Mörderisches Mittelalter - Walter Brendel - E-Book

Mörderisches Mittelalter E-Book

Walter Brendel

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Beschreibung

Historische Verbrechen Im Mittelalter war man nicht zimperlich, wenn es darum ging, Macht zu gewinnen und auszuüben. Prinzen, Thronfolger, Könige, Spione und Andersdenkende segneten frühzeitig das Zeitliche. Doch wer waren die Mörder und war es überhaupt Mord? Die Fälle um Arthur von Bretagne, Edward II., die Prinzen von Edward IV., Juan Borgia, Amy Robsard und Christoph Marlow sollen unter heutigen Gesichtspunkten betrachtet und analysiert werden, was die tatsächlichen Hintergründe um Täter und Opfer waren.

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Seitenzahl: 92

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Walter Brendel

Mörderisches Mittelalter

Impressum

Texte:             © Copyright by Walter Brendel Umschlag:            © Copyright by Gunter Pirntke

Verlag:

Das historische Buch, Dresden / Brokatbookverlag

Gunter Pirntke

Altenberger Straße 47

01277 Dresden

[email protected]

 

Inhalt

Vorwort

Mord an Arthur von Bretagne (1203)

Mord an Edward II. (1327)

Kindermord im Tower (1483)

Mord an Juan Borgia (1497)

Mord an Amy Robsard (1560)

Mord an Christoph Marlow (1593)

Vorwort

Diese Dokumentation greift gezielt Episoden des Mittealters heraus. Historiker, Rechtsmediziner und Archäologen haben in vielen Episoden aufwendig Material beschafft, was uns nun in die Lage versetzt, wichtige Mordfälle zwischen 1203 und 1593 in der heutigen Bewertung zu betrachten.

Für alle Fälle, die hier geschildert werden, steht es bis heute noch nicht fest, ab die Todesumstände auf Mord schließen lassen und wer die Täter waren, denn die meisten historischen Mordfälle wurden kurz nach der Tat aufgeklärt. Doch manchmal benötigte es modernerer Methoden aus Wissenschaft und Historie, um herauszufinden, wie und warum jemand gestorben ist. Wir möchten einige der größten und ungeklärten Todesfälle der Geschichte untersuchen und umrandete Theorien wieder aufleben lassen. Versuchen wir die neuesten Erkenntnisse mit damaligen Hinweisen zu verknüpfen. Die Taten mögen bereits hunderte Jahre zurückliegen, doch mit Hilfe moderner Forensik, Kriminologen und Experten betrachten wir erneut das „Mörderische Mittelalter“.

1. Mord an Arthur von Bretagne (1203)

King John ist der verräterische Bruder, der versuchte, den Thron von Richard Löwenherz zu ergreifen, als dieser während der Kreuzzüge im Ausland kämpfte. John ist heutzutage schon fast so etwas wie ein Klischee-Bösewicht, und das Bild eines selbstsüchtigen, grausamen, tyrannischen und gewalttätigen Mannes trifft überwiegend zu, obwohl er auch sehr belesen und ein fähiger Verwalter war. Er soll persönlich seinen Neffen Arthur von Bretagne ermordet haben, um ihn daran zu hindern, den englischen Thron zu übernehmen. Eine schockierende Geschichte, deren Wahrheitsgehalt jedoch umstritten ist.

2. Mord an Edward II. (1327)

Der weiblich wirkende und schwache Sohn des Kriegerkönigs Edward Longshanks findet 1327 auf Berkeley Castle einen entsetzlichen Tod, bei dem eine glühende Eisenstange eingesetzt wurde. Diese außergewöhnliche Geschichte über sexuelle Eskapaden und mittelalterliche Politik, wirft die Frage auf, ob die Geschichte über den Tod von König Edward wirklich wahr ist oder eher ein Beispiel für effektive mittelalterliche Propaganda abgibt.

3. Kindermord im Tower (1483)

Seit seine sterblichen Überreste 2013 unter einem Parkplatz in Leicestershire gefunden wurden, ist Richard III. populärer als er es in den letzten 500 Jahren je war – nicht dass er im späten 15. Jahrhundert besonders beliebt gewesen wäre. Man beschuldigt ihn, für den Tod seiner Neffen, der sogenannten Prinzen im Tower, im Jahr 1483 verantwortlich zu sein – über seine Schuld oder Unschuld wird noch heute diskutiert. Diese Episode sammelt alle Beweise und untersucht die neue Theorie, nach der Richard tatsächlich seine eigene Frau umbringen ließ, um sich seinen Weg zum Thron zu ebnen.

4. Mord an Juan Borgia (1497)

Das schlimmste Mitglied der Familie Borgia auszusuchen, ist wirklich schwer, da es so viele geeignete Kandidaten gibt. Juan Borgia steht jedenfalls ganz oben auf der Liste: ein verwöhntes, arrogantes, zügelloses und grausames Balg, das zufällig auch der Lieblingssohn von Papst Alexander VI. war, besser bekannt als der berüchtigte Despot Rodrigo Borgia. Als Juan im Jahr 1497 starb, war der Papst außer sich vor Trauer und gleichzeitig von Menschen umgeben, die den Wunsch, das Motiv und die Mittel hatten, Juan ein für alle Mal loszuwerden. Doch wer es tatsächlich getan hat, ist bis heute nicht geklärt.

5. Mord an Amy Robsard (1560)

Der Name Amy Robsart ist heute kaum noch bekannt, doch die bedauernswerte Frau war das Opfer in einem Skandal und Geheimnis, das die Regentschaft von Königin Elizabeth I. bis heute befleckt. Robsart war die Frau von Robert Dudley, dem Günstling und vermeintlichen Liebhaber der Königin. Elizabeth soll gesagt haben, dass sie Dudley heiraten würde, wenn er frei sei. 1560 wurde Amy im Alter von 28 Jahren am Fuß der Treppe ihres Hauses in Oxfordshire tot aufgefunden. Ihr Tod löste einen Skandal aus, und die Öffentlichkeit gab Amys Ehemann die Schuld daran.

6. Mord an Christoph Marlow (1593)

Der frühe Tod von Christopher Marlowe im Jahr 1593 beraubte die englische Literatur eines ihrer größten Dramatiker, eines Mannes, der keinen Geringeren als William Shakespeare lehrte und beeinflusste. Doch Marlowe wurde nicht durch eine Krankheit oder Krieg aus dem Leben gerissen, er wurde brutal ermordet. Die Umstände und Gründe seines Mordes wurden nie aufgeklärt und sorgen bis heute für hitzige Debatten. Es gibt verschiedene Theorien, die besagen, dass Marlowe ein Spion war, dass er wegen unbezahlter Schulden ermordet wurde oder dass seine Stücke als katholische Propaganda gesehen wurden. Einige glauben sogar, dass er seinen Tod nur vorgetäuscht hat.

Mord an Arthur von Bretagne (1203)

April 1203, in Rouen, der Hauptstadt der Normandie wird Arthur I. auf Befehl seines Onkels Johann in Gefangenschaft gehalten. König Johann war ein schlechter Mann, keine Frage, er ließ Leute ermorden und wurde vom Papst exkommuniziert. Solange Arthur lebte, war er eine Bedrohung von Johanns Herrschaft. Bis heute ist sein Schicksal ein Rätsel.

Arthurs Leiche wurde nie gefunden und man weiß nicht, was mir ihr passiert ist. Gerüchten zufolge wurde sie von einem Fischer in der Seine gefunden und heimlich begraben, aber eigentlich gibt es keine zuverlässigen Quellen über den Verbleib seiner Leiche. Manche nehmen an, Arthur wurde von König Johanns rechter Hand, William de Braose aus dem Weg geschafft. Er war nicht sehr zimperlich, wenn er im Auftrag der Könige des Hauses Anjou handelte und er wäre niemals so schnell aufgestiegen, ohne auf anderen herum zu trampeln. Es könnte ein brutaler Mord im Auftrag des Königs gewesen sein.

Arthur wurde aufgrund seiner Geburt von König Johann in Falaise unter der Aufsicht von Hubert de Burgh eingekerkert und sollte dort geblendet und kastriert werden. Andere behaupten, König Johann habe ihm eigenhändig beseitigt. Später erzählten Leute, die in das Verschwinden von Arthur verwickelt waren, dass der betrunkene Johann seinen Neffen in einem Wutanfall erschlagen habe. Aber was ist Arthur I., Herzog von Bretagne wirklich zugestoßen?

***

Ende des 12. Jahrhunderts, ab 1189, wird England regiert von Richard I., genannt Löwenherz, aber auch bekannt als der abwesende König, verkörpert das Ideal des Rittertums. Er betritt im Erwachsenenalter nur zwei Mal englischen Boden. Richards Teilnahme am Kreuzzug und die Kriege in Frankreich beanspruchen den Großteil seiner Zeit. Im März 1199, während der Belagerung von Mirebeau in Frankreich, wird König Richard von einem Armbrustbolzen getroffen und tödlich verletzt. Auf seinem Sterbebett erklärt er seinen jüngeren Bruder Johann zum Thronfolger, da er selbst keinen legitimen Sohn hat. Doch Johann erweist sich trotz der Blutsbande nicht als würdiger Erbe der Krone. Er zeigt einen schlechten Charakter und neigt zur Grausamkeit und Brutalität. Er hatte 22 junge Waliser am Festungswall von Carmarthen Castle aufhängen. Doch obwohl Richard seinen Bruder Johann als Thronfolger bestimmt hat, behält Arthur den rechtmäßigen Anspruch auf die englische Krone. Wenn die Geschichte einen anderen Verlauf genommen hätte, wäre Arthur ohne Zweifel König von England geworden.

Arthur hatte als Enkel von Heinrich II. neben seinen Onkel Richard Löwenherz und König Johann ebenfalls einen Anspruch auf die Krone. Darin lag das Problem. Arthurs Vater Gottfried stand als älterer Bruder Johanns an erster Stelle in der Thronfolge. Doch Gottfried ist noch vor Arthurs Geburt gestorben. Deshalb müsste die Krone eigentlich an seinen Sohn weitergereicht werden. Gottfried war der dritte Sohn von Heinrich II. und Eleonore von Aquitanien. Er kam 1186 bei einem Turnier in Paris ums Leben, als seine Frau mit Arthur schwanger war. Arthur wurde am 13. April 1187 geboren. König Richard stirbt 13 Jahre nach seinen jüngeren Bruder Gottfried. Arthur ist erst 12 Jahre alt und noch zu jung, um zu regieren. Wer hatte nun den rechtmäßigen Anspruch auf die englische Krone. Arthur als Gottfries Sohn oder Johann, als jüngerer Bruder? Eine strittige Frage. Aber Arthur dürfte größere Ansprüche haben. Doch er ist noch ein Kind, spricht nur französisch und hat nie englischen Boden betreten. Johann dagegen ist erwachsen und spricht Englisch. Die englischen Barone halten ihm für geeigneter. England wählte Johann, Frankreich natürlich nicht und man besaß damals viel Land in Frankreich. König Philipps II. von Frankreich setzte sich für Arthur als englischen Thronfolger ein und weigert sich, Johann als König von England anzuerkennen und unterstützt Arthur. Philipp ist daraus aus, die Normandie und andere Gebiete, die unter Johanns Kontrolle stehen, für die französische Krone zurück zu gewinnen und mit Philipps Hilfe lehnt sich Arthur im Jahr 1202 gegen Johann auf.

Arthur mobilisierte eine große Armee und belagerte die Burg von Mirebeau, wo sich auch Johanns 80igjährige Mutter aufhielt. Und diese schickte eine Botschaft an Johann, der gerade in Frankreich weilte und ihr zur Hilfe eilte. Er landete einen Überraschungsangriff und am 1. August 1202 wurde Arthur von den Truppen Johanns vor der Burg gefangen genommen und geriet so unter Johanns Kontrolle. Arthur wurde wegen seines Anspruchs auf die englische Krone von König Johann in eine Burg in Falaise eingekerkert. Was mit ihm passieren sollte, haben wir bereits erwähnt. Er wollte ihm aus dem Weg schaffen und verhindern, dass er Nachkommen zeugen kann. Der Legende nach aber hat Hubert de Burgh den Befehl zum großen Ärger von König Johann nicht ausgeführt. Arthur wurde dann ein Jahr später von William de Braose in eine Burg nach Rouen überführt. Dort muss er dahin gesiecht sein, so die Legende. Fakt ist aber, dass er im April des Jahres unter ungeklärten Umständen verschwand. Es gibt keinen Zweifel daran, dass Johann für das Verschwinden verantwortlich war, aber wir wissen nicht, was genau mit ihm geschehen ist.

Arthur hat sich sicherlich nicht in Luft aufgelöst. Welches Schicksal muss Artur erlitten haben? Darüber ist viele Jahrhunderte spekuliert wurden. Sogar nach mittelalterlichen Maßstäben könnte Arthurs Ermordung an Brutalität kaum zu übertreffen gewesen sein.

Theorie 1: Arthur wurde doch geblendet und kastriert. Es handelte sich um eine barbarische Verstümmelung, die zumeist zum Tod durch Verbluten führte. Und eine weitere Legende sagt, dass Arthur am Schock der Kastration starb. Bis vor nicht allzu langer Zeit wurden Leute kastriert. Eunuchen spielte dabei eine große Rolle. Aber die Kastration darf nicht zu einem hohen Blutverlust führen und es besteht immer das Risiko einer Infektion. Beim Blenden wurden damals Augen mit dem Messer ausgestochen. Wenn man in die Augenhöhle sticht, dringt das Messer eventuell zu tief ein und durchbohrt die dünne Schädelschicht. Dann werden Blutgefäße an der Gehirnbasis verletzt. Die Folge wäre damals immer eine Infektion gewesen, wo der Tod eintritt.

Ein lebender Arthur wäre also eine ständige Bedrohung für Johanns Herrschaft gewesen und musste weg. Johann kann man ohne weiteres als Psychopath bezeichnen und wollte es immer auf grausame Art erledigen. Wenn König Johann den Mord an seinen Neffen beauftragt oder ihm selbst begangen hätte, hätte er damit folgende Botschaft an sein Volk gesendet. „Ich werde meinen Neffen die Augen rauben, damit er sie nie wieder benutzen kann“. Es war sicher ein sehr qualvoller Tod für Arthur. Mit der Kastration wollte Johann mitteilen, „sogar wenn er überlebt, will ich dafür sorgen, dass er nie Erben haben kann“.