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Fünf Kinder werden beinahe gleichzeitig entführt. Das gewissenlose Vorgehen der Entführer und das Fehlen jeglicher Forderungen lässt die Ermittler im Dunkeln tappen. Als sich herausstellt, dass alle Kinder Geschwister sind, ahnt Tom Küppers von der Kripo Neuss, dass es den Tätern nicht um Lösegeld, sondern um einen perfiden Plan geht. Küppers setzt alles daran, die Kinder zu retten, doch es scheint, dass er das Rennen verliert ...
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Seitenzahl: 576
Veröffentlichungsjahr: 2013
Nach dem BWL-Studium und ein paar kurzen Jahren in einer Marketingagentur lehrt Susanne Riemer heute an einer internationalen Business School und lebt mit ihren Kindern am Niederrhein.
Dieses Buch ist ein Roman. Handlungen und Personen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen oder Ereignissen sind nicht gewollt und rein zufällig.
© 2013 Hermann-Josef Emons Verlag Alle Rechte vorbehalten Umschlagmotiv: © mauritius images/Werner Otto Umschlaggestaltung: Tobias Doetsch eBook-Erstellung: CPI – Clausen & Bosse, LeckISBN 978-3-86358-235-7 Niederrhein Krimi Originalausgabe
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Für meine Eltern
Prolog
Die Luft war erfüllt von Schneegriesel, der gleichmütig vom grauen, wolkenverhangenen Himmel herabfiel. Sie hatten an ihrem Schneemann weitergebaut. Der Schnee war frisch und fast zu pulvrig, um daraus Kugeln zu rollen. Sein Bruder und er hatten den lockeren Schnee mit den Händen zusammengeschoben und zu Klumpen gepresst. Die Brocken hatten sie zu einem unförmigen Etwas zusammengesetzt, das so gar nicht wie ein Schneemann aus den üblichen drei Kugeln aussehen wollte. Der kleine Kopf balancierte gewagt auf den spitzen Schultern und wollte mal zur einen, mal zur anderen Seite hinabstürzen. Mit viel Schnee hatte sein Bruder den Kopf wie mit einer Halskrause festgepappt und ihm seinen blauen Schal umgelegt.
»Ich hole Steine für die Augen und zwei Äste für die Arme. Bleib du hier, hörst du?«
Der kleine Junge hatte eifrig genickt und seinem großen Bruder, der mit langen Schritten in den Wald gerannt war, nachgesehen. Dann hatte er weiter Schnee an den Leib des Schneemanns gedrückt. Allein wurde ihm dabei bald langweilig, und so begann er, Engel in den Schnee zu machen, wie es ihm sein Bruder gezeigt hatte. Das war sein erster »richtiger« Winter, letztes Jahr war er erst zwei gewesen und hatte so gut wie gar nicht nach draußen gehen dürfen. Aber jetzt ging er in den Kindergarten, und manchmal nahm ihn sein großer Bruder zum Spielen mit, wenn die anderen Kinder keine Zeit hatten.
Dem kleinen Jungen war kalt. Er hatte Schnee in den Stiefeln. Er ließ sich auf den Hosenboden plumpsen, um sie auszuschütteln, so wie Mama es immer machte. Es war auch dunkel, beim Spielen war ihm das kaum aufgefallen, aber jetzt war der nahe Waldrand nur noch als dunkler Streifen auszumachen. Als der kleine Junge sich umdrehte, um nach dem Haus, in dem er und sein Bruder wohnten, zu sehen, konnte er es kaum noch erkennen. Es war so kalt. Er wünschte, sein Bruder käme bald zurück, damit sie nach Hause zu Mama gehen konnten. So kalt. Die Handschuhe waren nass, und die Finger taten ihm weh. Wenn doch sein Bruder nur endlich käme. Es schien auch mit jedem weiteren Augenblick immer dunkler zu werden, das Haus, das nur knapp über den Rand des Hügels ragte, konnte er gar nicht mehr erkennen. Nur der Schnee leuchtete matt bläulich.
Er spürte, dass Tränen in ihm hochstiegen, aber er schluckte sie tapfer hinunter. Bloß nicht weinen. Wenn sein Bruder ihn so sehen würde, wäre er bloß wieder die kleine Heulsuse. Aber er war doch schon ein großer Junge, das sagte Mama auch immer. Deshalb würde er jetzt auch nicht weinen und brav hier warten, bis ihn einer holte. Das hatte Mama ihm immer eingeschärft: Wenn du uns nicht findest, bleib, wo du bist! Wir finden dich. Er hockte sich in den Schnee und wartete. Langsam begann es wieder zu schneien.
Sie erschrak, als sie aus dem Fenster sah und merkte, dass es draußen inzwischen stockdunkel war. Die Jungs sollten längst vom Spielen zurück sein. Zum Glück waren sie nur auf dem Hang des Hügels, nicht weit vom Haus entfernt. Da konnte nichts passieren, eigentlich. Zumindest gab es da kein Wasser, keinen Teich oder Bach. Trotzdem … Eilig griff sie nach ihrer Strickjacke und lief nach draußen auf die Veranda. Inzwischen war es richtig finster geworden, wenn auch nicht ganz so dunkel, wie es ihr in der hellen Küche erschienen war. Ihre Jungs wussten ganz genau, dass sie nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr draußen sein durften. Na, die konnten was erleben.
Sie starrte in die Dunkelheit, dann begann sie nach ihren Kindern zu rufen. Keine Antwort. Sie spürte, wie ihr Ärger verflog und der Sorge wich. Die Angst wuchs erst schleichend, dann nahm sie von einem Augenblick auf den anderen sprunghaft zu. Wo waren die Jungs? Sie rief noch einmal nach ihnen, rannte auf die Kuppe des Hügels und spähte den Hang hinab. Nichts als Weiß um sie herum, so schien es jedenfalls im ersten Augenblick. Aber was war das? Ein einzelner dunkler Fleck, kurz vor dem Waldrand. Als sie durch den tiefen Schnee auf den Fleck zu rannte, vergaß sie, dass sie nur Pantoffeln trug. Nur ein Fleck, der sich nicht bewegte. Gott, lass es die Jungs sein! Sie rannte, schlitterte, stolperte, verlor ihren rechten Schlappen und lief trotzdem weiter. Sie rief die Namen der Jungs, und der Fleck bewegte sich.
»Mama?« Der Rest ging in Weinen unter.
Sie stürzte auf ihren Jungen zu, kniete sich hin, presste den kleinen, kalten Körper an sich. Ihre Hände wollten ihr – vom Schnee und dem schneidenden Wind klamm gefroren – kaum gehorchen.
»Gott sei Dank!« Sie barg den Kleinen in ihren Armen. »Wo ist dein Bruder?«
Der Junge weinte und zitterte.
»Wo ist er? Warum hat er dich allein gelassen?«
Sie spürte wieder Ärger in sich hochkommen, aber da hob ihr Sohn den Arm und zeigte Richtung Wald.
»Steine suchen, Mama, schon ganz, ganz lange.«
Sie blickte hinüber zum Wald, sah aber nur dunkle, drohende Schwärze, und jetzt spürte sie nichts anderes mehr als nackte Angst. Sie riss den Kleinen hoch und rannte auf den Waldrand zu, ihre Stimme, die den Namen ihres großen Jungen rief, gellte durch die Finsternis.
Neuss
Die Wucht und das Krachen des Aufpralls vergingen. Das Aufstöhnen des zerschmetterten Metalls verhallte im weichen, bröckelnden Geräusch der sich auflösenden Windschutzscheibe. Niemand schrie, oder doch? Sebastian Liebermann öffnete langsam die Augen. Er lebte noch. Im Moment des Aufpralls hatte er die Augen geschlossen und geschrien: »Festhalten, haltet euch fest!« Als ob man sich tatsächlich irgendwo festhalten könnte, wenn man mit voller Wucht gegen einen Baum raste.
Aber er lebte noch. Vor sich sah er die zersplitterte Scheibe, und ihm fiel auf, dass er keinen Schmerz fühlte. Konnte es tatsächlich sein, dass ihm nichts passiert war?
Was war mit Lex und Jonas? Warum sagte sie nichts, warum schrie der Kleine nicht? Er versuchte, seinen Kopf nach rechts zu drehen, aber es ging nicht, er war nicht fähig, seinen Kopf auch nur ein Stück zu bewegen, er konnte nur starr nach vorne auf die Scheibe sehen. Er versuchte seinen Gurt zu lösen, vielleicht war er eingeklemmt, aber seine Hände wollten den Gurt nicht finden. Er spürte Panik in sich aufsteigen.
»Lex? Lex, sag was!«
Keine Antwort. Verdammt, was war mit den anderen?
»Jonas, hallo, Jonas, hörst du mich?«
Nichts. Nur Stille. Nein, da war etwas. Er hörte, wie irgendwo ein Auto hielt, dann das Schlagen einer Fahrzeugtür und Schritte, die sich ihm näherten. Hilfe kam. Sebastian hörte, wie eine der hinteren Wagentüren aufgerissen wurde.
»Ist der Junge okay? Ist er okay?«, rief er.
Auch diesmal keine Antwort, stattdessen ein Klicken – jemand öffnete das Gurtschloss des Kindersitzes – und ein leises Wimmern.
»Jonas, hörst du mich?«
Erst entfernten sich die Schritte, dann kamen sie auf einmal wieder zurück. Ein Knarzen, als erneut eine der Fahrzeugtüren geöffnet wurde, dann erschien eine Hand am unteren Rand seines Blickfelds, die den Autoschlüssel abzog.
»Lassen Sie den Jungen! Bitte! Nicht mitnehmen!«
Sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Trotz Panik wusste er ganz genau, dass sie es waren. Natürlich, wer sonst? Sie hatten Jonas gewollt, und jetzt hatten sie ihn mitgenommen. Er hatte es nicht verhindern können.
Er hörte das Auto wegfahren. Warum nur konnte er sich nicht bewegen? Bleib ganz ruhig, hier kommen ständig Autos vorbei.
»Lex, hörst du mich?«
»Ach du Scheiße! Oh, mein Gott!«
Da war wieder jemand, jemand anderes. Sebastian konnte nichts sehen, war es nicht eben heller gewesen?
»Hallo, hören Sie mich? Ja, ich will einen schweren Unfall melden … Auto gegen den Baum … zwei Schwerverletzte … auf der L230 von Liedberg nach Holzheim, auf der Höhe von Glehn … Was? Ich heiße Klaus Karling. Okay, ich sichere die Unfallstelle ab, aber von Erste Hilfe habe ich keine Ahnung, ich glaub nicht, dass ich da helfen kann, ich möchte die lieber nicht anfassen, da mach ich alles nur noch schlimmer, als es schon ist.«
Sebastian versuchte, sich aufs Sprechen zu konzentrieren.
»Der Junge ist weg.« Seine Stimme war so leise. »Sie haben den Jungen mitgenommen.«
Ob der Mann ihn überhaupt gehört hatte? Aber gleich kam Hilfe, er hatte den Unfall gemeldet.
»Durchhalten, Lex, halte durch. Gleich kommt ein Krankenwagen«, flüsterte Sebastian. Und dann, mit letzter Kraft: »Alles wird gut, Lex. Ich hab dich lieb.«
Island
Als Ben Liebermann vor drei Wochen am Flughafen Berlin-Schönefeld eingetroffen war, hatte er die üblichen Sofortreaktionen auf schwere persönliche Katastrophen bereits längst hinter sich. Nach dem ersten Schock hatte er versucht, mit aller Kraft nach vorne zu sehen und sich einen Rest an Hoffnung zu bewahren. Aber als sich kurz darauf sein ganzes Glück von einer Minute auf die andere buchstäblich in nichts aufgelöst hatte, war er tagelang wie gefangen in kalter Starre gewesen. Die Welt um ihn herum hatte sich in eine Art Nebenuniversum verwandelt, in dem ein konstantes weißes Rauschen im Kopf die alles beherrschende Kraft war und zu grelles Licht die Augen quälte. Dennoch schien niemand außer ihm dies zu bemerken, wie auch niemand seinen Schmerz und seine Verzweiflung wahrnehmen wollte. Ebenso irritierend wie das weiße Rauschen waren die stakkatohaften Gedanken, die seinen Kopf beherrschten und jedes klare Denken unmöglich machten.
Der Schock brachte Lähmung mit sich, und Ben war unfähig, mehr zu tun, als im Bett zu liegen und die Decke, das Fenster oder die Wand anzustarren. Abgesehen davon, dass er zur Toilette stolperte, ab und zu aß und trank und gelegentlich unter die Dusche schlich, konnte er nichts tun.
Raoule rief in der ersten Zeit noch regelmäßig an, sprach ihm mal beschwörend, mal bittend auf den Anrufbeantworter oder müllte seine Mailbox zu, ohne dass er sich die Mühe machte, diese auch nur einmal abzuhören. Es war der zehnte oder elfte Tag, als ihm, gerade aus der Dusche gestiegen, noch nackt und frierend, schlagartig klar wurde, dass er in dieser Wohnung nicht mehr weiter existieren konnte. Nicht unter der Anklage des verwaisten Kinderzimmers und dem Hohnlachen des breiten Bettes im Schlafzimmer. Er musste raus, nur raus.
Er stopfte, was er auf die Schnelle an brauchbaren Klamotten fand, in seinen Seesack, wühlte nach Ausweis und Geld und packte sein Mobiltelefon samt Ladegerät mit in die Reisetasche. Zum ersten Mal seit Tagen zog er wieder Socken und Schuhe an. Er war schon vor der Haustür, als ihm seine Gitarre einfiel. Wenn er sie jetzt nicht mitnahm, würde er doch wieder hierherkommen müssen, und das war im Moment das Letzte, was er ertragen konnte.
»Sind Sie Musiker?«, fragte der Taxifahrer, als Ben den Kofferraum des Passats öffnete.
»Nach Schönefeld«, flüsterte Ben. Seine ersten nicht geschrienen, nicht gebrüllten Worte seit Tagen. Er hustete und wiederholte lauter: »Nach Schönefeld.«
Erst als er die Uhr im Taxi sah, wurde ihm klar, dass es beinahe Abend war, fast achtzehn Uhr. Hoffentlich ging noch ein Flug, und zwar möglichst weit weg.
Die Abflughalle Schönefelds war ebenfalls Teil dieses unwirklichen Nebenuniversums, aber immerhin hatte er jetzt ein Ziel. Das Ziel war Abhauen. Auf der Abflugtafel standen Mallorca (bloß nicht), London (nicht weit weg genug) und Rom (keine Stadt, um sich beschissen zu fühlen) zur Wahl. Aber es gab noch einen Flug nach Reykjavik-Keflavik, Island, um zwanzig Uhr dreißig. Es gab nicht viel, was Ben über Island wusste: eine kalte, unwirtliche Insel im Nordmeer, die mit ihren Vulkanen schon mal globale Flugverbote auslöste, aber sie war immerhin weit weg, und er hatte noch genug Zeit, um ein Ticket zu kaufen. Klang perfekt. Eine freundliche Bewohnerin des Nebenuniversums erklärte ihm durch das weiße Rauschen hindurch, dass er sich zum Lufthansaschalter begeben sollte.
Die Lufthansa hatte noch Plätze frei, die Gitarre wanderte ins Sperrgepäck, bei der Sicherheitskontrolle gab es keine Schwierigkeiten.
Als die Boeing gegen neunzehn Uhr Ortszeit über der Halbinsel Reykanes einschwebte und kurz darauf glatt auf einem der beiden Runways aufsetzte, hatte Ben über drei Stunden tief und fest geschlafen, so gut wie seit Tagen nicht mehr. Der internationale Flughafen Islands, gut eine Dreiviertelstunde Fahrzeit von Reykjavik entfernt, war kein Drehkreuz, lag aber logistisch günstig für Zwischenstopps auf der Atlantik- und Nordpolroute. Der Gebäudekomplex war hochmodern und schick gestaltet, Glas und Stahl bestimmten die Architektur, und die Menschen trugen die gleiche Kleidung wie in London, Paris oder Berlin. Wenn Ben folkloristische Mützen und Kostümierungen à la Björk erwartet hatte, wurde er zumindest hier enttäuscht.
Am Stand der Autovermietung hatte sich bereits eine kleine Schlange gebildet. Zwei übernächtigte Geschäftsleute, die niederländisch miteinander sprachen, erhielten neben dem Schlüssel für einen Honda Accord auch eine Wegbeschreibung zu einem akzeptablen Hotel in Keflavik. Eine Familie aus Deutschland mit Babyrückentrage und Tramperrucksäcken sowie fest schlafenden Kleinkindern bekam außer dem bestellten Ford Focus zwei Kindersitze über die Theke gereicht. Danach wandte sich der Mann vom Car Rental, der laut Namenschild auf der Theke Thure Heergensson hieß, mit unermüdlicher Freundlichkeit Ben zu. Eloquent pries er die Vorzüge eines Offroaders, mit dem sich Island erst so richtig puristisch und hautnah erleben ließe. Für Ben, der, von ökologiebewussten Musikerkreisen geprägt, jeden SUV für die unmittelbare Manifestation der Symbiose von Teufel und Öllobby hielt, lüftete sich endlich der Nebelschleier aus Licht und Rauschen. Glasklar vernahm er das Versprechen von Freiheit und Abenteuer in der Wildnis abseits aller Straßen und von wirklicher Abwechslung vom schnöden Lebensalltag. Ben hatte sein Leben gerade in den letzten Wochen alles andere als langweilig empfunden, ein bisschen Alltag wäre ihm mehr als willkommen gewesen. Warum empfand man Alltag immer dann als großartig, wenn man gerade aus ihm herauskatapultiert worden war und führungslos durch eine rauschende Scheinwelt taumelte?
»Wer war eigentlich Leif Erickson?«, unterbrach er Thure in dessen Ausführungen zum modernen Abenteurerleben. Thures Blick folgte Bens Hand, die auf das »Leifur Eriksson Airport«-Poster an der Hallenwand zeigte.
»Leif Erickson war ein amerikanischer Schauspieler, der die Hauptrolle bei ›High Chaparral‹ gespielt hat. Leider tot«, sagte Thure ernst, aber augenzwinkernd.
»Und nach dem haben sie gleich einen Flughafen benannt?« Ben war sich nicht ganz sicher, ob das weiße Rauschen ihm nicht weitere Streiche spielte.
Thure lachte. »Nein, nein, ich glaube, der hatte den Namen bloß adoptiert, von Leif Eriksson, dem Sohn von Erik dem Roten«, antwortete Thure. »Leider auch schon tot«, fügte er hinzu. »Alle beide.«
»Erik, der Rote? Den kenne ich.« Ben überlegte. »Wikinger, soll Amerika entdeckt haben, vor Columbus?«
»Genau der, wir Isländer bestehen darauf. In Island erinnern wir an jeder Ecke daran, wer unsere Vorfahren waren.«
»Und deshalb soll ich jetzt in einem SUV unerschrocken und kaltblütig über eure Wiesen fahren?« Ben lachte. »Mir reichen die Mountainbiker in den Alpen, die aus jedem Wäldchen hervorbrechen.«
»Wäldchen haben wir kaum, aber eben auch wenige Straßen, zumindest im Hochland, falls Sie dorthin wollen.«
»Ich weiß noch gar nicht, wo ich hinwill, bis vor fünf Stunden wusste ich nicht mal, dass ich heute Abend hier landen würde. Ich nehme den SUV.« Ben packte Führerschein und Ausweis aus, unterschrieb den Vertrag und legte seine Kreditkarte vor. »Erst mal sehen, wie lange ich bleibe, ich gehe mal von drei Wochen aus.«
In drei Wochen, Anfang Oktober, musste er nach München zu Plattenaufnahmen, er war gleich für mehrere Projekte als Studiomusiker gebucht. Bis dahin musste er irgendwie wieder auf den Füßen stehen, und zwar rechts und links.
Neuss
»Ein Toter und eine Schwerverletzte, die ist bereits mit der Rettung weg.« Polizeiobermeister Jochimsen schüttelte den Kopf. »Wie schnell muss der denn gefahren sein? Die Straße ist doch schnurgerade und völlig trocken.«
Jochimsen sah auf die Uhr. Sieben Uhr fünfzehn, der Tag fing nicht gut an. Er sah zu, wie die Leiche des Fahrers von den Mitarbeitern eines Bestattungsinstituts in die flache Zinkwanne gehoben wurde. Er wandte sich wieder Schmischke zu, der mit dem Vermessen der Unfallstelle beginnen wollte.
»Fotos haben wir schon. Der Baum hat es noch am besten überstanden. Der Fahrer hat einen Genickbruch, meinte der Doc, und einiges andere.« Er verzog das Gesicht.
Schmischke schaute zu ihm auf. »Ja, da nützt die ganze Technik nix, wenn du seitlich versetzt auf so einen Baum knallst. Scheiße. Wenigstens war das Kind nicht im Wagen.«
»Welches Kind?« Jochimsen blickte sich prüfend um. Er fröstelte in seiner Lederjacke. Für Anfang Oktober war es schweinekalt. Mittlerweile war es aber wenigstens hell geworden; über den Niederungen neben der Landstraße hing feiner Dunst.
»Kindersitz im Auto«, brummte Schmischke, der neben einem der Hinterräder des Audis damit begonnen hatte, mit Farbspray die Lage des Fahrzeugs auf der Fahrbahn zu markieren.
»Was?« In diesem Augenblick war Jochimsen sicher, dass dies ein beschissener Tag werden würde.
Er öffnete die linke hintere Tür und betrachtete den Kindersitz. »Bis 28Kilo« stand darauf, das hieß, es handelte sich um ein kleines Kind. Verdammt und zugenäht! Sein Blick wanderte durch das zerstörte Wageninnere, über die erschlafften Airbags vorne und an den Seiten und die zerschmetterte Scheibe. Fußraum und Sitze waren von vielen kleinen Scherben übersät. Blut, vor allem auf der Fahrerseite, und eine Handtasche neben dem Beifahrersitz.
Jochimsen zog den Kopf aus dem Auto. »Ist der Halter festgestellt?«
»Ist in der Mache. Der Server ist platt.«
Jochimsen ging um den Wagen herum auf den Seitenstreifen. Die Beifahrertür ließ sich ohne Probleme öffnen. Die Fahrertür hatte bereits offen gestanden, als sie angekommen waren, das musste auch in den Bericht. Wahrscheinlich war das der Zeuge gewesen, der den Notruf abgesetzt hatte. Oder das Notarztteam. Aber das musste er checken. Jochimsen kritzelte rasch eine entsprechende Notiz auf seinen Block und schob ihn zurück in seine Jackentasche. Er bückte sich und zog die Handtasche aus dem Wrack. Diese war ebenfalls voller Splitter und Blutspritzer. Er öffnete sie und suchte nach einem Ausweis. Portemonnaie, Deo, Handy, Hausschlüssel mit Autoschlüssel an einem Bund. Audi. Automatisch warf er einen Blick auf die Zündung des Unfallwagens und stutzte: kein Schlüssel. Wie konnte das sein? Er beugte sich ins Wageninnere und probierte den Schlüssel. Ging nicht rein, das war nicht der Schlüssel für diesen Wagen.
»Micha!« Er winkte Schmischke herbei. Dieser kam ums Auto herum.
»Was?«
»Guck mal ins Auto, vorne, und sag mir, was da fehlt.«
Schmischke bückte sich und ließ seinen Blick über Sitze und Armaturenbrett gleiten. »Die Scheibe?«
»Witzbold, ich mein’s ernst.«
Schmischke sah erneut hin. »Keine Ahnung, was meinst du?«
»Der Schlüssel fehlt. Wie konnte jemand den Wagen starten, um anschließend mit ihm gegen den Baum zu knallen ohne Schlüssel? Kurzgeschlossen ist der Wagen jedenfalls nicht.«
Schmischke zuckte die Achseln. »Stimmt, schon komisch, vielleicht so eine Karte, die man nur im Hemd haben muss, irgend so ein Entry-System-mit-haste-nicht-gesehen?«
»Nein, das ist ein normales Zündschloss, da musste schon noch einen Schlüssel reinstecken.« Jochimsen sah sich um. Wo war eigentlich der Zeuge? Vermutlich bei Weispfennig im Bus, um seine Aussage zu machen.
Jochimsen ging rüber zum Einsatzfahrzeug, das ein Stück weiter vorn am Straßenrand parkte. Mittlerweile kamen jede Menge Autos vorbei, der Berufsverkehr hatte eingesetzt. Die Unfallstelle war weiträumig abgeflattert, und ein Beamter regelte den Verkehr mit der Kelle. Jochimsen öffnete die Schiebetür des blau-silbernen Busses und kletterte ins Innere. An dem kleinen Klapptisch saßen sich der Kollege Weispfennig und der angeschlagen wirkende Zeuge gegenüber.
»Darf ich kurz dazwischen?« Jochimsen sah Weispfennig an. Die Handtasche legte er auf den Tisch.
»Nur zu.« Weispfennig war mit dem Ausfüllen mehrerer Formulare beschäftigt.
»Haben Sie den Schlüssel des Unfallfahrzeugs abgezogen, und haben Sie ihn noch bei sich?«, fragte Jochimsen Klaus Karling den Zeugen.
Dieser starrte ihn entsetzt an. »Nein, nein, als ich da reingesehen habe, bin ich rückwärts wieder weg. Der Mann war noch am Leben, hat irgendwas gesagt, aber wie der aussah … Haben Sie den gesehen?« Es war offensichtlich, dass Karling einen Schock erlitten hatte.
»Die Fahrertür haben Sie aber geöffnet, oder war das das Notarztteam?«
»Nein, die war schon offen, als ich kam. Ich dachte: ›Mensch, kaum zu glauben, dass der Fahrer noch selbst aussteigen konnte‹, so wie der Wagen aussah, meine ich. Vielleicht hat der Typ von dem anderen Wagen …?«
»Welcher andere Wagen? Es war noch vor Ihnen jemand an der Unfallstelle?« Jochimsen beugte sich vor, und auch Weispfennig blickte jetzt auf.
»Na ja, ich habe von Weitem zwei Wagen gesehen, da wo der Unfall passiert ist, der eine fuhr dann aber schnell weg. Dass ein Unfall passiert war, habe ich erst beim Vorbeifahren bemerkt, war ja noch ziemlich dunkel.«
»Wagentyp, Kennzeichen? Sonst was gesehen?«
»Nein, nix. Wie gesagt, ich habe ja auch zuerst nur zwei Wagen am Straßenrand gesehen, da hab nicht so drauf geachtet.«
»Der Wagenschlüssel fehlt?« Weispfennig machte ein nachdenkliches Gesicht. »Warum sollte ein Autofahrer anhalten, nicht helfen, aber den Autoschlüssel von einem Wrack klauen? Sehr merkwürdig.«
Schmischke erschien neben der geöffneten Schiebetür. Er dehnte seine müden Knochen und warf einen verlangenden Blick auf Weispfennigs Thermoskanne mit möglicherweise frischem Kaffee.
»Es gibt Lackspuren an der Fahrerseite, sehen ganz frisch aus. Und überhaupt, die Position vom Fahrzeug, wenn man sich mal die Straße ansieht … Einfach so gegen den Baum passt irgendwie nicht«, sagte er.
Jochimsen und Weispfennig kletterten aus dem Bus. Im laufenden Verkehr, der um die Unfallstelle herumbrandete, war der Unfallhergang schwer abzuschätzen. Als es passierte, waren die Straßen kaum befahren, aber so gut wie jeder hier fuhr deutlich schneller als die erlaubten Siebzig.
Schmischke ging an der Fahrerseite des verunglückten Audi A2 vorbei und deutete auf den vorderen linken Kotflügel, der durch die Wucht des Aufpralls wie Zeitungspapier zusammengeknüllt worden war. Er ging in die Hocke und beleuchtete mit einer kleinen Taschenlampe das silberne Blech.
»Hier und hier, da auch.« Er zeigte auf einige längliche, durch Risse und Blechfalten immer wieder unterbrochene, dunkle Streifen. »Ist kein Dreck, das ist Lack, seht ihr? Dunkelblau-metallic, würde ich sagen.«
Jochimsen bückte sich. Er betrachtete die Streifen und strich leicht mit dem Zeigefinger darüber. Auf seiner Fingerkuppe blieb ein hauchfeiner Lacksplitter kleben.
»Hier.« Weispfennig hielt ihm einen geöffneten Plastikbeutel hin.
»Unser wandelndes Labor.« Jochimsen grinste. »Ich glaube, wir müssen definitiv von einem zweiten Fahrzeug ausgehen.« Er stockte und fuhr fort: »Ich will eben etwas überprüfen.«
Als sie vor etwa einer halben Stunde aus Neuss gekommen waren, war ihm etwas aufgefallen, dem er zunächst keine größere Bedeutung beigemessen hatte. Aber jetzt fiel es ihm wieder ein. Jochimsen lief den Fahrradweg zurück, der sich hinter einem breiten Grünstreifen, auf dem die alten Alleebäume wuchsen, an der Landstraße entlangzog.
Da war es: Vier Begrenzungspfosten waren der Reihe nach umgepflügt und lagen abgerissen im Grüngürtel. Jochimsen blickte die schnurgerade Straße entlang. Die Sonne stand inzwischen so hoch, dass sie ihn blendete, und Jochimsen musste kurz die Augen zusammenkneifen. Dann betrachtete er die Alleebäume auf der Höhe der Pfeiler; zwei hatten Teile ihrer Rinde eingebüßt, der Abrieb war deutlich frisch, und im Grün entdeckte Jochimsen frische Reifenspuren in regelmäßigen Abständen, so als wäre ein Betrunkener Schlangenlinie gefahren und hätte dabei mehrere Male den Grüngürtel gestreift. War der Fahrer einfach nur besoffen gewesen, oder hatte ihn jemand systematisch von der Straße gedrängt?
Als Jochimsen zur Unfallstelle zurückkam, sah er die Kollegen an der geöffneten Kofferraumklappe des A2 stehen. Weispfennig winkte ihn wortlos herbei. Jochimsen schaute Schmischke über die Schulter. Der Kofferraum war vollgepackt mit Reisetaschen und Koffern, Jochimsen sah auch einen Buggy. Zwei der Reisetaschen hatten die Kollegen bereits geöffnet. In der einen waren Frauensachen, in der anderen die Kleidung eines kleinen Jungen.
»Oh nein, die wollten in den Urlaub fahren«, stöhnte Jochimsen. Sein Blick fiel wieder auf die Kinderkleider. »Verdammt, wo ist der Junge?«
Island
Zwei Wochen lang hatte Ben Island erkundet. Zunächst hatte er den »Golden Circle« besichtigt, die Muss-Attraktionen für Touristen im Süden der Insel: Thingvellir, den mittlerweile erschöpften Geysir, seinen aktiven kleinen Bruder und den Gullfoss-Wasserfall. Von dort aus war er ins Hochland gefahren, wo die bis dahin tatsächlich gut ausgebauten Straßen rasch weniger wurden. Er war zu den Gletschern gefahren und hatte in kleinen Gasthäusern übernachtet, die wenig Komfort boten, aber dafür umso teurer waren.
In Akureyri, im Norden, hatte er den SUV stehen lassen und sich einer kleinen Gruppe von Ponytrekkern angeschlossen, die mit Zelten und dem festen Willen, die Wildnis zu überleben, in den Westen der Insel aufbrachen. Vielleicht war es die Summe der physischen Eindrücke – angefangen beim ständigen Wechsel von eiskaltem Regen zu strahlendem Sonnenschein und wieder zurück, über den konstant starken Wind, der niemals unter sieben Beaufort lag, bis hin zu seinem wirklich übel schmerzenden Hintern durch das ungewohnte, ganztägige Reiten –, die ihn auch seelisch wieder gesunden ließen. Von Anfang an schlief er nachts auf der Isomatte wie ein Toter, und er dachte nicht mehr stundenlang über sein ihm sinnlos erscheinendes Leben nach und entwickelte eine tiefe Zuneigung zu diesem ungestümen und großartigen Land im Norden Europas.
In der dritten Woche machte er erst halt in Reykjavik und fuhr dann nach Keflavik zurück. Unterwegs besuchte er die »Blaue Lagune«, Islands berühmtestes Thermalbad mit türkisblauem Wasser inmitten schroffer schwarzer Lavafelsen. Er trieb im heißen Wasser zwischen Hunderten von Touristen, schmierte sich den weißen Kreideschlamm ins Gesicht und merkte, dass er den Kindern, die aus Sicherheitsgründen alle bunte Schwimmreifen tragen mussten, da man sie sonst im trüben Wasser schlimmstenfalls kaum wiedergefunden hätte, zusehen konnte, ohne dass es ihm einen Stich versetzte.
Als er zwei Stunden später am Check-in am Flughafen eintraf, hatte sich dort bereits eine erkleckliche Schlange von Fluggästen eingefunden: Touristen wie er, Geschäftsleute und Einheimische, die zum Shoppen aufs Festland fliegen wollten. Vor ihm in der Reihe stand ein Paar aus Deutschland: ein gut erhaltener Endfünfziger, dessen survivalmäßiges Napapijri-Outfit am Bauch ein bisschen stramm saß, und seine allenfalls halb so alte Was-auch-immer. Die juvenile Blondine warf ihm unter ihren dichten Wimpern immer wieder lange Blicke zu. Ben war sich nicht sicher, ob es daran lag, dass er um mindestens fünfzehn Jahre besser zu ihr passte als Mr.Napapijri oder ob es sein abgerissenes Äußeres war, das sie sexy fand.
»Sind Sie Musiker?« Sie deutete auf seinen Gitarrenkoffer, den er zusammen mit seinem Seesack und dem fürs Horse Trekking neu erstandenen Rucksack auf einen Gepäckwagen neben sich gewuchtet hatte. »Reykjavik hat ja eine tolle Szene.«
Ben überlegte noch, ob er vorgeben sollte, der deutschen Sprache nicht mächtig zu sein, als sich ihr Handy mit der Titelmusik von »DSDS« meldete. Ihm fiel ein, dass er sein eigenes Telefon seit seiner Ankunft in Island nicht mehr eingeschaltet hatte. Er würde sich der Realität ohnehin stellen müssen, warum nicht jetzt gleich? Wahrscheinlich hatte ihm ohnehin nur Raoule die Mailbox vollgeheult oder ihm hundert SMS von entweder reuevollem oder einfach nur wütendem Inhalt geschickt. Ben wühlte auf dem Boden seines Rucksacks herum, bis er sein Telefon fand. Es dauerte einen Augenblick, bis es sich bei Vodafone eingewählt hatte, dann begann sein Handy zu vibrieren, als alle wartenden Benachrichtigungen eintrafen. Ben seufzte und klickte sich durch die Liste. Eine SMS von Raoule, von vorgestern, und vier Nachrichten auf seiner Mailbox, mehr nicht. Was war mit Raoule los? Vermutlich schickte sie ihre SMS mit einer Sendedauer von nur drei Tagen, und alle anderen waren im Orbit verreckt. Neugierig öffnete er die einzige Nachricht von Raoule.
»Du solltest deine Mailbox checken. Es geht um deine Geschwister.« Ben starrte die wenigen Worte wie vom Donner gerührt an. Was zum Teufel war da los? Hastig wählte er die Nummer seiner Mailbox.
»Sie haben vier neue Nachrichten. Erste Nachricht …« Die Stimme teilte ihm mit, dass der Anruf heute Morgen um neun Uhr eingegangen sei.
»Hier noch mal Küppers, Kripo Neuss. Herr Liebermann, es wäre gut, wenn Sie sich doch einmal mit mir in Verbindung setzen würden.« Der Anrufer nannte eine Neusser Telefonnummer und legte auf.
Der zweite Anruf vom vergangenen Donnerstagabend war von Simon Gens, dem Lebensgefährten von Bens Schwester Lex. »Ben, ich bin’s, Simon. Es ist etwas Furchtbares passiert. Ich weiß gar nicht, wie ich es dir sagen soll. Es ist schrecklich, Lex und Sebastian hatten einen Unfall, und Jonas ist verschwunden. Vielleicht entführt.« Simons Stimme brach abrupt ab. Er rang hörbar um Fassung, als er fortfuhr: »Sebastian ist tot, es tut mir so leid. Und Lex liegt im Koma. Kannst du dich bitte melden oder herkommen?« Ende.
Ben starrte in vollkommenem Entsetzen sein Telefon an. Er hatte das Gefühl, als beginne der Boden unter ihm zu schwanken. Hinter ihm drängelten die Fluggäste, da Ben in der Schlange nicht aufgerückt und vor ihm bereits eine erhebliche Lücke entstanden war.
Die nächste Nachricht war von Raoule. »Ruf mich bitte an. Dringend. Es ist was mit Lex und Sebastian.«
Der letzte Anruf – zeitlich betrachtet der erste und vom letzten Donnerstag um siebzehn Uhr fünfundfünfzig – kam wieder von diesem Küppers von der Kripo in Neuss. Es war offenkundig, dass dem Kommissar der Inhalt seines Anrufs Schwierigkeiten bereitete. Er teilte Ben umständlich mit, dass man ihn als einzigen Angehörigen von Sebastian Liebermann und als den Bruder von Alexa Liebermann ausgemacht und dass man die Handynummer von Raoule habe. Der Anrufer informierte Ben darüber, dass Sebastian tot sei und Lex im Koma liege. Er bat um sofortigen Rückruf und nannte seine Durchwahl. Die Liste mit entgangenen Anrufen drückte Ben einfach weg. Dafür war jetzt keine Zeit.
Wie betäubt schob Ben den Wagen mit seinem Gepäck vor sich her. Das konnte doch alles nicht wahr sein. Sebastian und Lex, seine jüngeren Geschwister. Sebastian tot. Er spürte, wie er erneut begann, in die vertraute Unwirklichkeit des Nebenuniversums abzugleiten. Er schüttelte heftig den Kopf, wehrte sich dagegen. Das ging jetzt nicht. Er musste sofort nach Hause, Lex brauchte ihn. Sollte er zuerst Simon oder den Kommissar anrufen? Verdammt! Erst einmal einchecken, er durfte den Flug nach Berlin keinesfalls verpassen.
Neuss
Jochimsen hatte ausgesprochen, was alle dachten.
»Es war ein Kind im Auto«, sagte er. »Aber wo ist es?« Die Beamten blickten sich um, als sähen sie den Unfallort zum ersten Mal. »Rausgeschleudert? Durch die Scheibe?«
Jochimsen hatte das oft genug gesehen. Aber wenn es sich so abgespielt hatte, wo war dann das Kind? Die Umgebung war problemlos einzusehen: eine gerade, breite Straße, die Alleebäume, ein Radweg, eine flache Wiesensenke rechts neben der Straße, links eine flache Böschung an der sanft zum Liedberg ansteigenden Wiese. Keine Sträucher, kein Gebüsch, nicht einmal Brennnesseln. Und kein Kind.
»Wie alt schätzt du das Kind, Stefan?« Schmischke hielt eine kleine Jacke in die Höhe.
Oberkommissar Stefan Weispfennig war der Einzige von ihnen, der Kinder hatte, gleich vier, zwischen sechs und sechzehn Jahren. Weispfennig nahm Schmischke die Jacke aus der Hand und warf einen Blick auf das eingenähte Schildchen im Kragen.
»Achtundneunzig«, las er vor. »Schwer zu sagen, ehrlich, zwischen anderthalb und zwei Jahren, würde ich sagen. Auf jeden Fall noch richtig klein.«
»Denkst du, der Junge hat sich vielleicht abgeschnallt und ist nach vorne geklettert … zu seinen Eltern?« Jochimsen zog unbehaglich die Schultern hoch. »Die Fahrertür war offen. Kann das sein, dass so ein Knirps allein rausklettert, ganz ohne Hilfe?«
»Wozu? Um Hilfe zu holen?« Schmischke machte ein ungläubiges Gesicht.
»Ja, was weiß ich. Oder vielleicht ist das Kind aus Angst, in Panik, einfach irgendwohin gelaufen.« Jochimsen trat auf den Radweg und suchte angestrengt mit den Augen die Wiese ab. Wo steckst du, Kleiner?
»Völlig egal, wir müssen davon ausgehen, dass ein Kind im Wagen war und dass es nun verschwunden ist.« Weispfennig räusperte sich. Er war der dienstälteste und neben Jochimsen ranghöchste Beamte bei diesem Einsatz. »Gib der Zentrale Bescheid, Schmischke. Wir brauchen Verstärkung. Einen Suchtrupp und eine Hundestaffel. Und die sollen endlich den Halter feststellen. Wir brauchen so schnell wie möglich Informationen über das Kind. Anlieger feststellen und befragen.«
»Hier sind doch weit und breit keine.« Jochimsen deutete die Straße hinauf und hinab. »Da ganz unten gibt es nur den Gartenmarkt, da ist jetzt noch keiner. Und wenn der Junge Richtung Neuss gelaufen wäre, hätten wir ihn bei der Anfahrt bemerken müssen.«
»Du hast recht.« Weispfennig wandte sich wieder an Schmischke. »Die Zentrale soll auch checken, ob ihn vielleicht ein Autofahrer aufgesammelt und sich dann bei uns gemeldet hat. Unbedingt die Gladbacher Kollegen informieren.«
Jochimsen stand nun wieder neben dem zerstörten A2 und versuchte sich in einen kleinen Jungen hineinzuversetzen, dessen beide Elternteile unfähig waren, ihm zu helfen, die nicht antworteten, wenn er sie ansprach und sie am Arm rüttelte. Er spürte, dass ihm bei dieser Vorstellung übel wurde. Er hatte den Toten und die verletzte Frau gesehen. Was mochte ein solcher Anblick bei einem kleinen Kind anrichten? Vielleicht war es völlig kopflos einfach drauflosgestolpert. Aber da gab es auch noch den zweiten Wagen, wenn man Karling glaubte, der wahrscheinlich immer noch zusammengesunken im Bus saß. Jochimsen fluchte. Die Handtasche! Wie konnte er nur so blöd sein? Halterfeststellung. Er hatte doch nach dem Ausweis suchen wollen. Rasch ging er zum Einsatzfahrzeug und durchsuchte erneut die Handtasche. Diesmal wurde er fündig: Der Ausweis steckte in der Seitentasche in einem Mäppchen.
»Die Frau heißt Alexa Liebermann«, rief er den Kollegen zu. »Wohnhaft in Kaarst, Rheydter Straße, sie ist zweiunddreißig Jahre alt.«
»Gib das direkt an die Zentrale durch, die sollen jemanden dorthin schicken.« Weispfennig, der herangekommen war, runzelte die Stirn. »War da nicht auch ein Handy, Robert?« Jochimsen nickte und hielt das Smartphone hoch. »Ist es an?«
»Ich glaube schon.« Jochimsen drückte einen Knopf an der Seite des Smartphones. Er hielt die Luft an und starrte wie gebannt auf das Display, dann hielt er das Telefon wortlos Weispfennig hin. Auf dem Schirm war das strahlende Gesicht eines strubbelhaarigen blonden Jungen von höchstens zwei Jahren zu sehen. »Das ist sicher das Kerlchen, das wir suchen.«
Jochimsen rief das Menü auf und suchte nach gespeicherten Bildern. »Da sind noch mehr. Dachte ich mir, dass sie als Mutter Bilder von ihrem Kind im Handy hat.« Er überprüfte das Aufnahmedatum des Bildes, das als Displayhintergrund eingestellt war. »Das Bild ist von vor zwei Wochen, daher können wir davon ausgehen, dass der Kleine noch genauso aussieht und circa zwei Jahre alt ist.«
Jochimsen verließ erneut den Bus. Er würde damit beginnen, die Umgebung abzusuchen. Er sprang die flache Böschung hinab und lief auf ein paar in Nebel gehüllte Weiden am anderen Ende der Wiese zu. Dort gab es möglicherweise einen Wassergraben. Gefährlich für ein Kleinkind.
* * *
Aus Richtung Liedberg kam ein Radfahrer auf dem Radweg zügig näher. Der erste an diesem Morgen. Der Fahrer war ein Junge von vielleicht sechzehn oder siebzehn Jahren. Als er die Unfallstelle erreicht hatte, hielt er an.
Schmischke winkte ihm zu. »Tut mir leid, du kannst hier nicht vorbei. Wir müssen einen Unfall aufnehmen. Steig bitte ab und schieb dein Fahrrad längs der Absperrung über die Straße. Dahinten kannst du weiterfahren.«
Der Junge schien ihn gar nicht zu hören. Wie gebannt starrte er auf den Audi und den Baum. Seine Lippen bewegten sich, und Schmischke war sich sicher, dass er »Scheiße« geflüstert hatte.
Der Junge, dem die dunklen Haare feucht in die Stirn hingen, sah Schmischke an. »Sind die tot? Die sind ja wie die Irren gefahren. Ist der andere abgehauen?«
»Welcher andere? Hast du etwas gesehen?« Schmischke winkte Weispfennig zu, der gerade noch einmal zu dem Zeugen in den VW-Bus steigen wollte.
Der Junge war so blass geworden, dass Schmischke vorsichtshalber nach dem Lenker des Fahrrads griff. Jetzt nur nicht schlappmachen!
»Ich trag donnerstags immer morgens vor der Schule den Stadtanzeiger aus. Heute auch. War noch dunkel, als ich losfuhr. Ich fange immer in Liedberg an, dann geht’s nach Glehn und anschließend zurück nach Grefrath. Da wohne ich. Ich fahre morgens immer hier lang, das geht am schnellsten …«
Er blickte die Beamten an, als wolle er fragen, ob er weiterreden sollte. Schmischke und Weispfennig nickten ihm bestätigend zu.
»Ich war echt müde und bin ziemlich langsam gefahren. Als ich das Hupen gehört habe, wäre ich fast vom Rad gefallen. Da kamen zwei Autos in meine Richtung, fuhren nebeneinander her. Okay, habe ich mir so gedacht, bisschen zügig am Überholen. Aber der eine Wagen wollte gar nicht überholen. Der andere, der da«, er deutete auf den A2, »eierte dauernd über den Rand. Plötzlich gab’s einen Krach, wie im Fernsehen, wenn zwei Autos mit den Kotflügeln aneinanderkommen. Der Audi streifte dabei fast einen Baum. Ich dachte mir, ey, sind die wahnsinnig, machen die hier ein Rennen. Aber als die an mir vorbeigeschossen sind, habe ich die Frau gesehen, auf meiner Seite, die hatte echt Angst. Dann waren sie schon vorbei. Der Große immer tüchtig den Audi am Schieben.«
»Hast du das Modell des anderen Wagens erkannt? Was war das für einer?« Weispfennig wechselte einen Blick mit Schmischke.
»Ein großer Offroader, dunkle Farbe, schwarz oder blau. Könnte ein Lexus gewesen sein. Den Fahrer konnte ich aber nicht erkennen.« Der Junge schaute zu dem Autowrack hinüber. »Leben die noch? Was ist mit der Frau?«
»Es tut mir leid, das darf ich dir leider nicht sagen, aus ermittlungstechnischen Gründen. Hast du außer der Frau noch jemanden im Auto gesehen? Den Fahrer? Oder vielleicht hinten jemanden?«
Schmischke sah den Jungen gespannt an. Zwei Zeugen hatten unabhängig voneinander einen zweiten Wagen beobachtet, und was der Junge berichtete, passte zu den Lackspuren, die sie am Audi sichergestellt hatten.
»Nein, nix, nur die Frau und undeutlich den Fahrer, war ja noch dunkel, und die hatten einen Affenzahn drauf.«
»Wir müssen deine Aussage und deine Personalien aufnehmen. Stell dein Fahrrad an den Bus, das kommt schon nicht weg.«
»Ich muss aber zur Schule«, wandte der Junge ein.
Schmischke nickte ihm zu. Mit einem kurzen Seitenblick auf Weispfennig erklärte er, dass sie erst seine Aussage aufnehmen würden und er ihn anschließend höchstpersönlich bei seiner Schule vorbeibringen und ihn dort entschuldigen würde. Der Junge sah gar nicht so unbegeistert aus.
* * *
Weispfennig rief Jochimsen, der erfolglos die feuchten Wiesen nach dem kleinen Jungen durchkämmt hatte. Weispfennig berichtete kurz von der Beobachtung des Teenagers und schloss mit den Worten: »Das ist jetzt auf jeden Fall Sache der Staatsanwaltschaft, von einem Unfall können wir nach dem Stand der Dinge wohl nicht mehr ausgehen. Und es sieht auch nicht nach bloßem Fremdverschulden mit Fahrerflucht aus. Definitiv ein Fall für die Kollegen von der Kripo.«
»Besonders wenn der Junge nicht wieder auftaucht.«
»Ja, besonders wenn der Junge nicht wieder auftaucht.«
Jochimsen kickte einen Stein zur Seite. »Wo bleiben die Kollegen? Falls der Kleine hier irgendwo ist, sollten wir ihn schnellstmöglich finden.«
»Da kommen sie.« Schmischke blickte die Straße entlang in Richtung Neuss. Die Blaulichter dreier Einsatzwagen waren zu sehen, die sich ohne Martinshorn näherten. »Und die Kriminaltechnik ist auch unterwegs. Weist ihr den Suchtrupp ein? Ich höre mal nach, ob man schon etwas über den Jungen weiß.« Weißpfennig nahm noch einmal sein Telefon zur Hand.
* * *
Wenig später wimmelte es an der Unfallstelle von Beamten vom Kriminaldauerdienst, die nach einem konkreten Raster die umliegenden Wiesen absuchten. In wenigen Minuten würden sie auch einen Suchhubschrauber mit Wärmebildkamera haben. Detaillierte Karten wurden zurate gezogen, um vorrangig Gewässer – im Falle eines Kleinkindes gleichgültig, wie tief und groß – zu überprüfen. Als Letztes trafen drei Hundeführer mit ihren Suchhunden ein. Jochimsen zeigte ihnen die Kleidung des Jungen, aber die Hundeführer erachteten den Kindersitz, der nicht frisch gewaschen war, als nützlicher. Einer von ihnen ließ seinen Belgischen Schäferhund im Fond des Wagens Witterung aufnehmen, die beiden anderen Tiere wurden zunächst zurückgehalten. Der Mantrailer schnüffelte im Fond herum, ohne zu versuchen, über die Rückenlehne der Vordersitze nach vorne zu klettern. Jochimsen und der Hundeführer wechselten einen Blick.
»Sieht nicht so aus, als wäre der Junge nach vorne geklettert«, urteilte der Hundeführer. »Überhaupt scheint der Hund trotz des Sitzes wenig Witterung im Wagen zu haben. Ich versuche es anders.«
Der Mann orderte den Hund aus dem Wagen und führte ihn um den A2 herum. Bei dem Befehl, die Spur aufzunehmen, lief der Hund lediglich um das Autowrack. An der rechten, hinteren Tür begann er zu winseln und wollte wieder in den Wagen klettern, worauf der Hundeführer den Schlag öffnete. Auch die beiden anderen Tiere, ein Deutscher Schäferhund und ein Dobermann, konnten die Spur nicht aufnehmen, nachdem die Hundeführer sie nacheinander von der Leine gelassen hatten.
»Was heißt das jetzt?«, fragte Jochimsen die drei Hundeführer.
»Sieht nicht so aus, als hätte der Kleine das Fahrzeug selbst verlassen«, antwortete einer. »Wir gehen noch einmal in größer werdenden Kreisen die Umgebung ab, aber entweder war der Junge nicht im Auto«, er zögerte, »oder jemand hat ihn rausgehoben und weggetragen. Damit wäre die Spur für die Hunde zu schwach, das würde erklären, warum sie nichts wittern. Wenn ihr sicher seid, dass der Junge im Auto saß, hat ihn vielleicht jemand mitgenommen? Vielleicht ein Autofahrer, der den Kleinen umherirren sah?«
Weispfennig trat hinzu. »Nichts?«
»Nein, niente.« Jochimsen erläuterte ihm kurz die Annahme der Hundeführer, die nun begannen, die Umgebung abzusuchen.
»Der Junge wurde bisher auch nirgends als vermisst gemeldet. Ein paar Kollegen sind auf dem Weg nach Kaarst, von denen müsste bald Rückmeldung kommen. Wir haben auch endlich den Halter ermitteln können.« Weispfennig schüttelte den Kopf. »Sebastian Liebermann, aber die Adresse stimmt nicht mit der von Alexa Liebermann überein. Kaiser-Friedrich-Straße in Neuss, nicht in Kaarst wie bei der mutmaßlichen Mutter.«
»Vielleicht geschieden?« Jochimsen überlegte kurz. »Den Namen Sebastian Liebermann habe ich schon mal irgendwo gehört.«
Weispfennig nickte zustimmend. »Ja, ich glaube, ich auch. Keine Ahnung in welchem Zusammenhang, aber das wird sich finden. Ich muss Schnurbus noch einmal anrufen, er möchte Einzelheiten. Kannst du hier übernehmen? Vor allem den Kollegen von der Spurensicherung die Details verklickern: Schlüssel, geöffnete Fahrertür, zweiter Wagen, die Beschädigungen an den Bäumen und Streckenpfosten, Kindersitz und so weiter?«
Er erwähnte das Kind nicht noch einmal, Jochimsen wusste auch so, dass das absoluten Vorrang hatte.
»Kaiser-Friedrich-Straße ist am Nordkanal, nicht? Nette Gegend, zumindest dort, wo die alten Stadthäuser stehen. Ist dahin schon jemand unterwegs?«
»Ja, klar.« Weispfennig schüttelte sich. »Es ist schweinekalt, finde ich. Da merkt man, dass man einfach älter wird, oder?«
Jochimsen klopfte ihm auf die Schulter. »Du sitzt ja gleich wieder im Bus, Chef. Und wir frieren uns weiter einen ab.«
Weispfennig murmelte etwas von Dienstalter, Respekt und alten Knochen und ging zum Bus zurück. Über ihren Köpfen erschien jetzt aus Richtung Neuss der Suchhubschrauber, dessen Besatzung die Gegend auf Sicht und mit Hilfe einer Wärmebildkamera scannen würde. Der Einsatzleiter des Suchtrupps dirigierte den Hubschrauber per Funk vom Boden aus. Der Unfallort war zum Tatort geworden, und die zuerst eingetroffenen Beamten unterstützten die Kollegen vom KK31, der Spurensicherung. Aus Korschenbroich war ein Notfallseelsorger, wahrscheinlich der örtliche Pfarrer, eingetroffen, der sich etwas abseits des psychisch stark mitgenommenen Zeugen Klaus Karling annahm.
Wenig später teilte Weispfennig ihnen mit, dass Staatsanwalt Schnurbus mit einem Team vom KK11 auf dem Weg hierher sei, um sich selbst ein Bild von der Lage vor Ort zu verschaffen. Schnurbus hatte bereits angeordnet, dass die Leiche von Sebastian Liebermann in die Gerichtsmedizin nach Düsseldorf überführt werden sollte. Gleichzeitig würde im Allgemeinen Krankenhaus Personenschutz für die schwerstverletzte Alexa Liebermann bereitgestellt werden, da bislang noch nicht ausgeschlossen werden konnte, dass sie nach dem Anschlag weiterhin gefährdet war. Solange sie sich im OP oder auch auf der Intensivstation befand, war eine Gefährdungslage wegen des extrem eingeschränkten Zugangs zu ihr kaum gegeben, trotzdem wollte Schnurbus kein Risiko eingehen. An Alexa Liebermanns Wohnort, wo mutmaßlich das Kind zu Hause war, hatten die Beamten aus Kaarst niemanden angetroffen. Nachbarn hatten aber ausgesagt, dass der Sohn von Alexa Jonas hieße, anderthalb Jahre alt sei, tatsächlich strohblondes Haar habe und dass der Vater, Simon Gens, wohl schon bei der Arbeit sei. Die Beamten in Kaarst versuchten jetzt, ihn an seiner Arbeitsstelle zu erreichen.
Neuss
Staatsanwalt Joachim Schnurbus betrat den großen Besprechungsraum der Mordkommission im Polizeipräsidium Neuss an der Jülicher Landstraße. Für die Ermittlungen hatte er ein größeres Team aufstellen lassen, als es in Neuss die Regel war. In Abstimmung mit Oberstaatsanwalt Johannes Röder aus Düsseldorf hatte man sich dazu entschlossen, statt zwei s, von denen sich die eine mit dem Verschwinden des kleinen Jungen und die andere mit dem mutmaßlichen Mordanschlag auf die Geschwister Liebermann befasst hätte, eine große »Jonas« zu bilden. Dass beide Geschehnisse in Zusammenhang standen, war mehr als offenkundig.
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