Modelle an Bauhausstätten - Dimitra Pappa - E-Book

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Dimitra Pappa

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Beschreibung

Examensarbeit aus dem Jahr 2009 im Fachbereich Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege, Note: 1,0, Universität Paderborn (Institut für Kunst), Sprache: Deutsch, Abstract: Die Arbeit ist in fünf Abschnitte aufgeteilt, die verschiedene Aspekte der Modelle an Bauhausstätten zum Gegenstand haben. Zunächst wird die Geschichte des Architekturmodells betrachtet. Im Anschluss daran werden die Materialien vorgestellt, die im Modellbau von Relevanz sind. Diese sollen zunächst einzeln betrachtet und allgemein definiert werden, um im Folgenden auf den Modellbau angewendet zu werden. Nach diesen grundlegenden Ausführungen über das Architekturmodell, konzentriert sich die Arbeit im dritten Teil auf die Architektur am Bauhaus. In diesem Kontext liegt der Schwerpunkt auf der Entwicklung der Architekturschule am Bauhaus unter der Leitung verschiedener Direktoren, die mit ihren Auffassungen und Ideen zur Herausbildung einer neuen Art von Architektur beigetragen haben. Im vierten Teil der Arbeit werden die Architekturmodelle der Architekten am Bauhaus genauer betrachtet. Zunächst wird eine Auflistung der vorhandenen Modelle gemacht. Anschließend wird eine Auswahl von Modellen einer detaillierten Analyse unterzogen um deutlich zu machen, welchen Stellenwert diese Modelle in der Architektur der Moderne besitzen. Bei der Recherche zu dem Thema ist deutlich geworden, dass es zahlreiche Publikationen zu verschiedensten Phasen der Architekturmodellgeschichte gibt. In dieser Ausarbeitung soll sich die Betrachtung nun auf die Modelle der Bauhausarchitekten von 1919 bis 1933 konzentrieren. In einem abschließenden Teil wird folglich auf die Bedeutung der Architekturmodelle an Bauhausstätten bei der Vermittlung von UNESCO-Welterbe eingegangen. In diesem Teil ist es zunächst wichtig zu klären, wie anhand der Modelle museumspädagogisch gearbeitet werden kann. Weiterhin werden auch die Anwendungsmöglichkeiten im Unterricht aber auch die damit verbundenen Probleme betrachtet und vorgestellt. In einem Schlussgedanken werden schließlich die Erkenntnisse dieser Arbeit zusammengeführt. Es soll insgesamt deutlich werden, welche nachhaltige Wirkung die Architekturmodelle des Bauhauses in der heutigen Zeit haben. Des Weiteren sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie die Architekturmodelle des Bauhauses für die Modellpädagogik nutzbar gemacht werden können und welchen Stellenwert diese in einer Zeit haben, in der die Menschen fast keine materiellen Erfahrungen mehr machen, jedoch wieder an solche Erlebnisse herangeführt werden müssen.

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Veröffentlichungsjahr: 2010

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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung.
2 Die Geschichte des Architekturmodells
2.1 Begriffsdefinition
2.2 Herausbildung der Reliefkunst
2.3 Entwicklung des Modellbaus.
2.4 Der Modellbau heute.
3 Materialien im Modellbau
3.1 Papier, Karton, Pappe.
3.2 Holz.
3.3 Hartschaum.
3.4 Modelliermassen.
3.5 Glas
3.6 Polystyrol
3.7 Metall
3.8 Fundstücke natürlicher Art und technischer Herkunft
3.9 Kleinmaterialien
3.10 Klebstoffe, Klebebänder, Klebefolien
4 Architektur am Bauhaus.
4.1 Herausbildung und Entwicklung der Architekturabteilung
4.1.1 Entwicklungen unter der Leitung von Walter Gropius.
4.1.2 Entwicklungen unter der Leitung von Hannes Meyer
4.1.3 Entwicklungen unter der Leitung von Ludwig Mies van der
4.2 Ideen und Zielsetzungen der Direktoren
5 Architekturmodelle am Bauhaus
5.1 Modelle aus der Ära Gropius
5.2 Modelle aus der Ära Meyer
5.3 Modelle aus der Ära Mies van der Rohe
5.4 Analyse einer Auswahl von Modellen
5.4.2 Modell zum Gebäude der „Chicago Tribune“ von Walter
Gropius und Adolf Meyer.
Kapitel
5.4.4 Modelle zum Bauhausgebäude in Dessau
5.5 Die nachgebauten Modelle von Bauhausgebäuden.
6 Bedeutung von Modellen zur Vermittlung von UNESCO -
6.1 Zum Wert des Objekts im Museum.
6.2 Grundsätze der Museumspädagogik
6.3 Welterbepädagogik an Modellen.
6.3.1 Der Einsatz von Modellen im Museum
6.3.2 Die Verwendung von Modellen im Unterricht
6.4 Chancen und Probleme von Modellpädagogik.
7 Fazit.
8 Literaturverzeichnis
9 Abbildungsverzeichnis

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Einleitung 1

1 Einleitung

Aus aktuellem Anlass beschäftige ich mich in dieser Arbeit mit den Architekturmodellen am Bauhaus, welches entscheidend auf die Kunst des 20. Jahr-hunderts eingewirkt hat und daher auch heute noch viele Menschen in seinen Bann zieht.

Anlässlich des 90. Jahrestages der Gründung des Bauhauses und 20

Jahre nach dem Fall der Mauer gestalten das Bauhaus-Archiv, die Stif-tung Bauhaus Dessau und die Klassik Stiftung Weimar als die samm-

lungsführenden und forschenden Bauhaus-Institute in Deutschland erst-

mals eine gemeinsame Ausstellung unter dem TitelModell Bauhausim

Martin-Gropius-Bau, Berlin. Es ist die größte und umfangreichste Ausstel-

lung, die je zum Bauhaus gezeigt wurde.1

Im Kontext dieser Wanderausstellung, die dann ab November im New Yorker Museum of Modern Art zu sehen sein wird, wird gezeigt, wie das Bauhaus noch heute auf seine Umwelt einwirkt. Auf die Gebäude, die in der Zeit ent-standen sind, wird ebenfalls eingegangen, jedoch gibt es nur fragmentarische Hinweise dazu. Es geht vielmehr um das gesamte Wirken des Bauhauses. In der Ausstellung sind neben Originalarbeiten aus verschiedenen Bereichen wie der Malerei und des Designs auch Architekturmodelle zu sehen, welche die architektonischen Entwicklungen am Bauhaus verdeutlichen sollen.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass diese von elementarer Wichtigkeit für die heutige Architektur sind. Die Bauhausbauten in Weimar und Dessau wurden am 5.12.1996 durch die UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt und werden nun interessierten Besuchern zugänglich gemacht. Daher ist es wichtig zu untersuchen, ob und wie dreidimensionale Modelle, für die Vermittlung der Ideen des Bauhauses, nutzbar gemacht werden können und müssen. Es stellt sich die Frage, ob Modelle von Gebäuden überhaupt ein zeitgemäßes Medium darstellen oder ob diese zu vernachlässigen sind.

Die Arbeit ist in fünf Abschnitte aufgeteilt, die verschiedene Aspekte der Modelle an Bauhausstätten zum Gegenstand haben.

1http://www.modell-bauhaus.de/index.php?de_concept (Stand: 02.08.2009)

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Einleitung 2

Zunächst wird die Geschichte des Architekturmodells betrachtet. Dabei ist es interessant nachzuvollziehen, wie sich das Architekturmodell aus der Reliefkunst entwickelt hat. Danach wird die weitere Entwicklung des Architektumodellbaus beleuchtet, bevor anschließend der momentane Stand des Modellbaus aufgezeigt wird.

Im Anschluss daran werden die Materialien vorgestellt, die im Modellbau von Relevanz sind. Diese sollen zunächst einzeln betrachtet und allgemein definiert werden, um im Folgenden auf den Modellbau angewendet zu werden.

Nach diesen grundlegenden Ausführungen über das Architekturmodell, konzentriert sich die Arbeit im dritten Teil auf die Architektur am Bauhaus. In diesem Kontext liegt der Schwerpunkt auf der Entwicklung der Architekturschule am Bauhaus unter der Leitung verschiedener Direktoren, die mit ihren Auffassungen und Ideen zur Herausbildung einer neuen Art von Architektur beigetragen haben. Nur unter ihrer Leitung und aufgrund ihrer Einflussnahme konnten die modernistischen Entwürfe und Modelle entstehen.

Im vierten Teil der Arbeit werden die Architekturmodelle der Architekten am Bauhaus genauer betrachtet. Zunächst wird eine Auflistung der vorhandenen Modelle gemacht, um den momentanen Bestand der Originale und der Nachbauten zu vergegenwärtigen. Anschließend wird eine Auswahl von Modellen einer detaillierten Analyse unterzogen um deutlich zu machen, welchen Stellenwert diese Modelle in der Architektur der Moderne besitzen und um Veränderungen in der Bauweise von Modellen zu verdeutlichen. Bei der Recherche zu dem Thema ist deutlich geworden, dass es zahlreiche Publikationen zu verschiedensten Phasen der Architekturmodellgeschichte gibt. In dieser Ausarbeitung soll sich die Betrachtung nun auf die Modelle der Bauhausarchitekten von 1919 bis 1933 konzentrieren. Hier soll besonders der Wert der Modelle bezüglich der Veranschaulichung der Architektur der Moderne untersucht werden.

In einem abschließenden Teil wird folglich auf die Bedeutung der Architek- turmodelle an Bauhausstätten bei der Vermittlung von UNESCO-Welterbe

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Einleitung 3

eingegangen. In diesem Teil ist es zunächst wichtig zu klären, wie anhand der Modelle museumspädagogisch gearbeitet werden kann. Dabei soll im Zentrum stehen, warum Architekturmodelle eine pädagogische Relevanz haben. Weiterhin werden auch die Anwendungsmöglichkeiten im Unterricht betrachtet und vorgestellt. Abschließend werden aber auch die Probleme dieser Art von Pädagogik aufgezeigt und die Modellpädagogik kritisch hinterfragt.

In einem Schlussgedanken werden schließlich die Erkenntnisse dieser Arbeit zusammengeführt. Es soll insgesamt deutlich werden, welche nachhaltige Wirkung die Architekturmodelle des Bauhauses in der heutigen Zeit haben. Des Weiteren sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie die Architekturmodelle des Bauhauses für die Modellpädagogik nutzbar gemacht werden können und welchen Stellenwert diese in einer Zeit haben, in der die Menschen fast keine materiellen Erfahrungen mehr machen, jedoch wieder an solche Erlebnisse herangeführt werden müssen. Gerade für mich als angehende Kunstpädagogin erscheint eine Auseinandersetzung mit diesen Möglichkeiten der pädagogischen Umsetzung besonders wichtig, da im Kunstunterricht häufig praktisch gearbeitet wird und dort gegen die Reduzierung des Materials angegangen werden muss.

Vorab möchte ich dieser Ausarbeitung zum ThemaArchitekturmodelle an Bauhausstättennoch eine Begriffsdefinition voranstellen, die aus dem naturwissenschaftlichen Bereich kommt:

Modell(lat.), anschauliches, raum-zeitliches Bild physikalischer Gegens-tände oder Vorgänge, die selbst nicht anschaubar sind (z.B. Atom, Vor-

gänge in Gasen, die Elektrizität). Wir erhalten Kenntnis von diesen unse-ren Sinnen verborgenen Vorgängen durch die uns sichtbaren Gesamt-

phänomene oder durch Meßergebnisse, die die Gesamtphänomene cha-

rakterisieren, während die diesen zugrunde liegenden Einzelgegenstände

oder Prozesse der direkten Beobachtung oder Messung unzugänglich

bleiben. Das M. ist eine Schöpfung des menschlichen Geistes und hat

den Sinn, die Phänomene und Meßergebnisse physikalisch zu deuten. Es

ist nicht gesagt, dass die Natur wirklich so beschaffen ist, wie sie durch

das M. dargestellt wird.2

2Hunger, Edgar,Grundbegriffe des physikalischen Denkens,Frankfurt am Main: Cornelsen 1964.

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Einleitung 4

Es wird in diesem Auszug deutlich, dass ein Modell etwas veranschaulichen soll, das nicht anschaubar ist. Auch bei der künstlerischen Definition des Architekturmodells lassen sich Parallelen dazu finden. Das Modell entsteht zunächst aus dem menschlichen Geist eines Architekten bzw. Modellbauers, um eine innere Vorstellung zu transportieren, die nur durch das Modell zu veranschaulichen ist.

Es soll in dieser Arbeit also zum Einen um die architektonische Bedeutung des Modells als eine verkleinerte, maßstabsgerechte Darstellung eines Gebäudes gehen. In Kapitel 2.1. wird dazu eine genaue Definition gegeben. Zum Anderen jedoch soll auch der Aspekt der Schöpfung des menschlichen Geistes berücksichtigt werden, der durch die Modelle zum Ausdruck kommt.

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Die Geschichte des Architekturmodells 5

2 Die Geschichte des Architekturmodells

Die Geschichte des Architekturmodells hat seine Anfänge in der Reliefkunst, die zunächst betrachtet werden soll. Vorab soll eine Begriffsdefinition zum Architekturmodell gegeben werden, die über die naturwissenschaftlichen Ausführungen in der Einleitung hinausgeht, bevor dann die Entwicklung und Herausbildung des Architekturmodells in seinen verschiedenen Entwicklungsphasen betrachtet wird.

Diese historische Einordnung soll einer allgemeinen Einführung in das Thema dienen, bevor sich die Betrachtung folglich auf konkrete Beispiele aus dem 20. Jh. konzentrieren wird.

2.1 Begriffsdefinition

Etymologisch betrachtet hat sich der Begriff des Modells ca. 1000 n. Chr. herausgebildet. Die Bezeichnungmodultauchte damals zum ersten Mal auf und bedeutete soviel wie Regel, Form, Muster oder Vorbild. Im 13. Jh. entwickelte sich dann die Begrifflichkeitmódulo,die nach Vitruv das Säulenmaß angab. Im 16. Jh. schließlich tauchte im Englischen und Französischen der Begriffmoduleauf und benannte seitdem den Entwurf, das Architekturmodell, das Abbild und das Vorbild.3

Es soll folglich aber nicht weiter um eine sprachwissenschaftliche Untersuchung der Begrifflichkeit gehen, sondern um das plastische Objekt selbst. „Ein Architekturmodell ist die plastisch-dreidimensionale Darstellung eines Bauwerks bzw. eines Werk- oder Konstruktionsteils in Metall, Stein, Holz, Gips, Wachs, Stoff, Papier, Kork oder Sondermaterialien (Brot, Rüben)“.4Es wird für verschiedene Zwecke verwendet, die im Folgenden unterschieden werden sollen.

Entwurfsmodelle werden genutzt, um einen geplanten Bau zu veranschaulichen. Des Weiteren gibt es nachgebaute Modelle nach vorhandenen Bauwerken, die entweder der Veranschaulichung der Konstruktionsmerkmale dienen sollen, als Lehrmodelle genutzt werden oder als Erinnerung an Bau-

3Vgl.Oswald, Ansgar,Meister der Miniaturen-Architektur Modellbau,S. 15.

4Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte,A - Baubetrieb,S. 921.

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Die Geschichte des Architekturmodells 6

werke, die zum Abriss bestimmt waren. Einen dritten Komplex stellen die Idealmodelle oder auch Phantasiemodelle dar, die meist unrealisiert bleiben.5Das Architekturmodell vermittelt demnach Informationen zur Planung und zum Entwurfsprozess. Weiterhin gibt es Informationen über den ursprünglichen Bauzustand eines Gebäudes sowie über spätere Veränderungen des betreffenden Bauwerks.6

Es kann nicht durch einen einzigen Blick erschlossen werden, wie ein Bild oder ein Einzeleindruck einer perspektivischen Ansicht. Der Betrachter muss gedanklich alle Teilansichten zusammensetzen, um ein Modell räumlich zu verstehen.7

2.2 Herausbildung der Reliefkunst

Beschäftigt sich diese Arbeit doch vornehmlich mit dem Architekturmodell, so ist es in diesem Kontext auch wichtig das Relief zu betrachten, da es in einer gewissen Verwandtschaft zum Architekturmodell steht und ebenfalls als Modell angesehen werden kann. Es soll jedoch nur im Hinblick auf die Erklärung der Entwicklung des Architekturmodells betrachtet werden. Laut Bürgi stellt das Relief generell ein Landschafts-, Berg- oder manchmal auch ein Stadtmodell dar. Es sind dreidimensionale Abbildungen von Teilen der Erdoberfläche, die meist maßstabsgetreu angelegt sind.8Hier lässt sich eine Parallele zum Architekturmodell aufzeigen, da es sich dabei ebenfalls um ein dreidimensionales Modell handelt. Weiterhin stellt Bürgi fest, dass ein Relief ein kartenverwandtes Produkt darstellt.9Hier wird auf den Orientierungscharakter des Reliefs angespielt. Mit Hilfe eines Reliefs kann eine Landschaft erfahrbar und vorstellbar gemacht werden. Ebenso verhält es sich beim Architekturmodell, dass ebenfalls der Veranschaulichung dient. In diesem Fall der Veranschaulichung eines Gebäudes und nicht nur der Visualisierung einer Landschaft.

5Vgl. Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte,A - Baubetrieb,S. 921f.

6Vgl. Reuther, Hans; Ekhart Berckenhagen,Deutsche Architekturmodelle: Projekthilfe zwischen 1500

und 1900,S. 11.

7Vgl. Lepik, Andreas,Das Architekturmodell in Italien 1335-1500,S. 10.

8Vgl. Bürgi, Andreas (Hrsg.),Europa Miniature - Die kulturelle Bedeutung des Reliefs, 16.-21. Jahr-

hundert,S. 13.

9Vgl. Bürgi, Andreas (Hrsg.),Europa Miniature - Die kulturelle Bedeutung des Reliefs, 16.-21. Jahr-

hundert,S. 13.

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Die Geschichte des Architekturmodells 7

Zeitlich gesehen trat das Relief in Europa in der Architektur des Mittelalters auf. Es sollte ein Hilfsmittel bei der Umsetzung komplexer Bauvorhaben sein.10Aus ihm entwickelten sich folglich im Mittelalter die Architekturmodelle, auf die jedoch erst im folgenden Kapitel eingegangen wird. Die Reliefs wurden in ihren Anfängen häufig zu militärisch-strategischen Zwecken eingesetzt. Sie dienten der Überprüfung von Verteidigungsmaßnahmen und stellten im Gegensatz zur zweidimensionalen Kartografie einen essentiellen Vorteil dar, weil es für die Verteidigung notwendig war, die Höhenunterschiede einer Landschaft zu kennen.11

„Anschaulichkeit ist die vielleicht wichtigste Konstante beim Bau von Reliefs“12, konstatiert Bürgi schließlich und damit unterstützt er den Vergleich von Relief und Architekturmodell. Das Architekturmodell stellt somit einen Teil eines Reliefs dar, das sich jedoch in eine eigene Richtung entwickelt hat und zu einem Instrument für Architekten wurde, welches bei der Planung und Ausführung eines Bauwerks half.

2.3 Entwicklung des Modellbaus

Wie wichtig das Architekturmodell für die bauliche Umsetzung ist, zeigt bereits die frühe Verwendung von Architekturmodellen in derAntike.Zunächst handelte es sich dabei bevorzugt um Wachsmodelle. Auch Holzmodelle aus der Zeit sind literarisch überliefert. EinMarmormodell eines Bühnenhauses(Abb. 1) ist bis heute erhalten und im Museo Nazzionale in Rom zu sehen.13Über 4000 Jahre alte Modelle

gibt es außerdem im Museum of Modern Art in New York, im Louvre und im Metropolitan Museum zu sehen. Diese sind jedoch hinsichtlich ihrer damaligen Nutzung zur

Architekturplanung nicht ausreichend analysiert worden. Es gibt laut Lepik

10Vgl. Bürgi, Andreas (Hrsg.),Europa Miniature - Die kulturelle Bedeutung des Reliefs, 16.-21. Jahr-

hundert,S. 15.

11Vgl. Bürgi, Andreas (Hrsg.),Europa Miniature - Die kulturelle Bedeutung des Reliefs, 16.-21. Jahr-

hundert,S. 16.

12Bürgi, Andreas (Hrsg.),Europa Miniature - Die kulturelle Bedeutung des Reliefs, 16.-21. Jahrhun-

dert,S. 16.

13Vgl. Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte,A - Baubetrieb.,S. 922f.

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Die Geschichte des Architekturmodells 8

neuere Untersuchungen in diesem Bereich, die jedoch noch keine Ergebnisse liefern können. Was jedoch bewiesen ist, dass es in der Antike sogenannte Paradeigmata gab, die als Modelle in original großem Maßstab Vorlagen zur Anfertigung von Kapitellen, Gesimsen und anderem bauplastischen Material darstellen sollten. Diese wurden jedoch erst nach Baubeginn hergestellt und dienten somit nicht der Baukonzeption sondern der Konstruktion. In den zehn Büchern Vitruvs über die Architektur ist von Modellen nicht berichtet worden. Über gezeichnete Pläne hingegen ist dort durchaus etwas zu erfahren, denn er stellt die Geometrie und die Zeichnung als die grundlegenden Kenntnisse des Architekten heraus.14Es gibt somit aus der Antike schon In-formationen über Architekturmodelle, aber auch über zeichnerische Planung.

Aus demMittelaltersind Modelle ausschließlich literarisch überliefert. Die frühmittelalterlichen Modelle stehen noch in Verbindung zur antiken Tradition des Modellbaus. Aus dem hohen Mittelalter hingegen fehlen Informationen über den Modellbau. Es wird vermutet, dass der Gebrauch von Teilmodellen weiter bestanden hat, jedoch ist nicht eindeutig nachweisbar, dass es in dieser Zeit Gesamtmodelle gegeben hat. Dies lässt sich dadurch begründen, dass ein Gesamtmodell eine Totalvorstellung des geplanten Bauwerks voraussetzt. Eine solche Totalvorstellung, die den Bau in jedem Einzeldetail festlegt, entspricht jedoch nicht den damaligen Vorstellungen der Baupraxis.15