Beschreibung

Tausende von Jahren nach dem Bau der Mauer, die errichtet wurde, um die Nordsee fernzuhalten, unterscheidet sich das Europa dieses Bronzezeitalters sehr von dem Land, das unsere Vorfahren kannten. Ganz Nordeuropa, einschließlich Doggerland – jene gewaltige Ebene, die Großbritannien mit dem Festland verbindet –, ist eine spärlich besiedelte Wildnis aus Sümpfen und Wäldern. Ein reichhaltiges Land. So reichhaltig, dass es die neidischen Blicke jener auf sich gezogen hat, die in den von Dürren geplagten Ländern rund ums Mittelmeer leben. Eine Frau, die sich von ihrer Vergangenheit losreißen will, und ein Mann, der danach trachtet, im Norden ein Imperium zu errichten, werden aneinander geraten. Ein Krieg braut sich zusammen, und es ist ein Krieg, der über die Zukunft unserer Welt entscheiden wird. Ein Krieg um die Kontrolle über ein Land und ein neues Element, eins, das alles verändern könnte: Eisen. Kann eine Mauer, die das Meer für Jahrhunderte zurückgehalten hat und sich von England bis Dänemark erstreckt, eine Mauer aus Stein und Erde, die fünfzig Meter hoch ist, die Zukunft fern halten?

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Seitenzahl: 660

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stephen baxter

bronzesommer

NORDLAND-TRILOGIEBAND 2

Übersetzung: Claudia Kern

Die deutsche Ausgabe von BRONZESOMMER (NORDLAND-TRILOGIE Band 2)wird herausgegeben von Amigo Grafik, Teinacher Straße 72, 71634 Ludwigsburg.Herausgeber: Andreas Mergenthaler und Hardy Hellstern,Übersetzung: Claudia Kern; verantwortlicher Redakteur und Lektorat: Markus Rohde;Lektorat: Andrea Bottlinger und Gisela Schell; Satz: Rowan Rüster/Amigo Grafik;

Titel der Originalausgabe: BRONZE SUMMER (NORTHLAND TRILOGY Book 2)

© 2012 by Stephen Baxter. All rights reserved.

German translation copyright © 2015, by Amigo Grafik GbR.

First published by Gollancz, an imprint of The Orion Publishing Group, London.

Print ISBN: 978-3-86425-451-2 (September 2015)E-Book ISBN: 978-3-86425-706-3 (September 2015)

WWW.CROSS-CULT.DE

Für Brian Aldiss

Eins

1

Eis bedeckte einst die Kontinente. Die Welt war absolut still.

Schließlich zog sich das Eis widerwillig in seine Festungen in den Bergen und an den Polen zurück. Menschen breiteten sich nach Norden aus und kolonisierten das sich erholende Land. Ihre Leben waren kurz und hart. Schon bald erinnerte man sich nur noch in Legenden an das Eis.

Doch die Welt um sie herum machte weiterhin starke Veränderungen durch. Das Land hob sich und federte nach, als es von der Last des Eises befreit wurde. Schmelzwasser floss in die Ozeane und in Landsenken. Die Meere stiegen an und nagten an der Küste von Nordland, der breiten Landbrücke, die eine Halbinsel namens Albia mit dem Kontinent verband. Diese Landbrücke wäre vielleicht zerstört worden, hätten die Menschen von Nordland sie nicht verteidigt. Zuerst zaghaft widersetzten sie sich mit primitiven, flutabweisenden Hügeln, Abflussgräben, die sie in den Boden kratzten, und aufgetürmten Dämmen aus Steinen und Erde den langsamen Angriffen des Ozeans.

Währenddessen kamen weit entfernt im Osten neue Ideen auf. Die Menschen hatten seit Langem wilde Schafe und Ziegen gejagt und das Wachstum nahrhafterer Getreidepflanzen gefördert. Um eine geregelte Nahrungsversorgung zu erreichen, verbesserten sie diese Techniken. Sie pferchten Herden ein und legten Felder an. Die Bevölkerung nahm deutlich zu.

Aber das Eis ließ die Menschen noch nicht los. Eine übrig gebliebene Eiskappe auf dem westlichen Kontinent brach zusammen. Eisiges Wasser strömte durch Flusstäler bis zum Ozean. Der Meeresspiegel stieg sprunghaft an. Auch das überstand Nordland dank seines bereits uralten Systems aus Meereswällen, Dämmen und Abflusskanälen. Aber das plötzlich in die Ozeane eingedrungene, eiskalte Schmelzwasser sorgte dafür, dass die Strömungen ausblieben. Daraufhin setzte eine Jahrhunderte währende Kälteperiode ein. Der Klimakollaps und die übertriebene Ausbeutung der Natur zwangen die Bauern im Osten dazu, ihre Heimat zu verlassen. Sie breiteten sich entlang der Flusstäler und Meeresküsten nach Westen aus und brachten ihre Tiere und ihr Saatgut mit. Langsam eroberten sie den Kontinent. Wälder wurden abgeholzt, Rauch stieg aus neuen Siedlungen auf.

Nach zweitausend Jahren hatte sich die Kultur der Bauern bis an die Küste des westlichen Ozeans ausgebreitet, aber hier endete ihr Siegeszug. Hätte es die Nordländer nicht gegeben, hätten die Bauern vielleicht die Küstenregionen und die Inseln nahe der Küste besiedelt und ihre Kultur auch dorthin gebracht. Aber die Nordländer, die ihre Nahrung immer noch aus der Wildnis bezogen, waren gebildet, technologisch hoch entwickelt, stark, selbstsicher. Sie handelten und lernten, aber der Ackerbau interessierte sie nicht.

Das Klima veränderte sich erneut. Eine kurze Trockenperiode läutete ein warmes und trockenes Zeitalter ein, und die verletzlichen menschlichen Kulturen mussten sich ihm anpassen. Die Bauernsiedlungen im Osten wuchsen zu einem neuen Phänomen zusammen, zu Ortschaften und Städten, Ballungszentren, die zentral geführt wurden und sich der wichtigen Aufgabe verschrieben hatten, das austrocknende Land mit einem Netz aus Bewässerungskanälen zu durchziehen. Reiche breiteten sich aus wie Pilze auf totem Holz. Schon bald entstanden Handelsstraßen auf dem Kontinent. Auf ihnen wurde Bernstein aus dem Norden, Silber aus dem Süden, Holz aus dem Westen, Zinn und Lapislazuli aus dem Osten getauscht. Bronze war allgegenwärtig, in Kelchen und Ornamenten und Statuen, in den Rüstungen und Schwertern der neuen Kriegerkönige. Die Händler und Krieger erkundeten auf der Suche nach Profit und Eroberungen den Westen und den Norden. Doch die alte Nordländerkultur widerstand auch ihnen, und so blieben ihre Traditionen erhalten.

Die Erde kam immer noch nicht zur Ruhe. Über einem Ozean am anderen Ende der Welt brach ein komplexer Zyklus aus Wärme und Feuchtigkeit zusammen, entstand aufs Neue und veränderte sich. Wie eine gewaltige Welle breiteten sich die Konsequenzen dieser Ereignisse über die Kontinente aus. Die brachten Überflutungen und Dürren mit sich, Hungersnöte und Katastrophen.

Und unter einem Berg auf einer Insel im westlichen Ozean sammelte sich Schmelzgestein und warf sich gegen die Wände seines Gefängnisses.

2

Das Jahr des Feuerbergs: Frühlingsanfang

Milaqa stieg die Stufen hinauf, die in die Seitenwand des Walls geschlagen worden waren. Sie bewegte sich mit langen, entschlossenen Schritten und versuchte nicht an ihre tote Mutter zu denken, deren verwesende Leiche offen auf der Krone lag.

Der Gussstein neben der Treppe war mit eingeritztem Graffiti übersät, den fließend wirkenden Kreisen und Bögen der Etxelur-Schrift. »HARA LIEBT MEK.« »GAGO AUS DEM HAUS DER FELDMAUS SCHULDET MIR EINE REHKEULE. TRAUT IHM NICHT …« Daneben entdeckte sie einen Spruch im kantig wirkenden Alphabet der Griechen. Die Sprache war ihr vertraut und sie konnte die Worte problemlos übersetzen. »ICH, PALLAS, HABE IM NEUNTEN JAHR NACH DEM STURM DIESEN WALL ERKLOMMEN UND DEM NORDMEER GETROTZT.« Ein Händler oder Prinz, der die Welt erkunden wollte, vermutete sie, und ein Angeber wie alle aus seinem Volk.

Ihre Schritte wurden langsamer. Sie ließ sich zu sehr von diesen Sprüchen ablenken. Sie zwang sich, schneller zu gehen.

Als sie die Krone erreichte, breitete sich das alte Etxelur vor ihr unter einem grauen Himmel aus. Sie sah die Erdwälle und Fluthügel, die Häuser, die den krummen Rücken der Feuersteininsel bedeckten. Dahinter erstreckte sich das flache, nebelverhangene Nordland bis zum südlichen Horizont. Ein gepflegtes, gewaltiges Netzwerk aus gerade angelegten Pfaden, Kanälen, Dämmen, Hohlwegen und Wasserfurchen durchzog die graugrüne Landschaft. Ein Schwarm Vögel, möglicherweise Rotdrosseln, landete weit entfernt im Gras. Als sie nach Norden sah, verbargen die scharfkantigen Ränder des Walls das Meer vor ihrem Blick. Es hieß, der Wall sei so hoch wie dreißig übereinander stehende Erwachsene und halb so breit. Und doch hörte sie das Fauchen des Meers und spürte kalte Gischt auf ihrer Stirn.

Der Wind drehte sich, und auf einmal stank es nach Verwesung, nach Tod. Milaqa wickelte sich ihren Umhang enger um den Körper. Am liebsten wäre sie in die Wärme und die Helligkeit der Galerien in Erfüllung zurückgekehrt, zu dem freundlichen Geplapper ihrer Freunde. Aber das ging nicht.

Sie ging über das Rückgrat des Walls, vorbei an den wenigen Monumenten, die die gewaltige Krone säumten. Bei den ältesten handelte es sich um schmale Monolithen, Platten aus Granit und Basalt, Geschenke der strengen, den Himmel beobachtenden Gemeinschaften von Gaira. Neuer waren die Annidköpfe, Abbilder der Herrscher von Etxelur, die von Bildhauern jenseits des westlichen Ozeans erschaffen worden waren. Die scharfkantigen Gesichter waren so groß wie Milaqa und wandten sich trotzig dem wütenden Meer zu, wie es der Wall selbst seit Hunderten Generationen tat. Das Gesicht ihrer Mutter würde den düsteren, blinden Wächtern schon bald Gesellschaft leisten. Die Erinnerung an einen Sommertag stieg wie eine Luftblase aus einem ruhigen Teich empor. Milaqa war erst fünf oder sechs gewesen und Kuma hatte sie hochgehoben und sie im hellen Sonnenlicht herumgewirbelt. Milaqa war jetzt sechzehn Jahre alt. Sie verdrängte die Erinnerung.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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