Niemand rettet sich allein - Margaret Mazzantini - E-Book

Niemand rettet sich allein E-Book

Margaret Mazzantini

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Beschreibung

Das zeitlose Drama eines Paares zwischen Liebe und Entfremdung Rom: Ein Sommerabend in einem Straßenrestaurant. Delia und Gaetano trinken lustlos einen Wein. Sie waren einmal ein Liebespaar, dann haben sie eine Familie gegründet. Sie waren glücklich. Jetzt lebt Gaetano in einem Hotel, und Delia ist mit den kleinen Söhnen Cosmo und Nico in der Wohnung geblieben. Delia und Gaetano sind jung, zwischen dreißig und vierzig, sie könnten noch einmal von vorn anfangen, jeder für sich. Sie träumen von einem erfüllten Leben, sie wollen ihre Freiheit auf keinen Fall aufgeben. Aber noch immer ist da diese gegenseitige Anziehung … Wenn nur die fade Vertrautheit nicht wäre, die langweiligen Rituale! Die anfängliche Leidenschaft und die Wut, die ihrer Liebe ein Ende gesetzt hat, sie liegen gefährlich nahe beieinander. Margaret Mazzantini setzt das zeitlose Drama von Liebe und Entfremdung, von Nähe und Distanz vor der flimmernden Kulisse dieses italienischen Sommerabends so eindringlich in Szene, dass es schmerzt.

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Seitenzahl: 241

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MARGARET MAZZANTINI

NIEMAND RETTET SICH ALLEIN

Roman

Aus dem Italienischen

von Karin Krieger

Die Originalausgabe erschien 2011 unter dem Titel

Nessuno si salva da solo bei Arnoldo Mondadori Editore S.p.A., Mailand.

Copyright © 2011 Margaret Mazzantini

eBook 2013

© 2013 für die deutsche Ausgabe: DuMont Buchverlag, Köln

Alle Rechte vorbehalten

Aus dem Italienischen von Karin Krieger

Umschlag: Lübbeke Naumann Thoben, Köln Umschlagmotiv: © plainpicture/lightmotiv

eBook-Konvertierung: CPI – Clausen & Bosse, Leck

ISBN eBook: 978-3-8321-8755-2

www.dumont-buchverlag.de

One love

One blood

One life

»Willst du etwas Wein?«

Kaum dass sie das Kinn bewegt, eine unbestimmte Geste, unwillig. Gedankenverloren. Sie scheint weit weg zu sein, woanders, bei etwas, das ihr am Herzen liegt, und das ist natürlich nicht er.

Man hat sie an diesen Tisch gezwängt, mit den Platzdeckchen aus Wurstpapier, mitten hinein ins Gewühl. Delia hat ihre Tasche noch über der Schulter.

Sie wirft einen Blick auf das ältere Paar einige Tische weiter. Dort drüben hätte sie lieber gesessen, in dieser stilleren Ecke. Den Rücken geschützt, dicht an der Wand.

Gaetano schenkt ihr ein. Mit einer ausladenden, etwas lächerlichen Bewegung. Die hat er von dem Sommelier, den er sich nachts, wenn er nicht schlafen kann, im Fernsehen anschaut. Sie sieht zu, wie der Wein fließt. Mit diesem wunderbaren Geräusch, das heute Abend vollkommen sinnlos wirkt. Mangelnde Liebe lässt sich nicht mit gutem Wein versüßen, da helfen alles Getue und alles Geld nicht.

Er hätte vielleicht nicht in ein Restaurant mit ihr gehen sollen, fürs Essen, fürs Warten auf die einzelnen Gänge hat sie nichts übrig. Ihre beste Zeit hatten sie immer spontan, mit einem Kebab, mit einer Tüte Esskastanien, die Schalen auf den Boden gespuckt.

Im Restaurant ist es nie besonders gut gelaufen. Dahin gingen sie erst, als sie schon ein bisschen Geld hatten, als das Idyll bereits quietschte wie eine kaputte Schaukel.

Die Kellnerin hat die Speisekarte auf den Tisch fallen lassen.

»Was wollen wir essen? Wonach ist dir?«

Delia zeigt auf ein vegetarisches Gericht, irgendeinen Gemüsekuchen, irgendeinen Mist. Doch Gae hat sich wirklich hingesetzt, um zu essen, um sich gründlich zu trösten.

Delia nimmt ihr Glas, das er halb voll gegossen hat, einen dieser viel zu bauchigen Kelche. Sie führt es an die Lippen, ohne wirklich zu trinken, dann hält sie es sich an die Wange. Es ist fast größer als ihr Gesicht.

Sie hat abgenommen. Durch diesen ganzen Beziehungsstress ist sie dünn geworden. Gae fürchtet einen Moment lang, ihre alten Probleme könnten wiederaufgetaucht sein.

Als sie sich kennenlernten, hatte sie gerade eine Magersucht hinter sich. Bei den ersten Zungenküssen hatte sie ihn ihre Zähne spüren lassen, die von der Säure des Erbrochenen angegriffen waren. Sie ähnelten frisch gewachsenen Kinderzähnchen, die das Zahnfleisch gerade erst durchbrochen haben. Das hatte ihn ziemlich schockiert, schien ihm aber auch ein Zeichen für eine gewisse Vertraulichkeit zu sein. Es war schön, sich über den eigenen Kummer auszutauschen, ihn sich anzuvertrauen. Auch er schleppte viel Mist mit sich herum und konnte es kaum erwarten, ihn vor den Füßen eines Mädchens wie ihr abzuladen.

Bis dahin hatte er nur oberflächliche Beziehungen gehabt. Er versteckte sich hinter den geschmeidigen und leicht grausamen Manieren eines Ghettotigers. Er spielte Schlagzeug, und das machte ihn zu einem coolen Typen. Er hatte tief liegende Augen und eine leicht vorstehende Stirn, ein bisschen wie ein Höhlenmensch, und er konnte es sich leisten, den Geheimnisvollen zu spielen, ohne es allerdings auch zu sein. Eigentlich war er hoffnungslos sentimental und auf der verzweifelten Suche nach einer Liebe. Er hatte junge Eltern, auf die kein Verlass war, die aber trotz allem noch zusammen waren. Deshalb hatte er so etwas wie ein Ideal. Er fühlte sich unverdorbener als die meisten, die er kannte. Mit diesem in seiner Welt der Ketamine und harten Fickereien etwas albernen Ideal kam er sich oft vor wie Frankensteins Monster, wie ein armer Teufel, der aus nicht zusammenpassenden Leichenteilen zusammengeflickt war.

Delia hatte ihn angezogen. Hatte die Arme geöffnet und die Tore zu einer tiefen Beziehung. Hatte sich in seinen Mund gedrängt. Diese von mangelnder Selbstachtung zerfressenen Zähne hatten ihn verrückt gemacht vor Schmerz und Liebe.

Die Kellnerin knallt den Brotkorb hin.

»Am liebsten würde ich verreisen.«

Sie hat alles Recht der Welt zu verreisen. Sie muss wirklich erschöpft sein. Sie sind beide erschöpft.

»Am liebsten würde ich nach Kalkutta fahren.«

Kalkutta, das ist so ein alter Fimmel von ihr. Die Stadt Tagores, ihres Lieblingsschriftstellers. Der Schmerz vergeht, doch das Vergessen bleibt … Wie oft ist sie ihm mit Tagore auf die Nüsse gegangen.

»Das ist jetzt vielleicht nicht die günstigste Zeit.«

»Wahrscheinlich läuft es darauf hinaus, dass ich mit Fieber und Durchfall in einem Hotelzimmer hängenbleibe.«

Jetzt lächeln sie ein bisschen.

»Stimmt, eine tolle Idee ist das nicht gerade.«

»Ich muss mal allein sein, ohne die Kinder. Aber ich kann nicht sehr weit weg.«

Sie hat Angst davor, sie zurückzulassen.

Häufig lässt sie sie einfach auf dem Fußboden, wo sie wie Häschen um sie herumhoppeln und mit ungeeigneten Sachen spielen, mit dem Korkenzieher, mit dem umgeworfenen Telefon und seinem Tuuut. Sie sieht ihnen liebevoll, doch eigentlich teilnahmslos zu. In einer Abstraktion steckend. Einer Scheinwelt. Wo die Liebe nichts verlangt und nicht wehtut. Wo die Kinder angenehme Geister sind, ohne reale Bedürfnisse. Sie wollen nichts essen und müssen nicht auf den Topf.

Seit Kurzem ist die Schule aus. Die Ferien haben begonnen, der große Raum der drei freien Monate.

»Fahr doch irgendwohin, wo es fröhlicher ist.«

»Es hat keinen Zweck, in eine Richtung zu gehen, die deiner Stimmung entgegengesetzt ist.«

Gae schlürft einen Schluck Wein. Er kennt sie, sie braucht es, tief erschüttert zu sein. Die Leere des Wohlstands langweilt sie, tötet sie ab.

Fast zehn Jahre hat er mit ihr zusammengelebt. Sie hat sie darauf verwandt, sich darüber auszulassen, wie andere ihr Geld ausgeben, um dann Neuem nachzujagen, und wie sie sich sinnlos abrackern, nur um ein paar läppische Emotionen, verschwommene Melancholien und Depressiönchen abzugreifen.

»Weißt du, was das Problem ist? Dass kein Mensch mehr den Mut hat, das Einfachste von der Welt zu tun, nämlich sein Leben auf den Punkt zu bringen. Was die Menschen seit jeher als einzige Möglichkeit getan haben, nämlich zu kämpfen und alles aufs Spiel zu setzen, erscheint uns nicht der Mühe wert.«

Gaetano nickt. Er hat auf der Karte das Frühlingskotelett erspäht, fett und schwer, doch mit Tomatenstückchen obendrauf, die es sommerlich aussehen lassen und Gae die Absolution erteilen. Seine Blicke suchen die Kellnerin, ihren Hintern in den abgewetzten Jeans.

»Wir halten es für überflüssig, uns selbst zu erkennen.«

Nach solch vernichtenden Urteilen scheint Delia sich besser zu fühlen. Klüger als der Durchschnitt.

Wieder führt sie ihr Glas an die Lippen.

»Wir sind alle depressiv. Depressive Idioten.«

Gae senkt den Kopf, er zerpflückt ein Stück Brot. Natürlich hatte sie es auf ihn abgesehen. Mit dieser Absicht hat sie sich hingesetzt: ihn abzukanzeln. Damit er sich wie ein Versager vorkommt. Wie einer von denen, die ihr Leben nicht auf den Punkt bringen.

»Das ist nicht gerade ein Trost.«

»Es war nicht meine Idee, essen zu gehen.«

Ihm ist klar, dass ein guter Einstieg in den Abend anders aussieht. Er ist Drehbuchautor. Wäre er ehrlich, müsste er das Skript zerreißen und noch mal von vorn anfangen.

Delia hat sich die Haare gewaschen und sich geschminkt. Um ihm zu zeigen, dass sie klarkommt. Um eine Mauer der Würde zu errichten. Sie trägt ein Kleid, das er nicht kennt oder an das er sich nicht erinnert.

»Ist das neu?«

»Das hatte ich schon.«

Er freut sich, dass sie dieses Kleid mit dem U-Boot-Ausschnitt angezogen hat. Freut sich, dass er sie aus der Reserve gelockt hat. Stellt sich vor, wie sie sich ankleidet, wie sie die hochhackigen Sandalen anzieht.

Auch er hat sich mit einem neuen weißen Hemd in Schale geworfen. Hat sich im Hotelzimmer vor dem Spiegel das Haar zurechtgezaust. Hat sich ans Reck gehängt und fünfzig Klimmzüge gemacht.

Er genießt es, hier zu sein. Weit weg von den Jogginganzügen, vom Geruch des Kinderabendbrots. In diesem Niemandsland auf dem Bürgersteig.

Es ist eines von diesen kleinen, neumodischen Lokalen, eine Trattoria mit guter, neu aufgelegter Hausmannskost und einer recht ansehnlichen Weinkarte. Dieses eher heitere, zwanglose Restaurant hat Gae ausgesucht. Die Tische kippeln ein bisschen auf dem unebenen Asphalt.

Er hatte gehofft, das Provisorische würde ihnen helfen, unbefangener und lockerer zu sein. Ganz nach dem Motto: Wir sind rein zufällig hier, wir essen was oder knabbern was, doch wenn du willst, können wir auch aufstehen und in der Dunkelheit ein paar Schritte gehen. Er wollte, dass sie sich wohlfühlt, weiter nichts. Wenigstens einen Abend lang. Dass sie zusammen wieder unbeschwerter werden.

Er überlegt, wann sie ihre Unbeschwertheit verloren haben. Wann die Verschmelzung ihrer unausgeglichenen Energien zu diesem bleiernen Band geführt hat.

Offenbar schauen sie beide dasselbe an, das sackleinenfarbene Papier unter ihren großen Tellern. Delia streicht über ihres, neben den Gabeln, und reißt mit dem Fingernagel einen Zipfel ab.

Er kann diese kleine Schweinerei nicht mit ansehen. Alles war doch so angenehm und nett. Schon diese winzige, fast unsichtbare Geste genügt, um ihm die Laune zu verderben. Hätte er weniger Selbstbeherrschung, würde ihm das allein schon reichen, um alles zum Teufel zu jagen. Am liebsten würde er sie am Handgelenk packen und es verdrehen.

Delia rollt das Papierstückchen zusammen, hält es über die Kerze und lässt es in das weiche Wachs fallen wie eine tote Fliege.

Die Kellnerin kommt und fragt, was sie haben wollen. Sie ist ein hübsches Mädchen, sie sind alle hübsch hier, und blutjung.

»Ich hätte gern das Frühlingskotelett.«

Die Kellnerin kritzelt auf ihren Notizblock und zieht die Nase hoch, sie hat es eilig:

»Und du?«

Delia weicht zurück. Dieses Du gefällt ihr nicht. Sie hat sich noch nichts ausgesucht, hat keinen Hunger. Sie starrt die Kellnerin an, diesen nackten Bauch, der an ihrem Tisch lehnt.

Gae missfällt die Situation, er möchte dem Mädchen sagen, dass es einen Schritt zurücktreten soll. Als sie sich über den Tisch des älteren Paars gebeugt hat, um die Bestellung aufzunehmen, hat sie sich wie eine Katze geräkelt, wobei sie einen kleinen, festen Hintern zur Schau stellte, und Gae konnte gar nicht anders, als zu bemerken, dass sie genau die richtige Stellung eingenommen hatte. Wer weiß, was das für eine war. Das ist die Sorte Gedanken, die einen Mann tyrannisiert, und das wusste dieses Mädchen natürlich.

Er klopft sich mit einem Finger gegen die Lippe, ohne Delia anzuschauen. Er fühlt sich auf frischer Tat ertappt, wenn auch eher schuldlos. Seit einigen Monaten hat er wieder Sexfantasien, seit dem Nachmittag am Geburtstag seines Sohnes. Vorher, als es ihm wirklich schlecht ging, hätte Megan Fox nackt an ihm vorbeispazieren können, und er hätte nur gesagt, sei mir nicht böse, Süße, aber ich habe zu tun, ich bin vollkommen erledigt und habe nicht die geringste Lust, so kurz vor dem Ende noch zu ficken.

Delia lässt den Gemüsekuchen sausen. Sie bestellt eine Reissuppe mit dem Gemüse der Saison und erkundigt sich, was für Gemüse das denn sei, ob etwa Ingwer darin sei. Sie ist allergisch gegen Ingwer, doch inzwischen wird er überall verwendet, wegen dieser Sehnsucht nach dem Orient, der den düsteren Westen angeblich leichter macht. Sie hat herausgefunden, dass der ganze importierte Ingwer aus China kommt und dass er, weil er ja eine Wurzel ist, das Schlimmste dieser giftigen, mit Chemie vollgepumpten Kulturen aufnimmt.

Gae stopft bei jeder sich bietenden Gelegenheit Ingwer in sich hinein, in japanischen Restaurants verschlingt er ganze Schüsseln. Das ist eine Art Terror, gegen Delia, gegen Daruma. Oder vielleicht schmeckt es ihm ja auch einfach nur.

Am liebsten würde er irgendwann wieder so leben, ohne darüber nachzudenken, was er sich in den Mund schiebt, so wie früher, vor zehn Jahren.

Doch heute Abend ist ihm, als könnte es vielleicht nie wieder möglich sein, die Dinge zu genießen, ohne auf der Hut zu sein und die Fäuste vors Gesicht zu nehmen.

Alles in allem wird es wohl eher hart werden. Er hat sich verändert. Tief in seinem Innern. Aber war es denn nicht eigentlich genau das, was er wollte, als er sich mit Delia einließ? Ein Mensch werden, der stärker bei sich selbst ist, der aufmerksamer ist. Einer dieser Typen, die man aus Filmen kennt, die Entscheidungen treffen können, mit ihrem Leben und ihrer Frau hinter sich. Und sie schien tatsächlich unglaublich verfügbar zu sein. Ein Mädchen, das bereit war, alles hinter sich zu lassen, um eine Familie zu gründen, sich um ihn zu kümmern und ihm zu helfen, der Mann zu werden, der werden zu können er nie gehofft hatte.

In einer Welt, die nun wirklich nicht zu Anständigkeit einlud, war ihm Delia wie ein Leuchtturm erschienen, wie ein Riese. Ihm gefielen Mädchen mit zerknitterten Röcken, Turnschuhen und komischen Hüten, solche, die immer ein Buch unterm Arm haben. Wie Delia. Ein fortschrittliches Wesen, von zeitgenössischen Leiden durchdrungen, aber mit einem ruhigen Herzen irgendwo unter ihren weiten Pullovern. Einem fernen Herzen, nicht schwankend und doch erschüttert von den Bewegungen des Meeres, wie ein Anker.

»Ich könnte ja auch nach Schottland fahren.«

Von Kalkutta nach Schottland ist es ein beachtlicher Sprung. Gae hat ein Glas Wein hinuntergestürzt und nickt jetzt müheloser. Er reißt die Augen auf, mit dem typischen Idiotengesicht, das er immer aufsetzt, wenn er Interesse für etwas zeigen will, das ihm natürlich trotzdem entgeht.

Delia ist ernst, mit einer ihrer dramatischen Mienen grübelnd. Die Stirn angespannt wie die eines Skippers der New Zealand.

»Wir waren nie in Neuseeland, und jetzt werden wir wohl auch nicht mehr hinfahren.«

Gae lächelt schwach, wie üblich, mit Zärtlichkeit und Verachtung.

Er sagt ihr nicht, dass er auch gerade an Neuseeland denkt. An diese lange Reise, die er gern mit den Kindern unternommen hätte, kilometerweit unberührtes Land und jede Menge Schafe.

Das gehört zu den Dingen, die ihn am meisten aufregen, weil sie ihn beeindrucken. Dass sie gleichzeitig an dasselbe denken. An etwas ohne jeden Bezug zur jeweiligen Situation und zu dem Gespräch, das sie gerade führen, etwas, das von weit her angesprungen kommt und ihnen zur selben Zeit in den Kopf fährt.

Früher haben sie gelacht, ihre kleinen Finger miteinander verflochten, schnipp oder schnapp? gesagt und sich etwas so Blödes gewünscht, dass sie sich dann nicht darum kümmerten, ob es auch in Erfüllung ging. Beim letzten Mal, als das so war und er seinen kleinen Finger um den von Delia hakte, wünschte er sich, hoffentlich kriegen wir das hin. Zusammenzubleiben.

Jetzt ist ihm dieses Spielchen scheißegal, sie werden es nie wieder spielen, und es hat ihnen kein Glück gebracht, genauso wenig wie so vieles andere.

Auch die Kinder haben ihnen kein Glück gebracht. Aber für diesen Gedanken schämt er sich dann doch.

Wenn die Kinder nicht wären, wäre er nicht hier, vor der hier. Aber wer ist die hier? Wie oft hat er das schon gedacht, warum schlüpft man lieber in die eine Jacke statt in eine andere? Bloß um sich dann so schlecht zu fühlen.

Wie oft hat er das schon gedacht, wer kennt dich? Wer bist du? Warum muss ich alles von dir über mich ergehen lassen? Deine intimsten Gerüche und alles andere. Dein enttäuschtes Gesicht, das hier vor mir sitzt.

Er starrt in die Leere vor sich. Ein Kotelett zieht vorbei und ist nicht für ihn. Es ist für den Alten am Tisch an der Wand. Er sieht eine alte, sonnengebräunte Hand, die sich zum Dank erhebt. Wahrscheinlich ein alter Bonvivant, einer dieser Gäste, deren Name auf dem Tisch steht. Er hält die Kellnerin am Arm zurück, bringt sie zum Lachen. Er tut so, als würde er Geige spielen.

Irgendwo ein Stück weiter ist eine Musikschule. Gae fällt ein, dass er dort mal Tonfolgen gehört hat, die aus einem Hof zu ihm herüberklangen. Er hat überlegt, ob er einfach reingehen und sich erkundigen sollte. Eigentlich würde er gern wieder Musik machen. Er hat es nie richtig gelernt, spielt nach Gefühl.

Es ist ein Fehler, nach Gefühl zu spielen. Es bringt dich ein Stück weit, dann lässt es dich im Stich. Wenn du anfängst, dich zu verhärten, hast du überhaupt nichts mehr, das Gefühl stirbt jung. Verwandelt sich in Argwohn. Und du bleibst ein simpler, seiner Beschränktheit ausgesetzter Stümper.

Sie hatten auch aus der Ferne miteinander geschlafen, mehr als einmal. Ohne es sich zu sagen, sie begannen zu schwitzen, sich mitten in einem Park, in einem Bus zu winden. Die bloße Vorstellung war ungemein stark, sie waren Arme, die die Rippen aufbrachen. Als ob der eine am entgegengesetzten Ende der Stadt das Herz des anderen suchte, durch Wände von Autos und Beton.

»Ich habe mir heute vorgestellt, dass ich mit dir schlafe.«

»Ich mir auch.«

»Wo? Wann?«

Sie brachten sich in Ekstase (damals waren sie wirklich ganz schön in Fahrt), es war ein Extrem, das nur Mystiker kennen, Leute, die jahrelang üben, sich in einer außerkörperlichen Dimension aufzulösen. Für sie dagegen war es leicht, einfach notwendig.

Doch Gae glaubt das nicht mehr, er weiß nicht mehr, ob es wirklich passiert ist.

Wenn da nicht Delia vor ihm säße. Und ihn daran erinnerte, dass es wirklich passiert ist.

Nein, es war nur Geilheit auf der Suche nach einem rosa Kleid für das Fest der Liebe.

Außerplanmäßige Samenergüsse durch feuchte Träume.

Delia denkt jetzt daran.

Jedes Mal wenn sie Gae vor sich hat, seine Schultern, das Stückchen Haut, das im Hemd verschwindet, fragt sie sich, warum sie nicht angehalten hat, warum sie nicht zurückgewichen ist. Vor jener Schwelle.

Sie hätte bloß mit ihrer Freundin Micol mitfahren müssen, wie es in jenem Sommer nachstudentischer Leere geplant war. London war so erfrischend, die Nummer eins auf dem Gebiet der Makrobiotik und des biodynamischen Anbaus. Dort hätte sie ihre Karriere als Ernährungsexpertin in Angriff nehmen können. Nachts kellnern und tagsüber Abenteuer.

Micol ruft sie manchmal noch an. Sie ist dort geblieben, in einer Wohnung in South Kensington. Sie arbeitet als Bühnenbildnerin am Theater und findet, ganz wie eine ordentliche fortschrittliche Britin, die Labours unter aller Sau. Auch sie hat ein Kind und einen Lebensgefährten. Der sie betrogen hat und den sie betrogen hat. Trotzdem stehen sie sich sehr nahe. Delia ist unbegreiflich, wie man sich nahestehen und sich gleichzeitig in fremden Betten wälzen kann.

Oder vielleicht versteht sie es doch. Sie versteht jetzt vieles, was sie nie hatte verstehen wollen. Kennt sämtliche Graustufen.

Schwarz ist eine Farbe, die sie gesehen und weggeschoben hat. Trotzdem ist sie da.

Was Weiß angeht, gehört es nur noch den Kindern. Ihrem Hals, wenn sie krank sind, ihren Zeichenblättern.

Auch sie hätte fortgehen können, weg aus diesem Viertel, weg aus diesem Park, wo sie als junges Mädchen gekifft hat und jetzt mit den Kindern spazieren geht und das Papier aufhebt, das andere wegwerfen.

Sie hätte ein anderes Leben führen können, ein skrupelloseres. Eines dieser einsamen, egoistischen Leben, in denen man beschließen kann, nach Kalkutta oder nach Aberdeen zu fahren, sich zu verlieren. Sich zu finden.

Sie hat sich auch so gefunden.

Einmal hat sie zu Gae gesagt, die Menschen werden bloß das, was sie sind.

Doch sie war nicht so.

Sie war wirklich viel unverdorbener. Und wenn das Leben so ein Schwindel sein muss …

Dann war sie eben so.

Mit fünfunddreißig Jahren hatte sie eine Tür im Rücken, eine zugeschlagene, kaputte Tür.

Mit fünfunddreißig Jahren noch immer reglos auf der Schwelle.

Man brauchte sich Gaetano nur etwas genauer anzuschauen, um zu sehen, dass er nicht zu ihr passte, dass sie nicht zusammenpassten. Sie waren der Aufgabe, die sie sich vorgenommen hatten, nicht gewachsen. Zwei Möchtegerne voller Gefühlslücken. Sie hatten sich innerhalb weniger Stunden gründlich beschnuppert. Davon überzeugt, jede Lücke mit bloßer Gedankenkraft ausfüllen zu können. Schon in diesem Überschwang nistete der Keim der Zerstörung. Zwei mit Kompensationen betonierte Schüchterne, die sich gegenseitig die eine große Lüge zuschieben, die ihrer Verbundenheit. Der krasse Inbegriff eines Paars von heute.

»In Schottland ist es wenigstens nicht so warm.«

Tja, sie verträgt Hitze nicht so gut, und er weiß das natürlich. Alles ist noch viel zu nah, als dass ihm die Gnade zuteil werden könnte, irgendetwas zu vergessen, was sie betrifft.

»Ich weiß auch nicht, vielleicht fahre ich gar nicht, ich bleibe hier. Ich werde zu Hause bleiben und lesen.«

Gae fragt sich nicht, welches Buch sie wohl gerade liest oder lesen will.

»Ja, vielleicht ist das das Beste.«

Als sie noch unter einem Dach wohnten, hat ihn das interessiert. Er stopfte sich mit anspruchslosem Mist voll, Autobiografien von Rocksängern und von jungen, bis zu den Augenlidern tätowierten Neonazis oder Ratgebern für angehende Schriftsteller. Jahr für Jahr konnte er es sich nicht verkneifen, sich das große Guinness-Buch der Rekorde zu gönnen. Er wieherte vor Lachen über den Mann mit der dehnbarsten Haut der Welt, die von den meisten Piercings durchstochen war. Ihn faszinierten Verkrüppelungen, alles, was ins Auge sprang, Mehrlingsgeburten, bei denen die Föten aussahen wie Ameisen in ihren Löchern.

»Du solltest mal darüber nachdenken, warum dir so abartige, ekelhafte Sachen gefallen.«

»Ich finde das lustig. Das inspiriert mich.«

»Das bringt dich weg von der Realität.«

»Das will ich ja gerade.«

Das normale Leben fand er ätzend, er wollte da nicht bis zum Hals drinstecken. Er begeisterte sich für drittklassige Horrorfilme und Psycho-Fantasy-Mist.

»Genau das soll ein Buch oder ein Film ja leisten … dir einen Tritt verpassen und dich so weit wie möglich von deiner eigenen Scheiße wegbringen.«

Er war so heruntergekommen, in der Pökelsoße der Vorauszahlungen für Fernsehspiele zu leben. Doch die Ausbeute, die er seit Jahren in seiner Mac-Datei hatte, war auch nicht besser, ein chemischer Albtraum zum Ausflippen, ein urbanes Märchen mit Zwergen und verhurten Feen. An ihren besseren Abenden las er Delia ein paar Seiten vor, und sie waren mächtig ergriffen.

Delia bevorzugte Geschichten ohne Handlung, nur breit ausgewalzte Gefühle und Menschen, die sich streifen, ohne je wirklich zueinanderzukommen. Fickereien ohne Samenerguss.

Ja, die gleiche Geschichte, wie wenn sie im Bett waren. Er wäre gern viel früher fertiggeworden, doch sie lag da und starrte ihn an, in Erwartung wer weiß welcher Ewigkeit.

Sie erwischte immer die besten Bücher. Afrikanische Autoren, unbedeutende, verkannte Schriftsteller. Sie deckte sich in einem kleinen Buchladen ein und hatte ein gutes Händchen. Als Lesezeichen legte sie eine Haarnadel zwischen die Seiten. Vielleicht wurden diese Bücher schon durch den Umstand besser, dass sie sie ausgesucht hatte.

Heute Abend löst bereits die bloße Vorstellung von Delia, die sich von der Lektüre abgezehrt im Achselshirt und abgeschminkt im Sessel fläzt, eine leichte Übelkeit bei ihm aus.

Heute Abend weiß er es. Die Leute sollten sich trennen, bevor sie an diesen Punkt kommen. An den sie beide gekommen sind. Denn danach bleibt zu viel Elend zurück.

Aber das passiert nicht: Du gehst bis ans Ende, schluckst die ganze Scheiße bis zur Neige, auch die, die euch gar nichts angeht, die aus den Gullys quillt, die des ganzen Wohnblocks, der ganzen Stadt und sämtlicher Paare, die sich vor euch oder zeitgleich mit euch getrennt haben. Denn die Scheiße spricht in ihren unterirdischen Kanälen und ihr hört hin. Alle Paare, die sich trennen, landen in derselben Grube, drehen alle dieselbe Runde durch das Schloss des Grauens.

Nein, man sollte wirklich nicht da hinkommen, wo sie beide hingekommen sind.

Bei den ersten Anzeichen sollte man gehen, das Feld räumen. Denn es wird nicht besser, es wird schlimmer und schlimmer.

Aber das wissen die Leute nicht. Die Leute hoffen und leiden weiter.

Doch kein Mensch weiß, wie sehr, nur wer es erlebt hat, weiß, wie sehr man leidet.

Wenn du nach Hause kommst und wenn du gehst. Wenn du anfängst, mit Dingen zu schmeißen, mit der Kaffeetasse, in die du dir Wein eingegossen hast, oder mit dem CD-Stapel. Wenn das kleine Kind weint und das große nur ein- und ausatmet, wie eine Katze, die sich nicht finden lassen darf. Denn es hat schon gelernt. Und du siehst deine Kinder nicht mal an, weil sie dir ganz einfach nicht auf die Eier gehen sollen. Weil du deine Eier am liebsten nie in die Welt getragen hättest. Weil du wirklich das Gefühl hast, nichts wert zu sein. Sie ist es, die dich so kaputtgemacht hat.

Du hast recht. Du weißt, dass du mit deinen Argumenten recht hast.

Auch sie weiß, dass sie mit ihren Argumenten recht hat.

Dabei gibt es überhaupt keine Argumente mehr.

Auch die Kinder wissen, dass sie kein gutes Argument sind.

Auch sie wissen, dass sie nichts wert sind.

Keiner ist mehr was wert. Es wird Zeit brauchen, bis man wieder was wert ist. Hunde, die verletzt sind und bissiger.

Doch inzwischen ist die Familie tot. Bestehend aus unvernünftigen Menschen. Aus durchgedrehten Kindern, die ins Bett pinkeln und morgens um zwei Hunger haben.

Das ist dann der Gipfel. Wenn ihr euch umgebracht habt und weiterlebt, Opfer und Mörder im selben Küchenloch.

Der Moment, in dem du am liebsten sterben würdest, aber doch weißt, dass niemand sterben wird, und das ist noch viel schlimmer.

Dieses Scheißkind sieht dich an, völlig verrotzt.

Und es ist wirklich klein. Und es ist wirklich deins. Und du weißt, dass das alles wirklich ungerecht ist. Aber du kommst nicht dagegen an.

Die Dinge sind schiefgelaufen, haben sich verkeilt wie verhexte Äste, und in diesem Dickicht lastet ein Baumstamm schwer auf deiner Brust. Du erstickst.

Gaetano klammerte sich an den Wii-Controller, er nahm die Kurven am Fahrsimulator mit dreihundert Sachen. Sie versuchte, ihn wieder zwischen sie zu bringen.

»Sieh dir mal zehn Minuten Cosmos Hand an.«

Er lachte.

»Ich habe sie angesehen, und weiter?«

»Aber nicht zehn Minuten lang.«

»Ist doch das Gleiche, was für ein Quatsch.«

»Wenn du die Hand mal richtig ansehen würdest …«

»Was dann?«

»Dann wüsstest du, wo du bist. Wo du sein sollst.«

Heute Abend sind sie in diesem Restaurant mit den bereits sommerlichen Tischen. Ringsumher andere Pärchen, anderer Wein.

Delia betrachtet ihren Exmann, dieses immer ein bisschen angewiderte Unschuldsgesicht. Das Gesicht eines Mannes, der nie was erreicht hat, immer ist er kurz vorher weggerutscht. Er ist immer ein Weichei gewesen, wenn sie es recht bedenkt. Wenn sie dieses Lächeln von ihm wegnimmt. Seine Art, sie am Hals zu packen wie eine Pflanze, die man aus ihrem Topf gezogen hat, und sie heftig zu küssen. Ihr diese Sachen zu sagen … Du fehlst mir, du wirst mir immer fehlen, ich kann ohne dich nicht sein, du bist für mich geboren, ich bin für dich geboren.

Die Teddybären sind es, die dich verarschen. Jetzt weiß sie es. Diese falschen Plüschtiere. Die, die diese Sehnsucht in dir wecken. Nach einem kuschligen Spielzeug, das du bei dir unter der Decke behältst.

Sie ist es, die dumm war. Wartend, wie eine Bettlerin vor einem Kino, in dem ein Liebesfilm gezeigt wird.

Sie lehnt sich zurück. Versucht, Gaetano mit Distanz zu betrachten. Wenn sie die Augen leicht schließt, kann sie ihren Körper betäuben.

Sie meditiert jetzt jeden Tag zwanzig Minuten. Die Technik hat sie aus dem Internet. Es tut ihr gut. Das Gekläff der Gedanken verjagen. Die Tafel abwischen.

Heute Morgen hat sie sich auf die Äpfel konzentriert, die sie in der Küche hatte. Sie drang ins Fruchtfleisch ein, in den Duft und zwischen die Kerne des Gehäuses.

Danach, als sie einen Apfel für die Kinder aufschnitt, weinte sie ein bisschen. Doch es war ein angenehmes Weinen.

Sie muss lernen da zu sein. Einfach nur da zu sein. In ihr Leben zurückzukehren. Endgültig die Hand von dieser Wange zu nehmen. Und einen Schritt nach vorn zu tun.

Eine Frau, die im Supermarkt stehen bleibt und eine Flasche Milch umklammert, ohne zu wissen wohin, hat es nicht leicht.

Gaetano lächelt. Er spürt das Gewicht dieses Blickes, der ihn nicht liebt und über ihn richtet. Er zappelt mit dem Bein am Tisch. Ist ungeduldig. Hat Hunger. Weiß nicht, was er hat. Lässt den Tisch zittern.

Delia drückt mit der Hand dagegen, um die Vibration zu stoppen. Und spürt die Nervosität, die er auf sie überträgt … ein Kurzschluss falscher Pole.

Cosmos Geburt fällt ihr ein.

Auch in jener Nacht haben sie gezittert.

»Wozu sind wir hier?«

»Um über den Sommer der Kinder zu reden.«

Das Kotelett kommt. Die Kellnerin knallt es hin. Gaetano nimmt die Gabel und richtet sie auf Delia.

Für einen kurzen Moment sieht er aus wie Cosmo, wenn er sie um eine Bestätigung bittet und mit den gleichen, ins Leere gerichteten Augen wartet.

Gaetano nimmt auch das Messer, er schneidet großzügig, steckt sich ein ordentliches Stück in den Mund und kaut wie ein Pferd, wie einer, der was ergattert hat.

Delia streift ihn seufzend mit dem Blick, ohne ihn wirklich anzusehen. Sie ist ungeduldig, hat aber keinen Hunger. Sie hat nichts zu erwarten.

Als man ihr die Reissuppe hinstellt, starrt sie sie an wie einen fernen Planeten, wie einen Mond in einer Pfütze, unerreichbar.

»Schmeckt’s?«

Delia wackelt mit dem Kopf. Es ist kein Ja, kein Nein.

Er hätte nicht mit ihr essen gehen sollen. Er hätte in die Wohnung kommen sollen, die Kinder ein bisschen um sich haben und dann in der Küche reden sollen, während Cosmo und Nico sich eine Comic-DVD anschauten, die er in die Playstation geschoben hätte.

Eine schnelle Angelegenheit, vernünftig und praktisch. Sie barfuß, in Jogginghosen, und er ohne sich auch nur die Jacke auszuziehen.