Verlag: Books on Demand Kategorie: Für Kinder und Jugendliche Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2016

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E-Book-Beschreibung Münchhausen - Gottfried August Bürger

Baron Münchhausen hat es mit seinen fantasievollen Geschichten zu einem hohen Bekanntheitsgrad gebracht, welcher bis heute anhält. Der Baron Münchhausen lebte tatsächlich, ob die Erzählungen ursprünglich wirklich von ihm persönlich stammen, lässt sich wohl nicht mehr klären. Gottfried August Bürger schrieb die Abenteuer auf und veröffentlichte sie erstmals am Ende des 18. Jahrhunderts. Das Buch begeistert damals wie auch heute Groß und Klein. Münchhausen brachten die Geschichten den Titel des „Lügenbarons“ ein, so unglaublich sind seine Erlebnisse. Es macht bis heute großen Spaß, die Aufzeichnungen „der wunderbaren Reisen zu Wasser und zu Lande, von den Feldzügen und lustigen Abenteuern des Freiherrn von Münchhausen, wie er dieselben bei der Flasche im Zirkel seiner Freunde selbst zu erzählen pflegte“ zu lesen. In dieser illustrierten Ausgabe des Bestsellers wurde der Text an die aktuelle Rechtschreibung angepasst.

Meinungen über das E-Book Münchhausen - Gottfried August Bürger

E-Book-Leseprobe Münchhausen - Gottfried August Bürger

Inhaltsverzeichnis

Die Abenteuer des Barons Münchhausen

Erstes Kapitel: Reise nach Russland und St. Petersburg

Zweites Kapitel: Jagdgeschichten

Drittes Kapitel: Von Hunden und Pferden des Freiherrn von Münchhausen

Viertes Kapitel: Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen im Krieg gegen die Türken

Fünftes Kapitel: Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen während seiner Gefangenschaft bei den Türken – Er kehrt in seine Heimat zurück

Sechstes Kapitel: Erstes Seeabenteuer

Siebentes Kapitel: Zweites Seeabenteuer

Achtes Kapitel: Drittes Seeabenteuer

Neuntes Kapitel: Viertes Seeabenteuer

Zehntes Kapitel: Fünftes Seeabenteuer

Elftes Kapitel: Sechstes Seeabenteuer

Zwölftes Kapitel: Siebentes Seeabenteuer nebst authentischer Lebensgeschichte eines Partisans, der nach der Entfernung des Barons als Sprecher auftritt

Dreizehntes Kapitel: Fortgesetzte Erzählung des Freiherrn

Vierzehntes Kapitel: Achtes Seeabenteuer

Fünfzehntes Kapitel: Neuntes Seeabenteuer

Sechzehntes Kapitel: Zehntes Seeabenteuer und eine zweite Reise zum Mond

Siebzehntes Kapitel: Reise durch die Welt nebst anderen merkwürdigen Abenteuern

Impressum

Die Abenteuer des Barons Münchhausen

von

Gottfried August Bürger

Münchhausen Wunderbare Reisen zu Wasser und zu Lande, Feldzüge und lustige Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen, wie er dieselben bei der Flasche im Zirkel seiner Freunde selbst zu erzählen pflegt.

Erstes Kapitel: Reise nach Russland und St. Petersburg

Ich trat meine Reise nach Russland von Haus ab mitten im Winter an,

weil ich ganz richtig schloss, dass Frost und Schnee die Wege durch

die nördlichen Gegenden von Deutschland, Polen, Kur- und Livland,

welche nach der Beschreibung aller Reisenden fast noch elender sind

als die Wege nach dem Tempel der Tugend, endlich, ohne besondere

Kosten hochpreislicher, wohlfürsorgender Landesregierungen,

ausbessern müsste. Ich reiste zu Pferde, welches, wenn es sonst nur

gut um Gaul und Reiter steht, die bequemste Art zu reisen ist. Denn

man riskiert alsdann weder mit irgendeinem höflichen deutschen

Postmeister eine Affaire d‘honneur zu bekommen, noch von seinem

durstigen Postillion vor jede Schenke geschleppt zu werden. Ich war

nur leicht bekleidet, welches ich ziemlich übel empfand, je weiter ich

gegen Nordost hin kam.

Nun kann man sich einbilden, wie bei so strengem Wetter, unter

dem rauesten Himmelsstriche, einem armen, alten Manne zumute

sein musste, der in Polen auf einem öden Anger, über den der Nordost

hin schnitt, hilflos und schaudernd dalag und kaum hatte, womit er

seine Schamblöße bedecken konnte.

Der arme Teufel dauerte mir von ganzer Seele. Ob mir gleich selbst

das Herz im Leibe fror, so warf ich dennoch meinen Reisemantel über

ihn her. Plötzlich erscholl eine Stimme vom Himmel, die dieses Liebeswerk

ganz ausnehmend herausstrich und mir zurief: »Hol‘ mich

der Teufel, mein Sohn, das soll dir nicht unvergolten bleiben!«

Ich ließ das gut sein und ritt weiter, bis Nacht und Dunkelheit mich

überfielen. Nirgends war ein Dorf zu hören noch zu sehen. Das ganze

Land lag unter Schnee; und ich wusste weder Weg noch Steg.

Des Reitens müde, stieg ich endlich ab und band mein Pferd an eine

Art von spitzem Baumstaken, der über dem Schnee hervorragte. Zur

Sicherheit nahm ich meine Pistolen unter den Arm, legte mich nicht

weit davon in den Schnee nieder und tat ein so gesundes Schläfchen,

dass mir die Augen nicht eher wieder aufgingen, als bis es heller lichter

Tag war. Wie groß war aber mein Erstaunen, als ich fand, dass ich mitten

in einem Dorf auf dem Kirchhofe lag! Mein Pferd war anfänglich

nirgends zu sehen; doch hörte ich es bald darauf irgendwo über mir

wiehern. Als ich nun empor sah, so wurde ich gewahr, dass es an den

Wetterhahn des Kirchturms gebunden war und von da herunterhing.

Nun wusste ich sogleich, wie ich dran war. Das Dorf war nämlich die

Nacht über ganz zugeschneit gewesen; das Wetter hatte sich auf einmal

umgesetzt, ich war im Schlafe nach und nach, so wie der Schnee

zusammen geschmolzen war, ganz sanft herabgesunken, und was ich

in der Dunkelheit für den Stummel eines Bäumchens, der über dem

Schnee hervorragte, gehalten und daran mein Pferd gebunden hatte,

das war das Kreuz oder der Wetterhahn des Kirchturmes gewesen.

Ohne mich nun lange zu bedenken, nahm ich eine von meinen Pistolen,

schoss nach dem Halfter, kam glücklich auf die Art wieder an

mein Pferd und verfolgte meine Reise.

Hierauf ging alles gut, bis ich nach Russland kam, wo es eben nicht

Mode ist, des Winters zu Pferde zu reisen. Wie es nun immer meine

Maxime ist, mich nach dem Bekannten »ländlich sittlich« zu richten,

so nahm ich dort einen kleinen Rennschlitten auf ein einzelnes Pferd

und fuhr wohlgemut auf St. Petersburg los. Nun weiß ich nicht mehr

recht, ob es in Estland oder in Ingermanland war, so viel aber besinne

ich mich noch wohl, es war mitten in einem fürchterlichen Walde, als

ich einen entsetzlichen Wolf mit aller Schnelligkeit des gefräßigsten

Winterhungers hinter mir ansetzen sah. Er holte mich bald ein; und

es war schlechterdings unmöglich, ihm zu entkommen. Mechanisch

legte ich mich platt in den Schlitten nieder und ließ mein Pferd zu

unserm beiderseitigen Besten ganz allein agieren. Was ich zwar vermutete,

aber kaum zu hoffen und zu erwarten wagte, das geschah

gleich nachher. Der Wolf bekümmerte sich nicht im Mindesten um

meine Wenigkeit, sondern sprang über mich hinweg, fiel wütend auf

das Pferd, riss ab und verschlang auf einmal das ganze Hinterteil

des armen Tieres, welches vor Schrecken und Schmerz nur desto

schneller lief. Wie ich nun auf die Art selbst so unbemerkt und gut

davongekommen war, so erhob ich ganz verstohlen mein Gesicht und

nahm mit Entsetzen wahr, dass der Wolf sich beinahe über und über

in das Pferd hineingefressen hatte. Kaum aber hatte er sich so hübsch

hinein gezwängt, so nahm ich mein Tempo wahr und fiel ihm tüchtig

mit meiner Peitschenschnur auf das Fell. Solch ein unerwarteter

Überfall in diesem Futteral verursachte ihm keinen geringen Schreck;

er strebte mit aller Macht vorwärts, der Leichnam des Pferdes fiel zu

Boden, und siehe, an seiner Statt steckte mein Wolf in dem Geschirre.

Ich meines Orts hörte nun noch weniger auf zu peitschen, und wir

langten in vollem Galopp gesund und wohlbehalten in St. Petersburg

an, ganz gegen unsere beiderseitigen respektiven Erwartungen und zu

nicht geringem Erstaunen aller Zuschauer.

Ich will Ihnen, meine Herren, mit Geschwätz von der Verfassung,

den Künsten, Wissenschaften und andern Merkwürdigkeiten dieser

prächtigen Hauptstadt Russlands keine Langeweile machen, viel weniger

Sie mit allen Intrigen und lustigen Abenteuern der Gesellschaften

vom Bonton, wo die Frau vom Hause den Gast allezeit mit einem

Schnaps und Schmatz empfängt, unterhalten. Ich halte mich vielmehr

an größere und edlere Gegenstände Ihrer Aufmerksamkeit, nämlich

an Pferde und Hunde, wovon ich immer ein großer Freund gewesen

bin; ferner an Füchse, Wölfe und Bären, von welchen, so wie von anderm

Wildbret, Russland einen größeren Überfluss als irgendein Land

auf Erden hat; endlich an solche Lustpartien, Ritterübungen und

preisliche Taten, welche den Edelmann besser kleiden als ein bisschen

muffiges Griechisch und Latein oder alle Riechsächelchen, Klunkern

und Kapriolen französischer Schöngeister und – Haarkräuseler.

Da es einige Zeit dauerte, ehe ich bei der Armee angestellt werden

konnte, so hatte ich ein paar Monate lang vollkommene Muße und

Freiheit, meine Zeit sowohl als auch mein Geld auf die adeligste Art

von der Welt zu verjunkerieren. Manche Nacht wurde beim Spiel

zugebracht und viele bei dem Klange voller Gläser. Die Kälte des

Landes und die Sitten der Nation haben der Bouteille unter den

gesellschaftlichen Unterhaltungen in Russland einen viel höheren Rang

angewiesen als in unserm nüchternen Deutschland; und ich habe

daher dort häufig Leute gefunden, die in der edlen Kunst zu trinken

für wahre Virtuosen gelten konnten. Alle waren aber elende Stümper

gegen einen graubärtigen, kupferfarbigen General, der mit uns an

dem öffentlichen Tische speiste. Der alte Herr, der seit einem Gefecht

mit den Türken die obere Hälfte seines Hirnschädels vermisste

und daher, sooft ein Fremder in die Gesellschaft kam, sich mit der

artigsten Treuherzigkeit entschuldigte, dass er an der Tafel seinen

Hut aufbehalten müsse, pflegte immer während des Essens einige

Flaschen Weinbranntwein zu leeren und dann gewöhnlich mit einer

Bouteille Arrak den Beschluss oder nach Umständen einige Male da

capo zu machen; und doch konnte man nicht ein einziges Mal auch

nur so viel Betrunkenheit an ihm merken. – Die Sache übersteigt Ihren

Glauben. Ich verzeihe es Ihnen, meine Herren; sie überstieg auch

meinen Begriff. Ich wusste lange nicht, wie ich sie mir erklären sollte,

bis ich ganz von ungefähr den Schlüssel fand. – Der General pflegte

von Zeit zu Zeit seinen Hut etwas aufzuheben.

Dies hatte ich oft gesehen, ohne daraus nur Arg zu haben. Dass es

ihm warm vor der Stirne wurde, war natürlich, und dass er dann seinen

Kopf lüftete, nicht minder. Endlich aber sah ich, dass er zugleich

mit seinem Hute eine an demselben befestigte silberne Platte aufhob,

die ihm statt des Hirnschädels diente, und dass alsdann immer aller

Dunst der geistigen Getränke, die er zu sich genommen hatte, in einer

leichten Wolke in die Höhe stieg. Nun war auf einmal das Rätsel

gelöst. Ich sagte es ein paar guten Freunden und erbot mich, da es

gerade Abend war, als ich die Bemerkung machte, die Richtigkeit derselben

sogleich durch einen Versuch zu beweisen. Ich trat nämlich mit

meiner Pfeife hinter den General und zündete, gerade als er den Hut

niedersetzte, mit etwas Papier die aufsteigenden Dünste an; und nun

sahen wir ein ebenso neues als schönes Schauspiel. Ich hatte in einem

Augenblicke die Wolkensäule über dem Haupte unsers Helden in eine

Feuersäule verwandelt, und derjenige Teil der Dünste, der sich noch

zwischen den Haaren des Hutes verweilte, bildete in dem schönsten

blauen Feuer einen Nimbus, prächtiger, als irgendeiner den Kopf des

größten Heiligen umleuchtet hat. Mein Experiment konnte dem General

nicht verborgen bleiben; er war aber so wenig ungehalten darüber,

dass er uns vielmehr noch manchmal erlaubte, einen Versuch zu

wiederholen, der ihm ein so erhabenes Ansehen gab.

Zweites Kapitel: Jagdgeschichten

Ich übergehe manche lustige Auftritte, die wir bei dergleichen Gelegenheiten

hatten, weil ich Ihnen noch verschiedene Jagdgeschichten

zu erzählen gedenke, die mir merkwürdiger und unterhaltender

scheinen. Sie können sich leicht vorstellen, meine Herren, dass ich

mich immer vorzüglich zu solchen wackeren Kumpanen hielt, welche

ein offenes, unbeschränktes Waldrevier gehörig zu schätzen wussten.

Sowohl die Abwechselung des Zeitvertreibes, welchen dieses mir

darbot, als auch das außerordentliche Glück, womit mir jeder Streich

gelang, gereichen mir noch immer zur angenehmsten Erinnerung.

Eines Morgens sah ich durch das Fenster meines Schlafgemachs,

dass ein großer Teich, der nicht weit davon lag, mit wilden Enten

gleichsam überdeckt war.

Flugs nahm ich mein Gewehr aus dem

Winkel, sprang zur Treppe hinab, und das so über Hals und Kopf, dass

ich unvorsichtigerweise mit dem Gesicht gegen den Türpfosten rannte.

Feuer und Funken stoben mir aus den Augen; aber das hielt mich

keinen Augenblick zurück. Ich kam bald zum Schuss; allein wie ich

anlegte, wurde ich zu meinem großen Verdrusse gewahr, dass durch

den soeben empfangenen heftigen Stoß sogar der Stein von dem Flintenhahn

abgesprungen war. Was sollte ich nun tun? Denn Zeit war

hier nicht zu verlieren. Glücklicherweise fiel mir ein, was sich soeben

mit meinen Augen zugetragen hatte. Ich riss also die Pfanne auf, legte

mein Gewehr gegen das wilde Geflügel an und ballte die Faust gegen

eins von meinen Augen. Von einem derben Schlage flogen wieder

Funken genug heraus, der Schuss ging los, und ich traf fünf Paar Enten,

vier Rothälse und ein Paar Wasserhühner. Gegenwart des Geistes

ist die Seele mannhafter Taten. Wenn Soldaten und Seeleute öfters

dadurch glücklich davonkommen, so dankt der Weidmann ihr nicht

seltener sein gutes Glück.

So schwammen einst auf einem Landsee, an welchen ich auf einer

Jagdstreiferei geriet, einige Dutzend wilder Enten allzu weit voneinander

zerstreut umher, als dass ich mehr denn eine einzige auf einen

Schuss zu erlegen hoffen konnte; und zum Unglück hatte ich meinen

letzten Schuss schon in der Flinte. Gleichwohl hätte ich sie gern alle

gehabt, weil ich nächstens eine ganze Menge guter Freunde und Bekannten

bei mir zu bewirten willens war. Da besann ich mich auf ein

Stückchen Schinkenspeck, welches von meinem mitgenommenen

Mundvorrat in meiner Jagdtasche noch übrig geblieben war. Dies befestigte

ich an eine ziemlich lange Hundeleine, die ich aufdrehte und

so wenigstens noch um viermal verlängerte. Nun verbarg ich mich im

Schilfgesträuch am Ufer, warf meinen Speckbrocken aus und hatte

das Vergnügen, zu sehen, wie die nächste Ente hurtig herbei schwamm

und ihn verschlang. Der ersten folgten bald alle übrigen nach, und da

der glatte Brocken am Faden gar bald unverdaut hinten wieder herauskam,

so verschlang ihn die nächste, und so immer weiter. Kurz,

der Brocken machte die Reise durch alle Enten samt und sonders

hindurch, ohne von seinem Faden loszureißen. So saßen sie denn alle

daran wie Perlen an der Schnur. Ich zog sie gar allerliebst ans Land,

schlang mir die Schnur ein halbes Dutzend Mal um Schultern und

Leib und ging meines Weges nach Hause zu. Da ich noch eine ziemliche

Strecke davon entfernt war und mir die Last von einer solchen

Menge Enten ziemlich beschwerlich fiel, so wollte es mir fast leidtun,

ihrer allzu viele eingefangen zu haben. Da kam mir aber ein seltsamer

Vorfall zustatten, der mich anfangs in nicht geringe Verlegenheit

setzte. Die Enten waren nämlich noch alle lebendig, fingen, als sie von

der ersten Bestürzung sich erholt hatten, gar mächtig an mit den Flügeln

zu schlagen und sich mit mir hoch in die Luft zu erheben. Nun

wäre bei manchem wohl guter Rat teuer gewesen. Allein ich benutzte

diesen Umstand, so gut ich konnte, zu meinem Vorteil und ruderte

mich mit meinen Rockschößen nach der Gegend meiner Behausung

durch die Luft. Als ich nun gerade über meiner Wohnung angelangt

war und es darauf ankam, ohne Schaden mich herunterzulassen, so

drückte ich einer Ente nach der andern den Kopf ein, sank dadurch

ganz sanft und allmählich gerade durch den Schornstein meines

Hauses mitten auf den Küchenherd, auf welchem zum Glück noch

kein Feuer angezündet war, zu nicht geringem Schreck und Erstaunen

meines Koches.

Einen ähnlichen Vorfall hatte ich einmal mit einer Kette Hühner.

Ich war ausgegangen, um eine neue Flinte zu probieren, und hatte

meinen kleinen Vorrat von Hagel ganz und gar verschossen, als wider

alles Vermuten vor meinen Füßen eine Flucht Hühner aufging. Der

Wunsch, einige derselben abends auf meinem Tische zu sehen, brachte

mich auf einen Einfall, von dem Sie, meine Herren, auf mein Wort, im

Falle der Not Gebrauch machen können. Sobald ich gesehen hatte, wo

sich die Hühner niederließen, lud ich hurtig mein Gewehr und setzte

statt des Schrotes den Ladestock auf, den ich, so gut sich‘s in der Eile tun

ließ, an dem oberen Ende etwas zuspitzte. Nun ging ich auf die Hühner

zu, drückte, sowie sie aufflogen, ab und hatte das Vergnügen, zu sehen,

dass mein Ladestock mit sieben Stücken, die sich wohl wundern mochten,

so früh am Spieß vereinigt zu werden, in einiger Entfernung allmählich

herunter sank. – Wie gesagt, man muss sich nur in der Welt zu

helfen wissen.

Ein anderes Mal stieß mir in einem ansehnlichen Walde von Russland

ein wunderschöner schwarzer Fuchs auf. Es wäre jammerschade

gewesen, seinen kostbaren Pelz mit einem Kugel- oder Schrotschusse

zu durchlöchern. Herr Reineke stand dicht bei einem Baume. Augenblicklich

zog ich meine Kugel aus dem Laufe, lud dafür einen tüchtigen

Brettnagel in mein Gewehr, feuerte und traf so künstlich, dass ich seine

Lunte fest an den Baum nagelte. Nun ging ich ruhig zu ihm hin, nahm

mein Weidmesser, gab ihm einen Kreuzschnitt übers Gesicht, griff nach

meiner Peitsche und karbatschte ihn so artig aus seinem schönen Pelz

heraus, dass es eine wahre Lust und ein rechtes Wunder zu sehen war.

Zufall und gutes Glück machen oft manchen Fehler wieder gut.

Davon erlebte ich bald nach diesem ein Beispiel, als ich mitten im

tiefsten Walde einen wilden Frischling und eine Bache dicht hintereinander

hertraben sah. Meine Kugel hatte gefehlt. Gleichwohl lief

der Frischling vorn ganz allein weg, und die Bache blieb stehen, ohne

Bewegung, als ob sie an den Boden festgenagelt gewesen wäre. Wie

ich das Ding näher untersuchte, so fand ich, dass es eine blinde Bache

war, die ihres Frischlings Schwänzlein im Rachen hielt, um von ihm

aus kindlicher Pflicht fürbass geleitet zu werden. Da nun meine Kugel

zwischen beiden hindurchgefahren war, so hatte sie diesen Leitzaum

zerrissen, wovon die alte Bache das eine Ende noch immer kaute.

Da nun ihr Leiter sie nicht weiter vorwärts gezogen hatte, so war sie