Moppel-Ich - Susanne Fröhlich - E-Book
Beschreibung

»Das lustigste Abnehmbuch der Welt.« BILD Diät zu halten ist kein Spaß. Dicksein auch nicht. Der tägliche Kampf mit den Pfunden ist nichts für Feiglinge. Süßigkeiten, Big-Mac und Co sind mächtige Gegner. Wie man sie (wenigstens zeitweise) besiegt, warum dürre Zicken fast schlimmer sind als eine Woche ohne Kohlenhydrate, von Hungeranfällen, Strategien, Tricks der Promis, Sportversuchen, kleinen Niederlagen und großen Erfolgen berichtet Susanne Fröhlich aus Erfahrung am eigenen Leib. Wie gewohnt schonungslos - vor allem mit sich selbst. Trost, Hoffnung und schlankere Perspektiven für alle, die täglich aufs Neue mit ihrem „Moppel-Ich“ in den Ring steigen.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl:317


Susanne Fröhlich

Moppel-Ich

Der Kampf mit den Pfunden

Sachbuch

Fischer e-books

Unsere Adresse im Internet: www.fischerverlage.de

Für alle meine Freundinnen: Esst schön …

Noch ein Diätbuch?

Sie haben schon ein halbes Billy-Regal voll mit Diätstandardwerken, doch Ihre Waage zeigt sich null beeindruckt von diesem Arsenal des Speck-Schreckens? Sie besitzen trotzdem noch kiloweise Fettreserven für Notzeiten an allen erdenklichen Körperteilen, und zwar nicht nur für sich, sondern für die ganze Familie? Vielleicht sogar für den ganzen Stadtteil? Beinahe haben Sie das Gefühl, dass Schlankheitsbücher auf Ihre Figur die gleiche Wirkung haben wie Wärme auf Hefeteig – denn nach jeder neuen Anschaffung ufern Ihre Formen etwas mehr aus, und eigentlich haben Sie sich deshalb selbst versprochen, niemals und auf gar keinen Fall noch einmal auf so ein Buch hereinzufallen. Trotzdem haben Sie sich gerade doch noch ein Werk zu diesem Thema gekauft. Meines. Pardon – jetzt natürlich Ihres.

Bravo! Ich hätte garantiert auch zugeschlagen, denn auch ich war immer auf der Suche nach der Wunderrezeptur zum Abspecken, einer Anleitung, die mir hilft, schlank zu werden, ohne mich groß kasteien oder anstrengen zu müssen, nach einem Autor oder einer Autorin, die mich wie der Prinz im Märchen aus dem Jammertal der Moppel entführt – am besten in einem Lieferwagen voller leckerer Delikatessen. Kurz: Wenn Hoffnung Kalorien verbrennen würde, hätten weder Sie noch ich irgendein Gewichtsproblem. Aber das tut sie nicht, die Hoffnung. Ebenso wenig wie Lesen an den Pfunden zehrt. Das ist vom Schöpfer irgendwie nicht gut geplant. Hätte er nicht am siebten Tag sagen können: Okay, heute wird geruht und trotzdem etwas für die Figur getan? Man kann auf dem Sofa sitzen, lesen, und der Körper läuft dabei dennoch auf Hochtouren. So wie beim Joggen. 90 Minuten Tatort mit der gleichen Fettverbrennung wie 90 Minuten Skilanglauf. 30 Minuten in aller Stille und Regungslosigkeit auf der Liege liegen, an die Decke schauen, und dabei passiert im Körper das Gleiche wie bei einer Querfeldein-Mountainbike-Tour durch die Alpen? Nein, an die Erschaffung der zweiten Bundesliga und Dosenbier hat er gedacht, aber nicht an die Entspannung beim Moppel, und deshalb spricht doch einiges dafür, dass Gott ein Mann ist und deshalb keinerlei Verständnis für Frauen aufbringt, die dreimal am Tag essen wollen und dabei trotzdem so aussehen möchten wie Sharon Stone. Und zwar bis etwa zum achtzigsten Geburtstag (danach möchten wir gern so aussehen wie Senta Berger – kaum gealtert und herrlich schön!). Stattdessen gab uns unser Schöpfer ungefähr 10 000 Fettzellen mehr als den Männern, eine fatale Neigung zum Naschen und damit die Fähigkeit, auch dann noch hochschwanger auszusehen, wenn wir längst aus dem gebärfähigen Alter heraus sind.

Das ist ungerecht, aber lässt sich jetzt auch nicht mehr ändern. Und deshalb wollte ich etwas tun und habe mich hingesetzt, dieses Buch zu schreiben. Natürlich nicht, damit meine Kinder regelmäßig warm essen können, sondern weil mich das, was zu diesem Thema auf dem Markt ist, zum großen Teil ziemlich nervt, ärgert und frustriert. Aus einem ganz einfachen Grund, der Ihnen sicher auch aus leidvoller Selbsterfahrung bekannt ist: Weil es einfach nicht stimmt, was in der überwiegenden Zahl dieser Bücher behauptet wird: dass eine Diät ein riesiger Spaß ist, nach dem sich ein Moppel ähnlich die Finger leckt wie nach einem Big Mac. Dass Abspecken eigentlich auf die Liste der größten Menschheitsfreuden gleich nach dem Absetzen von George W. Bush gehört und wir täglich ungefähr zehn Purzelbäume schlagen könnten, wenn wir uns wieder die leckersten Dinge des Lebens verkneifen müssen. Nein. Das alles ist leider gelogen.

Diät zu halten ist grauenvoll, stressig und ungefähr so spaßig wie ein Brand im Altersheim. Es ist Verzicht und der war noch nie ein Synonym für dufte Stimmung und Ekstase (außer vielleicht beim Papst und anderen Fundamental-Christen). Abzuspecken ist lästig, anstrengend und so gar nichts für Feiglinge. Denn man ist im ständigen Kampf mit einem äußerst rigorosen und wehrhaften Gegner: mit dem eigenen »Moppel-Ich«. Und das besitzt neben vielen anderen fiesen Eigenschaften vor allem die unangenehme Angewohnheit, ständig auf einen einzureden: »Iss doch«, ruft es. Oder: »Oh, wie lecker, jetzt ist es eh egal, wen kümmert es schon, die Hose gibt’s auch größer, willst du anderen zuschauen, wie sie das Tiramisu verputzen, du kannst doch morgen mit der Diät anfangen.«

Andauernd verkündet es mehr verführerische Botschaften als die CDU vor einer Bundestagswahl, und ähnlich wie die Partei den Wähler schont es uns vor unangenehmen Wahrheiten wie der, dass das Leben kein Zuckerschlecken ist und es Essen ohne Kalorienzufuhr leider nicht gibt (auch wenn das die Superdürren immer behaupten!). Nie sagt das Moppel-Ich: »Lass das, du bist fett genug, weißt du überhaupt, wie viele Kalorien in einem Croissant stecken? Außerdem: Dein Hintern bietet schon jetzt mehr Fläche als die Startbahn West am Frankfurter Flughafen.« Nein, es flüstert einem nur jene Dinge zu, die man gern hören möchte und die dazu führen, dass man mitten in der Nacht in der Küche steht und eine halbe Schwarzwälder Kirsch in sich hineinstopft, weil das Moppel-Ich einem zwei Stunden lang versichert hat, dass Essen, bei dem einem keiner zusieht, eigentlich nicht zählt.

An guten Tagen, an denen der Wille eiserner ist, als es die englische Premierministerin Maggie Thatcher je war, an solch raren Tagen kann man die Stimmen, die einen zum Verzehr hochkalorischer Nahrungsmittel geradezu ketzerisch auffordern, verdrängen. Doch meistens erhört man sie so gern wie alles, was einen vor unangenehmen Wahrheiten bewahrt. Ich weiß das, weil bei mir diese freundlichen Einflüsterer, die Verführer und elenden Schmeichler in Fischer-Chor-Größe und -Lautstärke am Werke sind. Deshalb kann ich auch sagen: Wer abspecken will, muss lernen wegzuhören, dem Moppel-Ich den Mund zu stopfen, und zwar regelmäßig. Nicht, indem man sich den letzten Hoffnungsschimmer auf ein Leben jenseits von stillem Mineralwasser und Sellerie nimmt, sondern indem man sich statt mit Illusionen, Selbstbetrug und Irrungen mit ein bisschen Realitätssinn füttert. Schließlich: Es geht. Man kann abnehmen, ohne dabei den Verstand oder die Lebenslust zu verlieren – wie ich mit diesem Buch beweisen will. Schließlich gibt es immer wieder Menschen, die es geschafft haben. Ich rede hier nicht von Leuten wie Karl Lagerfeld, der mittlerweile so aussieht, als könne er auch als Zahnstocher arbeiten. Ich rede von ganz normalen Alltagsmoppeln wie mir. Ich habe tatsächlich abgespeckt und gemerkt: Hoppla, es geht ja doch. Nicht mühelos oder von selbst, aber es ist möglich.

Liste 1Warum ich keinesfalls sofort eine Diät starten kann

Weil Weihnachten ist (alternativ: Geburtstag, Ostern, Weltspartag oder Tag des Baumes). Weil es bei der angespannten wirtschaftlichen Lage ziemlich unsozial wäre, jetzt auch noch den Lebensmittelkonsum zu reduzieren.

 

Weil ich kein Kollegenschwein sein will – schließlich wirken Dünne erst in Gesellschaft von Dicken so richtig schlank.

 

Weil McDonald’s gerade so ein günstiges XXL-Menü anbietet.

 

Weil es Verschwendung wäre, das Hägen-Daaz-Erdbeereis in meiner Gefriertruhe unberührt zu lassen.

 

Weil Ulla Popken sonst traurig ist.

 

Weil mein Liebster und ich uns gerade das Kamasutra für Dicke gekauft haben.

 

Weil meine Kinder dann vielleicht nicht mehr Mami, sondern Naomi oder Heidi oder Claudia zu mir sagen.

 

Weil mein Mann behauptet, dass er jedes meiner Pfunde liebt.

 

Weil meine Mutter findet, dass mir Pausbacken und Speckringe wunderbar stehen (wie ihr übrigens auch).

 

Weil mein Horoskop sagt, ich soll mir diesen Monat unbedingt was gönnen.

Weil ich endlich mal wieder meine Schwangerschaftsklamotten tragen kann.

 

Weil ich mir ja dann eingestehen müsste, es nötig zu haben.

 

Weil ich nicht weiß, womit ich die Zeiten zwischen den Mahlzeiten füllen soll, wenn ich nichts mehr essen darf.

Wie es meistens anfängt

Nein, ich war kein dickes Kind, ganz im Gegenteil. Was damals sehr erfreulich war, ist nachträglich betrachtet fast schade, denn ich hätte zwar möglicherweise unter Hänseleien gelitten, aber nichtsdestotrotz, wenn ich eins gewesen wäre, dann könnte ich die Schuld für meine Röllchen schön lebenslang auf meine Eltern abwälzen. So fällt diese Entschuldigung leider weg. Ich wurde gesund ernährt, musste nicht ständig meinen Teller leer essen, und gelobt wurde auch nicht nur mit Süßigkeiten. Mama, hier die Absolution: Du bist nicht schuld. Jedenfalls nicht daran. Die Gene können es bei mir auch nicht sein. Außer mir neigt in meiner Familie keiner zum Mopsigsein. Meine Schwestern sind lang und schlank. Sehr schlank. Gemein. Selbst meine Mutter ist schlanker als ich (Nachtrag: gewesen, tut mir Leid, Mama).

Mit der Pubertät kam der Speck. Hinterhältig, langsam und schleichend. Zum Besiedeln hat er sich meine Oberschenkel ausgesucht. Es hat mich nicht weiter gekümmert. Schließlich war der Rest ganz ansehnlich. Eine schmale Taille kompensiert vieles. Und Mini war zu der Zeit eh nicht angesagt. Außerdem waren wir alle noch nicht so figurbesessen. Es gab viele wie mich. Eine tröstliche Tatsache. Guckt man sich heute 16-Jährige an, sind viele davon erstaunlich dünn. Dünner als wir damals waren. In den Siebzigern waren manche dünn, ein breites Mittelfeld normal gebaut und manche dick. Es gab andere Themen als körpereigene Problemzonen. Dicke Schenkel allein haben uns nicht in große Seinskrisen gestürzt. Das hat sich fatalerweise sehr geändert. Heute machen sogar schon Elfjährige Diät oder wissen zumindest, was das ist. Für mich in dem Alter undenkbar. Das Thema war einfach keines.

Ich hatte Schenkel, die ich zu dick fand. Die in meiner Selbstwahrnehmung aussahen, als wären sie für einen anderen Körper bestimmt, aber es waren eben nur Schenkel. Im Vergleich zum Rest meines Körpers waren sie stämmig, aber es waren nur Oberschenkel, nicht mehr und nicht weniger. Nie hat mir ein Typ gesagt: »Mit den Schenkeln, ich bitte dich. Wie soll ich eine Frau mit solchen Schenkeln küssen? Mit ihr in die Disco gehen? Bist du noch bei Trost?« Hätte ich meine kleine Schenkelproblematik nicht selbst erwähnt, wären sie wahrscheinlich keinem größer aufgefallen. Außerdem: Kaum eine meiner Freundinnen war damals rundherum perfekt. Die eine hatte niedliche Hüfttaschen, die andere Reiterhosen, die dritte zu viel Brust (ein für Männer schwer vorstellbares Leid), die vierte zu stramme Waden für die koketten Lackstiefelchen, die fünfte einen kleinen Speckring um die Taille, und die sechste sah sich als klapprige Bohnenstange. Das hat uns genervt, war aber nicht abendfüllend.

Eine entspannte Einstellung, die uns irgendwie im Laufe der Jahre abhanden kam. Sie verschwand seltsamerweise im gleichen Maße, in dem ich zunahm – oder sagen wir lieber: dick geworden bin. Ursachen dafür gab es viele – meine beiden Schwangerschaften, die Lust am Essen, ein gewisses Phlegma und die Tatsache, dass es doch viel netter ist, einen Abend lang auf der Couch zu liegen und Chips zu essen, als die gleiche Zeit im Fitnesscenter zu verbringen. Es sind ja nicht nur die Lebensmittel, die einen fülliger werden lassen, es gibt auch noch lebende Dickmacher – Männer, die regelmäßige Mahlzeiten erwarten, Kleinkinder, die einen nicht nur glücklich machen, sondern auch zum Mitesser von Hipp und Schokoriegeln, Freundinnen, die einem immer wieder versichern, dass man sich doch bloß keinen Stress machen und ruhig noch eine Pizza essen sollte, während sie in ihrem Salat herumstochern. Auch darum wird es gehen in diesem Buch und um andere wichtige Abspeckfragen. Nämlich:

Wieso überhaupt eine Diät und wenn, dann welche?

Warum sich nicht im drallen Körper putzmunter und zufrieden einrichten? Weshalb nicht einfach essen, was einem schmeckt, also 4000 Kalorien täglich als Existenzminimum von Lebenslust und Zufriedenheit akzeptieren? Wozu sich quälen und einschränken? Wer, außer uns selbst, hindert uns daran, uns mollig und rund total wohl zu fühlen? Warum lassen wir uns immer wieder auf so unsägliche und scheußliche Dinge wie Diäten ein? Haben wir sonst nicht genug um die Ohren? Woran fehlt es uns? Am Selbstbewusstsein, vielleicht nicht dem Modeideal zu entsprechen? Bloß weil wir uns nicht mehr in der Kinderabteilung einkleiden können? Und beim Metzger nicht deshalb ein Stück Fleischwurst bekommen, weil der uns für 14 hält, sondern weil wir gerade für 40 Euro Aufschnitt gekauft haben? Natürlich werden alle klugen und patenten Frauen diese Fragen mit einem coolen Lächeln beantworten. Sagen, dass dieser ganze Tanz um diese drei, vier, fünf oder 15 Kilo mehr oder weniger, dieses Gewichtsaffentheater albern und unserer nicht würdig ist. Und sicher gibt es genug Frauen, die diesen klugen Gedanken auch in die Tat umsetzen und sich also jeglichen Diätversuchs weise enthalten. Ich bin stolz auf sie. Denn sie sind einen Schritt weiter als ich, die in der Theorie zwar völlig diese Meinung teilt, in der Praxis jedoch gerne ein paar Pfund weniger auf meinen Rippen hätte. Nicht weil die Nation das so vorschreibt, nicht weil mein Mann es vielleicht besser findet (wenn er es denn überhaupt bemerkt!), nicht weil meine gestrenge Mutter nörgelt, und auch nicht weil im Fernsehen die Dürren die Bildschirme bevölkern.

Nein, meine Beweggründe sind profaner. Viel profaner. Ich schäme mich fast, es zuzugeben: Ich möchte schönere Klamotten. Uff, jetzt ist es raus. Allerdings befinde ich mich damit in guter Gesellschaft, denn wie jüngste Statistiken zeigen, geht es den meisten Frauen so: Ihre Hauptmotivation beim Abnehmen ist die leidige Kleiderfrage, das Problem, etwas Ansprechendes in Größe 46 zu bekommen, das nicht so aussieht, als könnte man es auch als Großraumzelt benutzen. Ab Konfektionsgröße 44 ein wirklich flottes Outfit zu finden, das weder ganz in schwarz ist (ist was mit Oma?), noch wirkt wie eine Lkw-Plane mit Häschenapplikationen, kommt einem Kunststück gleich. Die wenigsten Boutiquen führen Größen jenseits der 42, und selbst wenn man nach 42 verlangt, bekommt man oft den entgeisterten Blick der Verkäuferin gratis dazu. Nach dem Motto: »Wenn ich so aussehen würde wie sie, würde ich nach Finnland ziehen, da ist es sechs Monate im Jahr dunkel.«

Gäbe es all die herrlichen Designer in allen Größen, die Armanis, Diors und Jil Sanders oder wenigstens Esprit, Benetton und Zara – wie viele von uns würden sich am nächsten Pommesbüdchen vor Freude erst mal noch ein Tütchen gönnen und sich entspannt mit ihrem Moppel-Ich versöhnen. Aber die Mode ist leider nicht so großmütig, und deshalb gestehe ich, dass ich einfach viel zu eitel bin, um mich mit meinen überschüssigen Kilos anzufreunden und ihnen einen Dauerparkplatz auf meinen Hüften, meinem Bauch, an meinen Oberschenkeln und den Oberarmen zu gönnen. Ich wollte abnehmen, mich nicht mit meinem Gewicht arrangieren und eben nicht akzeptieren, dass ich vielleicht – wie viele Freunde wohlmeinend beteuerten – speckiger als sie gedacht bin. Und ich vermute mal, so geht es Ihnen auch.

Natürlich: Würde man ein Mittel erfinden, das ähnlich wie Unkrautvernichtungsmittel den Speck killt, möglichst über Nacht, ohne jegliche Nebenwirkungen und während man angenehm träumt, vielleicht von einem schönen Teller Rigatoni Carbonara und einer ordentlichen Portion Mousse hinterher, würde ich wie 98 Prozent aller Dauermoppel das Zeug kaufen. Doch leider weiß ich wie fast alle, die ein wenig mehr Rippenpolsterung haben, dass diese ganzen schnellen, leichten Sofortlösungen Unsinn sind.

Aber: Wie soll man seine Kilos wegzaubern? Macht das der reizende Magier Herr Copperfield jetzt eventuell nebenberuflich? Vielleicht sogar auf Krankenschein? Nein, nein, sagen die Experten schon wieder, Sie müssen nur über Ihre Ernährung nachdenken. Und ich sage: Liebe Experten, wenn ich über meine Ernährung nachdenke und anders esse, also Marzipankartoffeln gegen Mandarinen tausche, Puddingstückchen gegen Vollkornbrot und Sahnesoße gegen gar keine Soße, mache ich nichts anderes als Diät halten. Dass die langfristige Ernährungsumstellung das einzig wirklich Sinnvolle ist, ist allen, die gerne abnehmen wollen, klar. Aber zunächst muss der Moppel auch Kalorien einsparen, oder Fett oder Kohlenhydrate, oder gleich alles zusammen, denn sonst bleibt der Speck. Leider kann man sich auch mit ausgewogener Ernährung dick und rund essen. Alles ist letztendlich eine Frage der Menge. (Gut – nur mit Rohkost wäre eine Gigamenge nötig, aber wer will Gigamengen von Rohkost essen?) Die Konsequenz: einigermaßen gesund abspecken, trotzdem flott Erfolg haben und dauerhaft nicht in die grausige Jo-Jo-Spirale geraten. Genau das ist mein Anliegen: Ich will nicht Jahre nur verzichten, eine schmallippige verbiesterte Kalorienzählerin sein, ich will einen möglichst schnellen Teilerfolg und nicht nach wenigen Monaten wieder von vorne anfangen müssen.

Und ich will trösten, zeigen, dass es auf diesem Planeten, voll mit verlockenden Lebensmitteln, die lauthals schreien: »Nimm mich«, mehr von Ihres- und Meinesgleichen gibt und dass wir keine Charakterschwächlinge sind, bloß weil wir gern gut und lecker essen. Bisweilen auch während einer Diät. Warum nicht? Ich esse nämlich schrecklich gerne. Es macht mir Freude. Essen ist für mich ein fantastisches Vergnügen. Ich habe keine Lust, mir bei jedem Bissen einer Köstlichkeit zu überlegen, wo sie sich für die nächsten Jahre an meinem Körper festsetzen wird und wie oft ich meinen Kopf gegen die Wand schlagen muss, um dabei die Reue über die 600 Kalorien zu verbrauchen, die ich gerade verputzt habe. Dann macht das Essen ja nun gar keinen Spaß mehr, und das ist nicht der Sinn der Sache. Wenn man isst, sollte man es mit Freude tun. Kalorien reinschaufeln muss wenigstens Genuss bedeuten. Wer sich schon während des Essens grämt, hat tatsächlich überflüssige Kalorien zu sich genommen, von denen er nichts hat – außer Ärger und Frust.

Zu meiner Liebe am Essen kommt belastend hinzu: Ich beherrsche mich nicht sehr gerne. In keiner Hinsicht und schon gar nicht beim Essen. Ich bin nicht der Typ, der ein viertel Stückchen Kuchen isst und den Rest auf dem Teller lässt. Wenn etwas gut ist, habe ich gerne viel davon. Das alles ist mit Sicherheit lustfreundlicher, sinnlicher und genussorientierter als diese nörgeligen Tellerpicker, die ihre winzigen Portionen auf den Tellern hin und her schieben, als würden sie sich dabei in Diätmargarine verwandeln.

Leider wird Genussfreundlichkeit nicht belohnt. Außer mit schleichenden Ganzkörperproblemzonen. Um weiter genießen zu können, aber nicht auszusehen wie etwas, das eigentlich ins Guinness Buch der Rekorde gehört, habe ich alles gelesen, was es zu dem Thema gibt. Das meiste, also alles was halbwegs einleuchtend klang, habe ich dann auch probiert. Ich habe schleimige Proteindrinks in mich reingeschüttet, die aussahen und rochen wie etwas, das bei RTL zur Dschungelprüfung benutzt wird, und habe mir einzureden versucht, dass sie wirklich köstlich schmecken. Ich habe nach 18 Uhr nicht mehr gegessen (es jedenfalls ernsthaft versucht) und eifrig Weight Watchers Punkte gezählt. Ich habe Fettiges gemieden, Fett bevorzugt, nur Äpfel gegessen, Eiweiß heilig gesprochen und 37 Gramm Lachsschinken abgewogen und versucht auf fünf Knäckebroten optisch ansprechend zu verteilen. Dabei habe ich mal drei Kilo abgenommen, mal fünf – und alle wieder locker draufgemoppelt. Ich war der lebende Beweis für den Jo-Jo-Effekt und seine miesen Freunde, die geschrumpften Fettzellen, die hinterfotzig nur darauf lauern, sich sofort wieder aufzuplustern. Eine besonders fiese Bagage, diese Fettzellen. Aber da ein Leben ohne sie nicht möglich ist – außer als Ausstellungsstück in Körperwelten – wird uns nichts übrig bleiben, als mit ihnen zu leben.

Jede Menge Propheten, aber leider kein Diätwunder

Wenn man sich mit dem Thema Abnehmen beschäftigt, begegnet man mehr Gurus, als ganz Indien zu bieten hat, und für die Abspecken, gemessen am heiligen Ernst, mit der sie ihr jeweiliges Programm zelebrieren, schon fast so etwas wie eine Religion zu sein scheint. All die Strunzens, Atkins’, Montignacs und Co – nichts als Propheten, die uns Moppeln ihre Botschaften wie Gott seinerzeit Moses den brennenden Busch als neuestes Wunder präsentieren. Deshalb eines gleich vorneweg: Ich bin garantiert kein Guru und will auch keiner sein (jedenfalls nicht auf diesem Gebiet – ansonsten gäbe es schon den ein oder anderen Bereich, für den ich mich durchaus hergeben würde … ). Mit welchem Recht auch? Ich bin weder Ernährungswissenschaftlerin noch Medizinerin oder Therapeutin. Nicht mal Marathonläuferin oder Extremsportlerin. Ich habe jahrelange Erfahrung im Diäten und im Versuch, Diät zu halten, ansonsten bin ich einfach nur ein Langzeitmoppel, der es endlich geschafft hat abzuspecken. Im Moment bin ich schlank und, während ich das schreibe, sogar selbst darüber noch überrascht. Man hat sein Moppelsein sehr tief abgespeichert. Aber es ist so: Ich bin, jedenfalls für meine Verhältnisse und mein Verständnis vom Schlanksein, schlank.

(Dieser Satz ist meine Peitsche, denn er garantiert, dass ich auch noch in fünf Monaten, bei Erscheinen dieses Buches, schlank sein werde, schon um nicht wie ein komplett inkonsequenter Volldepp dazustehen. Insofern ist mein Langzeiterfolg immerhin für ein knappes halbes Jahr gesichert, und ich danke Ihnen hiermit schon mal aus vollstem Herzen für diesen Erwartungsdruck! Denn, welch eine beschämende Vorstellung: Ich sitze zum Erscheinen meines Buches in einer Talkshow, plaudere, dicker denn je, mit Herrn Kerner, wahlweise Beckmann, Frau Maischberger, Amelie Fried oder wem auch sonst und habe Angst, beim Aufstehen den Stuhl mitzunehmen, weil der Hintern festklemmt!)

Ich würde nie behaupten, schon um mich nicht unter lebenslangen Druck zu setzen, dass ich nie mehr zunehme. Ich werde bestimmt noch in der Seniorenwohnanlage und beim Verteilen der Rationen von Essen auf Rädern mit den Kalorien hadern und trotzdem nach der größten Portion gieren. Es gibt keine definitive Langzeitgarantie, außer man diszipliniert sich ein Leben lang. Das ist äußerst betrüblich und keine wirklich erquickliche Vorstellung. Andererseits: Ein paar Jahre in Kleidergröße 40 zu passen ist eigentlich doch ein hübscher Gedanke (oder 38 …???).

Ebenso der Glaube, dass man – wäre man erst mal schlank – so etwas wie den Generalschlüssel fürs Glück besitzt. Leider stimmt das nicht. Dünnsein imprägniert einen nicht gegen Frust, Niederlagen und Ärger mit den Kerlen. Ebenso wenig wie übrigens Körbchengröße D – oder finden Sie etwa, dass beispielsweise Naddel, mit XXL-Busen und irre schlank, irgendwie besonders erfolgreich wirkt?

Ich selbst hätte jahrelang nur zu gerne geglaubt, dass Wunder möglich sind. Vor allem Wunder, bei denen ich mich kein Stück ändern und natürlich keinesfalls anzustrengen brauche, und einfach so zehn Kilo in nur zehn Tagen abnehme – ohne an einer grauenvollen Krankheit zu leiden, die nur im Tropeninstitut unter Quarantäne behandelt werden kann. Sicher: Auch für mich klangen Worte wie »schnell«, »problemlos« oder »garantiert erfolgreich« verführerisch, verführerischer jedenfalls als »Ernährungsumstellung«. Allein der Begriff lässt fürchten, dass es sich dabei um etwas ähnlich unerfreulich Langwieriges und Ödes handelt wie das Erlernen eines chinesischen Dialektes. Und das ausgerechnet im Zusammenhang mit Essen, also einer Tätigkeit, die in Sachen Genuss und Lust gleich nach Sex kommt (wobei manche sich sicher sogar noch eher für die Schokolade als für ihren Mann entscheiden würden). Und weil das so ist und Essen weiterhin etwas Wundervolles bleiben soll und eben nicht Quelle von Ärger und Frust, werde ich in diesem Buch auch nicht die Totalkasteiung propagieren, sondern im Rahmen meiner und – wie ich glaube – auch der Möglichkeiten der meisten Frauen bleiben. Schließlich macht es überhaupt keinen Sinn, sich eine Weile jede kulinarische Freude komplett zu versagen und sich auf ein Gewicht runterzuhungern, das nur durch tägliche Essensrationen zu halten ist, wie man sie in den Fütterungsanweisungen von Goldhamstern findet.

Wir müssen nicht alle in Kleidergröße 34 passen (ich habe mich von dieser Idee längst verabschiedet und lebe trotzdem gut gelaunt vor mich hin.) Warum auch? Wir sind keine 13 mehr (sollte eine der Leserinnen in dem Alter sein, dann bitte schnell weg mit dem Buch und raus ins aufregende Leben und an die frische Luft), und es gibt andere respektable Größen im Leben. Wenn Sie sich also in Größe 44 wohl fühlen, dann ist das perfekt. Für Sie. Gewicht und was daran jeweils ideal ist, sollte auf jeden Fall jeder für sich entscheiden. Denn das ist ähnlich privat wie beispielsweise die Partnerwahl. Oder fänden Sie es prickelnd, wenn man uns vorschreibt, in wen wir uns gefälligst zu verlieben hätten?

Wie stark auch das Idealgewicht der Relativitätstheorie unterliegt, zeigt folgendes Beispiel:

Ich hatte, nachdem ich etwa 20 Kilo abgenommen hatte, einen Fototermin. Ich fühlte mich fantastisch, rank und schlank und erzählte in einer kleinen Pause der Fotografin und der Visagistin vom Abspecken. Meine Zuhörerinnen lauschten gebannt und gratulierten mir schließlich – allerdings nicht etwa zu meinen, wie ich fand, doch deutlich sichtbaren Erfolgen, sondern zu dem Entschluss, abzunehmen. Sie glaubten, ich wolle erst noch eine Diät beginnen, und fanden diese Vorstellung keineswegs absonderlich oder abstrus, sondern ganz normal. Mit anderen Worten: Was schlank ist und mit welcher Größe man sich wirklich wohl fühlt, entscheidet man für sich selbst. Sie allein müssen mit sich selbst zufrieden sein, niemand sonst auf der großen weiten Welt kann Ihnen das abnehmen oder für Sie entscheiden, welche Form für Sie die optimale ist.

Und noch etwas: Liebe deinen Körper – wenigstens manchmal

Nein, hier sollen Sie nicht schon wieder dem Stress ausgesetzt werden, auch jene Teile an sich zu verehren, die eigentlich nach einem Tschador schreien. Nicht jedes Körperteil verdient es, geliebt zu werden, und selbst Claudia Schiffer und Konsorten haben Stellen an sich, die ihnen weniger gefallen. Das ist auch völlig in Ordnung so. Nicht in Ordnung ist, sich ständig mit der Lupe zu betrachten und so akribisch nach Schwachstellen zu suchen, als würde man es bezahlt bekommen. Machen Sie sich bloß keine Sorgen, Sie könnten vor lauter Selbstverliebtheit überschnappen. Frauen sind per se weniger selbstverliebt als Männer und haben eine andere Selbstwahrnehmung. Sie sind strenger als die Kerle. Nörgeln viel mehr an sich rum. Was körperliches Selbstbewusstsein angeht, können wir von Männern einiges lernen. Die sind sehr viel milder mit sich selbst. Neigen weniger zum Selbstkasteien und zur Eigendemütigung. Ich kenne keinen Mann, der sagt: »Mit der Wampe gehe ich nicht mehr aus dem Haus.« Frauen, die behaupten, mit ihren Schenkeln quasi zum Hausarrest verdammt zu sein – wenigstens tagsüber, wenn es hell ist –, kenne ich dagegen mehr als genug.

»Wer soll sich in mich verlieben, mit diesem Hintern? Denkst du, auch nur einer guckt mich an, so wie meine Oberarme schwabbeln?« All das sind Fragen, die sich eher Frauen als Männer stellen. Ich habe noch nie einen Kerl sagen hören: »Ich fand die echt gut, aber ihre Oberarme … also da ging nix.« Warum machen wir uns also so verrückt? Wer treibt uns an? Sind es tatsächlich die Männer? Eher nicht. »Aber«, höre ich Sie aufstöhnen, »die wollen doch immer nur schlanke Frauen.« Mag sein. Bloß: Was Männer und Frauen unter »schlank« verstehen, sind zwei komplett verschiedene Dinge. Kein Mann erscheint beim ersten Date mit einem Maßband und überprüft den Taillenumfang, um bei unangenehmen Zahlen sofort empört den Ort der Begegnung zu verlassen. Die meisten Männer finden Frauen in Kleidergröße 42 noch ausgesprochen schlank, und die überwiegende Mehrheit denkt bei Figuren wie der von Doris Schröder-Köpf nicht an ekstatische Leidenschaft und hemmungslosen Sex, sondern an Wiederbelebungsmaßnahmen. Kurz: Die meisten Männer mögen Frauen, die etwas griffiger sind. Normal, das sei hier mal in aller Deutlichkeit gesagt, ist nicht Kleidergröße 34. Okay – auch nicht 50. Das Gros der deutschen Frauen hat übrigens etwa 42/44.

 

All das sind Themen, mit denen sich dieses Buch beschäftigt. Es geht um die Frage, was andere tun, um schlank zu sein, weshalb man dünne Zicken manchmal am liebsten ohrfeigen möchte, was man von ihnen lernen kann, dass nicht nur Nahrungsmittel, sondern auch Menschen und bestimmte Situationen dick machen, wieso Fettabsaugen auch keine Lösung ist, und wie man es schafft – trotz all dieser Einschränkungen –, ein paar Pfündchen loszuwerden, ohne gleich jede Lust am Leben zu verlieren. Dabei wünsche ich viel Spaß, weil ohne Humor gar nichts geht – am wenigsten eine Diät.

Warnung: Mir ist sehr wichtig zu erwähnen, dass dies kein Buch ist für Menschen, die eine Essstörung haben. Magersüchtige, Bulimiker und Esssüchtige brauchen professionelle Hilfe. Es gibt Fachleute: Psychologen, Psychotherapeuten und Mediziner, die sich auf Essgestörte spezialisiert haben. Nützen Sie das Know-how dieser Personen.

Essen ist eine besonders perfide und diffizile Sucht. Auf Heroin oder Koks oder auch Alkohol kann man verzichten. Essen muss man. Insofern müssen Essgestörte lernen, ihre Sucht in den Griff zu bekommen. Es gibt – und daran sollte man bei all dem Diätgedöns, das man so macht, immer denken – Menschen, die sich zu Tode hungern. 15 Prozent aller Magersüchtigen sterben. Auch das sollte man sich immer wieder vor Augen führen, wenn man mit fünf oder sechs Kilos zu viel hadert.

Aber eines ist klar: Wer viel zu viel Gewicht hat, bekommt irgendwann gesundheitliche Probleme. Ich will hier keine Vorträge über Bluthochdruck, Kurzatmigkeit und Co halten, aber wenigstens versuchen, Sie zum Arztbesuch zu motivieren. Gehen Sie zum Arzt. Bitte. Hilfe zu brauchen ist nichts Schlimmes. Sie nicht anzunehmen, das ist schlimm.

Dieses Buch wendet sich hauptsächlich an Personen, die gerne mal etwas weniger wiegen würden, nicht an Menschen, deren kompletter Dreh- und Angelpunkt ihres Lebens die Nahrung ist.

Problemzonenpost: Briefe an angehörige Körperteile

Liebe Hüftknochen,

seit Jahren haben wir uns nicht gesehen. Um genau zu sein, seit etwa 1997. An mir, ihr kleinen scharfkantigen Knochen-Klippen, liegt es nicht. Ihr habt Schuld. Denn ihr versteckt euch. Unter Bergen von Speck haltet ihr euch geschickter verborgen als der tasmanische Wolf in den Weiten Australiens, und fast könnte man glauben, dass ihr wie das scheue Tier längst ausgestorben seid. Ein Irrtum. Ich weiß nämlich, dass es euch gibt, und ich werde es beweisen, euch wieder zum Vorschein locken und der Welt zeigen, dass auch ich mit ein paar fabelhaften Hüftknochen ausgestattet bin. Auch wenn es sicher nie mehr so wird wie in jenem herrlichen Sommer vor 20 Jahren. In Sardinien (damals war Urlaub in Sardinien noch erschwinglich). Ich lag am Strand. Und ihr habt dafür gesorgt, dass ich mir selbst im Liegen in die Bikinihose gucken konnte. Die Hose lag quasi auf euch auf. Wie ein Steg auf zwei herrlich grazilen Brückenköpfen. Wow. Nicht, dass die Aussicht dauerhaft aufregend war. Man kennt sich schließlich, und außerdem gibt es auf Sardinien auch noch andere Sehenswürdigkeiten. Aber dieses Staksige, diese Zartheit, dieses Fohlengleiche, das hatte schon was. Okay, heute müsste ich mir eher Sorgen um meine Gesundheit machen, würdet ihr mir den gleichen Anblick wie damals präsentieren und mich damit für einen Calista-Flockhart-Ähnlichkeitswettbewerb qualifizieren. Dennoch: Ich will wenigstens sehen, dass es euch gibt. Schließlich gehört ihr doch zu meinen nächsten Angehörigen, und außerdem seid ihr zu jung, um euch auf euren Sardinien-Lorbeeren auszuruhen. Und deshalb: Achtung Hüftknochen! Jetzt ist es vorbei mit eurem Backstage-Leben, ich werde euch Pfund für Pfund aus eurem gemütlichen Moppel-Panzer schälen und somit beweisen, dass ihr nicht nur in meiner Erinnerung existiert.

 

 

Liebe Oberarme,

ja, bald werde ich euch wieder an das Licht der Öffentlichkeit lassen. Es besteht Hoffnung, dass euer 24-Stunden-Vermummungsgebot aufgehoben wird und ihr wieder einmal frei durchatmen könnt. Es gibt nur eine klitzekleine Bedingung für die Stofffreiheit. Ihr müsst vorher einen lächerlich winzigen Test bestehen, wirklich eine Lappalie – jedenfalls gemessen an den 30 000 Kakerlaken, die Daniel Küblböck über sich ergehen lassen musste – und das vor Kameras. Nein, die Aufgabe, die ihr bewältigen müsst, ihr lieben Oberarme, die könnt ihr ganz allein daheim im Badezimmer angehen, ohne dass RTL oder die Bildzeitung dabei zugucken. Geht ganz einfach. Man stellt sich vor den Spiegel, hebt den Arm und winkt sich selbst im Spiegel zu. Sollte sich dabei zeigen, dass nicht nur die Hand, sondern auch der Oberarm unaufgefordert winkt und zwar auch dann noch, wenn die Hand längst damit aufgehört hat, und bei diesem hässlichen Schwabbeln so eine Zugluft entwickelt, dass man sich dabei die Haare föhnen kann, dann ist der Winktest leider nicht bestanden und ihr müsst eure Undercover-Existenz noch eine Weile weiterführen – jedenfalls so lange, bis der Trizeps (ein Muskel) eurem unzulässigen Bewegungsdrang endlich straffe Zügel anlegt. So lange heißt es leider weiterhin: keine ärmellosen Tops, keine ärmellosen Kleider. Das habt ihr davon, dass ihr Dinge tut, die mit mir nicht abgesprochen sind und die ich auch nicht gutheißen kann. Denn schwabbelige Oberarme sehen so aus, als würde man hauptberuflich als Seismograph arbeiten, weil sie jede noch so kleine Erschütterung sofort in Bewegung umsetzen. Nicht gerade sexy. Außerdem machen sie definitiv alt und wirken ziemlich unsportlich. Nonverbale Botschaften, auf die ich gut verzichten kann. Also Arme, es geht euch an den Speck. Ich wünsche mir so muskulöse und hübsch geformte Oberarme, wie sie all diese sportlich trainierten Fitnessstudiomädels haben. Genau solche. Jawohl! Winkt nochmal tüchtig und verabschiedet euch von eurem alten, schwabbeligen Ich – bald ist es nämlich vorbei mit den eigenmächtigen Bewegungen. Dafür werdet ihr endlich mal wieder Tageslicht sehen und durchatmen dürfen.

 

 

Liebe Oberschenkel,

seid ihr siamesische Zwillinge? Oder was soll das ständige zusammenkleben? Liebt ihr euch so, dass ihr gar nicht voneinander lassen könnt? Womit beschäftigt ihr euch nur die ganze Zeit? Erfindet ihr Namen für meine Schwangerschaftsstreifen? Wisst ihr nicht, dass zu viel Nähe für eine wirklich gute Beziehung ziemlich schädlich ist, weil man irgendwann zu viel voneinander weiß, jede Pore kennt und voraussagen kann, was der andere in zwei Stunden sagen wird? Ich weiß, wovon ich spreche, schließlich habe ich zwei Beziehungsratgeber geschrieben und kann nur raten, auch mal auf Abstand zu gehen, um sich auf Dauer nahe sein zu können. Und außerdem: Denkt doch mal an Thomas Anders und Nora oder Naddel und Dieter – auch sie waren wie zwei zu dicke Oberschenkel und sprechen heute bloß über ihre Anwälte miteinander. So weit wollt ihr es doch nicht kommen lassen? Am Ende trennt ihr euch im Bösen, und ich sehe dann aus wie eines dieser Magermodels, die so dünn sind, dass man in der Lücke zwischen ihren Beinen mühelos einen Airbus parken könnte. Außerdem: Bei der durch euer enges Zusammensein entstehenden Reibung werde ich irgendwann Flammen schlagen und das ganz ohne Feuerzeug oder Streichhölzer. Das mag für Survival-Aufenthalte im Dschungel extrem praktisch sein, in meinem Alltag sind kleine Lagerfeuer nicht weiter von Bedeutung. Ich habe nämlich einen Elektroherd und eine Mikrowelle daheim. Also: Geht lieber freiwillig etwas auf Abstand – und zwar gleich!

 

 

Liebe Waden,

»stramm« ist noch das netteste, was man über euch sagen kann. Denn eigentlich seid ihr, so wie ihr ausseht, als Oberschenkel von Kate Moss gedacht oder als Oberarme von Lisa Fitz geplant gewesen. Aber bei der Lieferung muss irgendetwas schief gegangen sein. Nun hängt ihr an mir, und ich muss damit leben, dass ich wenigstens knieabwärts so aussehe, als würde ich regelmäßig bei der Tour de France mitradeln. Okay, ich will nicht jammern, zumal es sicher Schlimmeres gibt als zu viel Wade – gar keine beispielsweise, also Unterschenkel, die so schmal sind, dass man zwei Beine in einen Stiefel stecken könnte und noch genügend Platz hätte, Sabrina Setlur im Schaft unterzubringen. Das mag sehr praktisch sein. Aber schön ist es nicht. Damit tröste ich mich, wenn ich – getrieben von grundlosem Optimismus – mal wieder in einem Schuhgeschäft einen Stiefelreißverschluss über die Wade bringen will, was in der Regel so erfolgreich ist wie der Versuch, einem Blumenkohl ein Kondom überzuziehen. Das bringt einen garantiert wieder auf den Boden der Tatsachen, also in jene Regionen, in denen man lernt, was wirklich zählt: dass ihr brav eure Arbeit tut, mir beim Joggen dufte Dienste leistet und vielleicht nicht perfekt, aber sicher hübsch muskulös und damit gar nicht übel seid.

 

 

Liebe Brüste,

keine Frage, natürlich ist die Schwerkraft auch an euch nicht spurlos vorbeigegangen. Das ständige Zu- und Abnehmen macht euch zusätzlich wenig Freude. Dennoch habt ihr euch ganz gut gehalten. Ihr ward eine der wenigen Körperzonen, die vom Fett durchaus profitiert haben, und so seid ihr mir auch zu meinen moppeligsten Zeiten ein echter Trost gewesen. Denn ihr wart die Einzigen, die die paar Pfund mehr optimal genutzt haben und mir ein paar zusätzliche Schauwerte bescherten. Dafür an dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank! Schon deshalb würde ich euch niemals eintauschen, auch weil ich nicht aussehen möchte wie die Heimat von Jim Knopf: eine Insel mit zwei Bergen, die sich auch im Liegen noch wie zwei umgestülpte Plastiksandeimerchen unnatürlich starr nach oben strecken und sich so sexy anfühlen wie ein Stapel Ziegelsteine. Nein, ich habe den Ehrgeiz, eine der wenigen Frauen im deutschen Fernsehen zu bleiben, die noch ihre Erstausstattung trägt. Obwohl es zunehmend mehr Frauen gibt, die den Gedanken anscheinend reizvoll finden, dass wenigstens ihre Silikoneinlagen einen Atomkrieg überstehen und vielleicht den Grundstein für neues Leben legen könnten, gemeinsam mit Einzellern und Kakerlaken. Ich persönlich lege allerdings keinen gesteigerten Wert darauf, meine Brüste zum Teil einer neuen Lebensform zu machen. Außerdem schreckt mich die Vorstellung, schon zu Lebzeiten eine Art Sondermülldeponie in meinem Körper herumzutragen, und auch deshalb bin ich ziemlich froh, dass meine natürlichen Brüste so kooperativ sind, mir wenigstens zwei gute Gründe zu liefern, den Versuchungen der plastischen Chirurgie weiterhin zu widerstehen.

 

Lieber Bauch,

du bist wahrscheinlich das strapazierteste Körperteil und warst den schwersten Belastungen ausgesetzt. Zwei Schwangerschaften sind natürlich eine mittlere Zumutung für dich gewesen. So weit sind wir uns einig. Auch ein Luftballon sieht, nachdem man ihn mehrfach aufgeblasen hat, um dann, kurz bevor er platzt, plötzlich alle Luft wieder herauszulassen, nicht mehr aus wie neu, sondern neigt dazu, etwas an Elastizität zu verlieren. Ich war nach jeder meiner Schwangerschaften erstaunt, dass sich mein persönlicher körpereigener Medizinball überhaupt wieder zurückgezogen hat. Danke Bauch, das war ziemlich nett von dir, mich nicht mit einem Hautfutteral von der Größe eines Zweimannzeltes zurückzulassen, sondern dich zur gegebenen Zeit vornehm zurückzuziehen. Schließlich hättest du dich auch bis zum Knie hängen lassen können. Nein, du warst gnädig und hast dich darauf beschränkt, mir bloß ein kleines Reliefmuster zu hinterlassen, das mich daran erinnert, zu welch beeindruckenden Dehnungsarbeiten du fähig bist. Ich sehe es als eine Art Leistungsnachweis – es beweist, dass ich einmal Großes vollbracht habe. Außerdem: Andere zahlen für Körperbemalungen jeder Art eine Menge Geld – ich habe meine umsonst.

 

 

Lieber Rücken,