29,99 €
Bachelorarbeit aus dem Jahr 2011 im Fachbereich Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien, Note: 1,3, FernUniversität Hagen, Veranstaltung: Bildungswissenschaften/Medienwissenschaft/Politikwissenschaft, Sprache: Deutsch, Abstract: Der amerikanische Literaturwissenschafter Michael Hardt und der italienische Politikwissenschaftler Antonio Negri legen mit ihrem Werk >Common Wealth Das Ende des Eigentums <(Hardt / Negri 2010) den Abschluss einer Trilogie vor, die mit >Empire Die neue Weltordnung< (Hardt / Negri 2003) begann und die Fortsetzung mit >Multitude Krieg und Demokratie im Empire< (Hardt / Negri 2004b) erfuhr. In der Common-Wealth-Monographie, werden die Themen der beiden vorausgegangen Bücher aufgegriffen, gebündelt und zu einem Entwurf der revolutionären, gesellschaftlichen Umgestaltung zusammengefügt. Im Rahmen der Trilogie schenken die beiden Autoren den neuen Medien und ihrer Rolle beim revolutionären Geschehen wenig Beachtung. Gerade diese Medien sind aber aus der Lebenswelt vieler Menschen der westlichen Welt im 21. Jahrhunderts nicht mehr wegzudenken. So trägt z.B. eine Publikation den vielsagenden Titel: >Gemeinsam Einsam – Wie Facebook, Google & Co unser Leben verändern< (Göring 2011). Demnach scheinen die neuen Medien unser alltägliches Zusammenleben zu beeinflussen und neu zu ordnen. Ebenso wird dem Web 2.0 eine gewisse politische Sprengkraft zugeschrieben, denn so war in den Medien in Bezug auf die gesellschaftlichen Veränderungen in der arabischen Welt, im Frühjahr des Jahres 2011, von einer >Facebook-Revolte< (www.tagesspiegel.de; 14.2.2011) zu lesen. Nachfolgend soll also in der Arbeit >Neue Medien im Empire< danach gefragt werden, welche Rolle die neuen Medien im Allgemeinen und Facebook im Speziellen im Rahmen des revolutionären Entwurfs von Hardt und Negri spielen können. Dabei kann das >Empire< nach Hardt und Negri wie folgt charakterisiert werden: Durch die zunehmende (ökonomische) Globalisierung verfällt die Macht der Nationalstaaten, die vormals Souveränität besaßen. Mit dem Verschwinden dieser Elemente verschwindet aber nicht die Souveränität, sie hat nur eine andere Form angenommen. Sie bündelt eine Vielzahl von nationalen und supranationalen Organisationen und eint diese in eine einzige Herrschaftslogik, nämlich in der rechtlichen Festschreibung von Eigentumsrechten. Mit diesen Rechtsnormen wird das Privateigentum legitimiert, welches die Ursache für Kapitalakkumulation, Expropriation, soziale Ungleichheit, Entfremdung, Armut usw. ist. Dabei ist Empire nicht mit Imperialismus gleichzusetzen, denn es gibt kein Zentrum der Macht, noch gibt es Begrenzungen und Schranken.[...]
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2011
Page 1
Page 2
Page 1
Der amerikanische Literaturwissenschafter Michael Hardt und der italienische Politikwissenschaftler Antonio Negri legen mit ihrem Werk >Common Wealth Das Ende des Eigentums1<(Hardt / Negri 2010) den Abschluss einer Trilogie vor, die mit >Empire Die neue Weltordnung< (Hardt / Negri 2003)2begann und die Fortsetzung mit >Multitude Krieg und Demokratie im Empire< (Hardt / Negri 2004b)3erfuhr. In der Common-Wealth-Monographie, werden die Themen der beiden vorausgegangen Bücher aufgegriffen, gebündelt und zu einem Entwurf der revolutionären, gesellschaftlichen Umgestaltung zusammengefügt. Im Rahmen der Trilogie schenken die beiden Autoren den neuen Medien4und ihrer Rolle beim revolutionären Geschehen wenig Beachtung. Gerade diese Medien sind aber aus der Lebenswelt vieler Menschen der westlichen Welt im 21. Jahrhunderts nicht mehr wegzudenken. So trägt z.B. eine Publikation den vielsagenden Titel: >Gemeinsam Einsam - Wie Facebook, Google & Co unser Leben verändern< (Göring 2011). Demnach scheinen die neuen Medien unser alltägliches Zusammenleben zu beeinflussen und neu zu ordnen. Ebenso wird dem Web 2.0 eine gewisse politische Sprengkraft zugeschrieben, denn so war in den Medien in Bezug auf die gesellschaftlichen Veränderungen in der arabischen Welt, im Frühjahr des Jahres 2011, von einer >Facebook-Revolte< (www.tagesspiegel.de; 14.2.2011) zu lesen.
Nachfolgend soll also in der Arbeit >Neue Medien im Empire< danach gefragt werden, welche Rolle die neuen Medien im Allgemeinen und Facebook im Speziellen im Rahmen des revolutionären Entwurfs von Hardt und Negri spielen können. Dabei kann das >Empire< nach Hardt und Negri wie folgt charakterisiert werden: Durch die zunehmende (ökonomische) Globalisierung verfällt die Macht der Nationalstaaten, die vormals Souveränität besaßen. Mit dem Verschwinden dieser Elemente verschwindet aber nicht die Souveränität, sie hat nur eine andere
1Im englischen Original erschien das Buch bereits 2009, unter dem Titel: >Commomwealth< (Hardt / Negri 2009).
2Bereits im Jahr 2000 veröffentlichten sie das Original in englischer Sprache unter dem Titel >Empire< (Hardt / Negri 2000).
3Im gleichen Jahr wie die deutsche Übersetzung, erschien das englische Original mit dem Titel: >Multitude. War and democracy in the age of empire< (Hardt / Negri 2004a).
4Für den Begriff der neuen Medien gibt es keine einheitliche Definition. Grundlegend für die Abgrenzung zu den >alten Medien< ist die Digitalisierung, die neue interaktive Möglichkeiten der verschiedensten Form
eröffnet, so z.B. asynchrone Kommunikation (www.medpaed.de; 23.6.2011). Wenn im Folgenden die
Begriffe neue Medien, Internet, world wide web (www) oder Netz gebraucht werden, dann ist damit stets
das Web 2.0 gemeint, welches sich vom Web 1.0 dadurch unterscheidet, dass letzteres nur statische
Flächen kennt, auf deren Inhalte nicht interaktiv bzw. nur beschränkt reagiert werden konnte und
Partizipation nicht möglich war. Im Web 2.0 hingegen „dreht sich alles um Kommunikation, Interaktion und
Partizipation“ (Münker 2009, 18). In diesem Zusammenhang wird es auch oft als das >Mitmach web<
bezeichnet. Jeder kann Inhalte einstellen, auf Inhalte reagieren und sich durch die kommunikativen
Möglichkeiten mit anderen vernetzen und austauschen.
Page 2
Form angenommen. Sie bündelt eine Vielzahl von nationalen und supranationalen Organisationen und eint diese in eine einzige Herrschaftslogik, nämlich in der rechtlichen Festschreibung von Eigentumsrechten. Mit diesen Rechtsnormen wird das Privateigentum legitimiert, welches die Ursache für Kapitalakkumulation, Expropriation, soziale Ungleichheit, Entfremdung, Armut usw. ist. Dabei ist Empire nicht mit Imperialismus gleichzusetzen, denn es gibt kein Zentrum der Macht, noch gibt es Begrenzungen und Schranken. Das Empire ist in den Köpfen und Herzen der Menschen internalisiert und wirkt in ihnen und über ihnen zerstörerisch. (Hardt / Negri 2003, 9ff).
Anhand der oben genannten Fragestellung ergibt sich der dreigeteilte Aufbau der Arbeit. Im ersten Teil wird der Entwurf den Hardt und Negri in >Common Wealth Das Ende des Eigentums< (Hardt / Negri 2010) entfalten dargestellt, dabei wird mitunter vom Verfasser, zum besseren Verständnis, auf die vorangehenden Werke Empire (Hardt / Negri 2003) und Multitude (2004b) der Trilogie eingegangen. Den Kern des Buches >Common Wealth Das Ende des Eigentums< (Hardt / Negri 2010) bildet das Konzeptes des Gemeinsamen. Dieses bringt der Autor explizit im Kapitel eins zur Sprache, dabei muss aber darauf verwiesen werden, dass durch den paradigmatischen Charakter des Gemeinsamen, dieses in den folgenden Kapiteln immer wieder hervortreten wird. Im zweiten Kapitel werden die Begriffe Biomacht und Biopolitik in den Fokus der Betrachtungen genommen, da Hardt und Negri mit diesem Begriffspaar die gegenwärtigen Machthierarchien der Gesellschaft beschreiben und gleichzeitig Möglichkeiten aufzeigen mit diesen Machthierarchien zu brechen. Dabei ist der gegenwärtige Produktionsprozess, den beide als biopolitisch Kennzeichnen und dessen Kern das Gemeinsame bildet, von großer Bedeutung. Diesen wird eigens ein Kapitel (drei) gewidmet. Im vierten Kapitel wird sich mit dem gesellschaftlichen Träger des revolutionären Potenzials beschäftigt, der Multitude. Anschließend wird dargelegt wie sich Hardt und Negri die Revolution vorstellen und wie die neue, demokratische Gesellschaft, die Altermodernität aussehen soll. Revolution wird dabei in Anlehnung an den Titel des Buches >Common Wealth< (ebd.), von beiden Autoren, als eine -durchaus gewaltsam- herbeigeführte Veränderung der Eigentumsverhältnisse und damit als Veränderung der gesellschaftlichen Machthierarchien, hin zu einer wirklichen Demokratie verstanden. Den Abschluss des Durchgangs durch das Werk >Common Wealth - Das Ende des Eigentums< (ebd.) bildet eine Zusammenfassung des bis dahin Dargelegten, welches der Leser in Kapitel sechs findet. Der zweite Teil der Arbeit beschäftigt sich, mit der Eingangs erwähnten Fragestellung. Im Grund folgt dabei der zweite Teil dem
Page 3
Aufbau des ersten. Zunächst wird einleitend im Kapitel sieben gefragt inwieweit Medien und speziell das Internet überhaupt auf die Biomacht Einfluss nehmen können. Dazu werden nachfolgend zwei divergierende Ansätze präsentiert und am Ende des Kapitels wird anhand der Darstellungen ein Fazit, in Bezug auf die Wirkungsmöglichkeiten der Medien und speziell der neuen Medien, auf die Biomacht, gezogen. Um sich im Weiteren am Entwurf von Hardt und Negri zu orientieren, wird im achten Kapitel die Frage gestellt inwieweit das Internet einen Ort des Gemeinsamen darstellen kann. Im neunten Kapitel wird speziell auf das Soziale Online Netzwerk (SON) Facebook eingegangen und es wird gefragt, inwieweit dieses zur politischen Kommunikation von den Usern genutzt wird. Dies wird dem Leser in Form eines Zwischenfazits nahegebracht, indem erste Überlegungen präsentiert werden, in wieweit die Plattform Facebook für die Ziele und Zwecke der Multitude von Relevanz sein kann. Vorher wird allerdings, kurz auf die Entstehungsgeschichte des SON eingegangen, seine wesentlichen Funktionen werden erläutert, sowie ein Blick auf die Nutzer von Facebook und ihre Nutzungsmotivationen geworfen wird.
Im weiteren Verlauf der Betrachtungen wird dann die Fragestellung spezifiziert werden und es wird gefragt inwieweit die Multitude Facebook nutzen kann, um Menschen zu sozialen Protesten zu mobilisieren, sprich inwieweit ist eine Facebook-Revolte tatsächlich möglich? Diesem Fragekomplex vorangestellt findet der Leser einen Exkurs, der sich mit der Thematik der Entstehungsbedingungen für Revolutionen, speziell aus marxistischer Sicht, beschäftigt. Dem Aufbau des ersten Teils folgend, wird dann in Kapitel zehn nach den Möglichkeiten der neuen Medien in einer postrevolutionären Ära (also der Altermodernität) zur demokratischen Gestaltung der Gesellschaft gefragt, das Schlagwort hierfür lautet >E-Demokratie<. Im dritten Teil und letzten Teil der Arbeit findet dann der Leser Kapitel zehn, mit einem zusammenfassenden Fazit und einem Ausblick über eine mögliche Weiterarbeit am Thema.
I.Teil Der Entwurf von Hardt und Negri
Page 4
Folgenden noch sehen, dass nicht nur die natürlichen Ressourcen als Formen des Gemeinsamen exstieren, sondern auch Formen, die von Menschenhand gemacht wurden und diese künstliche Gemeinsame unterliegt ebenso Privatisierungsversuchen.
Um diesem Aneignungsprozess entgegen zu wirken, etabliert sich das Öffentliche, welches die zunehmende Privatisierung eingrenzen bzw. verhindern möchte. Die Folge hiervon ist, dass durch diesen Akt bürokratische Strukturen entstehen, die das Gemeinsame zu verwalten suchen. Damit etablieren sich - wie auch im Rahmen von Privatisierung - Machthierarchien, die Menschen wiederum vom Nutzen und Gebrauch des Gemeinsamen ausschließen. Diesen beiden Formendem Privaten und dem Öffentlichen- steht das Gemeinsame gegenüber. (Hardt / Negri 2010, 293). Wie zuvor schon ausgeführt, ist es zum einen durch die natürlichen Ressourcen gegeben, zum anderen wird es aber, in seiner künstlichen Form, aktiv von den Subjekten innerhalb des biopolitischen Produktionsprozesses produziert und reproduziert (siehe Kapitel drei). Indem Menschen in unterschiedlichsten Netzwerken interagieren, schaffen sie Sprachen,
Wissensformen, Bilder, Codes, Affekte, etc. Diese werden von allen geteilt, erworben und verwendet. Damit dieses Gemeinsame entstehen kann ist ein freier Zugang, eine kostenlose Nutzung, eine freie Meinungsäußerung und freie Interaktion im Grunde unabdingbar, denn ohne diese Faktoren könnte es nicht ins Dasein gerufen werden (ebd., 293). Durch die vielseitige Interaktion der Singularitäten, entzieht sich das entstehende Gemeinsame immer mehr der Kontrolle des Empire, entwickelt eigene neue Lebensformen und eröffnet dem politischen Handeln einen neuen Raum, indem es die traditionellen Spaltungen zwischen Individuum und Gesellschaft, zwischen subjektiv und objektiv und zwischen privat und öffentlich überwindet. (Hardt / Negri 2004b, 228). „Das Gemeinsame markiert eine neue Form der Souveränität, eine demokratische Souveränität (oder genauer: eine Form sozialer Organisation, die an die Stelle der Souveränität tritt), in der die sozialen Singularitäten mit Hilfe ihrer eigenen biopolitischen Aktivität die Güter und Dienstleistungen kontrollieren, die die Reproduktion der Multitude als solcher ermöglichen.“ (ebd., 232). Es zeigt sich also, dass das Gemeinsam von allen gleichermaßen genutzt und produziert wird, es keine Instanz gibt die hegemoniale Zugriffsrechte auf dieses besitzt, soll es nicht zerstört werden. Daneben schafft das Gemeinsame sich ständig neu und bringt Neues hervor, was dem ständigen Dialog und Austausch der Subjekte innerhalb des Gemeinsamen geschuldet ist. Im weiteren Verlauf wird sich dem Leser der Begriff des Gemeinsamen noch differenzierter entfalten und zwar
Page 5
innerhalb der weiteren Darlegung der Begriffe die eng mit dem des Gemeinsamen verbunden sind (biopolitische Produktion, die oben erwähnte Multitude und die Altermodernität). Nachfolgend wird dargelegt, wie die künstlichen Formen des Gemeinsamen, innerhalb der biopolitischen Produktion erzeugt werden, davor wird sich aber noch mit den Begriffen der Biopolitik und der Biomacht auseinandergesetzt.
2. Biomacht und Biopolitik:
Für die Ausführungen Hardt und Negris sind die Begriffe Biomacht, Biopolitik, und biopolitische Produktion von entscheidender Bedeutung. Das Leben (Bios) selbst erfährt nicht durch ein transzendentes oder transzendentales Etwas seine ontologische Konstituierung, sondern es wird immanent, durch die von Menschenhand gemachten Realisierungen und deren entsprechenden pluralen Ausdrucksformen erzeugt. Das Begriffspaar >Biopolitik< und >Biomacht< entnehmen Hardt und Negri dem Werk Michel Foucaults (1926-1984). Dieses soll zunächst kurz erläutert werden, um sodann die Verwendung der beiden Begriffe bei Hardt und Negri besser verstehen zu können.
