielte nervös mit den Fingern am Lautstärkeregler der Anlage herum. Ich musste rülpsen.

»Und, was macht ihr hier so?« Der war echt originell, absolut originell, oder? Der MC Utzerath hüllte sich in gespenstische Stille.

---ENDE DER LESEPROBE---