Natürlich gesund mit 50 plus - Claudia Ritter - E-Book

Natürlich gesund mit 50 plus E-Book

Ritter Claudia

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Beschreibung

Die jetzige Generation 50+ gilt als gesünder als die vorhergehenden, aber manchmal machen sich die 50 und mehr gelebten Jahre bemerkbar. Der Körper durchlebt in dieser Zeit einige Veränderungen: Stress-Resilienz und Leistungsfähigkeit können nachlassen, ein Anstieg des Blutdrucks oder des Körpergewichts ist möglich, das Ein- und Durchschlafen fällt mitunter schwer oder die Gelenke knacken hier und da. Diese Beschwerden müssen nicht zwingend mit Arzneien der Schulmedizin behandelt werden. Seit jeher vertrauen Menschen auf die pflanzliche Heilkraft, denn sie hilft nebenwirkungsarm, zuverlässig und sanft, wenn die Beschwerden noch nicht allzu weit fortgeschritten sind. Von Artischocke über Baldrian, Damiana, Rosenwurz bis Weißdorn: Dieser Ratgeber zeigt die besten Heilpflanzen für die Selbstanwendung für Menschen über 50 und bringt mit umfassender Fachkenntnis und tiefem Verständnis Wohlbefinden und Energie in ihr Leben.

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Seitenzahl: 317

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Natürlich Gesund Mit 50 Plus

Natürlich Gesund Mit 50 Plus

Claudia Ritter

Rezepte und Anwendungen aus der Heilpflanzenpraxis

Hinweis

Dieses Buch versammelt altes traditionelles Heilwissen der Volksheilkunde ebenso wie neue Ergebnisse der Forschung. Die in diesem Buch aufgeführten Behandlungsmethoden können und sollen weder einen Arztbesuch noch die individuelle Beratung durch Heilpraktikerinnen ersetzen. Die Einnahme der beschriebenen Heilmittel und Rezepturen sowie das Befolgen der Therapieempfehlungen geschieht auf eigene Verantwortung. Bei Unklarheiten ist das Vorgehen unbedingt mit einer medizinischen Fachperson zu besprechen. Sämtliche Informationen in diesem Buch sind nach bestem Wissen und Gewissen wiedergegeben und mit größtmöglicher Sorgfalt geprüft; dennoch übernehmen weder die Autorin noch der Verlag und alle, die an der Entstehung des Werkes mitgewirkt haben, die Haftung für Schäden jedweder Art, die sich direkt oder indirekt aus dem Gebrauch der hier vorgestellten Anwendungen ergeben können.

Empfohlene Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel, Medizinprodukte sowie Nahrungsmittel und Arzneipflanzen dürfen bei bekannter Überempfindlichkeit und Unverträglichkeit gegenüber den angegebenen Wirkstoffen oder einem der sonstigen Bestandteile nicht eingenommen werden. Von den in diesem Buch empfohlenen Produkten und Präparaten profitieren weder die Autorin noch der Verlag durch Nennung oder Verkauf. Marken oder Handelsnamen sind nicht gesondert gekennzeichnet. Aus einem Fehlen dieser Kennzeichnung kann nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Handelsnamen handelt.

Inhalt

Pflanzenmedizin Für Die Generation 50 Plus

Heilpflanzen Im Porträt

Artischocke

Bärlauch

Baldrian

Brennnessel

Damiana

Ginkgo

Echter Ginseng

Echte Goldrute

Grüner Tee

Hopfen

Hundsrose

Ingwer

Johanniskraut

Knoblauch

Kürbis, Arzneikürbis

Kurkuma

Echter Lavendel

Löwenzahn

Maca/Peruanischer Ginseng

Mariendistel

Ölbaum

Passionsblume

Preiselbeere

Rosenwurz

Rosmarin

Rosskastanie

Sägepalme

Salbei

Schachtelhalm/Acker-Schachtelhalm

Sonnenhut

Taigawurzel/Sibirischer Ginseng

Teufelskralle

Weidenröschen

Weißdorn

Vitalstoffe

Chrom

Coenzym Q10

Eisen

Kalzium

L-Carnitin

Magnesium

Omega-3-Fettsäuren

Resveratrol und oligomere Proanthocyanidine

Selen

Vitamin-B-Komplex

Vitamin C

Vitamin D

3

Vitamin E

Vitamin K

Zink

Typische Beschwerden Behandeln

Arteriosklerose

Arthritis, rheumatoide

Arthrose

Blasenentzündung

Bluthochdruck/arterielle Hypertonie

Depressive Verstimmungen, Stimmungsschwankungen

Erektionsstörungen, erektile Dysfunktion

Fettstoffwechselstörungen, Fettleber

Haarausfall

Herzgesundheit, Altersherz, koronare Herzkrankheit

Infektanfälligkeit, Stärkung des Immunsystems

Konzentrationsschwäche, Vergesslichkeit

Libido, verminderte

Prostatabeschwerden, gutartige Prostatavergrößerung

Reizblase, überaktive Blase

Schlafstörungen

Stressbelastungen, Abbau von Stress

Übergewicht

Venenschwäche, Krampfadern

Verstopfung, träger Darm

Wechseljahre

Literatur

Stichwortverzeichnis

Die Autorin

Pflanzenmedizin Für Die Generation 50 Plus

Auf einmal bist du 50, ein »Best Ager«, ein »Ü50-Party-Besucher«, und ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Hinter dir liegt viel Lebenserfahrung und oft auch viel Schaffenskraft. Vor dir liegt das Alter mit all seinen Hürden und Unannehmlichkeiten. Auch ich gehöre zu dieser Gruppe, fühle mich aber deshalb nicht alt. Viele von uns – und wir sind wirklich viele – denken noch nicht ans Rentenalter, sondern stecken ihr volles Potenzial ins Arbeitsleben oder verwirklichen jetzt lang gehegte Projekte. Eine neue Generation aktiver und aufgeschlossener Menschen entsteht gerade. Wir wollen nicht zum alten Eisen zählen, sondern sowohl beruflich als auch privat noch einmal voll durchstarten, die Zeit aktiv genießen, viel unternehmen oder nun endlich unseren Hobbys nachgehen.

Deinem körperlichen und natürlich auch geistigen Wohlbefinden kommt bei der Gestaltung dieses neuen Lebensabschnitts eine entscheidende Rolle zu. Es mag sein, dass die vorhergehenden Generationen Ü50 noch nie so gesund waren wie die jetzige, aber manchmal zwickt es eben doch hier und da: Die ersten »Zipperlein« machen sich bemerkbar, und der Körper verändert sich in dieser Zeit auf vielfältige Weise. Viele brauchen nun etwas mehr Auszeiten im Alltag, sind schneller gestresst, nicht mehr ganz so leistungsfähig wie früher, bei einigen schießt der Blutdruck in die Höhe, am Bauch zeigen sich Pölsterchen, geschlafen wird längst nicht mehr so ruhig wie gewohnt, und die Gelenke knacken hier und da. Diese Beschwerden müssen nicht zwingend mit Arzneimitteln der Schulmedizin behandelt werden. Bist du motiviert, selbst etwas gegen die Beschwerden zu tun? Dann ist dieses Buch für dich das Richtige.

Seit jeher vertrauen Menschen auf die kraftvolle Heilkraft der Pflanzen, denn sie helfen nebenwirkungsarm, zuverlässig und sanft. In diesem Ratgeber wurde altes Wissen aus der Natur mit neuen Aspekten vereint. Als Heilpflanzenexpertin lasse ich bei der Wahl der Pflanzen und Rezepte beide Blickwinkel einfließen. Heilpflanzen sind für mich das Mittel der Wahl, wenn die Beschwerden noch nicht allzu weit fortgeschritten sind. Sie wirken aber auch in Kombination mit einer allopathischen Therapie. Dieser Ratgeber zeigt dir die besten Heilpflanzen für die Selbstanwendung für die Generation 50+. So gelingt dein Start in den neuen Lebensabschnitt, und du erreichst wieder mehr Wohlbefinden und Energie!

Claudia Ritter

Artischocke

Cynara Scolymus

Die Artischocke sieht aus wie eine große Distel mit ausladend breiten Blättern. Aus der Mitte entwickelt sich ein starker Stängel mit violetten Korbblüten. Sie ist eine reine Kulturpflanze und hat ihren Weg zu uns von Ostafrika nach Sizilien gefunden und sich von dort aus über das gesamte Mittelmeergebiet verbreitet. In der Heilkunde werden jedoch nicht die Blütenknospen und -böden – sie lassen die Herzen der Feinschmecker höher schlagen –, sondern ihre Blätter verwendet, die vorzugsweise vor dem Blütenaustrieb geerntet werden. In milden, geschützten und vollsonnigen Lagen lassen sich Artischocken auch in heimischen Gärten ziehen.

Die Pflanzlichen Wirkstoffe

Die heilkräftigen Eigenschaften der Artischockenblätter sind durch den Gehalt an Bitterstoffen (bis zu 6 %, vorwiegend Cynarin, Cynaropikrin, Chlorogensäure) und Polyphenolen begründet. Er ist in allen grünen Pflanzenteilen enthalten. Hinzu kommen die Vitamine B1, B6, C und E, Mineralstoffe und Spurenelemente (Magnesium, Kalium, Kalzium, Eisen), sekundäre Pflanzenstoffe, Ballaststoffe (insbesondere Inulin), Antioxidanzien wie Quercetin und weitere Flavonoide.

Küche & co.

Artischocken werden von Hand geerntet und sind deshalb kein preiswertes Gemüse. Während in der Medizin die bitteren Laubblätter Verwendung finden, sind es in der Küche die Blütenböden.

Um die kleinen, feinen Delikatessen zu gewinnen, die auch als »Artischockenherzen« bezeichnet werden, wird zunächst der Stiel aus dem Artischockenboden gebrochen, dann die Außenblätter und das »Artischockenheu« entfernt. Dann wird das obere Drittel der Artischocke abgeschnitten und die Schnittfläche mit Zitrone eingerieben. Ob in Öl eingelegt oder frisch zubereitet, gekocht, frittiert, gebraten – sie zergehen auf der Zunge und schmecken aromatisch und leicht herb.

Ein Klassiker der mediterranen Küche sind Pizzen, die mit Artischocken belegt werden, oder eingelegte Artischocken, die mit getrockneten Tomaten zur Pasta serviert werden.

Anwendung In Der Heilkunde

Die bitteren Stoffe der Artischocke bewirken, dass die Leberzellen vermehrt Galle bilden und infolgedessen die Gallenblase mehr Gallensäure in den Darm abgibt. Dort erleichtern sie die Verdauung in Bezug auf die Aufnahme von Fetten inklusive der fettlöslichen Vitamine A, D, E und K, beschleunigen die Darmpassage der Nahrung, lindern so Blähungen und ein unangenehmes Völlegefühl im Bauch.

Die leber- und gallenspezifische Wirkung stehen bei der Artischocke im Vordergrund. Dadurch unterstützt sie die Lebergesundheit. Bei Menschen über 50 Jahren sind Lebererkrankungen häufiger und können fortschreitend verlaufen. Die Einnahme von Artischockenpräparaten führt zu einer deutlichen Senkung der Leberenzyme, was insbesondere bei Menschen mit nichtalkoholischer Fettlebererkrankung von Nutzen ist. Die Leber kann so ihre Entgiftungsfunktion besser wahrnehmen und uns vor chronischer Müdigkeit sowie einer schleichenden Vergiftung bewahren. Indirekt kann sie auch das Abnehmen erleichtern, da sie den Blutzuckerspiegel ausbalanciert, Heißhungerattacken verhindert und den Prozess des Abnehmens unterstützt.

Wissenschaftliche Studien konnten nachweisen, dass Präparate aus Artischocken auch bei Fettstoffwechselstörungen mit erhöhten Blutfettwerten nützlich sind. Durch Artischockenpräparate lassen sich sowohl die Cholesterinspiegel um 10–15 % als auch erhöhte Triglyzeridspiegel normalisieren. Damit kann Ablagerungen in den Arterien vorgebeugt werden. Daher nutzt man dieses Wirkspektrum auch zur Prävention und zur Behandlung der Arteriosklerose, denn atherosklerotische Plaques können sich unter einer Behandlung mit Artischockenblättern zurückbilden.

Weitere Stoffe wie Flavonoide wirken antioxidativ. Sie bieten als Radikalfänger Schutz vor sogenannten freien Radikalen.

Wirkspektrum Auf Einen Blick

leberschützend

galleanregend

verdauungsfördernd

gewichtsregulierend

cholesterinsenkend

entzündungshemmend

antiarteriosklerotisch

Verwendete Pflanzenteile/Sammeln

Verwendet werden die getrockneten Blätter von Blattkulturen sowie der Frischpflanzenpresssaft noch nicht aufgeblühter Artischockenblüten.

Für kulinarische Zwecke werden die Blütenknospen mit noch fest geschlossenen äußeren Blättern geerntet. Sind die Blüten voll erblüht, kann man sie nicht mehr essen.

Hinweise

Bei Allergien gegen Korbblütler und bei Verschluss der Gallenwege solltest du die Artischocke nicht anwenden. Bei Gallensteinleiden ist vor der Anwendung ärztlicher Rat einzuholen. Artischockenpräparate können die Wirkung gerinnungshemmender Medikamente (z. B. Warfarin) verringern.

FERTIGPRÄPARATE Artischockenkraut, geschnitten (Apotheke, Herbathek), Hepar SL (MCM Klosterfrau), Nemacynar Dicksaft (Nestmann)

Baldrian

Valeriana Officinalis

Baldrian, dessen botanischer Gattungsname Valeriana (abgeleitet von lat. »valere«) »gesund sein« bedeutet, ist eine schlanke Staude mit rosafarbenen Blüten. Auf vielen feuchten Flecken der Erde reckt Baldrian im Frühsommer seine Blüten in die Höhe. Sein natürliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Europa bis Asien. Baldrian gilt als Balsam für gestresste Körper und geplagte Seelen. Gerade bei Anspannung und Schlaflosigkeit entfaltet die Wurzel ihre beruhigende und schlaffördernde Wirkung.

Trotz ausführlicher Studien haben Forschende den Wirkmechanismus der aktiven Hauptbestandteile noch nicht klären können. Vermutlich ist dafür das Zusammenspiel der Wirkung von Monoterpenen, welche die Übertragung von Reizen von einer Nervenzelle zur anderen verlangsamen, und Flavonoiden, die sedierende Eigenschaften haben, verantwortlich.

Die Pflanzlichen Wirkstoffe

Baldrianwurzeln bestehen zu 0,4–1,4 % aus ätherischem Öl. Dieses setzt sich zusammen aus Monoterpenen sowie Valerensäure, Valeranon und Valerenal. Als weitere heilwirksame Stoffe gelten Iridoide, Lignane, Flavonoide, Alkaloide in kleinen Mengen, Phenolsäuren und fettes Öl.

Küche & co.

Baldrianblätter sind essbar. Frisch im Austrieb, also von April bis Mai, sind sie am schmackhaftesten. Ihr Geschmack ist aromatisch, nimmt jedoch mit zunehmendem Alter, also hin zur Blütezeit, ab. Kleingehackt sind sie eine Beigabe zu Hackkräutermischungen, Kräuterquark oder Eierspeisen.

Die faserige Wurzel schmeckt leicht bitter. Ein Verzehr in zu hoher Dosierung kann sowohl leicht narkotisch wirken als auch die Herztätigkeit verlangsamen. Deshalb wird empfohlen, sie nur in kleinster Dosierung mit zu anderem Gemüse zu geben. Ohne nennenswerte Nebenwirkungen sind dagegen die weißlich- bis rosafarbenen Blüten, die in Schokoladen oder zu Sirup verarbeitet werden können.

Anwendung In Der Heilkunde

Baldrian ist Balsam für die Nerven. Abends eingenommen sorgt Baldrian bei Anspannung, nervöser Unruhe und Schlaflosigkeit für einen erholsamen Schlaf. Die schlaffördernde Wirkung erreicht Baldrian wahrscheinlich durch das Zusammenspiel mehrerer Inhaltsstoffe. Sie hemmen Botenstoffe im Zentralnervensystem. Insbesondere Einschlafstörungen lassen sich durch Baldrian gut behandeln. Im Gegensatz zu schulmedizinischen Medikamenten kommt es bei Baldrian zu keiner Abhängigkeit, keiner Toleranzentwicklung oder auffälligen Veränderungen des Schlafmusters (gemessen mittels Elektroenzephalografie).

Baldrian reduziert nicht nur die Aktivität der motorischen Nervenzellen und verringert so die körperliche Aktivität während des Schlafens, sondern wirkt außerdem krampflösend und entspannend auf die glatte (nicht steuerbare) sowie quergestreifte (steuerbare) Muskulatur. Deshalb können Baldrianzubereitungen bei leichten Formen von Angstzuständen sowie bei Konzentrations- und Gedächtnisstörungen von Nutzen sein. Bei konzentrationsschwachen Menschen wirkt Baldrian eher anregend, während sein Wirkspektrum ansonsten eher sedierend ist.

Durch die entspannende Wirkung auf die glatte Muskulatur können auch erhöhter Blutdruck, Reizblase und leichte Verspannungen natürlich gemindert werden. Baldrian erhöht die Ausschüttung von GABA (Gamma-Aminobuttersäure), einem Neurotransmitter mit beruhigender Wirkung. Insgesamt wirkt Baldrian ausgleichend und hilft uns, Erlebtes zu verarbeiten.

Wirkspektrum Auf Einen Blick

schlaffördernd

beruhigend

nervenstärkend

angstlösend

krampflösend

muskel- und gefäßentspannend

konzentrationsfördernd

Verwendete Pflanzenteile/Sammeln

Die fingerlangen Wurzelstücke 2- bis 3-jähriger Pflanzen werden im Herbst geerntet, abgebürstet, gründlich gewaschen und mehrere Tage bei 42 °C getrocknet. Während die frische Wurzel geruchslos ist, entwickelt sich durch Trocknung der typische Baldriangeruch.

Die weißen bis blassrosa Blüten sollten vorzugsweise in den Vormittagsstunden während der Blüte, die von Anfang Mai bis Ende Juni dauert, geerntet werden. Zum Trocknen werden die zarten Blüten in einer dünnen Schicht auf einem Tuch ausgebreitet und anschließend in einem dunklen Glasbehälter aufbewahrt.

Baldrian ist im Haus grundsätzlich vor Katzen zu schützen. Vor allem Kater geraten durch den Duft in Ekstase und ejakulieren oder urinieren auf die Wurzeln, sodass sie nicht mehr zu gebrauchen sind.

Hinweise

Baldrianzubereitungen sind in der Regel gut verträglich. In sehr seltenen Fällen können Verdauungsbeschwerden und Überempfindlichkeitsreaktionen auftreten, bei Überdosierung (nur bei Präparaten, nicht bei Tee möglich!) auch Kopfschmerzen, Nervosität, Herzbeschwerden sowie paradoxerweise Schlaflosigkeit. Für Schwangere, Stillende und Kinder unter 12 Jahren liegen noch keine ausreichenden Ergebnisse zur Unbedenklichkeit vor. Vorsichtshalber solltest du nach Baldriananwendungen keine Maschinen bedienen und nicht Auto fahren. Zudem sollte Baldrian nicht zusammen mit anderen Beruhigungs- oder Schlafmitteln sowie Alkohol eingenommen werden, da dies deren Wirkung verstärken kann.

Rezepte

Baldrianwurzeltee – für alle, die nervös sind und deren Geist auch nachts nicht zur Ruhe kommt

1 Teelöffel (TL) zerkleinerte Baldrianwurzeln mit 1 Tasse Wasser kalt ansetzen, 1 Stunde lang köcheln lassen und 2–3 Stunden neben der Herdplatte nachziehen lassen. Am besten gleich die gesamte Tagesportion ansetzen. Tagsüber maximal 3 Tassen davon trinken; als Schlafhilfe 1 Tasse eine halbe Stunde vor dem Zubettgehen.

Baldriantinktur aus der Wurzel

Den alkoholischen Auszug im Verhältnis 1:5 ansetzen, das heißt 1 Teil Wurzel mit 5 Teilen hochprozentigem Alkohol übergießen. 14 Tage unter täglichem Wenden des Glases ausziehen lassen, anschließend durch einen Kaffeefilter filtrieren und in Braunglasflaschen abfüllen. Die Dosierung der Tinktur an die Beschwerden anpassen, jedoch nicht mehr als 3-mal täglich 30 Tropfen davon einnehmen.

FERTIGPRÄPARATE Salus Baldrian-Tropfen (Salus Pharma), Baldriantinktur (Hetterich)

Brennnessel

Urtica Dioica

Das wehrhafte Gewächs gehört zu den wichtigsten heimischen Wildpflanzen. Brennnesseln sind in den gemäßigten Breiten weitverbreitet und besiedeln gerne mit Stickstoff und Nährstoffen angereicherte Böden. Dadurch helfen sie, das biologische Gleichgewicht im Erdreich aufrechtzuerhalten. Man trifft sie an Wald- und Wegrändern, in Gräben, auf Deponien, mit Alteisen beladenen Schutthalden und Brachland an.

Die bis zu 1,2 Meter hohe mehrjährige, winterharte Staude hat stark sattgrüne, scharf gezähnte Blätter und Brennhaare an Stängeln und Blättern, die bei Berührung Hautreizungen und Brennen verursachen. Damit schützt sie sich vor Fraßfeinden. Im Sommer zeigen sich unscheinbare grünliche männliche und weibliche Blüten auf verschiedenen Pflanzen. Ihre Frucht (Samen) bildet ein einsamiges, kleines Nüsschen – pro Pflanze können sich rund 20 000 Samen entwickeln. Unter der Erde wächst ein ausdauernder, kriechender und stark verästelter Wurzelstock.

Die Pflanzlichen Wirkstoffe

Die arzneilich verwendeten Pflanzenteile der Brennnessel unterscheiden sich in Bezug auf ihren Gehalt an Wirkstoffen:

Kraut: bis zu 20 % Mineralstoffe (Kalium, Silizium, reichlich Eisen, Kalzium), B-Vitamine, Flavonoide, Chlorophyll, Carotinoide, Vitamin C (30-mal mehr als in Kopfsalat)

Früchte (Samen): Proteine, fettes Öl (Linolsäure), Vitamin A, C, E, Eisen, Kalium, Magnesium, Silizium, Beta-Sitosterol

Wurzel: Beta-Sitosterol, Cumarin, Phytosterole, Polysaccharide, Lignane, Urtica-dioica-Agglutinin (UDA)

Küche & co.

Junge Brennnesselblätter können vielseitig in der Küche verwendet werden, beispielsweise als Ersatz für Spinat, in Pesto oder Suppen. Die Früchte eignen sich für Smoothies oder als Würze in Brot und anderen Gerichten.

Rezepte

Brennnessel-Smoothie

1 Apfel, grob geschnitten

2–3 Datteln oder 1 Banane

2 Handvoll Brennnesselblätter, verlesen und gewaschen

1 TL Brennnesselsamen

250–300 ml Wasser

Am besten einen leistungsfähigen Mixer verwenden und alle Zutaten auf höchster Stufe für etwa 30 s mischen. Den Powerdrink auf 2 Gläser verteilen und mit je einem ½TL Brennnesselsamen bestreuen. Wer die körnige Konsistenz nicht mag, kann die Brennnesselsamen über Nacht einweichen und mit in den Smoothie geben.

Pesto aus Brennnesselsamen

5 Handvoll Brennnesselsamen

2 Knoblauchzehen

Meersalz, Pfeffer

Olivenöl

Die Samen mit dem Mörser leicht anstoßen und in einer Schüssel auffangen. Knoblauch schälen und klein schneiden, etwas Salz darüber streuen und nochmals fein hacken. Das Knoblauch-Salz-Gemisch zu den Brennnesselsamen geben, die Zutaten vermengen. Etwas Olivenöl zugeben, nochmals vermischen, mit Pfeffer abschmecken und das Pesto in Gläser umfüllen. Olivenöl darüber gießen, bis alle Samen mit Öl bedeckt sind. Kühl gelagert ist das Pesto mehrere Wochen haltbar. Es schmeckt besonders gut, wenn dampfende Kartoffeln hineingedrückt werden. Man kann es aber auch als Brotaufstrich und zu Nudelgerichten oder Pellkartoffeln reichen.

Anwendung In Der Heilkunde

Gegen welche Beschwerden die Brennnessel hilft, hängt von den verwendeten Pflanzenteilen ab.

Blätter und Kraut. Die sekundären Pflanzeninhaltsstoffe der Blätter wirken leicht harntreibend. Damit fördern sie die Ausscheidung übermäßiger Wassereinlagerungen und den Abtransport wasserlöslicher Stoffwechselendprodukte (Harnsäure, Abfallprodukte aus dem Stoffwechsel und der Umwelt) über den Urin. Zudem haben sie entzündungshemmende Eigenschaften. Daher werden Zubereitungen aus Brennnesselblättern (oftmals in Kombination mit weiteren Arzneipflanzen) zur Durchspülungstherapie bei zahlreichen Gesundheitsproblemen verwendet, etwa bei Harnwegsinfekten, vorbeugend und zur Behandlung bei Nierengrieß, Wassereinlagerungen, Arthrose, Gicht, rheumatoider Arthritis, Ekzemen, hohem Blutdruck und allgemein bei Übersäuerung. Die harntreibende Wirkung entsteht durch den hohen Mineralgehalt, insbesondere durch Kalium, und kommt nur in Verbindung mit reichlich Trinken zur Wirkung.

Das Kraut kann einem Eisenmangel vorbeugen oder niedrige Eisenspiegel auffüllen, da es den Hämoglobingehalt und die Erythrozytenzahl erhöht, was insbesondere bei Frauen in der zweiten Phase der Wechseljahre (Perimenopause) hilfreich ist, in der starke und lang anhaltende Blutungen vorkommen können.

»Haarwurz« oder »Haarnessel« sind bekannte Volksnamen der Brennnessel. Seit Jahrhunderten wird sie als Haarwuchsmittel verwendet. Sie enthält Nährstoffe (Provitamin A, C, Eisen, Kieselsäure), die für die Haargesundheit unerlässlich sind. Zudem gibt es Hinweise, dass Brennnesselextrakt den Dihydrotestosteronspiegel senken kann. Dihydrotestosteron ist die biologisch wirksamste Form des Testosterons und wird mit einer Schwächung der Haarfollikel und Haarausfall in Verbindung gebracht. Regelmäßige Anwendungen in Form von Einreibungen auf die Kopfhaut oder als Zusatz in Lotionen und Shampoos können daher das Haarwachstum fördern und erhalten das Haar gesund und kräftig.

Samen/Früchte. In den Sommermonaten ist das Erscheinungsbild der Brennnessel durch die Vielzahl an Samen geprägt. Sie werden seit jeher in Belastungssituationen oder nach langen Krankheiten verwendet, um wieder ausreichend Vitalität zu erlangen. In alten Schriften findet man die Brennnesselsamen als Aphrodisiakum oder »Ginseng des Westens«.

Samen und Kraut regen die Funktion der Nebennierenrinde an und wirken stärkend und unterstützend auf das gesamte Hormonsystem, etwa bei Schilddrüsenunterfunktion, Erschöpfung und Müdigkeit, schwachem Immunsystem, anhaltendem Stress, Burn-out, Libidomangel und Potenzstörungen.

Während das Kraut in der Perimenopause hilfreich ist, können Brennnesselsamen unterstützend gegen Osteoporose eingesetzt werden, von der Frauen in der Menopause häufiger betroffen sind. Da sie reich an Kieselsäure und anderen Mineralien sind, erhalten sie die Knochengesundheit.

Wurzeln. Brennnesselwurzeln haben andere Inhaltsstoffe als Blätter und Früchte und dadurch ein anderes Wirkprofil. Welcher der Wirkstoffe (Beta-Sitosterole, Cumarine, Lignane und UDA) in welchem Ausmaß an der Wirksamkeit bei Prostatabeschwerden beteiligt ist, ist noch nicht abschließend untersucht. Brennnesselwurzeln hemmen die Bildung bestimmter Stoffe, die das gutartige Wachstum der Prostata anregen, und wirken zudem entzündungshemmend. Häufiger wird die Brennnesselwurzel bei gutartiger Prostatahyperplasie mit anderen Pflanzen kombiniert, etwa mit Sägepalmenfrüchten (siehe Seite 125) oder Kürbiskernen (siehe Seite 72).

Wirkspektrum Auf Einen Blick

Blätter:

harntreibend

eisenbildend

antiarthrotisch

entzündungshemmend

Blätter und Früchte: immunmodulierend

Früchte:

tonisierend

Wurzeln:

entzündungshemmend

wachstumshemmend bei gutartiger Prostatavergrößerung

Verwendete Pflanzenteile/Sammeln

Blätter. Die Blätter werden vorzugsweise im Mai gesammelt. Die meisten benutzen dazu Gartenhandschuhe, Unerschrockene ernten mit festem Griff mit bloßen Händen. Sie lassen sich problemlos durch Trocknen konservieren. Einfach auf einem Rost oder Tuch ausbreiten und im Halbschatten wenige Tage trocknen, bis sie rascheln.

Samen/Früchte. Ab dem Spätsommer (August bis Oktober) tragen weibliche Brennnesseln ihre Früchte. Du erkennst sie daran, dass sie rispenartig herabhängen. Sie werden mit der Schere geerntet, anschließend auf Papier gut getrocknet, eventuell nochmals gesiebt und trocken in Gläser abgefüllt. Männliche Brennnesseln tragen nur Blütenstaub und bilden keine Früchte. Ihre Blütenstände sind oft heller und stehen horizontal vom Stängel ab.

Wurzeln. Die Wurzeln der Brennnessel werden im Frühjahr, besser noch im Herbst ausgegraben, gesäubert und bei nicht mehr als 40 °C getrocknet. Sie können als Wildgemüse oder in der Heilkunde aufgrund ihrer harntreibenden Eigenschaften beziehungsweise als Extrakt bei Prostatabeschwerden beim Mann eingesetzt werden.

Hinweise

Brennnesselzubereitungen sind gut verträglich. Selten sind allergische Reaktionen möglich, vor allem bei Histaminintoleranz. Brennnesselzubereitungen sollten nicht bei Ödemen, die durch Herzschwäche oder Nierenfunktionsstörung bedingt sind, angewendet werden.

Rezepte

Brennnesseltee – harntreibend und reinigend

1–2 TL feingeschnittene Blätter mit 1 Tasse siedendem Wasser übergießen, 8–10 min ziehen lassen. 3–4 Tassen täglich davon trinken. Die harntreibende Wirkung kommt nur in Verbindung mit reichlich Flüssigkeit zum Tragen, deshalb 2–3 l Wasser dazu trinken.

Detox-Tee aus Brennnessel und Löwenzahn

Brennnessel- und Löwenzahnblätter je zur Hälfte mischen. Zubereitung wie oben angegeben zur kurmäßigen Anwendung.

Frisch gepresster Nesselsaft – natürliche Mineralstoff- und Eisenquelle

Den Saft aus 1–2 Handvoll Brennnesselkraut mit einem Zentrifugenentsafter oder Slow Juicer herauspressen (alternativ das Kraut in den Mixer geben, pürieren und mit etwas Wasser vermischen). Als 4- bis 6-wöchige Kur 3-mal täglich 1 EL einnehmen, dazu viel Wasser trinken.

FERTIGPRÄPARATE Schoenenberger Naturreiner Heilpflanzensaft Brennnessel (Salus Pharma), Brennnessel Arzneitee (Aurica, Bombastus)

Damiana

Turnera Diffusa

Damiana ist auf den Westindischen Inseln heimisch und wächst dort in trockenen, sonnigen und steinigen Landschaften. Ihr Name stammt vermutlich von Damian, dem Schutzpatron der Apotheker. Berichte über die Anwendung von Damiana als Heilkraut reichen bis zu den Maya zurück.

Die Pflanze gehört zu den Safranmalvengewächsen. Sie wächst zu einem aromatisch riechenden Strauch mit rund ein bis zwei Metern Höhe heran. Die Blätter sind blassgrün, gesägt mit kurzen Blattstielen. Die süß duftenden gelben Blüten haben fünf Blütenblätter und entwickeln sich zu süß riechenden Früchten mit feigenartigem Geschmack.

Die Pflanzlichen Wirkstoffe

Das Heilkraut enthält Arbutin, ätherisches Öl, cyanogene Glykoside (Tetraphyllin B), Alkaloide, Steroide, Flavonoide, Gerbstoffe.

Anwendung In Der Heilkunde

In den Herkunftsländern ist Damianakraut seit vielen Generationen wegen seiner entspannenden und aphrodisierenden Eigenschaften beliebt. Damianakraut ist wohl die potenteste pflanzliche Starthilfe zur Luststeigerung und kann für ein häufigeres sexuelles Verlangen sorgen, da es insbesondere auf die Sexualorgane durchblutungssteigernd wirkt. Eine direkte hormonelle Wirkung hat Damiana zwar nicht, kann aber indirekt zur Anhebung des freien Testosterons führen.

Bei Räucherungen verströmt Damianakraut einen angenehmen kräuterartigen, süßen Duft. Das »pflanzliche Sexualtonikum« wird bei sexueller Schwäche, Impotenz beim Mann, sexuellen Erregungsstörungen bei der Frau und beim Mann, Amenorrhoe (ausbleibender Regel) und bei nachlassender Libido gebraucht.

Gleichzeitig unterstützt Damiana die emotionale Gelassenheit, stärkt und vitalisiert ganz allgemein und wird deshalb auch bei Diabetes mellitus, nervöser Schwäche, depressiven Verstimmungen und Entkräftung eingesetzt.

Wirkspektrum Auf Einen Blick

aphrodisierend

allgemein stärkend

stimulierend

etwas angstlösend

Verwendete Pflanzenteile

Verwendet werden die getrockneten Blätter und Stängelanteile.

Hinweise

Damianakraut kann bei starker Menstruation die Blutung aufgrund der durchblutungsfördernden Wirkung auf den Unterleib noch verstärken. Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln sind nicht bekannt. Aufgrund mangelnder Untersuchungen wird die Anwendung in der Schwangerschaft, Stillzeit sowie bei Kindern und Jugendlichen nicht empfohlen.

Rezept

Damianablättertee

2 TL Damianablätter pro Tasse mit kochend heißem Wasser überbrühen, 5–8 min ziehen lassen, abseihen, im trinkwarmen Zustand mit etwas BioImkerhonig süßen. Bei Bedarf 2–3 Tassen trinken.

FERTIGPRÄPARATE Dr. Böhm Damiana 225 mg Filmtabletten (Apomedica Pharmazeutische Produkte), Damiana Blatt Extrakt (Sunday Natual), libiLoges (Dr. Loges)

Ginkgo

Ginkgo Biloba

Einst besiedelten Ginkgobäume die nördliche Hemisphäre. In Europa starben sie nach den Eiszeiten aus, überlebten aber in Ostasien. Dort werden sie seit mindestens 2800 Jahren als heilige und heilsame Bäume kultiviert und gerne in Tempelhöfe gepflanzt. Erst um 1730 brachten niederländische Seefahrer die Pflanze wieder in ihre alte Heimat, von wo aus sie sich im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts wieder in ganz Europa verbreitete.

Ginkgobäume sind robust und widerstandsfähig und können ein ehrwürdiges Alter von mehr als 1000 Jahren erreichen. Die einzigartig zweilappige Blattform mit den strahlig verlaufenden und gabelig verzweigten Blattnerven kennzeichnet den Baum.

Während man sich in Asien schon seit Jahrtausenden für seine Heilkräfte interessiert, erweckte Ginkgo in der westlichen Welt erstmals allgemeines Interesse, als nach dem Atombombenabwurf auf dem Gelände um Hiroshima im Frühjahr 1946 ein erster Spross aus einem alten Ginkgowurzelstock trieb. Damit war ein neues Symbol für Hoffnung und Unbesiegbarkeit geboren, aus dem ein Mahnmal gegen die zerstörerische Kraft der Atombombe entstand.

Die Pflanzlichen Wirkstoffe

Im Ginkgo sind sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide (Kämpferol, Quercetin), Proanthocyanidine, komplexe Diterpenlaktone (sogenannte Ginkgolide) und Sesquiterpene (Bilobalide), kleine Mengen an Sterolen, Lektinen und Salizylsäureabkömmlingen enthalten. Ferner finden sich sogenannte Ginkgolsäuren, die wegen ihrer toxischen und allergenen Eigenschaften bei der heute üblichen Extraktherstellung weitgehend entfernt werden. Man geht davon aus, dass sich einige Wirkstoffgruppen im Gingko-Extrakt wie die Flavonoide und Terpenlaktone (Ginkgolide und Bilobalide) in der Wirkung ergänzen und verstärken. Dadurch werden degenerative Prozesse in den Nervenzellen eingedämmt und die kognitive Funktion verbessert.

Verwendete Pflanzenteile/Sammeln

Verwendung finden die Blätter, die vorzugsweise im Herbst gesammelt werden. Beginnen die Blätter gelb zu werden, lassen sie sich leicht von den Ästen abstreifen, ohne dass der Baum dabei geschädigt wird.

Anwendung In Der Heilkunde

In den traditionellen asiatischen Heillehren gilt der Ginkgobaum als kraftspendend und lebensverlängernd, was auch durch das westliche Medizinsystem bestätigt wurde. Die zahlreichen Studien in den vergangenen Jahrzehnten zeigen im Wesentlichen drei körperliche Anwendungsbereiche, welche die Gedächtnisleistung, die Blutzirkulation in den Gefäßen und die alleinige oder unterstützende Behandlung bei Tinnitus betreffen. Ginkgo hält also die Gefäße jung.

Wer im Alter etwas Neues lernen möchte, dem hilft Ginkgo auf Trab. Die Einnahme von Ginkgo-Extrakten verbessert die Sauerstoffversorgung im Gehirn und hilft hauptsächlich dem Kurzzeitgedächtnis, das ab dem mittleren Lebensalter bei vielen abnimmt. Flavonoide und Terpenoide sorgen dafür, dass das Blut wieder besser fließen kann. Das Gedächtnis wird belebt, auch die Kommunikation verbessert sich und insgesamt findet der Geist wieder Klarheit. Betroffene berichten, dass sie durch Ginkgo ausgeglichener, konzentrierter und belastbarer geworden sind und den Alltag besser meistern können.

Mikrozirkulationsstörungen und eine verminderte Sauerstoffversorgung im Gehirn können auch zu Kopfschmerzen führen. Daher können pflanzliche oder homöopathische Ginkgopräparate (z. B. Ginkgobakehl TM) eine Alternative zu herkömmlichen Kopfschmerztabletten sein.

Im Gefäßsystem kann Ginkgo die Zirkulation verbessern, kalte Hände und Füße wärmen und die Gefahr von Gefäßverschlüssen reduzieren. Es gibt zahlreiche Studien zu dessen durchblutungsfördernder und gefäßerweiternden Wirkung, beispielsweise zum Nutzen bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit. Dabei zeigte sich eine Verbesserung der schmerzfreien Gehstrecke bei Claudicatio intermittens im Stadium II bei einer Behandlungsdauer über mehrere Wochen.

Die durchblutungsfördernden Eigenschaften unterstützen die Behandlung von sowohl akutem als auch chronischem Tinnitus. Generell verbessern sich die Heilungschancen, je früher die Behandlung beginnt. Bei chronischem Tinnitus ist meist eine Kombination verschiedener Therapierichtungen sinnvoll. Neben Entspannungstechniken, Akupunktur, orthopädischen und kieferorthopädischen Maßnahmen können auch pflanzliche Arzneimittel wie Ginkgopräparate bei den subjektiv wahrgenommenen Ohrgeräuschen helfen. Das Wirkspektrum von Ginkgo setzt beim »Verlernen« von Tinnitus an verschiedenen Punkten an. Nach etwa acht bis zwölf Wochen Therapiedauer ist die volle Wirksamkeit von Ginkgo erreicht, die Einnahme über einen längeren Zeitraum bringt in der Regel keine weiteren therapeutischen Vorteile.

Wirkspektrum Auf Einen Blick

gedächtnis- und konzentrationssteigernd

durchblutungsfördernd

gefäßerweiternd

kraftspendend

lebensverlängernd

Hinweise

Die unabhängigen Kommissionen E und European Scientific Cooperative on Phytotherapy (ESCOP) als wissenschaftliche Kommissionen für pflanzliche Arzneimittel raten von selbst hergestellten Tees aus Ginkgoblättern ab und geben für standardisierte Trockenextrakte den Gehalt an Wirkstoffen vor. Ein Ginkgo-Trockenextrakt darf maximal 5 ppm Ginkgolsäuren enthalten.

In der Regel sind Ginkgo-Fertigpräparate gut verträglich. Gegenanzeigen bestehen bei einer bekannten Überempfindlichkeit gegen Ginkgo biloba und dessen Zubereitungen. Sehr selten können Nebenwirkungen wie leichte Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden oder allergische Hautreaktionen auftreten. Zur Anwendung von Fertigpräparaten bei Kindern, Schwangeren und Stillenden liegen keine ausreichenden Untersuchungsergebnisse vor. Eine Wechselwirkung mit Arzneimitteln, welche die Blutgerinnung hemmen, kann nicht ausgeschlossen werden.

Ginkgo-biloba-Blätter-Extrakte eignen sich zur Langzeitanwendung und sollten mindestens 6–8 Wochen bei 2–3 Einzeldosen pro Tag angewendet werden.

Wegen der allergenen und toxischen Eigenschaften der Ginkgolsäuren und der schlechten Löslichkeit der Wirkstoffe in Wasser kommen heute fast nur noch Fertigarzneimittel zur Anwendung.

FERTIGPRÄPARATE Ginkgo Biloba Hevert (Hevert-Arzneimittel), Tebonin konzent beziehungsweise intens (Dr. Willmar Schwabe), Gingium (Hexal), Ginkgo STADA (STADA)

Echter ginseng

Panax ginseng

Die Gattung Panax wurde benannt nach der »allheilenden« griechischen Göttin Panacea, einer Tochter des berühmten Heilgottes Aesculap. In Asien trägt Ginseng den Beinamen »Pflanze des ewigen Lebens« und wird seit über 5000 Jahren in der Traditionellen Chinesischen Medizin und koreanischen Medizin verwendet. Rund 13 Ginsengarten sind bekannt. Echter Ginseng wird auch Asiatischer, Weißer oder Chinesischer Ginseng genannt.

In den schattigen Ur- und Gebirgswäldern im nordöstlichen China, in Korea und Sibirien kommt die kleine Ginsengstaude vor. Es handelt sich um eine Pflanze aus der Familie der Araliengewächse. Nach drei Jahren bildet sie erbsengroße, scharlachrote Steinfrüchte mit zwei Samen. Das Alter der Wurzel spielt eine wichtige Rolle, da die Wirkung der Pflanze stärker wird, je älter sie ist. Sie hat eine charakteristische, spindelförmige Form und erinnert an einen kleinen Menschen, weshalb sie auch als »Menschenwurzel« bezeichnet wird.

Ginsengstauden können ein Alter von mehr als 100 Jahren erreichen. Für medizinische Zwecke wird Ginseng heute weltweit angebaut, denn die Wildvorkommen sind stark vom Aussterben bedroht.

Die Pflanzlichen Wirkstoffe

Die Wurzel besteht zu 2–3% aus sogenannten Triterpensaponinen wie Ginsenosiden, von denen derzeit rund 30 verschiedene Verbindungen bekannt sind. Daneben finden sich kleine Mengen ätherisches Öl, Peptidoglykane, Phytosterole, Fettsäuren, Aminosäuren und zahlreiche Mineralstoffe wie Selen, Eisen, Kalium, Magnesium und Kalzium sowie Vitamine und Spurenelemente.

Verwendete Pflanzenteile/Sammeln

Ginseng lässt sich auch in unseren Breiten kultivieren. Geerntet werden die Wurzeln älterer Pflanzen. Idealerweise sollte die Pflanze sieben Jahre alt sein, da sich die Konzentration der Wirkstoffe mit dem Lebensalter der Pflanze steigert. Bester Erntezeitpunkt ist der Herbst in den Monaten September und Oktober. Die Wurzeln werden vorsichtig ausgegraben und gereinigt. Damit keine Wirkstoffe verloren gehen, sollte die Rinde möglichst nicht verletzt und die Wurzel schonend getrocknet werden.

Anwendung In Der Heilkunde

Ginseng steht für ein langes Leben, und man darf ihn getrost als Allheilmittel bezeichnen. Viele der überlieferten Eigenschaften wurden mittlerweile durch zahlreiche klinische Studien bestätigt. So geht man heute von verschiedenen Wirkweisen aus, die insbesondere auf die Ginsenoside zurückzuführen sind. Hierzu gehören beispielsweise eine Verringerung von oxidativem Stress, eine Steigerung der Energieproduktion des Körpers aus Fettreserven, eine Verbesserung der Mitochondrienfunktion (die Kraftwerke im Körper), ein Schutz der Nervenzellen und durch die Ausschüttung verschiedener Neurotransmitter insbesondere eine Verbesserung der Reaktion auf Reize.

Die Wurzel wird besonders aufgrund ihrer stärkenden und regulierenden Eigenschaften in Bezug auf die Nebennieren geschätzt. Bei Reizüberflutung, chronischen Erschöpfungszuständen, bleierner Müdigkeit und in Zeiten der Rekonvaleszenz und bei nachlassender Libido kann Ginseng das richtige Mittel sein, denn Ginseng reguliert wichtige Hormone wie Kortisol und Testosteron. Viele Anwenderinnen und Anwender berichten trotz der anregenden Wirkung von einem verbesserten Schlaf. In mehreren Studien zeigte sich nach ein- bis zweimonatiger Anwendung eine Verringerung der Schwere und Dauer der Müdigkeit bei gleichzeitiger Erhöhung der Vitalität.

Ginseng steigert die Widerstandskraft und ist ein Immunstimulans. Ginseng ist kein Medikament, das traditionell gezielt bei einer Krankheit verschrieben wird, sondern ein natürliches Tonikum beziehungsweise eine adaptogene Heilpflanze. Diese Heilmittel sind in der Lage, den geschwächten Körper zu kräftigen und ihn widerstandsfähiger zu machen, was bei voranschreitendem Alter in vielen Fällen nützlich ist.

Daneben regt die Kraftwurzel das zentrale Nervensystem an, indem sie die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit verbessert und die Stresstoleranz