Neapolitanische Nächte - Alexander Sänger - E-Book

Neapolitanische Nächte E-Book

Alexander Sänger

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Beschreibung

Die einmalige Chance, den mächtigsten Paten Neapels zur Strecke zu bringen, gerät in den engen Gassen der Hafenstadt schnell zu einem Katz-und-Maus-Spiel. Vor der Küste kommt es auf der "Isola Maledetta", der "verfluchten Insel", zu einem Showdown unter Feinden in der italienischen Nacht.

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Seitenzahl: 65

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Buch:

Die einmalige Chance, den mächtigsten Paten Neapels zur Strecke zu bringen, gerät in den engen Gassen der Hafenstadt schnell zu einem Katz-und-Maus-Spiel. Vor der Küste kommt es auf der «Isola Maledetta», der «verfluchten Insel», zu einem Showdown unter Feinden in der italienischen Nacht.

Autor:

«Neapolitanische Nächte» ist das Debüt des jungen deutschen Autors Alexander Sänger. Er wurde 1993 in München geboren und lebt noch heute dort. Nach seinem Maschinenbaustudium widmete er sich zusehends dem Schreiben in verschiedensten Genres. Er selbst bereist seit Jahrzehnten Italien und genießt die Zeit des Dolce Vita dort sehr.

Dedicato alla famiglia

Alle dargestellten Personen und Handlungen

sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit

realen noch lebenden oder verstorbenen Personen

wären rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Die beschriebenen Orte und Plätze sind

real und können noch heute besichtigt werden.

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

1

Er reiste ihm nach Neapel nach. Endlich ginge es mal wieder in das Land, das er so sehr liebte. Die bezaubernde Landschaft, das gute Essen, die Lebensfreude. Und doch war der Anlass für seine Ankunft ein ernster. Nun endlich wollte er Beweise sammeln. Beweise, die er in Little Italy in Manhattan nicht hatte finden können. Alle haben sie geschwiegen. Eine Mauer des Schweigens, die sich vor der Gewalt auftürmte, die er dort verbreitete.

Und jetzt diese Gelegenheit. Senior Scarletti – der Pate von Neapel–wieder daheim. Unter seinesgleichen. Monate, wenn nicht sogar Jahre lang hatte man ihn nicht mehr gesehen. Vielleicht seine letzte Möglichkeit. Es ist ungewöhnlich, dass sich der Pate selbst auf den Wegmacht. Lieutenant Frighton hatte gehört, etwas großes sei geplant. Eine Vendetta. Von großer Bedeutung. Vendetta zweier Clans. Sizilien. Die Cosa Nostra. Das ist eine Sache. Aber Neapel war in ihrer Hand. Und das sollte so bleiben.

Non-stop gab es noch keine Verbindung zwischen New York und Neapel. Welch Ironie, dachte Frighton, wie viele seien doch schon diese–meist letzte Reise – angetreten und kehrten so in die Heimat und den Schoß der Familie zurück.

Er jedoch bekam vom State Departement einen Flug mit Stopp in Casablanca. Vom Winde verweht schwelgte Frighton noch in Gedanken im dortigen Flughafenbistro, als er sich einen Mokka genehmigte, um die Strapazen des ersten Teils des Fluges zu vergessen. Das heiße Getränk rann wohltuend seinen Gaumen hinab und besänftigte im Magen angekommen den selbigen, denn einige Turbulenzen schüttelten den Dreamliner der Royal Air Maroc auf dem Weg über den großen Teich gehörig durch und an Träumen war nicht zu denken. Ein Himmelfahrtskommando, dachte er. Vielleicht weniger der Flug – der routinierte Pilot landete hart aber sicher auf dem marokkanischen Airport. Seine Mission war es vielmehr. Allein. In Europa. In Neapel. Mitten unter der einflussreichsten Mafia-Familie in der kampanischen Hauptstadt.

Er hoffte, der zweite Flug würde nicht mehr so stürmisch und turbulent werden. Seine Hoffnungen wurden nur teilweise erfüllt. Dann jedoch als sich die Räder langsam vom marokkanischen Boden erhoben, fühlte er sofort wieder die Böen, die das Flugzeug ergriffen. Der Steigflug in Richtung Westen führte noch einmal über die malerische Altstadt, dessen Silhouette nur schemenhaft im Wolkendunst dieses ersten Herbststurmes am Atlantik zu erkennen war. Ein letztes Mal sah Frighton die HASSAN II Moschee, bevor der Pilot den Anweisungen der Luftsicherung folgte und nach Osten abdrehte. Das Flugzeug stieß durch die Wolkendecke nach oben. Nichts war mehr zu erkennen, ehe innerhalb von Sekunden das Weiß der Wolken verschwand und über dem Flügel nur noch das strahlende Blau durch die ovalen Flugzeugfenster hereinblitzte. Die Bewegungen des Flugzeuges beruhigten sich nun und die Anspannung bei Frighton löste sich etwas.

Erst jetzt hatte er bemerkt, dass sein Sitznachbar ihn etwas skeptisch beäugte. Der Blick des jungen dunkelhäutigen Mannes mit den großen Augen wechselte zwischen seinem Gesicht und seinen Händen auf den Armlehnen hin und her. Frighton blickte hinab. Seine Knöchel waren noch ganz weiß, so hatte er seine Nägel in die Armlehnen gepresst. Die Erfahrungen vom ersten Flug hatten ihn wohl doch mehr mitgenommen, als er vermutet hätte. Er müsse den Kopf freibekommen. Durfte sich nicht mehr so auffällig verhalten. Jetzt mag es noch ohne Folgen sein, später jedoch vielleicht schon nicht mehr. Allein der Gedanke daran, den Paten in seiner Heimat überführen zu können, ließ ihm das Adrenalin in den Kopf schießen. Doch noch war es nicht so weit. Ruhig, ganz ruhig. Diese Worte ließ er immer wieder durch seinen Kopf wandern, bevor er nun wirklich seine Hände in den Schoß legte und versuchte, entspannt in den royalblauen Himmel zu blicken.

Es war ein Weile vergangen, auch wenn er nicht beziffern könnte, wie lange er so zum Fenster hinaus gestarrt hatte. Würde ihn sein Sitznachbar, der ihn vorhin noch so aufmerksam musterte, immer noch beobachten? War das etwa schon ein Spitzel der Mafia, den er nicht bemerkt hatte und der ihm schon seit New York gefolgt war?

Langsam begann Frighton seinen Kopf zu drehen–möglichst natürlich – um nicht wieder Aufmerksamkeit zu erzeugen. Er merkte sein Hauptschlagader am Hals pochen. Lässig, überspielend hatte er schließlich seinen Kopf soweit gedreht, dass er einen Blick über die Schulter riskieren konnte. Der Anblick, der sich ihm bot, lies ihn innerlich aufatmen. Der junge Mann war eingeschlafen. In Träumen sowie den Flugzeugsitz versunken.

Frighton merkte trotzdem diese unbesiegbare Nervosität in sich. Das war hier mehr als nur ein Einsatz in Brooklyn, Manhattan oder Jersey. Hier ginge es um einen ganz dicken Fisch, der ihnen schon einige Zeit Probleme machte.

Aufbruch in eine neue Welt. Aufbruch in ihre Welt. Unbekannt. Gefährlich. Im Schatten.

Als der Lieutenant nun ein paar Zeitschriften von Alitalia aus der Tasche des Vordersitzes herausnahm und darin belanglos zu blättern begann, zwang er sich, nicht mehr an seine Mission zu denken. Das würde noch früh genug kommen.

Es war ein warmer Frühabend im späten August, als Lieutenant Frighton aus dem Flieger am Aeroporto Internationali di Napoli stieg. Die Wolken hatten sie schon lange hinter sich gelassen. Als er durch die Flugzeugtür schritt, war er für einen kurzen Moment geblendet. Die herbstlich anmutende Sonne schien im direkt ins Gesicht. Ein sanftes Lüftchen blies ihm um die Nase. Er konnte das Meer riechen. Die Wärme, die Geborgenheit. Unvorstellbar, dass hier so etwas grauenvolles seine Wurzeln haben soll. Wie könne man nur so werden, wenn man hier mit der Sonne im Herzen geboren würde?

2

Die Abfertigung am Flughafen lief schnell und reibungslos. Viel Gepäck hatte Frighton ohnehin nicht dabei. Es sollte schnell gehen, ganz schnell. Je länger er hier bleiben würde, desto schwieriger und desto gefährlicher würde seine Lage. Deshalb begann er auch unverzüglich mit seinen Nachforschungen.

Er hatte sich als Quartier eine kleine unscheinbare Pension in der Altstadt ausgesucht, zu dem ihm das Taxi nun brachte. La Residenza Napoli, so unscheinbar, dass Frighton selbst zehn Minuten brauchte, um den Eingang zu finden. Perfekt, dachte er. Die schmucklose Halle mit der Rezeption lag vor einem kleinen Innenhof, durch die die tiefe Sonne nur noch spärlich hereinblitzte.

Nachdem er geschwind an der Rezeption eincheckte, brachte er nur seine kleine schwarze Reisetasche auf das spartanisch eingerichtete Zimmer und zog sofort los Richtung Piazza. Gerade noch früh genug um bei einem echten italienischen Espresso ein paar Informationen aufzuschnappen.

Seine flinken Schritte brachten ihn zunächst Richtung Osten zum Gran Caffè Gambrinus an der Fontana del Carciofo. Die Außenplätze waren begehrt, lagen sie doch in der Sonne, die im Moment noch durch die Via Gennaro Serra hereinschlich und die, hinter Hecken intim versteckten kleine Tische mit Wärme und Licht versorgte. Deshalb versuchte Frighton es innen mit einem Platz für seinen Espresso.

Das Gran Caffè Gambrinus