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Studienarbeit aus dem Jahr 2015 im Fachbereich Pflegewissenschaft - Pflegemanagement, Note: 1,0, Hamburger Fern-Hochschule (Pflegemanagement), Sprache: Deutsch, Abstract: Sexualassistenz ist eine in der Behindertenarbeit bereits seit längerem bekannte und erfolgreich angebotene Dienstleistung für Menschen, die beim Ausleben ihrer Sexualität aus unterschiedlichen Gründen Unterstützung benötigen. In der Altenhilfe ist diese Tätigkeit bisher noch relativ unbekannt, jedoch ist auch hier der Beruf auf dem Vormarsch. In Hamburg hat die erste Vermittlungsagentur für SexualassistentInnen eröffnet, die sich ausdrücklich an die ältere Generation richtet. Viel wurde bereits über die Menschen berichtet, die eine solche Dienstleistung in Anspruch nehmen. Wer bislang bis auf wenige individuelle Ausnahmen aber völlig unbeachtet blieb, sind die DienstleisterInnen selbst, ihre Motivationen und Intentionen. In dieser qualitativen Studie wurde mittels narrativer Interviews ein Bild der befragten SexualassistentInnen gezeichnet, das diese Lücke füllen möchte. Aufgrund der geringen Anzahl an durchführbaren Interviews ist die Arbeit als Vorstudie konzipiert.
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Veröffentlichungsjahr: 2015
Impressum:
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Inhaltsverzeichnis
Tabellenverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis
1 Sexualität im Alter – ein Tabu im Wandel
1.1 Begründung der Themenstellung – Ableitung des Themas
1.2 Die Vermittlungsagentur „Nessita“
1.3 In dieser Studie behandelte Forschungsfragen
1.4 Erklärung
2 Aufbau und Organisation der Studie
3 Definitionen
4 Vorstellung der Ergebnisse aus der qualitativen Untersuchung
5 Zusammenfassendes Fazit und Ausblick
5.1 Beantwortung der Forschungsfragen
5.2 Durch die Studie neu aufgeworfene Fragen
6 Reflexion der Studienarbeit
6.1 Organisatorische Schwächen und strukturelle Schwierigkeiten
6.2 Eignung des Forschungsdesigns
6.3 Qualität des Fragebogens
6.4 Lessons Learned
Anhang
Leitfragenkatalog
Quellenverzeichnis
Tabelle 1: Abkürzungsverzeichnis
Tabelle 2: Lessons Learned
Die kapitalistische Welt, in der wir leben, richtet sich nach Angebot und Nachfrage aus. Gibt es einen Bedarf nach einer bestimmten Dienstleistung, so wird sicherlich auch bald ein entsprechendes Angebot zu finden sein. In der Altenpflege nimmt die Bedeutung der Selbstbestimmung immer mehr zu, nicht nur aufgrund dieser marktwirtschaftlichen Entwicklung, sondern auch, weil sich die Ansprüche an die Leistungen in diesem Sektor, dem allgemeinen Trend hin zur Individualisierung folgend, insgesamt stark verändern. Ebenso, und aus den gleichen Gründen, befinden sich Vorstellung und Ideale, was eine „optimale Pflege“ beinhalten sollte, in Richtung Selbstverwirklichung im Wandel. Der Erhalt der Lebensqualität erfährt eine deutliche Aufwertung, im Heim soll der alte Mensch nicht mehr lediglich „aufbewahrt“ werden, im Gegenteil, es soll ein lebenswerter letzter Abschnitt, das sogenannte „dritte Lebensalter“, gestaltet werden und zwar unter größtmöglicher Berücksichtigung der Wünsche der Betroffenen. „Der Lebensraum ist der Ort der persönlichen Entwicklung und Entfaltung, ein Ort [sic!] in dem man selbst entscheidet“ (Kämmer, Entzian 2008: 47). Daraus lässt sich schließen, dass sich zwangsläufig auch die Anforderungen, welche an die ambulanten und stationären Versorger gestellt werden, verändern. Dienstleister in der Altenpflege gibt es in ebenso großer Zahl, wie in vielen anderen Branchen auch. Es herrscht ständiger Druck durch Konkurrenzkampf. Durch die strengen Auflagen, denen eine stationäre Altenpflegeeinrichtung heutzutage durch den Gesetzgeber unterworfen wird, gibt es aufgrund der daraus resultierenden Normierung für die potentiellen Kunden weniger Möglichkeiten, sich objektive Gesichtspunkte außerhalb des Fragenkataloges des MDK zur Wahl des für sie richtigen Heims zu suchen. Die durch die Kontrollorgane untersuchte Qualität ist in den meisten Häusern hoch und durch die Pflegenoten kaum zu differenzieren. Aber gibt es als Auswahlkriterium noch die kleinen Extras, mit denen sich ein Haus von der Konkurrenz abzuheben versuchen kann. Hierauf legen viele Häuser inzwischen ihren Fokus. So gibt es Häuser mit eigenem Streichelzoo, Häuser mit Wellnessoase, Restaurant und kleiner Einkaufsmeile. Das Wohnen soll zu einem Erlebnis werden.
Ein Erlebensbereich, der im Alltag der pflegebedürftigen Seniorinnen und Senioren bisher deutlich zu wenig Aufmerksamkeit erfahren hat, jetzt aber langsam in den Fokus rückt, stellt die Körperlichkeit und damit verbunden auch die Sexualität dar.
Mit Schwierigkeiten in diesem Bereich des Zwischenmenschlichen werden Pflegekräfte dann konfrontiert, wenn im Leben der Pflegebedürftigen traumatische Erlebnisse in Verbindung mit Sexualität gemacht wurden. Ganz besonders sei hier an die Generationen von Frauen erinnert, die in Kriegen massenhaft zu Opfern sexualisierter, männlicher Gewalt wurden und werden. Häufig werden die schweren Traumatisierungen der betroffenen Frauen nicht wahrgenommen oder nicht mit dem aktuellen, auffälligen Verhalten verknüpft. Die Frauen werden als psychotisch oder hysterisch betrachtet, teilweise sogar ärztlich so diagnostiziert und erhalten nicht die Hilfe, die sie dringend nötig hätten, sondern werden stattdessen mit Medikamenten ruhig gestellt (vgl. Böhmer, M. (2011): 11-17). Derzeit betrifft dies im Altenheim vor allem Vergewaltigungsopfer – und damit hauptsächlich Frauen – aus dem 2. Weltkrieg. Da der Mensch es jedoch scheinbar nicht schafft, friedlich mit seinen Nachbarn auszukommen, wird uns dieses Problem wohl immer begleiten, wobei nicht zu vergessen werden darf, dass ja auch in Friedenszeiten Verbrechen unter sexualisierter Gewalt begangen werden.
Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch im hohen Alter noch Wünsche und Bedürfnisse was die eigene Sexualität angeht: Menschen sind Säugetiere und pflanzen sich geschlechtlich fort. Nicht zuletzt aus diesem Grund gehört Sexualität als ein fester und wichtiger Teil zu unserem Wesen und wird daher folgerichtig sowohl in den AEDLs nach Krohwinkel als AEDL 10 „Sich als Mann oder Frau fühlen und verhalten“ (vgl. Wied, Warmbrunn 2003: 13), als auch der Bedürfnispyramide nach Maslow zu unseren physiologischen Grundbedürfnissen gezählt (vgl. Wirtschaftslexikon 24 o.J.). Interessant erscheint in diesem Zusammenhang, dass einer Veröffentlichung, welche Formulierungshilfen für eine Pflegeplanung nach den AEDL anbietet, zwar auf das AEDL 10 eingegangen und hier das Nicht-Ausleben-Können der Sexualität sogar als Problem auflistet wird, jedoch keinerlei Ziele oder Maßnahmen dazu vorgeschlagen werden. Das Problem wird also erkannt, jedoch nicht zu lösen versucht, was der üblichen Vorgehensweise bei Pflegeproblemen völlig widerspricht. (vgl. Hellmann 2009: 90ff).
Für uns Menschen stellt die Sexualität aber weit mehr dar, als nur das Mittel zur Fortpflanzung. Sie dient ebenso zur Festigung der Bindung an den Partner, dem Lustgewinn und der Befriedigung (vgl. Wied, Warmbrunn 2003).
Daher endet die Sexualität auch nicht in einem bestimmten Alter mit dem Abschluss der Familienplanung, sie begleitet uns bis zum Lebensende, auch in Erkrankungen, wie zum Beispiel der Demenz (vgl. Hahn 2013: 3). Diese Kombination von Sexualität und Erkrankung birgt einige Konflikte in sich, da mehrere Tabus angesprochen werden, die mit der Sexualität – die an sich in unserer Gesellschaft schon ein Tabu darstellt – in Verbindung stehen: das Alter, das Abhängigkeitsverhältnis, die Behinderung, das Leben in einem Pflegeheim und auch die Sexualität der Pflegenden. Sexuelle Aktivität von dementiell Erkrankten wird dann problematisch, wenn die anerzogenen Hemmschwellen durch die Krankheit wegfallen und sich die Mitmenschen mit sexuellen Handlungen oder veränderten Verhaltensweisen konfrontiert sehen, die sie überfordern, da sie nicht wissen, wie sie darauf reagieren sollen (vgl. Mück 2013: 16 – 17).
