„Niemand ist mehr Sklave, als der sich für frei hält, ohne es zu sein“ - Richard A. Huthmacher - E-Book

„Niemand ist mehr Sklave, als der sich für frei hält, ohne es zu sein“ E-Book

Richard A. Huthmacher

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Beschreibung

Systemerhaltende Macht ist in neoliberalen Systemen meist seduktiv organisiert: Sie verführt – dazu, sich einzufügen und unterzuordnen, ohne dass vorhandene repressive Strukturen überhaupt bewusst wären oder würden. Neoliberale Macht manifestiert sich nicht mehr (nur) in Strafe und/oder deren Androhung; der Einzelne macht sich vielmehr selbst zur Ware, die sich (und ihren Waren-, systemimmanent somit ihren wahren Wert) selbst kontrolliert und sich dadurch zum Objekt degradiert. Diese ebenso sublime wie effiziente Machtarchitektur, die den Neoliberalismus kennzeichnet und erst durch die Optionen der MindKontrol möglich wurde, entwickelte sich zum allumfassenden neo-liberalen Herrschaftsprinzip. Summa summarum erweisen sich neoliberale Theorien als ganz und gar interessen-gesteuert und werden nur dann propagiert und realisiert, wenn sie den Belangen neoliberaler Profiteure dienen. Divide et impera: Nach dieser Maxime versucht der Neoliberalismus, die Gesellschaft in Gruppen mit antagonistischen Interessen zu spalten; der eigentliche, substantielle Konflikt – der zwischen arm und reich – wird wohlweislich nicht thematisiert: Wer arm und krank ist trägt selber schuld. So marschiert der neoliberale Mensch im Gleichschritt, passt sich an, ist jederzeit und überall einsetzbar – sorgten in der Antike noch Sklaventreiber für eine maximale Ausbeutung der Unfreien, versklaven sich die des neoliberalen Zeitalters selbst. Zudem: Weil die – durch einige Verbrecher, viele Helfer und unzählige Mitläufer – verursachte globale Katastrophe, für die „interessierte Kreise“, will meinen: Profiteure, Gesinnungslumpen und feige Ja-Sager einem Virus die Schuld zuweisen wollen, immer mehr ihren Lauf nimmt, möchte ich – am Übergang des neoliberalen Zeitalters in das einer „Global Governance“, jedenfalls bevor eine weltweit um sich greifende Zensur meine Bücher verbrennen resp., in neuer, digitaler Zeit, deren Dateien löschen wird –, will ich, der Herausgeber des Briefwechsels mit meiner vom Deep State ermordeten Frau, will ich, sozusagen als Vermächtnis, das, was ich, was wir „zu Papier gebracht“, zusammenfassen, um es der Nachwelt zu überliefern: auf dass Historiker, dermaleinst, sich ein Bild machen können, was ich, was wir gefühlt, was wir gedacht, was für uns und viele andere in alter Zeit noch Sinn gemacht, was ich verkündet, unverhohlen, bis Gates und andere Verbrecher die Freiheit, unsre Würde uns gestohlen, bevor sie uns verfolgt, geimpft, getrackt, so dass ein großer Teil der Menschen auf dieser unsrer, auf unsrer wunderbaren Welt verreckt. Durch den Wahn derer, die glauben, Gott zu spielen. Die uns zu ihren Sklaven machen. Jedenfalls wollen. Deren Verblendung Hybriden schafft. Aus Mensch und Tier. Zur Befriedigung ihres diabolischen Wahns, sie könnten sein Träger des Lichts, obgleich sie nur Luzifere sind, Satans Brut, obschon ihre mephistophelische Macht der Menschheit nur Not und Elend bringt. Deshalb schreibe ich – mit allem Mut, mit aller Kraft, mit all dem Geist, den der Herrgott mir gegeben –, auf dass uns das Leben der „alten Zeit“ – mitsamt all seiner Unzulänglichkeit – auch fürderhin erhalten bleibt. Und werde weiterhin schreiben, auch fürderhin kämpfen, auf dass wir die Gates und die Soros, die Buffet und Bezos, selbst die, die ein rotes Schild in Wappen und Namen tragen, nicht zuletzt deren Adlaten – wie Drosten und Wieler, wie Merkel und Spahn – zum Teufel jagen. Damit die Menschheit nicht erleide einen irreparablen Schaden.

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1. AuflageJanuar 2021

Copyright © 2021 by Ebozon Verlag

ein Unternehmen der CONDURIS UG (haftungsbeschränkt)

www.ebozon-verlag.com

Alle Rechte vorbehalten.

Covergestaltung: media designer 24

Layout/Satz/Konvertierung: Ebozon Verlag

ISBN 978-3-959363-782-4 (PDF)

ISBN 978-3-95963-780-0 (ePUB)

ISBN 978-3-95963-781-7 (Mobipocket)

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DAS BUCH

Systemerhaltende Macht ist in neoliberalen Systemen meist seduktiv organisiert: Sie verführt – dazu, sich einzufügen und unterzuordnen, ohne dass vorhandene repressive Strukturen überhaupt bewusst wären oder würden. Neoliberale Macht manifestiert sich nicht mehr (nur) in Strafe und/oder deren Androhung; der Einzelne macht sich vielmehr selbst zur Ware, die sich (und ihren Waren-, systemimmanent somit ihren wahren Wert) selbst kontrolliert und sich dadurch zum Objekt degradiert. Diese ebenso sublime wie effiziente Machtarchitektur, die den Neoliberalismus kennzeichnet und erst durch die Optionen der MindKontrol möglich wurde, entwickelte sich zum allumfassenden neo-liberalen Herrschaftsprinzip. Summa summarum erweisen sich neoliberale Theorien als ganz und gar interessen-gesteuert und werden nur dann propagiert und realisiert, wenn sie den Belangen neoliberaler Profiteure dienen. Divide et impera: Nach dieser Maxime versucht der Neoliberalismus, die Gesellschaft in Gruppen mit antagonistischen Interessen zu spalten; der eigentliche, substantielle Konflikt – der zwischen arm und reich – wird wohlweislich nicht thematisiert: Wer arm und krank ist trägt selber schuld. So marschiert der neoliberale Mensch im Gleichschritt, passt sich an, ist jederzeit und überall einsetzbar – sorgten in der Antike noch Sklaventreiber für eine maximale Ausbeutung der Unfreien, versklaven sich die des neoliberalen Zeitalters selbst.

Zudem:Weil die – durch einige Verbrecher, viele Helfer und unzählige Mitläufer – verursachte globale Katastrophe, für die „interessierte Kreise“,will meinen: Profiteure, Gesinnungslumpen und feige Ja-Sager einem Virus die Schuld zuweisen wollen, immer mehr ihren Lauf nimmt, möchte ich –am Übergang des neoliberalen Zeitalters in das einer „Global Governance“, jedenfallsbevoreine weltweit um sich greifendeZensur meine Bücher verbrennenresp.,in neuer, digitaler Zeit, deren Dateien löschen wird –,will ich,der Herausgeber des Briefwechsels mit meiner vom Deep State ermordeten Frau,will ich,sozusagen als Vermächtnis, das, wasich,waswir„zuPapier gebracht“, zusammenfassen, um es der Nachwelt zu überliefern: auf dass Historiker, dermaleinst, sich ein Bild machen können, was ich,was wirgefühlt, waswirgedacht, was fürunsund viele andere in alter Zeit noch Sinn gemacht, was ich verkündet, unverhohlen, bis Gates und andere Verbrecher die Freiheit, unsre Würde uns gestohlen, bevor sie uns verfolgt, geimpft, getrackt, so dassein großer TeilderMenschen auf dieser unsrer, auf unsrer wunderbaren Welt verreckt.

Durch den Wahn derer, die glauben, Gott zu spielen. Die uns zu ihren Sklaven machen.Jedenfalls wollen. Deren Verblendung Hybriden schafft.Aus Mensch und Tier. Zur Befriedigung ihres diabolischen Wahns, sie könnten sein Träger des Lichts, obgleich sie nur Luziferesind, Satans Brut, obschon ihre mephistophelische Macht der Menschheit nur Not und Elendbringt. Deshalb schreibeich – mit allem Mut, mit aller Kraft, mit all dem Geist, den der Herrgott mir gegeben –, auf dass uns das Leben der „alten Zeit“–mitsamt allseinerUnzulänglichkeit –auch fürderhinerhalten bleibt.Und werde weiterhin schreiben, auch fürderhin kämpfen, auf dass wirdie Gates unddieSoros, die Buffet und Bezos,selbst die, die ein rotes Schild in Wappen und Namen tragen,nicht zuletzt deren Adlaten – wie Drosten und Wieler, wie Merkel und Spahn – zum Teufel jagen.Damitdie Menschheitnicht erleideeinenirreparablenSchaden.

Richard A. Huthmacher

(„qui pro veritate militat in mundo“)

„NIEMAND IST MEHR SKLAVE,

ALS DER SICH FÜR FREI

HÄLT, OHNE ES ZU SEIN“

EIN LESEBUCHAUS DER ALTEN ZEIT:

ZWISCHENBILANZ ODER SCHON DAS FAZIT?

BAND 5

EBOZON VERLAG

„Die echten Schriftsteller sind Gewissensbisse der

Menschheit“

(Ludwig Feuerbach: Abälard und Heloise, oder der Schriftsteller und der Mensch: eine Reihe humoristisch-philosophischer Aphorismen. Bürgel, Ansbach, 1834)

IN ZEITEN WIE DIESEN

Als des Chronisten Pflicht, mehr noch: weil ich ein Mensch, der denkt und fühlt, der hofft und liebt, der weint und lacht,mithin aus gegebenem Anlass, erlaube ich mir anzumerken:

InZeiten, in denen Menschen wie Karnickel inihrenStällen eingesperrt werden – wochenlang, monatelang,weltweit undvor allem: grundlos –,in Zeiten, in denen Menschen bestraft werden, wenn sie sich mit anderen Menschen treffen(und seien es ihre nächsten Verwandten)– was „social distancing“ genannt, auf dassein jedeEmpathie ausunsererHerrenNeuen Ordnung,der Ordnung ihrer Neuen Weltverbannt –,in Zeiten, in denen Menschen verhaftet,nicht seltenmisshandelt werden, weil sie die Verfassung ihres Staates in Händen halten,gar in ihrem Herzen tragen,in Zeiten, in denen die Ordnungsmacht dumpf prügelt, weil sie offensichtlich den Verstand und namentlich jede Menschlichkeit verloren hat,in Zeiten, in denen Menschen in Heimen krepieren, weil ihre Pfleger sich aus aus dem Staub machen,in Zeiten, in denenTatsächlich-Krankesterben, weil sie sich nicht mehr ineine Klinikwagenoder dort abgewiesen werden, da man derer harrt, die wegen Husten – im Neusprech „Corona“genannt –in die Tempelunserer Modernekommen, wogleichwohlherrscht der neue alte Unverstand (undalles Wartenbleibtvergebens: Ja wo sind sie denn, die Millionen von Toten,wo sind sie nur geblieben,sie, über die sooft, sovielwardgeschrieben – im Voraus, im Nachhineinwurden sieschlichtwegerlogen,die Toten,oftnur ward,beredt,geschwiegen),in Zeiten, in denen Ärzte Schnupfen-Kranke zu Tode behandeln – wohlgemerkt: aus Feigheit, sichdem Diktat ihrer Vor-gesetztenzu wider-setzen, es sei denn, sie hätten gänzlich verloren ihren Verstand, wären nun völlig hirnverbrannt –,in Zeiten, in denen in (fast) jedem Land dieser Erde Zehntausende von FirmeninsolventundMillionen von Existenzen zerstört werden,inZeiten, indenen unzählige Menschen verhungern oder aus sonstigen –nota bene:willkürlich, in doloser Absichtprovozierten –Gründen,mithin grundloszu Grunde gehen –wasKollateralschaden genannt,weilsolchesvondenStrippenziehern im Hintergrund gewollt, da sie selbst exkulpiert, wenn ein Virus,tatsächlich,verantwortlich sein sollt –,in Zeiten, in denen wir, die Menschen dieser Erde,wiedereinen Maulkorb als Zeichen der Unterwerfung,d.h. den „Mund-Schutz“alsKainsmaldesmodernenSklaven tragen(sollen),in Zeiten, in denen Gates und seine Verbrecher-Konsorten die gebärfähigen Frauen der Erde unfruchtbar machen, Milliarden von Menschen durch Impfungenmorden,jedenfallswollen,in Zeiten, in denen die Mehrzahl der Intellektuellen und der überwiegendeTeil der Juristen und Medizinertrotz der Offensichtlichkeitall dieserVerbrechenfeig zu denUntaten schweigt, obwohl sie das Unrecht kennen, imstande sind, es zu benennen,in Zeiten, in denen man dieGesichtereiner Merkel, eines Spahnundeines Söder,eines Drosten,aucheinesViehdoktors mit NamenWieler(Visagenhätt´ich gern geschrieben, aber so darf man derenKonterfei nicht nennen)nicht mehr sehen kann,nicht mehr zu ertragen vermag– ja, esistwichtig,dass die Menschen derenund andrerNamenkennen,sienennen, weilderNamenTrägerzurVerantwortung zu ziehen sind,wennauch nicht, wiemanchefordern, zu hängen –,in Zeiten, in denen Menschen nicht mehr wie Menschen, sondern schlechter als Hunde behandelt werden, schlimmer als das Vieh im Stall,in solchen Zeitenbleibt mir, der ich, voller Trauer und Zorn,gleichwohlhoffe, dass alles sich zum Bessren wende,immer nochwenden könnte– weil die Machenschaftenderer,diefür dies Elend dieVerantwortung tragen,mehr undmehr ans Licht der Öffentlichkeit kommen,imBewusstsein der Menschenwerdenpräsent und diese,die Menschen,zu wehren sich wagen–,in solchen Zeiten, in Zeiten wie diesenbleibt mir, als des Chronisten Pflicht, nur, anzumerken,bleibt mir, als Mensch, nur,aufzufordern,mehr noch:zu beschwören:

Wachet auf, ihr Menschen dieser Erde, stehet auf und wehrt euch. Und wisset, wo immer ihr seid, all überall auf dieser wunderbaren Welt, auch wenn eine Kreatur wie Gates – Ausgeburt des Bösen, Galionsfigur derer, die sieben Milliarden Menschen eliminieren wollen – euch, noch, gefangen, in Geiselhaft hält:

„Die Gedanken sind frei,

wer kann sie erraten,

sie fliehen vorbei

wie nächtliche Schatten.

Kein Mensch kann sie wissen,

kein Jäger erschießen,

es bleibet dabei:

die Gedanken sind frei ...

Und sperrt man mich ein

im finsteren Kerker,

das alles sind ...

vergebliche Werke;

denn meine Gedanken

...reißen die Schranken

und Mauern entzwei:

Die Gedanken sind frei.“

Somit, mithin und wohlbedacht, ihr Menschen, überall auf dieser, auf dieser unsrer, nicht auf unsrer „Herren“, auf Gottes wunderbarer Welt (welche der Mensch, nicht göttlicher Wille, mehr und mehr, entstellt):

Das Leben ist endlich; wollt ihr in Würde, aufrecht stehend, sterben, oder wollt ihr wie ein Wurm in Staub und Dreck kriechend leben? Sofern man ein solches Leben noch Leben nennen kann. Weil es allenfalls ein Vegetieren ist.

Ein jeder muss diese Entscheidung treffen. Für sich selbst. Allein. Dabei hilft kein Gott. Allenfalls eine Impfung. Die seinem Sklaven-Dasein gegebenenfalls die Krone aufsetzt.

Zur Rundung des intellektuellen Bogens, der gespannt wird, und zur Demonstration der Lebenswirklichkeit „in Zeiten von Corona“ sei der werte Leser schließlich und ausdrücklich auch verwiesen auf die Kapitel (am Ende des Buches)

MEHR ALS EIN POSTSKRIPT: DAS ENDE DES NEOLIBERALISMUS´. DER BEGINN VON “BIG GOVERNMENT“

POST SCRIPTUM SECUNDUM: „CORONA-TEST SCHIEBT NANO-ROBOTS INS GEHIRN“

POST SCRIPTUM TERTIUM: KONTROLLIERTE OPPOSITION? ODER EIN MACHWERK DER POLIZEI UND/ODER DES VERFASSUNGSSCHUTZES?

DIES IRAE, DIES ILLA SOLVET SAECLUM IN FAVILLA. QUID SUM MISER TUNC DICTURUS?

Die er lesen möge, bevor er sich dem hiesigen Briefwechsel des Herausgebers mit seiner Frau widmet.

Welcher – der Briefwechsel – vor Augen führen soll, wie die Menschen indoktriniert werden. Der vor Augen führen soll, wie umfassend sie indoktriniert werden. Der vor Augen führen soll, dass diese Indoktrination die Menschen hindert, das, was sie im täglichen Leben wahrnehmen, als Realität zu erkennen. Der schließlich vor Augen führen soll, dass hinter der gigantischen Gehirnwäsche – der wir von der Wiege bis zur Bahre ausgesetzt sind, der wir, systematisch, unterzogen werden – ein ebenso gigantischer Plan steht: Wir, die Menschen dieser Welt, sollen das – all das und nur das – als vermeintliche Wirklichkeit wahrnehmen und als angebliche Wahrheit realisieren, was uns unsere Oberen – aus eigenen Macht-Interessen – als Potemkinsche Dörfer und als allgegenwärtige Truman-Show ad oculos demonstrant.

Mit anderen Worten: Die kolossalen Lügen der je Herrschenden zu entlarven ist zentrales Element des vieltausend-seitigen Briefwechsels des Herausgebers mit seiner Frau.

Eine dieser kolossalen Lügen ist die Mär, der Neoliberalismus diene dem Wohl der Menschen.

Jedenfalls:Zwischen dem, was am Anfangstand, und dem, was hoffentlich nicht das Ende, sollin „EIN LESEBUCH AUS DER ALTEN ZEIT: ZWISCHENBILANZ ODER SCHON DAS FAZIT?“ein Bogen geschlagen werden, um dem werten Leser – jedenfalls demjenigen, der imstandeistzu erkennen, wohin die „Reise“ der Menschheit geht, wennsich die Menschen, überall auf der Welt,nicht mitallenzu Gebote stehendenMitteln,und zwarstante pedewehren–, um dem werten Leser vor Augen zu führen, dass die Strukturen der Macht gleich gebliebensind, dass aber die Möglichkeiten, Menschen – global und final – zu knechten,immer größer werden.

Und

vergesset

nie: Am perfidesten

lügt der Staat, wenn er

davon kündet, im Namen des Volkes

zu sprechen. Und vergesst auch nicht, dass

INDIVIDUUM UND STAAT WIE FEUER UND WASSER sind:

die geistigen Flammen, die ersteres entzün-

det, um eben diesen Staat zu verän-

dern, löschen dessen Feuerweh-

ren, damit alles so bleibe,

wie es ist. Deshalb gibt

es keine wirkliche

Freiheit, so lan-

ge es einen

Staat

gibt.

Und

deshalb

etabliert er, der

Staat, Denkverbote

in den Köpfen (und den

Herzen) seiner Bürger,

namentlich durchdas

Bildungs-System

des Staa-

tes:

Heute

können gar viele

lesen und schrei-

ben. Die nennt

man dann Ba-

chelor.

Auch

Faustens Wagner

glänzte nicht ge-

rade durch Intel-

ligenz.

Gefähr-

lich für einen Staat

indes sind Bürger, die

denken oder gar den-

ken und fühlen kön-

nen.

Deshalb

tut er, der Staat,

alles, um eine sol-

che Spezies zu ver-

hindern.

Mithin;

Alleine Dummheit

lässt zuhauf die Menschen

glauben, das Leid auf Erden sei

Gottes Wille, des Schicksals Lauf.

Und Dummheit lässt sie nicht erkennen,

dass es nur wen´ger Menschen Hand, die

menschlich Elend schuf – nur zu eige-

nem Behuf, zu eignem Glück, zu

eigner Freud. Und all den

anderen zum Leid.

Wir hätscheln

unsre Hunde. Gar

treu ist das Getier. Was

kümmern uns die Kinder. Wir,

wir leben hier. Hier auf dieser Welt,

wo nur eines zählt: Geld, Geld

und nochmals Geld:

Der Menschen Herz,

so kalt wie Stein: Wer zahlt

hat Recht, das sei der Welten

Lauf. DER MENSCHEN HERZ, SO KALT – WIE

EINST DAS HERZ AUS STEIN BEI WILHELM HAUFF.

Deshalb und wohl bedacht:

Auf-

forderung.

Zum Nach-

denken

Ihr Schüler, glaubt nicht euren Lehrern.

Ihr Studenten, glaubt nicht an das, was euch eure

Professoren lehren.

Bedenkt, wer sie bezahlt.

Bedenkt, wessen Inter-

essen sie vertreten.

Und fragt euch, ob sie

das, was sie euch er-

zählen, selber glauben.

Oder ob sie es nur glauben

wollen oder zu glauben vorgeben,

weil es ihrem Vorteil dient.

In memoriam Dr. phil. Irmgard Maria Huthmacher (geb. Piske), Philosophin, Germanistin, Theologin, Mitglied der Akademie der Wissenschaften. Zu früh verstorben. Worden. Vor ihrer Zeit. Will meinen: Ermordet. Von den Herrschenden und ihren Bütteln.

Schwarze Milch des Irr-Sinns: Wir schaufelnein Grab in unserSehnen undHoffen

Fuge der

Verzweiflung –

weh dem, der leben muss

Schwarze

Milch des Lebens

wir trinken dich abends

wir trinken dich mittags und

morgens wir trinken dich nachts

wir trinken und trinken Wir schaufeln ein

Grab in unser Sehnen und Hoffen da liegt man

nicht eng Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit

Chimären der schreibt der schreibt wenn es dun-

kelt nach Utopia Dein goldenes Haar meine Liebste

Erschreibt es und tritt vor das Haus und

es blitzen die Sterne Er pfeift herbei

Hydra Cerberus Sphinx und

Orthos Er pfeift die Men-

schen hervor lässt

schaufeln ein

Grab in

den

Lüften

Er befiehlt

uns spielt auf nun

zum Tanz Schwarze Milch

des Lebens wir trinken dich nachts

wir trinken dich morgens und mittags wir trinken

dich abends wir trinken und trinken Dein goldenes

Haar meine Liebste Dein aschenes Haar gemordete

Frau Wir schaufeln ein Grab in unser Sehnen und

Hoffen da liegt man nicht eng Er ruft spielt süßer

den Tod der Tod ist ein Meister nicht nur aus

Deutschland Er ruft Streicht dunkler die

Geigen dann steigt ihr als Nebel auf

in die Luft dann habt ihr ein Grab

in eurem Sehnen und Hoffen

da liegt man nicht eng Der

Tod ist ein Meister nicht

nur aus Deutschland

sein Auge ist

schwarz und

grün und

braun

und blau

er trifft dich

mit der Lüge

über ein Virus

er trifft dich genau Er

spielt mit Chimären und

träumet Der Tod ist ein Meister nicht

nur aus Deutschland Dein goldenes Haar

meine Liebste Dein aschenes Haar gemordete Frau

(An Paul Celan, einen der verkannten genialen Gerechten)

PROLEGOMENON

Der Autor studierte in den 1970-er Jahren Medizin, Psychologie und Soziologie (sowie später Philosophie) und promovierte in Medizin und in den Fachbereichen (Medizinische) Psychologie und (Medizinische) Soziologie. Jahrzehntelang war er – zunächst in eigener Praxis, dann als Chefarzt und Ärztlicher Direktor – im Medizinbetrieb tätig, schließlich Vorstandschef einer eigenen medizinischen Versorgungseinrichtung mit vielen hundert Mitarbeitern.

Gleichwohl plagte ihn, mehr und mehr, das Unbehagen an der Schulmedizin, die, oft, meist gar, das Geldverdienen und nicht den Patienten in den Fokus ihres Interesses stellt. Weil er neue Methoden der Krebsbehandlung entwickelte, mit denen er viele Patienten heilen, mit denen der Medizinisch-Industrielle-Komplex indes kein Geld verdienen konnte, weil er, zudem, ein Medikament zum Patent anmeldete, mit dem (fast) jede Corona-Infektion verhindert resp. (fast) jede einschlägige Erkrankung geheilt werden könnte (was natürlich denjenigen, die weltweit Menschen impfen und chippen wollen, ihr „Geschäftsmodell“ ruinieren würde), nicht zuletzt, weil er sich, sprachgewaltig, solcher Themen bemächtigte, die gemeinhin als obsolet gelten, wurde er zur „persona non grata“ erklärt, seine Ehefrau, treue Wegbegleiterin, bekannte Philosophinsowiepromovierte Germanistinund Theologin,Mitglied der Akademie der Wissenschaften,wurde schlichtweg liquidiert. In Deutschland. Im Deutschland des 21. Jahrhunderts. Er selbst wurde von den Hütern der Interessen von Macht und Geld ins Gefängnis geworfen; mehrere Mordanschläge überlebte er nur knapp.

Mittlerweile im Ruhestand hat er in (etwas mehr als) fünf Jahren achtzig Bücher (unterschiedlicher Genres sowie zu den verschiedensten Themen) geschrieben und veröffentlicht – allein in achtzehn Monaten fast 40 –, immer und ausschließlich der „condicio humana humanitatis“ verpflichtet. Denn Mensch ist Mensch. So, seinerzeit, ein Mitgefangener. Und zum Teufel mit denen, die uns unseres Mensch-Seins berauben wollen.

Welt und Menschen in ihrer Komplexität zu verstehen und mit dem Spektrum literarischer Mittel darzustellen ist dezidiertes Anliegen des Autors; im Laufe seines Schaffens entwickelteereine interdisziplinäre Human- und Gesellschafts-Wissenschaft als eigene literarisch-wissenschaftliche Spezies.

Seine Arbeit istsomitals philosophisch-literarischer Versuch zubetrachten, medizinische, psychologische, soziologische, historischeund nicht zuletzt volkswirtschaftlicheFakten(letztereunter globalen Gesichtspunkten), diein ihrer GesamtheitunserallerLeben bestimmen, zu erkennen und zu benennen,umderart eineinterdisziplinärerSozialphilosophiemit dezidiert literarischem Anspruchzu schaffen.

Nach ersten Veröffentlichungen bereits in seinen Zwanziger-Jahren (die indes allesamt verloren sind, auch, weil der herausgebende [Klein-]Verlag seinerzeit einen entsprechender Eintrag in der Deutschen Bibliothek verabsäumte) wurde der Autor durch seine ärztliche Tätigkeit in Anspruch genommen; insbesondere entwickelte er bahnbrechende neue Methoden zur Behandlung von Krebserkrankungen – s. hierzu den Tatsachen- und Enthüllungsroman „Dein Tod war nicht umsonst“ (geschrieben für seine Frau, die zu früh verstarb. Vor ihrer Zeit. Will meinen: die ermordet wurde. Von den Herrschenden und ihren Bütteln).

Seit Eintritt in die Rente kann er sich (wieder) seiner schriftstellerischen Tätigkeit widmen und versuchen (in einem voraussichtlich dreizehn Bände umfassenden Briefwechsel), Menschen und Mensch-Sein in all ihren und seinen Facetten, in ihrer Widersprüchlichkeit, in allen Höhen und Tiefen, kurzum: in dem, was die „conditio humana“ ausmacht, zu erfassen und zu beschreiben.

Bleibt schließlich,vorab, nochanzumerken, dassdieAusführungen imFolgendenteilweise oder in Gänzefrüheren Textendes Autors entnommen wurden – deshalb bezüglich sich verändernder Fakten nur für den Zeitpunkt der vormaligen Drucklegung aktuell sind: zur Erhaltung der Authentizität erfolgte eine Ajourierung absichtlich nicht –,gleichwohlalsZusammenfassungseines literarischenSchaffens, mehr noch:alsQuintessenzseines eigenenLebensunddes Da- und In-der-Welt-Seinsvieler andererfigurieren.

Der werte Leser möge somit sämtliche Bände der vorliegenden Reihe: EIN LESEBUCH AUS DER ALTEN ZEIT: ZWISCHENBILANZ ODER SCHON DAS FAZIT?als eine Werkausgabein eigener Sachebetrachten, dabei erachten, dass nicht jeder einenMaxBrod zum Freund hat.Ob er nun Kafka heißt oder auch nicht.

VORBEMERKUNG

In etlichen Bänden vorliegender Buchreihe bzw. in Teilen derselben sind den einzelnen Kapiteln Fußnoten bei- und ggf. Anmerkungen am Ende des jeweiligen Textabschnitts angefügt (letztere, Anmerkungen, dann, wenn die jeweilige Fußnote[n] so umfangreich wäre[n], dass sie den Fluss des betroffenen Briefes stören würde[n]).

Grundsätzlich wurden Fußnoten und Anmerkungen eingefügt, damit der werte Leser ein wenig mehr über die Zusammenhänge erfährt, in welche der fortlaufende Text inhaltlich eingebunden ist.

Deshalb empfehle ich dem Leser dringend, ggf. den Text und die diesen ergänzenden Fußnoten/Anmerkungen parallel zu lesen, weil diese ergänzen, differenzieren resp. vervollständigen, was ersterer (aus Gründen inhaltlicher Kontinuität) nicht abzubilden vermag resp. darzustellen beabsichtigt; die Fußnoten resp. Anmerkungen sind „Parerga und Paralipomena“, will meinen: „Beiwerk und Nachträge“ und als Anregung gedacht, sich mit den angesprochenen Fakten, Ereignissen und Zusammenhängen näher zu beschäftigen, um sich ein Bild zu machen von den tatsächlichen Verhältnissen hinter den offiziell verlautbarten, welche, letztere, oft nicht die Wahrheit, vielmehr, einzig und allein, die Interessen der (Meinungs-)Macht-Haber widerspiegeln: Das je herrschende Narrativ reflektiert – mithin und ausnahmslos immer – Framing und Wording der je Herrschenden.

Jedenfalls: Die Fußnoten/Anmerkungen, die ich als Hinweise und Anhaltspunkte zur weiteren Beschäftigung mit dem Thema anführe, lassen sich quasi als „Parallelgeschichte“, als Buch im Buche oder eben als „Parerga und Paralipomena“, also als „Beiwerk und Nachträge“ lesen:

„[Aus] einem Brief Tucholskys, in dem die Freundin ermahnt wird: ´Es ist gar nicht einzusehen, warum Du nicht viel mehr Schopenhauer liest ...[,] es fällt eine solche Fülle von klugen und genialen Bemerkungen dabei ab, fast alle klassisch zu Ende formuliert, niemals langweilig – das solltest Du immerzu lesen: Parerga und Paralipomena´“(Rudolf Walter Leonhardt: Arthur Schopenhauer: Parerga und Paralipomena. In:DIE ZEIT Nr. 14/1979 vom 30.3.1979);dieses Diktum Tucholskys gilt gleichermaßen für den werten Leser.

Schließlich ist grundsätzlich noch festzuhalten: Selbstverständlich sind sämtliche Zitate (in allen Bänden von EIN LESEBUCH AUS DER ALTEN ZEIT: ZWISCHENBILANZ ODER SCHON DASFAZIT?)mit entsprechenden Quellen (insgesamttausenden undabertausenden) belegt; dieQuellenangabenfindet der werte Leserauf jeden Fallim jeweiligen in Bezug genommenen Buchdes Autors,auchdann, wennin vorliegender(vorläufiger)Werkausgabe(EIN LESEBUCHAUS DER ALTEN ZEIT: ZWISCHENBILANZ ODER SCHON DAS FAZIT?)aus grundsätzlichen Überlegenin einzelnen Bändenkeine resp.nur zum TeilQuellen benanntwerden.

OFFENSICHTLICHES,

ALLZUOFFENSICHT-

LICHES

EINFÜHRUNG

(Fiktive) Briefpartnerindesmehrteiligen Briefromansund vieltausendseitigen Briefwechsels„Offensichtliches, Allzuoffensichtliches“,einerEssay-Sammlungebenso zu Themen der Zeit wie zum Mensch-Sein allgemein,ist die verstorbene – will meinen: ermordete – Frau des Autors (s. hierzu den Tatsachen- und Enthüllungsroman „Dein Tod war nicht umsonst“):

Unter Berücksichtigung historischer Zusammenhänge reflektiert der Briefwechsel eine Zeitreise durch mehr als ein halbes Jahrhundert Geschichte, von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart. Er spiegelt Ereignisse, welche die beiden erlebt haben, und beschreibt Zusammenhänge, die für sie von Belang waren – auch wenn angeführte Geschehnisse, benannte Wechselbeziehungen und -wirkungen sowie aufgedeckte Hintergründe für andere Zeitzeugen möglicherweise ohne Bedeutung sind.

Derart entsteht ein Genre, das sich – in den einzelnen Bänden unterschiedlich gewichtet – zwischen Briefroman und Tagebuch, zwischen analytischen Erörterungen und höchstpersönlichen Gedanken und Gefühlen bewegt. Es entsteht ein Zeitgemälde, das (allzu) Offensichtliches hinterfragt und bezweifelt und dadurch vermeintlich Selbstverständliches als ganz und gar nicht selbstverständlich begreift und anschaulich macht.

Ein Zeitgemälde, das durchaus subjektiv ist, mithin bis zu einem gewissen Grad auch willkürlich. Ein Zeitgemälde indes, das nicht zuvörderst beschreibt, was geschah, vielmehr erforscht, warum nur das Unsägliche, das in der Tat geschah, leider Gottes(?), jedenfalls durch Menschen und von Menschen Hand geschah.

„Offensichtliches, Allzuoffensichtliches“(Untertitel:Eine deutsche Geschichte. Von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart. Höchstpersönliche Betrachtungen zu gesellschaftlichen Ereignissen und Entwicklungen. Zum Menschsein und dazu, was den Menschen ausmacht) ist den Irrenden und Wirrenden gewidmet, die sich redlich mühen, ein menschenwürdiges Leben zu führen auf dieser – an und für sich – so wunderbaren Welt. Und gleichwohl scheitern. An Armut und Not, an Lüge und Unterdrückung, an physischem und psychischem Elend. Die nicht gottgewollt scheitern, sondern durch anderer Menschen Hand, nicht schicksalhaft und unvermeidbar, sondern deshalb, weil Menschen Menschen, wissentlich und willentlich, Unsägliches antun.Und sei es unter dem Vorwand eines Virus´ mit dem Namen Corona.

Wie in Nietzsches Aphorismen „Menschliches, Allzumenschliches“ soll auch in „Offensichtliches, Allzuoffensichtliches“ von einer „Kultur des freien Geistes“ die Rede sein. Von einer Kultur des Denkens und Fühlens, die Offensichtliches, allzu Offensichtliches hinterfragt, durchdenkt, bezweifelt. Die das vermeintlich Selbstverständliche als ganz und gar nicht selbstverständlich erfasst, begreift und anschaulich macht. Dazu bedient sich der Autor unterschiedlicher Disziplinen von den Geistes- über die Human- bis zu den Naturwissenschaften; mit ihrer Hilfe sollen verschiedenste Aspekte menschlichen Denkens, Fühlens und Seins ergründet werden.

Die äußere Form des Buches ist dem Briefwechsel des Autors mit seiner verstorbenen (will heißen: mit seiner ermordeten) Frau geschuldet – einem Briefwechsel geschuldet, wie er stattgefunden hat oder derart hätte stattfinden können, einem Gedankenaustausch, der zweier Menschen Zeit von der gesellschaftlichen Erstarrung der Nachkriegszeit über die hoffnungsfrohen Erwartungen der Siebziger-Jahre bis zum Überwachungsstaat der Gegenwart und bis zur Dystopie des großen Reset und einer neuen, der Neuen Weltordnung widerspiegelt, einer ordo a(b)chao, einer novus ordo s[a]ec[u]lorum, für die – letztlich, gleichwohl – nicht gelten wird: Annuit coeptis. Weil der Herrgott den Machenschaften jener Verbrecher, die gerade dabei sind, ein solch globales in-humanes Unterdrückungs-System zu errichten, nicht gewogen sein kann. Theodizee hin, Theodizee her.

Die Form des Buches ist also dem Gedankenaustausch, dem Briefwechsel zweier Intellektueller geschuldet, der, letzterer, nicht zuvorderst Ereignisse beschreibt, sondern Hintergründe beleuchtet und Zusammenhänge analysiert. Der sich mit Fragen des Seienden, des Seins und des Menschseins beschäftigt. Gemäß den allumfassenden kantschen Fragen: „Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen?“ Und der in der alles entscheidenden Frage gipfelt: „Was ist der Mensch?“

Im ersten Brief dieses Gedankenaustausch von insgesamt vielen tausend Seiten schreibt der Autor:

Liebe Maria,

wunderbar, dass wir uns regelmäßig schreiben wollen (zumal in einer Zeit, in der Briefe außer Mode gekommen sind und fast nur noch Emails – ohne Rücksicht auf Form und Inhalt – „hingerotzt“ werden).

Dass wir uns schreiben wollen, um das, was wir erlebt haben, rückschauend aufzuarbeiten (und ggf. das, was uns im Kommenden möglich erscheint, prospektiv zu erörtern).

Dass wir versuchen wollen, uns das, was Dir und mir widerfahren ist, erneut (oder auch überhaupt und zum ersten Mal) bewusst zu machen, um es dadurch, ggf. erst im Nachhinein, zu verstehen und (neu) zu bewerten.

Jedenfalls hoffe ich, dass in diesem Briefwechsel eine Zeitreise durch (mehr als) ein halbes Jahrhundert erlebter Geschichte entsteht – von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart.

Lass uns versuchen, dabei hinter die Kulissen zu blicken; mittlerweile sind wir alt und erfahren genug, Anspruch und Wirklichkeit, Vermeintliches und Tatsächliches, Sein und Schein zu unterscheiden.

Lass uns eklektisch vorgehen, also bewusst die Ereignisse, Hintergründe und Zusammenhänge auswählen, die nur für uns beide von Bedeutung sind, wie unbedeutend sie anderen auch erscheinen mögen.

Lass uns unser Wissen – von den Geistes- über die Human- bis zu den Naturwissenschaften – nutzen, um verschiedenste Aspekte menschlichen Denkens, Fühlens und Seins zu ergründen.

Lass uns ein Genre schaffen, das irgendwo zwischen (tatsächlichem wie fiktivem) Briefwechsel und Tagebuch, zwischen analytischen Erörterungen und höchstpersönlichen Gedanken, Gefühlen und Befindlichkeiten mäandert.

Lass uns so – ähnlich Peter Bamm, aber selbstverständlich auf unsere ganz eigene Art – ein kleines Zeitgemälde schaffen: subjektiv sicherlich, insofern willkürlich, aber eben das (nicht eines, sondern) zweier Menschen Zeit.

Ich weiß, dies ist ein großes Unterfangen. Aber nur so können wir – trotz alledem und alle dem, das uns widerfahren ist – zu Camus´ Erkenntnis gelangen: „In den Tiefen des Winters erfuhr ich schließlich, dass in mir ein unbesiegbarer Sommer liegt.“

Ichwill nichteuer Hofnarrsein

Als

mich

schaute

die Verzweiflung

dann aus jedem Winkel

meiner Seele an, war ich, obwohl

ich trug, wie all die andern auch, das

Narrenkleid, weiterhin nicht mehr bereit, zu

künden meinen Herrn – die nicht Gott als Herrn

mir aufgegeben, die aufgezwungen mir das Leben –,

wie wunderbar, wie lustig gar das Leben und ich der

Herren Hofnarr sei, deshalb sei, ohnehin, alles andere

dann einerlei. Nein. Nein. Und nochmals nein. So

riss ich mir vom Leib das Narrenkleid und sagte

meinen Oberen: Es kann nicht sein, dass ich,

während ich ganz heimlich wein, für euch,

gleichwohl, den Affen gebe, dabei

nichts höre, auch nichts se-

he und nichts rede.

Macht euren Affen selbst, macht ihn nur für euch allein.

Ich werd in Zukunft aufrecht gehen. Nur so kann ich ich,

kann Mensch ich sein.

DIE EBENSO HEIMLICHE WIE GLOBALE VERSKLAVUNG DER MENSCHEN.

IM NEOLIBERALISMUS

Warum ich schreibe

Damit ich leben kann.

Damit ich überleben kann.

Damit ich das Leben, das mir widerfährt, ertragen kann. HOFFNUNG

Damit meine Gedanken mich nicht erschlagen.

Damit meine Gefühle mich nicht erdrücken.

Damit mein Hass mich nicht zerbricht.

Damit die Angst mich nicht erstickt.

Damit ich Dich lieben kann.

Darum schreibe ich.

PROLOG

„Neoliberalismus – der Menschenebenso heimliche wie globale Versklavung. Zur Kritik an neoliberal-kapitalistischer Ideologie und Praxis“ (bisher erschienen: Band 1 und Band 2) zeigt, dass Umfang und Ausmaß des neoliberalen Herrschaftssystems und dessen konkrete Auswirkungen im Alltag der Menschen, jedenfalls prima vista, häufig nur schwer einzuschätzen sind: Deceptio dolusque suprema lex – Tarnen und Täuschen gehören zu den Grundprinzipien des Neoliberalismus´.

Systemerhaltende Macht ist in neoliberalen Systemen meist seduktiv organisiert: Sie verführt – dazu, sich einzufügen und unterzuordnen, ohne dass vorhandene repressive Strukturen überhaupt bewusst wären oder würden. Neoliberale Macht manifetiert sich nicht mehr (nur) in Strafe und/oder deren Androhung; der Einzelne macht sich vielmehr selbst zur Ware, die sich (und ihren Waren-, systemimmanent somit ihren wahren Wert) selbst kontrolliert und sich dadurch zum Objekt degradiert.

Diese ebenso sublime wie effiziente Machtarchitektur, die den Neoliberalismus kennzeichnet und erst durch die Optionen der Mind Kontrol möglich wurde, entwickelte sich zum allumfassenden neo-liberalen Herrschaftsprinzip.

Summa summarum erweisen sich neoliberale Theorien als ganz und gar interessengesteuert und werden nur dann propagiert und realisiert, wenn sie den Belangen neoliberaler Profiteure dienen. Divide et impera: Nach dieser Maxime versucht der Neoliberalismus, die Gesellschaft in Gruppen mit antagonistischen Interessen zu spalten; der eigentliche, substantielle Konflikt – der zwischen arm und reich – wird wohlweislich nicht thematisiert: Wer arm und krank ist trägt selber schuld.

So marschiert der neoliberale Mensch im Gleichschritt, passt sich an, ist jederzeit und überall einsetzbar – sorgten in der Antike noch Sklaventreiber für eine maximale Ausbeutung der Unfreien, versklaven sich die des neoliberalen Zeitalters selbst.

Und, mehr und schlimmer noch: Der Neoliberalismus mordet: 100.000 Menschen am Tag, fast 40.000.000 im Jahr sterben allein an Hunger oder dessen (unmittelbaren) Folgen, von den Toten neoliberaler Kriege ganz zu schweigen.

„Kollateralschäden“ sind unvermeidlich: „Der deutsche Faschismus brauchte sechs Kriegsjahre, um 56 Millionen Menschen umzubringen – die neoliberale Wirtschaftsordnung schafft das locker in wenig mehr als einem Jahr.“

Der Neoliberalismus – ein System organisierter Verantwortungslosigkeit. Das, allein aus Gründen des Profits, die Lebensgrundlagen unserer Erde und die der Menschheit zerstört. Derart wird der Neoliberalismus zu einer Art „Hausphilosophie“ für die Reichen und Mächtigen dieser Welt, ist Ursache der Krankheit, als deren Therapie sie, die neo-liberale Philosophie, verkauft wird: “´There´s class warfare, all right´, Mr. Buffett said, ´but it´s my class, the rich class, that´s making war, and we´re winning.´“

EINLEITUNG

Im Alltag bleibt „der Neoliberalismus“ häufig unsichtbar; sowohl Umfang und Ausmaß des neoliberalen Herrschaftssystems als auch dessen konkrete gesellschaftliche Auswirkungen sind oft nur schwer einschätzbar.

Systemerhaltende Macht ist in neoliberalen Systemen meist nicht (offen) repressiv, sondern seduktiv organisiert, sie verführt: dazu, sich einzufügen und unterzuordnen, ohne dass vorhandene repressive Strukturen dem je Betroffenen überhaupt bewusst würden.

So hat Macht im Neoliberalismus viele und oft andere als die gemeinhin bekannten Gesichter. Gleichwohl: Auch wenn sie nicht selten als Wolfs im Schafspelz daherkommt, ist sie alles andere als friedfertig und bedient sich einer – scheinbaren – Übereinkunft mit den Beherrschten nur, um ihre tatsächlichen Absichten, mehr noch: ihre Existenz als solche zu verschleiern. Und um dadurch umso mehr Macht zu erlangen und auszuüben.

Neoliberale Macht manifestiert sich nicht mehr (nur) in Strafe und/oder deren Androhung; der Einzelne wird im Neoliberalismus zur bloßen Ware, die sich (und ihren Waren-, systemimmanent somit ihren wahren Wert) gemeinhin selbst kontrolliert und sich dadurch selbst zum Objekt degradiert:

„Unter der Herrschaft eines repressiven Ganzen läßt Freiheit sich in ein mächtiges Herrschaftsinstrument verwandeln … Die freie Wahl der Herren schafft die Herren oder die Sklaven nicht ab. Freie Auswahl unter einer breiten Mannigfaltigkeit von Gütern und Dienstleistungen bedeutet keine Freiheit, wenn diese Güter und Dienstleistungen die soziale Kontrolle über ein Leben von Mühe und Angst aufrechterhalten … Und die spontane Reproduktion aufgenötigter Bedürfnisse durch das Individuum stellt keine Autonomie her; sie bezeugt nur die Wirksamkeit der Kontrolle.“

Subtiler und effizienter als strafende Techniken und Strategien sind solche, die bewirken, dass Menschen sich freiwillig vorgegebenen Herrschaftsstrukturen unterordnen, sind Konzepte, die nicht mit Verboten sowie Entzug als Strafe, vielmehr mit Gefallen und Erfüllen (präformierter Wünsche) als Belohnung arbeiten – Menschen werden derart nicht gefügig, sondern abhängig. Gemacht. Sozusagen angefixt. Und permanent mit Stoff versorgt.

Ein solcherart unterworfenes Subjekt – in Wahrheit, logischerweise, Objekt, nicht selbstbestimmtes Einzelwesen – ist sich seiner Unfreiheit nicht einmal bewusst; die unterwerfende Macht wird mehr und mehr unsichtbar, dadurch immer schwerer angreifbar. Das neoliberale System instrumentalisiert die Freiheit. Statt sie zu unterdrücken. Was natürlich die höchste Form von Unfreiheit darstellt: „Niemand ist mehr Sklave, als der sich für frei hält, ohne es zu sein“ (Goethe, Wahlverwandtschaften, 2. Teil, 5. Kapitel) – neoliberale Herrschafts-Strukturen gab es offensichtlich bereits in Feudal-Systemen, wahrscheinlich sind sie so alt wie die Menschheit selbst.

Jedoch wurde die ebenso sublime wie effiziente Machtarchitektur, die den Neoliberalismus kennzeichnet, erst durch die Optionen der Mind Kontrol möglich; was in machiavellistischen Konzepten noch Teil einer Gesamtstruktur war, wurde mittlerweile zum allumfassenden neo-liberalen Herrschaftsprinzip.

Gab es in vor-neoliberaler Zeit eine Gruppen- und Klassenzugehörig-keit, so konkurriert heutzutage jeder mit jedem; Solidarität und Gemeinsinn werden zunehmend zerstört, was zwar die Effizienz kapitalistischer Produktionsverhältnisse enorm steigert, jedoch – sozusagen als (gleichwohl gewollten) Kollateralschaden – ver-einsamte, verzweifelte, oft tief depressive Multi-Dividuen hinterlässt, also Opfer eines neoliberalen Macht- und Herrschafts-Systems, die nicht mehr In-Dividuen und als solche einzig-artige Subjekte, sondern viel-geteilte, sich ihrer Besonderheit als Mensch nicht mehr bewusste Objekte umfassender Verfügung durch den neoliberalen Machtapparat repräsentieren.

(Auch) deshalb soll – am Übergang von der analogen zur digitalen Welt – die Offenlegung jeglicher Privatheit als Normalität implementiert werden; die neoliberale Rechtsordnung des Ausspähens und Überwachens wird gesetzt durch die normative Kraft des Faktischen. Und die politischen Vertreter des Neoliberalismus verkünden dumm-dreist: „Das geht gar nicht.“

Neoliberale Macht manifestiert sich als eine Art soft power, als Konzept, den anderen, möglichst subtil, derart zu beeinflussen, dass er will, was man selbst will, ohne dass er merkt, dass es eigentlich nicht das ist, was er will.

Durch seine Strategie der Isolierung und Entsolidarisierung gelingt es dem Neoliberalismus, den Einzelnen für sein vermeintlich individuelles Versagen verantwortlich zu machen: Faber est suae quisque fortunae miseriaeque – jeder selbst sei der Schmied seines Glücks. Und seines Unglücks.

Indes: Der Mensch ist kein „homo clausus“ (Norbert Elias), ein in seinem Inneren von der Außenwelt Abgeschlossener; Mensch-Sein, in all seinen Facetten, ist nicht isoliert von den Bedingungen menschlichen Seins zu betrachten. Ersteres wird und letztere werden maßgeblich von der jeweiligen Wirtschaftsordnung eines Gemeinwesens bestimmt. Deshalb ist das Wirtschaftssystem, in dem wir leben, sind somit die Grundstrukturen neoliberalen (In-der-Welt-) Seins für uns alle von entscheidender Bedeutung: Im Gegensatz zu früherer Zeit, in der jeder eine einzigartige Person innerhalb eines festen sozialen Bezugssystems war, zumindest sein konnte, sind die Menschen in modernen Gesellschaften und in besonderem Maße in neoliberalen Ordnungsstrukturen nicht mehr als Individuen, sondern nur noch als Träger gesellschaftlicher Rollen von Bedeutung. Fast beliebig austauschbar, verlieren sie desto mehr ihre Individualität, je stärker sie sich mit diesen Rollen identifizieren. Durch die Lösung aus sozialen Bindungen wird der Einzelne zum isolierten und auf sich selbst zurückgeworfenen „homo clausus“.

Zwar ist die Bezeichnung „Neoliberalismus” mittlerweile zum politisch-ideologischen Kampfbegriff geworden, und viele verbinden mit ihm gesellschaftliche Zustände und Entwicklungen, die, meist diffus, angsteinflößend wirken; gleichwohl ist der Neoliberalismus – mit all seinen Facetten und in der Breite seiner Auswirkungen – nur schwer zu fassen. Zudem lässt sich oft kein Adressat diesbezüglicher Befürchtungen, Ängste und Vorbehalte finden. Denn neoliberales Denken ist häufig kaum zu erkennen und selten konkret zu benennen. Obwohl es immer mehr unsere Gesellschaft unterwandert. Und, von innen, aushöhlt.

Deceptio dolusque suprema lex: Tarnen und Täuschen haben absolute Priorität. Tarnen und Täuschen – Grundprinzipien des Neoliberalismus´!

Neoliberales Denken beruht auf einem negativen Freiheitsbegriff – Freiheit sei schlichtweg die Abwesenheit staatlicher Eingriffe in das marktwirtschaftliche Geschehen. Ohne solch staatliche Eingriffe stelle sich immer ein Marktgleichgewicht ein (Übereinstimmung von angebotener und nachgefragter Warenmenge); wer nach Eigennutz strebe, befördere somit das Gemeinwohl.

Der Mensch in der Komplexität seines Seins, der Mensch mit all seinen Gedanken, Werten und Gefühlen, der Mensch mit seinen Hoffnungen, Wünschen und Sehnsüchten, der Mensch als (zumindest vorläufige) Vollendung eines göttlichen oder sonstigen Schöpfungsplans wird im Neoliberalismus, in Wahrheit indes, auf „Human Resources“ reduziert, auf „Humanpotential“, zu werten und zu gewichten wie bloßes materielles Gut: Welch Sakrileg, sofern sich unsere Gesellschaft auch nur im Geringsten einer humanistisch-abendländischen Tradition verpflichtet fühlt.

In diesem Sinne postuliert der Neoliberalismus einen Anspruch auf totale wie globale Macht: Global in Bezug auf eine, seine – mittlerweile weltweite – Geltung, total hinsichtlich einer umfassenden gesellschaftlichen Entsolidarisierung unter dem Primat – angeblicher – wirtschaftlicher Notwendigkeit stellt er den Inbegriff eines entfesselten Kapitalismus´ dar; das Spektrum seiner Facetten reicht von der Ideologie, jedwede soziale wie private Beziehung zu ökonomisieren, bis zum Hegemonialanspruch des (US-amerikanisch dominierten) Militärisch-Industriellen Komplexes.

In summa erweisen sich neoliberale Wirtschafts-Theorien als ganz und gar interessengesteuert und werden immer dann (und nur dann) propagiert und realisiert, wenn sie den Belangen neoliberaler Profiteure zupass kommen.

Divide et impera – teile und herrsche: Nach dieser Maxime versucht der Neoliberalismus die Gesellschaft in Gruppen mit antagonistischen Interessen zu teilen; Männer werden gegen Frauen, Alte werden gegen Junge, Kinderreiche werden gegen Kinderarme, Arbeitende werden gegen Arbeitslose, Deutsche werden gegen Ausländer in Stellung gebracht.

Der eigentliche, der substantielle und essentielle Interessen-Konflikt – der zwischen arm und reich – wird von den neoliberalen Ideologen wohlweislich nicht thematisiert!

Derart etablierte sich der Neoliberalismus – nach Faschismus und Stalinismus – als ein weiterer Totalitarismus, der vollständig unser Leben, unseren Alltag durchdringt; vergleichbar einer Religion bestimmt er gleichermaßen unser Denken, Fühlen und Handeln. Reicht in unseren Kopf, in unsere Herzen, selbst in unsere Schlafzimmer. Und k(aum) einer merkt´s.

Wir dürfen, können, sollen alles kaufen (sofern wir es uns finanziell leisten können); auch zwischenmenschliche Beziehungen sind (vermeintlich) käuflich, an die Stelle von Liebe tritt ent-emotionalisierter, mehr noch: ent-menschlichter Sex; für diesen, letzteren, braucht es keine Menschen mehr; auch Tierbordelle erfüllen diesbezüglich (im Sinne neoliberaler Wertvorstellungen) ihren Zweck:

Wer „Ein ´Höllen-Leben´: ritueller Missbrauch von Kindern. Satanisten, ´Eliten´ vergewaltigen, foltern und töten – mitten unter uns“ gelesen hat, weiß, wozu Menschen fähig sind. So dass Sodomie noch eines der „kleineren“ Übel darstellt. Verschwörungstheorien? Mitnichten!

Vielmehr bittere Realität. In Zeiten neoliberaler Maß- und Zügellosigkeit. Solange diese, letztere, den Interessen jener kleinen Clique dient, die durch ihre (wirtschafts- wie gesellschaftspolitisch) neoliberale Ideologie ihre Macht- und Herrschaftsansprüche implementiert, konsolidiert und dadurch (in hohem Maße, zumindest wirtschaftlich) profitiert.

Mehr oder weniger alle Wirtschaftsordnungen beruhen heutzutage, weltweit, auf derartigen neoliberalen Prinzipien. Letztere lassen sich nicht nur in der Wirtschafts- und Sozialpolitik wiederfinden, sondern sind mittlerweile auch im Alltag der Menschen und in deren Kultur fest verankert; der Neoliberalismus ist zum Lebensstil geworden, der in allen Bereichen gesellschaftlichen Miteinanders präsent ist.

Nur das, was, und nur der, welcher den Interessen des entfesselten Kapitalismus´ neoliberaler Prägung nutzt, hat eine Existenzberechtigung; alles andere muss, alle anderen müssen ausgerottet, e-radiziert, vernichtet werden. Wer Probleme hat, wer erfolglos, wer arm und krank, wer alleine ist (notabene: Alleinsein ist – systemimmanent, mithin notwendigerweise – der Dauerzustand des auf Konkurrenz statt auf Solidarität getrimmten neoliberalen Di-Viduums) trägt selber schuld: Er denkt falsch, handelt falsch, lebt falsch.

Derart werden alle vom System geschaffenen Probleme individualisiert; das Dividuum, der geteilte, ver-einzelte, auf sich selbst zurückgeworfene „homo clausus“, wird hinsichtlich der Frage, wer Verantwortung an seiner Misere trägt, wieder zum In-Dividuum erklärt; wirtschaftsliberaler Diktion zufolge ist er, der neoliberale Homo Clausus – und nur er und er allein – für sein Elend verantwortlich. Auch insofern und insoweit, als er sich nicht selbst belügt; dadurch, dass er positiv über gesellschaftliche Zustände denkt, denen wahrlich nichts Positives abzugewinnen ist. Das nennt der Neoliberalismus dann die Kraft des positiven Denkens.

Waren früher Alleinsein, Angst und Verzweiflung Voraussetzungen unseres Handelns – „Wir sind allein ohne Entschuldigung. Das möchte ich mit den Worten ausdrücken: Der Mensch ist dazu verurteilt, frei zu sein. Verurteilt, weil er sich nicht erschaffen hat, und dennoch frei, weil er, einmal in die Welt geworfen, für all das verantwortlich ist, was er tut“, so Sartre –, waren sie conditio sine qua non, unerlässliche Voraussetzung unseres Seins resp. unserer Bemühungen zu sein, verkörpern sie im neoliberaler System allenfalls unser Scheitern.

So also marschiert der neoliberale Mensch im Gleichschritt, passt sich an, ist jederzeit und überall widerspruchslos einsetzbar – sorgten in der Antike noch Sklaventreiber für eine maximale Ausbeutung der Unfreien, so optimieren, will meinen: versklaven sich die Unfreien des neoliberalen Zeitalters – zwecks maximaler Ausbeutung wie Eigen-Ausbeutung – selbst.

Jedenfalls gab es in den letzten Jahrzehnten keinen Lebensbereich, der nicht durch neoliberales Gedankengut umgewälzt wurde; im alltäglichen Bewusstsein ist der Neoliberalismus mittlerweile derart tief verwurzelt, dass es keine „Propheten“ mehr braucht – wie seinerzeit Ronald Reagan oder Maggi Thatcher –, die ihn lauthals propagieren. So kommt er oft auf leisen Sohlen, indes nicht weniger wirkmächtig daher; seine Maßstäbe und Deutungsmuster sind bereits tief im kollektiven Bewusstsein verankert. Selbst diejenigen, die bestimmte neoliberale Wertvorstellungen in Frage stellen oder ablehnen, fallen auf andere herein, ohne dass ihnen dieser Umstand überhaupt bewusst wäre.

Mit anderen Worten: Andere als die vom neoliberalen Mainstream vorgegebenen Denkansätze sind in Wissenschaft, Forschung und Lehre (realiter) nicht mehr präsent, (vorhandene wie vorstellbare) Alternativen werden nicht (mehr) gedacht: vom theoretischen Ansatz bis zur Lebenspraxis hat der Neoliberalismus unsere Gesellschaft usurpiert.

Massive psychische Deformationen, namentlich soziale Ängste und Depressionen, sind – unvermeidbare – Folgen des globalen neoliberalen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems. Wobei ausdrücklich festzuhalten gilt, dass solche Aberrationen dem System geschuldet und nicht vom Einzelnen zu verantworten sind. Auch wenn dieses, das System, die Matrix, in die wir eingebunden sind, uns anderes weismachen möchte.

Letztlich sind wir alle in dem neoliberalen Netz der Macht- und Herrschaftsinteressen einiger Weniger – will meinen der Eigentümer vornehmlich des Banken- und Finanz- sowie des Energie-Kartells, des Militärisch-Industriellen- und des Medizinisch-Industriellen Komplexes sowie des Medien-Kartells – gefangen und sollen gezwungen werden, uns selbst (umso mehr, desto besser) fremdverwertbar zu gestalten.

Damit wir die erwünschte (Konsumenten-)Rolle erfüllen können. Ohne mit seinem – des Neoliberalismus´ – durchaus komplexen Regelwerk an Vorschriften und Sanktionen (abweichenden Verhaltens) in Konflikt zu geraten: In den USA, dem Ursprungsland des Wirtschaftsliberalismus´, sitzen anteilsmäßig mehr Menschen im Gefängnis als in irgendeinem anderen Land der Welt.

Und, mehr und schlimmer noch: Er, der Neoliberalismus, mordet (ohne je zur Verantwortung gezogen zu werden): 100.000 Menschen am Tag, fast 40.000.000 im Jahr. Sie sterben an Hunger oder dessen (unmittelbaren) Folgen. „Und dies, obwohl die Weltlandwirtschaft schon heute – ohne Gentechnik – problemlos zwölf Milliarden Menschen ernähren könnte, wie derselbe Bericht feststellt. Ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet“, so Jean Ziegler.

„Weltweit gesehen – ob zwischen den Ländern oder innerhalb der Gesellschaften in Süd, Ost und Nord – lässt sich also eine dramatische Verstärkung der Auseinanderentwicklung zwischen Reich und Arm durch neoliberale Politik beobachten. Das Ergebnis sind zig Millionen Tote pro Jahr und wachsende, extreme Ungerechtigkeiten.“

Das ist real existierender Neoliberalismus. Der sich aus vielen, heterogenen Quellen speist und (letztlich) zwar keine einheitliche ökonomisch-gesellschaftliche Konzeption vorweisen kann, auf unser aller Alltag und Leben aber Auswirkungen hat wie kaum ein zweites Gesellschaftskonzept der Menschheitsgeschichte.

Der Neoliberalismus – ein System der organisierten Verantwortungs-losigkeit für Mensch und Umwelt. Ein System, das – einzig und allein aus Gründen der Profit-Maximierung – die Lebensgrundlagen unsere Erde und die der Menschheit zerstört.

Derart wird der real existierende Neoliberalismus zu einer Art „Hausphilosophie“ für die global agierenden Konzerne, für die Reichen und Mächtigen dieser Welt. Obwohl er ein Desaster nach dem anderen verursacht, geht er aus allen Krisen gestärkt hervor – er ist die Ursache der Krankheit, als deren Therapie ihn die, welche von ihm profitieren, verkaufen, er nährt Krisen und nährt sich von Krisen. Und selbst aus seinen inneren Widersprüchen schlägt er noch Kapital.

Nicht der „freie“ Markt, schlichtweg eine Umverteilung ist das (unausgesprochene) Ziel dieses real existierenden Neoliberalismus´: die von unten nach oben, die von der öffentlichen in die private Hand, die von Süd nach Nord, die von der Dritten in die Erste Welt, die von der breiten Masse zu einigen wenigen Profiteuren des Systems.

„Kollateralschäden“ sind dabei unvermeidlich: „Der deutsche Faschismus brauchte sechs Kriegsjahre, um 56 Millionen Menschen umzubringen – die neoliberale Wirtschaftsordnung schafft das locker in wenig mehr als einem Jahr.“

Um seine Umverteilungs-Ziele zu erreichen, muss er, der real existierende Neoliberalismus, die Schwachen – Individuen wie Staaten – in der Tat „den Märkten“ überlassen; gleichwohl trägt er dafür Sorge, dass die Starken, durch einen – wohlgemerkt – starken(!) Staat, ihrerseits Rahmenbedingungen erhalten, mit Hilfe derer sie sich entscheidende Wettbewerbsvorteile auf dem dann ganz und gar nicht mehr freien Markt sichern können.

In Wahrheit ist der Neoliberalismus – wiewohl immer bereit, staatliche Subventionen als sozialistisch zu geißeln – nichts anderes als ein „Neoliberal-Sozialismus“: ein Sozialismus für die Reichen, die er, der Neoliberalismus, durch staatliche Regelungen vor den Kräften eines wirklich freien Marktes zu schützen versucht.

Und mehr noch: Er ist eine Revolution der Reichen gegen die Armen: ”´There´s class warfare, all right´, Mr. Buffett said, ´but it´s my class, the rich class, that´s making war, and we´re winning.´”

ZUM BEGRIFF DER MACHT UND ZU DEREN AUSÜBUNG IM NEO-LIBERA-LISMUS

Liebste!

Lass uns unseren Gedankenaustausch fortsetzen mit einigen Überlegungen zum mittlerweile weltweit all-umfassend dominanten (Tautologie, Liebste, kein Pleonasmus!) neoliberalen Gesellschaftssystem:

„Es wird nichts so unterschätzt wie das Projekt des Neoliberalismus“ 12. Dieser bleibt im Alltag weitgehend unsichtbar; insofern sind sowohl Umfang und Ausmaß des neoliberalen Herrschaftssystems als auch dessen konkrete gesellschaftliche Auswirkungen bisweilen schwer einzuschätzbar 3.

In der industriellen Produktionsgesellschaft war systemerhaltende Macht (noch) offen repressiv, dadurch sichtbar; Unterdrücker und Unterdrückte ließen sich benennen; brutale Ausbeutung führte zu Protest und Widerstand, die darauf abzielten, die herrschenden (Produktions-)Verhältnisse zu Fall zu bringen.

„In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte, notwendige, von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse, die einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer materiellen Produktivkräfte entsprechen. Die Gesamtheit dieser Produktionsverhältnisse bildet die ökonomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Überbau erhebt und welcher bestimmte gesellschaftliche Bewußtseinsformen entsprechen. Die Produktionsweise des materiellen Lebens bedingt den sozialen, politischen und geistigen Lebensprozeß überhaupt“, so, Liebste, bekanntlich Karl Marx 4.

In neoliberalen Herrschaftssystemen indes ist systemer-haltende Macht nicht (offen) repressiv, vielmehr seduktiv organisiert; sie verführt – dazu, sich einzufügen und unterzuordnen, ohne dass vorhandene repressive Strukturen dem je Betroffenen überhaupt bewusst werden 5.

„Der Neoliberalismus formt aus dem unterdrückten Arbeiter einen freien Unternehmer, einen Unternehmer seiner selbst. Jeder ist heute ein selbstausbeutender Arbeiter seines eigenen Unternehmers. Jeder ist Herr und Knecht in einer Person. Auch der Klassenkampf verwandelt sich in einen inneren Kampf mit sich selbst. Wer heute scheitert, beschuldigt sich selbst und schämt sich. Man problematisiert sich selbst statt der Gesellschaft“ Han, B.-C.: Neoliberales Herrschaftssystem … (wie zit. zuvor).

Bereits Machiavelli erkannte, vor fünfhundert Jahren, dass derjenige, der Macht ausüben will, auch Techniken der Übereinkunft mit den zu Beherrschenden benötigt. Damit er von diesen nicht (allzu sehr) gehasst wird, was seiner Macht-Ausübung – wegen des provozierten Widerstandes – abträglich wäre. Der Herrscher muss die Moral, vorgeblich, wahren, auch wenn er, sofern erforderlich, vor Gewalt nicht zurückschrecken darf 6:

„Du sollst dich nicht an den Gütern deiner Untertanen gütlich tun; du sollst dich nicht an ihren Frauen vergreifen; du sollst nicht einfach aus Spaß töten“ 7. S. auch 8.

Derart, Liebste, hat Macht viele Gesichter. Und nur wenige politische Ideenlehren, beispielsweise anarchistische, lehnen die Herrschaft des Menschen über den Menschen und die hieraus resultierenden hierarchischen Strukturen ab 9101112.

„Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eignen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht. Herrschaft soll heißen die Chance, für einen Befehl bestimmten Inhalts bei angebbaren Personen Gehorsam zu finden; Disziplin soll heißen die Chance, kraft eingeübter Einstellung für einen Befehl prompten, automatischen und schematischen Gehorsam bei einer angebbaren Vielheit von Menschen zu finden“, so die bekannte Definition Max Webers von Macht (und Herrschaft) 13e.H..

Indes, meine Liebe: Webers Machtbegriff sieht „einvernehmlich“ ausgeübte Macht nicht vor, ebenso wenig den Machtanspruch, der losgelöst von gegenständlicher Absicht daherkommt; Webers Definition von Macht suggeriert, dass diese einen jeweils konkreten Anspruch in einer ebenso konkreten Situation darstellt.

Anders hingegen Hannah Arendt 14: „Macht entspringt der menschlichen Fähigkeit, nicht nur zu handeln oder etwas zu tun, sondern sich mit anderen zusammenzuschließen und im Einvernehmen mit ihnen zu handeln. Über Macht verfügt niemals ein Einzelner; sie ist im Besitz einer Gruppe und bleibt nur solange existent, als die Gruppe zusammenhält. Wenn wir von jemand sagen, er ´habe die Macht´, heißt das in Wirklichkeit, daß er von einer bestimmten Anzahl von Menschen ermächtigt ist, in ihrem Namen zu handeln. In dem Augenblick, in dem die Gruppe ... auseinandergeht, vergeht auch ´seine Macht´.“

Und weiterhin 15: „Macht bedarf keiner Rechtfertigung, da sie allen menschlichen Gemeinschaften immer schon inhärent ist ... [E. A.: Diese Aussage darf bezweifelt werden; weitere Ausführungen indes würden hiesigen Rahmen sprengen; s. z.B. 16.] Hingegen bedarf sie der Legitimität … Gewalt kann gerechtfertigt, aber sie kann niemals legitim sein.“

Nach Arendt funktioniert Macht mithin gewaltlos und legitimiert sich durch eine (ermächtigende) Bezugsgruppe; Gewalt wird nur dann erforderlich, wenn keine Macht mehr besteht, die je angestrebte Ziele zu verwirklichen.

Insofern hatte Arendt eine eher „friedfertige“ Vorstellung von Macht. Gar nicht so unähnlich der des Neoliberalismus´. Auch wenn dieser nur als Wolf im Schafspelz auftritt, tatsächlich alles andere als friedfertig ist und sich der „Übereinkunft“ mit denen, die durch seine Macht beherrscht werden, nur bedient, um seine wirklichen Absichten – mehr noch: um seine Existenz als solche – zu verschleiern. Und um dadurch umso mehr Macht zu erlangen und auszuüben.

In diesem Sinne definiert Sloterdijk „Herrschaft als die Macht oder das Vermögen, Menschen als Mittel zu benutzen“ 17.

Wenn auch die Philosophie deine Domäne ist, Liebste, will ich trotzdem und weiterhin wie folgt an- und ausführen: Bereits Aristoteles wies auf die Bedeutungsvielfalt der δύναμις (Dynamis: Macht, Vermögen) hin. „´Im Laufe der Jahrhunderte hat sich diese Vielheit zu einem höchst widersprüchlichen Bedeutungsgeflecht fortentwickelt. ´Macht´ bedeutet Möglichkeit im Sinne von Vermögen/ Können ...; sie bedeutet ursprüngliche Ermöglichung, bestimmendes Übergreifen, physische Kraft, Geist bzw. Wissen, freie Übereinkunft, Gewalt, intersubjektive Willensdurchsetzung, Überlegenheit, Schädigungsfähigkeit, kriegerische Konfrontation, individuelle Teilhabe an kollektiven Entscheidungsprozessen, systemische Integration sozialer Prozesse, Leben usw.´ Dank der von Foucault und Deleuze veranlaßten Revitalisierung der lebensphilosophischen Machtmetaphysik Nietzsches wird Aristoteles´ metaphysische Ausweitung des Machtbegriffs gegenwärtig derart auf die Spitze getrieben, daß ´Macht´ schließlich alles und daher nichts mehr bedeutet“18e.H.. Siehe auch 19202122.

Gilles Deleuze 23 führt das Foucaultschen Konzept der Disziplinargesellschaft (des 18. und 19./20. Jahrhunderts) für die „modernen“ Gesellschaften fort und erweitert es zum Entwurf einer allgegenwärtigen Kontrollgesellschaft: Macht, so Deleuze, werde in eben dieser Kontrollgesellschaft weder von Institutionen noch von Individuen ausgeübt; sie sei systemimmanent, installiere und erhalte sich quasi von selbst, ähnlich einem Perpetuum mobile 2425.

„Gilles Deleuzes ´Postskriptum über die Kontrollgesellschaft´ ist ein faszinierendes und zugleich etwas kryptisch anmutendes Manifest. Das grundlegende Argument des Textes ist, dass wir uns im Übergang von einem alten Gesellschaftstyp in einen neuen befinden. Dieser neue Typ ist die Kontrollgesellschaft mit ihren besonderen Eigenschaften. Der französische Philosoph schrieb den Text im Jahr 1990, viele von den damals angesprochenen Entwicklungen und Fragestellungen scheinen aber erstaunlicherweise erst heute wirklich relevant zu werden …

Der Text beginnt mit Michel Foucault. Der Wegbegleiter und Freund Deleuzes dient hier als Theoretiker eines alten Gesellschaftstyps. Foucaults Idee der Disziplinargesellschaft, die dieser in seinem Buch ´Überwachen und Strafen´ entwickelte, ist für Deleuze ein Gesellschaftstyp, der zunehmend der Vergangenheit angehört und der von der Kontrollgesellschaft abgelöst wird … Ein neuer Gesellschaftstyp mit einer neuen ihn definierenden Form der Machtausübung ist im Entstehen. Dieser neue Gesellschaftstyp ist die Kontrollgesellschaft …

Die Disziplinargesellschaft hatte die Fabrik, die Schule und die ans Gold gebundene Währung; die Kontrollgesellschaft hat das Unternehmen, die ständige Weiterbildung (´lebenslanges Lernen´) und das System der schwankenden Wechselkurse. Die Disziplinargesellschaft hatte Maschinen und die Produktion; die Kontrollgesellschaft hat den Computer und den Markt … Die Disziplinargesellschaft versuchte stets den Einzelnen von außen zu erfassen und zu beeinflussen (mit Ge- und Verboten). Die Kontrollgesellschaft überlässt diese mühselige Arbeit vermehrt den Einzelnen selbst …

Die Macht zieht sich zurück, ohne aber ihre Wirkung zu verringern. Jeder wird selbst zu seinem eigenen, kleinen Unternehmen … ´Die Individuen sind dividuell [teilbar, beliebig, eben nicht in-dividuell] geworden´ … Das Individuum lässt sich zerlegen in bestimmte Motive, Geschmäcker, Ideen und Vorstellungen, die alle von der Macht angesprochen werden … [D]ie Kontrollgesellschaft [wirkt] weniger strikt … als die Disziplinargesellschaft. Doch sobald man hinter die Abwesenheit bestimmter von außen stammender Machtprozeduren und Techniken blickt, erscheint eine ganze Reihe von perfiden und unsichtbaren Herrschaftsmechanismen“ 26.

Macht manifestiert sich nicht mehr (nur) in Strafe und deren Androhung (wie in Foucaults Disziplinargesellschaft); das Subjekt wird vielmehr selbst zur Ware und unterliegt als solche der (Selbst-)Kontrolle als wesentlichem Machtelement: „In den Disziplinargesellschaften hörte man nie auf anzufangen (von der Schule in die Kaserne, von der Kaserne in die Fabrik), während man in den Kontrollgesellschaften nie mit irgendetwas fertig wird: Unternehmen, Weiterbildung, Dienstleistung“ 27.

Mehr noch ibd.: „ … für das technische Szenario absoluter Kontrolle erahnt Deleuze eine Stadt, ´in der jeder seine Wohnung, seine Straße, sein Viertel dank seiner elektronischen (dividuellen) Karte verlassen kann, durch die diese oder jene Schranke sich öffnet; aber die Karte könnte auch an einem bestimmten Tag oder für bestimmte Stunden ungültig sein; was zählt, ist nicht die Barriere, sondern der Computer, der die – erlaubte oder unerlaubte – Position jedes Einzelnen erfasst und eine universelle Modulation durchführt.´

[Würdeder Herausgebervorliegenden Briefwechselsüber den Neoliberalismus heute, im Dezember 2020 – fast zehn Jahre nachdemTodseiner Frau –ihr, seiner Liebsten,einen Brief schreiben,so würde er lakonisch anmerken: Solcherartwerden Prognosen zur Realität. InZeiten von „Corona“. In Zeiten nach Corona. In post-neoliberalen Zeiten. In Zeiten offener Diktatur. Unter der Cover-Story,dem Primateines Husten- und Schnupfen-Virus´. Indes: Der Herrgott hatDirdiese Prüfung erspart.Ichbetrachte diesen Umstand,verzeih mir,Liebste,geradezu als Gnade.]

Die Anzahl der Chipkarten, die man als Individuum im Alltag benötigt, hat sich seit 1990 tatsächlich ebenso vervielfacht wie die Möglichkeiten, auf die Chipkartenbesitzer/-innen Kontrolle auszuüben …

Wenn Deleuze von ´dividuellen´, also teilbaren Karten spricht, fallen jedoch auch andere aktuelle Kartentypen ein, die einer noch effizienteren Kontrollsituation zuarbeiten könnten: die ´Google Street View´-Autos, die dieser Tage durch die Städte fahren, um Ansichten von Straßenpanoramen digital auf Google Maps und Google Earth verfügbar zu machen, erstellen Karten, die ´dividueller´, also weltweit teilbarer sind, als dies vor knapp 20 Jahren denkbar gewesen wäre.“

In welchem Ausmaß, meine Liebe, wir alle kontrolliert werden, müsste selbst dem letzten Ignoranten seit Edward Snowdens Enthüllungen klar sein; in wessen Interesse eine solch allumfassende Bespitzelung betrieben wird, erschließt sich unschwer aus Formulierungen wie 28:

„Außerdem warnte die Regierung … vor einer Gefährdung des Staatswohls. Den Whistleblower auf deutschem Boden zu vernehmen, könne zu ´schweren und dauerhaften Belastungen´ im Verhältnis mit den USA führen, hieß es in einer Stellungnahme …“

Und: „Der frühere Präsident des Bundesnachrichtendienstes, Gerhard Schindler, hat den US-Whistleblower Edward Snowden als ´Verräter´ bezeichnet. ´Ein Verräter bricht Gesetze´, sagte er der ´Berliner Zeitung´“ 29.

Worauf man nur mit Brecht antworten kann: Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht.

[Der werte Leser gestatte dem Herausgeber eine weitere Frage wie Anmerkung: Werden vorgenannte Befürchtungen heute, im Ad-vent 2020 – oh ja, er möge kommen, der Herr oder auch Donald Trump, auf dass wir von unseren Sklavenhaltern befreit werden –, werden all diese Befürchtungen in Zeiten von Corona nicht längst übertroffen: Wann in der Menschheitsgeschichte wurden mehr oder weniger alle Menschen dieser Welt nach Gut- oder auch und eher nach Schlecht-Dünken ihrer „Oberen“ weg- und eingesperrt? Im Heim-Knast. Bei Unbotmäßigkeit auch in Knast-Kollektive. Unterschiedlicher Art. Indes: Derartiges heißt heutzutage, in orwellschem Neusprech, Solidarität. Jedenfalls nach offiziell verordneter Lesart.]

Wie dem auch sei: Die „Klassiker“ sozialer Überwachungs- und Kontroll-Utopien 30 sind längst – mehr oder weniger und oft mehr als weniger – Realität geworden:

Winston Smith landet – in Orwells (1949 erschienener) Dystopie „1984“ – im Umerziehungslager des „Großen Bruders“ und wünscht sich, nach Gehirnwäsche und sonstiger Folter durch die Gedankenpolizei und nach seinem Verrat an dem, was ihm einst heilig, nur noch den Tod; Gegenwehr erscheint zweck- und sinnlos 31.

Aldous Huxleys dystopischer Roman „Brave New World” 32 erschien 1932 und beschreibt die Welt anno 2540; die (künstlich reproduzierten) Menschen gehören (Alpha-Plus- bis Epsilon-Minus-)Kasten an; Sinn und Zweck ihres Lebens besteht in Konsum, Sex und Drogen (unwillkürlich assoziieren sich die Lebensinhalte unserer Jetzt-Zeit); die Kontrolleure der Macht und deren Ausübung werden von den Angehörigen nachgeordneter Kasten als Idole verehrt – bekanntlich wählen nur die dümmsten Kälber ihre Schlächter selber.

In der US-Filmtrilogie „The Matrix“ (1999-2003) leben die Menschen in einer computergenerierten Traum- und Scheinwelt (die dem heutigen Alltag entspricht). Seit sie den Krieg gegen selbst erschaffene Maschinen mit künstlicher Intelligenz verloren haben, verkümmern ihre realen Körper in einer Art von riesigem Brutkasten. „Der erste Teil wurde von der Kritik günstig aufgenommen und entwickelte sich in den Kinosälen zum Dauerbrenner. Zur Legende aber wurde er erst in den Folgejahren durch die Mitwirkung all jener Interpreten, die ihre kruden Zukunfts-, Gesellschafts-, Wissenschafts- oder auch nur Sciencefiction-Modelle hier einem Test unterworfen sahen – und alle fanden sich bestätigt“ 33.

In „Gattaca“, einer filmischen Science-Fiction-Dystopie (1997), werden Menschen schon bei ihrer Zeugung und aufgrund ihrer genetischen Disposition (DNA) als valid oder in-valid klassifiziert und in letzterem Fall (trotz offiziell gegenlautender Bekundungen im Sinne eines Diskriminierungsverbots) erbarmungslos ausgegrenzt; eine vermeintliche Alternative (im Sinne „bestmöglichen“ Nachwuchses) stellt die In-Vitro-Zeugung dar.

Als ein natürlich Gezeugter – euphemistisch „Gotteskind“ genannt, realiter indes als „In-valider“ zu einem depravierten Unterschicht-Leben verurteilt – versucht, seine biometrischen Daten zu fälschen, wird er, brisanter Weise, von seinem eigenen, indes genetisch selektierten Bruder enttarnt.

„In nicht allzu ferner Zukunft beherrschen genmanipulierte, im Labor gezeugte Menschen die Welt, während die natürlich Geborenen keine Chance zum gesellschaftlichen und beruflichen Aufstieg haben … Ein elegisch erzählter Science-Fiction-Thriller als anklagende Parabel über die die Menschlichkeit zerstörende Gen-Manipulation. In verstörend schönen Bildern, spannend erzählt, konzentriert sich der Film ganz auf die zutiefst menschliche Botschaft …“ 34

„Truman Burbank …: Gefangen in einer künstlichen Kleinstadt, die eigens erbaut worden ist, um sein Leben von Geburt an zu dokumentieren. Truman ist unfreiwilliger Hauptdarsteller in einer Re-ality Show [„The Truman Show“ (1998)], der nach 29 Jahren allmählich dahinter kommt, dass hier ein fieses Spiel mit ihm gespielt wird – und am Ende den Ausbruch wagt [, …] aus der Routine. Und aus der Kulisse. Starker Film, der mittlerweile von der Realität eingeholt wurde: Seit 2008 Psychiatrie-Fälle beschrieben wurden, in denen Patienten überzeugt waren, sie seien Hauptdarsteller einer Reality-Show, spricht die Fachwelt vom ´Truman-Show-Wahn´“ TagesWoche vom 12.08.2013 … (wie zit. zuvor). S. auch 35.

Den Überwachungs- und Kontrollstaat im neoliberalen Sinne antizipierte Marcuse bereist vor 60 Jahren, wenn er in „Der eindimensionale Mensch“ 36 schreibt:

„Unter der Herrschaft eines repressiven Ganzen läßt Freiheit sich in ein mächtiges Herrschaftsinstrument verwandeln … Die freie Wahl der Herren schafft die Herren oder die Sklaven nicht ab. Freie Auswahl unter einer breiten Mannigfaltigkeit von Gütern und Dienstleistungen bedeutet keine Freiheit, wenn diese Güter und Dienstleistungen die soziale Kontrolle über ein Leben von Mühe und Angst aufrechterhalten – das heißt die Entfremdung. Und die spontane Reproduktion aufgenötigter Bedürfnisse durch das Individuum stellt keine Autonomie her; sie bezeugt nur die Wirksamkeit der Kontrolle“ 37 – geradezu prophetische Worte im Hinblick auf unsere zeitgenössi-sche Lebenswirklichkeit: Der eindimensionale Mensch ist gekennzeichnet durch ein lineares, univariantes, positi-vistisches und affirmatives Denken; grundsätzliche, qualitative Reflexion gesellschaftlicher Verhältnisse findet nicht (mehr) statt; wir leben in einem Zustand globaler Manipulation.

Dieser Bestandsanalyse setzt Marcuse die „Große Verweigerung“ entgegen, den Ausstieg aus dem System, den er in seinem Essay (von 1969) „Versuch über die Befreiung“ begründet und wozu er bereits in seiner berühmten Vorlesung (an der FU Berlin, 1967) „Das Ende der Utopie“ ausführt 38e.H.:

„Das kommt meiner Meinung nach am klarsten in jener Unterscheidung zwischen dem Reich der Freiheit und dem Reich der Notwendigkeit