Muse, die zehnte -  - E-Book
Beschreibung

Auch wenn von ihren Dichtungen nur ein Bruchteil erhalten und von ihrem Leben fast nichts bekannt ist: Sappho lässt uns nicht los. Als Frau, die sich in der von Männern dominierten Welt der antiken Literatur behauptet, als Dichterin, die als erste – soweit wir es erkennen können – von sich selbst und ihren Empfindungen spricht, als Verfasserin von Texten, deren Schönheit noch in der zerstörten Form, in der sie auf uns gekommen sind, beglückt. Zahlreiche zeitgenössische Dichterinnen und Dichter beziehen in diesem Band Stellung zu Sappho, zu ihrer Person, ihren Versen oder einzelnen ihrer Motive. Alle deutschsprachigen Gedichte sind Originalbeiträge. Mit Glykeria Basdeki, Kerstin Becker, Andreas Bülhoff, Jascha Dhal, Daniela Danz, Richard Duraj, Christiane Heidrich, Jenny Feuerstein, Phoebe Giannisi, Mascha Golda, Michael Gratz, Ulf Großmann, Alexander Gumz, Philipp Günzel, Marilyn Hacker, Bianka Hadler, Dirk Uwe Hansen, Andreas Hutt, Roman Israel, Angelika Janz, Anja Kampmann, Jorgos Kartakis, Odile Kennel, Birgit Kreipe, Erika Kronabitter, Jan Kuhlbrodt, Marianna Lanz, Joan Larkin, Georg Leß, Leonce W. Lupette, Anne Martin, Artur Nickel, Simone Katrin Paul, Martin Piekar, Bertram Reinecke, Rick Reuther, Christoph Georg Rohrbach, Marcus Roloff, Tobias Roth, Uwe Saeger, Clemens Schittko, Armin Steigenberger, Elena L. Steinbrecher, Brigitte Struzyk, Asmus Trautsch, Monika Vasik, Eva Christina Zeller.

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Muse, die zehnte

Antworten auf Sappho von Mytilene

freiraum-verlag

© 2014 freiraum-verlag Greifswald

Alle Rechte vorbehalten.

Umschlaggestaltung und Illustration: Isabel Wienold · iwi-deSign.de

Satz: Isabel und Max Wienold

1. digitale Auflage: Zeilenwert GmbH 2015

ISBN: 978-3-943672-51-0

www.freiraum-verlag.de

Einleitung

Wie kann man sich einen Begriff machen von einer Dichterin, die selbst schon längst zum Begriff geworden ist? Zu einem Begriff für eine Art des Dichtens auch, aber mehr noch – und schon früh – zu einem Begriff für gleichgeschlechtliches Begehren, sei es, wie schon in der Antike (etwa bei dem christlichen Apologeten Tatian), in hämisch abwertender, sei es in jubelnd zustimmender Weise?

Wie kann man sich einen Begriff machen von einer Dichterin, deren Name zwar prominent, deren Werk aber (ein Paradoxon, das sich für viele „große“ Dichter_innen beobachten lässt) so gut wie unbekannt ist? Ein vollständiges Gedicht besitzen wir von ihr, eine Handvoll größerer Fragmente (auch wenn deren Zahl durch die Funde zu Beginn unseres Jahrhunderts noch vergrößert werden konnte, sind es immer noch wenige), daneben nur einzelne Verse, Versfetzen, isolierte Wörter, Silben, Buchstaben.

Sie war in der Antike berühmt genug, um von den hellenistischen Philologen in den Kanon der neun Lyriker aufgenommen zu werden, nicht aber berühmt genug (oder eben zu wenig moralkonform), um den Sprung aus dem Mouseion von Alexandria in die handschriftliche mittelalterliche Überlieferung zu schaffen.

Als zehnte Muse wurde sie in der Antike gefeiert (Anthologia Graeca 9,506), ein Titel, den sie sich mit der Greifswalder Barockdichterin Sibylla Schwarz teilen darf, die weniger ikonisiert wird und deren Texte zwar gesammelt sind und auch gedruckt vorliegen, aber nicht minder vergessen zu sein scheinen als die der Sappho.

Aber nicht nur ihr Nimbus als Vorkämpferin des Frauenrechts (ob sie eine solche war, ist nicht zu sagen) oder Verfechterin eines Rechtes auf sexuelle Selbstbestimmung (von der die Antike radikal andere Vorstellung hatte als wir Heutigen) bringt Sappho unserer Gegenwart nah. Anderes ist wichtiger: ihre Gedichte, und seien es auch nur Reste von Gedichten.

Es war für antike Dichter_innen nicht so ungewöhnlich Ich zu sagen, wie es dem, der nur Homer kennt, scheinen mag. Und doch tritt uns in Sapphos Texten dieses Ich in einer Form entgegen, die uns vertrauter zu sein scheint. Wenn sie in Frg. 1 die Göttin Aphrodite im formellen Rahmen eines Götterhymnos’ anspricht, so geschieht dies doch mutiger und zugleich beiläufiger als wir es von anderen Dichtern kennen. Wenn sie Eros beschreibt: „Wieder treibt Eros mich um, der die Glieder löst, das unvermeidliche, süß-bittere Kriechtier“ (Frg. 130), so bringt sie das Wesen der Liebe damit treffender auf den Punkt, als es ein vielversiges homerisches Gleichnis vermocht hätte.

Ein weiteres wird daran deutlich: So sehr auch der Literaturhistoriker und Leser sich wünschen mag, Sapphos Gedichte vollständig zu besitzen, so sehr geht von der ungewollten Kürze dieser Fragmente eine Faszination aus, der wir uns nicht leicht entziehen können. Die Verse von Frg. 31 mögen einmal zu dem Teil eines Hochzeitsgedichtes gehört haben, in dem, wie es üblich war, die Schönheit der Braut gepriesen wird, eines Gedichtes, das wie jede antike Dichtung für den Anlass eines öffentlichen Vortrages geschrieben war. Jetzt aber lesen wir sie als radikalen Ausdruck einer Liebespathologie. Bemerkenswert ist dabei, wie bei allen Gedichten Sapphos, der ebenso radikal unprätentiöse Ton.

Es finden sich noch weitere, ebenfalls aus ihrem offiziellen Kontext gelöste, dabei präzise und unprätentiös formulierte Bilder, die aus der Lyrik nicht mehr weg zu denken sind: der Mond als Bild für die ruhig alles andere überstrahlende Schönheit wie als Begleiter der Liebenden, der am Baum hängen gebliebene Apfel, der nur auf den richtigen Pflücker zu warten scheint, die Blüten, von unachtsamen Hirten in den Staub getreten, das Band im Haar der Geliebten … Gerade durch die ungewollte Verkürzung der Gedichte auf einzelne Stückchen (sei es, dass wir sie bei anderen Autoren zitiert finden, sei es, dass wir sie als Papyrusfetzen mühsam aus Wüstensand oder Mumienkartonage ziehen müssen) machen die Verse es dem modernen Leser so leicht, sich auf sie einzulassen – wie wir auch in Scherben eine eigene Schönheit entdecken können, selbst wenn uns die Funktion des ursprünglichen Gefäßes verborgen bleibt oder nicht mehr vertraut ist.

Sappho, das zeigen die Gedichte dieses Bandes, ist für die zeitgenössischen Dichterinnen und Dichter immer noch (und zu Recht, sind wir versucht zu sagen) eine Ikone, der wir uns mit einer Mischung aus ehrfürchtigen und freundschaftlichen Gefühlen annähern; Sappho ist aber auch Chiffre für eine spezifisch lyrische Art des individuellen Sprechens, für gelungene und unprätentiöse Bildsprache und nicht zuletzt für die Freude am Funkeln der durch die Fragmentierung entstandenen Scherben.

Wir haben die hier vorgelegten Gedichte in vier Abteilungen gegliedert: Gedichte, die die Auseinandersetzung mit einer aus verschiedenen ihrer Gedichte zusammengesetzten Sappho suchen in Remix, Gedichte, die sich einzelnen der sapphischen Stückchen annähern, sei es als Nachschöpfungen, sei es als Gegenentwürfe, in Einzelstücke. Den Gedichten, die sich dem wohl bekanntesten sapphischen Stück, den vier Versen vom untergegangenen Mond, widmen, haben wir mit Alles wird Mond ein eigenes Kapitel gewidmet, wie auch denen, die sich mit der durch die Zerstörungen der Zeit entstandenen Form dieser Stückchen auseinandersetzen: Fragmente.

Wir danken allen Autorinnen und Autoren, die unserem Aufruf folgten. Besonders danken wir den amerikanischen Dichterinnen Joan Larkin und Marilyn Hacker, die uns gestatteten, ihre Texte zu benutzen – die einzigen historischen in unserer Sammlung neuer Texte. Lyrik – und namentlich auch Sappho – spielten in der amerikanischen feministischen Bewegung seit den 70er Jahren eine bedeutende Rolle, mit Autorinnen wie Audre Lorde, Adrienne Rich, Marilyn Hacker oder Joan Larkin, deren ‚Vagina‘-Sonett 1975 in einem kleinen feministischen Verlag erschien und später berühmt wurde. Das von Jill Dawson herausgegebene virago book of wicked verse (nämlich von Frauen) beginnt mit einem Fragment von Sappho, wenige Seiten später folgt Larkins Sonett.

Alle deutschsprachigen Gedichte dieses Bandes sind Originalbeiträge, die griechischen und englischen Gedichte sind für diese Veröffentlichung erstmals ins Deutsche übertragen worden.

Michael Gratz und Dirk Uwe Hansen,

Greifswald im August 2014

Remix

Tritt in den Spiegel / ​ein

Die Schwelle

der Nacht

umständlich steigt

die Zeit über mich

dafür sieht man den mond wieder

das haus bröckelt

die fassaden

alles kracht und

fällt

dafür sieht man

den mond

wieder

der

über den

trümmern steht

gar nicht so fern

liegt er und rollt

in den teich

Hinter spiegelnder Luft

Über die Ferne, und als

Wären es Inselwelten, abgelöst.

Durchwacht, und der Blick durstig nach Blicken,

Ich und meine Sehnsucht, nicht entzweizusegeln,

Nach dir. Du weißt, ich schlafe so fest, jedoch

Ist aller Tag nur Wachliegen noch nach dir.

Wir stehen um das goldene Haus des

Mittelmeers beide, die Ferne aber.

Dein Lächeln wie der Göttin zurückhaltend,

Dann aber wie die Welle, die Küsten formt.

Ich lege Kissen nieder, denke

Wo, an den Schatten der Apfelbäume

Bei meerisch blauen Bächen, versunken, wo,

Ist meine Zunge nutzlos, nach rotgold, weiß,

Verdämmern aller Wangen, denke

Wo, an den schmiegsamen Hals und weiche

Girlanden fester Finger, und alles dein

Wie mein, und Apfelblüten wie Zöpfe, Meer

und Hüften, aufgelöst, durchwacht und

Wo uns die Baumschatten niemals Schlummer,

Die unzählbare Röte, vergossen, wo,

Das tiefe Rot des fließenden Kleides, wo,

Und meine Arme, die den Himmel

Nicht mehr berühren, verfolgen wollen (müssen).

Der Vesuv gegenüber,

Sicht durch Stadt versperrt,

Kürzlich noch der Aetna,

sertumque novem de floribus auro contextum.

Angelo Poliziano, Nutricia, 638.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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