Verlag: Fehnland-Verlag Kategorie: Wissenschaft und neue Technologien Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2018

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Sicherung: Wasserzeichen

E-Book-Beschreibung Morden für Anfänger - Manfred Lukaschewski

Morden für Anfänger - Ein Ratgeber für Krimischreiber und Krimileser Der Kommissar stellt nach einem Blick auf die Leiche den Tod fest, der Pathologe eilt zum Tatort, der einsame Ermittler löst jeden Fall durch Nachdenken und Whiskey-Trinken, die ganze Ermittlungsmannschaft stapft durch den Tatort … Der bekannte Kriminalist und Physiker Dr. Manfred Lukaschewski, ehemals Chef einer Mordkommission in Berlin, stellt in diesem Büchlein dar, was Krimiautoren und Fernsehkommissare oft nicht wissen. Eine gehörige Portion Humor gibt dem Buch zusätzlich einen großen Unterhaltungswert.

Meinungen über das E-Book Morden für Anfänger - Manfred Lukaschewski

E-Book-Leseprobe Morden für Anfänger - Manfred Lukaschewski

Morden für Anfänger

Ratgeber für Krimischreiber und Krimileser

Dr. Manfred Lukaschewski

Erstausgabe im Oktober 2018

Alle Rechte bei Verlag/Verleger

Copyright © 2018

Michael Kracht

-26817 Rhauderfehn

Dr.-Leewog-Str. 27

Coverdesign durch Nina Döllerer

Inhalt

Vorbemerkungen (zu meiner Entschuldigung)

Der Mord

TIPP 1)

TIPP 2)

TIPP 3)

TIPP 4)

TIPP 5)

TIPP 6)

TIPP 7)

TIPP 8)

TIPP 9)

Wie werde ich die Leiche los?

Tatort und Spuren

TIPP 10)

TIPP 11)

TIPP 12)

TIPP 13)

TIPP 14)

TIPP 15)

TIPP 16)

TIPP 17)

TIPP 18)

TIPP 19)

TIPP 20)

TIPP 21)

Observation / Beschattung

TIPP 22)

TIPP 23)

TIPP 24)

Schusswaffen

TIPP 25)

TIPP 26)

Situationsfehler

TIPP 27)

TIPP 28)

TIPP 29)

TIPP 30)

Innendienst, Verhöre

TIPP 31)

TIPP 32)

TIPP 33)

TIPP 34)

TIPP 35)

TIPP 36)

TIPP 37)

TIPP 38)

TIPP 39)

TIPP 40)

TIPP 41)

TIPP 42)

TIPP 43)

International

Wie wird man Kommissar?

Abschließend die wichtigsten Tipps:

Vita

Mein großes Dankeschön geht an

Weitere Informationen

Vorbemerkungen (zu meiner Entschuldigung)

Es war si­cher nicht mei­ne Idee, die nach­fol­gen­den Zeilen zu Papier zu brin­gen. Zu­ge­ge­ben, ich mag kei­ne Kri­mis, we­der die als Film noch die in Bü­chern. Immer wie­der er­wi­sche ich mich da­bei, dass ich Feh­ler be­mer­ke, oft sind es nur Klei­nig­kei­ten, die dem »nor­ma­len« Ge­nie­ßer nicht auf­fal­len. Ich zie­he die Feh­ler of­fen­bar förm­lich an, so wie ein Ger­ma­nist den ein­zi­gen Schreib­feh­ler in ei­nem 1.000-Sei­ten-Roman mit traum­wand­le­ri­scher Si­cher­heit fin­det.

Ich könn­te da­mit le­ben, muss mir kei­ne Kri­mi­nal­fil­me an­se­hen, kann auch auf Kri­mi­nal­roma­ne ver­zich­ten. Ich bleib bei mei­nen Leis­ten und pu­bli­zie­re im Sach- oder Fach­buch­be­reich. Nicht, dass je­mand auf den Ge­dan­ken kommt, hier pas­sie­ren kei­ne Klei­nig­kei­ten, das schon, aber die Feh­ler sind neu, weil dann erst­ma­lig ge­macht.

In den Fil­men und Ro­ma­nen pas­sie­ren lei­der immer die glei­chen fal­schen Vor­stel­lun­gen, ta­gein, ta­gaus.

Nun le­sen mei­ne Er­güs­se nicht nur Fach­leu­te oder Stu­den­ten der Poli­zei­schu­len (letz­te­re zu­neh­mend we­ni­ger, da sich die kri­mi­na­lis­ti­sche Aus­bil­dung ste­tig der Null­li­nie an­nä­hert), son­dern auch Kri­mi­au­to­ren und -auto­rin­nen. Was bei de­nen so ab­ge­murkst wird, wel­che To­des­ur­sa­chen sich die­se Leu­te aus­den­ken … man macht sich kei­ne Vor­stel­lun­gen.

Wenn ich mich mit je­man­dem aus die­ser Spe­zi­es tref­fe, dann hin­ter­le­ge ich immer vor­sor­glich an ei­nem ge­hei­men Ort mei­nen Treff­punkt (die­sen Ort ken­nen nur sehr we­ni­ge Ver­trau­te). Soll­te ich mich zu ei­nem ver­ein­bar­ten Zeit­punkt nicht ge­mel­det ha­ben, wür­de ei­ne bun­des­wei­te Fahn­dung aus­ge­löst wer­den.

Aber eben die­se Leu­te, be­knie­ten mich, ih­nen zu hel­fen, da­mit sie ih­re Grau­sam­kei­ten aut­hen­tisch dar­stel­len kön­nen.

»Schreib doch mal ei­nen Rat­ge­ber, so was wie: Was geht? Was geht gar nicht!«

»Du bist doch vom Fach, kennst dich aus, weißt, was rich­tig und falsch ist.«

Letz­te­res ist rich­tig, bei Er­ste­rem ha­be ich be­rech­tig­te Zwei­fel. Wer bin ich, dass ich den Schreib­er­lin­gen (das ist jetzt nicht de­spek­tier­lich ge­meint) vor­schrei­be, wie sie ih­re Schwie­ger­mutter (immer mein Lie­blings­opfer) um die Ecke brin­gen sol­len oder wie viel Li­ter Blut so aus ei­nem Opfer tropft? So, und dann muss ich bei­des auch noch ver­knüp­fen, und ge­nau da liegt der be­rühmte Ha­se im Pfef­fer.

***

Leh­rer woll­te ich nie wer­den!

Bes­ser­wiss­erei liegt mir nicht, un­ge­ach­tet der Tat­sa­che, dass ich gern weiter­ge­be, was ich an Kennt­nis­sen und Er­fah­run­gen ein­brin­gen kann.

Al­so ver­su­che ich, an ei­nen Plau­der­ton an­ge­lehnt, Pro­ble­me an­zu­deu­ten, die in die­sem Gen­re immer wie­der an­zu­tref­fen sind, aller­dings auch immer wie­der mit den be­sag­ten klei­nen Un­ge­nau­ig­kei­ten. Es soll kein Buch zum Stu­die­ren sein, eher ei­ne Lek­tü­re zum Schmö­kern und viel­leicht auch an ei­ni­gen Stel­len zum Schmun­zeln … aber bit­te stets mit ern­stem Hin­ter­grund.

Wer tief­er­ge­hen­de Sach­kun­de sucht, soll­te auf mein drei­bän­di­ges »Kom­pen­di­um der Kri­mi­na­lis­tik« zurück­grei­fen. Dort wer­den zwar kei­ne An­lei­tun­gen pu­bli­ziert, aber ver­sucht, der Kom­ple­xi­tät der Kri­mi­na­lis­tik auf die Schli­che zu kom­men.

Was dann der Autor da­raus macht, über­las­se ich sei­ner Krea­ti­vi­tät, immer un­ter der alles be­herr­schen­den Fra­ge: Aut­hen­tisch, aber wie?

»Dei­ne Bü­cher sind rich­tig gut, aber zu wis­sen­schaft­lich. Die In­for­ma­tio­nen, die ein Autor für ei­ne Sto­ry be­nö­tigt, muss er in den Wäl­zern immer noch müh­sam su­chen.«

»Die vielen Fremd­wor­te ver­steht doch oh­ne­hin nur ein In­si­der!«

»Ich wür­de mir ja die Bü­cher zu­le­gen, aber der Preis!«

»Das Co­ver der Bü­cher sieht be­scheu­ert aus, passt far­blich nicht zu mei­nen an­de­ren Bü­chern.«

»Die Ma­te­rie ist mir zu kom­pli­ziert. Man müss­te et­was für Otto-Nor­mal­ver­brau­cher ma­chen.«

»Schreib doch mal nur für Kri­mi-Auto­ren und schreib es so, dass die es ger­ne le­sen und auch ver­ste­hen.«

(Ein klei­nes Bei­spiel soll dies ver­deut­li­chen. Je­der nor­ma­le Mensch ver­steht bei dem Wort – ›grund­sätz­lich‹ -, dass ein Zu­stand be­schrie­ben wird, der immer ein­tritt. Je­der nor­ma­le Mensch, außer ei­nem Juris­ten … Wenn ein Ju­rist die­ses Wort be­nutzt, kommt immer ein »aber« und dann ei­ne gan­ze Li­ta­nei von Aus­nah­men. Wie ge­sagt … nor­ma­le Men­schen … )

Der letz­te Satz im­pli­ziert, Kri­mi-Auto­ren seien manch­mal ein biss­chen schwer von Be­griff. Ich wer­de den Teu­fel tun und mich da rein­hän­gen, zu­mal es in den meis­ten Fäl­len auch nicht stimmt.

Ich ver­su­che mich auf den fol­gen­den Sei­ten in die Rol­le ei­nes sol­chen »be­griffs­stut­zi­gen« Men­schen hin­zu­ver­set­zen. Ich muss zu­ge­ben, dass mir bis­wei­len beim Le­sen ih­rer Wer­ke graue Haa­re wach­sen. (Letz­te­res ist phy­sio­lo­gi­scher Un­sinn, nicht wahr, lie­be Auto­ren­schar? Graue Haa­re gibt es nicht.)

Auch wenn es im Fol­gen­den an man­chen Stel­len den An­schein er­we­cken soll­te, ich ma­che mich lus­tig … mit­nich­ten, es ist alles ernst ge­meint.

Die er­ste Fra­ge, die mir beim Hin­ein­ver­set­zen über den Weg läuft, ist da­her folg­er­ich­tig: Wie kommt ein Mensch auf die Idee, ei­ne Ge­schich­te über Mord und Tot­schlag zu schrei­ben? Ist viel­leicht die Schwie­ger­mutter …?

Ich be­haup­te, dass der­ar­ti­ge Am­bi­tio­nen Zeug­nis ei­ner schwar­zen See­le sind.

Was ist al­so für ei­nen Kri­mi-Autor der EAF? EAF steht für »Ein­fach­ster Anzu­neh­men­de Fall«, so­weit leuch­tet das al­so ein. Lei­der kann ich auf die­sen Fach­be­griff nicht ver­zich­ten, da er in der kri­mi­na­len Welt recht ver­brei­tet ist.

Der ein­fach­ste an­zu­neh­men­de Fall liegt vor, wenn sich zwei Men­schen be­geg­nen, oh­ne die ge­ring­ste Ab­sicht zu ha­ben, die eige­ne Mei­nung zu re­vi­die­ren. Zwei Men­schen be­geg­nen sich und nur ei­ner von ih­nen ver­lässt die Be­geg­nungs­stät­te aus ei­ge­ner Kraft.

Hier be­ginnt die Auf­ga­be des ge­üb­ten Kri­mi­schrei­bers. Er muss auf den näch­sten 300 Sei­ten die Span­nung immer schön hoch­hal­ten, an­sons­ten be­steht die Ge­fahr, dass der Le­ser das Buch vor dem Ein­schla­fen zu­schlägt und nie wie­der öff­net.

Der Mord

TIPP 1)

Be­nutzt den Be­griff -MORD- nur dann, wenn ihr selbst wisst, was sich da­hin­ter ver­birgt!

Na­tür­lich könn­te ich an die­ser Stel­le lang und breit in die Juris­te­rei ein­drin­gen. Das kön­nen wir uns, den­ke ich, er­spa­ren, zu­mal die Fest­le­gung, ob es Mord ist oder eben nicht, oh­ne­hin nicht bei der Kri­po liegt.

Ei­nes soll­te der Autor aller­dings ver­mei­den: den wei­ßen Schim­mel. Da­mit mei­ne ich et­was dop­pelt ge­mop­pel­tes, wie »vor­sätz­li­cher Mord«, oder noch schlim­mer: »vor­sätz­lich ge­plan­ter Mord«.

Mord ist von Natur aus immer vor­sätz­lich.

In der Rea­li­tät sind es drei Fra­gen, die für den Er­mitt­ler von aus­schlag­ge­ben­der Wich­tig­keit sind:

- Wer ist das eigent­lich, der den Feie­ra­bend des Herrn Kom­mis­sars so stört?

- Wie lan­ge liegt er/sie hier be­reits rum?

- Wer sitzt ir­gend­wo auf die­ser Welt und freut sich ein Loch ins Knie, dass die­ser Mensch nicht mehr un­ter uns weilt?

TIPP 2)

Lasst eu­re Er­mitt­ler stets von ei­nem Tö­tungs­delikt spre­chen. Ob die vor­lie­gen­de Tat als Mord ge­wür­digt wer­den wird, ent­schei­det nicht der Er­mitt­ler, auch nicht sein vor­ge­setz­ter Staats­an­walt, son­dern ein­zig und allein das Ge­richt.

Zu­nächst taucht aller­dings ei­ne ganz an­de­re Fra­ge auf:

Wie kommt die Kri­mi­nal­poli­zei über­haupt zu der In­for­ma­tion, dass es mög­li­cher­wei­se ei­ne Straf­tat gibt, al­so ein Ta­tort vor­liegt?

In der Re­gel wer­den es Be­am­te der Schutz­poli­zei sein, die als er­ste Poli­zei­kräf­te an ei­nem Ta­tort ein­tref­fen und die er­sten poli­zei­li­chen Maß­nah­men ver­an­las­sen. Dum­mer­wei­se wer­den ge­nau die­se Kräf­te so­wohl in Fil­men als auch in den ein­schlä­gi­gen Ro­ma­nen zu Un­recht ver­nach­läs­sigt. Denn die sind es, die über das Wohl und We­he ei­ner dann fol­gen­den Er­mitt­lung maß­ge­blich mit­be­stim­men.

Die­ser so­ge­nann­te ›Si­che­rungs­an­griff‹ ver­dient größ­te Be­ach­tung und wenn ihr er­kannt habt, welch wich­ti­ge Auf­ga­ben auf die­se Kol­le­gen zu­kom­men kön­nen, wer­det ihr mir recht ge­ben.

Ex­em­pla­risch seien hier die Wich­tigs­ten ge­nannt: Ta­tort­si­che­rung; das hört sich ein­fach an, ist bis­wei­len aller­dings ein wah­rer Kraft­akt. Ta­tort­ab­sper­rung. Wei­träu­mig, vor al­lem, wenn der Ta­tort im Frei­en liegt und ei­ne Strei­fen­wagen­be­sat­zung lei­der nicht aus ei­ner Hun­dert­schaft be­steht. Fests­tel­lung von un­mittel­ba­ren Zeugen (auch de­nen, die sich da­für hal­ten, letz­tend­lich aber doch nur Wich­tig­tu­er sind) und -ganz wich­tig- de­ren Tren­nung von den ver­meint­li­chen Zeugen. Un­ter sehr güns­ti­gen Um­stän­den so­gar die vor­läu­fi­ge Fest­nah­me ei­nes drin­gend Tat­ver­däch­ti­gen. Ver­stän­di­gung der zu­stän­di­gen Kri­mi­nal­poli­zei­dienst­stel­le. Un­ter­sa­gung des Be­tre­tens durch Un­be­fug­te. (So­ge­nann­tes Spu­ren­ver­nich­tungs­kom­man­do, er­scheint immer) Un­ter­bin­dung nach­träg­li­cher Ver­än­de­run­gen. Es ist nicht sel­ten, dass die lie­ben An­ge­hö­ri­gen (oft­mals Fin­der der Lei­che) ver­su­chen, den Leich­nam noch »schön« herz­urich­ten oder die Woh­nung auf­zu­räu­men. Si­che­rung er­ster Per­so­nal­be­wei­se. Schon des­we­gen nicht ganz ein­fach, weil alle Be­tei­lig­ten (aus­ge­nom­men die Kol­le­gen der Schutz­poli­zei, so mei­ne Hoff­nung!) in ei­nem Aus­nah­me­zu­stand sind.

Nicht, dass jetzt der Ein­druck ent­steht, die Be­am­ten könn­ten die­se Auf­ga­ben nach­ein­an­der sau­ber ab­ha­ken … mit­nich­ten, es muss alles gleich­zei­tig und ge­mäß den Richt­li­ni­en ei­ner ord­nungs­ge­mä­ßen Spu­ren­si­che­rung ge­sche­hen.

Ei­ne Be­son­der­heit darf an die­ser Stel­le, ge­ra­de in der heu­ti­gen Zeit, nicht ver­schwie­gen wer­den. Es ist die du­bio­se Rol­le der Me­dien­ver­tre­ter. Na­tür­lich ist es de­ren Be­dürf­nis, an In­for­ma­tio­nen zu kom­men, so nah wie mög­lich am Opfer zu sein und wenn mög­lich als Er­ste den Na­men des Tä­ters preis­zu­ge­ben. Es ist lei­der nicht sel­ten, dass die auf der Dienst­stel­le ver­blie­be­nen Be­am­ten schnel­ler über Ra­dio- oder TV-Be­richt­erstat­tung (und im zu­neh­men­den Ma­ße über die be­rühmt-be­rüch­tig­ten So­ci­al Me­dia) in­for­miert wer­den, als von ih­ren, noch mit der Ta­tor­tar­beit be­schäf­tig­ten, Kol­le­gen.

Gut, dass der Kom­mis­sar be­reits so früh als Be­griff auf­taucht. Den Kom­mis­sar à la Poi­rot, Maig­ret, Miss Mar­ple oder Hol­mes (ich weiß, die­se Damen und Her­ren sind kei­ne Poli­zis­ten) gibt es nicht. ›Tea­mar­beit‹ heißt das Zau­ber­wort, wenn es da­rum geht, ein Ka­pi­tal­ver­bre­chen auf­zu­klä­ren. Immer, wenn im Fol­gen­den von dem Kom­mis­sar die Re­de ist (macht euch bit­te über die Dienst­gra­de der Kri­po im Vor­feld sach­kun­dig [Kri­mi­nal­kom­mis­sar? Kri­mi­na­lo­ber­kom­mis­sar? Kri­mi­nal­haupt­kom­mis­sar? Er­ster Kri­mi­nal­haupt­kom­mis­sar? Kri­mi­nal­rat?], steht da­hin­ter die Ar­beit ei­nes Te­ams. Wer Lei­ter des Te­ams wird, ent­schei­det we­ni­ger der Dienst­grad, son­dern die Er­fah­rung, schon da­raus er­gibt sich die lo­gi­sche Kon­se­quenz, dass da­für ein Green­horn nicht in Fra­ge kommt. Wie sich letz­tend­lich das Te­am zu­sam­men­setzt, ent­schei­det der zu­stän­di­ge Dienst­stel­len­lei­ter. Lei­der ist es in Deutsch­land bis auf we­ni­ge Aus­nah­men nicht üb­lich, ei­ne stän­di­ge Mord­kom­mis­sion im Ein­satz zu ha­ben, ein nicht zu un­ter­schät­zen­der Nach­teil.

Nun zur Klä­rung der er­sten Fra­ge, der Fra­ge nach der Iden­ti­tät:

Für den wah­ren Kri­mi­na­lis­ten ist die Be­ant­wor­tung in den meis­ten Fäl­len nicht die gro­ße Her­aus­for­de­rung. Er nimmt sich den vom Arzt akri­bisch aus­ge­füll­ten To­ten­schein … Bin­go, der Na­men steht oben in den er­sten bei­den Zeilen (oder eben nicht … ty­pi­scher Fall von un­be­kann­ter Lei­che).

Apro­pos Arzt:

Ein Arzt ist wich­tig, vor al­lem in Deutsch­land. In Deutsch­land ist man tat­säch­lich erst so rich­tig tot, wenn es amt­lich be­schei­nigt ist. Und eben die­se Be­schei­ni­gung kann nur ein Arzt aus­stel­len. Lie­be Kri­mi­schrei­ber, lasst den Rechts­me­di­zi­ner zu Hau­se oder bes­ser in sei­nem Se­zier­kel­ler. Dass ein Rechts­me­di­zi­ner am Ta­tort er­scheint, kommt (auf­fal­lend oft) nur im gleich­na­mi­gen Film vor.

TIPP 3)

Ver­wech­selt nie­mals ei­nen Rechts­me­di­zi­ner mit ei­nem Pa­tho­lo­gen.

Seid euch über den Un­ter­schied im Kla­ren!

(Ein Pa­tho­lo­ge un­ter­sucht ei­nen Leich­nam vor­der­grün­dig aus me­di­zi­ni­scher Sicht, um die To­des­ur­sa­che zu ve­ri­fi­zie­ren.

Der Rechts­me­di­zi­ner un­ter­sucht den Leich­nam aus fo­ren­si­schen Ge­sichts­punk­ten und hat gänz­lich an­de­re Un­ter­su­chungs­schwer­punk­te, wie z. B. Fests­tel­lung der To­des­art, Fests­tel­lung der To­des­zeit, Aus­sa­gen über Tat­werk­zeu­ge und Tat­mittel, Aus­sa­gen über die Rei­hen­fol­ge der Ver­let­zun­gen u. v. m.)

In der Re­gel er­scheint ein Arzt, mit Be­to­nung auf (ir­gend)ein Arzt. Ein ap­pro­bier­ter Hu­man­me­di­zi­ner muss es sein, wo­bei der Zahn­arzt ei­ne Be­son­der­heit dar­stellt. Er darf kei­nen To­ten­schein aus­stel­len.

Die­ser muss nun den To­ten­schein aus­fül­len. Ne­ben der Iden­ti­tät des To­ten (na­men­los ster­ben, wird in Deutsch­land nicht gern ge­se­hen, kommt aber hin und wie­der doch vor), muss er die To­des­art fests­tel­len. Das ist nicht son­der­lich kom­pli­ziert, die ein­zi­gen drei Mög­lich­kei­ten sind be­reits vor­ge­druckt, der Arzt muss das Kreuz le­dig­lich an der rich­ti­gen Stel­le set­zen, als da wä­ren na­tür­lich, nicht na­tür­lich oder un­be­kannt.

TIPP 4)

Selbst­mord ist die juris­tisch fal­sche Be­zeich­nung für ei­nen Sui­zid!

Je­der ver­steht ihn, selbst ein­ge­fleisch­te Juris­ten, trotz­dem ist das deut­sche Wort -Selbst­mord- falsch.

Wa­rum?

Ta­tob­jekt bei ei­nem Mord ist immer ein an­de­rer Mensch! Mord ist al­so immer Tod durch frem­de Hand.

Erst wenn die­se frem­de Hand si­cher aus­ge­schlos­sen wer­den kann, erst dann ist der un­na­tür­li­che Tod für die Kri­po ir­re­le­vant.

Sui­zi­de sind in ih­rer Aus­füh­rung außer­or­dent­lich viel­schich­tig und in ih­rer kom­ple­xen Be­ar­bei­tung ei­nem Tö­tungs­delikt na­he­zu gleich­ge­stellt. Zu­min­dest soll­te es so sein, denn die Praxis be­weist eher das Ge­gen­teil. Da reicht oft ein ge­fun­de­ner Ab­schieds­brief, um die An­ge­le­gen­heit zu den Ak­ten zu le­gen.

Ist das dann der per­fek­te Mord?

Akri­bi­sche Ar­beit ist, wie bei je­dem Tö­tungs­fall, Grund­vor­aus­set­zung für ei­ne si­che­re Aus­sage be­züg­lich des Vor­lie­gens ei­nes Sui­zids. Sui­zid­me­tho­den zei­gen sich nicht immer als ein­fa­ches Vor­ge­hen des Sui­zi­den­ten. Hin und wie­der wird der Er­mitt­ler mit den skur­ril­sten Si­tua­tio­nen kon­fron­tiert und ist auch da­durch schnell ge­neigt, ei­nen To­des­fall für ei­nen Sui­zid zu hal­ten. Wer­den aller­dings die Ab­läu­fe re­kons­trui­ert, zeigt sich bis­wei­len die Un­mög­lich­keit der vor­ge­fun­de­nen Si­tua­tion, z. B. dann, wenn fest­ge­stellt wird, dass sich der be­reits To­te die Schlin­ge selbst um den Hals ge­legt ha­ben muss.

TIPP 5)

Setzt nie -To­des­art- und -To­des­ur­sa­che- als Sy­no­ny­me ein. Es sind grund­ver­schie­de­ne Sach­ver­hal­te!

Soll­te die Iden­ti­tät be­kannt sein und der/die Ver­schie­de­ne ist ei­nes na­tür­li­chen To­des ge­stor­ben, wä­re der Kom­mis­sar fein raus und hät­te Feie­ra­bend. In allen an­de­ren Fäl­len ist eben die­ser in wei­te Ferne ge­rückt.

So ein Dot­to­re kann aller­dings die kri­mi­nal­poli­zei­li­che Ar­beit auch ganz schön durch­ein­an­der­brin­gen.

Wenn das Opfer augen­schein­lich tot ist (es gibt Zeichen, die von außen be­trach­tet kei­nen Zwei­fel zu­las­sen – da­rauf kom­men wir zur ge­ge­be­ner Zeit noch zu spre­chen) soll­te er im In­te­res­se ei­ner er­folg­rei­chen Er­mitt­lung sei­ne Lei­chen­schau (vor­ge­schrie­ben) erst dann vor­neh­men, wenn die Kri­po da­mit ein­ver­stan­den ist. Ei­ne vor­ei­lig vor­ge­nom­me­ne ärzt­li­che Lei­chen­schau ver­nich­tet even­tu­ell für die poli­zei­li­che Auf­klä­rungs­ar­beit wich­ti­ge Spu­ren. Ein Arzt kann al­so da­zu bei­tra­gen, dass die Auf­klä­rung zum Er­folg führt; er kann aber auch die Ur­sa­che da­für sein, dass der Tä­ter nicht ge­fasst wird. So ent­steht dann die Le­gen­de vom per­fek­ten Mord, die in Wirk­lich­keit le­dig­lich un­ver­ant­wort­li­che Schlam­pe­rei ist.

Bis­wei­len kann es pas­sie­ren, dass der Herr Kom­mis­sar in der Brief­ta­sche des Ver­bli­che­nen nach Pa­pie­ren (Per­so­nal­aus­weis, Füh­rer­schein) su­chen muss. Im schlimm­sten Fall muss er sei­ne Men­schen­scheu über­win­den und die (hof­fent­lich außer­halb der poli­zei­li­chen Ab­sper­rung) her­um­ste­hen­den Neu­gie­ri­gen be­fra­gen, in der Re­gel ist es dann als Pro­blem ab­ge­ges­sen. Nicht un­er­wähnt blei­ben darf, dass es hin und wie­der den be­rühmt­en un­be­kann­ten To­ten gibt. Das ist dann der Stoff, aus dem die Kri­mis ent­ste­hen kön­nen.

Und dann ha­ben wir es, das kri­mi­na­lis­ti­sche Pro­blem, dass da je­mand in der Ge­gend rum­liegt und nie­mand weiß, wer das ist.