Navigationsverhalten und kognitive Landkarten im Hypertext - Marc Hollenstein - E-Book

Navigationsverhalten und kognitive Landkarten im Hypertext E-Book

Marc Hollenstein

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Beschreibung

Diplomarbeit aus dem Jahr 2002 im Fachbereich Psychologie - Medienpsychologie, Note: sehr gut, Universität Wien (Lifem Ludwig Boltzmann Institut für empirsche Medienforschung), Sprache: Deutsch, Abstract: In dieser Arbeit sollen die beiden Konzepte der kognitiven Landkarten von Lynch und Downs & Stea in Bezug auf ein Hypertextdokument einander gegenübergestellt werden. Wesentliche Kernpunkte die geklärt werden sollen, sind der Zusammenhang von Navigationsverhalten, kognitive Abbildung des Hypertextes und das Lösen virtuell räumlicher Probleme. Der wesentlichste Unterschied der beiden Konzepte besteht darin, dass Downs & Stea als einziges Kriterium das räumliche Verhalten und Problemlösen sehen, anhand dessen man kognitive Landkarten messen könne. Lynch hingegen hat zur Messung kognitiver Landkarten eine andere Methode angewandt. Er ließ seine Untersuchungspersonen den Aufbau von verschiedensten Städten nachzeichnen. Downs & Stea kritisieren dies, da sie der Ansicht sind, dass es sich dabei um eine andere Fähigkeit handelt, die wesentlich von der Fertigkeit des „Zeichnen Könnens“ abhängig ist, also von einer (fein)motorischen Fertigkeit. Sie begründen das damit, dass es zu großen interindividuellen Unterschieden in der Qualität der Zeichnungen gekommen ist. Zeglovits (1999) konnte in seiner Diplomarbeit die Existenz kognitiver Landkarten in Hypertextdokumenten nachweisen. In der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, inwieweit die Qualität der kognitiven Landkarten auf das Navigationsverhalten zurückgeführt werden kann. Können bestimmte Elemente der Navigation ausfindig gemacht werden, die als Kriterium zur Erfassung von kognitiven Landkarten geeignet sind? Sind überhaupt Zusammenhänge auffindbar? Kann die Theorie von Lynch oder jene von Downs & Stea das Lösen räumlicher Probleme bzw. die Lösung von Aufgaben (Informationssuche) in einem Hypertextdokument besser erklären? Dies sind nur einige Fragen, die mit dieser Diplomarbeit geklärt werden sollen. Außerdem wird die Weberfahrung noch als ein weiteres Kriterium herangezogen, da in vergangenen Studium wesentliche Unterschiede zwischen erfahrenen Usern und unerfahrenen Usern nachgewiesen werden konnten. Es scheint auch intuitiv naheliegend, dass Erfahrung – wie in den meisten Lebensbereichen – ein wesentliches Kriterium darstellt. Zu klären gilt es in dieser Arbeit, welche Elemente der Navigation Rückschlüsse auf die Weberfahrung des Users geben, inwieweit die Erfahrung auf die qualitative Ausbildung von kognitiven Landkarten einwirkt und inwieweit sie zur Lösung räumlicher Probleme zweckdienlich ist.

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Veröffentlichungsjahr: 2002

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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Aufbau der Arbeit.
2 Gedächtnis und Raumvorstellung.
2.1 Sensorische Gedächtnis.
2.3 Langzeitgedächtnis.
2.4 Informationsrepräsentation im Gedächtnis.
2.5 Raumvorstellung
3 Kognitive Landkarten - cognitive maps.
3.1 Grundlegendes.
3.1.1 Indizien für die Existenz kognitiver Karten.
3.1.2 Realer und kognitiver Raum.
3.1.3 Fokaler und globaler Raum
3.1.4 Virtueller Raum.
3.1.5 Kognitive Karten im Spielfilm.
3.1.6 Kognitive Karten im World Wide Web (WWW)
3.1.7 Kartenwissen und Straßenwissen.
3.1.8 Physiologischen Grundlagen.
3.2 Cognitive maps nach Lynch (1948)
3.2.1 Lynchs Untersuchung
3.2.2 Elemente von cognitive maps.
3.2.3 Beziehung zwischen den Elementen.
3.2.4 Die äußere Gestalt der Stadt
3.3.1 Begriffsbestimmung - Kognitives Kartieren und kognitive Karten.
3.3.2 Haupteigenschaften des kognitiven Kartierens
3.3.3 Abbildungen (Repräsentationen)
3.3.4 Kognitives Kartieren und räumliches Verhalten.
3.3.5 Die Lösung räumlicher Probleme.
3.4 Weitere Konzepte und Erkenntnisse
3.5 Medientheoretische Ansatz.
4 Hypertext im World Wide Web
4.1 Definition und Begriffsabgrenzung
4.2 Aufbau von Hypertexten
4.2.1 Knoten und links
4.2.2 Organisationsstruktur von Hypertexten
4.3 Navigation und Orientierung
4.3.1 Begriffsbestimmung.
4.3.3 Räumliche Orientierung und Repräsentation.
4.3.4 Informationszugriff
4.4 Human factors und Hypertext
4.5 Experten und Novizen.
4.6 Browser
5 Hypothesen und Forschungsfragen.
5.1 Hypothesen.
5.1.1 Allgemeine Hypothesen.
5.1.2 Computer- und Interneterfahrung.
5.1.3 Kognitive Landkarten - cognitive maps
5.1.4 Suchbedingung - Problemlösen
5.1.5 Geschlechtsunterschiede
6 Methode
6.1 Untersuchungsdesign
6.1.1 Versuchsplan.
6.1.3 Untersuchungsmaterialien.
6.2 Versuchsdurchführung
6.2.1 Voruntersuchung.
6.2.2 Hauptuntersuchung
6.2.3 Probleme.
7.1.2 Hypothesenprüfung B (HB)
7.2 Interneterfahrung
7.2.1 Hypothesenprüfung 1.1.
7.2.2 Hypothesenprüfung 1.2.
7.2.3 Hypothesenprüfung 1.3.
7.2.5 Hypothesenprüfung 2.1.
7.2.6 Hypothesenprüfung 2.2a
7.2.7 Hypothesenprüfung 2.2b
7.2.8 Hypothesenprüfung 2.3a
7.2.9 Hypothesenprüfung 2.3b
7.2.10 Hypothesenprüfung 2.4.
7.2.11 Hypothesenprüfung 2.5.
7.2.12 Hypothesenprüfung 3.1 und 3.2
7.3.2 Hypothesenprüfung 4.2.
7.3.4 Hypothesenprüfung 4.4.
7.4 Suchbedingung - Problemlösen
7.4.4 Hypothesenprüfung 5.2c.
7.4.6 Hypothesenprüfung 6.2c.
7.5 Geschlechtsunterschiede
7.5.1 Hypothesenprüfung G1
7.5.2 Hypothesenprüfung G2
7.5.3 Hypothesenprüfung G3
7.6 Kontrollvariablen - LGT-3, 3DW
7.7 Übersicht Ergebnisse
8 Interpretation.
8.1 Allgemeines
8.2 Interneterfahrung
8.3 Navigationsverhalten, Kognitive Landkarten und Suchbedingung
8.4 Zusammenfassung der Ergebnisse
9 Kritik und Anmerkungen
9.1 Kritik zur Untersuchung
10 Zusammenfassung.
10.1 Inhaltliche Ziele
10.2 Forschungsdesign
10.3 Ergebnisse
10.4 Kritik, Anmerkungen.
11 Literaturverzeichnis
11.1 online-Quellen
12 Anhang

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Erklärung

Hiermit versichere ich, die vorliegende Diplomarbeit ohne Hilfe Dritter und nur mit den angegebenen Quellen und Hilfsmitteln angefertigt zu haben. Alle Stellen, die den Quellen entnommen wurden, sind als solche kenntlich gemacht worden. Diese Arbeit hat in gleicher oder ähnlicher Form noch keiner Prüfungsbehörde vorgelegen.

Wien, November 2002

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Vorwort

Der Computer und auch das Internet sind heutzutage zu einem realen und v.a. alltäglichen Teil unseres Lebens geworden. Aus diesem Grund ist auch die Verbindung Psychologie - Internet/Computer in den letzten Jahren zu einem sehr großen Forschungsgebiet angewachsen. Im Grunde genommen hat die Psychologie damit ein neues Forschungsfeld akquiriert. Diese Verknüpfung der technischen Innovationen und psychologischer Fragestellungen ist vielen Menschen in unterschiedlichen Berufssparten auf Anhieb nicht ganz einleuchtend.

Während der Zeit, in der ich mich mit meiner Diplomarbeit beschäftigte, schauten mich viele Menschen mit fragendem Blick und gerunzelter Stirn an, wenn ich mein Thema nannte: „Navigationsverhalten und kognitive Landkarten im Hypertext“.Sie wandten sich eigentlich stets mit Neugier an mich und wollten genaueres über die Thematik erfahren. Heute bin ich froh, dass ich aufgrund dessen äußerst interessante und hilfreiche Gespräche geführt habe. Ohne diesen permanenten Input hätte ich womöglich diese Arbeit in diesem großen Umfang nicht so motiviert „durchgezogen“. Ich denke, dass die Reaktionen jener Leute äußerst aufrichtig waren und als ein Indiz angesehen werden können, welch Wichtigkeit, ja sogar Notwendigkeit, die Psychologie - auch in einem gesellschaftlichen Rahmen - in diesem Bereich der Technik hat. V.a. IT-Fachleute und Personen die beruflich oder im Studium mit Computer und Internet zu tun haben, bohrten mir regelrecht Löcher in den Magen. Von ihnen bekam ich dann auch Antworten auf noch ungelöste Probleme und Möglichkeiten zur Realisierung derselben. Die Nachfrage nach i nnovativen Ideen und Problemlösungen, die auf den User abgestimmt sind, ist groß. Und genau hier kommt die Psychologie ins Spiel. Es geht um Menschen, die sich der Maschinen (Computer) bedienen, um Arbeit verrichten zu können. Es geht um Menschen, die nicht nur im Informationsüberfluss frustriert leben wollen, sondern relevante Informationen auch schnell finden wollen. Es geht im weitesten um das fundamentale Bedürfnis der Orientierung, sich „heimisch“ fühlen zu wollen (wie es Mikunda nennt). Dieses „Gefühl“, das einem nicht nur Sicherheit bietet, sondern v.a. auchHandlungsmöglichkeiten,dieses Gefühl bestimmt darüber, ob man sich näher für eine Website interessiert, ob man Vertrauen empfindet, oder ob man dieses oder jenes Programm verwendet, weil es schlichtweg bedienungsfreundlicher ist. Und

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genau hier befindet sich der Verknüpfungspunkt zwischen dem Navigationsverhalten, den Konzepten der kognitiven Landkarten und dem Internet bzw. dem Computer. Der spezielle Ausschnitt, der in dieser Arbeit untersucht wird, bezieht sich auf das Verhalten in einem Hypertextdokument und der damit verbundenen Ausbildung einer internen kognitiven Repräsentation einer externen realen oder virtuellen Umwelt.

Die experimentelle Untersuchung, die dieser Arbeit zugrunde liegt, wurde in Zusammenarbeit mit Britta Lorünser durchgeführt. Sie behandelte das Thema: „KognitiveLandkarten, Gedächtnis und Raumvorstellung im Hypertext“.Die empirischen Daten wurden somit für zwei Diplomarbeiten verwendet, deren thematischer Zugang ein unterschiedlicher war.

Ich möchte mich an dieser Stelle auch umgehend bei folgenden Personen für die Unterstützung meiner Diplomarbeit herzlich bedanken. Besonders hervorzuheben sind:

-Professor Dr. Peter Vitouch für seine Betreuung dieser Arbeit

-Markus Mayer für seine begleitende Unterstützung während der ganzen

Diplomarbeit

-Britta Lorünser für ihre Mitarbeit beim Experiment

Weiterer Dank sei ausgesprochen: Meinem Vater und meiner Mutter für ihre Unterstützung während des ganzen Studiums, http://swi.priv.at für das zur Verfügung stellen des Servers, Stefan Stiasny für das Einrichten des php-Programms sowie des logfiles auf dem Server, Heidi Leitenbauer für ihr Engagement bei der Literatursuche aktueller Forschungsergebnisse, Sandra Sturm und Norbert Zellhofer, die im selben thematischen Bereich („Hypertext“) ihre Diplomarbeit schrieben, Robert Fröschl für die Mithilfe bei der Datenaufbereitung, Heimo Reiter für seine kritischen Stellungnahmen, und allen Untersuchungsteilnehmern, die den einstündigen Aufwand nicht scheuten.

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Abbildungsverzeichnis Abbildung 4.1 - Veranschaulichung des Hypertextkonzeptes (nach Gerdes, 1997) ............. 30 Abbildung 4.2 - Klassifizierung von Links nach dem Zielanker (nach Gerdes, 1997) ......... 31 Abbildung 4.3 - Direktionalität von Hypertexten ....................................................................... 31 Abbildung 4.4 - Globalität der Anker (nach Gerdes, 1997) ...................................................... 31 Abbildung 4.5 - Darstellung einer vernetzten Struktur .............................................................. 33 Abbildung 4.6 - Darstellung einer hierarchischen Struktur ....................................................... 33 Abbildung 4.7 - Darstellung einer linearen Struktur ................................................................... 34 Abbildung 4.8 - Routen in Informationsnetzen .......................................................................... 40 Abbildung 4.9 - 3 Dimensionen der Computererfahrung nach Nielson ................................. 47 Abbildung 4.10 - Vergleich Experten - Novizen nach Stary (1996) ........................................ 48 Abbildung 6.1 - Die 5 Phasen des Computerexperiments ......................................................... 59 Abbildung 6.2 - Aufbau einer Homepage in Verbindung zum Konzept der kognitiven Landkarten nach Lynch (1989) .......................................................................... 63 Abbildung 6.3 - Skalenniveau der einzelnen Items im Fragebogen ......................................... 66 Abbildung 6.4 - Altersverteilung nach Geschlecht ..................................................................... 68 Abbildung 6.5 - Höchste abgeschlossene Ausbildung ................................................................ 69 Abbildung 6.6 - Aktuelle(r) Beruf bzw. Ausbildung der Vpn ................................................... 70 Abbildung 6.7 - Internetzugang von zu Hause ............................................................................ 71 Abbildung 6.8 - Erstellung einer Website [ja/nein] .................................................................... 71 Abbildung 6.9 - Selbsteinschätzung zur Interneterfahrung ....................................................... 71 Abbildung 6.10 - Selbsteinschätzung zur Erfassung der Homepagestruktur ......................... 72 Abbildung 7.1 - Benützung des Internets ..................................................................................... 78 Abbildung 8.1 - Veranschaulichung des theoretischen Zusammenhangs beider Konzepte kognitiver Landkarten von Lynch und Downs & Stea ................................. 111 Abbildung 12.1 - Beispielstruktur ..................................................................................................125 Abbildung 12.2 - Symbole der einzelnen Suchbedingungen ..................................................... 125 Abbildung 12.3 - Struktur bzw. Aufbau der Experimentalhomepage ..................................... 126 Abbildung 12.4a - Auszug eines log-files einer Vp (Orientierungsphase) ............................... 127 Abbildung 12.4b - Auszug eines log-files einer Vp (Suchbedingung) ...................................... 128 Abbildung 12.5 - Fragebogen .........................................................................................................128 VIII

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Abkürzungsverzeichnis

EU Erfahrenen User UU Unerfahrene User Vp Versuchsperson Vpn Versuchspersonen H0 Nullhypothese H1 Alternativhypothese

N Anzahl AM Arithmetisches Mittel (Mittelwert) s Standardabweichung Md Median Mo Modalwert p Wahrscheinlichkeit r Korrelation P-K Pearson-Korrelation S-K Spearman-Korrelation K-S Kolmogorov-Smirnov Z Z-Wert T T-Wert t Zeit (in Sekunden) KMZ Kolmogorov-Smirnov-Z

WWW World Wide Web

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1 Einleitung

In dieser Arbeit sollen die beiden Konzepte der kognitiven Landkarten von Lynch und Downs & Stea in Bezug auf ein Hypertextdokument einander gegenübergestellt werden. Wesentliche Kernpunkte die geklärt werden sollen, sind der Zusammenhang von Navigationsverhalten, kognitive Abbildung des Hypertextes und das Lösen virtuell räumlicher Probleme.

Der wesentlichste Unterschied der beiden Konzepte besteht darin, dass Downs & Stea als einziges Kriterium das räumliche Verhalten und Problemlösen sehen, anhand dessen man kognitive Landkarten messen könne. Lynch hingegen hat zur Messung kognitiver Landkarten eine andere Methode angewandt. Er ließ seine Untersuchungspersonen den Aufbau von verschiedensten Städten nachzeichnen. Downs & Stea kritisieren dies, da sie der Ansicht sind, dass es sich dabei um eine andere Fähigkeit handelt, die wesentlich von der Fertigkeit des „Zeichnen Könnens“ abhängig ist, also von einer (fein)motorischen Fertigkeit. Sie begründen das damit, dass es zu großen interindividuellen Unterschieden in der Qualität der Zeichnungen gekommen ist.

Zeglovits (1999) konnte in seiner Diplomarbeit die Existenz kognitiver Landkarten in Hypertextdokumenten nachweisen. In der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, inwieweit die Qualität der kognitiven Landkarten auf das Navigationsverhalten zurückgeführt werden kann. Können bestimmte Elemente der Navigation ausfindig gemacht werden, die als Kriterium zur Erfassung von kognitiven Landkarten geeignet sind? Sind überhaupt Zusammenhänge auffindbar? Kann die Theorie von Lynch oder jene von Downs & Stea das Lösen räumlicher Probleme bzw. die Lösung von Aufgaben (Informationssuche) in einem Hypertextdokument besser erklären? Dies sind nur einige Fragen, die mit dieser Diplomarbeit geklärt werden sollen. Außerdem wird die Weberfahrung noch als ein weiteres Kriterium herangezogen, da in vergangenen Studium wesentliche Unterschiede zwischen erfahrenen Usern und unerfahrenen Usern nachgewiesen werden konnten. Es scheint auch intuitiv naheliegend, dass Erfahrung - wie in den meisten Lebensbereichen - ein wesentliches Kriterium darstellt. Zu klären gilt es in dieser Arbeit, welche Elemente der Navigation Rückschlüsse auf die Weberfahrung des Users geben, inwieweit die Erfahrung auf die qualitative Ausbildung von kognitiven Landkarten einwirkt und inwieweit sie zur Lösung räumlicher

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Probleme zweckdienlich ist. Darüber hinaus werden auch noch Geschlechtsunterschiede untersucht, sowie der Einfluss von Gedächtnis und Raumvorstellung.

Es soll an dieser Stelle auch noch angeführt sein, dass die zwei Begriffe „Homepage“ und „Website“ während der ganzen Arbeit als Synonyme im Sinne von „Website“ betrachtet werden, obgleich „Homepage“ etwas unterschiedliches bedeutet (siehe Kapitel 6.2.1). Mit „Homepage“ meint man im technisch korrekten Sinn eigentlich die erste Site einer „Website“. Mit dem Begriff „Website“ hingegen, meint man alle Sites, die zu einem Internetauftritt mittels einer „Website“ gehören.

1.1 Aufbau der Arbeit

Das folgende Kapitel 2 gibt einen kurzen Überblick über das Gedächtnis. Nur kurz wird auf das Sensorische, Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis eingegangen. Danach werden noch unterschiedliche Ansätze der Informationsspeicherung im Gehirn behandelt, sowie die Raumvorstellung.

In Kapitel 3 wird dann Grundlegendes zu den kognitiven Landkarten vorgestellt. Des weiteren wird auch detailliert auf die beiden Konzepte von Lynch und Downs & Stea eingegangen. Behandelt werden unter anderem noch die medientheoretische Ansätze von Mikunda, sowie weitere Konzepte und Erkenntnisse bezüglich kognitiver Landkarten.

Kapitel 4 handelt von Hypertexten und allgemein vom World Wide Web, kurz WWW. Die Themenbereiche umfassen: die Begriffsbestimmung und Definitionsversuch, struktureller Aufbau von Hypertexten und ihrer Elemente, Navigation und Orientierung im Hypertext, sowie die human factors und bisherige Untersuchungen zu Experten und Novizen im Internet bzw. Hypertextsystemen. Außerdem wird noch kurz auf Browser eingegangen.

Die nachfolgenden Kapitel befassen sich mit dem empirischen Teil der Arbeit: Formulierung der Hypothesen, Methodik, Untersuchungsdesign und

Versuchsdurchführung. Kapitel 7 umfasst die statistische Auswertung der Hypothesen und in Kapitel 8 werden die Ergebnisse interpretiert.

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Zum Schluss findet sich noch eine Kritik und Anmerkungen zur gesamten Diplomarbeit, sowie eine Zusammenfassung, das Literaturverzeichnis und der Anhang.

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2 Gedächtnis und Raumvorstellung

Auf das Gedächtnis soll nur kurz eingegangen werden, da es nicht im hauptsächlichen Untersuchungsinteresse liegt und dem Leser aber dennoch ein Überblick geboten werden soll.

Zimbardo (1995) definiert Gedächtnis wie folgt: „Die meisten Kognitionspsychologen definieren Gedächtnis als aktiv wahrnehmendes kognitives System, das Information aufnimmt, enkodiert, modifiziert und wieder abruft.“ (Zimbardo, 1995, S. 313) Mittels dieser drei Prozesse (Enkodierung, Speicherung und Abruf) können wir uns zu späterer Zeit an eine Erfahrung erinnern.

Prinzipiell kann man drei unterschiedliche Gedächtnissysteme unterscheiden:

-Sensorisches Gedächtnis

-Kurzzeitgedächtnis

-Langzeitgedächtnis

2.1 Sensorische Gedächtnis

Der Originalreiz wird genau wiedergegeben. Sinnesrezeptoren nehmen die physikalischen Stimuli auf, diese werden in biochemische Prozesse umgesetzt und rufen Empfindungen und Wahrnehmungen hervor. Durch sensorische Kanalisierung, gesteuert durch Gehirnprozesse, wird die Information in einem sensoreichen Kanal verstärkt, während Information in einem anderen unterdrückt oder ignoriert wird. Die Aufnahme des sensorischen Inputs besteht aus drei Komponenten: 1) aus der Übertragung der Reizenergie in Sinnesdaten (Empfindung), 2) aus der Organisation der Daten von unterschiedlichen Rezeptoren zu Gruppierungen (Wahrnehmung im engeren Sinn), und

3) aus „Top-down“-Prozessen, während welcher Langzeiterinnerungen den neuen Informationen Bedeutung verleihen (Klassifikation).

Durch Aufmerksamkeit werden jene sensorischen Prozesse ins Kurzzeitgedächtnis transferiert. (Zimbardo, 1995)

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2.2 Kurzzeitgedächtnis

Das Kurzzeitgedächtnis (oder Arbeitsgedächtnis) hat eine sehr begrenzte Kapazität und eine kurze Behaltensdauer. Es handelt sich dabei um die einzige Stufe des Erinnerns, auf welcher Material bewusst verarbeitet wird. Das Kurzzeitgedächtnis gibt uns einen Kontext und es ist Teil unserer psychologischen Gegenwart. Es verbindet einzelne Episoden miteinander zu einer kontinuierlichen Geschichte.

Information gelangt ins Kurzzeitgedächtnis in Form organisierter Bilder und Muster. Die begrenzte Speicherkapazität des Kurzzeitgedächtnisses wird als unmittelbare Gedächtnisspanne bezeichnet. Sie liegt zwischen fünf und neun Informationseinheiten. Durch chunking (Rekodierung einzelner Items durch Gruppierung) und Wiederholen kann die Kapazität erhöht werden. (Zimbardo, 1995)

2.3 Langzeitgedächtnis

„[...] Es stellt das Wissen eines jeden Menschen über sich selbst und die Welt dar. Das Langzeitgedächtnis ist der Speicher für alle Erfahrungen, Informationen, Emotionen, Fertigkeiten, Wörter, Kategorien, Regeln und Urteile etc., die ihm aus dem sensorischen und dem Kurzzeitgedächtnis übertragen wurden.“ (Zimbardo, 1995, S. 324) Neue Information wird durch „Top-down“-Verarbeitung gespeichert. Das Langzeitgedächtnis kann mit einem System von Aktenschränken verglichen werden, in dem Items entsprechend ihrer Bedeutung gespeichert werden.

Je nach dem Typus von Information werden verschiedene Arten von Gedächtnis unterschieden:

•Prozedurales Gedächtnis: Betrifft die Erinnerung, wie Dinge getan werden und wie wahrnehmungsbezogene, kognitive und motorische Fertigkeiten erworben, erhalten und genutzt werden.

•Deklaratives Gedächtnis: Betrifft die Erinnerung an Fakten, welche mit bewusster Anstrengung abgerufen werden. Das deklarative Gedächtnis wird zudem noch unterteilt in:

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2.4 Informationsrepräsentation im Gedächtnis

ImNetzwerk-Ansatzwerden deklarative Wissensinhalte in Netzwerkstrukturen repräsentiert. „Ein Netzwerk ist ein markierter Graph, in dem Konzepte durch Knoten und Relationen zwischen den Konzepten durch Kanten dargestellt werden.“ (Tergan, 1986, S. 103)

Eine Möglichkeit der Darstellung solcher Netzwerke sind Propositionen. Darunter wird eine abstrakte Bedeutungseinheit, eine Vorstellung, die eine Beziehung zwischen Konzepten, Gegenständen oder Ereignissen ausdrückt, verstanden. Eine Proposition „ist die kleinste Wissenseinheit, eine Art Atom der Bedeutung“. (Zimbardo, 1995, S. 330) Diese semantischen (Bedeutungs-) Netzwerke ermöglichen es uns, gespeicherte Information ausfindig zu machen und Veränderungen oder Zusätze anzubringen (Anderson, 1976).

Bei denPsychometrischen Ansätzenwerden Daten über die Ähnlichkeitsbeziehungen zwischen Begriffen eines bestimmten Inhaltsbereiches analysiert, unter der Annahme, dass Begriffe eines Inhaltsbereiches von Menschen als mehr oder weniger eng miteinander verbunden, also als semantisch ähnlich, wahrgenommen werden. Das heißt, Menschen, über die vergleichbare Daten bezüglich der wahrgenommenen semantischen Ähnlichkeit von Begriffen vorliegen, verfügen über eine vergleichbare Wissensstruktur in Bezug auf die infragestehenden Begriffe. (Tergan, 1986)

In denSchematheoretischen Ansätzender Wissensrepräsentation wird angenommen, dass Schemata die grundlegenden Einheiten unseres Wissens darstellen. Schemata sind generelle begriffliche Rahmen oder Wissensstrukturen und enthalten Vorannahmen über bestimmte Gegenstände, Menschen und Situationen und die Art ihrer Beziehungen. Schemata sind „Wissenspäckchen“ (Zimbardo, 1995, S. 336). Sie repräsentieren verallgemeinerte Erfahrungen, die mit Gegenständen oder Ereignissen gemacht worden sind. Aus diesem Grund impliziert allein das Hören von Begriffen Erwartungen.

Bisher wurde lediglich auf die Repräsentation von semantischer Information im menschlichen Gedächtnis eingegangen. Im weiteren soll detaillierter auf die Speicherung räumlichen Wissens eingegangen werden. DasKonzept der kognitiven Landkarten (cognitive maps)stellt einen diesbezüglichen Ansatz dar und dient in dieser Arbeit als

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Grundmodell. Deshalb soll darauf ausführlicher eingegangen werden (vgl. Kapitel 3, cognitive maps).

DasModell der dualen Gedächtniskodierunggeht von der Annahme aus, dass es zwei Formen der Speicherung gibt:

-Verbaler Code

-Visueller Code

Nach diesem Modell ist es wahrscheinlicher, dass sensorische Informationen und konkrete Sätze als Bilder gespeichert werden, während abstrakte Sätze verbal kodiert werden. (Zimbardo, 1995)

2.5 Raumvorstellung

In verschiedenen Studien wurde nachgewiesen, dass räumliche Fähigkeiten durch computerunterstütztes Training gefördert werden können. Befunde deuten auch darauf hin, dass die Beschäftigung mit bestimmten Computeranwendungen, v.a. mit Computerspielen und das Lernen in multimedialen Umgebungen die Raumvorstellung und die räumliche Orientierung verbessern. Demzufolge lässt sich ein Zusammenhang zwischen Art und Ausmaß der Computererfahrungen von Personen und ihren Ergebnissen in Raumvorstellungstests sowie ihren Leistungen bei Orientierungsaufgaben vermuten.

Die förderliche Wirkung von Computerspielen und Computeranwendungen im Allgemeinen zeigt sich v.a. bei Personen mit wenig Computererfahrung.

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3 Kognitive Landkarten - cognitive maps

3.1 Grundlegendes

Es gibt mindesten vier grundlegende Orientierungsstrategien: Wegintegration, zielgerichtetes Pilotieren (wenn das gesuchte Ziel in der Nähe einer aus der Ferne gut wahrnehmbaren Landmarke ist), Bildseriengedächtnis und sequentielle Bildpassung (um Ziele oder Zwischenziele zu finden, werden die Verhältnisse der Landmarkenabstände mit denen eines gespeicherten Bildes verglichen) und Navigation mit sogenannten "Kognitiven Karten" (Michler, 2001, online-Dokument). Der Begriff wurde erstmals von Tolman (1948) benutzt und meint ein Gedächtnis für die Lage von Landmarken zueinander, unabhängig vom eigenen Standort. Das bedeutet, das Individuum muss intern eine topographische ("kartenartige") Repräsentation der Umwelt besitzen. Ein anderer dafür gebräuchlicher Begriff ist der des kognitiven Raumes.

3.1.1 Indizien für die Existenz kognitiver Karten

Menschen haben die Möglichkeit, aus dem Kopf eine Karte einer ihnen bekannten Umgebung zu zeichnen. Auch bei Tieren konnte man nachweisen, dass sie eine innere Repräsentation des Raumes besitzen. Ratten lernen, nach vorheriger Exploration eines Terrains, Wege schneller; wenn der direkte Weg blockiert ist, finden sie durch Verwendung eines kurzen Umweges zum Ziel.

3.1.2 Realer und kognitiver Raum

Der reale Raum ist der Raum, in dem wir uns bewegen. Der kognitive Raum ist eine interne Repräsentation des Raumes. Er ist jedoch kein komplettes Abbild des realen Raumes und auch die Größenverhältnisse sind nicht genau. Wie exakt diese Repräsentation ist, ist vor allem erfahrungsabhängig (Michler, 2001, online-Dokument).

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3.1.3 Fokaler und globaler Raum

Der fokale Raum ist der Teil des Raumes, den wir direkt ansehen (fokussieren). Das ist genau der Teil des Sehraumes, der auf der Fovea centralis (Sehgrube) abgebildet wird, und wir sehen ihn deshalb detailreich und scharf. In diesem Bereich können wir Objekte identifizieren. Die Objekte werden dabei durch (unwillkürliche) Sakkadenbewegungen des Auges (also einer Bewegung der Objekte relativ zum fokalen Raum) abgetastet. Der globale Raum umgibt den fokalen Raum. Er wird unscharf und mit weniger Details wahrgenommen. In diesem Bereich findet vor allem Bewegungsdetektion statt (Kandel).