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Montezumas Goldschatz E-Book

Alfred Wallon

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Beschreibung

Martin Haller Entdecker – Forscher - Abenteurer Band 2 von Alfred Wallon Der Umfang dieses Buchs entspricht 120 Taschenbuchseiten. Professor Gerald Carney und seine Tochter Melissa sind zu einer wissenschaftlichen Expedition in den Süden Mexikos aufgebrochen. Der Professor sucht nach dem legendären Goldschatz des Aztekenfürsten Montezuma. Martin Haller, Peter Jacobs und deren Gefährte Chidi sollen den Professor und seine Tochter auf dieser Reise begleiten. Schon bevor die drei Freunde mit dem Professor zusammentreffen, werden sie Zeuge eines Überfalls von mexikanischen Banditen ,die ihren gefangenen Kumpan aus einem Zug befreien wollen. Haller und seine Gefährten können das gerade noch verhindern. Sie ahnen jedoch nicht, dass sie diesen Banditen in der abgelegenen Bergregion wenige Tage später erneut begegnen werden – und deren Anführer hat mit den Abenteurern noch eine Rechnung offen ... 1930: MARTIN HALLER – ENTDECKER – FORSCHER – ABENTEURER – Romane aus einer Zeit, als es noch viele unentdeckte Regionen auf der Weltkarte gab. Spannung und Abenteuer pur – geschrieben von Alfred Wallon

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Seitenzahl: 127

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Alfred Wallon

Montezumas Goldschatz

Martin Haller Band 2 - Cassiopeiapress Spannung/ Edition Bärenklau

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

MONTEZUMAS GOLDSCHATZ

Martin Haller

Entdecker – Forscher - Abenteurer

Band 2

von Alfred Wallon

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 120 Taschenbuchseiten.

 

Professor Gerald Carney und seine Tochter Melissa sind zu einer wissenschaftlichen Expedition in den Süden Mexikos aufgebrochen. Der Professor sucht nach dem legendären Goldschatz des Aztekenfürsten Montezuma. Martin Haller, Peter Jacobs und deren Gefährte Chidi sollen den Professor und seine Tochter auf dieser Reise begleiten.

Schon bevor die drei Freunde mit dem Professor zusammentreffen, werden sie Zeuge eines Überfalls von mexikanischen Banditen ,die ihren gefangenen Kumpan aus einem Zug befreien wollen. Haller und seine Gefährten können das gerade noch verhindern. Sie ahnen jedoch nicht, dass sie diesen Banditen in der abgelegenen Bergregion wenige Tage später erneut begegnen werden – und deren Anführer hat mit den Abenteurern noch eine Rechnung offen ...

1930: MARTIN HALLER – ENTDECKER – FORSCHER – ABENTEURER – Romane aus einer Zeit, als es noch viele unentdeckte Regionen auf der Weltkarte gab. Spannung und Abenteuer pur – geschrieben von Alfred Wallon

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2015 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

[email protected]

EDITION BÄRENKLAU, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius

Martin Haller – Entdecker, Forscher, Abenteurer – Band 2

Roman © by Alfred Wallon und Edition Bärenklau, 2015

1. Kapitel: Der Überfall der Bandoleros

Die Gegend, durch die der vollbesetzte Zug fuhr, war einsam und öde. Nur vereinzelt unterbrachen Yuccakakteen und verdorrte Sträucher das eintönige Bild dieses Landstriches. Die Sonne brannte heiß vom Himmel, und kein einziges Wölkchen war in Sicht. Der Himmel mochte wissen, wann es hier zum letzten Mal geregnet hatte.

Die Luft im Zugabteil war zum Schneiden dick. Wir hatten es uns auf zwei engen Sitzbänken so bequem gemacht, wie es die augenblickliche Situation zuließ. Bequem, das hieß für uns, inmitten von schnatternden Enten und schwatzenden Einheimischen, die ihre Waren auf dem Markt der nächstgrößeren Stadt anbieten wollten, auszuharren, so lange, bis wir unser Ziel erreicht hatten. Aber bis dahin würden noch gut drei Stunden vergehen, wenn der Zug sein Tempo nicht steigerte. Ich spürte, dass eher das Gegenteil der Fall sein würde.

Wir hatten am frühen Morgen in Ciudad-Juarez den Zug bestiegen und waren nun auf dem Weg in den tiefen Süden des Landes, wo wir uns in der kleinen Stadt Permora mit Professor Gerald Carney und dessen Tochter Melissa treffen wollten. Der Brief des Professors hatte uns in Mexico City erreicht, wo wir vor gut zwei Wochen eine Zwischenstation eingelegt hatten. Da wir ohnehin auf dem Weg nach Süden waren, kam uns die Einladung des anerkannten Archäologen mehr als recht. Zumal schon viele Monate vergangen waren, seit wir das letzte Mal hier gewesen waren.

Chidi stand der Schweiß förmlich auf der Stirn, und auch Martin und mir erging es nicht viel besser. Selbst das halb geöffnete Fenster verschaffte uns und den übrigen Fahrgästen nur wenig Kühlung. Hier im Inneren des Abteils herrschte eine stickige Hitze, die einem den Schweiß aus allen Poren trieb, selbst wenn man stillsaß und sich nur so wenig wie möglich bewegte.

Eine der zahlreichen Indiofrauen, die mit Ihren vollbepackten Körben den schmalen Durchgang in der Mitte des Waggons schon fast blockierten, lächelte mich freundlich an und drückte mir eine frische Orange in die Hand. Ich bedankte mich mit einem höflichen Nicken bei ihr, weil mir die Zunge tatsächlich schon am Gaumen klebte. Jede Art von Erfrischung war mir recht, und als die Frau sah, wie intensiv Martin und Chidi auf die Frucht blickten, da hatte sie nun doch Mitleid mit den beiden und gab ihnen auch eine Orange.

"Gracias", sagte ich noch einmal zu ihr und sah, wie sie sich über dieses schlichte Wort freute. Oft bekam Sie das wohl nicht zu hören.

Während ich meine Orange schälte und sie mir schmecken ließ, hatte ich den Eindruck, als ob mich jemand in diesem Moment besonders intensiv beobachtete. Unwillkürlich wandte ich den Kopf und blickte zum Ende des überfüllten Waggons.

Richtig, mein Gefühl hatte mich nicht getäuscht. Der stoppelbärtige Kerl in schweren Handschellen, der von drei Rurales - Angehörigen der mexikanischen Polizei - bewacht wurde, starrte mich an, oder besser gesagt die saftige Orange, deren Saft mir von den Händen tropfte. Liebend gerne wäre er jetzt wohl an meiner Stelle gewesen, denn er litt unter der Hitze im Waggon. Aber bei seinen ausdruckslos dreinschauenden Bewachern würde er wohl auf Granit stoßen, wenn er sie um einen Schluck Wasser bat.

Was der Mexikaner, dessen Züge einen Schuss Indioblut aufwiesen, verbrochen hatte, konnte keiner von uns sagen. Wir hatten nur bemerkt, dass die drei Polizisten mit ihrem Gefangenen eine halbe Stunde vorher in einem kleinen Dorf irgendwo weiter nördlich am Schienenstrang zugestiegen waren und den Burschen seitdem keine Sekunde aus den Augen ließen. So wurde normalerweise nur jemand behandelt, der eine gehörige Portion Dreck am Stecken hatte.

Die Indiofrau bemerkte meinen Blick, stieß mich kurz an und winkte heftig ab. Ihre Miene verhieß nichts Gutes, als sie sich dann an mich wandte.

"Bandolero, Señor", versuchte sie mich dann aufzuklären, und ich begriff, was die Frau damit sagen wollte.

"Ein Grenzbandit also", ergriff nun Martin das Wort, dem die grimmigen Blicke des Stoppelbärtigen natürlich nicht entgangen waren, genauso wenig wie unserem Chidi, der sich um den gefesselten Burschen aber sonst nicht weiter kümmerte. "Na ja - kein Wunder, in dieser gottverlassenen Gegend muss man mit allem rechnen."

Eigentlich hatte er die Indiofrau mit seinen Worten nicht beunruhigen wollen, aber trotzdem blickte sie auf einmal ziemlich erschrocken drein und bekreuzigte sich sogar.

"Madre de dios", entfuhr es ihr dann, während sie die Hände vors Gesicht schlug und dem Bandolero ängstliche Blicke zuwarf. "Danken Sie dem Himmel, dass die Rurales diesen "bastardo" erwischt haben, Señor. Unsereins ist in dieser Gegend ja sonst seines Lebens nicht mehr sicher.”

"Greifen die Rurales denn nicht genügend durch?", fragte sie Martin nun in einem fehlerfreien Spanisch und sprach das aus, was mir gerade in diesem Moment durch den Kopf ging.

"Mexiko ist groß, Señor", erwiderte die Indiofrau mit einer vielsagenden Geste, "und die Bandoleros kennen hier jeden Fußbreit Boden. Sie haben sich weiter oben in den Bergen verschanzt. Jeder Rurale weiß, wie gefährlich es ist, bis dorthin vorzustoßen. Das wissen auch diese Hunde. Erst letzte Woche haben einige dieser Halunken San Clemente überfallen und dabei drei Menschen erschossen. Es ist ein hartes Land, in dem wir leben müssen, Señor."

Ich konnte mir gut vorstellen, was in der Frau mit dem braungebrannten runzeligen Gesicht vorging. Sie und ihresgleichen litten wahrscheinlich schon seit Generationen unter der Geißel marodierender Halunken, die vor nichts zurückschreckten und die Bevölkerung in den abseits gelegenen Bergdörfern in Angst und Schrecken versetzten.

Ich wollte darauf gerade etwas erwidern, aber Chidis Stimme ließ mich plötzlich innehalten.

"Massers!", rief er. "Da drüben auf der Anhöhe - Reiter!"

Sofort wandte ich den Kopf. Meine und Martins Blicke folgten dem Hinweis unseres schwarzen Gefährten, der seit Antritt dieser strapaziösen Zugfahrt recht schweigsam gewesen war. Aber nun schien er etwas entdeckt zu haben, was seine scheinbare Lethargie sofort verschwinden ließ.

Ich sah sofort, was Chidi wenige Minuten zuvor erspäht hatte. Gut zweihundert Meter entfernt stieg das Gelände zu beiden Selten des Schienenstranges etwas an. Zerklüftete Felsen und gelbliches Kalkgestein prägten nun das Landschaftsbild.

Im Licht der gleißenden Sonne sah ich Reiter auf der Anhöhe, die scheinbar teilnahmslos das Näherkommen des Zuges von ihrem Blickpunkt aus beobachtet hatten. Aber irgend etwas an den Reitern gefiel mir nicht. Vor allem Dingen deswegen nicht, weil sie ihre Pferde antrieben und hinunter in die Senke ritten - direkt auf den heranfahrenden Zug zu, der jetzt seine Geschwindigkeit noch mehr verlangsamte, weil die Schienen durch einen Engpass führten.

Ein idealer Ort für einen Hinterhalt, schoss es mir durch den Kopf, und ich griff automatisch zu meinem Gewehr. Martin und Chidi schienen die gleichen Gedanken gehabt zu haben, denn sie verloren keine unnötigen Worte mehr, sondern machten sich bereit für einen mit Sicherheit zu erwartenden Angriff.

Erst jetzt schienen die restlichen Passagiere im Waggon gemerkt zu haben, was nun gleich stattfinden würde. Die meisten von Ihnen hatten es sich im engen Abteil so bequem gemacht, wie es eben nur ging, hatten versucht, etwas zu schlafen, bis sie ihren Bestimmungsort erreicht hatten. Aber die aufgeregte Stimme der Indiofrau, die neben uns saß, riss die restlichen Passagiere aus ihrem kurzen Schlaf.

Unruhe entstand im Waggon, als die Reiter nun immer näherkamen, vor allen Dingen weiter vorn bei den Rurales, wo der gefesselte Bandolero plötzlich aufzuspringen versuchte und dabei um sich trat. Aber dafür hatten die beiden mexikanischen Polizisten nur sehr wenig Verständnis. Einer von ihnen verpasste dem Stoppelbärtigen einen ziemlich unsanft geführten Hieb mit dem Kolben seines Karabiners. Das reichte aus, um den Banditen mit einem lauten Stöhnen zu Boden fallen zu lassen, wo er sich unter Schmerzen krümmte.

Die ersten Schüsse krachten, obwohl die Reiter noch viel zu weit entfernt waren, um ein genaues Ziel anvisieren und vor allen Dingen treffen zu können. Aber darum ging es wahrscheinlich gar nicht. Wahrscheinlich hofften sie, die übrigen Passagiere und das Zugpersonal soweit einzuschüchtern, dass sie leichtes Spiel hatten.

Mir blieb keine Zeit mehr, lange darüber nachzudenken, ob der Überfall der wilden Horde nun den Passagieren im Zug galt, oder ob der von den Rurales bewachte Bandit vielmehr in einer tollkühnen Aktion befreit werden sollte. Statt dessen riss ich mein Gewehr hoch, visierte einen der heranpreschenden Halunken an, der sich etwas zu weit vorgewagt hatte - weil er wohl glaubte, dass sich die eingeschüchterten Passagiere kaum wehrten. Der Schuss, der dann fiel und sein Pferd unter ihm zusammenbrechen ließ, belehrte ihn eines Besseren.

Auch Martin hatte sein Ziel getroffen. Er erwischte einen der Reiter in der Schulter. Die Kugel schleuderte den Mann rückwärts aus dem Sattel. In einer gelben Staubwolke rollte er den Abhang hinunter, wo er dann in der Nähe der Gleise liegen blieb.

Auch Chidi war ein guter Schütze, obwohl seine bevorzugte Waffe sonst der lange Speer war, den er stets in greifbarer Nähe hatte. So auch jetzt, denn wenn es den Bandoleros gelingen sollte, die Waggons zu entern und in die Abteile einzudringen, dann würde unser treuer schwarzer Freund Gebrauch von seinem Speer machen. Dass er mit dieser Waffe umzugehen verstand, das hatten wir in all den Jahren unserer abenteuerlichen Reisen zur Genüge miterleben können.

Auch die Rurales eröffneten jetzt unter heftigen Flüchen das Feuer, unterstützt von zwei beherzten Mexikanern, die erkannten, dass es keinen Zweck hatte, die Augen vor der Wirklichkeit zu verschließen. Unsere Entschlossenheit hatte sie wohl ermutigt, auch etwas zu tun. Zwei weitere Pferde brachen unter unseren Schüssen zusammen und warfen ihre Reiter im hohen Bogen ab. Der Angriff der Halunken geriet allmählich ins Stocken.

Und dann geschah das, womit Martin und ich so schnell doch nicht gerechnet hatten. Einer der Kerle hob die rechte Hand und schrie seinen Kumpanen mit lauter Stimme einen Befehl zu. Daraufhin wendeten die meisten der Angreifer ihre Pferde und ritten davon, als sei der Leibhaftige hinter ihnen her. Unsere Gewehre und unsere Treffsicherheit hatten ihnen wohl einen Heidenrespekt eingejagt.

Trotzdem ließ ich mein Gewehr erst dann sinken, als ich sicher sein konnte, dass die Gefahr für uns vorüber war. Der letzte der Reiter verschwand nun weiter oben zwischen den Felsen, und Sekunden später, als das Echo der zahlreichen Schüsse verhallt war, durchbrach nur noch das stetige Rattern des Zuges auf den Gleisen die Stille, und nur mehr die toten Pferde weiter drüben zeugten von dem plötzlichen Angriff.

Stimmengemurmel brandete ringsherum auf. Jeder war noch viel zu aufgeregt, weil die Situation zumindest einen Augenblick lange sehr ernst ausgesehen hatte. Aber als ich einen raschen Blick in Martins angespannte Miene warf, da wusste ich, dass ihm tausend Gedanken im Kopf herumgingen.

"Mir gefällt das nicht", sagte er und warf mir einen vielsagenden Blick zu. "Weshalb riskieren diese Burschen Kopf und Kragen, nur um sich dann wenige Minuten später wieder zurückzuziehen?"

"Meinst du, dass sie vielleicht noch etwas im Schilde führen?“, fragte ich Martin sofort. "Eigentlich kaum vorstellbar, denn sie müssten doch mittlerweile erkannt haben, dass sich gute Schützen im Zug befanden."

"Trotzdem, Peter", beharrte Martin auf seiner Vermutung. "Ich weiß zwar nicht, welchen Rang der gefangene Bandit da drüben bei seinen Kumpanen hat - aber ich gehe jede Wette darauf ein, dass sie es bestimmt noch einmal versuchen werden, so lange, bis ihnen das gelungen ist, was sie vorhaben. Denn einen Zugüberfall hätten sie anders planen müssen."

"Verdammt, du hast recht", entfuhr es mir, je länger ich darüber nachdachte. "Also müssen wir weiterhin wachsam sein und die Augen offen halten."

Eigentlich wollte ich noch mehr sagen, aber in diesem Moment kam einer der Rurales auf uns zu und bedankte sich noch einmal für unser rasches Eingreifen; wahrscheinlich, weil er wusste, dass die Banditen sonst leichtes Spiel gehabt hätten.

Martin versuchte, den Uniformierten klarzumachen, dass die Gefahr noch lange nicht gebannt war und dass es besser war, auch weiterhin wachsam zu bleiben. Aber anscheinend nahm der Mexikaner meinen Freund nicht besonders ernst. Er winkte nur kurz ab.

"Señor, diese Hunde werden es nicht noch einmal wagen, uns anzugreifen", erwiderte er stattdessen. "Vergessen Sie diesen bösen Zwischenfall und genießen Sie den Rest der Strecke. Wir werden bald San Miguel passieren, und von dort aus ist es dann nicht mehr weit bis Permora. Dort befindet sich auch unsere Garnison, wo dieser Halunke, den wir geschnappt haben, erst einmal seinen Prozess gemacht bekommt, bevor man ihn dann standrechtlich erschießt."

Er war davon überzeugt, dass die Gefahr vorbei war, dass es gar nichts nützte, ihn vom Gegenteil zu überzeugen. Ich sah Martin an, dass er es vorzog, seine Skepsis für sich zu behalten, während der Polizist wieder nach vorn ging. Gut, wahrscheinlich dauerte es nicht mehr lange, bis wir die nächste Ansiedlung erreichten, aber irgendwie wollte das mulmige Gefühl in meinem Magen einfach nicht weichen.

2. Kapitel: Hinterhalt ln San Miguel

Die Sonne hatte ihren höchsten Punkt schon vor einigen Stunden überschritten, als der Zug eine leichte Biegung machte und in der Ferne vor unseren Augen die ersten Adobebauten der kleinen Stadt San Miguel auftauchten. Unwillkürlich schaute ich etwas länger zum Fenster hinaus, spähte hinauf zu den Felsen oberhalb der Gleise, hoffte, dort irgendeine verdächtige Bewegung ausmachen zu können. Aber nach wie vor blieb alles still. Weit und breit war kein Reiter zu sahen;

Jetzt verlangsamte der schnaufende Zug seine Geschwindigkeit, als er sich dem Bahnhof von San Miguel näherte.

Irgend etwas störte mich, als der Zug nun langsam in den Bahnhof einfuhr. Von meinem Sitzplatz aus konnte ich erkennen, dass sich in unmittelbarer Nähe des Bahnsteiges eine Gruppe Mexikaner aufhielt, Menschen, die darauf warteten, bis der Zug endlich anhielt und sie einsteigen konnten. Seltsamerweise schien der Rest der Stadt aber völlig ausgestorben zu sein. Zumindest kam mir das so vor, als ich kurz meine Blicke über die Häuser und die schmale Straße weiter drüben schweifen ließ, so gut ich das von hier aus erkennen konnte.

Keine Menschenseele zeigte sich, und das gefiel mir nicht, denn in einer so abgelegenen Stadt wie San Miguel war die Ankunft eines Zuges normalerweise eine mittlere Sensation. Statt dessen rührte sich gar nichts. Es war fast so, als ob es die Bewohner vorgezogen hätten, lieber alle in ihren Häusern zu bleiben und von dort aus die Ankunft des Zuges zu beobachten.

Ich sah, wie Martin unwillkürlich nach seinem Gewehr tastete, während ein letzter Ruck durch den Zug ging, bevor er dann ganz langsam zum Stehen kam, und genau in diesem Augenblick weiterten sich Chidis Augen.

"Masser Haller, Masser Jacobs!", rief er jetzt ganz aufgeregt. "Eine Falle!"

Ich lehnte mich nur kurz vor und sah, dass in diesem Augenblick einige der wartenden Passagiere plötzlich ihre Ponchos beiseite schlugen und zu den Waffen griffen, die sie darunter versteckt hatten. Sekundenbruchteile später waren vier der Kerle schon dabei, auf den haltenden Zug zu springen.

"Vorsicht, Deckung!", hörte ich Martin rufen, der die anderen Passagiere im Waggon warnen wollte. Auch die Rurales hatten mittlerweile begriffen, was hier geschah. Aber für einen von ihnen kam die Warnung zu spät. Gleichzeitig mit dem Aufbellen eines Schusses zerbrach die Scheibe vor seinem Gesicht, und die Kugel aus dem Revolver eines hämisch grinsenden Mexikaners traf ihn in die Brust und schleuderte ihn zurück.

"Peter! Chidi!", hörte ich Martin rufen, während er ebenfalls einen Schuss abgab und einen der Angreifer niederstreckte, der gerade eine Kugel auf uns abfeuern wollte. "In Deckung, und passt auf. Diese Kerle meinen es ernst!"

Das brauchte er Chidi nicht zweimal zu sagen, denn unser hünenhafter schwarzer Freund hatte sofort begriffen, was die Stunde geschlagen hatte. Er griff nach seinem scharfen Speer, während er sich duckte und sich inmitten der zu Tode erschrockenen Fahrgäste seinen Weg nach vorn bahnte, direkt zu den Rurales, die von der anderen Seite offenbar ziemlich stark bedrängt wurden.