Moderation ist Gold - Horst Hanisch - E-Book

Moderation ist Gold E-Book

Horst Hanisch

4,8

Beschreibung

Grundlagen der effizienten Leitung von Gesprächsrunden. „Eine Frage, bitte.“ Fragebögen und Interviews mit Spannungsbogen aufbauen. Dabei lenkende Fragetechniken einsetzen. Gespräche erfolgreich führen und Gesprächsrunden zielorientiert leiten. Das vorliegende Buch geht auf die Bereiche Moderation, Talkrunden, Umfragen, Gesprächsführung und weitere Dialogformen ein. Es zeigt, wie eine Gesprächsrunde richtig zu leiten ist, wie Manipulationen auszuweichen ist, und wie ein zielorientiertes Ergebnis erreicht werden kann. Der Inhalt ist in folgende Themen gegliedert: • Wechselwirkung und Beeinflussung • Die zwischenmenschliche Kommunikation • Die Gruppendynamik • Gerücht und Schuld • Vom Monolog über Dialog zu Gesprächsrunden • Modelle zur Gesprächsführung • Interviews, Umfragen, Befragungen • Manipulation durch Statistik • Organisatorisches

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Hinleitung zum Thema – Vorwort

„Ich heiße Sie herzlich willkommen…“

Habe keine Angst vor Perfektion. Du erreichst sie nie.Salvador Dali, span. Maler (1904 – 1989)

„… zu unserer heutigen Gesprächsrunde.“

„Jeden Tag treffen sie sich aufs Neue, die Zeitdiebe und Selbstdarsteller, die Nörgler und die Schweiger. Bei Kaffee und Keksen fühlen sich die einen wichtig – und die anderen sind schwer genervt. Doch die Wahrheit ist: Viele Treffen sind komplett überflüssig. Warum will dennoch niemand daran rütteln?“ So titelt die Süddeutsche Zeitung am 14./15.12.2013.

Wir rütteln daran! Denn: Wir reden miteinander und wir reden zu anderen. Wir sprechen, diskutieren, tragen vor, kommunizieren, diskutieren und so weiter und so weiter. Hören wir auch einander zu? „Klar“, mögen Sie sagen, „höre ich auch meinem Gesprächspartner zu. Sonst wüsste ich ja gar nicht, was ich dem anderen entgegnen soll.“ Also scheint das Zuhören ein elementarer Teil einer Kommunikation zu sein. Wir setzen dabei Stillschweigen voraus, damit die Kommunikation auch einen Erfolg im weitesten Sinne erzielen kann.

Im vorliegenden Buch schauen wir, wie Gesprächsrunden optimal zu moderieren sind, wie Interviews zielorientiert umgesetzt werden können. Natürlich bleibt es nicht aus, den Bereich der Manipulation in diesem Zusammenhang zu betrachten. In dem Moment, wenn Sie, liebe Leserin, lieber Leser, erkennen, wie manipuliert werden kann, sehen Sie auch, wie Sie sich gegen Versuche der Manipulation wehren können.

Wir betrachten auch Gesprächsrunden und Dialoge verschiedener Art. In der Regel wird unterstellt, dass einige Menschen zusammentreffen, um sich auszutauschen. Um ihre Meinung darzustellen – und – im positiven Sinne – zuzuhören, was der Gesprächspartner zu sagen hat.

Manch ein Gesprächspartner hat sich als Ziel gesetzt, möglichst viel eigene Meinung zu vermitteln, ohne auf die Ideen oder Einwände anderer Rücksicht zu nehmen. Wer am lautesten schreit, muss noch lange nicht Recht haben. Und wer die meisten Redebeiträge bringt, muss nicht zwangsläufig die besten Ideen sein Eigen nennen. Es ist ohne weiteres denkbar und auch deshalb anzunehmen – und sogar richtig –, dass auch ruhigere Gesprächspartner, die sich nicht stark artikulieren können oder wollen, brillante Gesichtspunkte in eine Gesprächsrunde bringen können.

Damit die Aktiven beruhigt und die Passiven gestärkt werden können, wurde die Position des Gesprächsleiters bzw. der Gesprächsleiterin eingeführt. Diese Person hat einige – entscheidende – Aufgaben in seriösen Gesprächsrunden zu übernehmen. Deshalb werden wir uns überwiegend der Aufgabe dieser Person widmen, wobei wir meistens von einem Moderator bzw. einer Moderatorin ausgehen.

Neben dem Standardwerk des Autors ‚Körpersprache und ihre Geheimnisse’, das ausschließlich auf nonverbale Kommunikation ausgerichtet ist, sowie dem Buch ‚Reden ist Silber’, in dem überwiegend dem gesprochenen Wort während einer Präsentation oder eines Vortrags Rechnung getragen wird, liegt im vorliegenden Buch der Schwerpunkt auf der Art und Weise, wie in einer Gesprächsrunde miteinander kommuniziert wird.

Diese Person achtet nicht nur auf das gesprochene Wort, sondern auch auf das ‚Drumherum’. Geschulte Moderatoren werden dieses Wissen berücksichtigen. Sie werden auch die räumlichen Gegebenheiten entsprechend der Zielsetzung herrichten (lassen), und sie werden auf die sozialen Strukturen der Gesprächsteilnehmer untereinander Rücksicht nehmen.

Ein interessanter Teil des Buches zeigt die Dynamik von Teilnehmern in Gruppen auf. Wie kann der Moderator diese Dynamik steuern, wie geht er mit kritischen Einwänden oder sogar unprofessionellem Verhalten um?

Da wir uns thematisch im zwischenmenschlichen Bereich bewegen, mögen mir die Leserin und der Leser es nachsehen, wenn ich auf den einen oder anderen Punkt ausführlicher eingehe und dadurch das eine oder andere etwas subjektiv betrachtet erscheinen mag.

Um trotzdem möglichst viel Objektivität einzubringen, nehme ich mir als Autor und Mensch die Freiheit, auf das Wissen und die Erfahrung anderer Menschen rückzugreifen. Deshalb nutze ich hier die Gelegenheit, mich bei einigen Menschen auf diesem Wege zu bedanken, die mich psychisch und physisch bei der Realisierung dieses Projekts selbstlos unterstützten.

Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, wünsche ich ein gutes Gelingen bei Ihren zukünftigen Vorträgen, Gesprächsleitungen, Moderationen und anderen rhetorischen Herausforderungen. Auf dass Sie in Zukunft all das, was Sie vermitteln wollen, rhetorisch professionell aber doch menschlich und vor allem überzeugend umsetzen.

Horst Hanisch

Inhaltsverzeichnis

HINLEITUNG ZUM THEMA – VORWORT

„I

CH HEIßE

S

IE HERZLICH WILLKOMMEN

…“

„… zu unserer heutigen Gesprächsrunde.“

KAPITEL 2 – DIE ZWISCHENMENSCHLICHE KOMMUNIKATION

W

IE FUNKTIONIERT

K

OMMUNIKATION

?

Das Sender-Empfänger-Modell – Wahr ist das, was B versteht; nicht das, was A sagt

Selbstkonzept des Empfängers – Eigene Beeinflussung

KAPITEL 3 – DIE GRUPPENDYNAMIK

D

AS

V

ERHALTEN DER

G

ESPRÄCHSPARTNER IN EINER

G

ESPRÄCHSRUNDE

Aktive und passive Zuhörer

Der Typ Mensch – Die Dynamik in einer Gesprächsgruppe

KAPITEL 4 – GERÜCHT UND SCHULD

S

CHULDZUWEISUNG

Du bist schuld

Das Entstehen von Missverständnissen – Der Gerüchtetest

Hilfreiche Kommunikations-Strategien… und die Vermeidung von Missverständnissen

Gezielt Missverständnisse erzeugen?

KAPITEL 5 – VOM MONOLOG, ÜBER DIALOG ZU GESPRÄCHSRUNDEN

D

ER MENSCHLICHE

M

ONOLOG

„Ich kam, ich sah, ich siegte“…

Der zwischenmenschliche Dialog

Hören, zuhören, aktiv zuhören

Gegenseitiger Respekt im Dialog

Sprachliche Technik

Dialogformen – Vom Monolog zum Dialog

Gespräche und Talk-Runden – Die Gesprächsleitung

Moderation – Diskussion – Talk-Runde – Polit-Talk

Sich spiegeln

Taktik und Gegen-Taktik

Diskussionsrunden

Die Talk-Runde

Der Polit-Talk

Das Streitgespräch

TV-Duell

Bundespressekonferenz

Die Gesprächsrunde eröffnen und schließen

KAPITEL 6 – MODELLE ZUR GESPRÄCHSFÜHRUNG

D

IE

M

ODERATIONSRUNDE

Die fünf Phasen einer Besprechung

Realistische Zielsetzung

Der Fünfsatz – In fünf Schritten zum Ziel

Das Brainstorming – Schnell neue Gedanken finden

Die destruktiven Killerphrasen

Persönliches Phasen-Modell nach einem ‚Schockerlebnis’

Die eigene realistische Zielsetzung

KAPITEL 7 – INTERVIEWS, UMFRAGEN, BEFRAGUNGEN

D

IE

U

MFRAGE AUF DER

S

TRAßE

Das Interview und die Umfrage

Methodik

Typische Befragungsfehler

Fragearten – Wer fragt, führt

Gegenüberstellung offener und geschlossener Fragen

Fragetechniken

Der Fragebogen

Ist eine Manipulation durch eine Fragefolge möglich und erlaubt?

Was bedeutet Manipulation?

Neugierde ist eine Zier…

Die Umfrage – Vorbereitung

Das Experiment von Solomon Asch – Konformität und Gruppenzwang

Die praktische Umfrage auf der Straße

200 Lügen am Tag?

KAPITEL 8 – MANIPULATION DURCH STATISTIK

L

ÜGT DIE

S

TATISTIK

?

Manipulation oder gesteuerte Darstellung des Ergebnisses

Darstellung der Ergebnisse

Staunen und Schweigen

KAPITEL 9 – ORGANISATORISCHES

R

ÄUMLICHE UND INHALTLICHE

V

ORBEREITUNG

Der geeignete Vortragsraum – Der geeignete Raum für die Gesprächsrunde

Die Memo-Karte – Der Spickzettel für den Präsentierenden bzw. den Moderator

Visualisierung – Der Einsatz von Medien und Hilfsmitteln

Hand-outs und Unterlagen

Organisatorisches klären – „Wo ist hier das Klo?“

Struktur der Präsentation

Aufbereitung des Inhalts. Sammeln – ordnen – fertigstellen

INDEX

KNIGGE ALS SYNONYM UND ALS NAMENSGEBER

Kapitel 1 – Wechselwirkung und Beeinflussung

Was A sagt und B versteht

Wenn ich meinen Nächsten verurteile, kann ich mich irren, wenn ich ihm verzeihe, nie.Karl Heinrich Waggerl, österr. Schriftsteller (1897 – 1973)

Ständige gegenseitige Beeinflussung

Gesprächspartner in einem Dialog oder in einer Gesprächsrunde beeinflussen sich gegenseitig. Sie beeinflussen auch den Gesprächsleiter, so wie dieser die Gesprächsteilnehmer ständig beeinflusst. Deshalb ist es sinnvoll, sich schon im Vorfeld mit seinen Gesprächspartnern gedanklich auseinanderzusetzen. Besonders gilt das dann, wenn Sie die Rolle der Gesprächsführung übernehmen, also die Rolle des Moderators oder der Moderatorin bzw. des Trainers oder des Coaches, einnehmen.

Die Grundhaltung des Präsentierenden bzw. des Moderators

Die Grundhaltung des Moderators zu seinen Gesprächspartnern beeinflusst demnach den Ablauf der Gesprächsrunde sehr stark. Erscheint Ihre Grundhaltung als überheblich, arrogant, ängstlich, unterwürfig usw., werden die Gesprächspartner entsprechend reagieren. Die korrekte Grundhaltung ist ‚selbstbewusst’ und ‚gleichberechtigt’ allen Teilnehmern gegenüber. Gleich, ob ein Arbeitsloser oder ein Professor die Rolle des Gesprächspartners übernimmt, für den Moderator sind sie alle ‚gleich viel wert’.

Wer sind die Zuhörer, wer sind die Gesprächsteilnehmer?

Überlegen oder erfragen Sie beim Auftraggeber im Vorfeld, welche Zielgruppe zu erwarten ist. Zum Beispiel:

Schüler/Schülerinnen

Auszubildende

Berufsschüler/-schülerinnen

Studenten/Studentinnen

Hausfrauen/Hausmänner

Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen

Vorgesetzte

Manager/Managerinnen

Selbstständige

Rentner/Rentnerinnen/Pensionäre

Arbeitslose

Frauen

Männer

Ausländer/Ausländerinnen

körperlich eingeschränkte Menschen

Selbstzahlende (Seminargebühr)

Eingeladene

Familie/n

Freunde

Handwerker

Akademiker

Adlige

Menschen aus sozial schwachen Kreisen

Menschen aus sozial starken Kreisen

und andere

Wechselwirkung untereinander

‚Wie wir in den Wald hineinrufen, so schallt es heraus!’ Was ist damit gemeint?

Manche Moderatoren begehen den Fehler, ihre Gesprächspartner ‚nur’ als laufende Nummern, als austauschbare Einheiten zu sehen. Darin liegt eine große Gefahr. Der Gesprächspartner ist sensibel. Er spürt genau, wie mit ihm umgegangen wird. Entsprechend wird er mit dem Moderator umgehen. Sieht der Moderator den Gesprächspartner ‚nur als Berufsschüler’, wird dieser den Moderatoren ‚nur als ‚besserwissenden’ ‚Be-lehrer’ sehen. Das scheint nicht gerade der fruchtbare Boden für eine gute Zusammenarbeit zu sein.

Deshalb der Appell an alle Moderatoren und Gesprächsleiter:

„Sehen Sie Ihre Teilnehmer als interessante menschliche Individuen, die die Energie aufbringen, mit Ihnen zusammen einen Teil ihres Lebens zu verbringen und am Ende der Gesprächsrunde mit neuen Erkenntnissen nach Hause gehen.“

Bedürfnisse der Zuhörer

Jeder Mensch hat Bedürfnisse, also auch die Gesprächspartner. Nach Abraham Harold Maslow, US-Psychologe (1908 – 1970), hat der Mensch unten aufgelistete Bedürfnisse (vereinfachte Darstellung).

Der Mensch hat Motive und Bedürfnisse. Durch die Befriedigung der Bedürfnisse wird der Mensch motiviert. Nach Maslow hat die Motivation einen dilatorischen (aufschiebenden) Charakter.

Erst wenn fundamentale Bedürfnisse befriedigt sind, kommt ein nächsthöheres Bedürfnis ins Blickfeld. Die Bedürfnisse bauen in 5 Stufen aufeinander auf, wobei zuerst die unterste Stufe 1, dann Stufe 2 und so fort befriedigt werden muss.

Hier die Darstellung in der Maslow-Pyramide.

1. Stufe: Physische Bedürfnisse/Physiologische Bedürfnisse

Dazu gehören: Essen, Trinken, Schlaf, Bewegung, Selbsterhaltung, Sexualität, Wärme.

2. Stufe: Sicherheits-Bedürfnisse

Dazu gehören: Materielle Sicherheit, Sicherheit des Existenzminimums, allgemeines Schutzbedürfnis, Altersvorsorge, Versicherung, Bedürfnis nach stabilen Verhältnissen, Liebe oder Zuneigung im Sinne der Geborgenheit.

3. Stufe: Liebes-Bedürfnisse, Soziale Bedürfnisse

Dazu gehören: Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe oder Gesellschaft, Freundeskreis, Bekanntschaften, Gesellung, Liebe oder Zuneigung im Sinne der Zuwendung, Verein.

4. Stufe: Wertschätzungs-Bedürfnisse, Ich-bezogene Bedürfnisse

Dazu gehören: Bedürfnisse nach dem eigenen Ich, Anerkennung durch andere, Status, Macht, Achtung durch andere, Selbstachtung, Selbstvertrauen, Geltungsbedürfnis.

5. Stufe: Bedürfnisse nach Selbstverwirklichung

Dazu gehören: Bedürfnisse nach dem inneren Ich, volle Entfaltung, volle Selbstverwirklichung, Zurückgezogenheit, volle Verwirklichung der eigenen Möglichkeiten.

In der 5. Stufe findet sich möglicherweise auch der so genannte Flow Effekt, ein blitzartiger Augenblick intensiven Lebens. (Nach dem Kroaten Mihaly Csikszentmihalyi [sprich: Tschik-zent-mihai], Happyologe, *1934)

Beispiel zur Berücksichtigung der Bedürfnisse:

Ein Zuhörer kann müde werden und demnach das Bedürfnis nach Schlaf haben. Vielleicht hat er auch Hunger und dadurch das Bedürfnis nach Nahrungsaufnahme.

In beiden Fällen wird es dem Zuhörer schwer fallen, sich auf das Gespräch zu konzentrieren. Da die Bedürfnisse der Zuhörer schwerer wiegen als der Wunsch zuzuhören, werden die Zuhörer unaufmerksam, ja, sie werden gegebenenfalls den Vortragenden/Präsentierenden sogar stören.

Deshalb sollte sich der Redner sich überlegen, welche Bedürfnisse der Zuhörer haben könnte und dem Teilnehmer rechtzeitig die Möglichkeit bieten, diese Bedürfnisse zu befriedigen.

Konkret heißt das zum Beispiel:

entsprechende Pausenplanung

Raumgestaltung (Luft, Licht, Sitzordnung usw.)

Organisatorisches (wo sind Waschräume, Toiletten, wo kann geraucht werden, wie sind die Spielregeln?)

Falls Sie vor sehr großer Menschenmenge zu sprechen haben, mögen folgende Hinweise Ihr Interesse wecken:

Massenkommunikation

Wer weiß, wie Massen beeinflusst werden können, hat eine große Macht. Die Macht der Manipulation im positiven wie im negativen Sinne. Natürlich weiß der Wissende auch, wie er sich gegen diese Manipulation wehren kann.

Die Masse und die Medien

Der Begriff ‚Massenmedien’ ist den meisten geläufig, aber nicht eindeutig. Es kann sich um

Zeitungen,

Illustrierten,

Rundfunk,

Tonträger,

Fernsehen

Internet

und andere handeln.

Bei den Massen wird unterschieden zwischen

Medialer Masse und

Präsenter Masse.

Die mediale Masse bilden zum Beispiel Fernseh-Zuschauer, die getrennt die Sendung verfolgen. Die präsente Masse bilden die Zuschauer, die zum Beispiel alle gleichzeitig bei einem Open-Air-Konzert anwesend sind.

Die Medien bilden sozusagen die Brücke zwischen dem Ort des Geschehens und der jeweiligen Masse.

Beeinflussung der Masse

Um eine Masse zu beeinflussen und deren Interessen zu erreichen, können folgende Punkte umgesetzt werden:

  Grunderregungen anregen

   Mitleid, Trauer

  Mitmenschliche Ansprache wählen

   Bekannte Persönlichkeit, Medienstar

  Ansprechauswahl

   Was die Mehrheit der Angesprochenen für richtig hält (die gängige Meinung), lässt sich leicht verstärken

  Moralbonus

   Das Werteempfinden moralischer Punkte ist hoch

Massenverhalten

Was unterscheidet das Verhalten einer Person in seinem Alltag von der in einer Masse? In der Masse wird die Vernunftsteuerung des Einzelnen durch die kollektive Instinktsteuerung der Masse überlagert. Deshalb wird sich der Einzelne in der Masse, zum Beispiel in einer Notsituation oder unter anderem psychischen Druck massenkonform verhalten und damit teilweise voraussehen.

Und genau das ist der Punkt, der es dem Massenmedien Nutzenden relativ einfach macht, seine eigene Meinung zu verbreiten, und zwar so, dass sie auf fruchtbaren Boden trifft.

Mit packendem Titel potentielle Interesse wecken

Was nutzt ein hoch interessantes Thema, wenn niemand weiß, dass es behandelt wird? Was nutzt eine mitreißende Präsentation, wenn keine Zuhörer anwesend sind? Also muss das Thema so verpackt sein, dass Neugierde beim Teilnehmer geweckt wird.

Zum Beispiel:

  Allein erziehend und berufstätig – wie geht das?

  Kennen Sie Ihre Rechte? – Arbeitsrecht für Arbeitnehmer/innen.

  Mit Pubertierenden leben – Krise oder Chance?

  Der Erste Eindruck – Überzeugen in den ersten 7 Sekunden. Aber wie?

  The Winner – Strategien für mehr Selbstbewusstsein.

  Kinder brauchen Grenzen – aber welche?

Titel mit Fragezeichen?

Welcher Titel mag einen Interessierten mehr ansprechen und hört sich seriöser an?

  ‚Frauen sind intelligenter’ oder ‚Sind Frauen intelligenter?’

  ‚Bananen essen macht schlank’ oder ‚Macht Bananen essen schlank?’

Ist der Titel bereits eine Aussage, hat sich der Präsentierende auf das Ergebnis fixiert. Das heißt, dass der Zuhörer vor Beginn des Vortrages oder der Präsentation bereits weiß, wie das Ergebnis sein wird. Demnach ist die Spannung, die der Teilnehmer mitbringt, eher gering ausgeprägt. Wird der Titel hingehen als Frage – einfach so in den Raum geworfen, dann kann der Teilnehmer das Ergebnis nicht schon zu Beginn wissen.

  Wird der Mensch in Zukunft unsterblich sein?

Ein solcher Titel baut ganz sicher Neugierde und/oder Spannung auf. Der Teilnehmer ist interessiert und fragt sich möglicherweise:

  „Na, mal sehen, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse vorliegen.“

  „Das hätte ich aber gerne gewusst.“

  „Kann ich mir nicht vorstellen. Oder wird es vielleicht doch möglich sein?“

Titel mit Ausrufezeichen!

  ‚Schule macht dumm!’ oder ‚Die Deutschen sind zu dick!’

Auch mit solchen – allerdings provozierenden – Titeln, kann Aufmerksamkeit erregt werden. Titel mit Ausrufzeichen sorgen allerdings gerne entweder für:

  aufkeimende Aggressionen

   Zum Beispiel bei Lehrern: „Die spinnen wohl, so was zu behaupten.“

   Zum Beispiel bei dicken Menschen: „Da geh’ ich schon gar nicht hin – ich will mich ja nicht blamieren.“

oder für

  aufflackernde Schadenfreude

   Zum Beispiel bei Schulsystemgegnern: „Das hab’ ich ja schon immer gesagt.“

   Zum Beispiel bei schlanken Menschen: „Gut, dass es mich nicht betrifft.“

Wenn das Ziel der Präsentation eine folgende Diskussion mit deutlich verschieden ausgerichteten Meinungen sein soll, dann mag ein Titel mit Ausrufezeichen angebracht sein.

Der Titel muss dem Inhalt entsprechen

Die Teilnehmer werden ungeduldig, wenn sie feststellen, dass ihre in das Thema gesetzten Erwartungen nicht erfüllt werden. Das Seminar mit dem Titel

  10 Tipps zum Glücklich werden

   entpuppt sich als reine Verkaufsshow für DVDs, CDs und Bücher.

  10 aktuelle Steuertipps

   zeigt längst überholte Tipps auf, die teilweise nicht mehr umsetzbar sind.

  Eine Reise durch Thailand

   bearbeitet zu 75% der Vortragszeit das Leben der buddhistischen Mönche.

Es hat kaum jemand etwas gegen reißerische Titel einzuwenden. Die Erwartung der Teilnehmer muss aber aufgrund der Titelwahl erfüllt werden. Eine Mogelpackung wird nur einmal gekauft.

Selbes Thema – anderer Titel

Manchmal lässt sich ein Thema nicht gut vermarkten. Nur Wenige zeigen Interesse. Liegt es an den Kosten für das Seminar, am Ort der Präsentation, am Zeitpunkt? Oder hilft eine Auffrischung des Titels, einen entsprechenden Zulauf zu erreichen?

  Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau’. Oder vielleicht doch ‚Die Frau schlägt zurück: Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau?’

  ‚Geschäfte mit dem Internet’. Oder ‚Business im

Inter.net

!’

Oder vielleicht noch besser ‚

[email protected]

!’

Ist Sprachengemisch erlaubt?

Immer wieder tauchen Anglizismen (englische Spracheigentümlichkeiten) in der deutschen Sprache auf. Je nach Zielgruppe darf – oder muss (im Sinne der Verkaufsförderung) – der Titel in einer anderen Sprache gegeben werden. Eine junge, dynamische Zielgruppe wird auf andere Titel ansprechen als ein zurückgezogen lebender Senior. Bereits durch den Titel lässt sich die Zielgruppe beeinflussen.

  Fit for future

  Ausgewogenheit im Alter

  Wellness für die Frau ab 50

Nichtssagende Titel