Verlag: Spielberg Verlag Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2014

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E-Book-Beschreibung Muttertier im Sahnetorium - Astrid Hess

Drei Wochen Gesundheits-Knast all-inklusive. Paula hat sich, ohne ihren Gatten um Erlaubnis zu fragen, eine Auszeit genommen. Um sie herum nur Wald und meterhoch Schnee. Ihre Gefährten: ruhig gestellte Burn-outs, Bettnässer, chronische Fremdgeher und ein seltsames Klinikpersonal. Paula fühlt sich wie im Käfig voller Narren. Dem Himmel sei Dank gibt es einen muskelbepackten Sporttherapeuten und diesen göttlichen Masseur…

Meinungen über das E-Book Muttertier im Sahnetorium - Astrid Hess

E-Book-Leseprobe Muttertier im Sahnetorium - Astrid Hess

Leseprobe eBook Ausgabe 2014
©2014 SPIELBERG VERLAG, Regensburg
Originalausgabe erschien unter dem Titel: Der Kurschatten
Umschlaggestaltung: Spielberg Verlag
Umschlagbild: ©magdal3na - fotolia
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung, Speicherung oder Übertragung
Astrid Hess, wurde 1964 geboren und lebt heute mit Mann und drei Kindern in der Nähe von Ingolstadt. Sie schrieb für verschiedene regio¬nale Magazine. Nach erfolgreicher Veröffentlichung einiger Kurz¬ge¬schichten legt sie mit ›Muttertier im Sahnetorium‹ ihren ersten Roman vor. www.astrid-hess.de
Für meine Mutter
und alle Mädels meiner
»ganzen großen Familie«
Und natürlich unseren
großen und kleinen Jungs, die ich eindringlich
Namen und Handlungen dieses Romans sind frei erfunden.

Inhaltsverzeichnis

Flucht

Der Auslöser

NICHTS WIE WEG

Ankunft

Willkommen

Alltag

Sport ist Mord

Selbsterkenntnisse

Derweil zu Hause

Schweinereien

Kompetente Hilfe

Überraschungen

Jetzt wird´s schattig

Langsam reichts

Heimweh

Flucht

Mein Mann grinst mich an und nimmt meinen Hintern ins Visier. Ich kann sehen was er denkt, weil seine Augen zwischen meinem Hinterteil und meinem Mund hin und her rollen. Der Abend wird lang, so viel ist sicher.

»Du dumme Kuh du weißtoch ganich wie ein Wassa bei einer Insel ausschaut!«

Die durchdringende Stimme meines kleinen Sohnes Michael reißt mich aus meinem nicht jugendfreien Tagtraum. Hoffentlich sieht man mir meine lüsternen Gedanken nicht an. Wie komme ich nur auf solche Hirngespinste? Es ist so lange her seit Franz und ich ... STOP! Lieber ablenken. Ganz schnell, bevor unsere Tochter Susanne Antwort geben kann. Die wird aller Erfahrung nach nämlich nicht nach Honig schmecken.

»Seid ihr bitte sofort still!?!« Eine Kunst, die jede Mutter dieser Welt aus dem Effeff beherrscht, flüsternd schreien. Das ist ein ganz spezieller Tonfall, der Kindern in aller Deutlichkeit drohendes Unheil ankündigt und trotzdem von Umstehenden, in unserem Fall von in der Bahn neben uns Sitzenden, nicht wahrgenommen werden darf. Weil man sonst im Jugendamt antreten und sich rechtfertigen muss, warum man die Seele seiner Kinder peinigt, in dem man ihnen Fernsehverbot, Hausarrest oder – ganz schlimm – einen Klaps auf den normalerweise penatengepflegten Kinderpopo androht. Außerdem sollen Fremde nicht denken, man hätte seine Brut nicht unter Kontrolle.

Meine Nachkommen wollen mich fertig machen, das ist offensichtlich. Die Geschöpfe, die es monatelang in meiner Gebärmutter gemütlich hatten, die ich mit Sauerstoff versorgte und mit Liebe überschüttete. Die Träger meiner Gene und meines Muttermals auf der linken Schulter. Jene Wesen, die nach einer Keilerei mit dem Nachbarjungen Trost von mir bekommen und ihre Rotznasen an meinen frisch gewaschenen Jeans abwischen, genau die haben nur ein Ziel: Mich klein zu kriegen.

Die denken, sie haben Oberwasser, weil wir in einem Nichtraucherwaggon eines Regionalzuges auf offener Strecke festsitzen und ich, aus oben genannten Gründen, nicht laut mit ihnen schimpfen kann. Ich will mich hier nämlich nicht als hysterische Hyäne outen und das wissen die lieben Kleinen natürlich. Bei jeder Gelegenheit gebe ich zu Hause meinen Standardkommentar ab: »Kinder, nicht so laut, ich will mich nicht schämen müssen!« Das prägt sich in Kinderköpfen schneller ein als das Einmaleins.

Traumhaft. Um uns herum fremde Menschen, Reisende die in Frieden Zeitung lesen oder sich unterhalten wollen oder einfach nur aus dem Fenster schauen möchten. Die sind natürlich hocherfreut über das Geschrei meiner Kids. Aus pädagogischer Sicht soll man sich ja nicht einmischen wenn Kinder sich streiten, aber in Anbetracht der örtlichen Begebenheit und mit Rücksicht auf mein schwaches Nervenkostüm greife ich ein. Bis jetzt hielten sich die Schimpfwörter noch in Grenzen und ich muss ja nicht unbedingt als unfähiges Muttertier dastehen, nur weil meine Brut sich nicht benehmen kann.

Es geht gleich in voller Lautstärke los:

»Gib mir sofort den blauen Stift, du olle Kuh!« Das war Michael. Der hat ein Organ, das kann ich ihnen flüstern. Wenn der Rest seines Körpers genauso entwickelt ist, dann hat er mit acht Jahren die Pubertät und mit zweiunddreißig die Wechseljahre hinter sich.

»Den blauen will ich jetzt haben, mal dein doofes Bild doch grün an.« Was ihr Bruder kann, das kann Susanne schon lange.

»MAMA, Susanne hat gesagt, mein Bild ist doof!« Heul, schnief, rotz. Haue in Richtung Susanne. Nur nicht überzogen reagieren, das wäre jetzt total unangebracht. Normalerweise. Ich bin aber leider angeschlagen bis in die Fußnägel und habe für kindliche Streitereien überhaupt keinen Nerv. Wenn jetzt nicht augenblicklich Ruhe ist, dann hau ich den beiden...! In meiner rechten Hand juckt´s wieder bedenklich und ganz vorsichtig ziehe ich schon mal aus. Ich kann mich gerade noch beherrschen. Ist auch gut so, weil im Nebenabteil eine ältere Dame sitzt und uns beobachtet. Was schaut die so? Die soll sich mal lieber auf ihre Apothekenlektüre konzentrieren.

Eine Tasse Tee wäre jetzt nicht schlecht. Aber mit meinen Schreihälsen in den Speisewagen? Niemals. Muss noch durchhalten. Notfalls ohne Tee, dafür mit Baldriantropfen. Hilft ja nichts.

Ich beschwichtige, trenne die Streithähne, halte mit der linken Hand Susannes schlagende Faust fest (wenn ich nicht darf, dann darf sie auch nicht!), nehme mit der Rechten meinen Kugelschreiber und drücke ihn Michael in die Hand. Damit er das Wasser um seine Pirateninsel blau anmalen kann. Dann eben kein Kreuzworträtsel. Die Frau nebenan ist zufrieden, sie nickt gönnerhaft in meine Richtung. Na dann. Die Kinder werfen sich noch ein paar böse Blicke zu und strecken sich gegenseitig die Zunge raus, aber sie tun es immerhin leise. Das ist ja schon mal was.

Ich bin am Ende meiner Kräfte und will nur noch Ruhe. Diese bitte in Überdosis und wenn möglich steuerfrei.

Mein Körper rebelliert, jedes laute Wort der Kinder hat bei mir sofort Folgen. Mein Herz fängt an zu rasen, ich atme zwei, dreimal tief ein und bete zu Gott, dass mein Herz nicht anfängt zu stolpern. Das hat dann nämlich panische Anflüge zur Folge. Ich fange an zu schwitzen und in den Fingern kribbelt es, als würde eine Ameisenkönigin mit einem zwei Millionen starken Gefolge ein neues Nest bauen. Mir wird schwindlig und mein Kopf fühlt sich an als würde er gleich platzen. Die Panikattacke trägt aber nicht gerade dazu bei, dass ich mich besser fühle. Es ist eher so, dass mein Herz noch mehr stolpert und rast und mir auch noch übel wird und die Angst vor einem Herzinfarkt mein ganzes Denken beeinflusst.

In der Regel hilft da nur eins: Im Badezimmer einsperren und heulen was das Zeug hält, damit der Stresspegel wieder ins Lot kommt. Tränen raus, Adrenalin runter. Klingt einfach, ist es aber nicht immer. Schließlich befinden wir uns in der Eisenbahn. Ich kann doch nicht das Zugklo zwanzig Minuten lang belegen, meine Kinder sich selbst überlassen und nach geraumer Zeit mit verquollenen, verheulten Augen wieder auftauchen und so tun als wäre nichts gewesen. Abgesehen davon, dass sich meine zwei Kleinen vor die Türe stellen und so lange brüllen würden, bis irgendwer die Notbremse zieht. Das geht schon gar nicht. Dann wäre ich in Erklärungsnot.

›Entschuldigung, aber ich war gerade mal ein wenig überfordert und hatte eine klitzekleine Panikattacke. Aber es ist alles wieder in Ordnung, meine Damen und Herren, ich hab mich nur mal schnell ausgeheult! Wenn sie mich jetzt bitte zu meinen Kindern durchlassen würden, die schreien nämlich seit einer halben Stunde nach ihrer Mama.‹ Peinlich.

Allein der Gedanke daran bringt meinen ohnehin schon recht lebhaften Puls in gefährliche Höhen. Lieber nicht so viel darüber nachdenken.

Ich weiß was Besseres. Ich drohe den Beiden mit schlimmen Strafen. Das hilft – ab und zu.

»Wenn ihr nicht augenblicklich still seid, gibt es heute Abend keine Gute-Nacht-Geschichte und keine Simpsons, ist das klar?« Die Simpsons sind den Beiden heilig. Sie klappen ihre Münder zu und konzentrieren sich wieder auf ihre Malbücher.

Und ich armes Schwein wünsche mir zum hunderttausendsten Mal in diesem Leben ein paar Minuten absolute Stille. Das Wünschen und Hoffen gehört zu den wenigen Dingen die es bis jetzt noch umsonst gibt, somit ist das eine einfache und billige Angelegenheit. Das muss man in Euro-Zeiten nutzen. Außerdem stört man niemanden bei irgendwas, weil man Wünsche nicht laut sagen darf, sonst gehen sie nicht in Erfüllung. Das weiß schließlich jedes Kind. Und »wünschen« kann man immer wieder tun.

Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Ich fläze mich in den abgeschabten Sitz des Zuges und hänge meinen Gedanken nach. Ein Luxus, den ich mir nicht oft leisten kann. Ich habe schließlich zwei Kinder, einen Ehemann und den dazu gehörenden Haushalt.

Entschuldigen sie bitte, dass ich hier mal kurz lachen muss.

Genau genommen war ich alleinerziehend mit drei Kindern (zwei kleine, ein großes), seit kurzem sind es sogar vier, denn so ganz schleichend hab ich auch noch ein Adoptivkind dazubekommen. Da es sich dabei um meine Schwiegermutter handelt, können sie sich denken, dass ich nicht lang gefragt wurde. Glauben sie mir, ich hätte aufs heftigste mein Veto eingelegt und mich mit Händen und Füßen gewehrt, aber Schwiegermonster Lore hat das Übersiedeln in unser Leben im stillen Kämmerlein vorbereitet und ganz plötzlich gehörte Lore zum Inventar und musste täglich abgestaubt werden. Gutmütig und dumm wie ich war, dachte ich wirklich, ich könnte mich mit ihr arrangieren und alles wird nicht so schlimm.

Es wurde auch nicht schlimm.

Mein Dank gilt ...
meinem Mann Rudi für viel Motivation und Ermunterung und die langen, gemeinsamen Nächte, in denen meine Website entstand,
meinem Top-Model Rebecca für Lob, Kritik, gute Ideen und eine Menge geschenkter Zeit,
Markus und Verena fürs Mitfiebern,
Herrn Richard Windmeißer vom »Spielberg-Verlag« für die freundliche Unterstützung und kompetente Betreuung,
meinen Geschwistern Gitta, Lilo und Melitta für die langen Telefonate und eine Menge Ausdauer-Lollis,
meiner Mutter Lilo, die keine Minute an mir zweifelte